Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 185.

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F

Ita Haine.

Donnerstag, den 23. September.

KNachdruck berboten.

Novelle von S. Juschkewitsch.

1909

Fenster gegenüber und neben ihr machte sich die Krankent pflegerin mit dem Kinde zu schaffen. Ita winkte ihr unge duldig mit der Hand, aber Esther zog die Brauen zusammen und biß auf die Unterlippe zum Zeichen, daß sie jetzt nicht loskommen fönne. Da begann Ita fie flehentlich über die Der Morgen fam. Das Kind wachte ferngesund auf, Gesundheit ihres Kindes zu fragen und vergaß dabei ganz, ohne Fieber, munter, und Ita vergaß vor Freude darüber daß man sie ja nicht hören könne. Efther gab ihr durch ihre eigene Müdigkeit. Sie begann sich anzukleiden und fann Beichen zu verstehen, daß sie nichts höre und blidte zur Dede über ein Mittel, loszukommen. Gegen zehn Uhr begann sie hinauf, um anzudeuten, alles stehe in Gottes Hand. Während darüber mit der" Gnädigen" zu sprechen und fah voraus, dessen war die Krankenpflegerin an die andere Seite des daß sie viel Hartnäckigkeit und Unnachgiebigkeit werde an den Bettes getreten und hatte das Kind auf Esthers Knien derart Tag legen müssen, um ihre Einwilligung zum Gang ins zurechtgefeßt, daß das Licht voll auf sein Gefichtchen fiel. Ita Krankenhaus zu erhalten. Es fam, wie sie es vorausgesehen ſtarrte es unverwandt an. Sie hörte nicht sein Stöhnen, hatte: die Gnädige" wollte zuerst nichts davon wissen, aber sie errit es aus dem Ausdrud seines ermatteten Gesicht sanfte, schrie, aber gab schließlich die gewünschte Erlaubnis chens und seufzte mit ihm, als ob auch sie an Atemnot leide. als sie fah, daß das Uebergewicht nicht auf ihrer Seite war. Esther hielt das Kind mit einem Arm fest, die andere Hand Aber um doch das letzte Wort zu behalten, gab sie Sta eine legte sie auf seine Stirn und drückte sein Köpfchen gegen ihre ausführliche Instruktion mit auf den Weg, wie sie sich im Brust. Sett sab ta, wie es mit Armen und Beinen zappelte, Krankenhaus zu verhalten habe. Das war freilich durchaus um sich schlug und ganz violett im Geficht wurde. Vor Ent­überflüssig, denn alle wußten, daß Unbefugten der Eintritt feßen und Mitleid schrie sie laut auf. Etwas Altes, Wohl­in die Infektionsbaracke verboten ist; trotzdem befahl sie Ita, bekanntes war trok allem in den Zügen des Kindes geblieben, auf alle Fälle an das franke Kind nicht nahe heranzukommen. Die unbarmherzige Beit hatte es nicht zu tilgen vermocht. Sta versprach ihr alles was sie wollte und trat gegen 12 Uhr Sta erkannte es an den feinen Nederchen am Hals, die stets deutlich zu sehen waren, wenn es weinte oder schrie. Die gea aus dem Hause. Am Tor des Krankenhauses mußte sie noch wie im senkten Rider Esthers verliehen ihrem Gesicht einen ernsten, Märchen das Herz eines Cerberus von Pförtner erweichen, strengen Ausdruck; Ita haßte sie in diesem Augenblick von der sie nicht einlassen wollte. Aber als sie auf den Gedanken ganzem Herzen. Sie selbst aber machte alle Bewegungen des tam, ihre Hand mit ein paar kleinen Münzen ins kleine Kindes mit, und es war ihr, als ob sie seine Leiden linderte, Fensterchen zu steden, öffnete sich die Pforte wie auf Bauber- wenn sie sie mitempfand. Die Frau, die ihr den Platz ab­geheiß. Lange irrte fie in dem schweigsamen, mit düsteren getreten hatte, machte schon Versuche, fie fortzudrängen, aber Bauten umgebenen Riesenhof umher, ohne das Haus zu Ita wich und wankte nicht. Als man endlich damit fertig finden, wo ihr Kind lag, und erst nach langem Fragen, nach war, den Hals zu pinseln und das Kind wieder ins Bett bielem Hin und Her durch Korridore und Berbindungsgänge gelegt wurde, hörten auch ihre Zeiden auf, aber sie beweinte fand sie endlich in einem zweiten Hof die Kinderinfektions- noch lange, lange ihr grenzenloses Unglück und ihre Er­barade. Es war ein einfaches, ländlich gebautes niedriges niedrigung. Wie ihr von zehnfacher Liebe beseeltes Herz nach Häuschen mit weißen Wänden, mit vielen Fenstern und von dem Kind verlangte! Wessen Sorgen, wessen Pflege könnte Bäumen beschattet. Sta fuchte mit den Augen die Eingangs- sich mit ihrer mütterlichen Pflege messen, die so herzlich, fo tür, fand sie abr nicht, denn der Eingang befand sich an der opferwillig, zärtlich und so sorgsam war? Sie erstarb vor Rückwand. Auch wußte fie, daß sie doch nicht hereingelassen Liebe und Mitleid, aber nichts außer ihren starren Blicken werde, und so trat sie zum letzten Fenster, durch das sie in zum Fenster hinein, nicht außer ihren heißen Tränen, die es das Innere des Hauses blickte. Sie sah dort zwei Reihen von doch nicht sah, konnte sie ihrem Kind geben.... Betten und viel kleine Kinder und Frauen in Blusen neben Esther kam endlich heraus und Ita, die auf sie zustürzte, ähnen. Ita konnte aber ihr Kind nicht herausfinden. Alle sah erst jetzt, wie sonderbar sie in dem Kittel aussah. Augenblicke kamen Leute mit ernsten Gesichtern in Begleitung Das Kind stirbt, durchzuckte es sie bei ihrem Anblick. von Mädchen in langen weißen Ritteln an ihr vorüber, und Es war eine Nacht," flüsterte Esther, den Worten einen fie trat mit geheimem Merger, aber doch respektvoll vom Fenster furchtbaren Sinn beilegend, möge sie sich nie mehr wieder­zurüd. Am anderen Fenster, neben ihr, standen zwei ärmlich holen." gekleidete Frauen, die Gesichter fest an die Scheiben gepreßt. Sta nahm sie beiseite, hielt sie am Rock fest und fragte sie: Ein paarmal ging ein Hausmädchen vorüber und fragte Was sagt der Arzt?" schließlich ta mit einer weichen freundlichen Stimme, was fie hier tue. Dankerfüllt erwiderte Ita, sie sei Amme, aber ihr eigenes Kind sei am Krupp erkrankt, und sie möchte gern wissen, wie es ihm gehe; deshalb stehe fie hier am Fenster und wolle die Pflegerin ihres Kindes herausfinden. Das Mäd­then fragte nach dem Namen und versprach ihr, über das Kind Bescheid zu sagen. Als sie gegangen war, bohrte Sta ihren Blid ins Fenster, aber bald begriff sie, daß sie hier bergebens Suche; sie trat daher an das andere Fenster, wo die beiden Frauen standen, und um sie sich günstig zu stimmen, fragte fie, wen sie hier suchten. Die eine antwortete, fie sähe ihr Kind, das sich auf dem Wege der Befferung befände. Die andere sagte, ihrem Kind wäre es auch schon besser gegangen, ,, Sehen Sie diese beiden Frauen," dabei wies sie mit den aber nach zweitägiger Hoffnung hätte sich seine Lage ber­schlimmert und, wie es scheine, endgültig. Doch wäre das Augen auf die beiden am Fenster stehenden Ammen. Eine Rind jezt nicht im Saal, da es augenblidlich operiert werde; bon ihnen wartet noch immer auf ein Wunder, obwohl das fie selbst wäre jetzt mehr tot als lebend. Dabei weinte die sind schon in den Operationsfaal gekommen ist. Es ging Frau und wischte sich die Augen mit einem sehr schmutzigen ihm schon scheinbar besser, aber ich habe gleich verstanden, Taschentuch. Beide waren ebenfalls Ammen und hatten hier daß es ein schlimmes Beichen ist."

bor dem Fenster Bekanntschaft gemacht. Ita seufzte ein paar­

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Er nickt mit dem Kopf, aber was das heißt, weiß ich nicht. Die Krankenpflegerin meint es geht ihm besser."

,, Warum haben Sie denn bis jetzt geschwiegen?" ertönte wieder hell tas Stimme. Mir ist es, als ob ich schon zwei Menschenleben in der Hölle war. Er meint es ginge besser? Esther, ich schenke Ihnen meinen ganzen Monatslohn. Retten Sie das Kind. Erst jetzt weiß ich, wie lieb ich es habe."

daß

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Gott wird helfen," sagte Esther so trocken und hart, ta vor Angst keine weiteren Erklärungen hören wollte Es gibt auch solche Leute, dachte sie, Esther musternd. Sie stand nunmehr schweigend da und lauschte Esthers Erzählungen von den Schrecken des Krankenſaales.

Meinem Kind geht es ja auch besser," flüsterte Ita ton

Esther wurde einen Augenblick berlegen, aber faßte sich

mal mitleidig und bat endlich die Frau, deren Kind in der los und erblaßte. Genesung war, ihr den Plaß am Fenster abzutreten, damit auch sie ihren Jungen sehen könne. Die Amme willigte höf- und fagte: lich ein. Ita trat auf ihren Plaß und fah nach einer kurzen

Ihr Kind das ist ganz was anderes. Von außen

aufmerksamen Musterung Esther, die in ihrem Krankenhaus- fieht's nicht so gut aus, aber der Hals ist besser, das ist die tittel kaum zu erkennen war. Esther faß am vierten Bett dem Hauptsache."