292

Zeit des Neumondes, wenn der Mond zwischen Erde und Sonne| Totalität der Finsternis um einige Gefunden genügen. Die ge tritt, verdeckt er daher im allgemeinen irgendwelchen Teilen der naue Beobachtung aller Daten der Finsternis muß also zu einer Erdoberfläche keineswegs die Sonne, sein Schatten fällt vielmehr Korrektur des Wertes für den Monddurchmesser, zu einer Verbesse. nördlich oder südlich über die Erde hinaus und über ihm oder unter rung der Mondtafeln bienen. ihm weg wird die Sonne vollständig ungetrübt erblickt. Nur wenn der Mond sich zur Zeit des Neumondes ganz nahe an einem Knoten seiner Bahn befindet, was im allgemeinen nur zweimal im Jahre eintritt, kommt er in eine Stellung, in der er einem Teil der Erd­oberfläche den Anblick der Sonne entzieht. Die genaue Verfolgung und Prüfung der Mondbahn wird also durch eine sorgfältige Be­obachtung der Finsternisse gegeben.

-

Wenn nun auch nicht bei jedem Umlauf des Mondes um die Erde, also nicht in jedem Monat zur Zeit des Neumondes, eine Ver­finsterung der Sonne eintritt, so müßten doch jedesmal, wenn sie sich ereignet, die allgemeinen Verhältnisse ganz die gleichen und daher alles, was rechnungsmäßig hierbei in Betracht zu ziehen ist, längst so genau wie möglich erforscht sein. Das wäre auch sicher­lich der Fall, wenn die Bahnen der Himmelskörper vollkommene Kreisbahnen wären, wie man im ganzen Altertum und wie auch Kopernikus noch als selbstverständlich annahm. Aber seit den Zeiten Replers( gest. 1630) wiffen wir, daß dem nicht so ist, daß vielmehr die Körper unferes Sonnensystems fich in elliptischen Bahnen be­wegen. Die Ellipse ist eine eiförmige Linie mit besonderen geo­metrischen Eigenschaften. Sie hat wie der Kreis einen Mittel­punkt, der jeden durch ihn gezogenen Durchmesser in zwei gleiche Abschnitte feilt. Während aber beim Kreis alle Durchmesser gleich find, sind sie bei der Ellipse verschieden groß, sie hat einen größten Durchmesser, die große Achse, und darauf senkrecht stehend einen #leinsten Durchmesser, die kleinste Achse, und je nachdem diese beiden mehr oder weniger voneinander abweichen, wird die Form der Ellipse sich mehr der Eiform oder mehr der Kreisform nähern. Bei der Erdbahn beträgt die Abweichung der kleinen von der großen Achse noch nicht 1/5000, die Bahn ist dem Kreise also sehr ähnlich, bei der Mondbahn ist die Abweichung 7-8mal so groß, 70. Das Gestirn, das für die Bewegung eines anderen als Zentralförper gilt, steht nun nicht im Mittelpunkt der elliptischen Bahn, sondern auf der großen Achse etwas seitlich davon in einem der sogenannten Brennpunkte, der dem Mittelpunkte um so näher sich befindet, je weniger die kleine Achse von der großen und somit die Ellipse von der Kreisform abweicht. Man erkennt leicht, daß die Entfernung eines Gestirns von seinem Zentralförper nicht unerheblich schwankt, daß also die Erde der Sonne bald näher steht, bald weiter von ihr entfernt sein muß, und daß es ebenso mit der Entfernung von Mond und Erde der Fall ist. Bei der sehr kreisähnlichen Erdbahn beträgt die Differenz zwischen größter und fleinster Entfernung zur Sonne nur 3/100, bei der Mondbahn dagegen ist die Differenz zwischen Apogäum( Erdferne) und Perigäum( Erdnähe) das Vier­fache dieses Betrages, 12/100. Damit hängt es nun zusammen, daß Sonne und Mond uns nicht immer gleich groß erscheinen, denn die scheinbare Größe eines Körpers, der Winkel, unter dem wir ihn fehen, hängt von seiner Entfernung ab, er wird um so fleiner, je weiter der Körper von uns entfernt ist. Freilich handelt es sich hier nur um wenige Bogenminuten, die aber doch für unsere Meß­instrumente nachweisbar sind und die vor allem bei den Be­deckungen des einen Körpers durch den anderen eine sehr wesentliche Rolle spielen.

Ea

Eine weitere wissenschaftliche Bedeutung hat die Beobachtung totaler Sonnenfinsternisse für die Erforschung der physischen Natur der Sonne. Während der kurzen Dauer der völligen Verfinsterung sieht man eigentümliche, ihre Gestalt rasch ändernde Hervorragungen über dem Sonnenrand. Diese sogenannten Pro­tuberanzen sind namentlich seit Erfindung der Spektral analyse zum Gegenstand eingehenden Studiums bei totalen Sonnen­finsternissen gemacht worden. Seit 1868 find aber Methoden er sonnen worden, durch die die Protuberanzen auch unabhängig von den Finsternissen dem Auge des Beobachters zugänglich werden, und seitdem sind sie in allen ihren Erscheinungsformen sehr gründ lich erforscht worden, so daß die Sonnenfinsternisse für ihre Bes obachtung wesentlich an Bedeutung verloren haben. Die Natur der Protuberanzen steht noch keineswegs fest, es sprechen sehr gewichtige Gründe dagegen, sie als Ausbrüche glühender Gase aus dem Sonneninnern aufzufassen, wie man früher allgemein tat. handelt sich bei ihnen vielmehr um Erscheinungen, die durch merk­würdige, unregelmäßige Brechungen des Lichtes hervorgerufen wer­den, aber die Entscheidung über diese wissenschaftliche Streitfrage wird nicht von der Beobachtung von Sonnenfinsternissen abhängen. Dagegen ist es noch nicht geglückt, eine andere rätselhafte Licht erscheinung anders als bei einer totalen Sonnenfinsternis zu be obachten. Das ist die sogenannte Korona, die als ein überaus zarter, sich weit über den Sonnenrand erstreckender Lichtschimmer bon unregelmäßiger und veränderlicher Gestalt beschrieben wird. eber ihre Natur herrscht noch vollständige Dunkelheit und erst weitere Beobachtungen bei totalen Sonnenfinsternissen, vor allem ihre photographische Aufnahme werden das Rätsel dieser Erschei nung der Lösung näher führen, wofern es nicht glücken sollte, auch fie unabhängig von einer Finsternis der Beobachtung durch unsere bervollkommneten Instrumente zugänglich zu machen. Noch für eine andere Frage find Sonnenfinsternisse von Be deutung, für die Frage nämlich, ob ein uns unbekannter Planet oder eine Schar kleinerer Planeten die Sonne in geringerem Ab­stand umkreisen, als der ihr nächststehende der uns bekannten Pla­den der Name Bulkan in Aussicht genommen war, wurde seit den neten, Merkur. Dieser vermutete intramerkurielle Planet, für 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei totalen Sonnenfinfter­nissen sehr eifrig gesucht, da er bei günstiger Stellung hätte sicht­Suchens nach ihm ist man indes zu der Ueberzeugung gekommen, bar werden können. Nach dem völlig negativen Ergebnis alles daß die Unregelmäßigkeiten der Merkurbahn wohl anders als durch die Einwirkungen eines solchen Planeten zu erklären sind.

Die Beobachtung der Sonnenfinsternisse hat also viel von der Bedeutung verloren, die sie vor wenigen Jahrzehnten noch für die wissenschaftliche Welt besaß, doch gibt es noch immer genug wichtige Probleme, die durch ihre genaue Beobachtung der Lösung näher geführt werden müssen.

Kleines feuilleton.

Paläontologisches.

Bei der Sonne beträgt die Abweichung nur eine Bogenminute, ihre scheinbare Größe in der Sonnennähe( am 21. Dezember) ist 32% Minute, in der Sonnenferne( am 21. Juni) nur 31½ Minute. Ein fliegendes Reptil. Nirgends läßt sich im Tier­Beim Mond beträgt die Schwankung fünfmal so viel, er erscheint reich eine gründlichere Bestätigung der Entwickelungslehre finden als uns in der Erdnähe unter einem Winkel von 34 Minuten und in im Uebergang von den Reptilien zu den Vögeln. Heute scheint jeder der Erdferne unter einem Winkel von nur 29 Minuten. Aus diesen Vertreter der Kriechtiere, sei es eine Schlange, ein Krokodil oder Bahlen geht sofort hervor, daß die Verfinsterungen der Sonne durch eine andere Art, von allen Vögeln weltenweit verschieden. Unter den Mond sehr verschiedenartig sein müssen. Greignet sich eine den Resten der ausgestorbenen Tiere aber finden sich Mischformen, solche Bedeckung in der Erdferne, so bleibt die scheinbare Größe des bei denen es schwer zu entscheiden ist, ob fie mit mehr Mondes( 29 Minuten) hinter der der Sonne unter allen Umständen Recht zu dieser oder zu jener Klasse der Wirbeltiere ge­etwas zurück, er kann die Sonne daher in keinem Moment der Ver- hören. Es gibt da sowohl fliegende Reptilien, die ganz finsterung völlig bedecken, sondern es bleibt ein sehr schmaler Rand sicher ein Federkleid besessen haben, als andererseits echte frei, der als leuchtender Ring am Himmel sichtbar ist. Vögel, die in ihrem Schnabel Zähne hatten. Nament lich ist die Kreideformation in den Vereinigten Staaten reich an solchen Funden gewesen, deren wissenschaftliche Untersuchung besonders dem verstorbenen Professor Marsh zu verdanken gewesen ist. Jezt hat Dr. Eaton in den Denkschriften der Connecticut akademie eine prächtige Arbeit über eine bisher nicht beschriebene Tierform dieser Art veröffentlicht, die gleichfalls jener Gruppe zu gerechnet wird. Ihr Name ist Pteranodon, und sie bildet das letzte und am höchsten entwickelte Glied der fliegenden Reptilien. Gleich­zeitig war dies auch die größte Gattung dieser merkwürdigen Tier­gruppe. Die Spannweite der Flügel wird bei manchen Exemplaren auf fast fieben Meter geschätzt. Es ist jetzt zum ersten Male gelungen, ein vollständiges Skelett des Pteranodon zusammen­zustellen. Abgesehen von den ins Ungeheuerliche verlängerten Glied­maßen, ist am auffälligsten die Gestalt des Kopfes, die überhaupt im Tierreich nicht ihresgleichen besigt. Die beiden Kiefer oder, wenn man die Bezeichnung von den Bögeln entlehnen wollte, der Schnabel erreicht eine enorme Länge, und auf der entgegengeießten Seite trägt der Kopf noch einen riesigen Knochenkamm, eine Verlängerung gleichen Betrages. Wahrscheinlich hat dieser Kamm einmal zum Ansaz besonders starter Saumuskeln und außerdem wohl als Gegen­gewicht gegen den langen Schnabel gedient.

Wegen der Wölbung der Erdoberfläche sind nicht alle Stellen gleich weit vom Monde entfernt, und daher kann es vorkommen, daß er für die ihm am nächsten gelegenen die Sonne noch voll ständig verdeckt, also eine totale Sonnenfinsternis hervorruft, während für andere, weiter gelegene Stellen die Finsternis eine ringförmige ist. Von dieser Art wird die Sonnenfinsternis vom 17. April sein, und zwar wird sie nach den Berechnungen der Ber­Iiner Sternwarte fast genau an der Grenze zwischen Belgien und Deutschland , bei dem belgischen Orte Born, diesen Uebergang zeigen; während sie in Frankreich und Belgien noch total ist, wird sie in Deutschland ringförmig sein, natürlich nur auf einer schmalen Zone, an allen anderen Orten, so auch in Berlin , ist die Finsternis partiell, eine schmale Sichel der Sonne bleibt frei. Wenn die wahre Größe des Mondes auch nur sehr wenig von dem Werte abweicht, der der Rechnung zugrunde liegt, so muß die Grenze des Ueberganges zwischen Totalität und Ring­förmigkeit der Finsternis sich etwas verschieben. Selbstverständlich fann es sich nur um sehr geringe Größen handeln, nicht etwa um Kilometer, sondern nur um wenige Meter kann der Wert des Monddurchmessers ungenau sein, aber das würde doch zu einer felchen Verschiebung sowie zu einer Veränderung der Dauer der Berantwortl. Redakteur: Albert Wachs, Berlin . Drud u. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.

-W