Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 141. Mittwoch den 24. Juü. 1912 lNachdruil vervolen.l 17] Der Mittider. Von Ludwig Thoma . Lenz kam mit einer zögernden und bedächtigen Antivort. „G'nau woaß i Wohl it. So um a'r a fufzehniausad March umanand." „Baar und auf d' Hand?" „I moan scho. Von da Muatta her hat s' sieb'ntausad, und dös ander legt vielleicht da Vata zua. Aba da«--«„fzt d' scho eahm selm frag'n." „Dös is g'wiß. Es is grad, daß ma si a wengl aus- kennt." „-v�a fa. „Vo da Schneiderin hon i's aa scho beiläufi g'hört." „Paßt's da nacha?" „Ja. Wann sie fufzeh'tausad auf d' Hand kriagt, mag i." Der Lenz kaute an einem Strohhalm und war nach- denklich. „Du." fragte er.„hoscht du dahoam's Anwes'n scho übanomma?" „No it. Wann i an Eh'vatrag protakallier. kriag i aa'r an Hof." „Wia alt bischt denn?" „Achtazwanz'g wer i." „Du hoscht as fchö!" Der Lenz seufzte, wie er das sagte. „Aa'r it schöna wia du. Bei dir werd's Wohl aa nimma lang hergeh'." „Recht lang werd's nimma hergeh'!" Der Prückl Kaspar lachte. „I woaß scho: es is it gar so leicht, bis ma de Alt'n zu da Rnah bringt! i ho de lctzt'n Jahr her aa g'stritt'n und g'mammst(gemault) grad gnua." „Han? Hoscht d' aa z' thoa g'habt?" Lenz drehte sich lebhaft seinem Gast zu. „It z' weni; dös derfst d' g'wiß glaab'n." „Aba do is ganga?" „Sinscht waar i heut it da. Freili is's ganga. Was woll'n denn de Alt'n macha? Amal müassen s' geh'." „Aba wann halt!" „Um dös bandelt's a si. No, mir hat dös g'holf'a, daß an Vata a Schlag!(Schlag) g'stroast Hot, und)' Muatta Hot si auf mei Seit'n g'schlag'n." „Nacha is freili leicht." „Sag dös it! Der Alt Hot si no ei'gespreiht, als wia. und halt gar it glaab'n hat er's woll'n, bis i ehm änderst kemma bi. Auf's Frühjahr, hon i g'sagt, hcireth i und übanimm, oda du stellst da no an Knecht ei'. I mach dir koan mehr." „A niada(jeder) gibt it nach auf dös." „Was woll'n s' macha? So lang kinnon s' do aar it wart'n, bis mir kitzgraab(grau) san und's Heireth'n va- sammt Hamm!" „A Muatta is halt da dös best!" sagte Lenz und si ufztc wieder.„De kunnt drauf drucka." „Dös muaßt halt jetzt selm thoa." „D schaugt's schiach ans, und vadriaßt an Alt'n." „Dös seil gib i zua: aba wann's da'r a Hochzeiterin woaßt, nacha kunnt'n ja dera ihre Leut a bissel umrühr'n." „Von an fremd'n Mensch'n laßt si oana it gern was drei'red'n." „Ja no! Du muaßt halt wart'n: recht lang werd's nia nimma dauern: und bal d' Urschula aus'n Haus is, werd dei Vata schnell zeiti wer'n." „Ko sei: bal's dir recht is, genga ma jetzt zu de Weibs- bilda umi." Als sie über den Hof kamen, stand die Zenzi am Brunnen und pumpte Wasser in einen Trankkübel. Der Kaspar musterte sie mit einem schnellen Blich „Was habt's denn da für oani?" fragte er. „D' Kuahdirn: auf Liachtmeß• marschiert s'," sagte Lenz kurz und ein wenig verächtlich. „Saggera Hosenzwickl, de hätt' Hax'n!" „I ho s' no it o'g'schaugt auf dös." ».Geh, hör auf!" lachte der Kaspar und drückte ein Auges zv.„Daß du so was it sehgast!" „J mag's Hausbrot it." Es lag in der Antwort des Lenz eine sonderbare Schärfe, die sein Gast wohl bemerkte; jedennoch, er kümmerte sich nicht viel darum und dachte so obenhin, es werde schon irgendwie. einen Grund haben. Unter der Haustüre warf er verstohlen noch einen Blick auf das saubere Frauenzimmer, das ihm neugierig nach-. schaute. Für einen ledigen Burschen wär's kein übler Brocken gewesen, so um die Zeit, da er noch beim Leibregiment war.- In der Stube hatte das Basel einen argen Jammer. „Dös Hamm ma dumm darath'n, Kaschpa! Da Vetta kimmt erscht uma drei hoam: i Hab da's glei g'sagt, mi hätt'n eahm was z' wiss'n macha soll'n. Wos thean mir jetzt?" „Jetzt müass'n ma scho wart'n, bis er hoam kimmt: no. mal umafahr'n waar aa z'wida." „Ja freili: mi vasammt ja sei Zeit, und i ko aa net oiwei(alleweil) von dahoam furt." „Bleibt's halt do!" schlug Ursula vor.„Mir dischkrier'N mitanand, und na werd d' Zeit scho vageh'." „I woaß scho, was i thua," sagte der Kaspar,„mir Hot da Plank vo Bruckberg g'sagt, daß er a Roßg'schirr zum vo- kaffa hätt'. Da geh i ümi dazua: is eh grad a kloane Stund zu'n geh'." „Geh weita!" bat Ursula.„Werst do it glei Wieda davo renna?" „Wos that i denn do? I ko do net fünf Stund her- hocka!" „Schaugst d' halt insern Hof o!" „Den siech i danach aa: bis um oans bin i Wieda zruck, und na werd mi d' Zeit do it gar z' lang." „Eigatli Hot a recht," sagte die Schneiderbäuerin,„für was soll a herwart'n, wann er dawei a Geschäft o'macha ko? I und d' Urschula, mi untahalt'n ins scho. und da Lenz werd a so im Stall bleib'n müass'n: na vasammst d' nix, Kaschpa, wann's d' auf Bruckberg gehst: aba daß d' it z' spat kimmstl" „Ums oans bin i z'ruck. Pfllad Good beinand!" Ursula lief zur Haustüre und rief ihm nach: „Kimm fei bald z'ruck, Kaschpa!" „Gilt scho!" sagte er gerade hin, ohne sich umzudrehen» und ging weiter. „An dem kriagst d' amal an richtinga Mo," sagte die Schneiderbäuerin zur Ursula,„Werst as sehg'n." „Bal's g'wiß is, daß i'n kriag'." „Warum it? Bal da Vata a bissel mag, werd de Sach heut richtig." „Ob er it z' viel valangt?" y„Na, na, was i eahm so beiläufi g'sagt Hab', dös sell iS eahm Sach gnua g'wen." „Moanst do?" „Freili! Laß di no nix bekümmern, Urschula! Hoscht 'n denn in da Thomasnacht it g'sehg'n?" „Wia dös?" „Oes junge Mad'ln wißt's ja nix mehr, weil's koan recht'n Glaab'n aa nimma habt's. In da Thomasnacht hättst d' as leicht dafragt, ob's d' in dem Jahr de Prücklbäurin Werst." „Ah, dös san so Abaglaub'n!" „Weil's no ös all's bessa wißt's! Aba dös derfst g'wiß glaab'n: bal si oani in da Thomasnacht ganz nackert auf'n Schemmi(Schemel) vor's Bett stellt und sagt den selbinga Spruch, nacha siecht s' den Bursch'n, der wo s' heireth." „Glaabst du dös?" „Und g'wiß glaab i's, weil's amal wahr is!" „Wia hoaßt na der Spruch?" „Paß no auf! Betscheml,* tritt di, Heiliger Thomas, i bitt di, Laß mich sehgen den Herzallerliebsten meinigen Diese heilige Nacht! Und nacha kimmt a dem Madl im Traam für."
Issue
29 (24/07/1912) 141
Download single image
avaibable widths