des Gesetzes borgebeugt. EZ wird ganz nützlich sein, wenn wir bei Abfassung von Arbeiterschntzgesetzen von diesen Methoden zur Siche- rung der Durchführung der Gesetze Lehre nehmen. Zur Blciwcißfrage. Das von uns schon in Nr. SOS des.Vorwärts" gekennzeichnete„Gutachten" der rheinisch- w e st- f ä l i s ch e n Vi a I e r- und A n st r e i ch c r- I n n u n g e n an den Reichskanzler und den Minister des Innern, das sich gegen den Entwurf zur Verhütung der Bleivergiftungen wendet, enthält in seiner Begründung die Behauptung: es seien in Rheinland und Westfalen in den letzten vier Jahren in den 47 Malerinnungen, die 40 000 Gehilfen und Lehrlinge beschäftigten, nur 49 Blei- Erkrankungen mit vorübergehender Erwerbsunfähigkeit fest- gestellt worden. Demgegenüber hat die Organisation der Maler- und Anstteichergehilfe» in Köln aus den gedruckten Jahresberichten der Orts-Krankenkasse für Bauhandwerker in Köln festgestellt, daß bei einer jährlichen Mitgliederzahl von 800 A n- streichergehilfen in den letzten vier Jahren 77 Blei- Erkrankungen, darunter zwei tödliche, vor- gekommen sind. Die„Statistik" der Malerinmingen ist demnach als schwindelhast zu bezeichnen. Sie steht auf einer ähnlichen Höhe wie die„Gutachten", die seiner Zeit durch die Bleiweißfabrikanten von den Malerinnungen eingezogen wurden. Es befanden sich darunter Gutachten von„Innungen", die gar nicht existierten. Eine öffentliche Maler- und Austreichergehilfen-Versammlung in Köln nahm einstimmig eine Resolution an, worin sie die lieber- zeugung ausspricht, daß nur auf dem Wege des Blciweiß- Verbots der gefährlichen Krankheit der Bleiweißvergiftungen Ein- halt gethan werden kann. Da aber das völlige Verbot vorläufig abgelehnt ist, nimmt die Versammlung als Äbs-blagszahlung die bundcsrätliche Verordnung an, verpflichtet sich, für deren Durch- führung Sorge tragen zu wollen, und bittet, alle Verschlechierungs- antrage der Innung als unbegründet abzuweisen, da die Angaben über die Krankheitsfälle und die Unersetzbarkeit des Bleilv«ißeS nicht den Thatsachen entsprechen. Eine Bersan», lkimg von Gcwerbegerichtsbrifitzern für Rheinland- Westfalen nahm folgende Resolution an: „Das Proportionalwahlsystem bei der Wahl zu den Gewerbe- gerichten wird von den Gemeindebehörden ausschließlich zur Schwächung der Vertretung der modernen Gewerkschaften benutzt. Die Konferenz der Arbeiterbeisitzer verwirft deshalb das fakultative System der Verhältniswahl, das als Mittel des Klaffen- kampfes gegen die moderne Arbeiterbewegung ausgenützt wird." GeweiitfcKaftUcKes. Berlin und Clmgegend. Der Streik der Glasschleifer, Polierer und Beleger. Gestern vormittag erstatteten die Mitglieder der Lohnkommission in einer zahlreich besuchten Versammlung der Streikenden Bericht über den Stand der Bewegung und über die Verhandlungen mit der Kom- Mission der Arbeitgeber. DaS Ergebnis der Verhandlungen ist bereits, was die Hauptpunkte anbetrifft, in der DonnerStagnummer des„Vorwärts" mitgeteilt worden. Im allgemeinen haben sich die Arbeitgebervertreter, wie in der gestrigen Versammlung berichtet wurde, ziemlich schroff und ablehnend verhalten. So erklärte z. B. der Arbeitgeber Dittmcmn zu Beginn der Verhandlungen, daß er sich nicht an die Beschlüsse der Kommission binden würde, nahm aber dann diese Erklärung zurück, nachdem die Vertreter der Arbeiter deswegen seinen Ausschluß aus der Kommission beantragt hatten. Ein andrer Arbeitgeber, Herr Salamonis, pochte auf seinen Geldsack und meinte, ihm könne die Geschichte gern 30 000 M. kosten, da käme es ihm nicht darauf an. Wiederum ein andrer Arbeitgeber bemerkte höhnisch, zu den Arbeitervertretern ge- wandt:„Wer frißt denn die meisten Eisbene!" Daß, ivo mit solchen Redensarten„verhandelt" wird, nicht viel herauskommen kann, ist klar. Uebrigens sind die Arbeitgeber eistig bemüht, Streikbrecher heranzuholen und der Herr Salamonis hat sich in Fürth in Bayern im Hotel National einlogiert und lebt dort wohl in der Hoffnung, daß auf seine Annonce hin die Fürther Glas- schleifer gelaufen kommen, um in Berlin Arbeitswilligendicnste zu ver- richten. Er wird wohl enttäuscht werden, denn die Glasarbeiter Fürths sind vortrefflich organisiert und die Berbandsleitung in Berlin hat alles gethan, um überall die Kollegen vom hiesigen Streik in Kenntnis zu setzen. Die Arbeitgeber haben unter dem Namen„Freie Vereinigung der Glasschleifereibesitzer und verwandter Gelverbe Berlins und Umgegend" eine Organisation gegründet, die den Zweck hat,„ge- schlössen und einig den Arbeitnehmern entgegen- zutreten". So besagt ein Einladungsschreiben, das auch in die Hände der Sweikleitung geraten ist. Die Arbeiter haben bekanntlich ihre Forderungen auch damit begründet, daß durch eine solche Lohnrcgelung der Schmutzkonkurrenz entgegengewirkt werde; das wäre eigentlich eine Aufgabe für Arbeitgeber-Organisationen, die neue„Freie Ver- einigung" zieht es wie gesagt vor, den Kampf gegen die Arbeiter zu führen. UebrigenS haben die Arbeitgeber vorgestern abend unter sich eine Besprechung gehabt, von der ebenfalls in der gestrigen Streik- Versammlung Bericht gegeben wurde. Dort soll der Arbeitgeber Otto Matthes gesagt haben, wenn er seinen Arbeitern Nord- Häuser, wenn er ihnen Schnaps und Bier gäbe, dann ginge alles gut bei ihm. Im allgemeinen erklärte man, daß die Forderimg des paritäsischen Arbeitsnachweises anstrecht erhalten werden müsse und daß darauf gedrungen werden müsse, einen Tarifvertrag auf längere Zeit abzuschließen. Schließlich sprach man aber auch davon, am Sonnabend eine allgemeine Aussperrung zu veranstalten, falls die Arbeitenden nicht auf Beendigung des Streiks dringen wollten. Trotz dieser drohenden Haltung der Arbeitgeber wurde die Situation, sowohl von den Lohnkommissionsmitglied« rn, als auch von dem Verbandsvorsitzenden Girbig, der auf die Notwendigkeit festen Znsanimenhaltens der Streikenden hinwies, als sehr günstig bezeichnet, zumal der Glas- arbeiter-Verband sowohl finanziell wie auch an Mitgliedern stark genug sei, um auch einem längern Kampf gewachsen zu sein. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Versammlung spricht der Lohnkommission für ihr Verhalten bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern ihre volle Anerkennung aus und beauftragt sie, bei weiteren Verhandlungen an der bis- herigen Taktik festzuhalten, aber von den gestellten Forderungen nichts abzulassen." An der Situasion hat sich im übrigen nichts geändert, doch sollen einige weitere Firmen zum Nachgeben geneigt sein. Die nächste Versammlung der Streikenden findet am Montagvormittag statt.— Es wurde noch mitgeteilt, daß bei der Firma Ehlers in Altona gestreikt wird und ein Agent aus Hamburg hier Arbeitswillige sucht. Die Arbeiter der Kohlenfirma Dahlmann u. Uno, welche auf dem Lehrter Güterbahnhofe beschäftigt sind, haben die Arbeit eingestellt. Sie fordern den Zehnstundentag und einen Lohn von 3,75 Rt. pro Tag. Der Inhaber der Firma, Herr N e u m a n n, lehnte nicht nur diese Forderungen ab, sondern weigerte sich auch, mit dem Verband der Handels- und Transportarbeiter behufs Beilegung des Konfliktes zu unterhandeln.—. Es sind an dem Streik viele ältere Leute be- tciligt, sogar solche,' die 13, 16, 18 und 20 Jahre in dem Betriebe beschäftigt waren. Man sieht schon daran, daß es sich um keinen unüberlegten Schritt handelt, sondern daß die Leute durch die Not zu demselben gezwungen werden. Der Streik der MilchauSlrägcr bei Bolle ist bekanntlich verloren gegangen, zumeist dadurch, daß den jungen Leuten jede Organisation fehlte, aber auch, Iveil die Firma genügend Streikbrecher fand. Wie sie dazu kam, darüber bringt eine bürgerliche Korrespondenz folgende merkwürdige Aufklärung: „Der ungünstige Ausgang der Bewegung ist zum größten Teil durch den Umstand herbeigeführt worden, daß jetzt gerade die Konfirmationen stattfinden. Die Firma hat denn auch bereits zahlreiche Konfirmanden engagiert, die, soweit sie vom weiteren Schulbesuch dispensiert worden sind. schon jetzt ihres Amtes walten. Von den Streikenden habe ein Teil die Arbeit wieder aufgenommen, die übrigen sind entlassen." Die Schulauffichtsbehörde hätte angesichts dieser Feststellung alle Ursache, sich über die Frage zu äußern, ob es in Berlin wirklich ein ausreichender Schulentlassungsgrund ist, daß ein schulpflichtiger junger Mensch für einen Privatbetrieb dringend als Streikbrecher gebraucht wird. Oeutlefies Reick. Bon einer Urkuudenfölfchung Breslau « Gewerkschaftsführer machte die arbeiterfeindliche Presse ganz Deutschlands vor vier Wochen viel Wesen. Drei Vorstandsmitglieder des Bauarbeiter- Verbandes, die mit dem Arbeitgeberbunde einen Tarifvertrag abgeschlossen hatten, warteten nicht die gemeinsame Ausarbeitung des endgültigen Aktenstückes ab, sondern redigierten den schon seit Jahren bestehenden Maurertarif desselben Arbeitgeberverbandes nach bestem Wissen für ihre Verhältnisse um, wobei einige Fehler passierten, indem nicht vereinbarte Bedingungen im Satz stehen blieben. Als sie auf dieseu Irrtum aufmerksam gemacht wurden, stellten sie die Angelegenheit in einer öffentlichen Erklärung richtig. Sofort stürzte sich die„Schlesische Zeitung" und ähnliches Gelichter auf die drei Arbeiter und denunzierte sie der strafbaren Urkundenfälschung. Die Staatsanwaltschaft stellte sofort Untersuchungen und Vernehmungen an. Jetzt ist das Verfahren gegen die Betroffenen eingestellt worden, hoffentlich zur Beruhigung aller Scharfmacher. Denn wenn ein Breslauer Staatsanwalt sich von der Unschuld der„Urknndenfälscher" überzeugt, dürste es auch für die schlimmsten Arbeiterfeinde nichts niehr zu erobern geben. Rechtskräftig geworden ist das auf einen Monat Gefängnis lautende Urteil gegen den Vorsitzenden der Breslauer Maurer wegen Bedrohung eines Unternehmers. Der Verurteilte Widera hatte dem Bauunternehmer Kippte gesagt, daß die Arbeit auf seinem Bau nicht eher aufgenommen wird, bis ein gemaßregelter Maurer wieder eingestellt und ein schuldiger Polier entlassen werde. Diese „Ankündigung eines Uebels" ist auch nach dem Urteil des Ober- Landesgerichts einer Bedrohung gleich zu achten. Selbst wenn die Ankündigung nur als eine Warnung gemeint war, ist in der Beurteilung kein Unterschied zu machen. Christliche Vcrräterci. Der bürgerlichen Presse wird von christ- sicher Seite mitgeteilt, daß der Streik der Stukkateure in Düsseldorf beendigt sei. Diese Mitteilung ist nicht richtig; wahr ist, daß die Christlichen zu Verrätern an ihren streikenden Kollegen geworden sind. In einer öffentlichen Versammlung der Streikenden wurde noch in Anwesenheit und mit Zustimmung der Christlichen beschlossen, ohne Lohnerhöhung unter keinen Umständen die Arbeit aufzunehmen. Am nächsten Tage schlössen die Christlichen mit den Unternehmern einen Sondertarif ab, in welchem nur die Accordsätze berücksichtigt loerden; sie verrieten die Sache ihrer Kollegen hinter deren Rücken. Die Führer der Christlichen haben sich verpflichtet, innerhalb einer Woche den Unternehmern 200 Streikbrecher zu schaffen und sind allenthalben auf der Suche. Es wird nun ersucht, den christlichen Verrätern überall auf die Finger zu sehen, damit sie ihr Versprechen nicht halten können. Der Streik an sich steht so günstig, daß— wen» in nächster Zeit keine Streikbrecher eintreffen— derselbe mit einem Siege der Arbeiter endet. Ruslanck. Die Bauarbeiter-Bussperrung in Budapest . Von den 10 000 Bau- arbeiten:(Maurer und Hilfsarbeiters, die vor einigen Tagen von den Meistern ausgesperrt wurden, sind jetzt etwa 1000 wieder in Thätig- keil; 33 Baumeister sind aus dem Scharfmachcr-Kartell ausgetreten und haben die Forderungen der Arbeiter bewilligt. Bis zum Jahre 1903 war in Budapest nur eine sehr schwache Organisation der Bauarbeiter vorhanden, da diese nach dem im Jahre 1897 ver- loren gegangenen Streik gänzlich der Auflösung verfallen war. Die Löhne hatten demzufolge einen sehr tiefen Stand erreicht. Im Jahre 1903 erstarkte die Organisation wieder und es ge- lang den Arbeitern im Sommer vorigen Jahres einen Tarif durchzudrücken, wonach der Lohn auf 34 Heller pro Stunde festgesetzt wurde, und zwar sollten diese Abmachungen bis zum 1. März 1904 Geltung haben. Zu einem neuen Vertrag kam es nicht, aber die Meister verpflichteten sich zu einem Minimallohn von 33 Heller pro Stunde. In Wirklichkeit machten sie den Minimallohn zum Maximallohn, so daß die Arbeiter im Laufe des Sommers durch das Mittel des Boykotts, das sie gegen die schlechtesten Bezahl« anwendeten, den Lohn nack und nach auf 42 und 44 Heller brachten. Nun kündigten die Baumeister die Minimal- löhne und führten die„freie Vereinbarung" wieder ein und suchten den Lohn wieder auf 30 Heller herabzudrücken. Dies führte zu partiellen Streiks und zum Boykott und so haben die Baumeister jetzt die Aussperrung beschlossen, um sich des Druckes der Organisation möglichst zu entledigen. Die Meister suchen Polizei und Regierung gegen die Streikenden mobil zu machen und dieser Tage hat die Polizei im Bureau der Maurergewerkschaft eine Haussuchung vor- genommen, ohne aber irgend etwas Belastendes zu finden. Der 37. englische Gewerkschaftskongreß. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen hatte der Kongreß Stellung zu nehmen zu einer Resolution bezüglich der obligatorischen Schiedsgerichte, welche die Hafenarbeiter gestellt hatten. Es zeigte sich, daß der größte Teil der Delegierten ftir dieses Verfahren, alle gewerblichen Konflikte durch das obligatorische Schiedsgericht zur Entscheidung zu bringen, wenig Sympathie hat man fiirchtet, daß damit die Interessen der Arbeiter einem arbeiterfeindlichen Bureau- kratiSmus überantwortet würden. Die Resolution wurde durch Kartenabftimmnng mit 869 000 gegen 383 000 Stimmen ab- gelehnt. Sodann sprach sich der Kongreß mit 178 gegen 49 Ssimmen für die Monopolisierung der Branntwein- Industrie(inklusive des Handels) durch den Staat mis. Um diese Monopolisierung zu erleichtern, soll den Gemeindebehörden das Recht eingeräumt werden, dies Gewerbe zu monopolisieren, sobald die Majorität der Steuerzahler sich hierfür ausspricht. In der zu Gunsten des Freihandels angenommenen Resolution heißt es, daß nach Meinung des Kongresses ein Abweichen von den Principien des Freihandels den Interessen der arbeitenden Klassen im höchsten Grade schädlich sei; der Schutzzoll trage dazu bei. die not- wendigsten Lebensmittel zu verteuern, und hindere auch den Fortschritt zu internarionalem Frieden. Nur etwa V» Dutzend Delegierte stimmten wider diese Resolution. Daß die bekannte Geringschätzung in den Kreisen der englischen Tradcs-Unionisten gegenüber der gewerkschaftlichen Bewegung andrer Länder zum eignen Nachteil der Engländer noch immer fortbesteht, bewies die Ablehnung einer Resolution mit 246 gegen 83 Ssimmen, in welcher das Parlamentarische Komitee aufgefordert wird, zu allen ausländischen Arbeiterkongresse» Vertreter zu entsenden und solche auch'zu den englischen Kongressen einzuladen. Die Resolution war von Ben Till et(Hafenarbeiter) gestellt worden, der engere Beziehungen zwischen den Arbeitern aller Länder wünscht und der hervorhob, daß man gegenseitig auf diesen Kongressen lernen könne. S t e a d m a n verwies als Schatzmeister des Kon- gresses auf die hohen Kosten, und ein Herr Walker von Belfast meinte, das wäre weggeworfenes Geld. Ihren anti- militärischen Geist legten die Delegierten durch die An- nähme einer Resolution an den Tag, die sich gegen den obligatorischen Militärdienst, wie ihn die königliche Militärkommisston in Vorschlag gebracht hat, ausspricht. ES folgte die Verhandlung über einige Resolutionen, in welchen eine Herabsetzung der hohen Naturalisationsgebühren gefordert wird, damit es auch Arbeitern ermöglicht werde, englische Staatsbürger zu werden. Diese Resolutionen fanden Annahme. Ebenfalls angenommen wurde eine Resolution.� in welcher die Regierung aufgefordert wird, ein Alters-Pensionsgesetz vorzulegen, nach welchem alle Bürger (Männer und Frauen) nach zurückgelegtem 60. Lebensjahre eine Staatspension von mindestens 6 Schilling pro Woche erhalten sollen. Es folgten eine Reihe Beschlüsse, die auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes und der socialen Fürsorge liegen. So wird eine bessere Fürsorge für die Blinden gefordert, 1. durch Errichtung von nationalen und kommunalen Werkstätten mit Garantie, daß dort auch auskömmliche Löhne gezahlt werden; 2. durch Errichtung technischer Schulen für begabte Blinden, um diese mög- lichst selbständig zu machen; 3. durch Zahlung ausreichender Unter- stützung an minderbcfähigte alte Blinden. Ferner wurde durch An« nähme' einer Anzahl Resolusionen bessere Bau- und Fabrikinspektion, Anstellung einer größeren Anzahl von Inspektoren sowie der gesetz- liche Achtstundentag gefordert. Auch wird eine Verminderung der Sonntagsarbeit im'Handelsgewerbe und eine für alle Geschäfte gleiche Ladenschlußstunde gefordert. Versammlungen. Ardeitervertretcr-Berein. Wichtig für Unfallverletzte sind AuS« führungen, die anläßlich einer Debatte über Rekursentscheidungen des Reichs-Versicherungsamts am 8. September im Arbeitervertreter- Verein fielen. Die Arbeitervertreter beim Schiedsgericht und Reichs- Versichernngsamt, welche zu Worte kamen, sowie andre bei der Durchführmig der Versicherungsgesetze beteiligte Redner hoben her- vor, daß die Verletzten oft selbst schuld seien, wenn sie ihrer Renten- anspräche verlustig gingen. Zum Beispiel würde häufig in Verkennnug des Begriffes„Unfall" dann, wem: eine jedem äugen» fällige, gewaltsame Einwirkung auf den Körper nicht stattfand, sondern die Gesundbeitsschädigung sich infolge eines weniger beachteten Vorganges entwickelte, Anspruch auf Rente erhoben._ In solchen Fällen wird oft von Arbeitern die Schuld der Schwierigkeit der Arbeit oder einer Arbeitseigcnheit ganz allgemein zu- geschoben, weil viele Arbeiter der irrigen Meinung sind, daß auch eine langsame Schädigung des Körpers durch eine schwere oder eigenartige Arbeit zu den entschädigungspflichtigen„Un- fällen" gehöre. Diese Leute, verleitet durch ihre falsche Auf- fassung, beachteten häufig nicht, daß eine g a n z b e st i m m t e, auf einen kleinen Zeilraum beschränkte, mehr od e r minder plötzliche Einwirkung der Arbeit auf den Körper in letzter Linie es war, wovon ihr Leiden(etwa eine Knie- oder Handentzündung zc.) ausging. Gerade aber darauf kommt e s a n, daß bei Unfallrenten-Ansprücheu gleich von vorn- herein die Plötzlichkeit, die zeitliche Begrenzung einer bestimmten Einwirkung auf den Körper behauptet werden kann, behauptet wird und sich schließlich nachweisen läßt. Sie gehört zum Begriff des Unfalls. Schädigungen durch langsame Ein- Wirkung schwerer und besonders gearteter Arbeit gelten als Be- triebs k r a n k h e i t e n, nicht als Folgen entschädigungspflichtiger Betriebsunfälle. Für sie giebt es keine Unfallrente.— Hierüber müßten, meinten die Redner, die versicherten Arbeiter noch viel mehr belehrt werden. Auch würde sich bei manchen Erkrankungen der Beweis des Zusammenhanges mit einem Betriebsunfall viel eher führen lassen, wenn die Versicherten, die einen Unfall mit scheinbar geringen Folgen oder scheinbar ohne Folgen erlitten, alle späteren Krankheitserscheiuungen gleich daraufhin untersuchen ließen, ob sie vielleicht mit dem einst erlittenen Unfall zusammen- hingen. Mancher könnte sich so eine ihm von Rechts wegen zu- kommende Rente sichern, was ihm sonst vielleicht nicht möglich wäre. Die Entschädigungspflicht der Berufsgenossenschaften und Kranken- kaffen neben einander während der 14. bis �26. Woche nach dem Unfall betrifft ein von Stygel maier' verlesener Bescheid des Reichs- Versicherungsamtes. Darin wird ausgeführt, daß die letzte Novelle zum Krankenversicherungs- Gesetz mit der obligatorischen Einführung der Unterstützungspflicht bis zu 26 Wochen nicht beabsichtigt habe, die Krankenkassen zu Gunsten der Berufs- genossenschaften zu belasten, etwa durch Ueberwälzung eines Teils der Entschädigungslast aus Unfällen für die Zeit nach Beginn der 14. Woche seit dem Unfälle. Weiter heißt eS:„Die Berufsgenoffen- schaften haben daher von Beginn der vierzehnten Woche an nach wie vor an erster Stelle auf Grund der Unfall-Versicherungsgesetze die Fürsorge und Entschädigung für Unfallverletzte zu leisten, ohne daß es ihnen freisteht, von einem Eintreten aus irgendtuelchen Gründen(der Fall des§ 11 Absatz 1 de» Gewerbe- Unfallgesetzes bildet keine Ausnahme von diesem Grundsatz) abzusehen und dadurch mittelbar sich unter Umständen zu Lasten der Krankenkassen einen Vermögensvorteil durch Ersparung von Ausgaben zu sichern.— Aller- dings sind auch die Krankenkassen nicht mehr befugt, Unfallverletzte lediglich unter Hinweis auf die Leistungspflicht der Unfallversicherungs- organe vor Beginn der 14. Woche nach dem Unfälle an im Falle etwaiger Zögerung dieser Organe ohne Fürsorge zu lassen." Ueber die Bedeutung dieses Bescheides für die Krankenkaffen wurde sehr lebhaft debattiert. Besonders von Gutfleisch wurde die Auffaffung vertreten, daß die Kassen, die in strittigen Fällen für Unfallverletzte auch noch nach Ablauf der 13. Woche eintreten, doch vielfach die Leidttagenden sein werden, weil sie vollen Ersatz von den ver- pflichteten Berufsgenossenschaften wohl kaum erlangen würden. Ihm gegenüber machte Albrccht geltend, daß sich bei einiger Vorsicht die Kassen im Civilprozeß(gegen die Berufsgenoffenschaft) zu ihrem Rechte verhelfen könnten.— Man besprach noch einige andre Fach- angelegenheiten._ Letzte Nachrichten und Depefchen. Reichstags-Stichwahl Schaumbnrg-Lippe. Bückevurg, 9. September 1904.(Privattclegramm.) Bei der heute im Wahlkreise Schaumburg-Lippe stattgehabten Reichstags- Stichwahl erhielt von 7072 abgegebenen gültigen Stimmen Amts- gcrichtsrat Dr. Brunstermann-Stadthagen(kons.) 4516, Klingen- Hagcn-Herford(Soz.) 2656 Stimmen. Somit ist Dr. Brunstcr- mann(kons.) gewählt._ Vom ostafiatischen Kriegsschauplätze. London , 9. September. (B. H. ) Wie nachträglich aus Tfchifu gemeldet wird, sind bei der Explosion der Flattermine von Port Arthur von den 700 Mann der japanischen Kolonne die Hälfte getötet worden; auch die Geretteten sind fast sämtlich verwundet. Budapest . 9. September. (W. X. B.) In einer heute ab- gehaltenen Versammlung von Delegierten der Arbeiterschaft aller Gewerbezweige Budapests wurde beschlossen, den Bauarbeitern, mit denen die übrigen Arbeiter sich solidarisch erklären, während der Daner der Aussperrung allwöchentlich eine Geldbeihilfe zukommen zu lassen. Lemberg , 9. September. (B. B.) Der Verband der polnisch- akademischen Bereine Galiziens übersandte dem japanischen Ge- sandten in Wien ein Glückwunschtelegramm zum Siege der Japaner bei Liaujang. Paris , 9. September.„Humanitö" berichtet, daß Judet aus der Redaktion des„Petit Journal ausgetreten sei. um die Leisiing deS „Eclair" zu übernehmen. Die Blätter kommentteren diesen Wechsel lebhaft. Marseille , 9. September. (W. T. B.) Die Hafen- und Dock- arbeiter, sowie die Arbeiter verwandter Betriebe beschlossen, die Arbeit bei den Arbeitgebern wieder aufzunehmen, die nicht dem Arbeitgeberbund angehören; sie werden ein Drittel ihres Lohnes dazu hergeben, um den ausständigen Arbeitern zu Hilfe zu kommen. Marseille , 9. September. (W. T. B.) Die eingeschriebenen Seelente beschlossen den Ausstand so lange fortzusetzen, bis die Arbeitgeber im Princip einer Regelung der Arbeit an Bord zustimmen. Florenz , 9. September. (B. H. ) Der Sohn eines hier ansässigen Mannes Namens Fabiani hat in Paris ein Metall erfunden, welches von purem Golde weder in Farbe noch Qualität zu unterscheiden ist. Die Herstellungskosten des Metalls sollen sehr geringe sein; Roth schild habe bereits die Erfindung für sechs Millionen Frank angekauft. Belgrad . 9. September. (W. T. B.) Die Regierung ordnete bis auf weiteres die zollfreie Einfuhr von Mais nach Serbien an. Vergntw. Redakteur: Franz Rehbein , Berlin . Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin . Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer L- Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen.
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