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TaubenschlZge. Müssen tolt also damlt rechnen, dah diele Zehn« taufende lebender Menschen zeitweilig, vielleicht vor langen Jahren, in irrenärztlicher Behandlung waren, so gewinnt daS Berussgeheimnis deS Irrenarztes für die weiteste Oeffentlichkeit sehr erhebliche Bedeutung. Es bedarf erst gar keiner Worte darüber, dah schon der Aufenthalt an sich im Jrrcnhause ungeheure wirtschaftliche Nachteile zeitigt. Leider kann sich ja die heutige Welt noch nicht daran gewöhnen, einen Nerven- oder Gemütskranken, der mal im Jrrenhause Unter- kunft suchen mußte, genau so zu beurteilen, als ob er in einem ollgemeinen Krankenhause gewesen wäre. Vielmehr wird ihm diese Unglücksperiode sein ganzes Leben hindurch nachgetragen. Auch die' Polizei. die jeden ehemaligen Jrrenanstaltsinsassen im Personalstandsregister mit einem schwarzen Kreuz beglückt, sorgt in wenig humaner Weise dafür, daß diese Leidenszeit amtlich niemals in Vergessenheit gerät. Man sollte nun meinen, daß unter diesen erschwerten Verhältnissen der Irrenarzt in noch höherem Grade als der gewöhnliche Krankenhausarzt an das Berufsgeheimnis gemäß ß 300 St. G. B. gebunden sein muß. Indes haben die beteiligten Aerztekreise hier neuerdings Wege ge> sucht und gefunden, um das Berufsgeheimnis skrupel- los zu brechen, ohne daß sie deshalb ihrer Meinung nach mit dem Strafgesetzbuch kollidieren. Der Oberarzt einer Irrenanstalt schreibt darüber wörtlich:.Die eigentümliche Tatsache, daß die Psychiater bisher verabsäumt haben, bei öffentlicher Erörterung angeblich unberechtigter Jnternierungen und Entmündigungen ihr Material zu veröffentlichen, beweist doch, daß§ 300 St. G. B uns in harter Weise die Hände gebunden hat. Meinen Bemühungen ist es nun endlich gelungen, daß die Aerzte sich unter solchen Um- ständen für vollkommenbefugt" halten, mit dem Berussgeheimnis zu brechen. Es ist erlaubt, solchen Fällen, welche die Oeffentlichkeit beschäftigt haben und gegen die Irrenärzte ausgebeutet wurden, an der Hand der Akten und Krankengeschichten nachzuspüren und darüber Monographien zu verfassen. Wenn hierbei gerade für die früheren Kranken manches ungemein Peinliche ans Licht gezogen werden muß. so mögen sie sich bei ihren lieben Freunden beklagen, durch welche die Psychiater zum äußersten getrieben worden sind." Diese letzteren Worte lassen deutlich merken, daß die Irrenärzte fich doch nicht so rechtssicher fühlen mit demerlaubten" Bruch des Berufsgeheimnisses. Der grundsätzlichen Bedeutung des§ 300 des Strasgesetzbuches, Schaden für den Kranken zu verhüten, haben sich auch die Psychiater unter allen Umständen zu unterwerfen. Werden zahlreiche Jnternicrungs- und Entmündigungsfälle, an deren Rechtmäßigkeit zu zweifeln die Oeffentlichkeit starke Ursache hat, öffentlich besprochen, so soll den Irrenärzten der Weg zur Recht- sertigung gewiß nicht vollständig abgeschnitten werden. Diese NechtfertigungSversuwe dürfen aber nicht so weit gehen, daß in die Erörterung Verhältnisse hineinbezogen werden, die bisher öffentlich nicht zur Sprache gekommen und eben geeignet sind, schwere Schädigungen der erwähnten Art herbeizuführen. Es kann und darf sich allenfalls immer nur darum handeln. daß die Irrenärzte nur das öffentlich Behauptete zu widerlegen beziehungsweise zu berichtigen versuchen. Auch daS noch werden sie vermeiden können, wenn sie in Zukunft sich mehr an ein dem Recht und der Vernunft entsprechendes Verfahren gewöhnen wolllen. Unsere heutigen Irrenärzte leben ja noch leider«n einer für diesen Stand und seine dunklen politischen Hintermänner extra geschaffenen grundverkehrten Weltanschauung, die die Oeffentlichkeit mit vollstem Recht bekänipft, weil sie in ihr eine schwere Gefahr für die indivi- duelle Freiheit erblickt. Einen furchtbaren Auftritt verursachte vorgestern ein Geistes- kranker in der Romintener Str. 2. Der 52 Jahre alte Schlosser Max Habbigdt, der 12 Jahre lang in der Koppenstraße eine größere Werkstatt belrieb. mußte vor fünf Jahren sein Geschäft aufgeben. weil er an der Fallsucht litt. Sein Leiden verschlimmerte sich so. daß er einmal vier Wochen und zuletzt zehn Wochen in Wuhlgarten zubringen mußte. Auf seine Bitten nahm ihn seine Frau jedesmal aus der Anstalt heraus. Weil in den letzten Tagen die Krämpfe wieder häufiger auftraten, so holte Frau Habbigdt ihre Schwägerin zur Bewachung ihres Mannes zu Hilfe. Vor- gestern abend kurz nach 10 Uhr sprang nun der Kranke plötzlich aus dem Bett, ergriff ein Brotmesser, das auf dem Tische lag und wollte seine Frau und seine Schwester erstechen. Die Be« drohten versuchten umsonst, ihm das Messer zu entteißen und er- griffen dann die Flucht. Frau Habbigdt stand noch auf der Treppe, während ihre Schwägerin schon nach der Straße gelaufen war. um einen Schutzmann zu holen, als der Kranke plötzlich das Stuben- fcnster aufriß und aus dem zweiten Stock aus den Bürgersteig hinab- sprang. Der Unglückliche blieb mit zerschmettertem Schädel und gebrochenen Gliedmaßen auf der Stelle tot liegen. Nach Aufnahme des Befundes ließ die Revierpolizei die Leiche nach dem Schauhaus bringen. Der Austritt rief eine große Menschenansammlung hervor. Warnet die Kinder! Ein scheußliches Verbrechen wurde vor- gestern mittag in dem Hause Mariendorfer Str. 13 verübt. Als die sieben Jahre alte Tochter des Arbeiters B. aus der Zossener Straße aus der Gemeindeschule in der Bergmannstraße heimkehrte, trat vor der Haustür ein unbekannter Mann an sie heran und fragte sie, wie es ihr in der Schule gehe und auf welcher Bank sie sitze. Nach- dem er so angeknüpft hatte, sagte er dem Kinde, er wolle ihm etwas schönes zeigen und führte es mit diesem Lockmittel nach dem Hause Mariend'orfer Straße 16, daS in der Nähe liegt. Dort warf er die Kleine auf der Treppe des Vorderhauses zwischen dem ersten und zweiten Stock hin und vergewaltigte sie. Der Tapezierer Teschner, der jetzt nach Hause kam, begegnete dem Unhold unten auf der Treppe, ohne zu wissen, was geschehen war. Erst als er oben das Mädchen traf. das weinend auf der Treppe saß, erfuhr er von dem Verbrechen. Er eilte jetzt wieder hinunter und lief mit einem Schutzmann dem U»- hold nach. Diefer verschwand jedoch an der Ecke der Zossener- und Mariendorfer Straße und war nicht wieder zu finden. Das Scheusal ist etwa 30 Jahre alt, hat eine mittelkräftige Gestalt, dunkles Haar und Schnnrrbart und eine hängende rechte Schulter und trug emen dunklen Jackettanzug und einen schwarzen, steifen Hut. Ein rätselhafter tödlicher Unglücksfall beschäftigt die Weißen- seer Polizeibehörde. In der Gustav-Adolf-Stratze fanden gegen Mitternacht zwei Passanten auf dem Fahrdamm einen unbekannten Mann auf, der besinnungslos dalag und aus einer großen Kopf. wunde blutete. Sie schafften ihn nach dem Auguste-Viktoria- Krankenhause, wo er aber bald nach seiner Einlieferung starb. ohne vorher das Bewußtsein noch einmal erlangt zu haben. Weder über die Persönlichkeit des Toten noch über die Art und Weise, wie er zu der tödlichen Verletzung gekommen ist, konnte bisher etwas ermittelt werden. Einerseits wird vermutet, daß er un- bemerkt von einem Straßenbahnwagen heruntergestürzt ist, während man andererseits auch damit rechnet, daß ihm die tödliche Wunde von dritter Seite beigebracht worden ist. Die Leiche ist vorläufig von der Polizei beschlagnahmt worden. Nahrungssorgen haben die 65 Jahre alte Musiklehrerin Auguste Müller aus der Großen Frankfurter Straße Nr. 53 in den Tod ge- trieben. Sie war schon über 20 Jahre lang im Osten der Stadt ansässig und nährte sich recht und schlecht durch Klavierunterricht. Nach und nach aber blieben die Schüler aus. Die größeren Kon- fervatorien, die bald hier, bald da gegründet wurden, nahmen sie der betagten Lehrerin weg. Zuletzt halte sie nur noch fünf, und nun geriet sie in eine bittere Notlage. Gestern fand man die Verzweifelte erhängt am Fensterkreuz. Ein internationaler Taschendieb wurde gestern auf frischer Tat ertappt und unschädlich gemacht. Auf dem Alexanderplatz sahen zwei Kriminalbeamte, lvie ein Mann vor einem Schaufenster einer trau die Handtasche öffnete und bineingriff, ohne daß sie es merkte. er Dieb, der nichts erbeutete, entschwand im Gedränge auf kurze Lerantwortli�er Redakteur Richard Barth , Berlin . Mr den Zeit ihren Blicken. Bald darauf aber sahen die Beamten, wie er auf einen OmnibuS sprang, einem Herrn, der schon auf dem Tritt- brett stand, das Portemonnaie aus der Tasche holte, dann wieder absprang und tat, als ob nichts geschehen wäre. Während einer den Langfinger am Kragen nahm, holte der andere den Bestohlenen herbei. Diefer war ganz erstaunt, daß ihm das Portemonnaie fehlte. Er hatte nichts gemerkt. Der Verhaftete war unterdessen nach dem Polizeipräsidium gebracht worden. Dort warf er die Beute unter ein Möbelstück, damit sie ihn nicht verraten könnte. Das Portemonnaie. daS dem Bestohlenen gleich zurück- gegeben werden konnte, enthielt 900 Mark. Der Dieb, ein Friedrich Wcstmann aus Warschau , besaß noch mehrere Portemonnaies, darunter ein fast neues. Er behauptete, dieses in Warschau gekauft zu haben, hatte aber beim Entleeren ein Zeichen übersehen, aus dem hervorgeht, daß es nicht aus Warschau , sondern aus einem Laden in der Leipziger Straße stammt. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern mittag im Betriebe der Firma Spinn u. Sohn, Wassertorstraße 9. Der dort beschäftigte Lehrling Max Liebenow fiel während der Mittagpause, als er mit anderen Lehrlingen spielle, in kochendes Wasser, dabei verbrühte er sick am Oberkörper so schwer, daß er mittels Droschke nach der Unfallstalion in der Kommandantenstratze und von dort nach dem Krankenhanse gebracht werden mußte. Vom Wagen des Baters überfahren. Ein besonders tragischer Unglücksfall ereignete sich gestern mittag in der Boeckhstraße. Dort hielt der Kutscher Pawlick mit einem Wagen der Paketfahrtgesell- schaft. Als er abfuhr, wollte sein kleines Söhnchen auf den Kutscher- bock klettern. Es kam zu Fall, und bevor der erschreckte Vater die Pferde anhalten konnte, geriet der Knabe unter die Räder des schweren Wagens. DaS Kind wurde so schwer verletzt, daß eS in lebensgefährlichem Zustande dem Urban- Krankenhause zugeführt wurde. DaS Herrnfeld-Theater bringt am Sonnabend, 24. September, eineDoppel- Premiere':Die verlorene Nacht", ein lustiger Trauerfall in 2 Akten von Anton und Donat Herrnfeld, undDer Derby-Sieger", eine Sportkomödie von August Neidhardt, zur Auf- führung. Das Winterhalbjahr in der städtischen Kochschule, Hussiten - strastr 4/5(Strelitzer Str. 43) Eingang 4a, beginnt am Mittwoch, den 5. Oktober. 221 Schülerinnen wurden' im Winterhalbjahr 1909/10 in 14 verschiedenen Kursen unterrichtet. Das Schulgeld be- trägt für einen einmaligen Unterricht in der Woche 6 M. halb- jährlich. Für dieses Schulgeld dürfen die Schülerinnen auch am Unterricht im Schneidern und Plätten an einer der neun Wahl- Fortbildungsschulen für Mädchen und Frauen teilnehmen. An- Meldungen täglich von 5 Uhr ab. außer Sonnabend, bei Fräulein Streichhan, Hochstr. 4, und Frau Lau, Elisabethkirchstr. 19/20, Auch in der Kochschule selbst werden Anmeldungen angenommen vormittags von 812 Uhr und nachmittags von 59 Uhr. Vorort- JVadmchtem Charlottenbnrg. Ein Spielernest wurde in der gestrigen Nacht von der Kriminal- Polizei in der Suarezstraße 55 ausgehoben. Die Kriminalpolizei hatte in Erfahrung gebracht, daß in dem Weinlokal, das fich in diesem Hause befindet, nach dem Rennen Buchmacher und Renn» besucher sich trafen, um dort dem Hasardspiel zu huldigen. Vor- gestern in den späten Abendstunden wurde das Lokal von Beamten der Charlottenburger Kriminalpolizei umzingelt, ein Kriminal- kommissar mit mehreren Beamten drangen in das Lokal ein und überraschten die Spieler dabei, als sieMeine Tante Deine Tante" spielten. Im ganzen wurden 21 Personen angetroffen. Alle wurden nach dem Polizeirevier gebracht, damit dort ihre Namen und Wohnungen festgestellt wurden. Die Bank und die Kartenspiele wurden ebenfalls beschlagnahmt. Wohin eS führen kann, wenn Behörden Personen um früherer Vergehen willen um Brot und Zuflucht bringen, hat der Fall des Hauptmanns von Köpenick am treffendsten gezeigt. Trotzdem hat der heilige BureaukratismuS, wie die läglichen Vorkommnisse beweisen, aus dieser aussehenerregenden Affäre nichts gelernt. Immer wieder werden Klagen laut über das unnachsichtliche Vorgehen der Behörden solchen Personen gegenüber, die einmal im Leben gestrauchelt, dann aber wieder auf den rechten Weg zurückgekehrt sind. So wird zum Beispiel bei der Nachtwachgesellschaft in Charlottenburg jeder Wächter auf Anweisung der Behörde entlassen, wenn es sich herausstellt, daß er im Leben schon einmal eine Strafe wegen Un- redlichkeit erlitten hat. Im Prinzip ist es natürlich nur recht und billig, wenn für solche Posten absolut zuverlässige Personen genommen werden. In der Praxis verhält sich die Sache jedoch anders. Oft handelt es sich in solchen Fällen um Leute, die vor 10 oder 20 Jahren mal ein geringfügiges Bergehen sich zuschulden kommen ließen und man weiß, wie leicht im heutigen Existenzkampf und bei unserer bekannten Gerichtsbarkeit jemand sich in den Mafchen des Gesetzes verstricken kann. Bei der genannten Gesellschaft kommt es vor, daß ein Wächter schon eine Zeitlang seinen Dienst zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten verrichtet hat, dann aber aus Gebot der Be- Hörde sofort entlassen werden muß, weil sie herausgefunden hat, daß der Aermste vor vielen Jahren einmal eine kleine Strafe wegen Eigentumsvergehen erlitten hat. Jeder rechtlich urteilende Mensch muß ein solches Gebaren aufs schärfste verurteilen. Dadurch, daß man gegen solche Personen, die meist Familienväter sind, so rigoros vorgeht, hebt man die Sicherheit für das Eigentum nicht, sondern treibt man die Unglückltchen geradezu auf den Weg des Verbrechens. Rixdorf. In den Vorträgen de? Genossen Graf hat sich eine Aende- rung in den Tagen notwendig gemacht. Der Vortrag am 27. Scp- tember fällt fort, dafür findet am 27. Oktober ein Vortrag statt. Die Daten der weiteren fünf Vortragsabende sind also: 3., 10., 17., 20. und 27. Oktober; der nächste Abend ist also am 3. Oktober. Wir bitten die Teilnehmer, dies zu beachten, eventuell auf den Eintrittskarten oder Programms sich dies zu vermerken. Ein­trittskarten sind im Lokal bei Hoppe und in der Parteispedition noch zu haben. Der Bildungsausschuß. Adlershof . Am Sonntag, den 25. b. M., vormittags 10 Uhr, findet im Lokal von Wöllstein eine gemeinschaftliche Morgensprache der Arbeiter-Gesangvereine von Künigs-Wusterhausen, Eichwalde , Grünau , Alt-Glienicke , Köpenick , Ober-Schöneweide, Johannisthal , Baumschulenweg . Treptow und AdlerShof statt. Zur Aufführung kommen Gesamt- und Einzelchöre. Eintrittsgeld wird nicht er- hoben. Alle Freunde des Gesanges sind hierzu freundlichst ein- geladen. Lichtenberg -Rummelsburg . In der Mitgliederversammlung des WahlvercinS erstattete Genosse Spiekermann den Bericht von der BerbandS-General- Versammlung Grotz-Berlin«. Der Redner wies in seinen AuS« führungen auf die Notwendigkeit der Beitragserhöhung hin. Einige Redner wandten sich gegen eine Erhöhung der Beiträge. Anderer- seits wurde bemerkt, daß diesmal sehr viel Geld für die kommenden ReichstagSwahlen gebraucht werde. Bei der vorgenommenen Abstimmung wurde die Beitragserhöhung mit 72 gegen 7V Stimmen abgelehnt. Verschiedene Dele- gierte erklärten, unter diesen Umständen nicht zur Kreis- Generalversammlung gehen zu können. Bei Beratung einer Vereinsangelegenheit gerieten die Meinungen scharf aufeinander, so daß der erste Vorsitzende Genosse Spiekermann eS ablehnte, weiter seinen Posten auszuüben. In der Diskussion wurde bemerkt, daß LnferatenteilvxravtN,; Th, Glocke, Berlin , Druck». Verlag: Vorwärts die gegenwärtigen Verhältnisse ein gedeihliche? Arbeiten UN» möglich machen. Nach einem mit großer Mehrheit angenom- menen Vertrauensvotum für den ersten Vorsitzenden erklärte derselbe, daß, da er mit denselben Funktionären arbeiten müsse, an dem gegenwärtigen Zustand auf die Dauer nichts geändert würde. Der Vorstand wurde beauftragt, zur Regelung der Ver- Hältnisse in aller Kürze eine Generalversammlung stattfinden zu lassen. In der Mitgliederversammlung deS Wahlvereins ist ein Damen- schirm stehen geblieben. Derselbe kann im Lokal der Gebr. Arnhold entgegengenommen werden. Lichtenberg -Friedrichsselde. Heute DonncrStag, den 22. d. M., pünktlich S'/s Uhr abends. findet imSchwarzen Adler", Frankfurter Chanssee 6/6, eine öffent­liche Versammlung für Erwachsene und die schulentlassene Jugend statt. In derselben beginnen die wissenschaftlichen Vorträge mit Lichtbildern über die Geschichte unserer Erde. 1. Bortrag: Historischer Abriß. Die Entwickelung unseres Planetensystems. 2. Vortrag am 29. September: Die EntWickelung der festen Erdrinde. Erstarrungs- und Ablagerungsgesteine. 3. V o r t r a g am 6. Oktober 1910: Die Formen der Erd- oberfläche; a) Gebirgsbildung, Erdbeben und Vulkane; d) Ver- Witterung und Abttagung der Erdoberfläche. 4. V o r t r a g am 13. Oktober 1910: Die Zeitalter der Erd» geschichte mit besonderer Berücksichtigung des Gebiets, in dem der Vortrag stattfindet. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 15 Pf. für jeden Vortrag oder von 60 Pf. für alle vier Vorträge erhoben. Jugendliche Personen zahlen nichts. Der Einberufet: Alfred Kliem, Eitelstr. 16. Halbe(Görlitzer Bahn). Endlich gelang cS am Sonntage auch hier, eine öffentliche Ver- sammlung abzuhalten. Trotz zehnjähriger Arbeit haben unsere Ge- nossen noch nicht vermocht, einen Versammlungssaal freizubekommen. und so mußten die Versammelten unter freiem Himmel auf einem gemieteten Acker weit außerhalb des Dorfes tagen, während drinnen im Dorfe drei Säle leer standen. Allein schon diese Tatsache illustriere, wie der Referent Genosse Pagels- Rixdorf einleitend bemerkte, die Rechtlosigkeit der Arbeiterklasse am deutlichsten. Redner gab dann in zirka V/a Stunden einen Ueber- blick über die gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Ver- Hältnisse, wobei ihm die äußere und innere Politik Preußen-Dentsch- lands, insbesondere die Reichsfinanzreform, die Zivilliste und die letzte Kaiserrede reichlich Gelegenheit boten, bei den Zuhörern Beifall zu entfessen. Trotz der durch die Verhältnisse bedingten Plötzlichkeit, mit der die Versammlung festgesetzt wurde, gelang es den Charlotten- burger Genossen, die seit Jahren die dortige Gegend bearbeiten, im Verein mit den Halber Genossen zirka 200 Personen aus Halbe und Umgegend auf den Versammlungsplatz zu bringen. Für den An» fang ist dieses Resultat günstig genug. Infolge der Versammlung hat sich die Zahl der Parteigenossen, die sich bis zur baldigen Gründung eines OrtsvereinS vorläufig dem Charlottenburger Wahl- verein angeschlossen haben, auf 30 erhöht. Unsere Bewegung wird auch ttotz der gegen Versammlungsteilnehmer bereits einsetzenden Maßregelungen und Schikanen weiter vorwärtsschreiten. Schon jetzt sei darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag, den 2. Oktober, nachmittags 8 Uhr, auf demselben Grundstück der Reichstags- abgeordnete des Kreises, Genosse Fritz Zubeil sprechen wird. Weistensee. Den Tod durch Vergiftung suchte und fand, so berichtet die W. Ztg.", vorgestern nachmittag die 21 Jahre alte unverehelichte Sp. in dem Hause Langhansstr. 136, wo das Mädchen eine Stube bewohnte. Seit etwa fünf Jahren war die Sp. mit einem jungen Mann verlobt, der sie in nächster Zeit zu ehelichen gedachte. Am Sonntag war eS zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Braut« paar gekommen. Vorgestern nachmittag verschloß das Mädchen die Stubentür, die sie außerdem mit Tüchern und Kleidern verhängte. Nur mit der Nachtjacke und einem Unterrock belleidet setzte sicki die Lebensmüde dann auf einen Stuhl, nachdem sie sämtliche Gashähne in dem Zimmer geöffnet hatte, und erwartete so den Tod. Als um 5 Uhr nachmittags die Wohnungsnachbarn heimkehrten, bemerkten sie einen intensiven Gasgeruch. Da sie die Tür verschlossen fanden, wurde der Bräutigam herbeigerufen. Als dieser sich gewaltsam Eingang verschaffte, bot sich den Eintretenden ein trauriges Bild. DaS Mädchen war vom Stuhl gefallen und lag leblos am Boden. Spanva«. Mit großem Pomp und unter Teilnahme von 40 Geistlichen im Ornat wurde am Sonntag hier daS von Berlin nach Spandau verlegte Johannesstift eröffnet. Ueber die Feier etwas zu be- richten, erübrigt sich. Wie bei all diesen Festen fand die übliche Beweihräuchcrung bei den Reden mit anschließender Ordens- Verteilung statt. Es soll aber etwas anderes hervorgehoben werden. Als man mit dem Gedanken schwanger ging, einen Teil unsere? Stadtwaldes, und zwar den schönsten, an das Johannesstift für einen fabelhaft billigen Preis von 2 Mill. Mark zu verkaufen, von welchem aber mindestens ein Viertel an das Stift durch Anlegung von Straßen und sonstige Arbeiten rückvergütet wurde, da erhoben sich in der hiesigen Bürgerschaft große Bedenken. Am aller- schärfsten wurde der Gedanke von der Arbeiterschaft Spandau» bekämpft. Damals gelang es den Freunden und Liebhabern, die Gegner im bürgerlichen Lager dadurch zu beschwatzen, daß sie darauf verwiesen, welch große Vorteile die Spandauer Geschäfts- Welt haben werde, wenn das Johannesstift nach hier komme und hier seine sämtlichen Einkäufe besorge. Wenn es gilt, für sich ein Geschäftchen zu machen, da sind ja unsere Bürgerlichen immer zu haben. Hier sind die meisten aber über den Löffel barbiert worden. Wie aus den Berichten der Lokalpresse zu entnehmen, hat das Stift unter anderem eine eigene Wasch- und Badeanstalt, eine Bäckerei, Schlosserei, Schmiede, Schneiderei, Tischlerei, kurzum alles, worauf sich die Spandauer Handwerker und Geschäftsleute gespitzt hatten, daß es von ihnen bezogen wird. Einige wenige Personen haben allerdings Vorteile erzielt, und zwar diejenigen, die Bauten aus- geführt haben, und dann vor allen Dingen der Kantinenwirt der die Baukantine hatte. Es ist dies der freisinnige Stadtverordnete Matthias. Spandau an und für sich und seine sonstigen Einwohner haben rein gar nichts; ihnen ist das schönste Stück vom Stadtwald weggenommen für ein Butterbrot, wie man zu sagen pflegt. Der Spandauer Oberbürgermeister K ö l tz e. der, wie die Lokalblätter hervorheben, mit der goldenen Amtskette erschienen war, betonte zwar in seiner Ansprache,wir Spandauer wissen es zu schätzen, daß wir dies Institut in unseren Mauern haben". Ob er damit die Ansicht des größten Teiles der Einwohner Spandaus wieder». gegeben, dürfte noch sehr zu bezweifeln sein. Potsdam . Feuer im Park von Sanssouci . Auf dem Grundstück der Hof- gartenintendantur in der Linnöstraße, das zum Park von Sanssouci gehört, brach gestern vormittag in der neunten Stunde Feuer ouS. Der Brand war in einem Wohnhause, dessen oberes Geschoß als Furageschuppen diente und fast bis zum Giebel mit Henvorräten gefüllt war, entstanden. Obwohl keine direkte Gefahr für daS untere Wohnhaus bestand, war sofort die gesainte Potsdamer Fenerwehr alarmiert worden. Unter Führung des BrandinspektorS Edel wurde das Feuer sofort mit drei Rohren angegriffen sowie das unmittelbar benachbarte Lord-Marschall-Haus gegen etwaiges Ueberspringen deS Brandes gesichert. Die Ablöschung der Heuvorräte nahm längere Zeit in Anfpruch. Um II1/, Uhr war die Gewalt der Flammen gebrochen. Der Inhalt des Furageschuppens ist vollkommen ver- nichtet. Die unteren Wohnungen haben jedoch nur durch Wasser« schaden gelitten._ Buchdruckerei u. Verlagsgnstalt Pgyl Singer Li Co.. Berlin SW,