Nr. 70.

29. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin"

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 1983.

Sonnabend, den 23. März 1912.

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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1984.

Die Ansprüche des Militarismus. Breit aber nur beren 94 haben, berlangt man jest 2 neue und deutlichere„ muk". Die Einwände, die von feiten der

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gibt heute Einzelheiten über den Inhalt der Wehrvorlagen bekannt. Den wesentlichen Inhalt ihrer Darlegungen faßt das W. T. B. folgendermaßen zusammen:

Die Vorschläge der Marineverwaltung bezweden eiu drittes aktives Geschwader unter Verwendung des vor­handenen Reserveflottenflaggschiffes und der Materialreserven, so­wie durch allmählichen Neubau von drei Linien­jchiffen, zwei kleinen Kreuzern und Mehr indienst haltung von drei Linienschiffen, drei großen und drei kleinen Kreuzern. Die jähr liche Perionalvermehrung des Flottengefezes wird bis 1920 um durchschnittlich 75 Offiziere und 1600 Mann verstärkt. Der Gesamtbedarf für die Heeres- und Flottenverstärkung beträgt für 1912 97 Millionen Mark und für das nächste Jahr 125 Mill. Mart.

Der Gesamtmehrbedarf für diese Verstärkung Heeres und der Flotte stellt sich für 1912 auf rund

1913, in welchem Jahre der höchste Kostenbetrag erreicht wird, auf rund

1914 auf rund

Der Anteil der Flotte beträgt 1912 rund

1913 rund

1914 rund

97 Millionen Mark

127

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38

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des

bestehen, die Division aber nach den geltenden taktisch- und durchaus nicht die knappe Mehrheit, wie einige Lon­Strategischen Gesezen 2 Artillerieregimenter haben muß, wir doner Blätter wissen wollen entschied sich für das stärkere zurzeit Regimenter. Es bleibt dann eine Lücke", mit deren Hilfe Arbeiter gegen die Minimallohnvorlage gemacht werden, sind man dann später die Notwendigkeit der 4 fehlenden Regi- in der Hauptsache folgender Art. Troß langer Verhandlungen menter fordern fann, Ueber weitere Einzelheiten wird noch ist es den Vertretern der Arbeiter und Arbeitgeber nicht ge­zu reden sein. lungen, sich über den Minimallohn zu einigen. Das Gesc Beachtenswert ist ferner, daß das Ministerblatt die kann daran nichts ändern. Nähmen die Arbeiter daher das Die Vorschläge der Heeresverwaltung bezweden eine schnelle Forderungen für den Luftmilitarismus nur nebenbei er- Gefeß an und kehrten sie zur Arbeit zurück, so würden, wie Durchführung und Ergänzung des Friedenspräsenzgefeges bon wähnt. Der Aeroplanfoller in Frankreich wird aber auch die Dinge nun einmal liegen, in allen Fällen die Vorsitzenden 1911 durch Aufstellung zweier Feld artillerieregimähnt. menter bei den Divisionen 37 und 39. Ferner von zwei bei uns anstecken, so daß es nur zu wahrscheinlich ist, daß der vorgeschlagenen gemeinschaftlichen Distriktsämter die Höhe neuen preußischen Armeekorps unter Verwendung der der Wehrvorlage noch weitere Luftflottenforderungen folgen des Minimallohns festsetzen. Damit können sich die Arbeiter dritten Divisionen bei dem ersten und vierzehnten Armeekorps. werden. jedoch nicht einverstanden erklären. Nichts könnte den Vor­Neu geschaffen sollen ferner werden eine siebente Das Prinzip der Offensivbereitschaft ist dann auch auf fißenden daran hindern, durch seinen Schiedsspruch die vor­Afmeeinspektion, vierzehn dritte Bataillone, die Marine übertragen. Die Schaffung eines dritten Ge- handenen Errungenschaften der Arbeiter wieder aufzuheben. ein Infanterieregiment für Sachsen , ein schwaders und die Erhöhung des Mannschaftsbestandes sollen Ein großer Mangel der Vorlage ist auch, daß sie eine Auf­Kavallerieregiment für Preußen und die Einrichtung diesem Zwecke dienen. Gibt es doch Marinestrategen, die da teilung der Distrikte gestattet, die schließlich zur Zerstörung einer Maschinengewehrtompagnie bei jedem In­fanterieregiment. Die Gesamtvermehrung der Friedens meinen, daß ein rücksichtsloser Angriff zur See die starke der Solidarität der Bergarbeiter führen muß. Bisher war präsenzstärke beträgt 29 000 Mann Gleichzeitig ist eine Er Flotte Englands in Grund und Boden rammen, mindestens es die Politik der Bergarbeiterföderation, dahin zu wirken, höhung der Mannichaftslöhne vorgesehen. daß die zwischen den Revieren bestehenden Ungleichheiten so aber gewaltig erschüttern könne. Die Kosten werden von dem offiziösen Organ folgender- weit wie möglich ausgeglichen würden. So strebte man eine maßen beziffert: Ausgleichung der Lohnfäße und eine allgemeine Regelung der Die Vorlage Kündigungsfristen und Vertragsfristen an. würde diese Politik des Ausgleichs und der Zusammenziehung unmöglich machen und die Bergarbeiter nur zersplittern. Aus diesen und anderen Gründen sind die Arbeiter, die anfangs der Minimallohnvorlage wohlwollend, aber kritisch gegen­überstanden, jetzt entschieden gegen die Annahme eines Mini­mallohngefezes, das nicht auch zu gleicher Zeit die Höhe der Minimallöhne festießt. Man will aus den oben angeführten Resolutionen herauslesen, daß sich die Arbeiter eventuell auch damit begnügen würden, wenn die Forderungen der ersten, Resolution( Minimallöhne der Schichtarbeiter und Knaben) der Vorlage einverleibt würden. Nach der Haltung der Dele­gierten zu urteilen, die sich augenblicklich in London aufhalten und eben erst mit den streifenden Arbeitern in Berührung gekommen sind, ist dies aber feineswegs sicher, obwohl die Trennung der Forderungen für diese Auffassung zu sprechen scheint. Die Vorlage erreicht also nicht ihren Zwed: sie wird die Arbeiter nicht bewegen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Es fragt sich nun, ob die Regierung mit dem Entwurf weiter mehren, was ein Blick in die Militäretats der verflossenen gehen oder ihn fallen lassen will. Drückt sie die Vorlage Jahre und Jahrzehnte nur zu deutlich beweist. Auch haben durch, so werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Berg­Das militärische Prinzip, das für alle deutschen unsere Dffiziösen wohl schon deshalb auf die näheren An- arbeiter nicht eher wieder zur Arbeit zurii d- Heeresvorlagen ausschlaggebend ist, besteht darin, eine starte, gaben der Ausgaben über die nächsten Jahre hinaus ber- fehren, als bis die Vorsigenden der Distrikts­fir und fertig organisierte und stets marschbereite Armee gegen zichtet, weil in absehbarer Zeit eine neue Flottenvorlage zu ämter die Minimallöhne festgesezt haben. Frankreich zur Verfügung zu haben, das infolge seiner gerin- erwarten ist, gar nicht zu reden von den noch ganz unabseh Herr Asquith drohte bei der ersten Lesung:„ Wenn geren Bevölkerungszahl und seiner kolonialen Verbindlich. baren Ansprüchen des Luftmilitarismus! eine der Parteien oder beide Parteien die Vorlage verwerfen, feiten wegen die Stärke seiner Heeresorganisation in die Re- Leider teilt die Nordd. Allg. Ztg." über den Schiffbau- so kann es notwendig werden, daß die Regierung neue und servisten und Reserveorganisationen legen muß. Daneben plan nur mit, daß 1913 und 1916 je ein Linienschiff mehr drastischere Maßregeln trifft. Die Voraussetzung scheint rechnet man in Deutschland, trotz aller Liebedienerei gegen in Bau gegeben werden soll- wann das angeforderte iebt zu bestehen; denn weder die Bergarbeiter noch die Kohlen­das Knutenreich auf polizeilichem Gebiet und troß aller dy- dritte neue Linienschiff gebaut werden soll, wird nicht ver- befiber find mit der Vorlage einverstanden. Welcher Art diese nastischen Freundschaften, mit der Möglichkeit eines Kampfes raten. drastischen Maßregeln sein sollen, ist unbekannt. Jedenfalls an der Ostfront. Als weiterer strategischer Grund der ins Die Ankündigung, daß endlich auch die gerade von der werden fie verschieden sein von dem Rezept, das die Scharf­Ungemessene steigenden Heeresreformen kommt das bei der Sozialdemokratie so oft und so energisch geforderte Er- macher so laut und beständig anpreisen. Denn man fann Heeresleitung und im Offizierkorps bis zur Verblendung an- höhung der Mannschaftslöhnung erfolgen soll, ist natür- nicht gut annehmen, daß die liberale Partei Selbstmord be­gebetete Dogma von der alleinseligmachenden Offensive. lich nur eine schlechte Verbrämung der neuen enormen gehen will. 66 liberale Parlamentsmitglieder( darunter der Offensive um jeden Preis, strategische und taktische Offensive, Ansprüche unseres Militarismus. Denn wenn es Premierminister und mehrere seiner Kollegen) verdanken ihre das ist jetzt das A und der neudeutschen Militärweisheit, auch die Regierung so darstellt, als würden die laufenden Wahl den Stimmen der Bergarbeiter. Bezeichnend für die deren beredtester und gefährlichster Vertreter der Clausewitz- Einnahmen und der Mehrertrag aus der Aenderung der herrschende kritische Lage ist die große Tätigkeit, die auf ein­Ueberwinder General von Bernhardi ist. Die Schriften Branntweinsteuergesetzgebung zur Deckung der rund 130 Mill. mal von den Wahlagenten der Parteien entfaltet wird. Der dieses und anderer vom Offensivfoller befallener Säbelrafiler jährlicher neuer Militärausgaben ausreichen, so ist das mehr fritische Zeitpunkt ist Freitag abend bei der endgültigen Ab­haben natürlich das Echo bei gleichgestimmten und wahlver- als zweifelhaft. Herr Wermuth ist ja gerade deshalb ge- ftimmung über die Minimallohnvorlage. wandten Seelen in Frankreich geweckt. Mit den Aeußerungen gangen, weil er diesen Optimismus nicht zu teilen vermochte. dieser französischen Chauvinisten und Militaristen geht die Hinter der neuen Militärvorlage bergen sich also neue Lasten, deutsche„ nationale" Presse hausieren, um die Notwendigkeit weitere Rüstungsbestrebungen und Kriegsgefahren. Die Ant­der deutschen Wehrvorlagen zu begründen. Sie verschweigen wort der Sozialdemokratie auf diese ins Uferlose gehenden fein säuberlich, daß die aggressiven Broschüren franzöfifcher Forderungen des Imperialismus und Militarismus fann nur Militärs wie des Obersten Boucher erst von unseren deut- ein rücksichtslojes Nein sein. schen Rüstungsheßern und Kriegsanbetern provoziert find!

Diese Angaben entsprechen ungefähr dem, was bisher schon über den Umfang der Heeresvermehrung bekannt ge­und erreicht im Jahre worden ist. Das stehende Heer soll um nicht weniger als 1916 feine Höchstiumme mit 29 000 Mann vermehrt, also auf die Stärke von ungefähr In den Jahren nach 1914 werden die Ausgaben zu­34 Millionen Men chen gebracht werden. Ein solches sammen faum niedriger sein, da ja das offiziöse Organ die Seer repräsentiert eine Rüstung, die allmählich ihren Träger Zahlen sonst sicherlich nicht verschwiegen haben würde. Wohl erstiden muß. Die Laffen, die durch sie der Nation auferlegt aber ist tausend gegen eins zu wetten, daß die Ausgaben sich werden, sind derart, daß Volkswohlfahrt, Volksgesundheit und im Gegenteil noch beträchtlich erhöhen werden. Hat doch Kulturfortschritt naturnotwendig erdrosselt werden müssen. der Militäretat die immanente Tendenz, sich noch weit über die Wenn Rüstungsausgaben wirklich Versicherungsprämien Ausgabenſteigerung durch neue Wehrvorlagen hinaus zu ver­wären, so wären sie schon jetzt höher als das, was angeblich gesichert werden soll.

Die Bergarbeiterbewegung.

Die Krise in Großbritannien.

London, 21. März.( Eig. Ber.)

Aber da nun einmal in Deutschland das Prinzip der un­bedingten Offensive als unerschütterliche Wahrheit anerkannt ist, wird auch die Rüstung darauf zugeschnitten, denn es bedarf zu seiner Durchführung eines starten, stets marschbereiten Die Weigerung der Bergarbeiter, die Minimallohnvor Heeresorganismus. Dadurch gehen aber Rüstungsfieber und lage in ihrer jetzigen Gestalt anzunehmen, hat mit einem Kriegsgefahr ständig zusammen, und keine bürgerliche Partei, Schlag den Bestand der Regierung in Frage gestellt und die selbst nicht der linke Flügel des Liberalismus, wagt es, fich politische Strife herbeigeführt, die ich in einem meiner letzten gegen die Theorie der Offensive und gegen Rüstungswahnsinn Berichte voraussagte. Die Bergarbeiterkonferenz nahm gestern aufzulehnen. Dadurch tritt für uns Sozialdemokraten die nach 41stündiger Sigung folgende Resolutionen an: Forderung der Miliz mehr und mehr aus dem Nebel der Theorie in das helle Tageslicht praktischer Notwendigkeit.

Bei der neuen Wehrvorlage läßt sich in ihren Einzel­heiten wieder das alte, unehrliche Spiel wie bei den früheren Heeresvorlagen beobachten. Die neuen Forderungen wer­den für notwendig erklärt, weil die früheren Vorlagen ,, Lücken" offen gelassen haben. Damals ließ man 32 In­fanterieregimenter mit zwei Bataillonen bestehen, jetzt kann man dank dieser Rücke" 14 neue Bataillone als dritte zur Komplettierung fordern. Und dabei wirft bei dieser Vor­lage schon eine neue ihre Schatten voraus. Bleiben doch immer noch Regimenter ohne dritte Bataillone!

1. Der Borstand rät der Konferenz, der Erklärung zuzu­stimmen, daß ein Gesch, das nicht die Festsehung eines Minimal­lohnes von wenigstens 5 Schilling den Tag für alle Schichtlöhner und 2 Schilling den Tag für 14jährige Knaben bestimmt, den Arbeitern nicht annehmbar sein wird.

2. Diese Konferenz ist der Ansicht, daß die Borlage die Mini­mallohnliste für Hauer in jedem der einzelnen Distrikte enthalten muß, und fordert die Arbeiterpartei auf, ein Amende­ment zur Einbeziehung dieser Lohnsäße einzubringen.

3. Die weitere Erwägung der Vorlage wird dem Exekutiv­ausschuß, verstärkt durch die die Föderation vertretenden Barla­mentsmitglieder, übertragen, zweds Einbringung solcher Ab­änderungsanträge, die die Vorlage in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der Föderation bringen wird."

Die Regierung lehnt die Festsetzung des Minimallohns ab! Londen, 22. März. Unterhaus. Nachdem gestern die Mini­mallohnvorlage mit 348 gegen 225 Stimmen in zweiter Lesung angenommen worden war auch die Iren und die Ar­beiterpartei stimmten für das Gesetz- begann heute die Spezialdebatte. Ministerpräsident Asquith erklärte da­bei das Amendement für unannehmbar, welches einen Minimallohn von fünf Schilling für die Arbeiter unter Tage festsett. Er erklärte, er sei nicht geneigt, die Löhne durch eine Parla= mentsatte festzulegen. Ein solches Verfahren wäre auch gefährlich für die Arbeiter; denn wenn das Parlament der Meinung Ausdruck gebe, daß fünf Schilling ein angemessener Minimallohn sei, so würde die Neigung sich bemerkbar machen, diese Summe als Marimallohn zu behandeln.

Der Führer der Konservativen Bonar Law unterstützte die Regierung in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Amende­ment Ring( liberal), durch welches der Minimallohn auf fünf Schilling festgesetzt werden soll.

Enoch Edwards, Präsident des Bergarbeiterverbandes, drückte seine Enttäuschung über die Haltung der Regierung aus. Er hätte gehofft, daß die Bill, wenn sie jenen Lohnsatz enthielte, sich bon selbst dem gefunden Sinn beider Teile empfehlen würde. Durch die Ablehnung des Amendements würde das Haus eine Gefahr heraufbeschwören, die sich als sehr schwer erweisen könnte. Der liberale Grubenbesizer Markham forderte die Regierung auf, das Amendement anzunehmen.

Die Diskussion des Amendements Ring gab zu sehr beweg= ten Debatten Anlaß. Mehrere Mitglieder der Arbeiter­partei erklärten, die Ablehnung des Amendements würde die Beilegung des Streiks verzögern. Ramsay Macdonald er­flärte, das Haus wolle ein Gefeß schaffen zu dem Zweck, den Aus­Ueber die zweite Resolution entspann sich eine längere stand zu beendigen, und es müsse den Wünschen der Ar­den sollen das deutsche Heer wird dann aus 25 Armee. Diskussion. Der Vorstand hatte im ersten Teil der Resolution beiter in bernünftigem Maße entgegenkommen. forps( nach 1871 waren es 15) und 50 Divisionen das Wort„ sollte" vorgeschlagen; die Mehrheit der Delegierten i Er gab zu verstehen, daß die Bergleute bereit sein würden, auf die

Aehnlich liegt es mit der Artillerie. Zwei neue Regi­menter berlangt die jetzige Wehrvorlage. Aber da zwei neue Armeekorps und zwei neue Divisionen geschaffen wer­