|t. 330. 39.?chMg. L Knltze des.Hmiirls" Kerlim DslKsdlM Wiw-ch. z.©kfokt 1912. Der nifter.tag. London , 28. Septeniber.(Eig. Der.) Die nördliche Probinz Irlands , Ulster , hat in den letzten vierzehn Tagen ein Schauspiel erlebt, an dem nachdenkliche Beobachter politischer Vorgänge nicht achtlos vorübergehen können. Große Demonstrationen sind in den Hauptpunkten dieses überwiegend protestantischen Teils der immergrünen Insel abgehalten worden, um gegen die beabsichtigte Einführung der irischen Selbstverwaltung zu protestieren. Der Ulfter-Tag. der 28. September, bildete den Abschluß der Demonstrationen und an diesem Tage wurde von den Ulstermännern das„feierliche Bündnis" unterschrieben, dessen Haupt- sätze hier namentlich wegen ihres seltsam religiösen Anstrichs wieder- gegeben werden sollen. Sie lauten: „Wir, Männer von Ulster, treue Untertanen seiner allergnädigsten Majestät König Georgs V., die wir uns demütig auf den Gott verlassen, dem unsere Väter in den Tagen des Dranges und der Not zuversichtlich vertrauten, verpflichten uns hiermit durch ein feier- liches Bündnis, einander während dieser ganzen Zeit des uns be- drohenden Unheils beizustehen in der Verteidigung des von uns wertgeschätzten Besitzes des gleichen Bürgerrechts im Vereinigten Königreich für uns und unsere Kinder und alle notwendig be- fnndenen Mittel anzuwende», um die Verschwörung, ein Homerule- Parlament in Irland zu errichten, zu Fall zu bringen; und falls uns ein derartiges Parlament aufgezwungen werden sollte, ver- pflichten wir uns ferner gegenseitig und feierlichst, uns zu weigern, dessen Autorität anzuerkennen. Mit dem sicheren Vertrauen, daß Gott das Recht in seinen Schutz nehmen wird, unterzeichnen wir hiermit dieses Dokument." Die Sprache klingt sehr ernst und erinnert an die Dokumente der Reformation, denen sie auch zum Teil entnommen ist. Wer die Verhältnisse nicht näher kennt, könnte leicht zur Ueberzeugung ge- langen, daß es sich hier um den Verzweiflungskampf eines in seiner Existenz bedrohten Volkes handele und nicht um einen Versuch der irischen Oligarchie und der konservativen Partei Englands, den religiösen Fanatismus der Nordirländer zu parteipolitischen Zwecken nach altbewährter Methode zu mißbrauchen. Viel weniger eindrucks- voll als die Sprache des Bündnisses waren die Demonstrationen der irischen Unionisten. Mit hölzernen Flinten bewaffnet marschierten viele Tausende Demonstranten in militärischer Ordnung an dem Generalfeldmarschall Sir Edward Carson vorbei und zogen hinter sich— hölzerne Kanonen. Diese hölzernen Kanonen liefern einem den richtigen Maßstab für den Wert der versteckten Drohungen, daß sich die Protestanten Ulsters einein irischen Parlament mit Waffen- gewalt widersetzen werden. Wenn Sir Edward Carson etwas demonstriert hat, so ist daS die längst bekannte Tatsache, daß der religiöse Fanatismus im protestantischen Ulster noch nicht ausgestorben ist, daß in einem sozial sehr rückständigen LandeSteil wie Ulster, wo noch die grauenhaftesten Formen der VoUsauSbeutung florieren, die Maffe der Proletarier nur zu leicht zum Spiel- ball der Unternehmer und der mit ihnen verkündeten Pfaffen wird. Religion und Politik sind in Ulster austauschbare Begriffe. ES sind die protestantischen Pfaffen, die diese Protestbewegung leiten, die am Ulstertage in allen Kirchen der Provinz politische Predigten hielten, die von der Gemeinde mit Händeklatschen begrüßt werden. Mit dem Hinweis auf die angebliche Gefahr, die den Protestanten vom Papste drohen soll, hat man es bis heute trefflich verstanden, die Augen des zahlreichen industriellen Proletariats UlsterS von seiner eigenen Misere abzulenken. Wie tief diese traditionelle Politik der herrschenden Klasse auf die Volksseele gewirkt hat, wird durch eine Erzählung erläutert, die weite Verbreitung gefunden hat. Ein Fremder sah in Portadown einen jungen Menschen auf der Straße, der wütend ausrief:„Zur Hölle mit dem Papst I" Er näherte sich ihm und sagte:„Wie können Sie nur so vom Papste reden. Ich bin selbst Protestant und war in Rom . Ich kann Ihnen versichern, daß der Papst ein alter, ehrenwerter Mann ist."„So?" meinte der An- geredete,„das mag in Rom stimmen; in Portadown genießt er einen sehr schlechten Ruf." Klick in ciie Melt. Gedichte von Alfons Petzold. *) Die Stillen. Du Eisenschürfender und Amboßschlagender. Welch dunklen Pfad und welche schmale Spur Wandert dein Denken, du Furchentragender, WaS sinnst du nur? Du in den Schächten der Berge Erweckter, Der ihren Tiefen die Schätze entreißt, Du Finsterblickender, Schwrelenbedeckter, Was grübelt dein Geist? Du. der du dem rasenden Räderschwunge Stillstand gebietest mit zwingender Faust, Was spricht dein Gehirn, ist stumm deine Zunge, Wenn der Riemensturm saust? ist eine drohende Hast in euch allen, „ J; schwenkt die Not ihr brennendes Tuch, H-r.,:enn � versteckt eure Fäuste ballen, Entspringt euren Herzen ein Fluch. Die Vielen. Bielen erklang ein eisernes Wort im Gehirn. Es schoß ans der Zert, es sprang in die Menschen hinein. Die stehen, Arm an Arm gepreßt. Stirne an Stirn. Und fühlen: die Kraft der Tat kann nur in der Vielheit sein. Das Wort umspannt sie, formt sie einem Leib— Tausende Fäuste wachsen in einer Faust. Vieler schwächlicher Tage armseliger Zeitvertreib Wird zum starken Appell, dessen Hall die Erde durchbraust. „Bruder, du auch?" Hand faßt freudige Hand. Blick glänzt in Blick zu froher, seliger Sicht. Aus dem Staube der dunklen Stunde»ns harrende Land Hebt sich die Einheit der Vielen, hebt sich das neue Licht. DerMorgen. Wenn wir im trunkenen süßen Spiel* Der Liebe eine Nacht vertan, So ruft der Wächter Tag unS kühl Mit seiner harten Stimme an: „Wacht auf. wacht auf. hebt euch empor! Hört ihr der Arbeitsglocke Ton I Steht auf. denn der Fabriken Tor Hat sich für euch geöffnet schon! Von dem jungen Wiener Lhriker Alfons Petzold , deffen erste Bucher„Trotz alledem".„Seltsame Musik" und„Memoiren eines AugeS" ein eigenartige« Talent verrieten, erscheint in nächster Zeit ,in Erdgeist-Verlag Leipzig ein umfangreiches Vcrsbuch„Der Ewige Stunde", dessen 3. Teil der soziale Lyrik bietet,«vir jetzt bereit« obige Proben entnehmen können. I In England nimmt man die Demonstrationen und Drohungen nicht sehr tragisch. Man muß natürlich die westlichen Gebiete aus- nehmen, in denen von Nordirland eingewanderte Protestanten wohnen. Trotz der gewaltigen Anstrengungen, die die konservative Presse gemacht hat, verhält sich die große Masse des Volkes der irischen Frage gegenüber absolut teilnahmslos. Daran wird auch die Propaganda nicht viel ändern können, die Sir Edward Carson jetzt nach England und Schottland verpflanzen will, nachdem sein theatralischer Feldzug in Ulster in England die Wirkung versagt hat. Das Proletariat hat andere Sorgen, für die Masse der Konservativen ist die irische Frage nur noch ein Echo aus längst vergangenen Zeiten und die protestantischen Liberalen sind mit den Bestimmungen der Homerulevorlage zum Schutz der protestantischen Minderheit Irlands vollkommen zufrieden. Manche der einflußreichsten Konservativen Englands betrachten die hochverräterische Agitation der Orange- männer mit großer Besorgnis, da sie befürchten, daß andere diese Politik nachmachen könnten. Unter diesen Umständen ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß sich die Regierung durch den Ulstertag ins Bockshorn jagen lassen wird. Gewiß sind die Drohungen der irischen Protestanten nicht ganz eitel Gerede. JDaß die besitzenden Klassen Ulsters ihre Haut aufs Spiel setzen werden, weil sie ihre Religion in Gefahr glauben, daran glaubt kein ernst zu nehmender Mensch. Daß aber das fanatisierte Proletariat einen aussichtslosen Kampf gegen die Staatsgewalt unternehmen wird, ist leider nicht so unwahrscheinlich. Und dies ist eben der tragische Zug in der passen- haften konservativen Revolutionskomödie: das Proletariat Ulsters schlägt sich für eine Religion, die von der herrschende» Klasse als das vornehmste Mittel benützt wird, um seinen Blick für die Wirklichkeit zu trüben und es m Knechtschaft und Banden zu halten. Liverpool , t. Oktober. Hier wurde gestern eine Anti-Home- rule-Demonstration veranstaltet, an der sich gegen 100 000 Personen beteiligten. Die Hauptredner des Tages waren die unionistischcn Führer Carson und Smith. Die Liverpooler Reeder, so erklärte Smith, hätten ihm drei Schiffe versprochen, auf denen 10 000 Mann nach Ulster gebracht werden könnten. Wenn die Re- gierung den Truppen befehlen würde, in Ulster einzurücken, so würden die Vertreter der Regierung an den Londoner Laternenpfostcn die Justiz des Volkes erfahren. von der ersten Stunde bis heute noch der Redaktion de?.Echo" angehören. « 23 Jahre sind auch verstrichen seit dem letzten Kongreß der deutschen Sozialdemokratie unter dem Ausnahmegesetz, dem Parteitag in St. Gallen . Man konnte auf dem Kongreß noch nicht hoffen, daß es das letzte Mal sein werde, daß man im" Ausland Zuflucht sucht. Gerade im Jahre 1887 wütete die Reaktion besonders heftig gegen die Partei, die Freiberger Verurteilten saßen noch im Gesängnis, die Macht Puttkamers war noch ungebrochen und man mußte jeden Augenblick auf neue Schläge gefaßt sein. Wie wenig sich freilich dadurch die Vertreter der deutschen Sozial- demokratie auf dem St. Gallcr Kongreß einschüchtern ließen, beweist ihr Beschluß, den internationalen Verbindungen durch Abhaltung eines internationalen Kongresses eine festere Basis zu geben. Daß im Jahre 1883 der erste internationale Kongreß in Paris stattfinden konnte, ist das Verdienst des St. Galler Parteitages. Als aber das internationale Proletariat in Paris zusammenkani, da lag das AuS- nahmegesetz schon in den letzten Zügen. Seitdem lvar der Weg der deutschen wie der internationalen Sozialdemokratie ein unaufhalt- samer und unvergleichlich gewalsiger Siegeszng. Hus der Partei* Zwei Jubiläen. Am 2. Oktober feiert das„Hamburger Echo" das Jubiläum seines 25jährigen Be st ehe nS. Es war unter dem Sozialisten- gesetz und in Hamburg herrschte im Jahre 1887 ein schärferer Ton, obwohl er unter dem kleinen Belagerungszustand schon bis dahin nichts zu wünschen übrig gelassen hatte. So konnte sich ein Blatt hier nur um deswillen so lange halten, weil an seine Spitze Johannes Wedde trat, ein literarisch hochbegabter Mann, der gleich großes Ansehen als Oberlehrer eines Gymnasiums wie als Dichter genoß. Die„Bürger-Zeitung" war eS, die Johannes Wedde leitete, und nian wagte ihr lange nicht, zu nahe zu treten; ein Lieb- knechtscher Leitartikel mit der Ueberschrist„Gewalt ist kein Heil- mittel" führte dann zum Verbot und der Polizeikommissar er- klärte den Inhabern der Druckerei, er würde kein neues Blatt wieder dulden. Man proponierte ihm schließlich, eine Blatt heraus- zugeben, das nur Ausschnitte aus anderen Blättern bringen, so eine Art Zeitungssamnielmappe sein sollte und man nannte dieses neue Unternehmen deshalb auch„Hamburger E ch o". Dem neuen Organ wurde die Drohung mit auf den Weg gegeben, daß es bei dem ersten eigenen Artikel verboten werde. Wollten die Redakteure etwas eigenes sagen, mußten sie es in anderen Blättern drucken lassen und konnten es dann allerdings als Zeitungsausschnitt in ihr Blatt übernehmen. Die Fessel ist bald gefallen und das„Hamburger Echo" steht schon seit langer Zeit in den vordersten Reihen der deutschen Parteipresse, in der es sich Ansehen erworben hat durch seine Selbständigkeit und seine ausgezeichnete Redaktion. Bemerkenswert ist, daß die Genossen Stalten und Stengele, die schon Redakteure der„Bürger-Zeitung" waren, Die Parteischule, die im vorigen Winterhalbjahr der Reichstagswahlen wegen ihre Pforten geschlossen halten mußte, begann heute ihren sechsten Kursus mit einer kleinen Eröffnungsfeier, an der neben den meisten Mit- gliedern des Lehrkollegiums auch Genosse Scheideinann als Vertreter des Parteivorstandes teilnahm. Genosse Heinrich Schulz er- öffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache, in der er aus die Bildungsbeslrebungen in der Partei hinwies und die Umstände schilderte, die im vorigen Winter diese Bestrebungen zeitweilig unter- brachen haben. Nachdem aber die Wahlen einen so überraschenden Er- folg ergeben hätten, sei es um so dringender geboten, die Bildungs- arbeit wieder aufzunehmen und zu erweitern. Immer größer werde die Masse, die sich um das sozialdemokratische Banner schare, und unter dieser Schar seien gar manche, die vorerst nur als Mitläufer gelten könnten. Daraus ergebe sich für die Partei die wichtige Auf- gäbe, die sozialistische Lehre in diese Masse zu tragen, das theoretische Wissen zu vertiefen und neue Kämpfer, neue Agitatoren heran- zuziehen, die in dem Ringen um eine bessere Zukunft ihren Mann ständen. In erster Reihe diene dieser Aufgabe die Parteischule. Sei auch die Zahl der Teilnehmer an dem Unterricht nur klein, so gehe doch von diesem Häuflein eine lebendige Kraft aus, da die Genossen das in dem halbjährigen Kursus erworbene geistige Nüst- zeug nicht für sich behielten, sondern ihr Wissen weiter hinaustrügen Im das arbeitende Volk. Zum Schluß gedachte der Redner des Genossen Franz Mehring , der seit Gründung der Parteischule an dieser als Geschichtslehrer mitgewirkt habe, aus Gesundheitsrücksichten aber zurücktreten mußte. Dann hieß Genosse Scheidemann im Namen des Partei- Vorstandes die Schüler willkommen. Sechs Monate anstrengender ernster Arbeit ständen den Genossen bevor, die sich aufs Neue auf die Schulbank gesetzt hätten. Aller Anfang sei schwer, und obgleich fast alle, die diesmal an dem Unterricht teilnähmen, schon jahrelang geistig in der Partei gearbeitet hätten, tvürden doch vielleicht manchem Zweifel aufsteigen, ob er auch mitzukommen vermöge. In diesem Falle solle er sich des Sprichworts erinnern, daß ernstes Beharren zum Ziele führt. Erforderlich sei vor allem Vertrauen zu sich selbst, zur eigenen Kraft, dann aber auch zu den Lehrern, die, wenn sie auch in der Schule als Lehrende fungierten, doch zugleich Freunde und Parteigenossen seien, alle beseelt von dem gleichen Streben und geleitet von denselben politischen Idealen. Nach der Eröffnungsfeier begann sogleich der erste Unterricht. An dem Kursus nehmen diesmal im ganzen 23 Schüler und 2 Schülerinnen teil. Davon sind 25 von politischen Organisationen, 6 von Gewerkschaften(Bauarbeitern, Bergarbeitern, Holzarbeitern und Transportarbeitern) entsandt. Von den 25 von Parteiorgan!- sationen gesandten Schülern kommen 11 aus Preußen, 3 aus Bayern, 2 aus Sachsen , 2 aus Thüringen und je einer aus Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen , Braunschweig , Oldenburg , Hamburg und Bremen . An dem Lehrplan ist nur wenig geändert worden. Haupt- Unterrichtsfächer sind wie bisher: Politische Oekonomie und Wirt- schaftsgcschichte, Soziologie, Geschichte und Theorie des Sozialismus, Rechtskuude, deutsche Geschichte, materialistische Geschichtsauffassung, deutsche Sprachlehre und Aussatz. Ich heb mich jäh aus Lust und Ruh. Herrgott, wie flüchtig ist die Zeit! Indes ich geh der Arbeit zu, Denk deiner ich in herbem Leid. Dich Hab' ich nur in Nacht und Traum! Fremd ist mir über Tag dein Leib, Denn in der Werkstatt düsterm Raum Ist die Maschine nur mein Weib. Warum sind die Neger schwarz? In der Schule wird nur er- klärt daß während der Sommerzeit die schwarzen Kleider deshalb zu verpönen sind, weil die schwarze Farbe die Sonnenstrahlen ver- schluckt, während sie von den hellen Stoffen zurückgeworfen werden. Und nun tragen die Einwohner der heißen Länder das ganze Jahr hindurch das natürliche schwarze Kleid, wodurch die üblen Wirkungen der Sonnenwärme für sie offensichtlich noch gesteigert werden. Wie erklärt sich nun diese schembare Unzweckmäßigkeit? Henry Durand sucht in der„Revue Scientiflque " diese Frage wie folgt zu beantworten. Die Soimcnsttahlen üben Wirkungen dreierlei Art aus: sie erwärmen, beleuchten und lösen bestimmte chemische Prozesse aus. Diese drei Arten von Wirkungen sind in der Weise voneinander untrennbar, daß in dem Sonnenlicht immer auch Wärmestrahlen und chemische Strahlen enthalten sind. Es folgt daraus — und das wird auch durch Erfahrungen mannigfacher Art be- wiesen, � daß mit der Abschwächuug des Sonnenlichtes gleichzeitig auch seine chemischen und Wärmewirkungen abgeschwächt werden. In unserem Klima, wo die Kraft des Sonnenlichtes im Durchschnitt eine verhältnismäßig geringe ist, genügt es dem Organismus, sich gegen die Wärmewirkungen direkt zu schützen. Das geschieht in der Hauptsache durch den Wärmeverlust infolge der erhöhten Schweiß absonderung. Ganz anders verhält sich die Sache in den heißen Ländern, wo die Intensität der Sonnenstrahlen andauernd eine sehr hohe ist. Hier muß der Organismus schon über ein Mittel verfügen, die übermäßige Erwärmung von vornherein unmöglich zu machen. Das geschieht, indem die Jntensilät des auf den Körper fallenden LrchteS auf das zuträgliche Maß beschränkt wird. Der in der Haut befind- liche dunkle Farbstoff(Pigment) wirkt in dieser Weise. Er fft für die Licht-, wie für die chemischen Strahlen beinahe unempfindlich. So werden die Lichtstrahlen, die die Haut der Neger treffen, auch m ihrer wärmebildenden Wirksamkeit stark geschwächt und da? Innere des Organismus von jenen schweren Schäden bewahrt, die für einen Europäer das Tropenllima geradezu unerträglich machen. Dir Helden der Meteorologie. Wie jede Wissenschaft hat auch die Wissenschaft des Wetters und Klimas ihre Helden Nur daß e« ganz stille Helden sind, deren Namen nicht in die breite Oeffentlich- keit dringen und deren Taten auch, trotz ihrer großen Bedeutung, nicht dazu da sind, die öffentliche Aufmerkiamkeit zu fesseln. Jedes Jahr, so erzählt„Kosmos", verläßt eine kleine Expedition. bestehend aus drei Beobachtern, den Hafen von Buenos-Ayrcs, um ein Jahr lang den meteorologischen Dienst auf den Süd-Arkaten zu verrichten. Die Inseln sind zwischen dem 63. und 81. Grad südlicher Breite gelegen, ihre mittlere Temperatur beträgt nur— 4,5 Grad Celsius, sie sind von schwer durchdringlichem Eise umgeben. Die häufigen Schneegewitter sind dort von ungewöhnlicher Heftigkeit, die Sonne scheint sehr selten, die ganze Pflanzenwelt besteht aus Flechten und Moosen. In dieser ungastlichen Gegend verbringt die Expedition in einer ganz primitiven Hütte ihr Dienstjahr, dazu noch ohne be- stimmte Aussicht, zur bestimmten Frist die Heimat wiederzusehen. Denn das Polareis kann den zum Entsatz bestimmten Dampfer aufhalten und die Befreiung noch länger hinausschieben. Wie erhaben Kigt sich diese schlichte Erfüllung wiffenschaftlicher Pflicht, iin Vergleich zu jenem Geist der Reklame, der die wissenschaftliche Welt von heute in ihren höchsten Spitzen, so oft erniedrigt und von fremden Mächten in den Staub zieht! Stendhals Karthanse in neuer Fassung. Eine vermehrte, voll- kommen umgearbeitete Ausgabe der„K a r t h a u s e von P a r m a". des einen der beiden Hauptwerke Stendhals(Henri BeyleS), wird, wie Georges C a i n im„Figaro" mitteilt, demnächst erscheinen. Ein Gelehrter in Grenoble , Herr C h a p e r, besitzt ein durchschossenes Exemplar des Romans mit zahlreichen Zusätzen, Korrekturen und Abänderungen, die Stendhal vorgenommen hat, nachdem Balzac 1340 in der„Revue Parisienue " in einer enthusiastischen Kritik den Wunsch ansgesprochen hatte, daß der Autor sein Werk ausfeilen und so zur Vollkommeiiheit der liebevoll durchgearbeiteten Werke Chateau- briands und de Maistres erheben möchte. Die bisher unbekannte Version des Sionians wird in der von Edouard Champion vor- bereiteten Gesamtausgabe der Stendhalschen Werle veröffentlicht werden. Notizen. — Der Schädel von DescarteS , der vor einigen Tagen als verloren gemeldet wurde, ist in Paris inzwischen unter anderen Schädeln wieder aufgefunden worden. — Die Musikalische BolkSbibliothek und das Bureau deS Berliner TonkünstlervereinS sind von Bülowstraße 81 nach Z�ietenstraße 27 tHrlegt. Die Bibliothek bleibt wegen Neuordnung bis 15. Oktober geschlossen, die Zweigstelle in Charlotte n bürg, Savignyplatz 1, ist jedoch schon jetzt jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 4—7 Uhr geöffnet. Auch dort erfolgt die Ausleihung von Musikalien und musikwifjerv- schaftlichen Werken unentgeltlich. — Die Lebenszähigkeit der Hefe. Zwei französische Forscher haben eine Anzahl von Flaschen alten Rotweins dazu be« nutzt, um zu ermitteln, ob die in dem Wein enthaltenen Hefepilze noch lebend und keimfähig wären. Die älteste Probe lvar von 1738, und dazu kamen neun andere Jahrgänge aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die jüngste Flasche stamnite von 1848. Das Ergebnis war, daß noch in dem Wein von 1803 lebende Hefe ge- funden wurde, die zur Erzeugung einer alkoholischen Gärung in Znckerwasser fähig war. Diese Tatsache ist wahrscheinlich nur durch ein langsames Eindringen von Luft durch den Kork zu erklären.
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