Ein NormalarbeitStag eigener Art ist eS, den die Post behörde den zu Neujahr angestellten Aushelfern beschieden hat. Einer dieser Hilfsarbeiter, der drei Tage bei dem Postamt 26 in der Adalbertstraße angestellt war. theilt uns mit, daß er am Sonnabend von S Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends bei zwei Stunden Mittagspause gearbeitet habe. Am Sonntag habe er von 6 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends bei einer Mittagspause von ebenfalls 2 Stunden arbeiten müsse, und am Montag sei die Arbeit um 4 Uhr Morgens begonnen und ohne jegliche Pause ununterbrochen bis 9 Uhr Abends fortgeführt worden. Diese durchschnittlich 13 stündige Arbeitszeit ist aber auch entsprechend honorirt worden, für jeden Tag gab es einen blanken Thaler aufgezählt. Was will der Mensch im Zeitalter obrigkeitlicher Sozmlreform mehr? Ein Rohrpostbetrieb wird am 5. Januar 1894 bei dem Postamt in S ch ö n e b e r g bei Berlin eingerichtet. Der Rohr postverkehr findet täglich im Sommerhalbjahr von 7 Uhr. im Winterhalbjahr von 3 Morgens bis 19 Uhr Abends statt. Wozu das Militär gut ist. Einen zur Zeit gerade nicht seltenen Anblick genossen am Dienstag Morgen die Passanten der Kurstraße. Die Kleiderfirma Baron , die von ibrem allen Geschäftshause in ein Nachbargebäude zog, ließ ihren Umzug un- renirt durch Soldaten bewerkstelligen, gerade als ob es in Berlin keinen einzigen Arbeitslosen gäbe. Man konnte denn auch von den vielen Hungernden, die mit ungewollter Muße dies Schau- spiel betrachten konnten, manche bittere Bemerkung sowohl über den arbeitersreundlichen Geschäftsinhaber hören, als auch über die Mililärbehörde, die ohne weiteres zu dulden scheint, daß das bischen Arbeitsgelegenheit, das sich hier und da etwa bieten könnte, dem Arbeitslosen durch die Ferienkolonisten genommen wird. In der Streitsache mit der Direktion des städtischen Krankenhauses Am Urban, betreffend den Transport von Kranken mittels Droschken nach der Irrenanstalt Herzberge, theilt die „Allg. Fahr- Ztg." behufs Entkräftung der Behauptungen der Direktion des Krankenhauses folgenden Fall mit: Der Fuhrherr Kemnitz hatte im November v. I. den Auftrag erhalten, vom gu. Krankenhause einen Kranken mit zwei Wärlern nach der be- zeichneten Irrenanstalt zu fahren. Schon beim Einsteigen hatte das Personal alle Mühe, trotz gütlichen Zuredens den Kranken in die Droschke hineinzubringen, denn derselbe schien Lunte ge- rochen zu haben. Schließlich gelang es aber doch und die Eahrt ging ohne Unterbrechung"fort bis zur üldalbert- caße. Da mit einem Male klirrten die Glasscheiben der Droschke und entstand ein großer Tumult. Eine Menge Neugieriger sammelte sich an und der Kutscher wurde zum Stillhalten genölhigt. Nach langer Zeit gelang es endlich, den Kranken zu beruhigen und zu binden. Gleichzeitig mußte er aber auch verbunden werden, denn er hatte sich beide Hände durch die Glassplitter total zerschnitten. Bei diesem Intermezzo war nun nicht allein das Innere der Droschke durch Blut stark besudelt, sondern auch das hintere Sitzkissen zerrissen worden. Als Kemnitz seine Fahrgäste in Herzberge absetzte, waren nahezu vier Stunde» verflossen. Obwohl er 9 M. Fahrgeld zu liquidiren berechtigt war, liquidirte er dennoch nur 3 M. und l.bv M. für die zerschlagene Thürscheibe von Doppelglas. Seine berechtigte Forderung auf Entschädigung für Versäumnisse— denn seine Droschke war betriebsunfähig geworden— sowre für Reinigung der Droschke und Reparatur bezw. Erneuerung des Sitzkissens hat Kemnitz bisher noch nicht geltend gemacht. Trotzdem hat die Direktion auch gegen ihn eine Anzeige wegen Tarisüberhebnng erstattet, die allerdings nach eingeleiteter Untersuchung ein negatives Ergebniß hatte. Von einem Eiseubahnznge zermalmt und sofort ge- tödtet wurde am Nenjahrsnivrgen der auf der Berlin-Potsdam- Magdeburger Eisenbahn beschäftigte Heizer Kapperl. Derselbe hatte seinen Nachtdienst beendet und wollte, nachdem er die Ma- schine in den Schuppen gefahren, über das Geleise hinweg seine in Ncuendorf bei Potsdam belegene Wohnung aufsuchen. Gerade in dem Moment, als er das Geleise passirte, brauste der um 6 Uhr 5 Minuten von Berlin fällige Personenzug heran. Vom Nachtdienst übermüdet und, da eine Kurve den Zug seinem Blick bislang entzog, wurde der Heizer zu snät aufmerksam und gerieth infolge dessen unter die Räder der Maschine. Nachdem der Zug voriibergebranst, fand man hier einen Arm des Unglück lichen, dort ein Bein; der Kopf war durch Vornüberbeugen zu einer unförmigen Masse mit der Brust zusamniengequetscht. Der Ver- unglückte war über 69 Jahre alt und hinterläßt Frau und Kinder. Von einem Augenzeugen des entsetzlichen Vorfalls wird uns noch die Miltheilnng gemacht, daß in dem Augenblick, als das Un- glück passirte, der Bahnhof in völlige Finsierniß gehüllt gewesen sei. Erst einige Zeit, nachdem das Unglück geschehen, sei Licht angezündet worden. Es ist ja schwer zu entscheiden, ob der Un- glücksfall bei genügender Beleuchtung hätte verhütet werden können, aber an so gefährlicher Stelle sollten doch jederzeit alle möglichen Vorsichtsmaßregeln in Anwendung gebracht werden. Alö Einbrecher und Brandstifter zugleich haben sich Diebe erwiesen, die am Sylvesterabend in dem Hause Oramem straße 23a gehaust haben. Dort liegt zu ebener Erde das Wirth& Hans des Gastwirtbs Wilhelin Buckows, während sich die Wohnung im dritten Stock befindet. Die Diebe haben sich nun die Feier des Sylvesters im Lokale zu Nutze gemacht und sind während dieser Zeil in die Wohnung eingebrochen. Nachdem die Versuche, die Thür- sülluiigen auszusägen, an der inneren Eisenbekleidung gescheitert waren, wurde das Schloß gesprengt. Die Beute stand m keinem Verhaltniß zu der anstrengenden Arbeit und der Gefahr der Entdeckung; denn die Gastwirthsleute bewahren Geld und Werthsachcn stets bei sich im Lokal auf, bis sie die Wohnung betrete». Tie Diebe, die alle Behälter hurchsuchten, haben nur eine goldene Damenuhr, einige Schmucksachen, Versichcrungs- Policen und Ausweispapiere initgenomme». Wohl aus Wuth über den Mißerfolg haben die Einbrecher in der Wohnung Feuer angelegt. Sie entzündeten in der Küche ein Bett und Wäsche und stellten unter das Sopha in der Wohnstube drei brennende Lichte, um einen größeren Brand herbeizuführen. Die ruchlose Absicht ist ihnen eben nicht völlig geglückt. Nachdem in der Küche das Bett, ein Korb mit Wäsche und eine Kommode vom Feuer fast vernichtet waren, bemerkten Hausbewohner einen brandigen Geruch und benachrichtigten den Wirth, der mit Hilje von Gästen die Flammen ohne Zulhun der Feuerwehr löschen konnte. Der Zugang zu der Wohnung war den Dieben dadurch geglückt, daß eine elektrische Klingel, die das Lokal mit der Wohnung verbindet, zufällig abgestellt war. Als Aufpasserin muß ein etwa 12 jähriges Mädchen gedient haben, das auf der Treppe Aufstellung genommen hatte, sowie ein Mann im Lokal. Die entwendete Uhr trägt auf der rückseitigen Kapsel ein emaillirtes Wappenschild. Im Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater gerieth am Sonnabend Abend gegen 9 Uhr während der Vorstellung eine Koulisse durch einen Kontakt mit glühenden Drähten in Brand. Das Feuer, das übrigens schnell gelöscht wurde, rief auf der Bühne sowohl wie im Publikum für einige Zeit nicht geringen Schrecken hervor. Folgende Unglücksfälle haben sich in der Neujahrsnacht ereignet: Erschossen hat sich am Sylvester-Nachmittag um S Uhr auf dem Abort einer Gastwirthschaft am Schiffbauerdamm der 23 Jahre alte Kellner Konstantin k�ckel. der in der Lützowstraße wohnte. Er verließ plötzlich das L.>l und jagte sich eine Re- rolverkugel in das Herz. — Der achtzehn Jahre alte Sohn des Kaufmanns S. in der Kaiser- Wilhelmstraße mute Sonntag Mittag eine Bierreise durch verschiedene Lokale angetreten. Gegen 7'/* Uhr Abends befand er sich am Luisen-Ufer und setzte sich dem Grundstück 38 gegenüber ermüdet aus die eiserne Umsriedigung deS Kanals. Wahrscheinlich ist er dort eingeschlafen und rücklings in das Wasser ge fallen. Die Hilfe von Schiffern kam zu spät; er wurde als Leiche aufgefunden.— Fast um dieselbe Zeit starb in einer fröhlichen Gesellschaft Leipzigerstraße 96 der 36 Jahre alte Sänger Mellin, Bergstraße 46. Ein Herzschlag scheint seinem Leben ein jähes Ende gesetzt zu haben.— Auch ein Todtschlag wurde in der Neujahrsnacht vollzogen. Der 24 Jahre alte Ar beiter Franz Böbm wurde in der Gubenerstraße nahe seiner da> selbst belegenen Wohnung in eine Schlägerei verwickelt, kehrte aber heim, ohne daß er Spuren äußerer Gewaltanwendung ausi wies. Um 3 Uhr früh jedoch ist er in der Wohnung gestorben. Das zuständige Polizeirevier ließ die Leiche ärztlich besichtigen, wobei die Möglichkeit eines Zusammenhanges zwischen der Schlägerei und dem Ableben hervorgehoben worden ist. Ueber daS Benehmen des Bademeisters der städtischen Badeanstalt an der Schillingsbrücke gehen uns weitere Klagen zu. Ein Badegast hatte am Donnerstag seine Seife in der Aus- kleidezelle vergessen und bat höflich den gerade müssig vor der- selben stehenden Bademeister, dvcb noch einmal die ins Schloß gefallene Thür zu öffnen. Der Bademeister hatte aus diese Bitte folgenden Anschnauzer: Wie kommen Sie dazu, die Seife in der Halle liegen zu lassen? ich brauche jedem Gaste nur einmal die Thür zu öffnen! Der also in's Bockshorn Gejagte wagte fubmissest zu entgegnen, daß solche Versehen doch nichts Verbrecherisches an sich hätten und auch dem anständigsten Menschen passiren könnten. Sie sind mir überhaupt viel zu dumm, war die Antwort. Einem anderen Gast, der im Brauseraum in Gegenwart von sechs Personen seine Badehose während des Brausens anbehalten hatte, schrie der Bademeister mit den Worten an: Vorwärts, die Badehose herunter; was soll die Spielerei hier! Wann wird der Magistrat dem Bademeister endlich angenehme Umgangsformen zur Pflicht machen? Erschossen hat sich, wie der hiesigen Kriminal-Polizei aus Norderney durch den Draht miigetheilt wird, daselbst ein früherer Rittmeister aus Berlin . Eine Irrsinnige machte sich vorgestern auf dem Bahnhofe Bernauerstraße durch ihr auffälliges Benehmen bemerkbar. Die- selbe, in eleganter Kleidung, trug ein Kind auf dem Arme, das, nur ganz nothdürftig gekleidet, in ein Tuch eingewickelt war. Die Bedauernswerthe gab auf Befragen an, daß sie nach Velten wolle. Auf die weitere Frage, ob ihr Mann dort weile, erklärte sie, ihr Mann sei iin Himniel. Einen Grund, weshalb sie nach Velten wolle, vermochte sie nicht anzugeben. Ein Schutzmann führte die Unglückliche in ein Krankenhaus. Die Leichen eines LiebcöpaareS sind am Sonnabend in dem zu dem Gutsbezirk Hohen- Schönhausen gehörigen Orankesee aufgefunden worden. Ein junger Mann, Namens Richard Hun- zinger, hatte mit seiner Braut, Bertha Lindner, beide aus Weißensee , den Tod gesucht und gesunden. Hunzinger genügte seiner Militärpflicht in Angermüude; er war zu den Weihnachts- seiertagen auf Urlaub gekoninien. Das junge Paar war schon seit Mittwoch verschwunden; die Körper fand man in dem See zusammengebunden. Polizeibericht. Am 39. v. Mts. früh gerieth vor dem Hause Weidenweg S6 die aus Stroh bestehende Ladung eines Wagens dadurch in Brand, daß eine unvorsichtiger Weise an der Ladung befestigte Laterne explodirte. Der Kutscher ver- mochte das Feuer selbst zu löschen.— Auf der Bellealliance- brücke wurde Mittags ein Knabe durch ein an der Hand ge- führtcs, plötzlich ausschlagendes Pferd gegen den Kopf geschlagen und am rechten Backenknochen schwer verletzt.— Nachmittags machte ein Arbeiter in seiner Wohnung, in der Andreas- straße, den Versuch, sich mit seinem Taschenmesser die Kehle zu zerschneiden. Da er sich als geistes- krank erwies und sich nur unerheblich verwundet hatte, wurde er mittels Krankenwagen nach der Irren- Anstalt Herzberge gebracht.— In der Birkenstraße entstand Nachmittags dadurch Feuer, daß das aus einem vom Wagen gefallene und zertrümmerte Faß herausgelausene Petroleum von Kindern entflammt wurde.— Am 31. v. M. früh versuchte ein Weber sich im Engelbecken zu ertränken. Er wurde von Passanten herausgezogen und, obwohl er in beinahe erstarrtem Zustande auf die Polizei-Wache gebracht wurde, dort wieder soweit her- gestellt, daß er sich nach seiner Wohnung begeben konnte.— Nachmittags vergiftete sich eine Frau in ihrer Wohnung in der Forsterstraße.— Gegen Abend erschoß sich auf dem Klosel eines Schanklokals am Schiffbauerdamm ein Kellner.— In der Nacht zuin 1. d. M. wurde am Grünen Wege, Ecke des Andreasplahes, ein Handelsmann mit gebrochenem Bein auf der Straße liegend vorgefunden.— In derselben Nacht vergiftete sich ein Arbeiter in seiner Wohnung, in der Bernauerstraße, in- dem er Karbolsäure trank. Er starb bald darauf iin Lazarus- Krankenhause.— Ain 1. d. M. früh starb ein Arbeiter in seiner Wohnung, Gubenerstr. 5, nachdem er unmittelbar vorher an einer aus dem Hose dieses Grundstücks stattgehabten Schlägerei thcilgenom- nien.— Zu derselben Zeit wurde in der Gr. Franlsurterstraße ein Wächter durch einen Schlächterwagen überfahren. Er wurde nach der Polizeiwache gebracht, wo er bald darauf starb.— Nachmittags sprang ein aus dem Schlesischen Bahnhos beschäftigter Arbeiter, nachdem er bei einem Diebstahl überrascht worden war, um seinen Verfolgern zu entgehe», von dem Bahnsteige der allen Halle in den Keller, etwa 6 Meter tief, hinab und erlitt anscheinend bedeutende innere Verletzungen.— Alls dem Potsdamerplatz wurde ein Arbeiter durch eine Kutsche überfahren und am Rücken und am Beine bedeutend verletzt.— Nachmittags wurde eine Frau in ihrer Wohnung, in der Bergnianustraße, er- hängt vorgesunden.— Abends fiel ein Kaufmann gegenüber dem Hause Luisen-Ufer 36 in den Luisenstädtischen Kanal und ertrank. — In der Nacht zum 2. d.M. brachte sich ein Arbeiter in seiner Wohnung, in der Tresckowstraße, einen Messerstich in den Unter- leib bei und versuchte außerdem sich mittels Salzsäure zu ver- giften. Durch ärztliches Eingreifen wurde jede Gefahr beseitigt. — Am 31. v. M.> sowie am 1. d. M. fanden acht Brände statt, und außerdem wurde die Feuerwehr einmal nach Schöneberg gerufen. Arbeiter-Sanitätskommisston. In unserem letzten Bericht hatten wir eine Zusammenstellung derjenigen Klagen gegeben, die uns über ungesunde Wohnungen aus Arbeiterkreisen zugegangen waren. Wir tragen heute die Beschwerden über unzureichende Beseitigung menschlicher Abfall- toffe, Mangel an Trinkwasser, Rauchbelästigung zc. aus den letzten Monaten nach. W u st e r h a u s e n e r st r. 29(früher Holzmarktgasse). Für 17 Haushaltungen 2 Hofklosets, nahe bei einer der Wohnungen. Eine begreifliche Folge solch ungenügender Hofklosets ist hier wie überall, daß menschliche Defektiv nen sich in der überfüllten Müllgrube finden, die angeblich alle 3 bis 4 Wochen gereinigt wird. M o r i tz st r. 18. Die Miether der Hinterhäuser, 12 Haus- Haltungen, muffen sich mit einem, natürlich schmutzigen Hof- kloset begnügen. Zu dem auf polizeiliche Anordnung neu an- gelegten Bodenkloset(sowie einem verschlossenen Hofklos�t) giebt die Wirthin die Schlüssel nur zwei Miethern, die mehr Miethe zahlen. L i n d e n st r. 69. Für ca. 150 Arbeiter 4 unsaubere Klosets, Pissoir schmutzig. Abends ohne Beleuchtung. L i» d e n st r. 24. Für die Bewohner der Hinterhäuser (6 Stockwerke) 3 enge, unsaubere Hofklosets. Ungenügende Spülung. Unsauberer Hos(Ausspannung), traurige Wohnungs- zustände, z Lindenstr. 17. 3 Hofklosets für 13 Haushaltungen. � L i n d e n st r. 53, Für 49—59 Arbeiter, mehrere Kinder, em Kloset. Abhilfe versprochen. � Jerusalemerstr. 44-45. 2 Klosets ohne Luft und Licht, mit undichten, freiliegenden Abflußröhrm, verpesten die Ar- beitsräume der Geschäfte von Grätz. F e i l n e r st r. 3 und 3a. Gemeinsamer, schmußiger Hof nnt 2 Klosets für 59—69 Personen. Gestank durch Dämpfe einer galvanischen Anstalt. �, L o u i s e n st r. 59.(Königl. Klinik für Hals- und Nasen- leiden), 3 dunkle, unsaubere Klosels. ohne Aentrlation, neben einer Wohnung. Der Portier giebt die Schlüssel nur ungern. Gr. H a m b u r g e r st r. 24. Ein Kloset inil mangelnder Spülung für die Bewohner eines Gebäudes. Schlecht beleuchtete Wendeltreppe. Kaninchenzucht im 3. Stock des Seitenflügels. Im 4. Stock nasse Wohnung. N e u e W e l t. H a s e n h a i d e. Die zu beiden Seiten der Bühne im Theatersaal gelegenen Retiraden, Grubensystem, sind in grauenhafter Verfassung. Gestank zum Umfallen. Keine Reinigung, keine Desinfektion. Heizung im Saal mangelhaft. In der W e l l b l e ch f a b r i k von E. K a m m e r i ch u. C o.. F e n n st r. 27, befinden sich die neben der Feilenhauerei �e- legenen Klosets in einem grenzenlos verwahrlosten Zustand. Sie verbreiten einen infernalischen Gestank, der Unvath läuft fast zur Oeffnung heraus und der Arbeiter, welcher nichtsahnend ein solches Kloset benutzt, besudelt sich in der ekelhaftesten Weise. So waren die Zustände im März dieses Jahres und im Oktober waren die Verhältnisse trotz mehrfacher Vorstellungen von feiten der Arbeiter noch nicht abgestellt. Der Abort der Restauration Müllerstr. 34 ist ebenfalls gänzlich vernachlässigt; die Grube ist bis 5 Zentimeter vom Sitz- brett entfernt mit Exkrementen angefüllt und ist den ganzen Sommer nicht geleert, geschweige denn desinfizirt worden. P a n k st r. 5a sind die Pissoire voll Kolh, drei unsaubere Klosels liegen dicht neben der Parterrewohnung, sodaß der Miether den Gestank gerade vor der Nase hat. Pankstr. 5 b liegt der Brunnen 59 Zentimeter vom Pissoir 1 Meter vom Pferdeftall und 2 Meter von der bis oben an-' gefüllten Mistgrube entfernt. Das Wasser des Brunnens wird natürlich durch diese passende Umgebung nicht verbessert. P a n k st r. 6 sind Hof und Klosets unsauber. Die Mist- grübe ist überfüllt, das W a s s e r des Brunnens ist unter- sucht worden und wegen seines hohen Gehaltes an Ammoniak und salpetriger Säure von unserem Chemiker für geradezu als vergiftet bezeichnet worden. Pankstr. 31a, 32, 33, 45b und ferner Wiesenstr. 25 und 26 sind die vorgefundenen sanitären Mißstände— unsaubere Klosets und Pissoirs, überfüllte Müllbehälter— auf unsere Auf- forderung hin beseitigt worden. Swinemünderstr. 16, im Hof Pferde- und Schweine- stall. Mistgrube davor mangelhast bedeckt, zur Zeit der Unter- suchung voll bis zum Rande. Belästigung der Miether durch den Gestank. K ö n i g s b e r g e r st r. 3. Auf dein 4. Hos Molkerei und duhrgeschäfte(mit 44 Pferden) außer Kühen und Pferden, Hühner, Ziegen, Katzen, Kaninchen und Tauben. Die Arbeiter der Tisch- ereien und Färbereien klagen über den Gestank besonders von der Dunggrube, die täglich zweimal während der Arbeitszeit (3 Uhr Morgens und 4—6 Nachmittags) gereinigt wird. Emdenerstr. 45, auf dem asphaltirtem Hof ist am Brunnen der Boden aufgerissen und vom angesammelten Regenwasser verfault, Brunnenwasser schmutzig grün, ungenießbar. fm Keller des Quergebändes lagert faulendes Bettstroh und .uinpen, Schaaldecke und Staken unter der Berliner Stube von Schwamm durchfressen, theilweise abgestürzt. jFeuersgefahr. Vor- stellungen bei der Polizei vergeblich. Schönleinstr. 8. Die Miether müssen ihr Trinkwasser aus den über den dunklen Klosets(ohne Abzug) gelegenen Leilungs- Hähnen holen. Kein Becken. R o st o ck e r st r. 23(seit April 1393 bewohnt). Gesundheitsschädlicher Qualm in den Wohnungen des Quergebändes beim Feuern. Bewohner krank. W a l d st r. 39. Quergeb. 4. Et. In einer Wohnung(Stube und Küche) schlafen 7 Personen, Frauen und Männer durch- einander, außerdem zahlreiche Wanzen und Schwaben. L ü tz o w st r. 18. Dunkle, kalte lkellerwohnungen mit mangelnder Heizgelegenheit und dumpfer Luft. L ü tz o w st r. 21, im Gemüsekeller des Vorderhauses Zimmer ohne Fenster und Ofen als Wohn- und Schlafraum für drei Personen. Ein anderer Kellerraum ohne Fenster, ohne Ofen dient zwei Schlächtergesellen als Schlafraum, so eng, daß die Betten über einander stehen(pro Kops 5 Kubikmeter). L ü tz o w st r. 6, 2. Hof in der K u n st s ch l o s s e r e i von Marcus müssen ca. 59 Personen in ungeheizten Räumen bei meist zerschlagenen Fenstern arbeiten. Puttkamerftr. 9, Vorderhaus IV, müssen sich 7 Haus- altungen in noch nicht 2 Meter hohen Räumen mit winzigen �ensterchen(Oberlicht) behelfen. Eine Kammer ohne Fenster als Kochraum. Für die 4. Etage 2 Hofklosets. In der Portiere- wohnnng. Hos im Keller, Küche mit Backsteinen gepflastert, stehen Betten. Z i m m e r st r. 61, vernachlässigte Wohnungen im Seiten- flügel und Quergebäude. S e i d e l st r. 9, rechter Seitenflügel parterre links, dunkele dumpfige Wohnung über einem Lagerkeller neben einem Pferdestall und einer Fabrik mit nächtlichem Maschinenbetrieb. Gr. Frankfurterstr. 36 IV, beim Schneidermeister Niedbolle schlafen die beiden Lehrlinge in einem unsauberen Bett mit Ungeziefer das am Tage als Arbeitstisch benutzt wird, müssen Sonntags oft bis nachmittags arbeiten:c. Daß auch st a a t l i ch e Musterbetriebe sehr zur Verschlechte- rung sanitärer Verhältnisse beitragen können, zeigt folgender Fall. Hinler den Häusern P�f l u g st r. 7, 8 u n d 9 befindet sich auch in einem Abstände von ca. 3 Metern die Fettgas-Fabrik der Berlin-Stettiner Eisenbahn. Der Rauch, der aus den kleinen, niedrigen Schornsteinen hervorquillt, verpestet die Lust der Umgebung und besonders die erwähnten Häuser, die nur. von Arbeitern bewohnt sind, werden von diesem Uebel- stand betroffen. Tie Proletarierkinder, welche die Gemeindeschule Pfluastr. 12 besuchen, nehmen ebenfalls an dem Vorzug Theil, den staatlichen Gestank und Rauch zu athmen, und gewöhnen sich so frühzeitig an den ihnen zukommenden Theil staatlicher Für- sorge. Und nicht allein die Luft, auch das Wasser der Brunnen der genannten Häuser ist durch die in dem Rauch enthaltenen Gase gesundheitsschädlich verunreinigt. Das Wasser dieser Brunnen ist nach dem Untersuchungs- befund weder zum Trinken noch zu Wirthschaftszwecken zu ver- wenden. Diese Mißstände sind an das Polizeipräsidium und an den Eisenbahnniinister berichtet worden. Man hat nun zwar mit dem ganzen Apparat die Uebelstäude untersucht und be- stüligt, aber Abhilfe ist bis jetzt noch keine erfolgt, obwohl sie schon am 12. September d. I. zugesagt wurde. Gänzlich erfolglos waren die Beschwerden, die von Seiten der Bewohner H u s s i t e n st r a ß e 19 bis 22 über die Be- lästigung durch den Rauch und Qualm, der aus den Fenstern der Metallgießerei Ecke Hussiten - und Feldstxaße hervorquillt, und über den sinnbetäubenden Lärm der dort aufgestellten Maschinen. Es ist traurig, daß auf so eklatante Mißstände immer wieder erst von privater Seite aufmerksam gemacht werden muß; es ist traurig, daß in einer Stadt wie Berlin die„berufenen" Vertreter zwar bereit sind, tausende und abertausende Mark für Festessen und Festgepränge zum Fenster hinauszuwerfen, für die peinliche Untersuchung und Be- seitigung sanitärer Mißstände aber erst dann Interesse zeigen, wenn ihnen eine Cholera oder Typhusepidemie, die doch vor allem durch solche Uebelstäude begünstigt werden, die bleiche
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