7. Jahrgang Januar- Februar 1930 syorsto DIE LEHRER INTERNATIONALE GB Archiv Exemplar Bundes stand ALK P175/ 7 Nr. 4-5 J.JBRIS.36 OFFIZIELLES ARGAN BER INTERNATIONALE DER BILOVIGSARBEITER Pfingsten Tagung in Gotha INHALT Pädagogische Tage der deutschen Mitglieder der I.B.A. in Gotha.. Die ersten Auswirkungen des Youngplanes auf die Schule in Deutschland 1 3 Im Zeichen der Verschärfung des Kampfes in Frankreich, von V. Barne Auf dem Liverpooler Kongress unserer englischen Sektion, von D. Capper Eine mexikanische Gewerkschaft tritt der I.B.A. bei Die I.B.A. und der Kongress von Montevideo.. 14 10 Hundert Jahre Imperialismus in Algerien, hundert Jahre des Elends, vom unzufriedenen Mohamet 15 Das Unterrichtswesen in Indien, von S. Saklatvala.. Lenin und die Kinder, von N. K. Krupskaja 20 22 Pazifistische oder proletarische Erziehung? 25 Die Grundlagen der Schularbeit in U.S.S.R... 27 Der dialektische Materialismus und die Pädagogik. Weltanschauung und Pädagogik( Schluss) 29 Eingegangene Bücher Edwin Hoernle: Grundfragen der proletarischen Erziehung, von L. S. 31 Achtung! Deutsche Lesebücher aus der Sowjetunion 31 Soveta Pedagogia Revuo, von M. Boubou 32 ACHTUNG! BEITRAG 1929. Der Beitrag für 1929 ist unbedingt jetzt fällig! Wer zum JuniKongress in Gotha seinen Beitrag noch nicht bezahlt hat, muss Eintrittsgeld bezahlen. Darum überweist noch heute auf beiliegender Zahlkarte( Postscheck Erfurt 3428) Euren Beitrag von 4,50 Mk! 7. Jahrgang Januar- Februar 1930 Nr. 4-5 DIE INTERNATIONALE DER BILDUNGSARBEITER 8, AVENUE MATHURIN- MOREAU- PARIS( XIX) Pädagogische Tage GB der deutschen Mitglieder der I. B. A in Gotha( Thüringen) ( 8. und 9. Juni - Pfingsten - 1930) Archiv Exemplar Bundes stand Die deutschen Mitglieder der Internationale der Bildungsarbeiter versammeln sich am 8. und 9. Juni( Pfingsten) in Gotha zu einer pädagogischen Tagung. Thema: Schule und Berufsausbildung 1. Schule und Berufsausbildung im kapitalistischen Staat. Referent ein deutscher Genosse, der sich besonders mit der Berufsschulfrage befasst hat. Name wird noch bekanntgegeben. 2. Schule und Berufsausbildung in der Sowjetunion. Referent ein Vertreter des Bildungsarbeiterverbandes der Sowjetunion. 3. Die Erziehung für den Beruf vom Standpunkt des Marxismus aus. Referent Dr. Fritz Ausländer( Berlin), Mitglied des preussischen Landtages. Die Referate sollen so verteilt werden, dass die beiden ersten am ersten Tage gehalten werden, und dass das dritte zusammenfassende Referat nach ausgiebiger Diskussion der beiden ersten die Ergebnisse der Referate und der Diskussion sichtet und eine marxistische Einordnung der Berufsfrage versucht. Wir glauben, durch die Beschränkung auf drei Referate an zwei Tagen eine reichliche Aussprache sicherzustellen. Der Leipziger Kongress hat nach dem Urteil aller Teilnehmer an einer Ueberfülle von Referaten gelitten. Diesen Fehler wollen wir dieses Mal vermeiden. * Die Themenstellung« Schule und Berufsausbildung» drängte sich uns auf, weil 1.) dem preussischen Landtag ein neues Berufsschulgesetz vor 2 DIE LEHRER- INTERNATIONALE liegt, 2.) der deutsche Lehrerverein diese Frage in diesem Jahre zu seinem Verbandsthema gemacht hat, 3.) diese Frage vor allem unsere proletarische Jugend angeht. Wir haben mit diesem Thema gleichzeitig Verbindung zur Lehrerschaft wie auch zur Jungarbeiterschaft. Zum ersten Thema« Schule und Berufsausbildung im kapitalistischen Staat» wird ein Vertreter des Generalskretariats aus Paris in der Diskussion sprechen und über die Frage der Berufsausbildung in anderen kapitalistischen Ländern berichten. - Die Wahl des Ortes Gotha ist auf Wunsch einer grossen Anzahl von Mitgliedern erfolgt, die zu meinem Rundschreiben vom Oktober 1929 Stellung genommen haben. Einstimmig haben sich alle Genossen für einen Ort in Thüringen entschieden, um die übrigbleibenden Ferientage zu einer Wanderung ausnützen zu können, und weil wir bestimmt glauben, dass Thüringen am leichtesten von allen Teilen des Reiches aus zu erreichen ist. Das neuhergerichtete Volkshaus in Gotha bietet ausgezeichnete Saalund Wohnverhältnisse( sehr gute Zimmer für 2 Mk.). Gotha ist durch eine elektrische Schnellbahn mit den Thüringerwaldbädern verbunden, sodass Arbeit und Erholung bequem vereinigt werden können. Die Gothaer Genossen werden dafür sorgen, dass unser Kongress unter der Mitarbeit der Thüringer( kulturpolitisch hochinteressierten) Arbeiterschaft vor sich geht. Wir werden Eltern- und Schulvertreter zu unseren Verhandlungen einladen. Ein internationales öffentliches Meeting am Schluss des Kongresses wird Zeugnis ablegen von der Verbundenheit der( proletarischen) Lehrer mit dem Proletariat. Anmeldungen zur Teilnahme am Kongress und Quartierbestellungen werden schon jetzt entgegengenommen. Die Mitgliedskarten von 1929 und 1930 gelten als Eintrittskarte. Alle, die noch nicht im Besitze einer Mitgliedskarte von 1929 oder 1930 sind, und Gäste zahlen einen Unkostenbeitrag von 2 Mk., der beim Saaleingang erhoben wird. * ** An unseren Genossen im Reich liegt es, unsern pädagogischen Kongress ebenso wirkungsvoll zu gestalten wie den Kongress von Leipzig. Macht unseren Kongress bekannt! Werbt Teilnehmer! Benutzt den Kongress zur Mitgliederwerbung und zum Verkauf der Proletarischen Pädagogik! Werbt Abonnenten für unsere Zeitschrift! Sendet mir Adressen von Interessenten, denen Werbeexemplare zugestellt werden können! Und schliesslich Bezahlt Euren noch ausstehenden Beitrag für 1929, damit wir unsere Verpflichtungen der Internationale gegenüber erfüllen können. Wir hoffen, dass wir den Unkostenbeitrag von 2 Mk. nur von Gästen zu erheben brauchen. i.A. ANNA LINDEMANN. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die ersten Auswirkungen des Youngplanes auf die Schule in Deutschland 3 Als seinerzeit der Dawesplan beschlossen wurde, versuchte die deutsche Bourgeoisie, diesen Plan als die Voraussetzung zum« Wiederaufstieg Deutschlands» darzustellen. Besonders die sozialdemokratische Presse erging sich in Lobpreisungen. Unvergessen bleibt, dass damals der« Vorwärts», das führende Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ein Bild brachte, das eine aufsteigende Sonne mit einem Dollarzeichen darstellte, zu der Arbeiter grüssend in voller Hoffnung die Hände emporhoben. Der Dawesplan hat aber in Deutschland nur eine Akkumulation des Reichtums auf der einen Seite, eine Akkumulation des Elends auf der anderen Seite gebracht. Durch die im Gefolge des Dawesplanes einsetzende Rationalisierung stärkte die Bourgeoisie ihre schwankende Stellung, während durch dieselbe Rationalisierung die werktätigen Massen verelendeten. Jetzt wiederholt sich dasselbe Spiel. Der Youngplan, diese neue Etappe internationaler kapitalistischer Abmachungen und Gegensätze, diese Etappe einer deutlichen<< Westorientierung> des deutschen Imperialismus, wird wiederum von der deutschen Bourgeoisie und ihrer Helferin, der deutschen Sozialdemokratie, als Heilsweg angepriesen, während ein anderer Teil der Reaktion diesen< Sklavenpakt> angeblich bis aufs Messer bekämpft und die nationalistischen Gefühle dabei aufzupeitschen versucht. Der Sinn dieses Doppelspieles mit verteilten Rollen ist wiederum, die jetzt wieder ins Wanken geratene Macht der deutschen Bourgeoisie durch Irreführung der werktätigen Massen und durch Verhinderung der Bildung einer geschlossenen Front aller Werktätigen aufs neue zu befestigen und durch gesteigerte Profite auf Kosten der weiter verelendenden Massen ihre Stellung nach innen und nach aussen zu verbessern. Schon beginnt die Reaktion mit ihren« Gesundungsmassnahmen» zur Rettung der deutschen lies kapitalistischen Wirtschaft. Wie sollen die Milliardensummen, die nach dem Youngplan zu zahlen sind, aus der deutschen Wirtschaft herausgeholt werden? Das Programm der deutschen Bourgeoisie ist klar ausgesprochen auf ihren Industriellentagungen in Düsseldorf und Berlin. Sie forderten Abbau der Erwerbslosenfürsorge, verschärfte Rationalisierung, Steuerreform, rücksichtslosen Lohnabbau. Das Finanzprogramm des sozialdemokratischen Finanzministers Hilferding hat ihre Wünsche, die ihm Befehl sind, zu hundert Prozent erfüllt der Raubzug gegen die Erwerbslosen ist durchgeführt, Massenverbrauchssteuern belasten aufs neue die werktätige Bevölkerung. Das bevorstehende Republikschutzgesetz ist dazu bestimmt, jeden Widerstand der arbeitenden Klasse gegen diesen Raubzug des internationalen und nationalen Kapitals niederzuhalten. Dass die katastrophale Finanzpolitik der herrschenden Klasse vor dem Abbau der kulturellen Ausgaben nicht zurückschreckt, dass die Schule auch, und nicht zuletzt, unter den Auswirkungen des Youngplanes zu leiden hat, unterliegt keinem Zweifel. In allen Länder- und Kommunalparlamenten werden die persönlichen und 4 DIE LEHRER- INTERNATIONALE - sachlichen Ausgaben für die Schule, insbesondere die Volksschule, mit aller Schärfe abgedrosselt. Aus einer grossen Zahl von Schulverwaltungsbezirken wird eine Steigerung der Klassenfrequenzen in den Volksschulen gemeldet, während die höhere Schule von den Sparmassnahmen viel weniger betroffen wird. Schon längst reichen in vielen Städten die von den Schulbehörden den Schulen zur Verfügung gestellten Lehr- und Lehr- und Verwaltungsmittel nicht mehr aus, um auch nur das Verbrauchte zu ersetzen, von Neuanschaffungen garnicht zu reden. Die Schulgebäude sind teilweise in einem traurigen Zustande, die Reinigung lässt sehr zu wünschen übrig, weil die bereitgestellten Mittel nicht mehr ausreichen. In Berlin sind mehrere dringend notwendige Schulneubauten unter dem Vorwande des Geldmangels mit einem Federstrich stillgelegt worden. Dabei werden zu gleicher Zeit in Berlin acht neue Kirchen gebaut! Für den Etat der Berliner Polizei wurden zu gleicher Zeit ohne weiteres Millionen für das verflossene Jahr nachbewilligt! Besonders krass zeigt sich der Kurs der Bourgeoisie in Thüringen, das sich in einer schlimmen Finanznot befindet, sodass von der Reichsregierung ein Sparkommissar geschickt wurde, um die Verwaltungskosten abzubauen. In einer mehr als 600 Seiten starken Denkschrift macht der Sparkommissar Vorschläge zum Ausgabenabbau. Von den 8 Millionen, die der Sparkommissar einsparen will, fallen mehr als 5 Millionen auf das Schulwesen, davon mehr als 4 Millionen auf die Volksschule. In dem Bereich der Volksschule müssen 390 Lehrerstellen, in der höheren Schule 140 Lehrerstellen, in der Berufsschule 150 Lehrerstellen eingespart werden. Der Ausfall soll durch Heraufsetzung der Stundenzahl, durch Erhöhung der Klassenfrequenz und durch Hinausschiebung des Pensionsdienstalters von 65 auf 68 Jahre gedeckt werden. Die akademische Lehrerbildung der Volksschullehrer, kaum richtig in Angriff genommen, soll beseitigt werden. Dieses Dokument des Thüringer Sparkommissars spielt in der gesamten deutschen Lehrerpresse eine grosse Rolle. Aber in keiner Lehrerzeitung, die mir zu Gesicht gekommen ist, sind die Zusammenhänge aufgezeigt worden, die zwischen den Sparmassnahmen auf schulischem Gebiet und der Durchführung des Youngplanes bestehen. Seien wir uns doch ganz klar darüber, dass diese in Thüringen geplanten Sparmassnahmen nur Vorläufer von ähnlichen Angriffen auf Schule und Lehrerschaft in den anderen Ländern sind. Wird nicht auch der immer wieder diskutierte Gehaltsabbau der Beamten die Lehrerschaft treffen? Bejahung des Youngplanes aber bedeutet automatisch Zustimmung zu allen Sparmassnahmen, die die Bourgeoisie beschlossen hat und weiter beschliessen wird. Eine Befreiung vom Youngplan ist nicht durch Proteste zu erreichen. Youngplan und kapitalistisches System gehören zusammen. Wer den Youngplan und seine Folgen für die arbeitenden Massen bekämpfen will, stösst dabei auf die Schranken des ganzen kapitalistischen Systems. Es ist kein Zufall, dass die revolutionäre Sowjetunion, die den Kapitalismus im Innern abgeschafft hat, keinen Pfennig internationale kapitalistische Schulden zu bezahlen hat. Die Rettung der Schule in Deutschland, die Rettung der Kultur liegt nur im Siege der Arbeiterklasse. Soll der Weg so weiter gehen, für die Bourgeoisie in den kulturellen Sumpf, für die Arbeiterschaft in die Barbarei? Nein, das kann nicht die Meinung aller ernsten Volksbildner sein. Für sie, die ihren Beruf nicht als eine blosse Gehaltsfrage ansehen, sondern die das Gefühl der Würde ihrer Aufgabe haben, ist die Entscheidung klar: Mit dem Proletariat gegen kapitalistische Barbarei, gegen den Untergang der Volksschule, gegen den kapitalistischen Youngplan, für den Aufstieg der Volksschule, für die Beseitigung der Klassenschule, für den sozialistischen Aufbau! DIE LEHRER- INTERNATIONALE Im Zeichen der Verschärfung des Kampfes in Frankreich 5 Die Unterdrückung der Lehrer hängt eng mit dem allgemeinen Unterdrückungsplan zusammen, dessen systematische Durchführung die französische Bourgeoisie verfolgt. In dem Masse, in dem die Lehrer der Volks- und höheren Schulen an den direkten Kämpfen der Arbeiter aktiv teilnehmen, werden sie zu Opfern der gerichtlichen Verfolgung und der Verwaltungssanktionen mit ausgesprochen faschistischem Charakter. Schon in der Schule sollen die Kinder der Proletarier durch einen regelrechten Drill zum passiven Gehorsam erzogen werden mit Hilfe eines erniedrigenden Autoritätssystems. Um eine so schändliche Aufgabe sicherzustellen, müssen die Lehrer diesem System passiv und ergeben begegnen. Die Taktik der Verwaltung bezweckt die Verstärkung der Hierarchie unter der Lehrerschaft, indem nämlich die Schulleiter oder vielmehr die mit der« Leitung Beauftragten» dazu angehalten werden, sich eine immer grössere Autorität anzueignen, in offenem Widerspruch mit den Verwaltungsverordnungen und sogar den ministeriellen Verfügungen. Daher verzeiht es die Regierung den Revolutionären im Schuldienst nicht, dass sie energisch gegen ihre Klassenpolitik auftreten, gegen die Verwaltungswillkür und die Verstärkung der Hierarchie, die in Tatsache nur Elemente. der Kriegsvorbereitung sind. Mit dem gleichen Ziele geht die Bourgeoisie dabei auch an die Faschisierung der Lehrerbildungsanstalten heran. * ** Im Verlauf von einigen Monaten erfolgte eine Reihe neuer Unterdrückungsmassnahmen gegen die Mitglieder des unitarischen Lehrerverbandes( Sektion der I.B.A.). Am I. August wurden Gautrand, Fajon, Cavalier im Departement Hérault verhaftet wegen Verteilung eines Flugblattes, das gegen die brutalen Auslassungen der Polizei an Kriegsbeschädigten gerichtet war. Acht Tage verbrachten sie im Gefängnis, vier Tage davon unter den gemeinen Verbrechern, und jetzt geniessen sie nur eine« vorläufige Freiheit>. Laurent, früherer Gymnasiallehrer von Epinal, verantwortlicher Schriftleiter der Lorraine Ouvrière et Paysanne( Lothringische Arbeiter- und Bauernzeitung), wurde in Saint- Etienne verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. In Nancy ist er eingekerkert wegen« Aufwiegelung des Militärs zum Ungehorsam». Baby, Gymnasiallehrer in Toulouse, am 19. Juli zum Gymnasium Condorcet in Paris berufen, wurde seines Amtes entsetzt auf Anregung der sozialdemokratischen Bezirkspresse( Midi Socialiste), unter Hinweis auf seine Verurteilung zu 6 Tagen Gefängnis( mit Bewährungsfrist) wegen Beteiligung an den Demonstrationen des Ersten August. Der Conseil Académique( Disziplinargericht erster Instanz für Lehrer an höheren Schulen) von Toulouse hatte Baby, ohne ihm das geringste berufliche Verfehlen nachweisen zu können, zu einmonatiger Amtsentsetzung unter Abzug des fünften Teils seines Gehaltes verurteilt. Der Minister reichte gegen diese Verurteilung als eine zu geringe Strafe Berufung ein beim Conseil Supérieur de l'Instruction Publique( die höchste Instanz in 6 DIE LEHRER- INTERNATIONALE zum Disziplinarsachen der Lehrer). Die Berufung wurde abgewiesen unter blosser Aufrechterhaltung der ersten Strafe. Der Conseil Supérieur, der sich Zugeständnis gezwungen sah, dass die Angelegenheit einen rein politischen Charakter trage, konnte sogar nicht umhin, sich prinzipiell gegen jede Verschärfung der Strafe auszusprechen. Doren, der wegen kommunistischer Betätigung zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt worden war, wurde danach vom Minister entlassen, trotzdem der « Departementsrat» mit 7 Stimmen gegen 4 die Entlassung verworfen hatte. Sechs Seminaristen von Quimper müssen noch immer dem Seminar fern bleiben, weil sie so aktiv und mutig gegen die militärische Vorbereitung gekämpft haben. Drohend gestaltet sich die Lage der Seminaristen von Blois, unter denen die Polizei im Anstaltsgebäude selbst eine Haussuchung vornahm. Der Protest gegen die Verschärfung der Disziplin und gegen die verbindliche militärische Die Seminaristen von Vorbereitung nimmt an den Seminaren immer mehr zu. Privas haben eine Generalversammlung abgehalten und an alle französischen Seminare einen Aufruf betreffend Sabotage der höheren militärischen Vorbereitung gerichtet. am Renaudet, landwirtschaftlicher Lehrer, wurde wegen seiner Aktion Ersten Mai aus dem Dienste entlassen. Er teilte also das Schicksal der Genossen Pons, Calas und Castrec. Cristofari, Aufsichtslehrer an der Oberschule von Aix, wurde seiner Stelle beraubt, weil er die Aixer Seminaristen anlässlich ihres Kampfes gegen die militärische Vorbereitung und gegen die Seminarordnung energisch verteidigte. Vidal, Schulamtsbewerber im Departement Loire, wurde 1. August verhaftet und seiner Vertreterstelle enthoben. am Blaise, Guilloré, Barne aus dem Departement Seine, Claire und Louis Gautrand aus dem Departement Hérault wurden wegen ihres Kampfes gegen die autoritative Schulleitung und gegen die Verstärkung der Hierarchie strafversetzt. Auch Jeanne Ethève und Krob( Paris) wurden in der Folge aus demselben Die Grunde strafversetzt. Diese Genossen unterrichteten in Arbeitervierteln. Eltern ihrer Schüler haben in beiden Stadtteilen einen äusserst lebhaften Protest gegen die Strafversetzungen erhoben. 74 Unterschriften wurden von den Eltern der Schüler oder früheren Schüler. von Krob unter den Protest gesetzt, und zwar in anderthalb Tagen. Die 9 Kollegen Krobs schlossen sich dem Protest der Eltern an. Die Schüler demonstrierten auf dem Schulhof zu seinen Gunsten. Die Genossen Méty( Rhône) wurden mit Gewaltmassnahmen strafversetzt, d. h. mit Hilfe der Gendarmen. Zu verdanken haben sie das einer Kabale seitens bürgerlicher Gegner. Bouthonnier, früherer Lehrer einer Oberschule, und Calzan, früherer Repetitor an höheren Schulen, beide gegenwärtig in Urlaub als Funktionäre der revolutionären Organisationen, wurden wegen Anschlag angeklagt und in die Bastille der Bourgeoisie geworfen, die Santé. Vor kurzem kam auch der aus dem Schuldienst entlassene Lehrer Calas( siehe oben) in die Santé. * ** Einer solchen Situation gegenüber hat die französische Sektion der I.B.A. eine eindeutige Pflicht. Sie muss einen verdoppelten Kampf für die Klasseninteressen der proletarischen Lehrer führen, die nur sie durchgreifend verteidigen kann durch stetige Verstärkung ihrer Bande mit der Arbeiterbewegung, unter einheitlichen revolutionären Leitung. einer Nicht anders kann sie für die elementaren Rechte und die elementare Freiheit der Lehrer kämpfen als gerade im Rahmen und auf der Grundlage der revolutionären Bewegung der französischen Arbeiter. Und eine wesentliche Vorbedingung für den Erfolg dieses Kampfes ist der Kampf gegen die versöhnlerischen Tendenzen im Lehrerverbande. V. BARNE. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 7 Auf dem Liverpooler Kongress unserer englischen Sektion Der hervortretendste und bedeutendste Zug am 8. Jahreskongress der Teachers' Labour League( Birkenhead, 4. und 5. Januar 1930) war die effektive Klärung der von der Liga verfolgten Politik. Die Liga hat endgültig mit der Labour Party gebrochen, sie hat sie als dritte und gefährlichste kapitalistische Partei Englands entlarvt und sich offen für die engste Verbindung mit der revolutionären Arbeiterbewegung ausgesprochen. Seit 3 Jahren beobachtete man in unseren Reihen ein gewisses Zögern und selbst etwas Konfusion in Widerspiegelung der Lage in der ganzen Arbeiterbewegung, aber das ist jetzt vorüber. Die 45 Delegierten haben der Wahl einer Neuorientierung nicht nur zugestimmt, sondern sie einmütig gefordert. Aus diesem Grunde, sowie aus weiteren, steht der letzte Kongress in der Geschichte der Liga als der Kongress da, der die grösste Bedeutung hat und am besten gelungen ist. Die Richtlinien der Exekutive Die Exekutive unterbreitete dem Kongress in ihrem Bericht klare Richtlinien. Aus ihm sprach ein neuer Ton anstatt sich auf einen Ueberblick der Arbeit im verflossenen Jahre zu beschränken, wuchs er sich zu einem politischen Dokument aus; er setzte die Aufgaben der Liga angesichts des Klassenkampfes in der ganzen Welt auseinander. Wir führen folgende Stelle wörtlich an: - « Die Versuche der kapitalistischen Gesellschaft, sich selbst wieder aufzubauen mittels erhöhter Ausbeutung der Arbeiter, die einzige Methode, die der Kapitalismus ausser dem Krieg kennt, I haben in hohem Masse zu einer deutlicheren Differenzierung in der Arbeiterbewegung selbst beigetragen. Die reformistische Leitung der Labour- Bewegung und der Gewerkschaftsbewegung in der ganzen Welt hat sich offen in den Dienst der kapitalistischen Regierung gestellt durch die aktive Förderung der Rationalisierung. Die von den Reformisten gewöhnlich eingenommene Haltung( Vorbeugung oder Einschnürung bei Streiks, enge Auffassung von der Vertretung der Berufsinteressen,« Wirtschaftsfrieden» usw...) ist jetzt ganz systematisch zu einem Verfahren der dauernden Zusammenarbeit zwischen den Arbeitern, den Fabrikherren und dem Staat geworden, wobei man von dem Gedanken ausgeht, dass Wirtschaftskonflikte und soziale Konflikte vermieden werden müssen, sodass man mit anderen Worten zur Verneinung des Klassenkampfes, des Sozialismus und der Arbeiteridealę kommt. In Grossbritannien begünstigt die Labour- Regierung, die offizielle Labour- und Gewerkschaftsbewegung somit wirksam die kapitalistische Rationalisierung; Beweis: die Lohnkürzung der Textilarbeiter und die Einstellung zu den Forderungen der Eisenbahner und Bergarbeiter. Gleichzeitig hat die Labour Regierung mit Unterstützung der Labour Party die imperialistische Unterdrückung der Kolonialvölker nicht nur beibelassen, sondern sogar verstärkt ( Prozess in Meerut; Versuche, in Indien die Gewerkschaftsbewegung aufzureiben; Einstellung zu Aegyten, Palästina usw.).» Ausführlich überprüfte der Bericht die Aktion der Liga in den Lehrerorganisationen während des vergangenen Jahres. Er verurteilte den« Mondismus>> im Unterrichtswesen und forderte die intensivere Gestaltung unserer Arbeit auf allen Gebieten, insbesondere im Kampfe gegen die Rationalisierung im Schulwesen und für eine einheitliche Gehaltsskala. Im kommenden Jahre wird auch dem Kampfe gegen die zunehmende Umklammerung der Schule durch die kirchlichen Körperschaften besondere Bedeutung beigemessen werden. wwwLabour- Unterricht Der Bericht analysierte die Rolle der Labour- Regierung auf dem Unterrichtsgebiete und wies nach, in welchem Grade sie sich bemüht, die Herrschaft des Kapitalismus über die Schule zu verewigen. Im Schulwesen und auch in der Industrie ist die Labour- Regierung imperialistischer als die anderen kapitalistischen Parteien. Hervorgehoben wurde die Bedeutung der Arbeit, die in dieser Beziehung geleistet worden ist dank der Zusammenarbeit mit der Inter 8 DIE LEHRER- INTERNATIONALE nationale der Bildungsarbeiter; hervorgehoben wurde auch die absolute Notwendigkeit, die Aufmerksamkeit der englischen Lehrer auf die grossen pädagogischen Fortschritte zu lenken, die heute in der Sowjetunion auf Grund des Fünfjahresplanes gemacht werden. Der internationale Abschnitt des Berichts geisselte die Tätigkeit der bürgerlichen und reformistischen Lehrerinternationalen, befürwortete den engeren Kontakt mit den Lehrern der kolonialen und halbkolonialen Länder und eine verdoppelte Aktion zwecks Verbreitung des englischen Bulletins der I.B.A. Ferner wurde der Esperantogruppe der T.L.L. eine festere Grundlage gegeben; Schritte wurden unternommen, um die Tätigkeit der Esperantomitglieder der T.L.L. wirksam zu organisieren. In bezug auf den Ersten August stimmte der Kongress den Ausführungen des Berichts der Exekutive nicht zu, sondern gab ihnen folgende präzisere Form: < Auf Vorschlag der I.B.A. wurde die Teilnahme an der Kampagne des Ersten August gegen den Krieg beschlossen. Doch war die Liga darauf schlecht vorbereitet, und nur wenig wurde geleistet, wenn man von den im Organ veröffentlichten Sonderartikeln absieht. Die Exekutive hat nicht verstanden, die Rolle der sozialfaschistischen Labour- Regierung richtig einzuschätzen usw...» Der Bericht erklärte schliesslich, dass die Frage des internationalen Anschlusses der verschiedenen Lehrerorganisationen und die Kritik des bürgerlichen Pazifismus durch die Mitglieder der T.L.L. in die einzelnen Lehrerorganisationen hineingetragen werden müsse, und zwar in Form von Anträgen betreffend den Anschluss der englischen Lehrer an die I.B.A. Bereits jetzt geht man an die Durchführung dieses Beschlusses heran. Die brüderlichen Delegierten Zum ersten Male seit 1926, als Genosse Vernochet, der Generalsekretär der I.B.A., durch die damalige kapitalistische Regierung Grossbritanniens verhindert wurde, den Fuss auf den demokratischen englischen Boden zu setzen, konnte dem Kongress der T.L.L. ein Vertreter der Internationale beiwohnen, Gen. Cogniot, der begeistert von den Kongressisten begrüsst wurde. Der Delegierte der I.B.A. betonte die Verschärfung des Klassenkampfes in der ganzen Welt und gab als Beispiel dafür die blutige Unterdrückung, gegen die die Sektionen der Internationale zu kämpfen haben, nicht nur in den faschistischen Ländern, sondern auch in den Ländern mit demokratischer oder sozialdemokratischer Regierung, während in den Kolonien eine auch noch so brutale Verfolgung den Aufstieg der Revolution nicht zu brechen vermag. Andererseits trägt der Triumph des Fünfjahresplanes dazu bei, letzten Endes die Gefahr eines imperialistischen Krieges gegen die erste Arbeiterrepublik in greifbarere Nähe zu rücken. Die Kampagne zugunsten des bürgerlichen Pazifismus unter den Lehrern, die unter der Leitung der Internationalen Vereinigung und der Internationale von San Franzisko, im Verein mit dem Völkerbund, erfolgt, bildet einen Bestandteil der Kriegsvorbereitungen der kapitalistischen Mächte. « Die I.B.A. ist nicht gegen den Krieg an sich, erklärte Cogniot unter allgemeinem Beifall. Sie ist nicht gegen, sondern für den Aufstand der Kolonialvölker. Sie ist nicht gegen, sondern für die Rote Armee. Sie ist gegen den Imperialismus und den imperialistischen Krieg.» Den Kongress begrüsste auch Gen. Hoyle im Namen der Kommunistischen Partei. Begrüssungsschreiben waren eingegangen aus den Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, Portugal, Weissrussland und U.S.S.R. Ferner hatte Barbusse einen Gruss gesandt: er greift darin bedingungslos den Völkerbund an und ruft die Kopf- und Handarbeiter in bewegenden Worten zur Solidarität auf. Die Kongressbeschlüsse Die Ansprache der neuen Präsidentin der Liga, Margaret Clarke, die in anbetracht ihrer Kampfvergangenheit für diesen Posten durchaus berufen ist, gestaltete sich zu einer klaren Analyse der Geschichte der Liga: die Spaltung und der Ausschluss der Liga aus der Labour Party waren Anzeichen für die DIE LEHRER- INTERNATIONALE 9 heutigen Vorgänge in der offiziellen Labour- und Gewerkschaftsbewegung. Genossin Clarke rief die Liga zur Einheit mit den revolutionären Arbeitern auf. Ihre Rede gipfelte in einer Zusammenfassung der Kongressbeschlüsse. So wurde eine Dringlichkeitsresolution angenommen, um das Erscheinem des < Daily Worker» zu begrüssen, der ersten kommunistischen Tageszeitung Grossbritanniens, und ihm die Unterstützung der Liga zuzusichern. Einstimmig war der Kongress für Streichung aller Statutenstellen, die auf das frühere Band mit der Labour Party Bezug haben. Dem neuen Exekutivkomitee wurde der Auftrag erteilt, die Umgestaltung der Statuten vorzubereiten. Die Sektion Manchester brachte den Antrag ein, den Namen< Teachers' Labour League» durch« Educational Workers' League» Liga der Labour- Lehrer bezw. Bildungsarbeiterliga) zu ersetzen; nach lebhafter Diskussion wurde dieser Antrag mit Mehrheit von einer Stimme abgewiesen. Die Frage des Namens der Liga wird aber im Zusammenhang mit den Statuten bearbeitet und vom nächsten Kongress gelöst werden. Gegen die Rationalisierung Die Einstellung der Exekutive zur kapitalistischen Rationalisierung wurde von den Delegierten von Manchester und anderen Orten streng kritisiert, weil sie nicht entschlossen genug sei und man darin ein stillschweigendes Einverständnis mit dem Hadow Report der Regierung erblicken könne. Der Antrag Manchester wurde angenommen. Der Kongress forderte eine einheitliche Gehaltsskala für alle Lehrer, die Gleichstellung der Lehrerinnen mit den Lehrern, die Hebung der Lage der Junglehrer, die Bildung von T.L.L.- Gruppen in den Schulen( Sympathisierende), damit der Kampf gegen die Rationalisierung des Schulwesens in engem Kontakt mit den anderen Arbeitern geführt werde, und zwar durch Gründung von Schulausschüssen der Eltern, Lehrer und Schüler und durch Unterstützung der revolutionären Kinderorganisationen. Der Kongress erklärte sich für einem entschlosseneren Kampf gegen die Beschlagnahme der Lehrerorganisationen durch die Schulleiter. Die internationalen Fragen Seit 1929, als sich die Liga der I.B.A. anschloss, hat man den internationalen Fragen noch nie soviel Aufmerksamkeit geschenkt. Eine Sonderentschliessung wurde gegen die Internationale Vereinigung, gegen die Internationale von San Franzisko und das Amsterdamer Berufssekretariat der Lehrer angenommen. Eine andere Entschliessung handelt von der Unterdrückung der revolutionäBewegung in Indien. Darin wird« die Haltung der Labour- Regierung in bezug auf den Meerut- Prozess gegeisselt und erklärt, dass die Labour Party den ToryImperialismus wirksam unterstützt durch Fortsetzung der unerträglichen Ausbeutung der unterjochten Rassen im Interesse des Kapitalismus». bürgerliche und kleinbürgerliche Orientierung des Indischen Nationalkongresses wird an den Pranger gestellt. Die Lehrer Indiens werden aufgerufen, in den revolutionären Kampf einzutreten unter der Fahne der I.B.A. Die Der Kongress versicherte die 6.000 in Athen kämpfenden armen Studenten seiner Solidarität. In einer anderen Entschliessung verdammte der Kongress die Völkerbundspropaganda in den Schulen und die Tätigkeit der Boy- Scouts, welche beide von der Labour- Regierung unterstützt werden. Die Stadtbehörden hatten der Kongressleitung die Vorführung des Films < Reise nach Sowjetrussland» untersagt. Dagegen erhob der Kongress energisch Protest, und vor Schluss des Kongresses wurden zwei öffentliche Protestversammlungen mit grossem Erfolg organisiert. Ausserdem fand eine öffentliche Versammlung statt zum Thema<< Der kapitalistische Charakter des Unterrichtswesens». Dazu sprachen Gen. Moore, der pädagogische Sekretär der Liga, und Gen. Maurice Dobb von der Universität Cambridge. Viele Arbeiter waren anwesend. 10 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Zusammenfassend kann man sagen, dass der Kongress, in der Tat der denen die revolutionären Bedeutung der grossen Aufgaben gerecht wurde, Lehrer im nationalen und im internationalen Masstabe gegenüberstehen. Er hat nicht gezögert, Schwächen und Fehler zu verdammen. Die englische Sektion der I.B.A. hat einen Schritt vorwärts gemacht im Kampfe gegen die reaktionären Tendenzen der offiziellen Lehrerorganisationen und hin zur unabhängigen Führung der Lehrermassen. Sie hat eine solide Grundlage geschaffen für die künftige Gewerkschaft der Bildungsarbeiter. D. CAPPER, Generalsekretär der T.L.L. Die I.B.A. und der Kongress von Montevideo Am 15. Februar wird in Montevideo der zweite« Kongress der Lehrerinterersten Male vor zwei nationale Lateinamerikas»( I.M.A.) eröffnet, die zum Jahren in Buenos Aires zusammentrat. Der vorbereitende Ausschuss liess der I.B.A. und dem Bildungsarbeiterverband der U.S.S.R. eine Einladung zugehen. In der Einladung an das Sekretariat unserer Internationale wird hervorgehoben, dass die I.B.A.« jetzt unter den Bildungsarbeitern der ganzen Welt bekannt ist, in anbetracht ihrer ungeheuren Arbeit zwecks Organisation der Schule und Verteidigung der Interessen der Bildungsarbeiter auf dem Boden des Klassenkampfes». Es wird erklärt, dass << die grosse Erfahrung der I.B.A. ganz ausserordentlich nützlich ist für die Orientierung der Arbeit» der I.M.A. In der Einladung, die unserer Sowjetsektion gesandt wurde, heisst es:<< Auf diesem Kongress, der die heutigen sozialen und pädagogischen Probleme erörtern wird, darf nicht die Stimme der Lehrer fehlen, die unter dem Zeichen der siegreichen sozialen Revolution arbeiten und die Grundsätze der proletarischen Pädagogik auf einem Sechstel der Erde in die Praxis umsetzen.>> Die Tagesordnung Ausser den Berichten der Leitung über die berufliche und pädagogische Tätigkeit, sowie verschiedenen Vorschlägen betreffend Statutenrevision und den Berichten der Abordnungen der verschiedenen Länder umfasst die Tagesordnung folgende Punkte: 1) Die Unterdrückung der Lehrer: wie ist die Solidarität zu verstärken? 2) Wachsen des Imperialismus und der Diktatur in Amerika. 3) Die materielle Lage des amerikanischen Lehrers. 4) Schule und Lehrer vor der Einigung der amerikanischen Völker: Mittel zur Förderung des Friedens, der Solidarität und Gerechtigkeit. 5) Die privilegierten Minderheiten im Unterrichtswesen; warum die Einheit des pädagogischen Prozesses zerschellt; Notwendigkeit der Abschaffung der Kinderarbeit. 8) Das Problem der künftigen Berufe im Schulwesen, seine Grundlagen, seine wissenschaftlichen und soziologischen Folgen. 7) Lehrerbildung; Mittel zur Hebung ihres kulturellen und moralischen Niveaus; Umgestaltung der Lehrerseminare. 8) Pädagogische Versuche in Amerika; Mittel zur Verbreitung und Durchführung der Lehren der Neuen Erziehung; Mitarbeit des Volkes. Unsere Sektion Uruguay, die am Kongress teilnimmt. Wird ferner die Aufnahme folgender Punkte in der Tagesordnung beantragen: Die Kulturarbeit das Problem der Gewerkschaftseinheit;- die Lehrer und in Sowjetrussland; der Klassenkampf. - DIE LEHRER- INTERNATIONALE Unser Begrüssungsschreiben 11 Das Sekretariat der I.B.A. hat dem Kongress als Antwort auf die uns zugegangene Einladung ein Begrüssungsschreiben gesandt. Im Begrüssungsschreiben wird hervorgehoben, dass der 2. Kongress der I.M.A. gerade in dem Augenblick zusammentritt, wo der grosse lateinamerikanische Kontinent, von der Grenze der Vereinigten Staaten bis zum Feuerland, zum Schauplatz eines interimperialistischen Kampfes und eines weit ausgreifenden Klassenkampfes geworden ist. Vor dem Kriege beherrschte der englische Imperialismus Lateinamerika. In einer ganzen Reihe lateinamerikanischer Länder hatten sich die englischen Kapitalisten der Verkehrsmittel, der landwirtschaftlichen Produktion, der Bergwerke, der Banken bemächtigt und den Regierungen wucherische Anleihen aufgezwungen. Seit dem Weltkriege dringt der Yankee- Imperialismus, der jünger und robuster ist, schnell in Lateinamerika vor. Die berühmte Monroe- Doktrin wird als Privileg zur Ausbeutung des ganzen amerikanischen Kontinents ausgelegt. Der Yankee- Imperialismus hat seine Kapitalsanlagen von 1913 bis 1927 vervierfacht und den alten britischen Löwen geschlagen. Es gibt sozusagen keinen Produktionszweig mehr, dessen sich die Kapitalisten der Wall Street nicht bemächtigt hätten: Kaffee und Bananen in Columbien, Zinn in Bolivien, Naphta in Venezuela, Kautschuk in Brasilien, Fleisch in Argentinien, Chilesalpeter, Eisenbahnen, Schiffahrtslinien, Häfen, Leitung der städtischen Arbeiten. Alle Gegenden werden grausam ausgebeutet und ausgeplündert. Sie werden zu Kolonien oder Halbkolonien. Der wirtschaftlichen Durchdringung folgt auf den Fersen die Politik der Gewalt; die Unabhängigkeit der meisten lateinamerikanischen Länder ist nur ein Traum. Die Imperialisten der Vereinigten Staaten begnügen sich nicht mit der Entsendung von Ratgebern und Sachverständigen, die das ganze Wirtschaftsleben< kontrollieren», sie greifen auch ohne Zaudern zu anderen Ueberzeugungsmethoden: Kanonen und Maschinengewehre. Man erinnere sich nur an die Intervention in Nicaragua, das Blutbad unter den streikenden Bananenarbeitern in Columbien, das Gewehrfeuer auf die friedlichen Demonstranten in Haiti. In dem Masse, in dem sich die Vereinigten Staaten um die Konsolidierung ihrer Hegemonie in Lateinamerika bemühen, wächst der Widerstand Englands, hat England doch noch niemals seine Stellungen kampflos aufgegeben. Die Wirtschaftsmission Lord Aberdons, welche die Sicherstellung des englischen Einflusses durch Versprechungen bezweckt, bedeutet nichts anderes als eine Entgegnung auf die Inspektionsreise des grossen Handelsreisenden Hoover durch die Yankee- Besitzungen in Lateinamerika. Die Verschärfung des englisch- amerikanischen Kampfes in Lateinamerika ist eine unleugbare Tatsache. Wirtschaftselend und Despotismus Die wirtschaftliche Knechtung der lateinamerikanischen Länder, die nur die Rolle von Lieferanten landwirtschaftlicher Erzeugnisse und der Rohstoffe zugewiesen bekommen, hindert die freie Entfaltung ihrer Industrie; sie werden in ihrer Industrie auf einen einzigen Zweig zugeschnitten. Ihre Wirtschaft ist nicht nur vollständig dem ausländischen Kapital untergeordnet, sie unterliegt auch allen Schwankungen des Weltmarktes. Diese Umstände haben in einer ganzen Reihe lateinamerikanischer Länder eine scharfe und lang andauernde Krise hervorgerufen, z.B. die Krise in der Kaffeeindustrie in Brasilien, in der Zuckerindustrie in Cuba, in der argentinischen Fleisch- und Getreideproduktion, sowie im ganzen Bergbau( Silber in Mexiko, Naphta in mehreren Ländern, Zinn in Bolivien). Als unmittelbare Folge davon verschlimmerte sich die materielle Lage der lateinamerikanischen Arbeiter, die unter unglaublichen Verhältnissen leben, unterdrückt von den Lehnsherren, der Bourgeoisie des Landes und den ausländischen Kapitalisten. Immer mehr werden die Bauern pauperisiert. Die Lage der Millionen Landarbeiter wird unerträglich. Die Fabrikarbeiter sind von 12 DIE LEHRER- INTERNATIONALE der Offensive der einheimischen und ausländischen Kapitalisten bedroht durch die Rationalisierung, die Stellenlosigkeit, die Einführung von Hungerlöhnen. Die Widersprüche der kapitalistischen Herrschaft liegen klar zu Tage: in den Ländern voller fabelhaften Reichtums, wo die freigebige Natur von dem Menschen nur eine ganz geringe Anstrengung erwartet, droht den werktätigen Massen, die durch die schmähliche Ausbeutung ganz ausgepumpt sind, buchstäblich der Hungertod. Verschlimmert wird diese unmögliche Wirtschaftslage noch durch den politischen Despotismus, unter dem die lateinamerikanischen Völker seit Jahren leiden. Allbekannt ist, welchen Terror die bezahlten Agenten der Imperialisten, die Tyrannen ausüben: Machado in Cuba, Gomez in Venezuela, Ibañez in Chile. Aber auch in den Ländern, die sich um Aufrechterhaltung der bürgerlichen Demokratie bemühten, z.B. Argentinien, bricht eine Welle politischer Reaktion herein. Schnell festigte sich die politische Reaktion vor allem in. Mexiko. Dort haben die bürgerlichen Politiker, die abgefeimt genug waren, um sich einen sozialistischen, einen revolutionären Anstrich zu geben, schliesslich die besten Vertreter der werktätigen Massen erschossen( Hinrichtung von Rodriguez), die Organisationen des Proletariats zerstört, den politischen Emigranten Lateinamerikas das Asylrecht verweigert. Mexiko hat erlebt, dass die bürgerlichen Gruppen, die vor kurzem an der Spitze der Revolution marschierten, ins konterrevolutionäre Lager übergelaufen sind; ihren antiimperialistischen Widerstand liessen sie fallen, um vor dem ausländischen Kapital bedingungslos zu kapitulieren. Und dieses Beispiel Mexikos beweist, dass der antiimperialistische Kampf an einem Wendepunkt angelangt ist. Die Bourgeoisie und die Lehnsherren sind jetzt die Verbündeten der ausländischen Kapitalisten, und die kleinbürgerlichen Schichten, die mit der Bourgeoisie des Landes verbunden sind, fliehen von der antiimperalistischen Front. Bezeichnend ist auch der Verrat Sandinos, der sich nach jahrelangem hartnäckigem und glorreichem Kampfe den Yankee- Imperialisten verkauft hat. Es ist nunmehr klar, dass die werktätigen Massen Lateinamerikas, die Arbeiter und Bauern, die einzige Kraft im Kampfe gegen den Imperialismus bilden, dass sie allein diesen Kampf auf Tod und Leben führen und ihm zum Siege verhelfen können. Und wer den Imperialismus bekämpfen will, wer ein ehrlicher Intellektueller ist, der sollte verstehen, dass man nur dann zu einem wahren antiimperialistischen Kämpfer wird, wenn man sich mit dem revolutionären Proletariat Lateinamerikas verbindet. Die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung marschiert Wir haben soeben gesehen, dass die Verhältnisse das lateinamerikanische Proletariat zum Entscheidungskampfe treiben. Auch entwickelt sich schnell sein Klassenbewusstsein. Die Arbeiter werden rühriger, schlagkräftiger. Jie Streikbewegung stärkt sich. Allmählich erwacht auch das Landproletariat. An Streiks wurden verzeichnet: der Streik der Bananenarbeiter in Columbien, die Streikbewegung in Brasilien( vor allem der Druckerstreik in Sao Paolo), in Uruguay( in den Gefrierfleischfabriken in Fray- Bentos), in Argentinien( Streik der Bauarbeiter und Tischler). Bisweilen wächst sich der Wirtschaftskampf zu einem politischen Kampf aus: Generalstreik in Rosario( August 1929), grosse Streiks in der Provinz Cordoba( Dezember 1929). Streiks brachen auch aus in Mexiko, Peru, Paraguay, Mittelamerika usw. Zuerst stellt die Arbeiterklasse ihre wirtschaftlichen Forderungen, im Verlauf des Kampfes entfaltet sie dann ihr proletarisches Banner. Die wachsende Tätigkeit des amerikanischen Proletariats zeigte sich am Ersten August und am 24. August( Sacco- Vanzetti- Gedenktag). Diese Tatsachen führen auch dazu, dass sich die proletarischen Massen organisieren, sich Kampforganisationen schaffen. Schnell entwickelt sich der Gewerkschaftsgedanke des Klassenkampfes. Vor kurzem noch unorganisierte Schichten schliessen sich zu Gewerkschaften zusammen. Die bereits bestehenden Organisationen werden reorganisiert und erweitert. Der kleinbürgerliche Mutualismus macht dem revolutionären Klassenkampfe Platz. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 13 Die gewerkschaftliche Einheitsbewegung macht Fortschritte. Trotz mancher Hindernisse( schlechte anarcho- reformistische Traditionen, enge Auffassung von der Verteidigung der Berufsinteressen) erwuchsen in vielen Ländern gewerkschaftliche Kampfzentren: der Gewerkschaftsbund in Brasilien und in Uruguay, der die Mehrheit des organisierten Proletariats umfasst; der unitarische Gewerkschaftsbund Mexikos; gleichgerichtete Tendenzen in anderen Ländern. Der I. Gewerkschaftskongress Lateinamerikas( 1929) ist von historischer Bedeutung für die Arbeiterbewegung der dortigen Länder. Der Kongress hat sich nicht etwa auf die Erörterung der Vereinheitlichung der Gewerkschaftsbewegung im kontinentalen Masstabe beschränkt, er hat dieses Problem praktisch gelöst durch die Gründung des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes. Letzterer hat von Anfang an bewiesen, dass er ein Kämpfer für die Einheit ist; er ist zum Mittelpunkt der Gewerkschaftsorganisationen geworden( ohne Ansehen der politischen Einstellung der Mitglieder); die Gewerkschaftsorganisationen erkennen, wie notwendig der Klassenkampf und der Kampf gegen das Joch des« nationalen» und ausländischen Kapitals ist. Demzufolge unterliegt der Lateinamerikanische Gewerkschaftsbund heftigen Angriffen und Verleumdungen seitens der imperialistischen oder nationalen Bourgeoisie und ihrer Agenten, insbesondere seitens der treuen Diener der Yankee- Imperalisten, das sind z.B. die Führer des Panamerikanischen Gewerkschaftsbundes, des mexikanischen Gewerkschaftsbundes( Crom), des argentinischen Gewerkschaftsbundes( C.O.A.) usw. Ungeachtet ihrer offiziellen anarchistischen oder reformistischen Ideologie leisten sie dem angreifenden Kapitalismus Vorschub, brechen systematisch die Streiks, predigen den sozialen Frieden, die Unterwerfung unter das Schiedsgericht usw. Die Pflicht der Lehrer Welche Haltung haben die Kopfarbeiter, die Lehrer Lateinamerikas einzunehmen? Wir sind überzeugt, dass es nur eine Lösung gibt. Das Unterrichtswesen ist in den meisten lateinamerikanischen Ländern in einem ganz jämmerlichen Zustande. Im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung dient die Schule stets den Interessen der herrschenden Klassen, aber in Lateinamerika ist sie oft das Werkzeug der reaktionärsten sozialen Macht, der katholischen Kirche, die bei weitem nicht daran denkt, den Arbeitern nützliche Kenntnisse zu übermitteln, sondern ihr Hirn mit dem schädlichsten Opium vergiftet. Religion als offizielles Unterrichtsfach, Generale im Unterrichtsministerium, Leutnants an der Spitze der Lehrerinnenseminare, wie in Chile! In fast allen Ländern kann die grosse Mehrheit der Bevölkerung weder schreiben noch lesen, aber dessen ungeachtet bleibt das Schulnetz ganz unzulänglich, vor allem auf dem Lande. Wohl belieben die Regierungen der < unabhängigen Länder», ihre Sorge um Verbreitung der Kultur zur Schau zu tragen, doch können sie nicht die erforderlichen Mittel für das Schulwesen aufbringen. Dagegen haben sie immer Geld, um pünktlich die fälligen Anleihen an die Imperialisten zurückzuzahlen, um den schmarotzerhaften und übermässig verzweigten Staatsapparat zu unterhalten, die Wehrmacht, die Gendarmen, die Kriminalpolizei. So kommt es, dass die materielle Lage der Lehrer bedauernswert ist. Wenn sie auch in den meisten Fällen etwas besser besoldet sind als der Durchschnittsarbeiter, so befinden sie sich doch im Elend. Oft sind 70 bis 90% der Lehrkräfte Lehrerinnen. In Honduras verdient der Lehrer 70 Pesos monatlich, wobei eine vierköpfige Familie 3 Pesos täglich zum kärglichen Lebensunterhalt braucht. Daraus ergibt sich für die Lehrer die Notwendigkeit, systematisch für die Verbesserung ihrer materiellen Lage zu kämpfen und gleichzeitig für die Umgestaltung des öffentlichen Unterrichtswesens entsprechend den Interessen der breiten Volksmassen, insbesondere der Arbeiterklasse. Klar ist, dass die Lehrermassen nicht darauf rechnen dürfen, ihre Lage durch einige Konzessionen der herrschenden Klassen zu verbessern, oder durch die Politik der Zusammenarbeit. Nur durch gewerkschaftlichen Zusammen 14 DIE LEHRER- INTERNATIONALE schluss wird die Lehrerschaft für ihre Forderungen eintreten können. Die Lehrer bilden einen Bestandteil der werktätigen Massen, sie müssen sich mit der Arbeiterklasse zusammentun. Nur dann werden sie die Erfordernisse ihrer wahren Interessen durchdrücken. Die Lehrer müssen zu der revolutionären Gewerkschaftsbewegung stossen, die auf dem Boden des unerbittlichen Klassenkampfes steht. Von den Arbeitern muss der Kampfgeist auf sie übergehen, und sie sollen der Gewerkschaftsbewegung zur Organisierung der Kulturarbeit unter den Arbeitermassen ihre Kräfte zur Verfügung stellen. Das ist ihre strenge Pflicht. Der Lateinamerikanische Gewerkschaftsbund ist gerade die Organisation, die die Gewerkschaftsorganisationen Lateinamerikas auf obiger Grundlage zusammenschliesst. hat die Jede Klassenkampforganisation Lateinamerikas Pflicht, den Gewerkschaftsbund zu unterstützen und ihm beizutreten. Hoffentlich wird der Kongress der Lehrerorganisationen Lateinamerikas erkennen, wie berechtigt dieser Standpunkt ist, und daraus die praktischen Folgerungen ziehen sowohl in bezug auf den Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund als auch in bezug auf die I.B.A. Brüderliche Unterstützung Das ist im wesentlichen der Inhalt des Begrüssungsschreibens, das das Generalsekretariat der I.B.A. an den Kongress von Montevideo richtete. Das Sekretariat war erfreut, zwei weitere Grüsse seiner Adresse beizufügen. Barbusse definiert die gegenwärtigen Probleme Lateinamerikas und begrüsst alle Kopfarbeiter, die auf dem Kongress oder ausserhalb des Kongresses< unter Verwerfung aller Vorwände und der Opportunismen» die grossen sozialen Siege vorbereiten helfen. >> Ausserdem richtet sich die nordamerikanische Gruppe der I.B.A. an die Lehrer Mittel- und Südamerikas und verspricht ihnen ihre« volle Solidarität im Kampfe gegen die kapitalistische Ausbeutung und gegen den imperialistischen Krieg, für die Verteidigung der Sowjetunion und die Aufrichtung von revolutionären Arbeiterregierungen». Unsere Gruppe warnt die dortigen Lehrer vor den Herrschaftsbestrebungen der American Federation of Teachers und der Internationale von San Franzisko. Zum ersten Mal streckt sich so die Hand der Lehrer der Vereinigten Staaten brüderlich zu den Kollegen Lateinamerikas hinüber. Die I.B.A. ist erfreut, hierbei als Vermittler zu dienen. Die ausführlichen Begrüssungsschreiben werden in der spanischen Ausgabe unseres Bulletins veröffentlicht. Eine mexikanische Gewerkschaft tritt der I.B.A. bei Am 8. Februar ging dem Generalsekretariat folgendes Schreiben zu, datiert Morelia( Mexiko), den 15. Januar 1930. An den Generalsekretär der I.B.A. Die Lehrergewerkschaft Michoacán( angeschlossen an den revolutionären Gewerkschaftsbund), hat auf ihrer Tagung vom 31. Dezember 1919 einstimmig den Beitritt zur Internationale der Bildungsarbeiter( Paris) beschlossen, in der Erkenntnis, dass sie die einzige internationale Organisation der Lehrer ist, die effektiv für die Hebung der materiellen und moralischen Lage der Lehrer kämpft, und auch die einzige Internationale, die, gestützt auf die Grundsätze der revolutionären Gewerkschaftsbewegung, entschlossen den Kapitalismus, die täglich stärkere und brutalere Durchdringung der kolonialen und halbkolonialen Länder durch den DIE LEHRER- INTERNATIONALE - 15 Imperialismus bekämpft. Wir stimmen nicht nur den Grundsätzen der I.B.A. zu, die auch in unserer eigenen Grundsätzlichen Erklärung enthalten sind, sondern wir werden entschlossen für sie in den uns gezogenen Grenzen kämpfen. - Mit Euch für die endgültige Befreiung des Proletariats! Für das Zentralkomitee, der Generalsekretär: gez. MIGUEL ARRIYO. Beigefügt ist dem Schreiben ein Rundschreiben der Gewerkschaft betreffend organisatorische Arbeit zu gunsten der I.B.A., sowie das offizielle Organ unserer Genossen« Revolution». Der Staat Michoacán, der im Herzen der Vereinigten Staaten von Mexiko liegt, spielt eine hervorragende industrielle Rolle( Silbergruben). Seit Monaten entfaltet die Lehrergewerkschaft, die sich uns jetzt angeschlossen hat, in ihrem Lande eine rege Tätigkeit im engsten Verein mit der klassenbewussten Arbeiterschaft. Wir begrüssen die Pionierorganisation der mexikanischen Lehrer, weil sie in voller Kenntnis unserer Ziele und Statuten zu uns kommt, sich auf ihren Kampfposten in den Reihen der Arbeiter Zentralamerikas stellt, die uns gegenwärtig so viele und so herrliche Beispiele im Kampfe geben, die fest und klassenbewusst der Korruption und dem Terror der in Mexiko eingenisteten, heuchlerischen Wall- Street- Agenten trotzen. Guten Erfolg der Lehrergewerkschaft von Michoacán in ihren Bestrebungen, im Schosse der I.B.A. einen mächtigen Reichsverband aller mexikanischen Lehrer zu organisieren! Hundert Jahre Imperialismus in Algerien, hundert Jahre des Elends. « Die Schulen sind in Algerien ganz entsetzlich unzulänglich, selbst in den Städten. Allein in Bona können 4.000 euro païsche und einheimische Kinder nicht in der Schule aufgenommen werden. Beängstigender noch ist das Fehlen von Schulen in den Dorfgemeinden. Man kann schätzen, dass 500.000 Kinder jeglichen Unterricht entbehren.» ( Erklärung des früheren Generalgouvernörs Viollette). Algerien wird im laufenden Jahre der Schauplatz grosser Festlichkeiten zur Feier der hundertjährigen Eroberung. Die Feier wird etwa 100 Millionen Franken kosten, wovon nicht ein Pfennig für die Volksschulen abfällt. Nur die Berufsschulen erhalten einige Brocken, einen Bruchteil von den 3 Millionen, die unter dem Titel« Einrichtungen der Eingeborenen» ausgeworfen sind. Dagegen bewilligt man leichten Herzens eine runde Million schon allein für die Beschaffung der früheren Uniformen der afrikanischen Armee, die für die historischen Festvorführungen erforderlich sind! Die Feier wird auch Ausgangspunkt für die Durchführung eines Sechsjahres 16 DIE LEHRER- INTERNATIONALE planes, für den mehr als 2,7 Milliarden vorgesehen sind. Aber nur 200 Millionen kommen davon dem öffentlichen Schulwesen zu gute. 1929 flossen aus Algerien nach dem Mutterlande 54 Millionen lediglich zur Deckung der Kosten der dortigen Wehrmacht, d.h. bei weitem mehr als der durchschnittliche Jahreskredit für das Schulwesen, wie er im oben erwähnten Sechsjahresplane ausgeworfen ist. 1930 wird Algerien für Heereslasten sogar über 61 Millionen aufbringen, also fast das Dreifache des vorgesehenen Budgetpostens für den Unterhalt der Lehrer an den Volksschulen der Eingeborenen und an den Berufsschulen( Abteilung IV, Kapitel 16: 23 Millionen). Beachtenswert ist auch, dass die Gendarmerie fast ebenso viel Geld kostet wie die eingeborenen Lehrer: 22 Millionen. Die Gehälter der staatlichen Polizeibeamten belaufen sich insgesamt fast auf das Siebenfache der Aufwendungen für die Instandsetzung der Schulgebäude. Die Unterrichtssprache Die algerische Schule ist immer ein ausgezeichnetes Werkzeug zur Sicherstellung der französischen Herrschaft, zur Französierung der Eingeborenen gewesen. Mit Gewalt führten die Imperialisten die französische Schule ein unter Berufung auf die hohe zivilisatorische Mission Frankreichs. Die Bevölkerung wünschte, dass in den Schulen in arabischer Sprache unterrichtet würde. Die arabische Liga« Der Nordafrikanische Stern», die im Jahre 1927 in Paris organisiert wurde und sich inzwischen an die Antiimperialistiche Liga angeschlossen hat, fordert den Unterricht in der Muttersprache und erhebt die Stimme gegen das heutige Unterdrückungssystem der arabischen Schule. Wenn man unsere« Zivilisatoren» hört, dann ist einzig und allein die französische Schule dazu berufen, das Kulturniveau der Eingeborenen zu heben. In Wirklichkeit bezweckt die Politik der Assimilation der Araber, insbesondere der Söhne der Honoratioren, lediglich, den Widerstand der Besiegten endgültig zu brechen. In der französischen Zeitschrift< Education» vom Januar 1930 schreibt ein Schulrat von Alger ganz unverhohlen in diesem Sinne. Die Unzulänglichkeit des Schulwesens Auf Grund der letzten Volkszählung leben in Algerien 5.147.000 Eingeborene. Im Schuljahr 1927-28 gingen nur 63.000 Kinder der Eingeborenen zur Schule, entweder in die Eingeborenenschule oder in die Kurse für Eingeborene an Schulen für Europäer oder auch in die Schule für Europäer selbst. Auf 1.000 Eingeborene entfallen also nur je 12 Kinder, die irgend eine Schule besuchen. Andererseits zählte man in Algerien 833.000 Europäer, und 150.000 europäische Kinder besuchen die Volksschule, d.h. 180 Volksschüler entfallen auf je 1.000 Europäer. Die Kolonisierten bilden fast sechs Siebentel der Gesamtbevölkerung, aber die Kolonisatoren liefern bei weitem mehr als ein sechs Siebentel der Schüler! Die Mädchen spielen fast keine Rolle in den Schulen der Eingeborenen: trotz der 100 Jahre« zivilisatorischer» Kolonisierung gibt es nur 22 öffentliche Schulen für die eingeborenen Mädchen in ganz Algerien. Daran kann man ermessen, was die schönen Reden der Imperialisten über die Befreiung der mohamedanischen Frau wert sind! Nur ein Zweig des Eingeborenenunterrichts geniesst Kredite, die nicht allzu lächerlich sind. Das ist das Berufsschulwesen. Die Lehrpläne von 1898 und die Anweisungen des Präfekten von 1899 betonen, dass jegliche Unterweisung der Eingeborenen einen Nützlichkeitswert haben soll. Im Budget 1930 sind 1,5 Millionen für die Lehrmittel der Berufsschulen eingesetzt: sie sollen dem Kapitalismus Arbeiter liefern, die ein bestimmtes Handwerk können und gute Ausbeutungsobjekte sind. Der Bericht über die allgemeine Lage in Algerien im Jahre 1928 bringt erfreut zum Ausdruck, dass die vielen früheren Mängel im Berufsschulwesen allmählich verschwinden. Es gibt in Algerien 3 europäische Lehrerinnnenseminare, in Miliana, Konstantine und Oran, mit 223 Seminaristinnen, und 2 europäische Lehrerseminare mit 185 Seminaristen. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 17 Ein drittes Lehrerseminar ist in Oran im Bau. Dagegen hat Algerien nur ein einziges Seminar für Eingeborene in Buzareah, mit 77 Seminaristen. Selbstverständlich gibt es keine mohamedanischen Seminaristinnen. So kommt es, dass die Lehrkräfte überwiegend Franzosen sind. Und der ganze Unterricht wird auf französisch erteilt. Die Oberschulen und höheren Schulen tragen ein und denselben Charakter. Sie werden nur von Franzosen, Israeliten und den reichsten Arabern besucht. Man kann sich danach denken, dass die werktätige eingeborene Bevölkerung keinerlei Fühlung mit der Kultur hat. Das Schulnetz ist völlig unzulänglich. Wegen Platzmangels geht nur der neunte Teil der Eingeborenenkinder zur Schule. Die Schulen der Eingeborenen Das System der nationalen Unterdrückung zeitigt auf dem Unterrichtsgebiete immer die schlimmsten Resultate. Die Eingeborenen begegnen den französischen Schulen voller Abneigung, und weil auch bei weitem nicht genug französische Schulen vorhanden sind, schicken sie ihre Kinder nach wie vor in die alte mohamedanische Schule. Es gibt nämlich keine moderne Araberschule. Das mohamedanische Volks- und Hochschulwesen datiert mehrere Jahrhunderte zurück. Hochschulunterricht wird in den Méderças erteilt in Algier, Konstantine und Tlemzen. Theologie und mohamedanisches Recht bilden im wesentlichen den Unterrichtsstoff. Aus den Hochschulen gehen in erster Linie die Beamten der mohamedanischen Gerichtsbarkeit hervor. Die mohamedanischen Volksschulen oder kleine Koranschulen sind in den meisten Städten der Moschee angegliedert. Schon dieser Umstand ist für sie kennzeichnend. Die Jahrhunderte sind an der Koranschule spurlos vorübergegangen. Die Europäer brauchten also gar nicht erst ein System ausfindig zu machen, das ihrer Politik entspreche. Sie stiessen auf ein ganz fertiges System, die Koranschule dient ausgezeichnet der Kolonialherrschaft, in ihr herrscht der Geist der Unterwürfigkeit, des blinden Gehorsams, die Kinder gewöhnen sich von klein auf an Heuchelei und passive Unterwerfung. Welche gute Garantie für die Herrschaft des Absolutismus durch Verbreitung der Unwissenheit! Wie sind die Lehrpläne beschaffen? Ausschliessliches Unterrichtsziel ist der Islam. Der Unterricht beruht auf dem Studium des Korans, der Quelle aller Weisheit für die Mohamedaner. Die Kinder lernen einfach ganze Stellen aus dem Koran auswendig. Kaum hat der Schüler das Alphabet bewältigt, so muss er schon religiöse Texte aufsagen. Körperstrafen sind hart und keine Seltenheit. Die Mädchen gehen nicht in die Koranschule. Die Koranschule bildet ein bedenkliches Hindernis für die intellektuelle Entwicklung der Eingeborenen. Aber die Dritte Republik hat diese Einrichtung der mohamedanischen Geistlichkeit voller Freude aufgenommen, und der Imperialismus hat das Werk der Lehnsaristokratie ohne Zaudern sanktioniert. 98. Analphabeten Dieser Prozentsatz ist nicht übertrieben. Zwar berichten die amtlichen Jahrbücher nur von 90% Analphabeten, doch sind bei dieser Schätzung 830.000 Europäer mit einbegriffen, wodurch der Prozentsatz etwas niedriger auskommt. In Wirklichkeit können nur 2% der Eingeborenen lesen. Das ist die wahre Bilanz der Hundertjahrfeier. Der Kinderschutz Der Kinderschutz steht in Nordafrika auf keiner höheren Stufe als das Schulwesen. Der frühere Generalgouvernör Viollette gibt in der eingangs zitierten Erklärung zu, dass es um die soziale Fürsorge jämmerlich bestellt ist, 18 DIE LEHRER- INTERNATIONALE insbesondere um die Krankenhäuser für Eingeborene. Uns liegen nicht die Zahlen für die Kindersterblichkeit in Algerien vor, doch rief vor nicht langer Zeit die Veröffentlichung der entsprechenden Statistik für Tunesien grosse Bewegunug unter den aufgeklärten Eingeborenen in ganz Frz. Nordafrika hervor. In Tunesien kamen unter der französischen Bevölkerung je 14,5 Todesfälle auf 1.000 Personen im Jahre 1926 vor und 16,4 im Jahre 1927. Für die Italiener ergaben sich entsprechend 17,5 und 18 Todesfälle. Aber die mohamedanische Bevölkerung hatte fast die doppelte Zahl von Todesfällen zu verzeichnen: 31 im Jahre 1926 und 34 im Jahre 1927. Bringt man zu der allgemeinen Sterblichkeit die Sterblichkeit der Kinder unter 10 Jahren in Beziehung, dann ergibt sich für die französische und italienische Bevölkerung das Verhältnis von 1: 3, von 2: 5 aber für die mohamedanische Bevölkerung. Die Forderungen der Lehrer Die eingeborenen Lehrer fordern die gehaltliche Gleichstellung der männlichen und weiblichen Monitoren( die letzteren sind materiell besser gestellt), gleiche Zulagen für alle in Algerien geborenen Lehrer( gegenwärtig haben nur die französischen Staatsbürger Anspruch auf die Prämie von 1.000 Franken für das Wirken an Eingeborenenschulen, und so wird diese Zulage zu einer Prämie für die Naturalisierung; ferner beträgt die Ortszulage für die eingeborenen Lehrer nur die Hälfte der entsprechenden Zulage für Staatsbürger, weil die Eingeborenen angeblich einen weniger anspruchsvollen Magen, einen härteren Schädel und ein stärkeres und... besseres Herz haben). Die Kolonialvergütung ( man rechnet 3 Jahre für 2 Dienstjahre) wird nur den Lehrern französischer Herkunft gewährt und den eingeborenen Lehrern, die vor 1901 angestellt wurden! Bei Stellenwechsel und Entschädigungen sieht man vor allem auf die Herkunft des Lehrers, von einigen Ausnahmen abgesehen. Für das freie Selbstbestimmungsrecht Trotz dieser beklagenswerten Zustände bemüht sich der französische Imperialismus, die Bevölkerung zu veranlassen, bei der Jahrhundertfeier ihren Dank für die« Wohltaten der Zivilisation>> zum Ausdruck zu bringen. In diesem Sinne arbeiten die Agenten des französischen Imperialismus, die reformistischen Führer mit einbegriffen. Die besten Propagandisten des französischen reformistischen Gewerkschaftsbundes gehen oft nach Algerien. Anfang 1929 fand in Algier der reformistische Gewerkschaftskongress Nordafrikas statt. Der Kongress hat auch pädagogische Forderungen aufgestellt. Die Ausdehnung des Schulnetzes fordern die Reformisten mit Recht. Warum bestehen sie aber darauf, dass nur die französische Schule das Kulturniveau der Eingeborenen zu heben vermag? Ein bekannter Gewerkschaftsführer erklärte im Kommentar zu den Beschlüssen des Gewerkschaftskongresses, dass die Arbeiterbewegung für die Befreiung der Eingeborenen eintritt, gleichzeitig aber für ihre Assimilation, ein engeres Band zwischen Nordafrika und dem Mutterlande. Die Methoden dieses« Bandes» kennen wir. Durch rohe Gewalt, durch Unterdrückung versteht der französische Imperialismus seine Herrschaft zu sichern. Die Assimilation hat die Unterdrückung der nationalen Kultur zur Vorbedingung. Aber trotz aller Bestrebungen der Imperialisten und Helfershelfer setzen die werktätigen Massen Algeriens den Kampf für ihre Unabhängigkeit fort. Ihre Bemühungen unterstützt das revolutionäre Proletariat des Mutterlandes. 1930 wird für die Eingeborenen nicht die Jahrhundertfeier sein, sondern ein Kampfjahr gegen die französischen Kapitalisten, gegen ihre Agenten, ein Kampfjahr für das freie Selbstbestimmungsrecht. DER UNZUFRIEDENE MOHAMET. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 19 Eine Schule in den Kolonien des Imperialismus. Innenansicht der Schule. 20 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Das Unterrichtswesen in Indien Wer über das Unterrichtswesen in Indien schreibt, wird effektiv über etwas zu berichten haben, das kaum existiert. Wohl hat die Regierung in Indien nach den grössten Kraftaufwendungen den Zugang zu einer Art von Unterricht erleichtert, doch kommt er im Höchstfalle nur 7% der Gesamtbevölkerung zugute, und die übrigen 93% bleiben vollkommene Analphabeten. So sieht das Gesamtbild in Britisch- Indien aus, mit seiner Bevölkerung von ca. 240 Millionen Seelen. Die indischen Eingeborenenstaaten stehen in einigen Fällen besser da, doch auch hier kommt das Durchschnittsniveau des Unterrichtswesens wohl auf dasselbe hinaus. 19 Analphabeten auf 20 Einwohner Geht man in der kritischen Beleuchtung der Zustände etwas tiefer, dann entdeckt man, dass die Wirklichkeit noch schlimmer aussieht. Es gibt in Britisch- Indien ungefähr 25 Grosstädte mit rund 20 Millionen Einwohnern; mehr als 30% dieser Grosstadtbewohner sind Alphabeten, also ca. 6 Millionen. Wir haben gesehen, dass nur ca. 7% der Gesamtbevölkerung( 240 Millionen) lesen und schreiben können, d.h. rund 17 Millionen. Entfallen davon bereits 6 Millionen auf die Grosstädte, dann verbleiben nur 11 Millionen Alphabeten für das gesamte übrige Land mit der restlichen 220 Millionen- Bevölkerung, mit anderen Worten kommt dort nur ein Alphabet auf je 20 Personen. Die Qualität des Unterrichts in den Städten ist zwar nicht gut, aber einigermassen angängig. Im Bannkreise der Universitäten gibt es Colleges und höhere Schulen, an denen gute Lehrkräfte unterrichten. Die zugewanderten europäischen Lehrer werden nämlich besser bezahlt als die einheimischen. Trotzdem sind die Volksschullehrer in diesen Schulbezirken, die ca. 3 bis 4 Pfund Sterling ( ca. 60 bis 80 Reichsmark) monatlich verdienen, noch nicht aussichtslos unfähig für ihren Posten. Die reichen Grosstädter senden ihre Kinder nach Grossbritannien oder auch in gewissem Masse in andere Länder, damit sie eine bessere Ausbildung geniessen. Die Eltern selbst unternehmen gelegentlich Vergnügungsreisen nach Europa. Auch das Bedürfnis, das bei Industrie und Handel nach technischem Wissen zu Tage tritt, führt zum Kontakt mit den abendländischen Einrichtungen, und diese Faktoren sind dafür bestimmend, dass das Unterrichtswesen in den Städten und Grosstädten nach und nach besser wird. Der ausgesogene Landlehrer Obige Faktoren liegen jedoch nicht für die Dörfer und das Land vor. Der sogenannte Elementarunterricht wird dort von Lehrern erteilt, die in den meisten Fällen nur 20 bis 30 Schilling im Monat( ca. 20 bis 30 Mark) verdienen. Ganz selten kommt der Dorflehrer bis auf 2 Pfund Sterling( 40 Mark). Die Aufwendungen für Bücher, Schiefertafeln und sonstige Lehrmittel bewegen sich im selben Verhältnis. Unschwer kann man sich danach denken, welchen Unterricht diese unglücklichen 11 Millionen geniessen! In Wahrheit sollte man nur die 6 Millionen in den Städten( also ca. 2 12%) in Betracht ziehen. Jede andere Berechnung geht nur darauf aus, die Zahl der Alphabeten aufzubauschen, für politische Zwecke 7% zu erzielen. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die Furcht vor dem Volksunterricht 21 27 Im Rahmen der gegenwärtigen imperialistischen Herrschaft kann keine Rede sein von einem wahren Fortschritt. Die Engländer sind nur zur Ausbeutung da, zur geschickten und unbarmherzigen Ausbeutung. Der Unterricht der Massen würde dieser unmenschlichen Ausbeutung zum Verhängnis werden, und darum wird man immer neue Gründe ausfindig machen, um das Schulwesen danieder zu halten. Ausserdem ist der fremde Ausbeuter darauf bedacht, zu seinem eigenen Vorteil und seiner eigenen Sicherheit eine einheimische Bourgeoisie zu schaffen, die genau so wie er am Reichtum festhält und für ihn kämpft. Indien unterrichten, das bedeutet, jedes Jahr 100 Millionen Kinder und Jugendliche unterweisen. Was würde das kosten? Nehmen wir nur einen ganz niedrigen Durchschnitt, etwa ein Drittel der Aufwendungen Englands pro Kopf Bewohner, so kommen wir zu einem erforderlichen Zusatzkredit von 100 Millionen Pfund Sterling. Das würde bedeuten, dass in Indien die Steuern um das Doppelte erhöht werden müssten, und bereits jetzt ist die Steuerlast zu gross. Die Rentiers, die Industriellen, die« freien Berufe» mit ihren« fürstlichen Einkommen>> werden wohl kaum für die Erhöhung ihrer eigenen Steuern eintreten! Die Europäer, die in Indien die ausschliessliche Kontrolle über die Steuern ausüben, und die nur zwecks Ausbeutung der Eingeborenen und Anhäufung von Reichtümern nach Indien gegangen sind, denken auch nicht im geringsten daran, auch nur einen Teil des übelerworbenen Geldes für Steuern abzugeben, wie sie es in England tun müssen. Die Volksmassen leben von 6 bis 8 pence( 50 bis 66 Pfennig) Tageslohn in den Fabriken, bei Landarbeit von noch weniger. Selbst wenn das Volk es wollte, so könnte es wahrhaftig nicht einen Beitrag zum Unterrichtswesen aufbringen. So ist der Mangel an Unterricht nicht nur eine politische Frage, sondern eine direkte Folge der Fremdherrschaft. Kein Unterricht ohne Revolution Die Unterhausabgeordneten der Labour Party haben oft verschwommen und rein formell die Frage angeschnitten, wie Englands Macht in anderer Leute Länder aufrecht erhalten, gleichzeitig aber der Unterricht und die Wirtschaftslage der Massen durch eine geänderte Politik gehoben werden kann. Das ist nichts als Schaumschlägerei. Sobald die Labour Herrscher an eine angemessene Besteuerung der europäischen Ausbeuter herangehen, fällt der Zweck des Imperialismus in sich zusammen, ist es mit dem Imperialismus zu Ende, und die Labour Party steht vor einem Aufruhr der Ausbeuter. Folglich muss die Labour Party entweder mit der Verpflichtung brechen, die britische Herrschaft in fremden Ländern aufrecht zu erhalten, oder sie muss das Versprechen brechen, den unterjochten Völkern den Volksunterricht, die Freiheit im allgemeinen und tatsächliche Befreiung vom wirtschaftlichen Ausbeutungssystem zu bringen. In diesem letzten Kampfe wird der englische Imperialismus nicht allein stehen, die indischen Fürsten, Handelsfürsten und sonstigen Spitzen werden alle zusammen stehen und zusammen fallen. Es ist klar, dass den ausgebeuteten Ländern das Heil nur von einem Aufstand der Arbeiter und Bauern kommen kann, und dann wird auch der Volksunterricht nicht ausbleiben. S. SAKLATVALA. 22 22 DIE LEHRER- INTERNATIONALE LENIN UND DIE KINDER ( Rede der N. K. Krupskaja auf dem l. Allrussischen Treffen der Pioniere) Januar ist der Gedächtnismonat an Lenin, an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Sechs Jahre sind ohne Lenin verflossen. Aber sein Geist lebt stärker als je.( D. R.) Ich möchte zuerst die Pioniere aller Länder grüssen( Beifall). Genossen, man hat mich gebeten, über das Leben Lenis zu sprechen. Wenn man zu den Kindern, zu den Pionieren von Lenin spricht, dann erzählt man gewöhnlich, was Lenin zu den Kindern gesagt hat. Man muss berücksichtigen, dass Lenins Krankheit sich gerade in ler Zeit verschlimmerte, als die Bewegung der Pioniere einen Aufschwung nahm, und daraus erklärt sich, dass er sich niemals direkt an die Jungpio aiere wandte. Nur auf dem Kommunistischen Jugendkongress( 1920) hat er eine Rede gehalten, und diese Rede ist in viele Sprachen übertragen worden. Oft hat Lenin die Kinder aber in anderen Reden erwähnt. Er sagte:« Unsere Vater haben gekämpft, aber als Einzelkämpfer. Unsere Generation hat besser zu kämpfen gelernt. Und unsere Kinder werden noch besser zu kämpfen verstehen, sie werden zu siegen verstehen.» Lenin war fest davon überzeugt, dass die Kinder der Arbeiter in der ganzen Welt gegen die alte kapitalistische Gesellschaftsordnung zu kämpfen, dass sie dem Sozialismus, der Arbeitersache in der Welt zum Siege zu verhelfen verstehen werden. Scherzend sagte er zu den Kindern:« Wenn Du erst gross sein wirst, dann wirst Du ein guter Kommunist sein.» Das war natürlich nur im Scherz gemeint, doch drückte er damit den Wunsch aus, dass jedes Kind ein klassenbewusster Kommunist werden und fortfahren möchte, der Sache der revolutionären Arbeiter aller Länder, der Sache des Sozialismus zu dienen. Genossen, wir kennen das Leben Lenins, wir wissen, dass er immer an die grossen Ziele dachte an den antikapitalistischen Kampf, an den Kampf für den Sozialismus. Stets, bei seiner ganzen politischen Arbeit bezweckte er nur eins: seine Reden, seine Artikel, alles sollte zum Siege des Protelariats, zum Siege des Sozialismus beitragen. Lenin war Internationalist, anders konnte es ja auch nicht sein. Ihr wisst, dass er seine Kindheit in einer Provinzstadt verbrachte, in Simbirsk an der Wolga, heute Ulianowsk genannt. Das ist eine fast ganz tote Stadt, es gibt dort keine Fabriken. Wäre Lenin nicht bei Marx und Engels in die Schule gegangen, hätte er nicht die Arbeiterbewegung aller Länder studiert, dann wäre er niemals der Führer der weltumspannenden Arbeiterbewegung geworden. Seine Theorien, seine Politik sind durch und durch vom internationalistischen Geiste durchdrungen. In seiner Jugend konnte er beobachten, wie die zaristische Regierung die Juden, die Tataren, die vielen Nationalitäten unterdrückte, die Russland bevölkerten. Diese Völker wurden buchstäblich mit Füssen getreten. Man gab ihnen verächtliche Spitznamen. Man liess ihnen keinen Unterricht zuteil werden. Sie hatten sozusagen keine Schulen. Sie waren der elementarsten Rechte beraubt. Während der Simbirsker Jahre konnte Lenin sehen, wie elend die kleinen Tataren, die jüdischen Kinder lebten, und bereits damals wurde er Internationalist. Sein ganzer politischer Kampf trug ein solches Gepräge, alles an ihm DIE LEHRER- INTERNATIONALE 23 23 war auf den Internationalismus eingestellt. Beim Studium der amerikanischen Bewegung fragte er erst einmal:« Wie behandelt man die Neger in den Vereinigten Staaten?» Als er sich mit der englischen Arbeiterbewegung befasste, stellte er sich die Frage:< Welche Haltung nehmen die englischen Arbeiter den Kolonialvölkern gegenüber ein?» Er legte ein grosses Interesse für die Kolonialfrage an den Tag. Er sagte, man müsse zur Verbrüderung der Völker, zum Kampfe der Proletarier aller Länder kommen, um den Sozialismus erringen zu können. Nur die brüderliche Vereinigung der Arbeiter der ganzen Welt könne den Sieg verbürgen. Und er machte das Unmögliche möglich, um die InterJL Im Geiste Lenins Streikende japanische Schüler in Tsuchi Mutei. Die Pioniere tragen Mützen. nationale, die internationale Arbeiterbewegung zu festigen. Der Aufschwung der Jugendbewegung machte ihn glücklich. Lenin ist nicht mehr unter uns, welche Freude würde er aber empfinden, wenn er Euch heute sehen könnte, die Ihr den Wert der internationalen Bewegung, die Tragweite der Organisationsbestrebungen erfasst habt. Lenin gehörte zu der Generation, die Zeuge der Kämpfe der Sozialisten war, die jeder für sich gegen das Zarentum ankämpften. Diese Kämpfer waren Helden, sie fürchteten den Tod nicht, aber sie standen nur jeder für sich ihren Mann. Der ältere Bruder Lenins, der an einem Anschlag gegen den Zaren beteiligt war, wurde hingerichtet. Der Tod dieses älteren Bruders brachte Lenin dazu, über die Nutzlosigkeit eines solchen Kampfes nachzudenken, wenn er auch an sich heroisch sei. 24 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Er hat uns gelehrt, dass wir uns organisieren müssen. Unablässig wiederholte er, dass die Organisation unsere Stärke ausmache. Unsere Bewegung hat von der Narodnaja Wolja ein Erbteil übernommen, den Willen, bis zum Schluss im Kampfe durchzuhalten. Lenin sagte:« Die Bolschewisten müssen zu allem bereit sein. Sie müssen zu sterben, illegal zu arbeiten bereit sein( wenn man sich nämlich verstecken muss und keiner Euren Namen weiss). Die Bolschewisten müssen unablässig kämpfen. « Wenn der Bürgerkrieg ausbricht, dann werden sie zu den Gewehren greifen und auf die Barrikaden steigen. Doch müssen sie auch bereit sein, die bescheidene Alltagsarbeit zu verrichten.» Das ist der Standpunkt Lenins. Die Kommunistische Partei hat immer die Lehren Lenins befolgt. Jeder Kommunist weiss, dass er sich bereit halten muss, die Arbeitersache mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, dass er aber auch jederzeit an die bescheidene Tagesarbeit herangehen muss. Diese Arbeitsmethoden bürgen dafür, dass breite Arbeiter- und Bauernmassen der Partei beitreten. Diese hartnäckige Arbeit hat zu den bekannten Resultaten geführt. Lenin hat immer hervorgehoben, wie nützlich die kollektive, brüderliche Arbeit ist. Er drückte diesen Gedanken in seinen Schriften aus. Durch seine praktische Arbeit zeigte er uns, wie man den Gedanken in die Tat umsetzen kann. Die Arbeitermassen folgen dem Beispiel Lenins. Gleich zu Beginn der Arbeiterbewegung in unserem Lande haben die Kinder daran teilgenommen. 1905 kämpften sie auf den Barrikaden. Wenn Ihr ins Revolutionsmuseum geht, dann werdet Ihr das Bild eines 15jährigen Jünglings sehen, den die Gendarmen und Polizisten mit dem Bajonett hingemordet haben. Die Kinder haben auch 1917 in den revolutionären Reihen gekämpft. Während des Bürgerkrieges haben sie gleich den Grossen ihren Mann gestanden. Mitten im Bürgerkrieg, im Jahre 1919, ging ich in den Ural. Im Ural ist die Fabrik Ijewsk. Die Weissen haben dort die Arbeiter in Massen abgeschlachtet. Sie waren ganz erstaunt, da auch eine Jugendorganisation vorzufinden. Zehn- bis vierzehnjährige Kinder hatten sich organisiert, sie hatten ihr Klubhaus, ihre rote Fahne. Die Weissen haben sie alle erschossen. Wir kamen gerade einige Monate danach in Ijewsk an. Die Arbeiter führten uns zum Klubhaus, eine neue Kinderorganisation war da bereits in Betrieb. Ihr sollt die Geschichte der russischen Arbeiterbewegung, den Kampf und die Erfolge der Arbeiterklasse studieren. Heute leben unsere Kinder unter viel besseren Verhältnissen sie brauchen nicht einen schrecklichen Kampf zu führen wie die proletarischen Kinder der anderen Länder. Trotzdem müssen sie aber ohne Rast arbeiten, die Ueberbleibsel der Vergangenheit ausmerzen, die Religion bekämpfen, das Haften am Privateigentum, den Egoismus. Wir müssen auch aus den Erfahrungen der anderen Länder Nutzen ziehen: Vereinigte Staaten, Deutschland, Frankreich. Wir müssen ihre Arbeitsmethoden, ihre Wissenschaft und Technik übernehmen, um besser zum Kampfe gerüstet zu sein. Ihr Jungpioniere aller Länder müsst mit einander in engster Fühlung stehen. Nur dann werdet ihr die Lehren Lenins befolgen. Der Leninismus ist unter der Masse vorgedrungen. Lenin ist dahin, aber Millionen Leninisten gibt es heute. Will man diese Millionen Menschen, ihren Kampf für den Sozialismus organisieren, dann muss man brüderlich arbeiten. Diese Arbeit wird noch viele lange Jahre dauern, aber wir alle, Kommunisten, Kommunistische Jugend und Pioniere sind fest davon überzeugt, dass der Gedanke Lenins triumphieren wird. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Pazifistische oder proletarische Erziehung? 25 Der Welt droht ein neuer Krieg. In allen kapitalistischen Ländern bereitet man sich fieberhaft darauf vor. Man baut Flugzeuge, Kriegsschiffe; man schafft die chemischen Waffen. Zu gleicher Zeit vollzieht sich die ideologische Vorbereitung. Der Völkerbund befasst sich mit der Abrüstungsfrage, die Demokratie rühmt sich, den Krieg verhindern zu können: keiner will den Krieg Während man so die Wachsamkeit der Massen einschläfert, sorgt man für einen Stamm an Soldaten mitten in der Schule... Der Krieg ist in der Tat unvermeidlich, es sei denn, dass die Arbeiterklasse sich ihm widersetze. Ein tiefgehender Zwist trennt die Länder. Diese Meinungsverschiedenheiten können in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung nur durch Anwendung von Gewalt beigelegt werden. Uns fällt es zu, dem Kriegswillen der Bourgeoisie mit dem bewussten Willen der Millonen Arbeiter zu begegnen, die Kriegsgegner sind. Für die Arbeiter bedeutet der Krieg eine schwere Last, der Bourgeoisie bringt er hohen Nutzen. Unsere Aufgabe ist es. den Willen zur Wahrung des Friedens zur Schranke zu machen gegen den Willen zur Entfachung des Krieges. An diesem Kampf für den Frieden können die besten Erzieher in reichem Masse teilnehmen. Sie müssen den Kindern und Jugendlichen die wahren Kriegsursachen verständlich machen. Wer Geschichte unterrichtet, hat ein gutes Wirkungsfeld. Die Geschichtslehrer können den Kinder auseinandersetzen, dass die Geschichte der Gesellschaft nichts anderes als eine Geschichte des Klassenkampfs ist, dass die Kriege nicht auf die Laune irgend eines Königs oder irgend einer Regierung zurückzuführen sind, dass ihre Ursachen einen viel tieferen Zusammenhang haben, dass der letzte Weltkrieg ein Krieg um die Interessensphären, um die Neuaufteilung der Welt war. Sie müssen den Schülern zeigen, dass es durchaus nicht im Interesse der Völker liegt, dem Nachbarvolke den Krieg zu erklären; sie müssen ihnen erläutern, wie heute ein neuer Krieg vorbereitet wird, ihnen sagen, warum die Vorschläge für die totale Abrüstung scheiterten, und wie man sich des pazifistischen Geredes bedient, um den Krieg noch besser vorbereiten zu können. Bei Besprechung der Tätigkeit des Völkerbundes wäre der Vorschlag Litwinofs zu prüfen unter Betonung der Tatsache, dass ein einziges Land auf der Erde die totale und sofortige Abrüstung fordert, und dass dieses Land seine Forderung mit solcher Dringlichkeit stellt, weil es eben ein Arbeiterstaat ist, der die Interessen der Millionen friedensdurstiger Arbeiter vertritt. Der wirksamste Kampf für den Frieden fällt also dem Geschichtslehrer zu. doch können auch die anderen Lehrer dazu beitragen. Der Lehrer kann den Kindern sagen, dass der Krieg erst in der kommunistischen Gesellschaftsordnung ein Ende nehmen wird, in der klassenlosen Gesellschaft. Er kann ihnen zeigen, dass der Kampf für den Frieden dem Kampfe für den Kommunismus gleichkommt: nur das Verschwinden der Klassenunterschiede wird den Frieden gewährleisten, und die beste Kampfmethode ist die Klassensolidarität der Arbeiter aller Länder, ihre Kampfgemeinschaft für den Kommunismus. Die Lehrer der bürgerlichen Länder bekommen täglich chauvinistische Zeitungen, kriegshetzerische Schulbücher in die Hand, ganz abgesehen von den Filmen, dem Radio usw. Diese Tatsache sollte die Lehrer nicht gleichgültig lassen, sie sollten einen anderen Standpunkt zur Geltung bringen. Zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat gibt es genau so viel Unterschiede wie 26 DIE LEHRER- INTERNATIONALE zwischen zwei Rassen. Für den Frieden kämpft allein das Proletariat, das bereits den Sozialismus in der U.S.S.R. aufbaut. Durch Blosslegung der Kriegsvorbereitungen, durch Unterweisung in der internationalen proletarischen Solidarität, im Kampfe für die Arbeitersache wird der beste Erzieher für den Frieden kämpfen. Ein solcher Unterricht wird schon in den Schulen der U.S.S.R. erteilt. Man lehrt dort weder Chauvinismus noch Ehrfurcht vor den Rassenprivilegien; man lehrt dort im Gegenteil gleiche Existenzberechtigung aller Nationen. Und diese Erziehung wird durch die effektive Durchführung der Gleichberechtigung der verschiedenen Nationalitäten erleichtert. Man zeigt den Kindern, wie die Kapitalisten die Völker unterdrücken: China, Indien werden unter dem Gesichtswinkel des unterdrückten Volkes studiert, genau so wie die nationalen Minderheiten in Polen, der Tschechoslowakei und Frankreich. Der proletarische Staat ist der einzige, in dem jegliche nationale Unterdrückung abgeschafft wurde. Und auch daraus können die Kinder ersehen, dass der Klassenkampf das Wesentliche ist. Die kapitalistische Bourgeoisie unterdrückt die Nationen genau so, wie sie die Arbeiter und Bauern ihres eigenen Landes unterdrückt. Der Kampf für den Frieden erfordert aber noch mehr. Er erheischt, dass die internationalistische Erziehung, die sich zugleich in der Schule und in der Bewegung der Pioniere vollzieht, in die Praxis umgesetzt werde. Während des englischen Bergarbeiterstreiks machten die sowjetistischen Schulkinder Kollekten unter dem Schlagwort:« Helft alle den Kindern der englischen Bergarbeiter!» Im Verlauf der chinesischen Revolution unterstützten die Schulkinder die revolutionären Arbeiter. Und heute, wo im Westen die besten Kämpfer des Proletariats in den Gefängnissen dulden, rufen die Kinder:< Helft den politischen Gefangenen!» Ihr Ruf dringt bis in die entlegensten und rückständigsten Winkel der U.S.S.R., und alle tragen zu diesem Werk bei. Durch die Organisation der Jungpioniere sind die Kinder der U.S.S.R. mit den proletarischen Kindern aller Länder verbunden. Schon von klein auf werden sie daran gewöhnt, die Ereignisse vom internationalen Arbeiterstandpunkt aus zu betrachten. Durch Briefwechsel, Zeitungen, Ausflüge treten sie mit einander in Fühlung. So gewöhnen sie sich an den Kampf für den Kommunismus. Niemals wird den Kindern gesagt, dass die russische Nation die grösste in der Welt ist. Auf einen solchen Gedanken stossen sie weder in den Schulbücher, noch in der Lektüre oder den Filmen. Sie lernen, für das Ideal der weltumspannenden Arbeiterklasse ohne Unterschied der Rasse oder Nation zu kämpfen. In der Einleitung zum amtlichen Lehrplan für Schulen der I. Stufe wird gesagt, dass der vorgeschlagene Lehrplan sich dadurch kennzeichnet, dass das Studium eines beliebigen Landes stets auf dem internationalistischen Grundsatz aufgebaut ist. Das ist ganz verständlich, leben wir doch in einem Zeitabschnitt, wo das Bestehen des entlegensten Dorfes nicht nur von einem nationalen Ereignis, sondern auch von einem Weltereignis abhängen kann. Und Schulgin schreibt:<< Die Ideale der Arbeiterklasse sind international, und aus diesem Grunde ist der Sowjetunterricht nicht wie überall sonst üblich vom Hass der anderen nationalen Gruppen oder Staaten beseelt; er ist vielmehr durchtränkt von einer grossen Liebe zum Klassenkampf der Arbeiter für den Sozialismus.>> Da sieht man, wie die internationalistische Erziehung sich vollzieht,-nicht ausschliesslich durch Lehrbücher, Unterrichtsstunden, sondern auch( und das ist noch wichtiger) durch die unmittelbare Teilnahme am Kampf. Die grosse Mehrheit der Lehrer der U.S.S.R. unterstützt die Anstrengungen der Schulkinder. Die Lehrer kämpfen zusammen mit ihnen für die Beseitigung des Krieges durch den Kommunismus. Wir erheben die Stimme zugunsten des Kampfes für die internationale Erziehung im Dienste des Kommunismus. Es gibt nur eine einzige Kampfweise für den Frieden den Kampf für den Sozialismus. Alles übrige ist nichts als Heuchelei und Lüge. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die Grundlagen der Schularbeit in U. S. S. R. 27 Die Schulen der bürgerlichen Länder ziehen einerseits Sklaven, gefügige Untertanen und andererseits Befehlshaber auf. Wir dagegen bilden Kämpfer der proletarischen Klasse, der kommunistischen Gesellschaft heran. Die bürgerlichen Schulen stecken sich ein sehr begrenztes Ziel, ihr Unterricht ist chauvinistisch und nationalistisch. Unsere Schule ist internationalistisch, sie arbeitet für die Zukunft, für die Einrichtung des Kommunismus. Die Lehrpläne, Arbeits- und Lehrmethoden sind diesen Zielen der Schularbeit untergeordnet. Wir wollen und müssen die Kinder lehren, für das Ideal des Weltproletariats, für den kommunistischen Aufbau zu kämpfen. Folglich können wir uns nicht mit dem Buchunterricht begnügen, mit den alten Methoden, einer Schule, die nur aus vier Wänden und Bänken besteht. Wir brauchen etwas ganz Anderes. Unsere Schule muss mitten im Aufbau, im vollen Kampfe stehen. Und daher wird die Schule von der sozialen Arbeit, von der Pionierbewegung beherrscht. Die Kinder kämpfen um Hygiene auf dem elterlichen Bauernhof und in der Schule. Der Kampf um Sauberkeit, gesunde Wohnungen wird schon in Hunderten von Dörfern ausgefochten. Die Schule pflanzt Bäume an der Strasse, sie schüttet Schluchten zu, sie tilgt die schädlichen Insekten aus, sie macht Propaganda für rationelle Ackerbau- und Viehzuchtmethoden, für landwirtschaftliche Maschinen, für die neuen Kollektivwirtschaften. Die Die Schule organisiert Genossenschaften, sie kämpft gegen die Trunksucht. Schulkinder unterrichten die Kleinen im Lesen, machen Propaganda gegen die Religion, für die Industrialisierungsanleihe; sie helfen im Lesesaal des Dorfes, werben Abonnenten für Zeitungen usw. Der Schüler kämpft für die neuen Lebensbedingungen. Er ist internationalistisch. Durch Vermittlung der Roten Hilfe unterstützt er die politischen Gefangenen in den bürgerlichen Ländern, hilft den Kindern der Proletarier, die gegen den Kapitalismus kämpfen. Im Kampfe, durch die praktische Arbeit bildet der Schüler sich aus. Um fähig im Aufbau und erfolgreich im Kampf zu sein, muss man aber viel wissen. Das Kind muss die Gegenwart, den Klassenkampf, das Leben der Sowjetunion kennen. Es studiert nicht die tausendjährige Vergangenheit, sondern das heutige politische Leben die U.S.S.R., die bürgerliche Welt, ihre Beziehungen, ihren Kampf. Die Vergangenheit braucht es nur zu kennen, um besser die Gegenwart zu verstehen. Die Lehrpläne sind auf die Gegenwart eingestellt. Man beschränkt sich aber nicht darauf, das heutige Leben verständlich zu machen, was an sich ungenügend wäre. Man lehrt die Kinder, wie die Wissenschaft in der praktischen Arbeit zur Anwendung zu bringen ist. Man lehrt sie, das Weltgesicht umzugestalten. Um aber die Welt zu ändern, reicht nicht die Kenntnis vom proletarischen Ideal und Arbeitsfähigkeit aus. Man muss auch organisationsfähig sein, und das setzt die Schulautonomie, die Selbstverwaltung voraus. Die Kinder verfügen über das Selbstbestimmungsrecht, der Lehrer hat ihnen nur zu Hilfe zu kommen. Einzig und allein in den bürgerlichen Ländern dürfen die Lehrer Es ist strafen, die Kinder schlagen. In der U.S.S.R. gibt es das nicht mehr. verboten. Solche Gräuel sind erledigt. Die Rechte der Kinder sind anerkannt. Die Kinder haben ihre Organisation. Sie organisieren die soziale Arbeit, halten die Ordnung in der Klasse aufrecht, helfen den zurückbleibenden und kranken kleinen Genossen, machen dem Lehrer Vorschläge, treiben im Dorf Propaganda, Der Lehrer ist wirken auf die öffentliche Meinung durch Wandzeitungen ein. ihr Mitarbeiter, ihr älterer Kamerad,-niemals aber Polizeibeamter wie in vielen Schulen der bürgerlichen Länder. Nicht nur die Lehrerschaft unterstützt die Arbeit der Kinder, die Erziehungs 28 DIE LEHRER- INTERNATIONALE arbeit, die ganze Bevölkerung hilft ihnen, vor allem die Sowjets, die Delegierten, die Fürsorgeausschüsse, die Leiter der Pionierabteilungen. Oft veranstalten die Kinder Elternausflüge oder nehmen umgekehrt an den Ausflügen der Arbeiter teil. Oft arbeiten die Erwachsenen in den Werkstätten der Kinder. Gemeinsam befassen sich Erwachsene und Junge mit der sozialen Arbeit( z.B. Genossenschaftskontrolle, Parkanlagen). Die Schularbeit steht in engem Zusammenhang mit der Arbeit der Sowjetorganisationen. Die Schule ist niemals isoliert, ihr Arbeitsplan läuft parallel zum Arbeitsplan der Sowjetorganisationen. Die Schule arbeitet nach den aktiven Unterrichtsmethoden, der Wortunterricht hat der Projektmethode Platz gemacht. Die Schule legt über ihre Tätigkeit nicht etwa den Schulaufsichtsbeamten und der Schulverwaltung Rechenschaft ab, wie es in den bürgerlichen Ländern der Fall ist, sondern der Bevölkerung, die sich von der Wirksamkeit der Schularbeit durch die Schulausstellungen und die Berichte der Lehrer und Kinder überzeugt. Durch die Bewegung der Jungpioniere ist die Schule mit den Kindern aller Länder verbunden. Ein Der Lehrer ist also der Mitarbeiter der Kinder, ihr älterer Kamerad. solches Verhältnis ist nur in der U.S.S.R. möglich. Was den Besuchern aus dem Auslande besonders auffällt, ist das Fehlen von Strafen. Immer wieder fragen sie:<< Wie machen Sie es, um die Ordnung aufrecht zu halten, was geht denn eigentlich in der Schule vor?» Und mit Erstaunen stellen sie dann den guten Arbeitsbetrieb fest. Sie sind in der Tat an anderes gewöhnt! Sie können nicht verstehen, wie es möglich ist, dass man ohne Strafen, ohne Unterdrückung die Ordnung im allgemeinen und im besonderen in der Schule aufrecht erhalten kann. Die Kameradschaftlichkeit zwischen Lehrer und Schüler fällt ihnen weiter auf. Sie fragen stets:< Und wo bleibt die Autorität des Lehrers?>> In Wirklichkeit hat die Durchführung der neuen Ideen wunderbare Resultate gezeitigt. Gegenseitiges Vertrauen ist eins der hervorragendsten Merkmale der Sowjetschule. Die Sowjetschule ist eine moderne Schule. Der Lehrer muss seine Arbeit lieben, niemals darf er in etwas zurückbleiben, immer muss er sich vervollkommnen, weiter studieren. Und so wird er den Schülern immer enger verbunden. Nur die Zukunft interessiert die Kinder, die Vergangenheit ist ihnen gleichgültig. Sie erwarten vom Lehrer, dass er ihnen die gegenwärtigen Probleme erklärt, ihnen das Morgen auseinandersetzt. Und unser Lehrer antwortet ihnen, er kämpft, arbeitet, entwirft mit ihnen Pläne. Sein Kampf, seine Arbeit sind mit der Arbeit der Sowjetorganisationen verknüpft. Der Lehrer als Kämpfer hat nichts Gemeinsames mit dem individualistischen Lehrer der Vorrevolutionszeit, der sich auf seinen Unterricht beschränkte. Zu jener Zeit massregelte die zaristische Regierung die fortschrittlichen Lehrer, wie es noch heute in den anderen Ländern geschieht. In der U.S.S.R. wird dagegen alles getan, um aus dem Lehrer einen aktiven Kämpfer zu machen. Die Resultate sind ersichtlich die Schule leistet in beträchtlichem Masse soziale Arbeit, die Erziehung vollzieht sich im Kampfe, im Aufbau. Und das ist nur unter der Bedingung möglich, dass die Lehrer selbst Kämpfer sind. Die neue Schule hat sie erzeugt. Wichtig! Berichtigung! Im deutschen Bulletin Nr. 2-3 veröffentlichten wir auf der Deckelseite das Pädagogische Rundschreiben der I.B.A. in Vorbereitung unseres 6. Kongresses. In Anbetracht der Vertagung des Kongresses ( siehe Deckelseite) bitten wir, gesammeltes Antwortmaterial noch weiter zu senden an das Generalsekretariat der I.B.A., 8, Av. MathurinMoreau, Paris( XIX): Endtermin ist jetzt der 1. Juni 1930. Benutzt den Aufschub zur besseren Erschöpfung der Fragen! DIE LEHRER- INTERNATIONALE 29 Der dialektische Materialismus und die Pädagogik Weltanschauung und Pädagogik ( SCHLUSS) Merken wir uns auch, dass die Anwendung der« Logik der Gegensätze> ( wir sprechen nur von ihr, nicht von der ganzen Dialektik) in der pädagogischen Praxis vorsichtig gehandhabt werden muss. Man sollte sich immer die Worte Lenins über die« Elementarklassen der Schule» vergegenwärtigen, wo wir abgesehen von einigen Abweichungen die formale Logik anwenden müssen, wo die Logik der Gegensätze schädlich, verwirrend wäre und auf einen reinen Sophismus hinauslaufen würde. Erinnern wir auch daran, dass nach Engels das Sonderstudium der« unbeweglichen» Dinge eine notwendige Anfangsstufe darstellt für die Kenntnis der Objekte der Umwelt. Selbst die Grenze für die Anwendung der einen oder der andern Logik muss dialektisch beweglich und konkret sein. Die Arbeitsschule Wenn wir zum vierten und letzten Grundsatz des dialektischen Materialismus übergehen, bemerken wir sofort sein völliges Uebereinstimmen mit der Kernlosung der heutigen Arbeitsschule. Bei beiden finden wir Tätigkeit und Arbeit. An der Arbeit schulte sich das menschliche Begriffsvermögen. Das Kind, das sich durch die Arbeitsmethode belehrt, verfolgt den tausendjährigen Weg seiner Vorfahren. In Verbindung mit dem dialektischen Grundsatz von der Wissensaneignung gibt uns diese Ansicht ein dauerhaftes, theoretisches Fundament für den Aufbau der Schule auf Grund der aktiven Produktion. Und auf diesem Leitsatz beruht auch unsere ganze Propaganda zugunsten der unerlässlichen Wissensaneignung durch aktive, selbständige Arbeit im Gegensatz zu dem passiven Anhören der Lektion oder dem Auswendiglernen von Büchern. Darauf beruht die reichliche Verwertung von Versuchen, von verschiedenen praktischen Arbeiten, von statistischen Erhebungen, usw... Unter denselben Gedankenkreis fällt die Tätigkeit der von klein auf an Selbstorganisation gewöhnten Schüler. Jedoch stellt die Tätigkeit, der Kontakt mit dem praktischen Leben, die Selbstbetätigung nur einen Teil der Frage dar. Der andere ergibt sich wie gesagt aus dem Produktions-, dem Arbeitsprinzip. Die Tätigkeit eines Menschen besteht in der Arbeit, in der Produktion. Ausserhalb der Arbeit verwandelt sich das Tätigkeitsprinzip in etwas Verschwommenes und geht letzten Endes der sicheren Grundlage verloren. Nicht ohne Grund sagen wir« Arbeitsschule» und nicht < aktive Schule». Engels sagte von gewissen Philosophen( den« Agnostikern»), dass es<< schändliche Materialisten» seien. Analog dazu können wir sagen, dass die Aktivisten>>« schändliche Produktionisten» sind. Die Arbeit spielt in der Schule ein doppelte Rolle erstens als bestes Mittel zum Studium der Wirklichkeit im allgemeinen, und zweitens als bestes Mittel zum eigentlichen Studium der Arbeit als Fundament der menschlichen Gesellschaft. Arbeitsschule soll einen Menschentyp vorbereiten, der zugleich den in jeder Beziehung kultivierten« Intellektuellen» und den direkten Erzeuger, den Arbeiter, in sich vereint. Das hat Marx mit genialem Scharfblick vorausgesehen( 1):« Aus dem Fabriksystem... entspross der Keim der Erziehung der Zukunft, welche für alle Kinder über einem gewissen Alter produktive Arbeit mit Unterricht und Gymnastik ( 1) Das Kapital, Band I, Kapitel XIII, S. 425( Volksausgabe von Kautsky); das folgende Zitat ebenda, S. 424. 30 30 DIE LEHRER- INTERNATIONALE verbinden wird, nicht nur als eine Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion, sondern als die einzige Methode zur Produktion vollseitig entwickelter Menschen.» An anderer Stelle erklärt Marx seine Hypothese:<< Die Fabrikinspektoren entdeckten bald aus den Zeugenverhören der Schulmeister, dass die Fabrikkinder, obgleich sie nur halb soviel Unterricht geniessen als die regelmässigen Tagesschüler, ebensoviel und oft mehr lernen.» Andererseits führt die Notwendigkeit, dem< Sein> der Schüler Rechnung zu tragen, zur Schaffung von spezialisierten Schulen, je nach den Produktionszweigen Landwirtschaft, Industrie, usw... Die Nachprüfung der erworbenen Kenntnisse darf nicht im Abfragen bestehen, das in jeder möglichen Form immer wieder ein Examen bleibt, sondern in der Ueberprüfung der praktischen Arbeit. Wenn auch die Technik dieser Methode in keiner direkten Beziehung zu dem von mir behandelten Thema steht, so möchte ich doch hier als praktische Arbeiten erwähnen z.B. die Arbeitsberichte, die tägliche Arbeitszeitung, Protokolle, abschliessende Diskussionen oder Konferenzen, usw... Der Pädagoge darf vor allem nicht vergessen, dass die Kenntnisse schon an sich einen ganz bestimmten Zweck für das Leben haben, und dass es lächerlich ist, von<< reiner» Wissenschaft zu sprechen, dass die pädagogische Tätigkeit kein geheimnisvolles Sakrament ist, durch das wir der höchsten Weisheit teilhaftig werden können, sondern ein vollkommen klarer Produktionsprozess. Stellt sich der Pädagoge auf diesen Standpunkt, dann wird er verstehen, welche Bedeutung die Lehrfächer für das Leben haben, und welche produktive Eigenschaft den erwähnten Verfahren inne wohnt. Dann wird er das Nutzlose beiseite lassen und Nachdruck auf das Notwendige legen. Der klassische Pädagoge, der liebevoll die Spitzfindigkeiten der griechischen Grammatik auseinandersetzte, würde unserer Meinung nach kaum die Zweckmässigkeit einer derartigen Arbeit für das Leben erfassen. Für ihn war die« göttliche» Sprache Homers Selbstzweck. Eine solche Ansicht ist jedoch in unserer Arbeitsschule unzulässig. Daraus folgt aber nicht, dass« ein Tongefäss mehr Wert hat als Shakespeare», dass man Kunst, Literatur usw... verleugnen solle. In Wirklichkeit haben Kunst und Literatur eine erhebliche und vielseitige soziale Bedeutung. Die Kunst ist vor allem eine auf das Gemüt wirkende Methode zur Erfassung der Welt. Eine sehr grosse soziale Bedeutung erwächst ihr ausserdem aus dem Umstande, dass sie zur Annäherung der Menschen, zu ihrer Zusammenfassung in einer einmütigen Gesamtheit beiträgt, zur Verbreitung von sozialen Ideen durch das Gleichnis, also in wirksamer Weise, und zur Erweiterung des Gesichtskreises des Menschen, ganz abgesehen von ihrem moralischen und erziehlichen Wert. Erinnern wir auch nochmals an die Worte Lenins über die erziehliche und belehrende Bedeutung der Revolution, machen wir den Leser auf eine wichtige Erkenntnis aufmerksam. Die Regel, dass man« vom Nahen zum Fernen, vom Konkreten zum Abstrakten> übergehen muss, ist nicht im Sinne der« kriechenden Empirie» Feuerbachs zu verstehen. Es handelt sich nicht darum, eine Menge<< roher» Beobachtungen aufzuhäufen, sondern sie an Hand einer bestimmten Methode zu verarbeiten. Es handelt sich nicht darum, ganz einfach Tatsachen festzustellen, sondern daraus die Synthese zu gewinnen und sie auf die Gesetze zu beziehen. Die Marxsche Methode bewegte sich nicht ausschliesslich in der Richtung vom << Fusse zum Gipfel», d.h. vom Besonderen zum Allgemeinen, sondern auch umgekehrt in der Richtung vom<< Gipfel zum Fusse», d.h. vom Allgemeinen zum Besonderen. Allerdings war dieses< Allgemeine» nicht etwa die Frucht einer Spekulation, sondern das Ergebnis der wissenschaftlichen Verarbeitung einer ungeheuren Menge besonderer, durch die Erfahrung bedingter Gegebenheiten. < Bacon, der erste Vertreter des modernen Materialismus, hatte einst gesagt, er wolle weder krasser Empiriker sein, wie die Ameisen, die nur zusammentragen und verbrauchen, noch auch abstrakter Idealist, wie die Spinnen, die ihr Gewebe aus sich selbst herausziehen, sondern er wolle eins mit dem andern ver DIE LEHRER- INTERNATIONALE 31 binden, wie die Bienen, die den Stoff aus den Blumen der Gärten und der Felder saugen, ihn dann aber aus eigener Kraft verarbeiten»( 1). Fassen wir zusammen: Die heutige pädagogische Arbeit muss also vollständig auf den Leitgedanken des dialektischen Materialismus beruhen. Sie muss voll und ganz von dem< Sein» ausgehen, vom Gesichtspunkt der natürlichen Kausalität durchdrungen, biegsam und in sich zusammenhängend, vom praktischen Tätigkeits- und Arbeitsprinzip erfüllt sein. Schreiben wir an den Giebel unserer Schule das Wort von Engels:« Erfahrung und Industrie» oder auch * Erfahrung und Produktion». ///////////////////////////////////////////////////////////////////// Eingegangene Bücher EDWIN HORNLE: GRUNDFRAGEN DER PROLETARISCHEN ERZIEHUNG Der Verlag der Jugendinternationale bringt soeben ein Buch unseres Genossen Hoernle heraus, das schon lange eine Notwendigkeit war. Unter dem Titel « Grundfragen der proletarischen Erziehung» gibt Genosse Hoernle in 4 Ka-. piteln eine gute Darstellung der Erziehungsfrage vom marxistischen Standpunkte aus. Er schildert die geschichtlichen Grundlagen der Erziehungsfrage, die Erziehung durch die Familie und durch den Staat für die jeweils herrschende Klasse, den Kampf der politischen Organisationen um die Gewinnung der Kinder als Bundesgenossen. Er stellt schliesslich die kommunistische Erziehung im Gegensatz zur bürgerlichen Erziehung sehr eingehend dar. Meines Wissens gibt es zum Beispiel noch an keiner Stelle eine so einfache und klare Materialzusammenstellung über die bürgerlichen Jugendverbände wie in diesem Buche auf etwa 40 Seiten.. Wenn wir uns auch mit einigen etwas unscharfen Formulierungen des Verfassers nicht immer ganz einverstanden erklären können, so empfehlen wir das kleine Werk doch dringend der Lektüre unserer Lehrer und Eltern. Es stellt uns eindringlich vor Augen, wie notwendig die proletarische Bewegung sich um ihren Nachwuchs kümmern muss, es rückt die Bedeutung der Erziehungsfrage für den proletarischen Klassenkampf ins richtige Licht und ruft die proletarischen Lehrer und Eltern und die Kampforganisationen des Proletariats auf, die Kinderarbeit mit aller Energie in die Hand zu nehmen. L. S. ACHTUNG! DEUTSCHE LESEBÜCHER AUS DER SOWJETUNION Es ist uns gelungen, im Wege des Austausches eine beschränkte Anzahl deutscher Lesebücher aus der Sowjetunion zu erwerben. Es sind vorhanden: 1. Kampf und Aufbau, Lesebuch für die deutschen Schulen der Sowjetunion. Dem Morgenrot entgegen, deutsches Lesebuch aus der Ukraine, Teil 1. 2. 3. - Teil 4. ( 1) Mehring,« Geschichte der deutschen Sozialdemokratie», 11. Auflage, Band 1, S. 129. 32 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die drei Lesebücher enthalten ausgezeichnetes Material für Kindernachmittage und Jugendveranstaltungen. Sie sind zum Preise von 2 Mk das Stück durch mich zu erhalten. Bestellung erfolgt durch Ueberweisung von 6 Mk und 60 Pfennig Porto auf mein Postscheckkonto Erfurt 3428. Schnelle Bestellung empfiehlt sich, da nur etwa 40 Exemplare im ganzen vorhanden sind. Natürlich können die Bücher auch einzeln bezogen werden. Anna LINDEMANN. SOVETA PEDAGOGIA REVUO Vor kurzem erschien Nr. 8 der Esperanto- Zeitschrift« Soveta Pedagogia Revuo», die von dem Ausschuss für internationale pädagogische Verbindungen unserer Sowjetsektion herausgegeben wird: Es ist charakteristich, dass unsere Genossen der Sowjetsektion die internationale Sprache für diese Zeitschrift wählten. Sie beweisen dadurch ihren ausgeprägten Sinn für praktischen Internationalismus und den starken Wunsch, sich den Erziehern der Masse in der ganzen Welt verständlich zu machen, insbesondere den Erziehern der kleinen ethnischen Gruppen und der fernen Ländern. Die« Soveta Pedagogia Revuo>> wird bereits in fast allen Ländern der Welt gelesen, selbst in Ozeanien. Acht Nummern der Zeitschrift sind seit Mai 1929 erschienen. Jede Nummer bringt reiches Material aus dem Leben der Sowjetschule, die ganz eng mit dem wirtschaftlichen, politischen und sozialen Leben verbunden ist. Und so kommt es, dass der einfache Schulmeister Jugoslawiens, Cubas, Japans, Neuseelands, der sonst an die engen Grenzen seiner Nationalität gebunden ist, durch die anregende Lektüre der S.P.R. den mächtigen Altem eines neues Lebens verspürt. Kein wichtiges Ereignis im Leben des Landes oder der Welt verfehlt seine Auswirkung auf die Sowjetschule. Hinzuzufügen ist, dass die« Soveta Pedagogia Revuo» leicht zu lesen ist. Ihr Stil ist einfach, klar und ganz international; selbst Anfängern in Esperanto bietet die Lektüre keine grossen Schwierigkeiten. Auch ist die Zeitschrift reich illustriert. M. BOUBOU. S.P.R. GEINSTRUISTARO TUTMONDA! NEPRE ABONU MEM KAJ ABONIGU VIAJN KOLEGOJN POR SOVETA PEDAGOGIA REVUO La abonprezo por 5 kajeroj( inkluzive ekspedo): 1/2 amerik. dolar V Adreso Moskvo, Dvorec Truda, Solanka 12, Cambro 558 LA ABONPREZON AKCEPTAS EN GERMANIO: R. LERCHNER, Colmstr. 1, LEIPZIG 0.20 Le Gérant: L. VERNOCHET. AUF VORSCHLAG DES SEKRETARIATS UND BESCHLUSS DER EXEKUTIVE WIRD der VI. Kongress der I. B. A., DER URSPRÜNGLICH FÜR DIE FRÜHLINGSFERIEN 1930 ANBERAUMT WAR, im August 1930 tagen. ZUR TAGESORDNUNG STEHT U. A.: GESCHÄFTSBERICHT LEHRERINNENPROBLEME MINDERHEITSSCHULEN SCHULE& SOZIALES MILIEU BEN LEHRERBILDUNG Alles Nahere wird in den kommenden Bulletins bekanntgegeben. 71283 LA COOTYPOGRAPHIE SOCIÉTÉ OUVRIRRE D'IMPRIMERIE 11, RUE DE METZ, COURBEVOIE 29393283995333000sns Pedersen Chitare MARQUE SONDICALE 7. Jahrgang März- April 1930 ung B Nr. 6-7 DIE LEHRER INTERNATIONALE DGB Archiv Exemplar pub HK Past 7 J.JBRIS.36 AFFIZIELLES BREAN DER INTERNATIONALE DER BILDUNGSARBEITER Schule und Berufsausbildung INHALT I Berufsausbildung im kapitalistischen Staat, von BLENKLE, Berlin. Erziehung und Beruf im Lichte des revolutionären Marxismus, von FRITZ AUSLANDER, Berlin Neues zum Thema« Schule und Berufsausbildung aus Thüringen. Rüstet Euch für den Ersten Mai! Sitzung des Generalsekretariats 00000 Hände weg von der Sowjetunion! Der Internationale Frauentag und die Lehrerin, von ANTOINETTE VERNOCHET 5 7 12 15 In den Tagen der Kommune: Die Pariser Kommune und der Unterricht, von A. I..... 18 19 Dem VI. Kongress entgegen, vom GENERALSEKRETARIAT. Tribüne der Kongressvorbereitung: Seminaristen und Junglehrer in Schweden, von B. H. Die Erziehung der Arbeiterkinder im kapitalistischen Amerika, von MYRA PAGE 21 23 23 23 Der sozialistische Aufbau in USSR: Die kompakte Kollektivisierung der Landwirtschaft und die sozialistische Erziehung der Kinder, von M. GOWIASCHEW. Die Sowjetarbeiter und die Fabrikschule 0000 Buchbesprechung: Die dritte Eroberung Amerikas, von ALFONS GOLDSCHMIDT..... 26 30 32 32 7. Jahrgang März- April 1930 Nr. 6-7 DIE INTERNATIONALE DER BILDUNGSARBEITER BUNDS 8, AVENUE MATHURIN- MOREAU- PARIS( XIX®) SCHULE UND BERUFSAUSBILDUNG Pädagogische Tage in Gotha am 8. und 9. Juni- Pfingsten 1930 1. Schule und Berufsausbildung im kapitalistischen Staat Referent Reichstagsabgeordneter Blenke 2. Schule und Berufsausbildung in der Sowjetunion Referent: Ein Vertreter des Bildungsarbeiterverbandes der Sowjetunion 3. Erziehung und Beruf im Lichte des revolutionären Marxismus Referent: Landtagsabgeordneter Ausländer Beginn: Sonntag den 8. Junij( Pfingstsonntag) 9 1/2 Uhr. Tagungsort: Volkshaus zum Mohren. GUTE QUARTIERE ZUM PREISE VON 2 MARK STEHEN ZUR VERFUEGUNG Anmeldungen an Dr. Anna Lindemann, Gotha, Sonnebornerstr. 30 Kommt alle! Bringt Gäste mit! Beweist der arbeitenden Jugend, dass Ihr mit ihr kämpfen wollt! Bu GB Archiv Exemplar 2 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Berufsausbildung im kapitalistischen Staat von Blenkle, Berlin 1°) Die Tagung der deutschen Gruppe der Internationale der Bildungsarbeiter fällt zeitlich zusammen mit dem Versuch der deutschen Bourgeoisie, die Frage der Berufsausbildung durch ein Berufsausbildungsgesetz zu regeln. Das mir gestellte Thema« Berufsausbildung im kapitalistischen Staat» kann und muss daher die Kritik dieses Gesetzes als Ausgangspunkt nehmen. Dieses Gesetz ist umso wichtiger, als es die grundsätzliche Zustimmung aller bürgerlichen Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemokraten findet und ein Glied der umfangreichen Kette reaktionärer Gesetze( Republikschutzgesetz, Filmzensur, Schmutz- und Schundgesetze, Zoll- und Steuergesetzgebung usw.), die gegenwärtig auf der Tagesordnung der Gesetzgebung stehen, darstellt. Interessant ist der Werdegang dieses Gesetzes: 1919 wurden auf dem Nürnberger ADGB- Kongress« Richtlinien zur Regelung des Lehrlingswesens» angenommen. Ein Sachverständigenausschuss» unter Vorsitz Sassenbachs arbeitete nach diesen Richtlinien zwei Jahre, um einen Gesetzesvorschlag vorzubereiten. 1921 wurde der damalige Gewerberat Dr. Schindler( der Mitglied des Sassenbach'schen Ausschusses war) von der Regierung mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes beauftragt. 1922 fand eine Sachverständigenvernehmung durch den Reichswirtschaftsrat statt, 1923 wurde eine neue Kommission im Reichsarbeitsministerium gebildet, 1927 wurde es von der Bürgerblockregierung beschlossen, aber nicht mehr im damaligen Reichstag behandelt, 1929 wurde es von der Hermann Müller- Regierung übernommen und am 2. Dezember dem Reichstag zur ersten Lesung vorgelegt, dann dem sozialpolitischen Ausschuss überwiesen und in mehreren Sitzungen im Februar d.J. behandelt. 2°) Die Grundlage unserer Stellungnahme zur Berufsausbildung muss die Frage sein Wie stehen wir als Marxisten zur Berufsausbildung, welche grundsätzlichen Richtlinien haben wir, welche Forderungen stellen wir auf? Im Gegensatz zur sozialdemokratischen Billigung der bestehenden Zustände auf dem Gebiete der Berufsausbildung, ihrer Zustimmung zum vorliegenden Berufsausbildungsgesetz, im Gegensatz auch zu allen kleinbürgerlichen und notwendigerweise oberflächlichen Forderungen auf diesem Gebiete( z.B. Forderungen nach Verbesserung der Berufsberatung, Ausbau der sog. Berufsschule, Verlangen nach einem neunten« polytechnischen» Schuljahr usw.), lassen wir uns von festen programmatischen Richtlinien für den Kampf gegen die kapitalistische Berufsausbildung leiten. Bereits im Kommunistischen Manifest stellten Marx und Engels die Forderung:« Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion». Im Kapital( erster Band, S.425 der Ausgabe von 1914) heisst es noch ausführlicher: < Aus dem Fabriksystem, wie man im Detail bei Robert Owen verfolgen kann, entspross der Keim der Erziehung der Zukunft, welche für alle Kinder über einem gewissen Alter produktive Arbeit mit Unterricht und Gymnastik verbinden wird, nicht nur als eine Methode zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktion, sondern als die einzige Methode zur Produktion vollseitig entwickelter Menschen». Ebenso in der Kritik des Gothaer Programmes: « Allgemeines Verbot der Kinderarbeit ist unverträglich mit der Existenz der grossen Industrie und daher leerer frommer Wunsch. « Durchführung desselben-wenn möglich wäre reaktionär, da bei stren DIE LEHRER- INTERNATIONALE 3 ger Regelung der Arbeitszeit nach den verschiedenen Altersstufen und sonstiger Vorsichtsmassregeln zum Schutz der Kinder, frühzeitige Verbindung produktiver Arbeit mit Unterricht eines der mächtigsten Umwandlungsmittel der heutigen Gesellschaft ist.> Demgemäss enthält das Programm der Komintern als eine Aufgabe der proletarischen Diktatur die Durchführung der sozialistischen Reorganisation der Jugendarbeit durch Verbindung der materiellen Produktion mit der allgemeinen und politischen Erziehung auf der Basis entsprechender Arbeitsbedingungen für die jugendlichen Arbeiter. Dies ist selbstverständlich erst durchführbar nach Erkämpfung der proletarischen Diktatur. Wir haben aber bereits gegenwärtig die Aufgabe, neben der grundsätzlichen Kritik des Bestehenden, den Kampf um die einzelnen Forderungen dieses Programmes zu führen und durch die Revolutionierung der Massen in der Richtung dieses Endzieles zu wirken. Wir stellen daher dem reaktionären Berufsausbildungsgesetz unsere Forderungen entgegen, von denen die wichtigsten sind: a) Obligatorische, unentgeltliche, vollständige Berufsausbildung für alle Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahre. b) Die Berufsausbildung muss in Betriebsschulen verwirklicht werden, wo die theoretische und praktische Schulung in engster Verbindung mit der Produktion erfolgt. c) Abschaffung der individuellen Lehrverträge. Regelung aller Fragen der Berufsausbildung durch Tarifverträge. d) Festsetzung der Lehrzeit auf zwei Jahre, für besonders schwer erlernbare Berufe auf drei Jahre. e) Arbeitsschutzforderungen: Sechsstundentag, 34Stundenwoche für Jugendliche, 44stündige Sonntagsruhe, Vierwochenurlaub. 3º) Charakteristisch für die gesetzliche Regelung der kapitalistischen Berufsausbildung ist das Fehlen einer einheitlichen, das gesamte Gebiet umfassenden Gesetzgebung. Dies trifft nicht nur auf Deutschland zu. Auch das neue Berufsausbildungsgesetz erhält diesen Zustand aufrecht, da es selbst nur Rahmengesetz ist und ausserdem wichtige Fragen der Berufsausbildung durch Sondergesetze zu regeln sind( z. B. Berufsschule, Landwirtschaft). Diese Zersplitterung und Unübersichtlichkeit der Gesetzgebung wird bewusst geschaffen und aufrechterhalten, um den einheitlichen Kampf der Arbeiterschaft gegen die Misstände der kapitalistischen Berufsausbildung zu hindern. Ausführende Organe des neuen Berufsausbildungsgesetzes sind die Handelsund Handwerkskammern, denen durch diese gesetzliche Regelung weitgehende Vollmachten zur Bestimmung der Arbeitsbedingungen der in Berufsausbildung stehenden Jugendlichen( nicht nur der Lehrlinge, sondern auch der angelernten und ungelernten jugendlichen Arbeiter) gegeben werden. 4°) Die bürgerliche Gesetzgebung umgibt die Jungarbeiterausbeutung mit dem Glorienschein der« hohen»,« erzieherischen» Aufgaben, die der<< Lehrherr>> gegenüber dem jugendlichen Arbeiter übernimmt. In Wirklichkeit laufen diese « Erziehungspflichten> auf besonders schamlose Ausbeutung jugendlicher Arbeitskräfte hinaus. Das neue Berufsausbildungsgesetz, das grundsätzlich alle jugendlichen Arbeiter nicht nur, wie bisher, die Lehrlingeals in Berufsausbildung stehend betrachtet( im Gegensatz zu den Auffassungen der Sozialdemokratie), stellt gerade darum einen bedeutenden Rückschritt gegenüber dem bestehenden Zustand dar. 5° Es ist nur die andere Seite der so gerühmten« Erziehungspflichten> des Lehrherrn, dass wirksame Schutzbestimmungen für jugendliche Arbeitskräfte ( verkürzte Arbeitszeit, Urlaub usw.) in allen kapitalistischen Ländern nicht bestehen. Und auch in den neuen deutschen Gesetzentwürfen( Arbeiterschutzund Berufsausbildungsgesetz) nicht vorgesehen sind. 4 DIE LEHRER- INTERNATIONALE 6° Die sog. Berufsschule, wie sie in Deutschland besteht, zeigt durch ihre Loslösung von der Produktion, durch ihre Prügel-, Geld- und Arreststrafen und durch die Aufnahme des Religionsunterrichts und der Staatsbürgerkunde als Pflichtfächer die Misstände der kapitalistischen Berufsausbildung in besonders grellem Licht. 7° Eine der wichtigsten Fragen des eigentlichen Lehrlingswesens ist die Dauer der Lehrzeit. Während die technische Entwicklung die Erlernung eines Berufes im allgemeinen erleichtert, wird die Dauer der Lehrzeit in Wirklichkeit verlängert. Während die Lehrzeit unmittelbar nach der Lockerung der Zunftverhältnisse in Deutschland noch 2 2 bis 3 Jahre betrug, ist sie heute in der Regel 4 Jahre. In dieser Verlängerung der Lehrzeit kommt das Bestreben der Klein- und Mittelbetriebe nach immer stärkerer Lehrlingsausbeutung( um gegenüber dem Grossunternehmen durch Verwendung besonders billiger Arbeitskräfte konkurrenzfähig zu sein) zum Ausdruck. < 8° Das Lehrverhältnis von Lehrlingen beruht auf dem individuellen Lehrvertrag, der faktisch das Koalitionsrecht für den Lehrling beseitigt und dem Unternehmer die juristische Grundlage für eine besonders grobe und drückende Ausbeutung bietet. Der Lehrvertrag beseitigt grundsätzlich die tarifliche Regelung der Arbeitsbedingungen für Lehrlinge, macht jeden Streik zum« Vertragsbruch», gibt dem<< Lehrherrn» das< Recht der väterlichen Zucht( man denke an die unerhörte Tatsache der so häufigen Lehrlingsmisshandlungen), zwingt ihn auch zu nichtberuflicher Arbeit und häuslichen Dienstleistungen für den Unternehmer, zwingt ihn in zahlreichen Fällen mit« Kost und Logis»( d. h. faktisch mit ununterbrochener Arbeitszeit) zu arbeiten usw. Die Lehrlingszüchtung( d. h. die Einstellung einer in gar keinem Verhältnis zur Grösse des Betriebes und den Ausbildungsmöglichkeiten stehenden Lehrlingsschar) ist nur möglich durch diese Billigkeit der Lehrlingsarbeit und der Schutzlosigkeit des Lehrlings als Arbeitskraft( und wird durch sog. Lehrlingshöchstzahlen, wie sie gegenwärtig bestehen, praktisch nicht behindert). Das trifft nicht nur auf die Lehrlinge, sondern in gewisser Hinsicht auch auf die ungelernten jugendlichen Arbeiter zu. 9°) Eine bedeutende Anzahl grösserer Unternehmen haben ihren Betrieben Lehrwerkstätten angegliedert. Obwohl in der Regel technisch gut eingerichtet, sind sie nicht weniger reaktionär als die heutige Handwerksmeisterlehre. Auf eine relativ geringe Zahl von Lehrlingen beschränkt, werden diese Lehrstellen nicht öffentlich ausgeboten, sondern sind nur durch besondere« Beziehungen> zum betreffenden Unternehmen zu erreichen. Ausserdem werden die Lehrlinge einer besonders reaktionären Erziehung unterworfen, die z. B. bei den sogenannten<-Dinta>-Lehrwerkstätten bis zur völligen Bestimmung über die Freizeit des Lehrlings, über seine Kleidung usw. geht. Zweck solcher Lehrwerkstätten ist nicht berufliche Erziehung schlechthin, sondern vor allen Dingen stärkste politische Beeinflussung, Heranbildung eines im bürgerlichen Sinne« charaktervollen>> und zugleich« hochwertigen» Facharbeiters. 10°) Die Berufsberatung kann in der bürgerlichen Gesellschaft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Gebunden an die Gesetze des kapitalistischen Arbeitsmarktes läuft sie immer mehr auf blosse Arbeitsvermittlung hinaus. 11°) Die Aufgabe der Arbeiterschaft, insbesondere der jugendlichen Arbeiter ist es, durch entschiedensten Kampf um die oben aufgezählten Forderungen, gegen die kapitalistische Berufsausbildung anzurennen und in der Richtung der sozialistischen Reorganisation der Jugendarbeit zu wirken. DIE LEHRER- INTERNATIONALE RICHTLINIEN ZUM REFERAT Erziehung und Beruf im Lichte des revolutionären Marxismus von Fritz Ausländer, Berlin 5 15h VORBEMERKUNG: Da dies Referat gedacht ist als Zusammenfassung der aus den Referaten und der Diskussion über die Berufsausbildung in den kapitalistischen Ländern und der Sowjetunion sich ergebenden Erkenntnisse, sind diese Richtlinien keine Disposition meiner Ausführungen weil diese vom Verlauf des ersten Kongresstages bestimmt sein werden - sondern geben die Grundauffassungen zum Thema der Tagung vom marxistischen Standpunkt. - 1°) Die kapitalistische Gesellschaft, gekennzeichnet durch Auflösung, zum mindesten Verkümmerung und Entartung aller aus der feudalen( berufsständischen) Gesellschaft überkommenen Bindungen, statuiert die<< freie» Berufswahl für den einzelnen als Erfüllung seiner« Persönlichkeit»- im Spielraum der brutalen kapitalistischen Auslese. Sie wahrt auf diese Weise das Bildungsmonopol der herrschenden Klasse( als Ergänzung und Ausfluss des Besitzmonopols).. Sie trennt den allgemeinbildenden Unterricht von der Berufsausbildung und drückt beide für den proletarischen Nachwuchs auf das für die kapitalistische Produktion und Staatsordnung gerade noch erforderliche Mindestmass herab. In der Berufsausbildung des Jungproletariers gehen die Ausbeutungsinteressen des Produktionsmittelbesitzers regelmässig und grundsätzlich den pädagogischen Gesichtspunkten voran. Das kapitalistische System ist daher gekennzeichnet durch die Trennung von produktiver Arbeit und öffentlicher Erziehung und Unterricht, bei gleichzeitiger brutaler Ausbeutung des in der Berufsausbildung befindlichen Proletariers. Weitere Ausflüsse der ökonomischen Grundtatsachen dieser Gesellschaftsstruktur sind die Spaltung zwischen Beruf und Persönlichkeit, die Spezialisierung der Berufsarbeit und Berufsausbildung( besonders die Trennung von Mann und Frau, Stadt und Land, Kopf und Hand), das Berechtigungswesen und der Notbehelf der Berufsberatung. 2°) Die gegenwärtige Periode des Monopol- und Trustkapitalismus, der Rationalisierung und des Staats- und Kommunalkapitalismus, mit dem sich die reformistische Arbeiteraristokratie verbündet, erzeugt-z.T. unter verfälschender Benutzung sozialistischer Bildungs- und Schulforderungen eine Reihe eigentümlicher Versuche zur« Lösung» des Berufsproblems: a) Die Umgestaltung der« Lernschule» nach den Methoden der« Arbeitsschule» und die Aufnahme des Werkunterrichts als Unterrichtsfach. 6 DIE LEHRER- INTERNATIONALE b) Die Einrichtung eines öffentlichen Berufs- und Fachschulwesens, als Ergänzung der Handwerks- und Fabriklehre und der Ausbildung der ungelernten Jungarbeiter; c) Die Einrichtung von Werkschulen( Lehrlingsschulen) in staatlichen und privaten Grossbetrieben; d) Die Begabtenauslese». amtsystem stützen Unberührt von diesen, das Gesamtsystem stützenden Reformen bleibt bestehen die Trennung von Schule und Produktionsstätte( mit Ausnahme der Werkschulen, die aber zur Züchtung eines festen Stammes fabrikhöriger Qualitätsarbeiter dienen), Die Unterbindung der Mitbestimmungs- und Selbstverwaltungsrechte der Jungarbeiter und Berufsschüler, Der Ausschluss der grossen Masse Unbemittelter von den weiterführenden Anstalten und höheren Berufen, Die wachsende Bekämpfung revolutionär- proletarischer Einflüsse mit allen Mitteln des Gesinnungsdrills und der direkten Gewalt. 3°) Die sozialistische Gesellschaft macht die produktive Kollektivarbeit zur Grundlage aller Erziehung, das setzt die Befreiung der Arbeit, die Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung voraus. Erst die proletarische Diktatur, die nach Eroberung der Staatsgewalt und Besetzung der Kommandohöhen der Wirtschaft schrittweise die Sozialisierung der gesamten industriellen und landwirtschaftlichen Produktion sowie der Verteilung und Verwaltung durchführt, schafft auch die Grundlage für die Durchführung der organischen Verbindung von produktiver Arbeit, Unterricht und Erziehung. Ziel ist: Jede Produktionsstätte zugleich Bildungsstätte. In dieser Richtung bewegt sich das Gesamterziehungssystem der Sowjetunion. Merkmale sind u.a.: Polytechnische Ausbildung(<< Produktion vollseitig entwickelter Menschen>>), Ableitung wissenschaftlicher Erkenntnis und Arbeit aus den technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Grundbegriffen, Beseitigung jedes Restes von Bildungsprivilegien, Beruf wird gesellschaftlicher Auftrag. Die gesellschaftliche Notwendigkeit dieser Bildungsorganisation ist gegeben durch das Bedürfnis der siegreichen Arbeiterklasse. den Werktätigen nicht nur zu einem brauchbaren Arbeiter im sozialistischen Produktionsprozess auszubilden, sondern ihn auch zur Kontrolle und Leitung der Produktion, der Verwaltung und der Staatsgewalt zu erziehen. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 7 Mas Neues zum Thema Я Schule und Berufsausbildung aus Thüringen Dem Thüringer Landtag liegt der neue Etat zur Beratung vor. Er sieht auf dem Schulgebiete folgende Ersparnisse vor. Es werden eingespart unter anderem an der Volksschule an der Berufsschule an Schulhelfern an Erziehungsbeihilfen 1.263.000 Mark 446.000 144.000 180.000 Die Klassenbesuchsziffern werden laut Verordnung des nationalsozialistischen Volksbildungsministers Frick erhöht für Volksschulklassen für höhere Schulen für Berufsschulen auf 48 - 48( Unterstufe) 42( Mittelstufe) 36( Oberstufe) 30 bis 36 Die Pflichtstundenzahl der Lehrer ist heraufgesetzt für Volksschullehrer für Lehrer an höheren Schulen auf 32 Stunden wöchentlich 28 Zum ersten Juli werden aus dem Schuldienst entlassen: 100 Schulanwärter aus dem Volksschuldienste 60 Hilfslehrer aus dem Berufsschuldienst 300 Berufsschullehrer sind mit der Entlassung bedroht Auf dem Gebiet der höheren Schule sind die Abbauzahlen noch nicht bekannt. Die Vergütung der Schulanwärter wird herabgesetzt: für die Volksschullehrerkandidaten Gewerbelehrerkandidaten I akadem. Volksschullehrerkandidaten.. von 210 auf 180 Mark 240 270 200 200 300 - Diplomlehrerkandidaten 200 Die hier genannten Abbauverordnungen sind verankert in dem sogenannten Schulaufbaugesetz für den Staat Thüringen. In mancher Beziehung gehen die Abbaumassnahmen über die in Nummer 4-5, Seite 3, der Lehrerinternationale behandelten Forderungen des Sparkommissars hinaus. So wälzt die deutsche Bourgeoisie die Lasten des Youngplanes auf die Werktätigen ab. Thüringen geht dabei den anderen deutschen Ländern im Kulturabbau und Schulabbau voran. Es tut diesen Schritt unter Führung der nationalsozialistischen Arbeiterpartei, der angeblich schärfsten« Gegnerin» des Youngplanes. Nur der Kampf der Arbeiterschaft auf revolutionärer Grundlage und ihr Sieg kann den Niedergang der Volksbildung verhindern. An ihre Seite gehört die Lehrerschaft, wenn sie die Volksschule retten will. 8 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Rüstet Euch für den Ersten Mai! gnoblidaura Tu slods2 Wir veröffentlichen nachstehend den Aufruf des Generalsekretariats zum Ersten Mai in deutscher Uebersetzung. In einem Zeitabschnitt, wo sich die imperialistischen Widersprüche verschärfen, das Wettrüsten immer grössere Proportionen annimmt, die Imperialisten fieberhaft den Krieg gegen die Sowjetunion vorbereiten, erhält der Erste Mai, die Heerschau der Arbeiterkräfte, der internationale Kampftag, eine ganz aussergewöhnliche Bedeutung. Die grösste Wachsamkeit ist geboten angesichts der nichtswürdigen konterrevolutionären Hetz- und Verleumdungskampagne, für welche die Bourgeoisie die Einheitsfront bildet, mit Papst und Falschmünzern, Sowjetwechselfälschern und ihren Richtern, Finanzleuten und« sozialistischer>> Presse, Industriellen und den Führern der reformistischen Gewerkschaftsbewegung. Noch nie erlebten wir eine so unverhohlene, grossangelegte Kampagne, eine solche Probemobilisierung der konterrevolutionären Kräfte. Die diesjährige Maiheerschau des Proletariats hat noch aus einem anderen Grunde eine besondere Tragweite. Sie steht im Zeichen des Aufschwungs der revolutionären Bewegung in den meisten kapitalistischen Ländern, im Zeichen der Streikwelle, der Massengärung unter den Arbeitslosen, der Entfaltung der revolutionären Kräfte in den Kolonien. Die Krise des Kapitalismus verschlimmert sich. Seine Stabilisierung, die von der Bourgeoisie und ihren Trabanten mit Sang und Klang verkündet wurde, stürzt zusammen. Machtvoll und immer umfangreicher erhebt sich dagegen in der Sowjetunion die gigantische sozialistische Wirtschaft. In dem verschärften Kampf und der zunehmenden Unterdrückung bemühen sich die schwankenden Elemente der Gewerkschaftsbewegung, insbesondere z.B. in den Organisationen der Bildungsarbeiter, der Kampffront unter diesem oder jenem Vorwand den Rücken zu kehren. Immer intensiver und tiefer dringt der bürgerliche Staat in alle sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verbindungen ein. Er mobilisiert alle Hilfsquellen, um den Kapitalismus zu retten; auf Biegen und Brechen führt er gegen die proletarische Jugend seinen Eroberungskrieg. Die Erziehung, die Schule, die Tätigkeit der Bourgeoisie in den Kinder- und Jugendorganisationen wird immer deutlicher zu einem wesentlichen Bestandteil des Kampfes gegen die Arbeiterklasse, der Kriegsvorbereitung gegen die U.S.S.R. Mit Hilfe der Schule, mit Hilfe von Organisationen wie die Boy Scouts will die Bourgeoisie, so erklärte ein französischer Kapitalist, den künftigen Arbeiter an Unterwerfung gewöhnen, ihm den Gedanken einimpfen, dass der Weg des Sozialismus nicht etwa durch den Klassenkampf führt, sondern durch die allgemeine Besänftigung. Man will die Bildungsarbeiter zwingen, mit Pflichteifer die<< Wirtschaftsmentalität>> der Arbeiterkinder zu entwickeln, im Arbeiterkinde den proletarischen Klassenimpuls zu ersticken. Die Bildungsarbeiter sollen den jungen Proletarier zur Bekämpfung seiner eigenen Klasse anleiten, damit die Bourgeoisie einen noch grösseren Nutzen hat. Führende Gewerkschaftsspalter, Opportunisten aller Schattierungen, Rechte und« Linke», alle diejenigen, die dazu beitragen, die Reihen der revolutionären Bildungsarbeiter zu zerrütten, leisten der Bourgeoisie auf diesem Gebiete Hilfe. Bei der Vorbereitung des Ersten Mai und der Maifeier muss jedes Mitglied unserer Internationale, jeder revolutionäre Erzieher, Lehrer und Lehramtsstudent sich voll und ganz darüber klar sein, wie die Dinge heute in Wirklichkeit liegen, und wie notwendig es ist, sich in die Einheitsfront der revolutionären Arbeiterklasse zu stellen. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 9 Wenn der Aufruf zum Generalstreik ergeht, dann müssen sie mit dem Rufe antworten:« Zugegen>>. In Verbindung mit dem Aufruf zum Generalstreik, mit der Demonstration der revolutionären Arbeiter ist die Einheitsfront der Bildungsarbeiter von unten her zu errichten, direkt in der Masse der Lehrer, ohne Pakt mit den Führern der Organisationen, die der I.B.A. nicht angeschlossen sind. Während der Vorbereitungskampagne müssen die Mitglieder der I.B.A., die Lehrer und Lehrerinnen, die Lehramtsstudenten und-studentinnen in die Erziehermassen die Losungen tragen:« Nieder mit der Vorbereitung neuer imperialistischer Kriege! Verteidigt die Sowjetunion! Kämpft für die Umkehrung des imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg!> Diese Losungen müssen sie auch als Agitatoren und Propagandisten in die proletarischen Massen schleudern. dort Der Bildungsarbeiter hat seinen Platz bei den Arbeiterdemonstrationen, auf den internationalen Treffen des Proletariats, in den Reihen der sich verbrüdernden Arbeiter und Soldaten. Erhebt in diesen Tagen energisch Protest gegen die kapitalistische Rationalisierung und ihre Folgen für die Schule; fordert Arbeit für die stellenlosen Lehrer und Arbeitslosenversicherung zu Lasten des Staates; kämpft gegen die Verfolgung und Entlassung der besten Kämpfer! Greift entschlossen alle die Elemente an, die unsere Reihen zerrütten oder schwächen wollen! Lasst weithin unseren Klassenruf schallen: Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Sitzung des Generalsekretariats Die geprüften Fragen Das Generalsekretariat der I.B.A. tagte in der zweiten Hälfte des Monats Februar. Es hat folgende Fragen erörtert: 1°) Der VI. Kongress der I.B.A. und seine Vorbereitung; 2°) Die organisatorische Lage der I.B.A. in den einzelnen Ländern; 3°) Der Kampf gegen die Stellenlosigkeit; 4°) Der Kampf für die Lehrerinnen und Lehramtsstudenten; 5°) Die einzunehmende Haltung zur gegenwärtigen Verleumdungskampagne gegen die Sowjetunion; 6°) Der verstärkte Angriff der Bourgeoisie auf die revolutionären Organisationen; 7°) Der Mord Roberto Celis in Mexiko; 8°) Der revolutionäre Wettbewerb; 9°) Die Vorbereitung des Ersten Mai; 10°) Die Junglehrergruppen; 11°) Die Bewegung der Lehramtsstudenten, Verstärkung des Kontaktes zwischen den Lehramtsstudenten Frankreichs und der Sowjetunion; 12°) Die Lage der I.B.A.- Mitglieder in Belgien; 13°) Die Pädagogische Pfingsttagung der deutschen I.B.A.- Gruppe in Gotha; 14°) Die Allrussische Pädagogische Ausstellung in Leningrad( Sommerferien 1930); 15%) In der I.B.A.- Presse bis zum Kongress zu behandelnde Themen; 16º) Soveta Pedagogia Revuo; 17°) Verschiedenes. 10 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Auf Seite 20 geben wir bekannt, welche Beschlüsse zum Datum, der Tagesordnung und Vorbereitung unseres VI. Kongresses gefasst worden sind. Die Feststellungen des Generalsekretariats, zur organisatorischen Lage der I.B.A. sind als grundlegendes Material für den Bericht der Exekutive zum Kongress zu verwenden. Der Bericht selbst wird rechtzeitig im Bulletin veröffentlicht werden. Ueber die gefassten. Beschlüsse zu weiteren Fragen bezw, die aufgestellten Direktiven finden unsere Leser an anderer Stelle des. Bulletins Aufschluss. Auf die restlichen. Beschlüsse kommen wir noch zurück. Vorab nachstehende Entschliessungen des Generalsekretariats zur Kenntnisnahme. mit Die Gothaer Tagung Das Sekretariat billigt die Einberufung einer Pädagogischen Tagung der deutschen I.B.A.- Gruppe in Gotha vom 8. bis 9. Juni 1930. Es betrachtet diese wichtige Veranstaltung als Beweis für den engeren Zusammenschluss unserer deutschen Gruppe und als Ausgangspunkt für die Stärkung der organisatorischen Bande zwischen den einzelnen Ortsausschüssen der I.B.A.- Mitglieder in Deutschland. Das Sekretariat wird auf der Tagung vertreten sein. Das Thema< Die Berufsschulausbildung» bietet die Möglichkeit, den verdoppelten Kampf der Bourgeoisie um die proletarische Kindesseele in seiner ganzen Tragweite aufzu rollen. Die Tagung wird diese Frage nicht nur vom deutschen Standpunkt stellen, sondern auch vom Standpunkt der anderen kapitalistischen Länder, wie Frankreich, England, U.S.A., und im Gegensatz dazu vom Standpunkt der Sowjetunion. Gegen die belgischen Spalter Kaum ein Jahr ist vergangen seit dem erzwungenen Austritt unserer belgischen Sektion aus der I.B.A. Sehr schnell bildete sich in Belgien eine neue aktive Gruppe von Einzelmitgliedern der I.B.A., gemäss dem Aufruf unserer Exekutive vom August 1929. Die Spalter wollen jetzt diese Gruppe ächten. Dazu nahm das Sekretariat folgende Entschliessung an: Dem Sekretariat liegt der Beschluss des Landesausschusses der Zentrale der sozialistischen Lehrerschaft Belgiens vor, der vom Verbandstag die Stellungnahme zum Verbot des Einzelanschlusses der belgischen Verbandsmitglieder an die 1.B.A. fordert. Nach Prüfung dieses Beschlusses und angesichts des Willens der Exekutive der belgischen Zentrale, für ein solches Verbot einzutreten, erachtet es das Generalsekretariat für unerlässlich, diese neue Spaltungsmassnahme der heutigen Leiter der Zentrale vor den fortschrittlichen Lehrern aller Länder aufzudecken. Dieser Beschluss ist nichts anderes als die logische Folge des Spaltungskurses, den die Führer der Masse der Lehrer aufgezwungen haben. Das Sekretariat stellt fest, dass dieser erneute Schritt darauf abzielt, die internationale revolutionäre Bewegung der Bildungsarbeiter zu schwächen und andererseits die mit offenem Visier in den Schulen der kapitalistischen Länder, der Kolonien und Halbkolonien auftretende Reaktion noch mehr zu stärken. Der Beschluss wird zur Folge haben, dass die Stellungen derjenigen Kreise der Arbeiterbewegung verstärkt werden, die den Kampf um das Wohl der kapitalistischen Gesellschaftsordnung( die darum nicht weniger dem Untergang geweiht ist) im Auge haben. Er dient der Konsolidierung der faschistischen Rolle des Staates, der die proletarischen Kinder unter den bürgerlichen Einfluss zwingen will. Er leistet den Wegbereitern neuer Massenmorde Vorschub, die den Kampfwillen des Proletariats und der fortschrittlichen Lehrer zu brechen suchen. Wie 1926 in Wien, wie im Dezember 1928 auf der Exekutive, so verkünden wir heute den festen Willen, einen entschiedenen Kampf gegen die Gewerkschaftsspalter auf dem Boden des Klassenkampfes zu führen. Die revolutionären Mitglieder der belgischen Zentrale dürfen nicht nachlassen im Kampfe gegen die Spalter und für den zunehmenden Einfluss der I.B.A. zameboidV UNI unter den belgischen Lehrern. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Unterstützung der Lehramtsstudenten 11' Das Sekretariat hat eine ganze Reihe von Massnahmen vorgesehen zur Förderung der internationalen revolutionären Bewegung der Seminaristen und Lehramtsstudenten, und zwar insbesondere: Verbindung durch Korrespondenz,.. effektive Schaffung einer internationalen Hauptstelle im Sinne des Vorschlages unserer letzten Exekutive, internationale Verbindung durch die Presse, Förderung der Bildung von Kaders, entschiedener Zusammenschluss der Lehramtsstudenten-, Junglehrer- und Gewerkschaftsbewegung der Lehrer. eludoalstwo Für den revolutionären Wettbewerb Vin Die Imperialisten aller Länder, ihre Agenten verschiedener Aufmachung, sie alle setzen ihre ganze Kraft ein, um die Sowjetunion zu erdrosseln. Die Verschärfung der imperialistischen Gegensätze hält die Welt in Atem, die sichere Entladung kann nur mittels eines neuen Blutbades erfolgen. Im Landesmasstabe spitzt sich der Klassenkampf aufs schärfste zu. In der jetzigen Periode des zunehmenden revolutionären Aufschwungs der Arbeitermassen, des Uebergangs des Proletariats zum Angriff, des Sammelns der Arbeiterkräfte für die kommenden grossen Schlachten rät das Generalsekretariat den Sektionen und Gruppen, den Junglehrern und Lehramtsstudenten, auch ihrerseits alle Kräfte zu mobilisieren. Zur Unterstützung des Sowjetproletariats, das den Sozialismus aufbaut, können die Mitglieder der I.B.A. beitragen auf dem Wege des revolutionären Wettbewerbs. Der Mord Roberto Celis Die beschleunigte Zuspitzung des Kiassenkampfes macht sich besonders in Mexiko fühlbar. Die demagogische Regierung des mexikanischen Kleinbürgertums, die nur durch Täuschung der Arbeiter- und Bauernmassen zur Macht gelangte, musste logischerweise zu einem Werkzeug der Reaktion und des raubsüchtigen Yankeeimperialismus werden. Und so ist es auch gekommen. Zuerst entwaffnete die mexikanische Regierung die Bauern und liess die von ihnen besetzten Gebiete räumen, dann schloss sie mit dem Klerikalismus einen Pakt und verkaufte die Reichtümer des Landes an die amerikanischen Finanzleute. Jetzt eröffnet sie auf Befehl der Wall Street die Hetzjagd auf die aktiven Kämpfer und revolutionären Organisationen. Schon am Mord des kubanischen Genossen Julio Antonio Mella auf mexikanischem Boden war die faschistische Regierung Mexikos mitschuldig. Ende 1929 lud sie auf sich den Mord der zwanzig Führer des unitarischen Gewerkschaftsbundes, der Kommunistischen Partei und des Kommunistischen Jugendverbandes. Heute befleckt sie sich mit dem Blut Roberto Celis, des Sekretärs der Roten Hilfe. Der Tod dieses Genossen fiel mit der Tagung des lateinamerikanischen Lehrerkongresses in Montevideo zusammen, dem das Generalsekretariat folgendes Telegramm zugehen liess da : An den lateinamerikanischen internationalen Lehrerkongress in Montevideo, Uruguay. Sekretariat Internationale Bildungsarbeiter bekundet Entrüstung Mord mexikanischer Revolutionäre. Erfährt kürzlichen Mord Roberto Celis. Sekretariat ruft Lehrerkongress auf zum Ausdruck von Protest, Entrüstung, Verdammung schurkischer Verbrechen der Agenten des amerikanischen Imperialismus. sdilaw nedsabai brichment lawGegen die verschärfte Unterdrückung Das Generalsekretariat der I.B.A. unterstreicht die im letzten Jahre erfolgte Verstärkung in der Kampagne der Bourgeoisie und ihrer Agenten gegen die revolutionären Arbeiterorganisationen, ihre Führer, Presse und Kampfwerkzeuge. Es sieht darin den Ausdruck des festen Willens der Bourgeoisie, in der Periode der Radikalisierung der Massen, des Aufschwungs der Arbeiterbewegung, die Kader des revolutionären Kampfes zu brechen und so die proletarische Aktion des Rückhalts zu berauben. 12 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Das Generalsekretariat hebt insbesondere das Vorgehen der französischen Bourgeoisie gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung hervor. Es drückt dazu seine Entrüstung und Verachtung aus, aber auch die Gewissheit, dass das französische Proletariat, das schon vielfach seine Kampffähigkeit und Stosskraft bewiesen hat, auch diesmal auf die Gewaltmassnahmen zu antworten verstehen wird. Das Sekretariat spricht der Humanité seine Sympathie aus, der erprobten Waffe des französischen Proletariats. Zur Verteidigung der Sowjetschule Auf der letzten Sitzung der Exekutive im August 1929 wurde das Sekretariat daran erinnert, dass die Verteidigung der revolutionären Schule und Pädagogik der Sowjetunion gegen die letzthin verschärfte Verleumdungskampagne eine wesentliche Aufgabe der I.B.A. ist. Den Verleumdungen kann man leicht die Spitze abbrechen durch Veranstaltungen in der Art der Leningrader Allrussischen Pädagogischen Ausstellung, die im kommenden Sommer eröffnet wird. In der Ausstellung wird auch eine ausländische Abteilung Platz finden, um deren Beschickung schon 25 Länder gebeten wurden. Die Ausstellung ist der Volksschule gewidmet. Und das Sekretariat hat beschlossen, dass die Internationale nach besten Kräften zur Sammlung des Ausstellungsmaterials für die ausländische Abteilung beitragen soll und zur Organisation des Besuches der Leningrader Ausstellung durch ausländische Lehrer. Andererseits stellte das Sekretariat das wachsende Interesse an der Esperantozeitschrift Soveta Pedagogia Revuo fest, die vom Pädagogischen Ausschuss unserer Sowjetsektion herausgegeben wird( 1), und beschloss, an alle Gruppen und Sektionen der I.B.A. ein Rundschreiben zu richten mit der Bitte um Verbreitung der Zeitschrift, um Angabe der zur Verteilung benötigten Exemplare, um Anregungen für die Themenbehandlung, usw. Hände weg von der Sowjetunion! Aufruf an die Bildungsarbeiter aller Länder Alterford nowa nadbis Mit beispielloser Energie und unter der grössten Begeisterung der werktätigen Massen baut das Sowjetland die sozialistische Wirtschaft auf. Neue Fabriken, mächtige Unternehmungen erstehen in dem unendlich grossen Gebiet. Ganze Bezirke gehen zur Kollektivwirtschaft über. Der Fünfjahresplan des wirtschaftlichen Aufbaus, den die Feinde der Sowjetunion lächerlich machen, den sie als bolschewistischen Bluff hinstellen, nimmt so erfolgreich seinen Verlauf, dass die Arbeitermassen bereits die Parole aufgenommen haben« Fünfjahresplan in vier Jahren!>> Siebenstundentag, ununterbrochene Arbeitswoche, sozialistischer Wettbewerb, Stossbrigaden, das sind Begriffe, die der kapitalistischen Welt fremd sind, in der Sowjetunion aber verwirklicht wurden und ihr noch grössere Gewähr geben für die Beschleunigung des Vormarsches. Neue Arbeitermassen werden in den Produktionsprozess hineingezogen. Eine durchgreifende Veränderung geht in der Lebensweise der Arbeiter vor sich. ( 1) Jahresabonnement 1 Dollar. Deutscher Vertreter R. Lerchner, Colmstr. 1, Leipzig O. 27. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 13 Auf dem schwierigsten Frontabschnitt vollzieht sich ausserordentlich erfolgreich der Uebergang der Kleinbauern zur grossen Kollektivwirtschaft, und dieser Uebergang machte es möglich, von der Niederhaltung der Kulaken weiterzugehen zu ihrer Liquidierung als Klasse mit Hilfe der kompakten Kollektivisierung der U.S.S.R. So wird der Kapitalismus an der empfindlichsten Wurzel getroffen, so bessert sich die Lage der Arbeiterklasse. Die Entwicklung der Kulturrevolution und der mächtige Ausbau des Unterrichtswesens tragen noch ein weiteres zur Stärkung der U.S.S.R. bei. Die Arbeiter- und Bauernmassen befreien sich von den Fesseln der Religion und Unwissenheit. Die kürzlichen Bemühungen der Imperialisten im Fernen Osten, die U.S.S.R. in einen Krieg zu verwickeln, haben zu einem glatten Misserfolg geführt. Die Rote Armee der Arbeiter und Bauern hat gezeigt, dass die Sowjetunion treue Wächter hat. Jeder Monat im siegreichen Vormarsch der U.S.S.R. auf dem Wege des Sozialismus bringt den Weltkapitalismus seinem sicheren Untergang einen Schritt näher. Ausserdem wird der Zusammenbruch der kapitalistischen Herrschaft beschleunigt durch die in der ganzen Welt zunehmende Krise, die Zuspitzung der Gegensätze zwischen den kapitalistischen Ländern, die Verschärfung der Klassengegensätze in jedem einzelnen Lande, die Radikalisierung der Arbeitermassen und den Aufschwung der revolutionären Bewegung. Die Bourgeoisie mobilisiert alle Kräfte. Entschiedener als je gedenkt sie, den Lehrer und die Schule zur Stärkung ihrer Macht auszunutzen, aber auch auf dieser Seite wächst die Unzufriedenheit der fortschrittlichen Elemente. Seit einigen Wochen sind wir Zeuge einer neuen Kampagne gegen die U.S.S.R. Eine Einheitsfront bildet sich zwischen der Bourgeoisie und ihren Handlangern, von Paris bis Charbin, von Berlin bis Mexiko, von Warschau bis London, unter Einschluss von Rumänien und Finnland, Rom und Jugoslawien. In Paris nimmt man das lächerliche Verschwinden des früheren zaristischen Generals Kutiepow zum Anlass für eine nichtswürdige Verleumdungskampagne gegen die Sowjetgesandtschaft. In München bricht die Polizei in die Handelsvertretung ein. In Vera Cruz nimmt man im Sowjetkonsulat eine Haussuchung vor, durchsucht den Konsul; auf Befehl des Yankeeherren wird der mexikanische Vertreter in Moskau abberufen. Danach organisiert man mit dem Einverständnis der Polizei den Ueberfall auf die Verwaltung der Ostchinabahn in Charbin. Die Weissgardisten Finnlands fordern die Regierung zum Bruch der diplomatischen Beziehungen mit Sowjetrussland auf. In Polen fühlen sich die Faschisten und die Presse neu gestärkt und verdoppeln ihre elenden Verleumdungen gegen die U.S.S.R. Man macht die Sowjetunion verantwortlich für die Unruhen in Indochina, die Lage in Indien, die weit ausgreifende antiimperialistische Erhebung in den anderen Kolonialländern. Die konservative Partei Englands, gestützt auf die Doppelzüngigkeit der Führer der Arbeiterpartei, setzt alle Kraft ein, um den Bruch der diplomatischen Beziehungen herbeizuführen. Und dieser diplomatische Bruch wird natürlich nur als ein Schritt vorwärts zum bewaffneten Angriff der Imperialisten auf die U.S.S.R. ins Auge gefasst. Die Weissgardisten aller Schattierungen entwickeln eine systematische, erhöhte Tätigkeit, um den Imperialisten die sinnlosesten Geschichten mundrecht zu machen, die bei den parlamentarischen Gruppen die beste Aufnahme finden. Man überbietet sich in verruchten Erfindungen über die sogenannte Religionsverfolgung in der U.S.S.R. Pfaffen und Geistliche tun sich zusammen, um das verabscheute Land christlich zu erdrosseln. Der heilige Vater in Rom verkündet den Kreuzzug gegen die Sowjetunion. Selbst die Spitzen der protestan 14 DIE LEHRER- INTERNATIONALE tischen Geistlichkeit, deren Kirche seit Jahrhunderten einen unnachgiebigen Kampf gegen den Katholizismus führt, selbst diese Würdenträger halten jetzt zu Rom... gegen Moskau! Die bürgerliche Justiz marschiert Hand in Hand mit der Kirche. Sie hält es nicht für nötig, ihren Hass gegen die U.S.S.R. mit juristischen Redewendungen zu verschleiern.Die letzten Urteile des Pariser und Berliner Gerichtshofs auf Freispruch notorischer Verbrecher, der Wechselfälscher und Falschmünzer, bedeuten die Sanktionierung aller der gemeinen Verbrechen, die unter die Rubrik < Sowjetschädlich» zu bringen sind. Die Presse bleibt nicht im Hintertreffen. Die Sydney Times schlagen Mussolini vor, die Leitung der Kampagne zu übernehmen und die Waffe zu benutzen, die er zu schmieden verstanden hat. Bourgeoisie und Pfaffen geniessen die Unterstützung der sozialdemokratischen Presse, vor allem des Vorwärts, der in der Antisowjethetze in Deutschland auf Vorposten steht, um die Stellung der Severing und Grzesinski zu stärken. Die haltlosen Angriffe der ultrabürgerlichen Zeitungen finden einen guten Stützpunkt in den Interventionen des Sozialdemokraten Léon Blum und seines Parteiorgans Le Populaire. Henderson solidarisiert sich mit den antisowjetistischen, konterrevolutionären Interventionen der Pfaffen. Die polnischen Sozialdemokraten fallen im Sejm über den Abgeordneten Warsky her, weil er es sich zu schulden kommen liess, gegen die sowjetfeindlichen Vorbereitungen tapfer Stellung zu nehmen. Alle diese Interventionen können in nichts anderem gipfeln als in dem Wunsch, den Fünfjahresplan des sozialistischen Aufbaus zu untergraben, das Sowjetland zur Strecke zu bringen, den Sowjetmarkt zu erobern. Daher erlässt das Generalsekretariat der I.B.A. den vorliegenden Aufruf an die Bildungsarbeiter, damit sie gegen die Vorbereitung eines neuen Krieges machtvoll Protest erheben und mit dem gesamten Proletariat für die Verteidigung der Sowjetunion eintreten. Im Namen der in der I.B.A. organisierten Bildungsarbeitermassen protestieren wir voller Entrüstung und erklären uns solidarisch mit dem Proletariat, das sich zur Verteidigung der U.S.S.R. gegen die Imperialisten aller Länder erhebt. Wir sind überzeugt, dass nur die kraftvolle Intervention der Arbeiterklasse den Angriff auf die U.S.S.R. verhindern kann. Bildungsarbeiter, organisierte proletarische Freidenker, fortschrittliche Gelehrte und Schriftsteller, an Euch wenden wir uns. Wisst, dass man auch die Schule in den Kampf gegen die U.S.S.R. hineinziehen will. In England tischt man den Schulkindern alle möglichen Geschichten über die sogenannte Religionsverfolgung in der U.S.S.R. auf; man nötigt die Kinder sogar, für die Befreiung der U.S.S.R. von der Macht ihrer heidnischen Herren zu beten. Freidenker, Geistesarbeiter! schliesst Euch den Lehrern und sonstigen Bildungsarbeitern an, um den Protest zu organisieren. Wir wenden uns auch an die fortschrittlichen Studenten und an die Schüler mit der Bitte, energisch Widerstand zu leisten, sofern verbrecherische Verleumdungen über den einzigen Arbeiterstaat der Welt in die Schule hineingetragen werden. Unsere Losung ist:« Nieder mit den Imperialisten! Hände weg von der Sowjetunion!» Es lebe die Solidarität der Bildungsarbeiter mit dem Proletariat, das für die Abschaffung des, Kapitalismus kämpft! Es lebe die U.S.S.R.! Das Generalsekretariat. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Der Internationale Frauentag und die Lehrerin 15 Der 8. März eines jeden Jahres ist der Internationale Tag der werktätigen Frauen. Er gewinnt an Bedeutung in dem Masse, in dem die Zahl der Arbeiterinnen in der Industrie zunimmt, vor allem infolge der Rationalisierung. In Frankreich und in Deutschland, in der Tschechoslowakei und in Polen, in den Vereinigten Staaten haben die Arbeiterinnen in grosser Zahl an den kürzlichen Streiks teilgenommen, ja sie haben dabei eine ganz hervorragende Tätigkeit entfaltet, sich oft an die Spitze des Kampfes gestellt. In allen Industriezweigen der kapitalistischen Länder, wird die weibliche Arbeitskraft ausserordentlich schlecht entlohnt. Z. B. lesen wir, dass die Arbeiterinnen in Amerika vor zwei Jahren nur 40 bis 70% der Löhne für männliche Arbeitskräfte bei gleicher Arbeit erhielten. In Polen betragen die Löhne der Arbeiterinnen 35 bis 40% der Arbeiterlöhne. In Deutschland verdiente die Arbeiterin im Mai 1929 nur 58,2% des Männerlohnes. Daraus erklärt sich, dass als erste Parole des internationalen Frauentages die alte Forderung erklingt: « Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!> Diese Parole gilt auch für die Lehrerin. In fast allen kapitalistischen Ländern( Frankreich macht dabei eine Ausnahme dank dem hartnäckigen Kampfe der fortschrittlichen Lehrerinnen) bezieht die Lehrerin ein geringeres Gehalt als der Lehrer. Und wenn das Gehalt an sich gleich ist, dann sind die sonstigen Vergütungen( Wohnungsgeld, Kinderzulage usw.) verschieden. Die Frage der ungleichen Gehälter erhält eine ganz ausserordentliche Bedeutung durch die Umgestaltung des Lehrberufes zu einem weiblichen Beruf. Nicht nur in der Fabrik, auch in der Schule tritt die Frau in Massen an die Stelle des Mannes. In Frankreich nimmt der Anteil der Lehrer an der Schule von Jahr zu Jahr ab, nicht etwa weil sich die Zahl der Mädchenklassen erhöht, sondern weil immer mehr Klassenlehrerstellen an Knabenschulen mit Lehrerinnen besetzt werden. In Schottland gibt es 6.600 Lehrer und 20.000 Lehrerinnen. England beträgt der Anteil der Lehrerin an der Volksschule 75,3%. Im« Paradis Amerika» und im faschistischen Italien ist der Lehrberuf schon ganz grenzenlos verweiblicht. In Die Verweiblichung des Lehrberufs stellt nur einen Teil der Folgen der Rationalisierung für die Schule dar. Am 8. März haben die Fabrik- und Landarbeiterinnen gegen die kapitalistische Rationalisierung und die Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen gekämpft. Durchweg teilt man der Arbeiterin die mühseligste Arbeit zu. Genau so ist es im Schuldienst. So ist z.B. die Schulaufsicht für alle Schulkategorien fast ausschliesslich Monopol des Mannes. In vielen Ländern ist die Lehrerin selbst von der Schulleitung ausgeschlossen, zum wenigsten von der Leitung von Knabenschulen oder gemischten Schulen ( England), aber auch von der Schulleitung im allgemeinen( Deutschland): einige Jahre vor dem Kriege drückten die preussischen Lehrerinnen für sich das Recht durch, die Schulleiterbefähigung zu erwerben; in Wirklichkeit haben sie davon aber keinen Nutzen, in ganz Preussen gibt es nur etwa 50 Leiterinnen an den Volksschulen. Usw. bala Die Lebensbedingungen gestalten sich für die Lehrerin nicht weniger schwierig als ihre Arbeitsbedingungen. In einer Reihe kapitalistischer Länder ist die Lehrerin nicht berechtigt, sich zu verheiraten. Charakteristisch ist die Lage in Deutschland. Artikel 14 der Personalabbauverordnung, die vom 27. September 1923 bis zum 31. März 1929 in Kraft war, bestimmte, dass die verheirateten weiblichen Beamten auch bei lebenslänglicher Anstellung jederzeit nach dem Ermessen der Behörde gekündigt werden könnten, und in Hunderten vor Fällen ist diese Verfügung durchgeführt worden. In Oesterreich beschloss der Nationalrat am 14. März 1929 das Zölibat der Lehrerinnen in Kärnten. In 16 DIE LEHRER- INTERNATIONALE England kann die Lehrerin in den meisten Orten im Falle der Heirat den Lehrberuf nicht weiter ausüben.» Kurz, in den meisten kapitalistischen Ländern ist die Lehrerin moralisch gefesselt, und diese moralischen Fesseln sind genau so drückend wie im Falle der Fabrikarbeiterin( Balkan, China, Japan) die körperliche Absperrung, die gefängnismässige Einschliessung. Die kapitalistische« Zivilisation» hat der Lehrerin noch nie das Recht auf aussereheliche Mutterschaft zuerkannt. Und sind denn die unehelichen Mütter in der Industrie und Landwirtschaft in Wirklichkeit besser gestellt? Diesen Zusammenhang haben z.B. die fortschrittlichen Lehrerinnen Frankreichs schon lange erkannt, sie kämpfen in erster Linie gegen die Verfolgung der unehelichen Mütter und Kinder der werktätigen Klassen im allgemeinen. Auch die sechste Losung, die vom Banner des 8. März leuchtet, ist daher den Lehrerinnen aus der Seele gesprochen:« Nieder mit den Abtreibungsgesetzen, Amnestie für die Verurteilten! Nieder mit der bürgerlichen Philanthropie! Wir fordern volle staatliche Mutterschaftsversicherung!> Das sind Forderungen, die die fortschrittlichen Lehrerinnen, insbesondere in Frankreich, selbst vor den Gerichten der Bourgeoisie verteidigt haben. Von keiner Parole des 8. März kann daher die klassenbewusste Lehrerin unberührt bleiben. Wer könnte mit stärkerer Ueberzeugung und reicherer Erfahrung als sie den Kampf aufnehmen für das Recht des Arbeiterkindes auf freie Lehrmittel und freie Speisung zu Lasten des Staates? Selbst die Parole: « Nieder mit der Faschisierung der Betriebe!» gilt in vollem Masse für die Bildungsarbeiterin Frankreichs, Spaniens und der anderen Länder, denen klerikale und faschistische Unterdrückung droht; hier sind es die Davidées, dort die Teresianas, sonst gleichgerichtete bürgerliche Organisationen. * ** Kein Aufruf geht den Lehrerinnen aber so zu Herzen wie der Aufruf gegen den imperialistischen Krieg, zur Verteidigung des sozialistischen Sowjetlandes. Die fortschrittlichen Lehrerinnen der bürgerlichen Länder empfinden deutlich den Widerspruch zwischen der massenweisen Hineinziehung der weiblichen Arbeitskraft in den Produktionsprozess und den veralteten Formen von Familie und Haushalt. Die revolutionäre Lehrerin weiss, ohne sich durch das Wenn und Aber beirren zu lassen, dass die Sowjetunion gebrochen hat mit der Heuchelei der bürgerlichen Moral, mit den Fesseln der bürgerlichen Lebensformen. Sie weiss, dass sich in der Sowjetunion die Kollektivisierung des Lebens der werktätigen Familie vollzieht. In der Sowjetunion feierte man den 8. März durch Einweihung von Kinderkrippen, Mutterschaftsschutzstellen, Kinderheimen, öffentlichen Küchen und Waschanstalten in vielen Städten und Kollektivunternehmungen. Schnell erhöhte sich im vergangenen Jahr die Zahl der Arbeiterinnen, die in den Sowjetorganen verantwortliche Posten bekleiden. Schon vor zehn Jahren hat die Sowjetunion die Abtreibung gesetzlich zugelassen. Seit zehn Jahren trifft sie nie dagewesene Massnahmen für den Schutz von Mutter und Kind. Heute geht sie aber weiter, sie geht zur restlosen Befreiung der Frau von den Fesseln des Haushalts über. Die fähigsten Gelehrten sind mit dem Studium dieses Problems beschäftigt, die Massen suchen ihrerseits nach einer praktischen Lösung, in der Hauptsache in Form von« Hauskommunen» mit gemeinsamer Kasse und gemeinsamer Arbeit. Im Februar d. J. hielt J. Larin, der geistige Vater der ununterbrochenen Arbeitswoche, einen Vortrag in der Sektion für Wohnungswesen der Kommunistischen Akademie über das Thema« Sozialistischer Aufbau und die Kollektivisierung des häuslichen Lebens». In grossen Zügen führte er aus: Die kompakte Kollektivisierung der Landwirtschaft verbessert in erheblichem Masse die Lage der Landarbeiter und der Kleinbauern, wodurch der Zustrom in die Stadt und in die Industriezentren wesentlich vermindert wird. Der Bedarf der Industrie an Arbeitskräften ist dagegen in stetem Wachsen begriffen. So ist es klar, dass die Frauen in Zukunft noch mehr als jetzt verhindert sein werden, häuslichen Arbeiten viel Zeit und Energie zu opfern, da ihre ganze Kraft von der Berufsarbeit absorbiert werden wird. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 17 Die einzig mögliche Lösung dieses Problems für die Frauen ist die Bildung von Hauskommunen, die gesetzlich unterstützt werden sollen. Schon hat eine Spezialkommission der Regierung einen diesbezüglichen Gesetzentwurf ausgearbeitet, und er wird nun in Arbeiterversammlungen usw. durchberaten. Die Hauptpunkte des Gesetzentwurfes sind: Organisation von Hauskommunen; gemeinsame Küchen, Kinderkrippen und Kindergärten; Bade- und Waschanstalten; Organisation von Erholungsstätten ausserhalb der Stadt; Verwertung der Räumlichkeiten von Sowjetinstitutionen, usw... In der Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss, wurde besonders hervorgehoben, dass diese Neuorganisation eine freiwillige sein müsse. * ** Wir geben kurz dieses konkrete Beispiel für die erhöhten Anstrengungen der Sowjetunion zugunsten der Frau, um ein für alle Mal den Verleumdungen und Anspielungen ein Ende zu setzen, die bei der heutigen wütenden Antisowjethetze von allen Seiten vorgebracht werden. Die Lehrerinnen, deren Lage die I.B.A. in den Vordergrund rückt, haben jetzt nach dem 8. März die Pflicht, ihre ganze Energie einzusetzen, um neue weibliche Kräfte den Bildungsarbeitergewerkschaften zuzuführen, die Klassenkampfleitung der letzteren zu stützen und auf Basis der täglichen praktischen Forderungen einen intensiveren Kampf zu führen gegen den Kapitalismus, gegen die Arbeitsgemeinschaftsideologie, für eine ehrliche und vorbehaltlose Verteidigung der Sowjetunion. ANTOINETTE VERNOCHET. 18 DIE LEHRER- INTERNATIONALE 0032017 In den Tagen der Kommune Die Pariser Kommune und der Unterricht Trotz ihrer kurzen Dauer hat die Pariser Kommune der Aufbauarbeit einen mächtigen Antrieb gegeben und bewundernswerte Perspektiven eröffnet. An erster Stelle stehen auch ihre pädagogischen Massnahmen. Die Pariser Kommune wollte von Grund auf die Herrschaft der Dunkelmänner in der Schule zerstören, die Erziehung des Nachwuchses der katholischen Kirche entreissen und ihren Ordensgesellschaften, die zur Zeit Napoleons III. die Unterstützung des Staates genossen. Wenn die Kommune diese pädagogischen Massnahmen ergriff, dann wandte sie damit nur ein Element der allgemeinen, den Bedürfnissen der Arbeiterklasse entsprechenden Politik an, die einen entschiedenen Bruch mit der Ideologie der herrschenden Klassen, mit ihrer Ueberlieferung an Aberglauben, Vorurteilen und kanonisierter Unwissenheit brachte. Die Kommune und ihre Ortsorgane( die Bürgermeisterämter der Pariser Bezirke) verkündeten somit den weltlichen, unentgeltlichen, verbindlichen und allgemeinen( integralen) Unterricht. Der Aufhebung der Kirchenschule folgte die Massenverabschiedung der Mönche, der Nonnen und aller klerikalen Elemente, die sich der Einführung des weltlichen Unterrichts widersetzten. Es war klar, dass ihre<< pädagogische> Arbeit die Stellungen Thiers und der Reaktion nur stärken konnte. So wurden sie auf Geheiss von Vaillant von der Schule entfernt. Die meisten Bürgermeisterämter forderten die neuen Verantwortlichen im Unterrichtswesen auf, die Schulgebäude von religiösen Büchern, Heiligenbildern und Kruzifixen zu säubern. Die Lehrer organisierten an Stelle der Kirchenchöre revolutionäre Chöre, die sich aus Schülern zusammensetzten. Verfechter und Verbreiter fanden sich auch für den Gedanken des Arbeitsunterrichts. Es ist nötig, sagte Henri Bellanger, dass das Kind unmerklich von der Schule zur Werkstatt hinübergleitet, dass es erwerbsfähig wird und zugleich befähigt für geistige Arbeit. Jeder Arbeiter, jeder an körperliche Arbeit gebundene Mensch muss mit Gefühl und Talent ein Buch schreiben können, ohne deswegen seinen Arbeitsplatz zu verlassen. Auf diese Weise haben die Kommunarden in wenigen Wochen die alten pädagogischen Anschauungen umgestürzt. Sie haben die ganze Pädagogik in den Dienst der Arbeiter gestellt; die Tore der Gemeindebibliotheken, auch der Nationalbibliothek, wurden weit geöffnet; die Museen machte man der Masse zugänglicher; das Interesse für die Wissenschaft wurde in der Bevölkerung durch Vorträge im Museum für Naturwissenschaft entwickelt. Die Theater, die noch vor kurzem dem Vergnügen der Bourgeoisie dienten, begannen den revolutionären Kampf widerzuspiegeln. Auf der Strasse, in den Palästen, in den Kirchen, veranstalteten sie Vorführungen, Volkskonzerte, Propagandafeste. Maler und Musiker, Dichter und Schriftsteller wurden zum Nutzen der Revolution mobilisiert. Man weiss auch, dass die Kommune die Wahrzeichen der Unterdrückung, des Militarismus und des Chauvinismus zerstörte: die Kirche, die an das Juniblutbad erinnerte, die Kapelle Ludwigs XVI., die Vendôme- Säule. Die Kommune, die Arbeiterregierung, bestätigte sich auch als internationalistische Regierung. A. I. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 19 Dem VI. Kongress entgegen Die Tagesordnung Der VI. Kongress der I.B.A. wird vom 15. bis 19. August 1930 tagen. Den Tagungsort geben wir noch bekannt. Vorkehrungen werden getroffen, um allen Genossen, die als Hörer am Kongress teilnehmen wollen, Aufenthaltsbedingungen zu schaffen, wie sie für Länder mit niedrigen Lebenshaltungskosten gelten. Zur Tagesordnung steht: 1°) Bericht des Exekutivkomitees: a) Die vollbrachte Arbeit, b) Perspektiven. 2°) Schule und soziales Milieu. 3°) Lehrerbildung. 4°) Lage der Lehrerinnen. 5°) Die Schule der nationalen Minderheiten und in den Kolonien. 6°) Die kulturellen Fragen und der Fünfjahresplan. Die Aufgaben des Kongresses mai Der kommende Kongress der I.B.A. wird die Bilanz einer gut zweijährigen Tätigkeit ziehen, der Arbeit von zwei Exekutivsitzungen und den angeschlossenen Organisationen im Verlauf einer langen, an wichtigen Ereignissen reichen Periode. Die Bilanz selbst wird sich auf eine allgemeine Analyse der wirtschaftlichen und politischen Lage stützen, Was wird nun unser Kriterium bei der ganzen Arbeit sein? Wesentlich ist und bleibt die Feststellung, die unsere Exekutive im August 1929 machte: der Klassenkampf wird intensiver; wir stehen im Anfang eines Aufschwungs der Arbeiterbewegung, der auch auf die aussereuropäischen Länder übergreift. Dieser Aufschwung ist nicht in allen Ländern der gleiche; sein Vorhandensein ist aber unbestreitbar; und das ist das Wesentliche. Die ungeheuren Fortschritte in der U.S.S.R., die Verschärfung der imperialistischen Gegensätze, das Einsetzen einer blind wütenden Rationisierung, die, Zuspitzung der Klassengegensätze, die Entwicklung des Reformismus, die wachsende Macht der revolutionären Bewegung, alles dies sind Tatsachen, die wir uns bei der Vorbereitung, unseres VI. Kongresses vergegenwärtigen müssen. - Der Kongress hat auch des zehnjährigen Bestehens der I.B.A. zu gedenken, und wir werden den in zehn Jahren zurückgelegten Weg zu überprüfen, bekannt zu machen und zu bewerten haben. Bei Prüfung der Arbeit der Exekutive, der Landessektionen und Gruppen werden wir zur Selbstkritik greifen, die Schwächen der Gewerkschaftsarbeit und die in organisatorischer Beziehung begangenen Fehler herausschälen. Diese strenge Selbstkritik soll von der Masse ausgehen. Die Sektionen und Gruppen haben die Fehler in der Arbeit der Exekutive zu kennzeichnen, und der Exekutive fällt es zu, die Sektionen kritisch zu beleuchten. Es kann keine Rede davon sein, sehwache Seite zu vertuschen, begangene Fehler zu verheimlichen, um jeden Preis nach Ausflüchten und Entschuldigungen zu suchen. Auch mit beschränktem, kleinbürgerlichem Vorgehen, mit einer sensationellen, deklamatorischen Haltung wird es nicht getan sein. Es kommt vielmehr darauf an, gemeinsam die besten Mittel und Wege zur Berichtigung der Fehler zu finden. 20 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Entsprechend dem Charakter der heutigen Periode werden wir ganz besonders Wert darauf legen, den Kampf der Sektionen um die Eroberung der Massen zu beleuchten. Unter diesem Gesichtswinkel haben wir die Methoden zur Verwirklichung der Einheitsfront zu prüfen, den Einfluss der Sektionen auf die Lehrerbewegung des betreffenden Landes zu erfassen. Wir werden uns bemühen, uns ein Bild von dem Verhältnis unserer Kräfte zu den Kräften unserer Gegner zu machen. Wir werden unsere Kräfte abschätzen, die heutige Lage der I.B.A. und ihrer Sektionen genau definieren. Auch auf die Propaganda der I.B.A. unter den Nichtmitgliedern werden wir eingehen, auf die Einbeziehung der Massen in den Kampf der Sektionen, auf den Kontakt mit der Arbeiterbewegung. insbeGrosse Bedeutung wird auch der Frage der Gewerkschaftsleitung, sondere in bezug auf ihre Verbindung mit den Massen, beigelegt werden, sowie der Frage der aktiven Kaders. Welche Beobachtungen waren auf diesem Gebiete zu machen? Was ist zu tun, damit die Bewegung nicht über die Verantwortlichen hinauswächst? Bei Beantwortung solcher Fragen wollen wir von den Gemeinplätzen über die Zweckmässigkeit der Gewerkschaftserziehung absehen, sie durch konkrete Lösungen ersetzen. Der seit dem V. Kongress der I.B.A. zurückgelegte Abschnitt ist reich an Aktionen der Junglehrer, die bis zum Streik gegangen sind( auch an Aktionen der Lehrerschaft im allgemeinen). Diese Bewegung sollen wir mit vollem Ernst überprüfen, ihre Ursachen, Losungen und Resultate definieren. In noch erhöhtem Masse müssen wir uns mit den Junglehrern beschäftigen, vor allem in unserer Presse; wir müssen sie zur Mitarbeit heranziehen. Einen Aufschwung nahm die Bewegung auch in den Kolonien und Halbkolonien. Wir besitzen bereits gutes Belegmaterial über den Lehrer und die Schule in den Kolonien. Wir haben aber noch klare Folgerungen zu ziehen, konkrete Organisationslösungen zu finden, einen systematischeren und schärferen Kampf gegen unsere Gegner zu führen, die die kolonialen Lehrer für sich gewinnen wollen. Die Kolonialfrage ist von wesentlicher Bedeutung für unsere tägliche Tätigkeit, sie wird auf unserem Kongress im Vordergrund stehen, fällt er doch in die Festlichkeiten der Imperialisten zur hundertjährigen Eroberung Algers. Mit der Kolonialfrage ist das Problem der Minderheitsschule verbunden. Zur Tagesordnung steht ferner die Lage der Lehrerinnen in Verbindung mit der unter ihnen zu leistenden Arbeit. Wir müssen offen zugeben, dass wir dieser Frage bisher nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt haben. Hier müssen wir ernsthaft vorstossen. Mit Obigem ist im wesentlichen gesagt, auf welche Weise und in welchen Punkten unser VI. Kongress vorzubereiten ist. Wichtig ist, dass die Vorbereitungsarbeiten von einer recht breiten Schicht der Mitglieder geleistet werden und möglichst direkt in der Schule. Unsere Mitglieder müssen den Kongress, Suchen wir Mittel seine Tagesordnung und Ziele öffentlich bekannt machen. und Wege, um die Lehramtsstudenten, Junglehrer, Lehrerinnen und Sympathisierenden für die Vorbereitung des Kongresses zu Interessieren und sie daran aktiv zu beteiligen! Die Lehrer sind anzuregen, praktische Vorschläge für unsere Arbeit zu machen. Uebermittelt uns diese Vorschläge! Benutzt den Kongress, um auch die letzten Reste nationaler Schranken zu überwinden und die ganze Arbeit der Sektionen zu internationalisieren! Wir brauchen einen Kongress, der offen vor der Masse und durch die Masse vorbereitet wird, der die Meinung der Masse zum Ausdruck bringt! Wir nehmen an, dass die Tagungen und Konferenzen der Sektionen und Gruppen, die Generalversammlungen der Ortsgruppen und die Organe der Sektionen zur Darlegung der Probleme unseres Kongresses beitragen werden. Wir eröffnen in unserem Bulletin eine Tribüne der Kongressvorbereitung. Das Sekretariat wird alle Mitteilungen für die Kongressberichte verwerten und sie nach Möglichkeit veröffentlichen. Auf, zu einem konsequenten Klassenkampfkongress, getragen von der Masse, eingestellt auf die Masse! Das Generalsekretariat. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Tribüne der Kongressvorbereitung 21 Lehrerbildung. Seminaristen und Junglehrer in Schweden Für die Lehrerausbildung sind in Schweden 14 höhere Seminare( folkskoleseminarier), 26 niedere Seminare( smaskoleseminarier) und 2 Seminare für Abiturienten eingerichtet. Die Zahl der Lehramtsstudenten legt der Reichstag von Jahr zu Jahr fest. Für das Jahr 1930-31 rechnet man mit etwa 1.440 Teilnehmern für die höheren Seminare und 900 für die niederen Seminare. Etwa 40% der Seminaristen sind bäuerlicher Herkunft. Ein grosser Teil stammt aus dem Stehkragenproletariat. Nur wenige sind rein proletarischer oder rein bürgerlicher Herkunft( höchstens je 5%). Die Seminaroberlehrer sind akademisch vorgebildet; Volksschullehrer leiten den Unterricht in der Seminarübungsschule. Auf den höheren Seminaren dauert die Ausbildung 4 Jahre, auf den niederen 3 Jahre und auf den Seminaren für Abiturienten nur 1 Jahr. Die niederen Seminare sind durchweg zur Ausbildung von Lehrerinnen bestimmt, doch können ausnahmsweise auch Seminaristen zugelassen werden. Unter der Kontrolle der Staatskirche Die Seminare werden direkt vom Unterrichtsministerium verwaltet, doch unterstehen sie auch einer lokalen Verwaltung, in der die Kirchenbehörden vertreten sind. In manchen Seminaren beschränkt sich die Kirche darauf, zum Examen einen Vertreter zu entsenden, in anderen Seminaren lässt sie sich bei den Verhandlungen des Kollegiums vertreten. Jedenfalls räumt das schwedische Gesetz der Kirche eine grössere Macht ein, wenn sie sie auch nicht immer ausübt. So hat die Kirche z. B. das Einspruchsrecht in bezug auf die Stipendien. Die Allgemeinbildung auf den Seminaren entspricht etwa den Anforderungen für das Abiturientenexamen. Die pädagogische Ausbildung ist mangelhaft, nur zwei Jahre lang 2 Wochenstunden. In der Hauptsache wird nur die Geschichte der Pädagogik behandelt. Für schwedische Sprache und schwedische Literatur sind 2 Wochenstunden vorgesehen, für Deutsch auch 2 Wochenstunden. Es wird fast nur deutsche Grammatik getrieben, und keiner der abgehenden jungen Lehrer kann deutsch sprechen, sofern er es nicht schon vorher gelernt hat. Für Englisch wird 1 Stunde pro Woche verwandt. Der französische Unterricht ist in der Praxis gleich null. Der Mathematikunterricht entspricht stofflich dem Pensum der Oberrealschule. Auch in Physik, Chemie, Biologie und Geographie ist der Unterricht gut. Geschichte wird sorgfältig unterrichtet unter absichtlicher Vermeidung des Gesichtspunktes des historischen Materialismus. In der Religionsstunde wird Kirchengeschichte, eingehend die Bibel, Dogmatik usw. behandelt. Die Kirche ist in Schweden staatlich. Der Religionsunterricht wird aber von allen Seminaristen instinktiv sabotiert. 22 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die Ausbildung des Stehkragenproletariers Der Unterricht in Wirtschaftskunde beginnt mit der Buchführung. Dann folgen Schriften von Heckscher, Cassel, Kjellen und anderen bürgerlichen Nationalökonomen. Dieses Fach wird sehr oberflächlich betrieben. Am Luleaer Seminar ist der Lehrer für Wirtschaftskunde Vorsitzender der sozialdemokratischen Ortsgruppe, und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Marxismus zu bekämpfen. Wenn ein Seminarist auf Marxismus zu sprechen kommt, dann bedauert der Lehrer,<< dass es heute noch Menschen gibt, die an Marx glauben». Erfreulich sticht dagegen ab, dass die Seminaristen oft soziale Probleme als Thema für ihre < private Arbeit» wählen, für welche ihnen einige Wochen Zeit gelassen wird. An ein und demselben Seminar behandelten im vorigen Jahr die Seminaristen z. B. das Kommunistische Manifest, Kooperation, Arbeitsschule usw. Der speziell schwedische Typus eines Volksschullehrers ist und bleibt aber ein halbgebildeter Stehkragenproletarier, der alles zu wissen glaubt, der überlegen auftritt, und der sozial zwischen Proletariat und Bourgeoisie steht. Gerade weil der Unterschied zwischen Lehrer und Proletarier so gering ist, wollen ihn die Lehrer markieren. Der schwedische Lehrer träumt davon, einmal in den Reihen der Bourgeoisie als gleichberechtigt aufgenommen zu werden. Die wenigen Lehrer, die aus der Bourgeoisie stammen, wissen, dass es mit ihren alten Verbindungen Schluss ist, und eher noch können diese Lehrer für unsere Internationale gewonnen werden als die Stehkragenproletarier. Militärische Vorbereitung gibt es an den schwedischen Seminaren nicht. Wäre sie vorgeschrieben, dann würden alle Seminaristen sie sabotieren. In einigen südschwedischen Seminaren bestehen jedoch vom Staat finanzierte« Landwehrvereine» zwecks militärischer Ausbildung. Zu bemerken ist, dass beim Militärdienst alle Seminaristen zu Offizieren oder Unteroffizieren der Reserve ausgebildet werden. Soziale Betätigung ausserhalb der Schule ist nicht zu verzeichnen. Einige Seminaristengruppen kämpfen für die Schulautonomie, und dieser Kampf ist jetzt bitterer als je.hrub Zu der Frage der Internate ist folgendes zu sagen. Es besteht ein staatliches Internat in Murjek für die Seminaristinnen. Alle Seminaristinnen sind in diesem Internat untergebracht, abgesehen von denen, die in Murjek selbst ansässig sind. Das Internatsleben unterliegt den altbekannten Vorschriften, wie Schlafengehen zu bestimmter Zeit. Diese Vorschriften können wir nicht billigen. Stellenlosigkeit und entlegene Stellen Nach Abgang vom Seminar, das 99% der Schüler mit Erfolg besuchen, bezieht der junge Lehrer ein Gehalt von rund 2.335 Mark und die Lehrerin ein Anfangsgehalt von rund 2.220 Mark. Hinzu kommen ganz verschieden hohe Ortszulagen. Der schwedische Lehrerverein< Sveriges Allmänna Folkskollärarförening> hat eine Erhebung über die Stellenlosigkeit vorgenommen, wonach es in diesem Jahr 224 stellenlose Lehrer geben soll, im kommenden Jahr aber nur 93, später 23 und im Jahre 1932 schon 153 Lehrer zu wenig. Diese Statistik stimmt aber nicht. Sie umfasst nur die höheren Volksschullehrer, während Hunderte und Aberhunderte von Lehrerinnen mit dem niederen Lehrbefähigungszeugnis stellenlos sind. Zweitens nimmt die Bevölkerung Schwedens ab, und diesem Umstand trägt die Statistik keine Rechnung. Heute hat Schweden 6.087.923 Einwohner. Während des Krieges nahm der Reichstag einen gewaltigen Plan zur Erweiterung und zum Ausbau der Volksschule an. Danach sollte eine Unmenge Lehrer nötig sein. Man rechnete aber nicht mit dem geringen Bevölkerungszuwachs, und jetzt zeigen sich die Folgen der Ueberproduktion an Lehrern. In Stockholm werden schon Klassen der Unterstufe der Volksschule geschlossen, weil es Schülern mangelt. Zur selben Zeit werden jedes Jahr neue Lehrer auf den Arbeitsmarkt geworfen. an DIE LEHRER- INTERNATIONALE 23 Noch ein anderer Umstand ist unhaltbar. Der Staat zahlt nur einen Teil des Gehaltes, der Rest soll von den Gemeinden aufgebracht werden. Dieser Gemeindezuschlag ist in Stockholm und in anderen Städten, sowie an der finnischen Grenze sehr hoch, während er im Innern Lapplands und in Värmland ganz ausbleibt. Die Folge davon ist, dass in Stockholm und an den anderen Orten nur überqualifizierte Lehrer unterrichten, nach Lappland und Värmland schickt man dagegen unausgebildete Kräfte, aus dem einfachen Grunde, weil keine Lehrer dorthin gehen wollen. Die Kommunistische Partei verlangt, dass ganze Gehalt vom Staat gezahlt wird. Augenblicklich gibt es keine provisorischen Kurse zur Ausbildung von Lehrern. Das Gesetz sieht aber einjährige, provisorische Kurse für Abiturienten vor, sofern Lehrermangel herrscht, Lehrerfortbildungskurse werden jedes Jahr im Sommer abgehalten, und zwar in allen Fächern. In Stockholm besteht ein einjähriger Fortbildungskursus für Turnunterricht. B. H. Schule und soziales Milieu: Die Erziehung der Arbeiterkinder im kapitalistischen Amerika Die amerikanische Arbeiterklasse hat von jeher ein starkes Interesse für die Erziehung ihres Nachwuchses an den Tag gelegt, ist sie doch von vitaler Bedeutung sowohl für die Arbeitereltern, als auch für die Arbeiterklasse als Ganzes. Gerade hundert Jahre ist es her, dass die führenden Arbeiterorganisationen erfolgreich für die Schaffung der schulgeldfreien, öffentlichen Schule eintraten. Seitdem haben die fortschrittlichen Arbeiterschichten für ihre Kinder unablässig um das Recht auf wahre Erziehung gekämpft, seitdem haben sie sich gegen die kapitalistische Methode aufgelehnt, die Schule zu einem Werkzeug der Irrlehre für die junge Arbeitergeneration zu machen, Heute, wo sich die herrschende Klasse in immer grösserem Masse der Schule bedient, um imperialistische Theorien zu verbreiten, um zum Kriege zu rüsten und gegen die Sowjetunion, die Kommunistische Partei und die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung zu hetzen, heute ist es unumgänglich für die amerikanischen Arbeiter, dieser Phase ihres Kampfes gegen den Klassenfeind noch grössere Aufmerksamkeit zu schenken. Das Märchen von der Einheitsschule Kapitalistische Agenturen haben im ganzen Lande die Sage verbreitet, dass alle Kinder in Amerika das gleiche, freie Recht auf Unterricht haben. Wie ist es aber in Wirklichkeit? Jawohl, die öffentliche Schule existiert, aber 1.400.000 Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren gehen nicht zur Schule. Diese Kinder bilden einen Teil der kindlichen Arbeiterarmee in den Vereinigten Staaten. Zahlreiche Erhebungen ergeben, dass ausserdem noch tausend und abertausend Kinder wochenlang der Schule fernbleiben, um auf Arbeit zu gehen; sie arbeiten in den verschiedenen Zweigen der Saisonindustrie: Baumwolle, Tabak, Beeren und Obst, Zuckerfabriken usw. Zu Tausenden arbeiten andere Kinder vor und nach der Schule als Zeitungsträger, Laufburschen, Schreiber oder Heimarbeiter und verdienen sage und schreibe 3 bis 10 Cents die Stunde. Die Folge davon ist, dass diese Kinder gesundheitlich geschädigt werden und in der Schule zurückbleiben. Wir haben in Amerika die« Einheitsschule», aber die erdrückende Mehrheit der Arbeiterkinder hat keine Aussicht, über die Elementarschule hinauszukommen; denn trotz aller Opfer und Einschränkungen, die sich die proletarischen Eltern auferlegen, müssen die Kinder mit 14 Jahren die Schule verlassen. Nur die Kinder der qualifiziertesten und besser bezahlten Arbeiter können zur hö 24 DIE LEHRER- INTERNATIONALE heren Schule übergehen. Und nur ein Bruchteil dieser letzteren gelangt bis zur Universität. Die letzte statistische Erhebung ergab folgendes Bild: Ein Kind auf je 7 Kinder kommt nicht bis zur 5. Stufe 4 3 Fast die Hälfte der 6. 7. 8. Weniger als ein Drittel der Schulkinder geht zur höheren Schule über. Nur einer auf je 8 höhere Schüler gelangt zur Universität. Diese Zahlen enthüllen den Klassencharakter der« Einheitsschule» in den Vereinigten Staaten. In vielen Arbeitergegenden mit niedrigen Löhnen und schlechten Schulverhältnissen, wie z.B. in den südlichen Textilgebieten und in Grubendistrikten, gehen die Kinder im Durchschnitt nur 3 bis 4 Jahre zur Schule; Analphabeten sind dort die Regel. Ein Fünftel der Kinder der bis aufs Blut ausgebeuteten Negerarbeiter und armen Farmer geniessen überhaupt keine Schulbildung, die grosse Mehrheit dieser Kinder bringt es nur zu ein paar Kursen von je 6 bis 7 Monaten auf der Schule. So gross ist das Analphabetentum unter der Masse unserer Industrie- und Landarbeiter, dass die Vereinigten Staaten auf der Liste der prozentual errechneten Analphabeten in den verschiedenen Ländern an 10. Stelle stehen. Die amtliche Statistik weist 5 Millionen Analphabeten nach, andere Schätzungen kommen aber zu einer effektiven Gesamtzahl von 12 Millionen. Eine traurige Folge der Herrschaft des amerikanischen Imperialismus in den Kolonien, wie Haiti, Porto Rico, Alaska, die Philippinen usw., ist eine ausserordentlich erhöhte Unwissenheit unter der werktätigen Bevölkerung. Ein Viertel bis über die Hälfte der Kolonialbevölkerung sind Analphabeten, die Kinderarbeit übersteigt alle Grenzen, und die allgemeine Verarmung hat schreckliche Dimensionen angenommen. Genug damit über die tönende« Freiheit und Gleichheit im Unterricht in Amerika». Im Unterricht kann es keine Freiheit geben, solange das soziale Milieu die proletarischen Kinder, die die überwiegende Mehrheit der schulpflichtigen Jugend bilden, in die Fesseln der Armut, Kinderarbeit, Unterernährung und Krankheit schlägt. Der Klassenunterschied in der öffentlichen Schule Die Zurücksetzung der Arbeiterjugend in der öffentlichen Schule ist eine bekannte Tatsache. Ganz erbärmlich sind die Schulverhältnisse, wenn das proletarische Element in der Schule überwiegt, d.h. in den Textil-, Gruben-, Petroleum- und Ackerbaugebieten, sowie in den proletarischen Vierteln der Grosstädte. Die Klassen sind oft überfüllt, die Gebäude reparaturbedürftig. Die Schulbücher und Lehrmittel reichen nicht aus, und die Lehrer sind so überlastet und gewöhnlich so schlecht besoldet, dass sie den Kindern nicht den erforderlichen Beistand gewähren können. Es gibt natürlich Ausnahmen, doch fallen sie für die allgemeine Lage nicht ins Gewicht. In den Vierteln der gehobeneren Gesellschaftsklassen sind die Schulen in geräumigen, modern angelegten Gebäuden untergebracht, mit allem Komfort, Turnhalle, Schwimmhalle, Aula, gut ausgestatteter Bibliothek und grossen, luftigen Klassenzimmern für 25 Schüler pro Klasse. Arbeiterdistrikten kommen 40 bis 45, ja sogar 55 und 60 Schüler auf die Klasse. In Ein charakteristisches Beispiel für diesen Klassenunterschied ist das< Jim Crow»-System der Sonderschulen für farbige Kinder in allen Südstaaten. Die Schulen der Farbigen sind klein, baufällig, oft ohne Pulte und ohne Bücher, ja sogar ohne Fensterscheiben. Meistens sind es Elementarschulen, nur wenige höhere Schulen gibt es für farbige Kinder. Der Staat wendet für einen weissen Schüler 5 bis 10mal so viel auf wie für den farbigen Schüler. Die farbigen Lehrer sind meistens sehr schlecht vorgebildet, doch müssen sie zu gleicher Zeit 5 bis 7 verschiedene Stufen unterrichten. Das Gehalt des farbigen Lehrers schwankt zwischen 143 und 750 Dollar für 6 bezw. 8 Monate Schuldienst; die meisten farbigen Lehrer erhalten 40 bis 50 Dollar pro Monat. Viele farbige Lehrer suchen sich eine Nebenbeschäftigung, um ihr Einkommen zu erhöhen. Farbige Familien unterstützen sie oft durch Gewährung von freier Wohnung oder freier Pension für eine bestimmte Zeit. Die Schulverhältnisse in den Kolonien der Vereinigten Staaten sind wohl noch trauriger. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Rationalisierung und Kriegsvorbereitung 25 Das Rationalisierungssystem greift auch auf die öffentliche Schule über, und natürlich sind wieder die Arbeiterkinder die Leidtragenden. Den Lehrern und sonstigen Bildungsarbeitern erwachsen neue Lasten in Form von verlängerter Arbeitszeit, erhöhter Klassenfrequenz, weiteren Pflichten, wie« ausserschulische Betätigung». In vielen Orten hält man aus<< Geldmangel» mit dem Gehalt zurück. Ein noch stärkerer Druck wird auf die Lehrer ausgeübt, um sie den kapitalistischen Geboten zu unterwerfen. Die zunehmende Gärung unter den im allgemeinen rückständigen Bildungsarbeitern drückt sich auf die verschiedenste Weise aus. Kürzlich hatten wir einen Lehrerstreik in Wilkesbarre, Pennsylvanien, und die Lehrer von Bloomington wollen ihrerseits in den Streik treten, sofern sie nicht ihr rückständiges Gehalt bekommen. Die Kapitalisten nutzen die öffentliche Schule voll aus, um der Arbeiterjugend ein ganz falsches Bild von allen für sie vitalen Fragen zu entwerfen, z.B. von der Rolle der Arbeiterbewegung in der amerikanischen Geschichte, von der Gewerkschaftsbewegung, der revolutionären Bewegung, dem imperialistischen Krieg und der Sowjetunion. Zu diesem Zwecke bedient man sich der staatlichen Kontrolle der Schulbücher, jagt alle Lehrer aus der Schule, die den reaktionären Anweisungen nicht Folge leisten, greift zu den bekannten Propagandamethoden des Power Trust, der American Legion, der Handelskammer und ähnlicher Organisationen. Wie man dabei verfährt, könnten wir an vielen konkreten Beipielen nachweisen, wozu uns aber der Platz hier fehlt. Auch religiöse Organisationen haben jegliche Möglichkeit, in den öffentlichen Schulen Propaganda zu treiben. Und ca. 150.000 Arbeiterkinder besuchen katholische Privatschulen, in denen die rote Sache aufs heftigste befehdet, die katholische Sache aber eifrig gefördert wird. Angesichts des herannahenden imperialistischen Krieges übt die herrschende Klasse eine noch stärkere Kontrolle über die Schule aus, um auch in ihr den neuen« Kampf für die Demokratie» vorzubereiten. Jeder Staat hat die Unterweisung in amerikanischer Geschichte in den verbindlichen Lehrplan aufgenommen zwecks« Weckung der patriotischen Gefühle,... und Erziehung zum guten Staatsbürger, im Kriege und im Frieden>>. In mehr als 58 Grosstädten wurde die militärische Ausbildung in der höheren Schule eingeführt, und diese Bewegung nimmt immer mehr an Umfang zu. In Omaha erstreckt sich jetzt die militärische Unterweisung auch auf die Mädchen. Bei allen reaktionären Massnahmen erfreut sich die herrschende Klasse der aktiven Mitarbeit des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, der manchmal dabei allerdings auf Umwegen vorgehen musste. Die Lehrergewerkschaft, die dem amerikanischen Gewerkschaftsbund angeschlossen ist, ist zahlenmässig sehr schwach, auch verfolgt sie eine pazifistische, dem Streik entgegengesetzte Politik. Die Sozialdemokraten und Musteiten haben die Lehrer gewerkschaft völlig in der Hand und benutzen sie als Plattform für ihre politischen Manöver. Inzwischen leiden natürlich die Bildungsarbeiter und Arbeiterkinder darunter. ** Unter der Führung der Kommunistischen Partei muss die amerikanische Arbeiterklasse die kapitalistischen Pläne energisch bekämpfen. Alle Kräfte der Kommunistischen Partei, des Kommunistischen Jugendverbandes und der Pioniere sind zu mobilisieren im Verein mit der unitarischen Gewerkschaftsbewegung und ihrer revolutionären Bildungsarbeitergruppe. Arbeiterschulausschüsse sind zu bilden, wie man es mit Erfolg in England getan hat, und die sich aus Vertretern aller Arbeiterorganisationen und der Vereinigungen für erwerbstätige Eltern zusammensetzen. Nur so kann man einen guten politischen Kampf führen gegen den imperialistischen Druck auf die Schule, für die Beseitigung der Jim CrowSchulen und der anderen Formen des Klassenunterschiedes, für eine aktive Gewerkschaftsbewegung der Bildungsarbeiter und insbesondere ihrer am meisten ausgebeuteten Schicht, für den Umsturz der kapitalistischen Regierung und die Aufrichtung einer Regierung der Arbeiter und armen Bauern, die allein den amerikanischen Arbeiterkindern eine wahre, proletarische Erziehung bringen kann. MYRA PAGE. 26 DIE LEHRER- INTERNATIONALE DER SOZIALISTISCHE AUFBAU IN USSR Die kompakte Kollektivisierung der Landwirtschaft und die sozialistische Erziehung der Kinder Marx und Engels haben auf die Fahne der weltumspannenden revolutionären Arbeiterbewegung als eine der dringendsten Aufgaben der Arbeiterrevolution die Forderung geschrieben: Unentgelticher öffentlicher Unterricht für alle Kinder! Aufhebung der Kinderarbeit in der Fabrik IN IHRER JETZIGEN FORM ( in kapitalistischer Form, M. G.)! Vereinigung der Erziehung mit der materiellen Produktion! Die soziale Revolution fordert also: soziale Erziehung, Unterdrückung der Kinderausbeutung, Beteiligung der Kinder an der Produktion zwecks polytechnischer Erziehung. Gleich zu Beginn der Oktoberrevolution bemühte sich die Arbeiterklasse, beim Aufbau ihres Erziehungswesens diese Grundsätze zu verwirklichen. Ihre Bestrebungen führten zur Schaffung von Kinderkrippen, Kindergärten, Spielplätzen, Internaten, zur Schaffung der Arbeitseinheitsschule und der Kinderschutzgesetze. Aber dieses System der sozialen Erziehung war nur ein Anfang im Vergleich zu den ungeheuren Bedürfnissen der Arbeiter. Wegen wirtschaftlichen Rückstandes konnten wir diese Einrichtungen nicht allen Arbeitern zugänglich machen. Kurz, ein Wirtschaftssystem mit 25 Millionen Bauernwirtschaften schloss von vornherein die Möglichkeit aus, das Erziehungswesen von Grund auf im sozialistischen Sinne umzugiessen. Das hat sich jetzt geändert. Greifen wir als Beispiel den Bezirk Choper heraus, wo wir kürzlich Gelegenheit hatten, drei Wochen lang zu arbeiten. Erste Fortschritte Auf allen Gebieten des sozialen und wirtschaftlichen Lebens macht der Sozialismus erstaunenswerte Fortschritte. So werden zu Beginn der Frühlingsaussaat fast 100% der Bauern, die Bürgerrechte geniessen, den« Kolkhoz»( Kollektivwirtschaften) zugeführt sein. Schon heute sind fast überall die Produktionsmittel sozialisiert, d.h. das Land, die Maschinen und Geräte, die Arbeitstiere und das Schlachtvieh, auch die menschliche Arbeitskraft. Es gibt im Bezirk Choper viele grosse Kommunen, die je ein Dutzend Weiler umfassen. Diese Kommunen zählen jede für sich rund 5.000 Seelen oder mehr. Produktion und Verbrauch sind in ihnen sozialisiert. Die Veränderung, die in den wirtschaftlichen Lebensformen vor sich ging, musste auch in den Existenzbedingungen eine Revolution hervorrufen. Die Mitglieder der Kommunen und Kolkhoz haben die Kirchen geschlossen und verwenden die Kirchengebäude für Klubs, Kinos, öffentliche Materiallager, usw. Die Frau macht sich von der geisttötenden Hausarbeit frei. Jede Kolkhoz will gemeinsame Speisehäuser, gemeinsame Waschanstalten und Einrichtungen für die Kinder schaffen. Sogar die Landschaft wird sich völlig ändern. Die kleinen Hütten sollen durch grosse Gebäude ersetzt werden. Die Kommune« Bolschewik» umfasst 5.500 Menschen in einigen Dutzend Weilern. In diesem Frühjahr wird man zwei sozialistische Güter zur Unterbringung aller Einwohner bauen. Jede Kolkhoz verfolgt als unmittelbares Ziel den Bau neuer Siedlungen mit riesigen Sozialgebäuden( Wohnhäuser, Kultureinrichtungen, Wirtschaftsstellen).. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 27 Es liegt auf der Hand, dass diese Umgestaltung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens eine völlige Erneuerung der Erziehung nach sich ziehen musste. Vor allem stand man vor der brennenden Frage, wie die Sozialfürsorge auf alle Kinder der Kolkhozzugehörigen auszudehnen sei. Der grosse Mangel an Arbeitskräften in dem Bezirk Choper erfordert die grösstmögliche Befreiung der Frau von den Erziehungs- und Haushaltspflichten im Interesse ihrer Verwendung für die sozialisierten materiellen Arbeiten der Kolkhoz. Aus diesem Grunde, und auch im Hinblick auf eine konzentrierte und soziale Erziehung erweitern die neu gegründeten Kommunen und Kolkhoz in grossem Masse das Netz der sozialen Einrichtungen für die Kinder. Während der grossen Saisonarbeiten im kommen den Sommer will der Bezirk die soziale Erziehung auf alle Kinder der Kolkhozmitglieder effektiv ausdehnen. In den alten Kommunen ist das schon erfolgt. Die Säuglinge haben ihre Krippe, die Vorschulpflichtigen ihre Heime und die Grossen ihre Schule. Die Kommune kommt für die Ernährung und Kleidung der Kinder auf. Sie bewilligt den Kindern ihrer Mitglieder Stipendien zur Fortsetzung der Studien in der Stadt. Im Laufe der kommenden zwei bis drei Jahre wird es in allen Gebieten mit kompakter Kollektivisierung so sein, d.h. für die meisten Bauern der U.S.S.R. Rein polytechnischer Unterricht Vor allem birgt die Massenkollektivisierung die Voraussetzung in sich für eine wirklich polytechnische Erziehung auf der Grundlage der Arbeit. Mit dem System der individuellen Bauernwirtschaften konnte man auf dem Lande nicht zu einer grosszügig mechanisierten Produktion gelangen, also auch nicht zu einer hochentwickelten Arbeitsorganisation. Die Kinder lernten die Hauptarbeitszweige nur aus Büchern, in scholastischer Weise kennen. Die Schule war nicht in der Lage, die Hausarbeit eines jeden Kindes auf wissenschaftlicher Grundlage zu organisieren. Andererseits war die Familienwirtschaft keine Stätte für eine polytechnische Erziehung, stand sie doch in technischer und organisatorischer Beziehung auf einer viel zu niedrigen Stufe. Heute liegen die Verhältnisse ganz anders. Die Kolkhoz bildet eine landwirtschaftliche Riesenfabrik mit einer Menge Werkstätten und mit sozialistischer Arbeitsorganisation. Die Kolkhoz besitzt Traktorenkolonnen und andere komplizierte landwirtschaftliche Maschinen. Unglaublich schnell wird die Feldbestellung mechanisiert. Die Kolkhoz hat eine ganze Herde Arbeitstiere und Schlachtvieh. Schon jetzt hat jede Kolkhz um sich herum ein Netz von Nebeneinrichtungen geschaffen, Traktorenreparaturwerkstätten, Tischlereien, Oelmühlen, Speisehäuser, Bäckereien usw. Und alles trägt einen unterschiedlichen Charakter, es gibt dort grosse Unternehmungen mit stark verzweigter Organisation. Daher haben die Kinder durchaus die Möglichkeit, sowohl praktisch als auch theoretisch, in konsequenter Art und Weise, die wesentlichen Zweige der sozialistischen Arbeit zu studieren. Schon heute haben wir also effektiv die Möglichkeit zu einer wahrhaft polytechnischen Erziehung. Wir brauchen nur noch die Organisationsformen auszuprobieren. So organisieren sich z. B. die Kinder schon auf der Schule der 1. Stufe je nach ihren Interessen, ihrem Alter und ihrer allgemeinen Entwicklung zu Brigaden zwecks Studiums der verschiedenen Arbeitsformen in den Kolkhoz und nehmen an diesen Arbeiten aktiv teil. Jetzt ist man im Begriff, der Traktorenkolonne der Kolkhoz« Der Weg Lenins» eine Kinderbrigade( 50 bis 100) beizuordnen, damit die Kinder zwei oder drei Monate lang die Verwendung des Traktors in der Landwirtschaft studieren. Andere Brigaden werden zur Arbeit in den grossen Vogelzüchtereien organisiert werden, an den Brutapparaten, in den Geflügelhöfen, auf den Versuchsfeldern und in den Versuchsgemüsegärten. Im Interesse ihrer Erziehung zu Arbeitern besuchen die Kinder die Werkstätten, Tischlereien, Schmiede und Schneiderateliers. Die Kinder arbeiten nicht etwa unter der ausschliesslichen Leitung eines Lehrers, sondern werden von zahlreichen Spezialisten der verschiedenen Arbeitszweige in ihren Arbeiten unterstützt. 28 DIE LEHRER- INTERNATIONALE SOZIALISTISCHE LANDWIRTSCHAFT Traktorendepot auf dem Sowjetgut« Gigant>> Die Pioniere bei der Heuernte DIE LEHRER- INTERNATIONALE Der kollektivistischen Erziehung entgegen restlos kol 29 Kurz, die Kolkhoz bieten eine gute Basis für die restlos kollektivistische Erziehung. Früher hatte jedes Kind ein soziales Gebiet( die Schule), wo es lesen lernte, und ein individuelles Gebiet( den Familienhaushalt), wo es nach Schulschluss die Eltern bei der Arbeit unterstützte. Vor kurzem hatte jedes Kind eigentlich noch zwei Schulen eine Schule zum Lesen und für die soziale Arbeit( d. h. die öffentliche Schule) und eine Schule für die Arbeit( in der Familie). Durch die Arbeit mit den Eltern kam das Kind dazu, ihr Gut wert zu halten, ihre Zwergwirtschaft zu leben. Genau so wie die Eltern dachte es vor allem daran, auf welche Weise das Familiengut vor dem Verfall zu bewahren wäre. Zum allergrössten Teil war das Interesse des Kindes auf seine Wirtschaft gerichtet. Daraus ergab sich häufig ein Widerspruch zwischen Schule und Familie: die Schule organisiert die soziale Arbeit, den Unterricht und braucht dazu Zeit; da wird die Mutter krank, der Vater verreist oder aus irgend einem anderen Grunde mangelt es plötzlich an Arbeitskraft. Das Kind wusste dann nicht mehr, wo sein Platz sei; oft gab es die Schule preis, um seinen Eltern in der Wirtschaft zu helfen. Das individuelle Element gewann in ihm die Oberhand. Jetzt ist es anders. Die Familie als Produktionseinheit existiert nicht mehr. Es besteht die Einheitsproduktion der Kolkhoz. Das Leben des Kindes wird zur Einheit. Die ganze Tätigkeit des Kindes spielt sich im Schosse einer einheitlichen Kollektivwirtschaft ab. Die Kolkhoz hat die Voraussetzungen für die Bildung individuellen Eigentums unterdrückt. Diese durchgreifende Aenderung bewirkt die Kollektivisierung in der Sowjeterziehung. Wir haben bereits gesehen, dass die Familienwirtschaft das Kind von der Schule loslöst. Damit hingen auch unsere langen Sommerferien zusammen. Die Bauernwirtschaft brauchte das Kind im Sommer; es hatte für die Schule keine Zeit. Heute ist man im Begriff, in den Gebieten mit kompakter Kollektivisierung die ununterbrochene pädagogische Arbeit einzuführen und die Erholung des Kindes auf alle Jahreszeiten zu verteilen. Während des ganzen Jahres wird sich das Leben der Kinder unter der organisierten Ueberwachung des Pädagogen abwickeln. Die Frage wurde bereits von unten her durch verschiedene Kolkhoz und Kommunen gelöst, und das Unterrichtskommissariat wird dieser Lösung in Kürze Gesetzeskraft geben. Im Zusammenhang mit der Vergrösserung der Landsiedelungen, mit der Industrialisierung der Landwirtschaft und mit den neuen Organisationsperspektiven für die sozialistische Erziehung der Kinder erwächst die Frage nach dem eigentlichen Typ der neuen Schule. Jeder ist sich klar darüber, dass die kleine Landschule von gestern den neuen Bedingungen nicht mehr entspricht, dass man etwas anderes braucht. Die Ortsorganisationen überprüfen eifrig die Möglichkeiten für die Schaffung von Erziehungsanstalten, die der neuen Lebensweise angemessen sind. Eins steht fest: grosse Anstalten sind zu bauen, in denen die ganze soziale und politische Leitung des Lebens und der Tätigkeit der Kinder konzentriert wird. Zu vereinheitlichen sind die Einrichtungen, die man früher Schule, Kinderklub, Bibliothek, technische Station usw. nannte. In den kommenden zwei Jahren werden wir uns mit diesem Problem praktisch befassen. Wir glauben, dass man zu riesigen kombinierten Kulturanstalten kommen wird, in denen sich die ganze Kulturarbeit, die Erziehungsarbeit und der sonstige Unterricht konzentriert, und zwar für die sozialistischen Arbeiter jeder Altersstufe. M. GOWIASCHEW. 30 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die Sowjetarbeiter und die Fabrikschule Die Zentralstelle für sozialistische Erziehung arbeitet bereits seit Jahren an der Organisierung der 7jährigen Fabrikschule. Aber erst in letzter Zeit wurde diese zum Gegenstand des erklärten Interesses der öffentlichen Arbeitermeinung, der kommunistischen Parteiorganisationen, der Organe des öffentlichen Unterrichtswesens und der Lehrerschaft. Das hängt mit der gegenwärtigen Entwicklungsperiode der nationalen Oekonomie zusammen, mit dem dringenden Bedürfnis unserer Industrie nach gelernten Arbeitskräften, mit der Kardinalfrage der Kaders, ist doch letztere eng verknüpft mit dem polytechnischen Erziehungsproblem. Und so erhält die ausgesprochen polytechnische Fabrikschule eine ganz erhebliche Bedeutung. Die meisten 7jährigen Fabrikschulen haben zweifelsohne die gewöhnliche Schule schon weit überflügelt. Zu 50% haben sie ihre Lehrwerkstätten. Die meisten stehen in effektivem Kontakt mit der Produktion und entfalten eine gute, gesellschaftsnützliche Tätigkeit. Vielen ist es z.B. gelungen, die Schüler so zu organisieren, dass sie direkt an der Drehbank stehen. Das ist aber nur ein Anfang, ein Tasten. Die Fabrikschule braucht kräftige, materielle Unterstützung. Sie muss in den Brennpunkt des Interesses der gesamten Arbeiterschaft gerückt werden. Die Fabrikschullehrer müssen mit der Produktion noch vertrauter werden und die Lehrpläne dem Fabrikleben ihrer Umwelt anpassen. Sie müssen mit den Schülern am sozialen und industriellen Leben des Betriebes teilnehmen( Kampf gegen das Fehlen der Arbeiter, gegen die Trunksucht usw.). Sie haben wirksamere Lehrmethoden auszuprobieren, unter besonderer Berücksichtigung der Projekmethode. Die Tagung in Kiew Da die Fabrikschullehrer auf neuen Bahnen wandeln, haben sie ein ganz natürliches Verlangen nach Erfahrungsaustausch und Gemeinschaftsarbeit. Wie gerufen kam ihnen daher die Losung der Kommunistischen Partei vom sozialistischen Wettbewerb. Und der Wettbewerb führte wiederum zur Tagung in Kiew. Genau gesprochen hatte niemand eine regelrechte Tagung einberufen. Durch Briefwechsel waren sechs 7jährige Fabrikschulen einfach übereingekommen, in der Presse zum allgemeinen Wettbewerb an der Polytechnisierung und Klassenorientierung der Schule aufzurufen und in Kiew ein Treffen für den 25. Oktober anzuregen. Das war die ganze Vorbereitung. Auch keine Sonderkredite wurden für die Tagung in Anspruch genommen, die entstandenen Unkosten deckte die bescheidene Schulkasse. Trotz allem kamen in Kiew 84 Delegierte( 41 Lehrer und 43 Schüler) zusammen. Sie vertraten insgesamt 14.216 Schüler. Die Tagung hatte ein völlig neues Gesicht. Die Lehrerdelegierten aus Russland, der Ukraine, Transkaukasien, der moldavischen Republik, die Fabrikschüler und Fabrikarbeiter( meist aus der näheren Umgebung) prüften gemeinsam, welche Aufgaben der 7jährigen Fabrikschule aus dem Fünfjahresplan erwachsen, wie am besten die gesellschaftsnützliche Arbeit der Schule in der Fabrik zu organisieren ist und welches Arbeitsgebiet die Pioniergruppen in der Schule haben. « Wir brauchen eine engere Anlehnung an die Produktion, jeder Arbeiter muss seine Schule kennen», stellte die Tagung fest. Und die Delegierten verliessen die Räume der Kiewer 7jährigen Fabrikschule, der Petrowsky- Schule, und begaben sich zur Eisenbahnhauptwerkstätte, um dort den Arbeitern in packender Weise die Fabrikschule zu beschreiben und ihnen zu erklären, was sie für die Schule ihrer Kinder tun könnten. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 31 Auf dieser improvisierten Versammlung richtete die Proletarische Fabrik Leningrad an die Kiewer Eisenbahnwerkstätte eine Herausforderung zum Wettbewerb um die wirksamste Organisierung von 7jährigen Fabrikschulen. Den Abschluss der Versammlung bildete eine Strassendemonstration der Kiewer Eisenbahner, Fabrikschulleher und Fabrikschüler. Bald stiessen auch die anderen Fabriken und Schulen zum Demonstrationszuge. So marschierten 3.000 Personen durch die breiten Strassen Kiews und verduzten die Einwohner durch ihre Transparente und Fahnen mit der geheimnisvollen Inschrift« FZS»( SFS, Siebenjährige Fabrik- Schule). Darauf unterzeichneten 28 Fabrikschulen einen 2jährigen Wettbewerbskontrakt. Die Arbeiter sicherten diesen authentischen Arbeiterschulen ihren vollen Beistand zu. So endete die unvergessliche Tagung. Der Initiative der einfachen Lehrer ist sie zu verdanken. Sie hat gezeigt, dass der neuen Schule unerschöpfliche Quellen an Begeisterung und Schaffenskraft erschlossen sind. Die Kiever Tagung hat ihre Aufgabe erfüllt. Sie hat die Oeffentlichkeit, die Partei, die Sowjets und die Lehrerschaft auf die Organisation der 7jährigen Fabrikschule in vollem Masse aufmerksam gemacht und den Delegierten wertvolle Direktiven auf den Weg gegeben. Ein gutes Zeichen ist, dass die Konferenz gerade an dem Tage schloss, an dem der Hausbaltsausschuss des Stadtsowjet von Kiew auf einer Sitzung entschied, dass 3.000 Rubel für die Einrichtung von Werkstätten der 7jährigen Fabrikschulen Kiews auszuwerfen sind. Für den sozialistischen Wettbewerb In dem Kiewer Wettbewerbsvertrag verpflichten sich die Unterzeichneten im wesentlichen zu folgendem: Ausnutzung der gesammelten Erfahrung zur Verbesserung der Lehrpläne der polytechnischen Schule und ihrer Anpassung an das Fabrikmilieu: Organisierung der gesamten Erziehungs- und Unterrichtsarbeit auf Grund des Fünfjahresplanes; Schaffung einer guten Grundlage für eine wahrhaft polytechnische pädagogische Arbeit; Einbeziehung der Kindermasse in den Prozess des sozialistischen Aufbaus im Gegensatz zu einer rein formalen Schularbeit, und demzufolge organische Verschmelzung des sozialen Lebens in Schule und Fabrik; einerseits Vorbereitung der künftigen Bürger für die Aufbauarbeit im Frieden, andererseits ihre Befähigung zur Verteidgung des Landes, das den Sozialismus aufbaut;-Herausstellung des Klassencharakters in der Erziehung, vor allem durch Beitritt der Schüler zu den Pioniergruppen;- Verwendung von Organisationsformen und Methoden, die hohen Gemeinschaftssinn entwickeln( Laboratoriumsarbeiten, von Gruppen ausgeführte Projekte, Schichtarbeit usw.) Jetzt kommt es darauf an, das auf der Kiewer Tagung eingeschlagene Tempo auch in der Alltagsarbeit beizubehalten. Alle 7jährigen Fabrikschulen der Sowjetunion müssen zum sozialistischen Wettbewerb herangezogen werden. Die in Wettbewerb stehenden Schulen erheischen die Aufmerksamkeit des Bildungsarbeiterverbandes und der Unterrichtsorgane. Aus dem sozialistischen Wettbewerb der Schulen sind ganz neue Formen der Schulaufsicht erstanden: die pädagogischen Gemeinschaften( Lehrkörper) besuchen sich gegenseitig und üben dabei eine wechselseitige Kontrolle aus; die Kontrolle liegt ferner bei den Schiedsrichtern des Wettbewerbs, denen die Presse im allgemeinen und die Fachzeitschriften zur Verfügung stehen. Ende Januar gingen die Schiedsrichter des Zentrums und der Peripherie an die Kontrolle des Arbeitsverlaufs heran. Seitdem werden Vorbereitungsarbeiten geleistet für die Herausgabe einer allrussischen Zeitschrift der 7jährigen Fabrikschulen, deren erste Nummer am 30. oder 31. Mai d.J. erscheinen soll. Die Zeit drängt. Aus unserem Vorstoss zur Hebung der Wirtschaft erwachsen neue Pflichten. Im Interesse des Fünfjahresplanes müssen wir intensiv an der 7jährigen, polytechnischen Fabrikschule arbeiten. 32 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Buchbesprechung Alfons Goldschmidt DIE DRITTE EROBERUNG AMERIKAS( Ernst Rowohlt Verlag, Berlin W. 50). Auf gute Statistiken und persönliche Beobachtungen gestützt, gibt uns Alfons Goldschmidt einen umfassenden, lebendigen Einblick in die heutigen Verhältnisse auf dem amerikanischen Kontinent, insbesondere in Lateinamerika. Er zeigt uns Land und Menschen in aller Eigenart und dennoch Verbundenheit im Kampfe für die Unabhängigkeit vom amerikanischen Kapital. Von dem Hintergrund der wechselnden Naturschönheit, der hohen Kunst- und Kulturüberlieferung, den unermesslichen Reichtümern der Länder hebt sich grell die Wirtschaftsnot Lateinamerikas ab. Von allen Reichtümern bleiben dem Lande nur die Löhne, die das ausländische Kapital an die Arbeiter zahlt, und die Steuern an die Regierung. Und immer tiefer dringt der Yankee- Imperialismus in die Industrie und Landwirtschaft ein, bleibt selbst das kleine, ruhige Costa Rica von ihm nicht verschont. Der Verfasser zeigt uns an erschütternden, konkreten Beispielen den Prozess der amerikanischen Expansion, deren Charakter er im« Gespräch über Freiheit in Amerika» schildert als skrupellosen Wirtschaftssinn, innere Durchdrungenheit der Yankee- Kapitalisten von ihrem Recht auf Geschäft dank der Schwerkraft ihres Geldes. Im Munde der Dollarimperialisten wird das Wort Freiheit so zur rücksichtslosen Expansionsfreiheit für sie. Die Lateinamerikaner werden unterjocht, wirtschaftlich ausgesogen, ihre Freiheitsbestrebungen werden kaltblütig unterdrückt. Goldschmidt hat recht, wenn er die führende Rolle der Kopfarbeiter in den bisherigen antiimperialistischen Kämpfen Lateinamerikas unterstreicht, ohne ihre ideologische Schwäche, ihre Verdunkelungspolitik zu leugnen. Mit der Gründung des lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes, der die proletarischen Kräfte auf dem Boden des konsequenten Klassenkampfes eint, ist aber in der Geschichte des dortigen sozialen Kampfes ein Wendepunkt eingetreten. In den Arbeiterreihen des L.G.B. gliedern sich die besten Bildungsarbeiter des Landes ein, ohne wie früher auf die Führung der Kämpfe der werktätigen Massen Anspruch zu erheben. Die uruguanische Lehrergewerkschaft( Sektion der I.B.A. und der R.G.I.) ist für diese Neuorientierung bahnbrechend. 70b Le Gérant: L. VERNOCHET. LA COOTYPOGRAPHIE 11, Rue de Metz, 11 COURBEVOIE( SHINE) 71843 7. Jahrgang Mai- Juni- Juli 1930 Nr. 8-10 B DIE LEHRER INTERNATIONALI GE Archiv Exemplar 77/41175/7 dm BFFIZIELLES ORGAN BER INTERNATIONALE DER BILDUNGSARBEITER Geschäftsbericht der I. B. A. INHALT Die Tätigkeit der Sektionen: Die Tagung der deutschen Mitglieder der I.B.A... Geschäftsbericht zum VI. Kongress: 1. Die Direktiven unseres V. Kongresses und die neuen Probleme. Die gegenwärtige Etappe des Klassenkampfes 2. Gegen den Imperialismus und seine Maske. Gegen die militärische Erziehung und die pazifistische Seuche. Für die Verteidigung der Sowjetunion 3. Gegen den Faschismus, für die internationale Solidarität... 4. Für die Einheit auf revolutionärer Klassenkampfbasis, gegen die Spaltung.... 225 15 20 5. Probleme der Kolonien, Halbkolonien und nationalen Minderheiten. Die I.B.A. und Lateinamerika 21 23 23 6. Die Arbeit unter den Lehramtsstudenten und Junglehrern. Schutz der ausgebeutetsten Kategorien... 26 7. Die kapitalistische Rationalisierung der Schule. Der Kampf um das proletarische Kind 28 8. Unsere Presse und Veröffentlichungen 35 9. Von einem Kongress zum andern 37 Unter faschistischer Kulturreaktion: Bayrische Regierung hetzt Lehrerin zu Tode 40 66 Der VI. Kongress tagt vom 9. bis 12. August 1930 in ANTWERPEN( Belgien), Saal Artes" Lokal des Musikerverbandes, Bahnhofsplatz( Statieplein) 2-3 TAGESORDNUNG 1. Geschäftsbericht der Internationale seit 1928, 2. Schule und soziales Milieu, 3. Lehrerbildung, 4. Die Lage der Lehrerinnen, 5. Die Schule der nationalen Minderheiten und der Kolonien, 6. Die kulturellen Fragen und der Fünfjahresplan. Kommt zum Kongress, wenn irgend möglich! Schreibt wegen Unterkunft an: L. WAUTERS, Courte Rue Runsbroec 31, Antwerpen 7. Jahrgang Mai- Juni- Juli 1930 Nr. 8-10 DIE INTERNATIONALE DER BILDUNGSARBEITER 8, AVENUE MATHURIN- MOREAU- PARIS( XIX) Die Tagung der deutschen Mitglieder DGB Archiv Exemplar stand Endesvorste der I. B. A. VORBEMERKUNG. Wir bringen heute nur eine kurze Würdigung der Tagung. Eine ausführliche Darstellung mit Wiedergabe der Referate, der Diskussion, der langenommenen Resolutionen und des sonstigen Materials wird in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift erscheinen. Am 8. und 9. Juni fand in Gotha die erste Arbeitstagung der deutschen Mitglieder der I.B.A. statt. Zwei Jahre vorher hatten sich viele deutsche Mitglieder anlässlich des V. Weltkongresses der I.B.A. in Leipzig eingefunden. Viele Vertreter und Mitglieder anderer Lehrerorganisationen waren damals erschienen, und das Ergebnis war für Deutschland, dass die I.B.A. bekannt wurde. In einer Reihe von Vereinszeitschriften der Lehrervereine wie auch in der Tagespresse wurden dem Kongress mehr oder weniger ausführliche Besprechungen gewidmet. Besonders wertvoll war es, dass die Arbeiterschaft von den Bestrebungen der I.B.A. erfuhr. Zum zweiten Mal in Deutschland trat die I.B.A. vor die Oeffentlichkeit im vergangenen Jahre anlässlich der Hauptversammlung des Deutschen Lehrervereins in Dresden. Vor 5.000 Lehrern sprachen zwei Mitglieder der I.B.A. zu den beiden Verbandsthemen des Deutschen Lehrervereins in der Diskussion. Sie legten die Auffassung der I.B.A. zu den Fragen« Schule und Wirtschaft>> und< Volks- und Völkerversöhnung» dar. 2.000 Nummern unserer Zeitschrift wurden unter den Lehrern verteilt und von diesen mit ernstem Interesse gelesen. Die Gothaer Tagung war eine Arbeitstagung. Es waren 51 Mitglieder erschienen, eine grosse Zahl, wenn man berücksichtigt, dass jeder Teilnehmer auf eigene Kosten kommen musste. Die Anwesenden kamen aus Berlin, Hamburg, Rheinland, Westfalen, Sachsen, Thüringen, Bayern, Mitteldeutschland, Braunschweig, Hessen. Unter ihnen befanden sich alle Gruppen von Lehrern, mit Ausnahme der Hochschullehrer, also Volksschullehrer, technische Lehrer, Berufsschullehrer, Studienräte, Sonderschullehrer, Schulleiter, Lehrerstudenten. 28 männlichen Teilnehmern standen 23 Frauen gegenüber, ein überaus hoher Prozentsatz! Ferner waren 35 Gäste anwesend, meistens Mitglieder des Thüringer Verbandes proletarischer Freidenker, die zugleich auch Elternbeiräte waren. Ferner einige Vertreter der Arbeiterjugend.Wenn nicht mehr Gäste anwesend waren, so ist das auf die Tatsache zurückzuführen, dass gerade an den beiden 2 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Tagen ein gewaltiges Treffen der Roten Sportler in Westthüringen stattfand, das alle Kräfte der Arbeiterschaft in Anspruch nahm. Als pädagogisches Thema der Tagung war die Frage der Berufsausbildung gestellt worden. Und zwar geschah das, um die enge Verbundenheit der I.B.A.Mitglieder mit dem Proletariat und vor allem der proletarischen Jugend zum Ausdruck zu bringen. Aeusserer Anlass war das im Reichstag zur Beratung gestellte« Berufsausbildungsgesetz», das inzwischen aber aus der Beratung gezogen ist. In Deutschland stehen heute vor der Bourgeoisie brennendere Aufgaben. Die furchtbare allgemeine Wirtschaftskrise, die Finanznot des Reiches, der Länder und der Gemeinden und der Aufbau der Sowjetunion erschüttern die Reihen der Reaktion. Die dem Verhungern preisgegebenen Massen setzen sich immer mehr zur Wehr. Auch die Beamtenschaft wird in den Strudel gezogen und soll sich grosse Gehaltsabzüge gefallen lassen. Dadurch wird die Verbundenheit der Beamten mit den übrigen Arbeitnehmern zwangsläufig gefördert. Wenn auch die Gruppe der Lehrer in Deutschland erst klein ist, die diese Verbundenheit bewusst bejaht, so muss die Entwicklung doch unbedingt in dieser Richtung gehen. Ein Beweis dafür war unsere I.B.A.- Tagung. Das erste Referat hielt ein Nichtlehrer. Es war der Genosse Blenkle der, selber bis vor einiger Zeit Jungarbeiter, und jetzt als Vertreter der Jungarbeiter als jüngster Abgeordneter in den Reichstag geschickt, das Thema der Berufsausbildung behandelte. Es war ein ausgezeichneter Gedanke, das Hauptreferat über diese Frage auf einer Lehrertagung einem Arbeiter zu geben. Es sprachen in der Diskussion ein anderer Jungarbeiter, ferner ein Freidenkervertreter und Elternbeiratsmitglied; ein Junglehrer schilderte die Zustände an dem pädagogischen Institut, an dem er seine Berufsausbildung erhält. In keinem Augenblick Alte Arbeiter hatte man das Gefühl, auf einer Schulmeisterkonferenz zu sein. drückten ihre Freude über die Tatsache aus, dass sich Lehrer so gründlich mit den Sorgen und Nöten der Arbeiterjugend und mit den schulpolitischen Forderungen der Arbeiterschaft beschäftigten und so ihre Berufsaufgabe mit der Sache der Arbeiterschaft verschmolzen. Das vorzügliche Referat mit seinem reichen Material bringen wir noch im Wortlaut, wie auch die beiden anderen Referate. Das Referat, das von der Gewerkschaft der Bildungsarbeiter der Sowjetunion geschickt war, wurde unter behandelte gespannter Aufmerksamkeit aller Anwesenden vorgetragen. Es dasselbe Problem der Berufsausbildung in der Sowjetunion. Es ging aus von der Grundtatsache der Spaltung der bürgerlichen Gesellschaft in< geistige> und< physische» Arbeiter und dementsprechend von der Zerreissung der Berufsausbildung in zwei verschiedene Systeme, von denen das eine die Kinder der herrschenden Klasse zum« Denken und Regieren», das andere die Kinder der Werktätigen zur Ausbeutung erzieht. Das Referat zeigte, wie im Sozialismus der keine Klassen gegensätze mehr kennt, diese Trennung überwunden wird nocł auf Grund der polytechnischen Erziehung. Anschliessend wurden unbekannte Zahlen über die kulturelle Revolution gegeben, die sich zugleich mit den Bedürfnissen des Fünfjahresplanes in der U.S.S.R. vollzieht. solche Zahlen, dass man die Bemerkung des Berliner Tageblattes versteht, wenn es in einem etwas mystischen Wortspiel sagt, man habe bisher Amerika für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gehalten, die Sowjetunion sei aber das Land der unbegreiflichen Möglichkeiten! Es warer Die Ergebnisse der Tagung wurden in einem dritten Referat zusammenUeberblick über die gefasst. Landtagsabgeordneter Ausländer gab einen Geschichte der Berufsausbildung und fasste als Ergebnis der Tagung zusammen: In den kapitalistischen Ländern Verfall; die Kapitalisten können immer weniger den Arbeitern Arbeit geben. Darum hat auch die Frage der Berufsausbildung für sie nur noch eine absteigende Perspektive. Beweis dafür ist der Abbau auf kulturellem Gebiete, den man jetzt in dem sozialdemokratischen Preussen so gut wie in dem faschistischen Thüringen antrifft: Streichung von Millionen für die Volksschule, starker Abbau der Berufsschule, Ueberweisung immer Demgegenüber steht die Sowjetunion grösserer Summen an die Kirchen! - mit ihrer immer schneller wachsenden Planwirtschaft und ihrer kulturellen DIE LEHRER- INTERNATIONALE 3 Revolution, die den Massen der Werktätigen nicht nur Arbeit, sondern auch ständigen kulturellen Aufstieg ermöglichen. An der Seite der revolutionären Arbeiterschaft, an der Seite des Sozialismus ist der Platz für jeden wahren Bildungsarbeiter! * ** Die Tagung trug nicht nur in der Behandlung des Hauptthemas einen internationalen Charakter. Die Solidarität mit dem Vortrupp der Lehrerschaft der anderen Länder kam auch darin zum Ausdruck, dass eine Reihe von Begrüssungen eingetroffen waren. Für das internationale Sekretariat sprach Genosse Cogniot. Schriftliche Grüsse waren eingetroffen von den Sektionen und Gruppen in Frankreich, England, Sowjetunion, Belgien, Schweden, Norwegen, Spanien, Portugal und China. Von den politischen Emigranten aus den Kreisen der mazedonischen Lehrer war ein längeres Schreiben eingegangen. An den Ministerpräsidenten Schivkowitsch in Belgrad wurde ein Protesttelegramın gesandt für die Angeklagten im Veles- Prozess, ferner eine Sympathiekundgebung an die schwer leidenden bulgarischen Kollegen. * sk sk In der anschliessenden gewerkschaftlichen Tagung erstattete der Vertreter des Sekretariats den internationalen Bericht, der die Gesamttagung hinaufhob in den grossen internationalen Zusammenhang; ferner wurde der Bericht der deutschen Leitung über die seit Leipzig geleistete Arbeit gegeben. Die Arbeit in den vergangenen beiden Jahren ist nicht erfolglos gewesen. Die Reihen der Mitglieder sind organisatorisch gefestigt. Trotz ernster Schwierigkeiten hat die I.B.A. in Deutschland ihre Mitgliederzahl behauptet, indem sie diejenigen, die unter dem Druck der verschärften Klassen gegensätze ihre Reihen verlassen haben, durch junge, arbeits- und kampffreudige Kräfte ersetzt hat. Die Zahl der zahlenden Mitglieder hat sich erheblich vermehrt, sodass die Beitragsleistungen an die Internationale gegenüber den vergangenen Jahren zugenommen haben. Ebenso sind die Sammlungen für den Solidaritätsfonds befriedigend verlaufen. Um die Arbeitsgrundlage für die I.B.A. in Deutschland zu verbreitern, wurde auf der Tagung eine erweiterte Leitung gewählt. Gleichzeitig wurde ein Antrag angenommen, dass auf Grund des organisatorischen Zusammenschlusses in Deutschland die deutsche Abteilung nunmehr auch Stimmrecht auf den internationalen Kongressen beansprucht. Die Mitglieder drückten allgemein ihre Befriedigung über die Entwicklung der« Lehrerinternationale» aus. Sie ist jetzt zu einem wahrhaft internationalen Informations- und Kampforgan geworden. Gleichzeitig wurde aber auf das dringendste gefordert, dass zur Propaganda in Deutschland mehr Material über den Aufbau der Sowjetunion zur Verfügung gestellt werden müsse. Man war der Ueberzeugung, dass heute der Hunger nach Nachrichten über den Kulturaufbau in der Sowjetunion schon so gross unter der deutschen Lehrerschaft sei, dass man in Deutschland Verleger für derartige Literatur leicht finden könne. Die Tagung wird von grosser Bedeutung für die Arbeit in Deutschland sein. Ihr wichtigstes Ergebnis ist, dass sie uns die bisher noch nicht erreichte Verbindung mit den Lehrerstudenten gebracht hat. Auf der Tagung traten eine Es ist uns Anzahl von Lehrerstudenten der deutschen I.B.A.- Gruppe bei. gelungen, sie zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzufassen. Wir haben bereits in der Mehrzahl der Lehrerbildungsanstalten Vertrauensleute, die Werbearbeit für uns übernommen haben. Einen breiten Raum in der Besprechung nahm die weitere Werbearbeit unter den Lehrern ein. Es soll dazu ausser der oben erwähnten Russlandliteratur werden. Intensivste vor allem die proletarische Pädagogik ausgenützt Durch die immer Werbearbeit wurde allen Genossen zur Pflicht gemacht. stärkere Verschärfung der Klassengegensätze, durch die immer schärfere Heranziehung auch der Beamten zur Tragung der Lasten des Kapitalismus, der keinen Ausweg mehr weiss, werden die Beamten und mit ihnen die Lehrer immer weniger willig, dieses System der Ausbeutung der Schwächeren zu verteidigen. Sie werden schwankend in ihrem Glauben an den Kapitalismus. Die Entwicklung 4 DIE LEHRER- INTERNATIONALE unter der Lehrerschaft in dieser Richtung weiterzutreiben, ist unsere dringendste Aufgabe. Die Tagung hat vor allem die eine grosse Bedeutung, dass sie dem letzten Teilnehmer die grosse Rolle der I.B.A. als der einzigen wahrhaft internationalen Lehrerorganisation klar machte, die alle Lehrer der Welt zu umfassen vermag, im Gegensatz zu den Internationalen der weissen Rasse, die im letzten Grunde nur Vereinigungen nationalistischer Verbände sind, die im Kampfe zwischen << ihren» Bourgeoisien und den kolonialen und halbkolonialen Völkern auf seiten ihrer Bourgeoisie stehen, die jederzeit wieder bereit sind, denselben Weg zu gehen, wie die sogenannten internationalen Lehrerorganisationen vor dem ersten Weltkriege, nämlich als Chauvinisten in einem neuen Weltkriege über einander herzufallen oder sich an einem Interventionskrieg gegen die Sowjetunion im Interesse des Kapitalismus zu beteiligen. Der Gesang der Internationale, als der wirkliche Ausdruck der internationalen Verbundenheit, beendete die Tagung! Bericht zum VI. Kongress der I. B. A. ( 9.- 12. August 1930, Antwerpen- Belgien) über die Tätigkeit der Internationale seit dem Leipziger Kongress( April 1928) I.- Die Direktiven unseres V. Kongresses und die neuen Probleme Die gegenwärtige Etappe des Klassenkampfes Nach dem V. Kongress Die gefassten Beschlüsse Der V. Kongress der I.B.A., der im April 1928 in Leipzig tagte, hat nach Ratifizierung des Anschlusses der Sektionen in China( Hupe), Schottland und Uruguay für unsere Organisation allgemeine Richtlinien festgelegt. Er umriss die wichtigsten Probleme, vor denen sich die revolutionäre Bildungsarbeiterbewegung gestellt sah. Als konkreten Niederschlag dieser Arbeit haben wir den Aufruf des Generalsekretariats an die Lehrerschaft aller Länder( Juli 1928), der unsere Aufgaben auf folgende Formel brachte: Einheitsfront auf Basis des Kampfes um die täglichen praktischen Forderungen ohne Abschwächung des Endziels; Kampf für die Verbesserung der Lage der Lehrerschaft auf Grund der vom IV. Kongress der I.B.A.( Wien) angenommenen Gewerkschaftlichen Forderungen, wobei Gehaltserhöhung und bessere Arbeitsbedingungen nach wie vor in unserem Kampfe als wichtigste Losungen gelten; DIE LEHRER- INTERNATIONALE 5 Hervorkehrung der Notwendigkeit des Kampfes für die Junglehrer, die Lehramtsstudenten und kolonialen Lehrer unter dem Joche des Imperialismus, sowie des Kampfes für die Gleichstellung der Lehrerinnen mit den Lehrern in materieller und rechtlicher Beziehung; Konkretere Aufziehung des Kampfes gegen die Stellenlosigkeit; Im Hinblick auf die allgemeine Verstärkung der Offensive der Bourgeoisie, Uebergang zum festen Schliessen unserer Reihen, zur Erweiterung unseres Einflusses unter der Masse der Volksschullehrer, zum intensiveren Kampf gegen den imperialistischen Krieg, gegen die Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion, gegen die imperialistische Ideologie in der Schule, gegen die Militarisierung der Schule; Notwendigkeit eines entschiedenen Kampfes gegen die Verfolgung der Lehrer und die Verhaftungen wegen politischer Meinungsdelikte, gegen die Zerstörung der Lehrerorganisationen im Hinblick auf die Lage zur Zeit des V. Kongresses; Als ganz besonders aktuelles Problem engere Gestaltung der Beziehungen zur proletarischen Internationale der ehemaligen Frontkämpfer und zur Liga gegen Imperialismus, unbeschadet unseres Kampfes gegen die pazifistische Lüge, gegen das Geschwätz über die Verwirklichung des« Friedens durch die Schule» und gegen die pazifistischen Organisationen, deren Wirken blosszulegen ist, und denen wir entschieden den proletarischen Antimilitarismus entgegenzusetzen haben, um gemeinsam mit dem Proletariat an der Abschaffung des Kapitalismus zu arbeiten; Kampf gegen den Klerikalismus mit seiner zunehmenden reaktionären Umklammerung der Schule und engere Verbindung in diesem Kampfe mit den proletarischen Freidenkerorganisationen; Wir dürfen der Bourgeoisie nicht gestatten, die Lehrerschaft durch ihren angeblichen Verteidigungskampf für die weltliche Schule zu täuschen; wir selbst müssen den Kampf gegen den Klerikalismus und die Bourgeoisie auf proletarischer Klassenbasis organisieren»; Gegenüber der Spaltungsarbeit der Amsterdamer Internationale in bezug auf die I.B.A., Weiterverfolgung unserer Einheitslinie auf dem Boden des Klassenkampfes und Aufruf an die Lehrer der ganzen Welt, die die Stellungen des klassenbewussten Proletariats verteidigen, sich der I.B.A. anzuschliessen und Schulter an Schulter mit dem Proletariat gegen die Offensive des Kapitalismus anzukämpfen; od ob deur Verstärkung der Bande mit dem Generalsekretariat, Verstärkung der proletarischen Klassendisziplin, entschiedener Widerstand gegen alle Versuche, unsere Reihen zu spalten, von wo sie auch ausgehen mögen. -fois Zusammenfassend wurde im Aufruf erklärt: << Nur unter obigen Voraussetzungen, nur durch Zusammenschluss unserer Reihen, die dank der proletarischen Disziplin wie aus einem Guss aufstreben müssen, wird es der I.B.A. ermöglicht, sich zu entwickeln, ihre Arbeit zu vertiefen und mit der Arbeiterklasse zusammen die Gründung einer einheitlichen, kampffähigen, gewerkschaftlichen Klasseninternationale anzustreben.» Wie konnten nun alle diese Probleme gelöst werden? is slettaa sib Die Arbeit des Exekutivkomitees baft Seit dem V. Kongress, auf dem diese Direktiven erteilt wurden, ist das Exekutivkomitee zweimal zusammengetreten im Dezember 1928 und im August 1929. Im Dezember 1928 erhob die Exekutive warnend die Stimme gegen die beginnende Rationalisierung im Schulwesen. Die Sie stellte, selbst an Hand der gegnerischen Presse, den grossen Erfolg fest, den die Leipziger Pädagogische Ausstellung und die Pädagogische Tagung gehabt haben. Sie verbuchte die Ergebnisse der Apriltagung des Generalrats des Amsterdamer Internationalen Berufssekretariats der Lehrer( I.B.L.), aus denen hervorgeht, wie sehr wir recht hatten, seinerzeit die Gründung des I.B.L. als schädlich für die Einheit und die in der I.B.A. verwirklichte Einheitsfront zu beurteilen. Sie hob hervor, wie stark der antiproletarische Charakter der Internationalen Vereinigung( I.V.) auf ihrem Berliner Kongress im April 1928 zu Tage getreten ist. Sie solidarisierte sich mit dem Aufruf des norwegischen und finnischen Gewerkschaftsbundes zugunsten der vollständigen internationalen Gewerkschaftseinheit, worauf einzig und allein die Rote Gewerkschaftsinternationale in der Folge eine günstige Antwort gegeben hat. 6 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die Exekutive betonte die Notwendigkeit, die gewerkschaftliche Schulung der Mitglieder zu organisieren, die aktiven Kader an jungen Elementen zu stärken, in den Landessektionen eine geregeltere und systematischere Gewerkschaftstätigkeit zu sichern. Im August 1929 billigte die Exekutive eine Reihe von Beschlüssen des Sekretariats, wie die Teilnahme am Berliner Antifaschisten- Kongress, an der Erweiterten Exekutive der Internationale der Ehemaligen Frontkämpfer am 24. März, die zwecks Vorbereitung eines Weltkongresses gegen den Krieg zusammengetreten war, und an dem Internationalen Kampftag des Ersten August gegen den imperialistischen Krieg und für die Verteidigung der Sowjetunion. Sie nahm den Beitritt der revolutionären japanischen Bildungsarbeiterorganisation und des Allgemeinen Vereins der Lehramtsstudenten Frankreichs an. Sie hatte sich zur Entwicklung der Bewegung der Lehramtsstudenten, insbesondere in Frankreich, zu äussern und tadelte die Haltung der Leitung der Departementsgruppe Finistère unserer französischen Sektion im Seminaristenstreik von Quimper. Sie betonte die Notwendigkeit, die Organisierung der Lehramtsstudenten in allen Ländern zu verfolgen und ein Internationales Büro der Proletarischen Studenten( Pädagogische Abteilung) zu schaffen. Neue Probleme Im Verlauf der fast 2 1/2 jährigen Arbeitsperiode mussten notgedrungen neue Probleme auftauchen. Wir erinnern hier an den Kampf gegen die Spaltung in Belgien, gegen die Abweichungen von der Klassenlinie in Frankreich, gegen die wachsende Unterdrückung und die Gefahr der Illegalität, die auf den leitenden Organen unserer Internationale lastet, an den Kampf für die Unterstützung des sowjetistischen Bildungsarbeiterverbandes und der ganzen Sowjetunion unter Anpassung an die neuen Bedingungen, die sich aus der Durchführung des Fünfjahresplans, dem Aufbau des Sozialismus und der verdoppelten ideologischen und materiellen Vorbereitung des Antisowjetkrieges ergeben. Auf letzten Punkt kommen wir noch zurück. Prüfen wir zunächst die drei ersten Punkte. Die Spaltung in Belgien und die« Evolution» des Reformismus Seit Anfang 1928 hat der Amsterdamer Internationale Gewerkschaftsbund ( I.G.B.) seine Kampagne für den erzwungenen Austritt der belgischen Sektion der I.B.A. sehr viel intensiver gestaltet. Die belgische Zentrale der sozialistischen Lehrerschaft sah sich mit dem Ausschluss aus der Belgischen Arbeiterpartei bedroht. Die aktiven internationalistischen Elemente wurden öffentlich von dem rechten Flügel der Zentrale als« kommunistische Rädelsführer» bezeichnet und so der Unterdrückung preisgegeben. Die sozialistischen Abgeordneten machten ihr Eintreten für die unmittelbaren Forderungen der Zentrale von ihrem Bruch mit der internationalen Einheitsbewegung abhängig. Auf dem Wiener Generalrat im April 1928 beschloss das I.B.L., Amsterdam zu bitten, einen entschiedeneren Einfluss auf seine Lehrerorganisationen auszuüben, um sie zum Anschluss an das I.B.L. zu bringen. Und das war sogar der Hauptzweck des Wiener Generalrates. Schliesslich sandte Mertens, der Sekretär der Belgischen Gewerkschaftskommission( Allgemeiner Gewerkschaftsbund), an die Zentrale ein Ultimatum, bis Mai 1929 befristet. So kam es zum Kongress der Zentrale im Dezember 1928. Die rechten Redner betonten nachdrücklich die Notwendigkeit, die Amsterdamer« Disziplin» zu respektieren. Mittels dieses Drucks und vieler anderer Machenschaften beschloss die Mehrheit des Kongresses, auf die Tagesordnung des kommenden Landesausschusses den Beitritt der Zentrale zum Amsterdamer I.B.L. und ihren Austritt aus der I.B.A. zu setzen, lehnte die Kongressmehrheit den Geschäftsbericht der I.B.A.( zu dem sich die Zentrale in Leipzig nicht geäussert hatte) ab, nahm sie eine« Note» an, die den Bruch der Beziehungen der I.B.A. zur Roten Gewerkschaftsinternationale bezweckte. Als die Exekutive der I.B.A. einige Tage später zusammentrat, erinnerte sie an die einstimmige Entschliessung unseres Wiener Kongresses, in welcher die Gründung des I.B.L. verdammt wird. Die Exekutive verwarf die Anmassungen der Note» Bracops- Heyne und betonte, gestützt auf die Statuten der I.B.A., die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Beziehun< allen proletarischen Klassenorganisationen». Die Exekutive beauftragte das Sekretariat, vor der Oeffentlichkeit die Kongressbeschlüsse der Zentrale zu analysieren, soweit sie die in der I.B.A. verwirklichte Einheit gefährdeten. gen zu DIE LEHRER- INTERNATIONALE 7 Am 24. März 1929 tagte der Landesausschuss der belgischen Zentrale, um die internationale Frage zu lösen. Die Dokumente, die das Exekutivkomitee und das Sekretariat der I.B.A. zu der aufgeworfenen Frage geliefert hatten, wurden faktisch unterdrückt durch sozialfaschistische Methoden( Verhindern des vorgesehenen Besuchs der Ortsgruppen der Zentrale durch ein Sekretariatsmitglied, Vertuschen des Aufrufs vom Sekretariat der I.B.A. an den Landesausschuss der Zentrale, Unterdrücken der Stimme des Sekretariatsdelegierten am 24. März). Ausserdem Abwürgung der Diskussion auf dem Landesausschuss selbst. Trotz allem wurde der Austritt aus der I.B.A. nur durch 2.207 Stimmen gegen 1.253, bei 50 Stimmenthaltungen erreicht. Im August 1929 stellte die Exekutive der I.B.A. gewisse Schwächen seitens des Sekretariats in der Verteidigung der richtigen Einheitslinie der I.B.A. gegen die rechten Spalter zu Anfang des Jahres 1929 fest und beauftragte es, eine energische Werbekampagne für die I.B.A. unter der belgischen Lehrerschaft zu betreiben. Diese Aufgabe wurde in den folgenden Monaten durchgeführt, es bildete sich eine belgische Gruppe von Einzelmitgliedern der I.B.A. Unmittelbar darauf ging die Spalterleitung der belgischen Zentrale daran, ihren Mitgliedern den Einzelanschluss an die I.B.A. zu untersagen, und die belgische Exekutive erklärte, sie werde auf dem Landesausschuss, der am 23. Februar 1930 zusammentreten sollte, dieses Verbot vorschlagen. Das Sekretariat der I.B.A. tagte im selben Monat und rief die revolutionären Mitglieder der Zentrale auf, noch energischer als je den Kampf für die Zunahme des Einflusses der I.B.A. in Belgien zu führen. Dieser Aufruf fand Widerhall. Das energische Vorgehen der belgischen Anhänger der I.B.A. bewirkte zunächst die Vertagung der Frage des Einzelanschlusses durch den Landesausschuss bis zum Kongress der Zentrale im Monat April, und dann die nochmalige Vertagung durch den Kongress bis zur nächsten Sitzung des Landesausschusses. Wir appellieren an die sozialistischen Lehrer Belgiens, mit erhöhter Kraft vorzustossen, um die Unterdrückung einer diesbezüglichen Debatte auf der zahlenmässig beschränkten Tagung des Landesausschusses zu verhindern. Nach dem Bankrottkongress der Zentrale im April 1930, der unter dem Zeichen der Spaltung( Ausschluss der Antwerpener Bezirksgruppe) und der Ohnmacht in bezug auf die beruflichen Forderungen stand, rufen wir die sozialistischen Lehrer Belgiens auf, sich zusammenzuschliessen zum Kampfe um die Losungen, die wir in unserem französischen Bulletin vom April 1930 ( Seite 32) aufgestellt haben: « Antwortet auf die Spaltungsmassnahmen der Leiter durch Einzelanschluss an die I.B.A.! << Wirkt für Streichung des Beschlusses des Landesausschusses zum Austritt aus der I.B.A.! « Solidarisiert Euch mit dem Aufruf des Generalsekretariats der I.B.A. « Hände weg von der Sowjetunion!>> < Erzwingt die Aufhebung des Ausschlusses der Antwerpener Bezirksgruppe, setzt dem verbindlichen Anschluss der Gewerkschaften an die Belgische Arbeiterpartei ein Ende! « Nieder mit den Subsidien für die Dunkelmänner! Tab Organisiert die Verteidigung der Junglehrer und Lehramtsstudenten, der stellenlosen Lehrkräfte und Schulamtsbewerber, kurz aller übergangenen Kategorien! Fordert den gleichen gleitenden Gehaltsteil für alle!»( dieselbe Teuerungszulage für alle Lehrer ganz gleich welchen Alters). * ** Die Ereignisse in Belgien sind lediglich eine ganz akute Phase des Kampfes, den der Amsterdamer I.G.B. seit 1928 gegen die proletarische Einheit und für die Eingliederung der Gewerkschaften in den Apparat der Bourgeoisie führt. Dieser Abschnitt in der Geschichte des I.G.B. ist reich an Rekorden. Am 1. Dezember 1929 Ausschluss der englischen Möbelarbeiter und der finnischen und norwegischen Holzarbeiter( durch den 7. Internationalen Holzarbeiterkongress); Ausschluss des norwegischen Bauarbeiterverbandes durch die Bauarbeiter- Internationale wegen des Paktes, den dieser Verband mit den Sowjetarbeitern geschlossen hatte; Ausschluss der finnischen Sektion der LandarbeiterInternationale, weil sie ein Abkommen mit den Sowjetarbeitern unterzeichnete; Zerfall der Nahrungsmittel- Internationale, usw. 8 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Warum dieser Terror gegen die revolutionären Elemente, gegen die<< Gewerkschaftsopposition>? Seit dem V. Kongress der I.B.A. sind die reformistischen Gewerkschaftszentralen definitiv in den Dienst der Bourgeoisie getreten, hat sich die vollständige Unterordnung der reformistischen Gewerkschaftsleitungen unter die Unternehmerverbände und den kapitalistischen Staat vollzogen. Diese tiefgehende Erscheinung erklärt das ganze Vorgehen der reformistischen Gewerkschaftsorganisationen. Aus den reformistischen Gewerkschaften wurden die Verfechter des konsequenten Klassenkampfes ausgeschlossen. Die Mitglieder wurden gezwungen, sich durch Unterschrift zu verpflichten, auf jegliche revolutionäre Tätigkeit zu verzichten. So geschah es auch im Unterrichtswesen, in Paris wie in Berlin. Die reformistischen Gewerkschaftsleiter haben immer mehr Zeit für eine der Bourgeoisie direkt nützliche( bezahlte) Tätigkeit verwendet: als Mitglieder der Wirtschaftsräte, der Schiedsgerichte, der Genfer Einrichtungen, der Redaktion bürgerlicher Zeitungen, bürgerlicher Radiotrusts, ja sogar im Verwaltungsrat von Aktiengesellschaften der Kolonien oder Mutterländer. Die gegenseitige Durchdringung der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie und des kapitalistischen Apparats liegt auf der Hand. y Am klarsten kommt der faschistische Charakter der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie in ihrer streikbrecherischen Tätigkeit zum Ausdruck. Greifen wir nur den Streik der Berliner Rohrleger heraus, in dessen Verlauf die reformistischen Gewerkschaften auf eigene Kosten Streikbrecher aus der Provinz kommen liessen, den Bergarbeiterstreik in der Tschechoslowakei, wo die reformistischen Verbände ihre arbeitslosen Mitglieder aufforderten, die Streikenden am Arbeitsplatz zu ersetzen, den Hennigsdorfer Metallarbeiterstreik, bei dem die Gewerkschaftsführer eine Streikversammlung einberiefen, um den Streik abzuwürgen, und wobei sie teilweise auch Erfolg hatten. - - Uebrigens beschränken sich die Reformisten nicht auf<< friedliche>>> Aktionsmittel gegen die Arbeiter. Sie sind dazu übergegangen, den Streiks mit Gewalt ein Ende zu setzen durch Schaffung von Sturmkolonnen auf die Streikposten und aktive Unterstützung der Polizei. Sind beim Hamburger Hafenarbeiterstreik nicht etwa Kolonnen des reformistischen Verbandes mit Gewalt gegen die Streikposten vorgegangen? Verfuhr man nicht genau so beim polnischen Bergarbeiterstreik, beim Warschauer Metallarbeiter- und Strassenbahnerstreik? Stiessen nicht 1929 in Bombay die Textilarbeiter der revolutionären Vereinigung Giormi Kangar auf den Widerstand der reformistischen Gewerkschaft Seite an Seite mit der Polizei, der Armee und Unternehmerorganisation? Haben wir jetzt nicht dieselbe Lage im Streik der Peninsular Railway erlebt? Ja, die ganze Entwicklung des Klassenkampfes führt uns unweigerlich zum Kampfe gegen die reformistische Bürokratie. Französische Fragen Anfang August 1928 hatte das Sekretariat der I.B.A. an den Kongress der französischen reformistischen Lehrergewerkschaft( Syndicat National) eine Botschaft gerichtet. Die Führer, die diese Botschaft fürchteten, haben sie einfach dem Kongress vorenthalten. Unter diesen Umständen veröffentlichte das Sekretariat der I.B.A. im August 1929 einen offenen Brief an alle Mitglieder der reformistischen Lehrergewerkschaft. In diesem Brief wird aufgedeckt, welche systematische Unterstützung die Kader des Syndicat National der Regierung und der Reaktion gewähren, wie sie im internationalen Masstabe am Spaltungswerk beteiligt sind, kurz, dass die Kader des Syndicat National endgültig einen wesentlichen Bestandteil des Räderwerks der Bourgeoisie bilden. Aus diesen Tatsachen zogen wir die logischen Folgerungen und forderten die fortschrittlichen Lehrer des Syndicat National auf, die Führer zu beseitigen und der unitarischen Lehrergewerkschaft beizutreten. Dieser Schritt des Sekretariats der I.B.A. entspricht durchaus dem Urteil, das unsere Exekutive im selben Monat über die immer systematischer erfolgende Zusammenarbeit der Reformisten mit der Bourgeoisie als typisches Merkmal eines neuen Abschnitts fällte. Das Sekretariat musste sein Augenmerk aber auch auf gewisse Tendenzen DIE LEHRER- INTERNATIONALE 9 im Schosse unserer französischen Sektion selbst lenken. In bezug auf die französische Sektion war unser Sekretariat von dem Gedanken beseelt, dass unsere Organisation auf dem Boden des konsequenten Klassenkampfes steht und zu stehen hat, dass unsere ausführenden Organe bei Abweichungen in irgend einer Sektion diese Sektion darauf aufmerksam machen müssen, worin nicht im geringsten eine unkorrekte Haltung zu erblicken sein könne. Eine gegenteilige Haltung vielmehr wäre unkorrekt, wäre Verneinung, Verrat des Mandats, das die Kongresse erteilt haben. Am 13. Oktober 1929 brachte das offizielle Organ der französischen Sektion der I.B.A.,« Emancipation», eine Plattform, unterzeichnet von einer Mitgliedergruppe, den« Zentristen». Diese Plattform war der Niederschlag ihres Kampfes gegen die Taktik der revolutionären Gewerkschaftsbewegung Frankreichs angesichts der schnellen Verschärfung der Klassengegensätze( Taktik des V. Kongresses des unitarischen Gewerkschaftsbundes, dem die französische Sektion der I.B.A. angeschlossen ist). In dieser Plattform wurde die I.B.A. angegriffen. Die Leitung der I.B.A. entgegnete darauf mit einer Sondererklärung, die sie durch ihren Vertreter auf der Sitzung des Verbandsausschusses der französischen Sektion Ende Dezember 1929 vorlesen liess. Mit einer Stimme Mehrheit verweigerte der Verbandsausschuss die Veröffentlichung dieser Erklärung in der « Emancipation>>, obwohl darin die Angriffe gegen die I.B.A. erschienen waren. In der Erklärung wird in erster Linie hervorgehoben, dass die glatte Verneinung einer Radikalisierung der werktätigen Massen, wie sie in der Plattform vom 13. Oktober zum Ausdruck kommt, Erstaunen hervorrufen muss; denn auf der Exekutivsitzung der I.B.A. im August 1929 wurde das Vorhandensein einer gewissen Radikalisierung selbst unter der Lehrerschaft und den Lehramtsstudenten festgestellt, und zwar auch vom Sekretär der französischen Sektion, einem Mitglied der Exekutive der I.B.A., der zwei Monate später nun die Oktober- Plattform unterzeichnete. In bezug auf die Radikalisierung der Massen führt das Sekretariat der I.B.A. in der Erklärung den klaren Standpunkt seiner Exekutive aus und bringt ihn auf Frankreich in Anwendung. Gestützt auf die in Belgien beobachteten Vorgänge, spricht sich das Sekretariat auch gegen die Furcht vor dem politischen Kampf aus, die in der Plattform vom 13. Oktober bekundet wird. Es erinnert daran, dass die Führer der reformistischen Spalter den Kampf gegen die I.B.A. auf dieselbe Weise geführt haben, indem sie« den Bruch mit den kommunistischen Organisationen» forderten.« Es liegt auf der Hand, erklärt das Sekretariat, dass die gegenwärtige Strömung von derselben Seite herrührt. Wer sich von dieser Strömung mitreissen lässt, leistet den Feinden der Arbeiterklasse, den Feinden der I.B.A. Vorschub». Gegen die zentristische Plattform bringt das Sekretariat auch den Standpunkt der Exekutive vom August 1929 betreffend den Streik in Quimper vor. Bekanntlich wurde dieser Streik durch die anarcho- syndikalistische Richtung der Departementsgruppe Finistère unserer französischen Sektion gebrochen. In bezug auf das von der französischen Sektion herausgegebene Geschichtsbuch verweist das Sekretariat auf die Kongressbeschlüsse der I.B.A. gegen den Pazifismus, den Kolonialismus, den Idealismus, mit einem Wort gegen die kleinbürgerliche Pädagogik. Ferner antwortet das Sekretariat auf die Anschuldigung, es habe um jeglichen Preis eine Einheitsfronttaktik durchgeführt und reformistische Illusionen gepflegt.« Niemals hat die I.B.A., erklärt das Sekretariat, ihre Hauptlinie preisgegeben nicht Kampf für die Einheit um jeden Preis, sondern Kampf für die Einheit auf dem Boden des Klassenkampfes.» Ganz im Gegensatz zu den Kombinationen an der Spitze, wie sie von der Leitung der französischen Sektion zweimal im Jahre 1929 verfolgt wurden, vertritt das Sekretariat den Standpunkt seiner Exekutive von der Einheitsfront der Massen. Schliesslich geht das Sekretariat auf die statutenmässigen Rechte und Pflichten des Exekutivkomitees gegenüber den Landessektionen ein:<< In dem Teil der Plattform vom 13. Oktober, der sich auf die I.B.A. bezieht, betonen die Unterzeichneten einerseits die engen Beziehungen der französischen unitarischen Lehrergewerkschaft zur I.B.A. und andererseits drücken sie ihre Unzufriedenheit darüber aus, dass die I.B.A. sich in die Tätigkeit der Sektionen einmische. Wir dagegen betonen, dass die I.B.A. weder ein Postamt noch ein Reisebüro ist, sondern eine internationale Kampforganisation, die von ihren Sektionen die Befolgung der internationalen Disziplin fordert( Statuten, Art. 10, c) und die statutengemäss ( Art. 9) die Ueberwachung und Leitung des Kampfes der angeschlossenen Sektionen zum Ziel hat.»>> 10 10 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die Seitden wir diese Erklärung abgegeben haben, mussten wir feststellen, dass die Mehrheit der Leitung unserer französischen Sektion eine Haltung an den Tag legt, die der Klassenkampfbewegung der Arbeiterschaft noch schädlicher ist. meisten Leiter der französischen Sektion machen den Eindruck von Deserteuren, die der Kampffront den Rücken kehren in dem Augenblick, in dem sich der Klassenkampf zuspitzt. Die Generaloffensive gegen die I. B. A. Das Zögern und Schwanken, das sich in den Reihen der organisierten Bildungsarbeiter bemerkbar macht, ist lediglich ein Ausfluss der allgemeinen Verschärfung des Klassenkampfes und insbesondere des wachsenden Drucks, den die Diktatur des Kapitals auf die Lehrerschaft ausübt. Schon vor Jahren veröffentlichten wir in unserem Bulletin den Briefwechsel zwischen früheren Diplomaten des Zaren, den Agenten der Entente gegen die Dritte Internationale( Genfer Liga Aubert), betreffend Organisierung des Kampfes gegen die<< Rote Lehrerinternationale». unsere Neu an dieser Kampagne ist, dass jetzt die Drohungen gegen Internationale immer deutlicher werden. Unser internationales Zentrum sieht sich effektiv der Möglichkeit ausgesetzt, als illegal erklärt zu werden. Vom Journal de Genève zum Pariser Temps, vom Ami du Peuple zur Bombayer Indian Daily Mail, von den Zeitungen Uruguays zu den Zeitungen Belgiens, in der ganzen Welt unternimmt die Presse eine Kampagne gegen unsere Gewerkschaftsinternationale und gegen die Sowjetschule. Diese Kampagne gipfelt immer wieder zusammenfassend in einem Aufruf an die Regierungen, an die französische Regierung im besonderen, zur« Zerstörung» unseres« Aktionszentrums>>. Die französische grosskapitalistische Zeitung« Temps> macht im Leitartikel vom 13. Mai 1930 da sie nicht die wahren Ursachen, d.h. die imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung eingestehen kann die Sowjetunion für den kürzlichen Aufruhr in Indochina verantwortlich und fügt hinzu:« Wir werden niemand in Erstaunen versetzen, wenn wir darauf verweisen, dass gewisse Infektionsherde besser durch die Regierung des Mutterlandes zu treffen sind als durch die Regierung in Hanoi. Die meisten Flugblätter, Broschüren und Zeitungen werden in Paris, in Frankreich gedruckt. Von diesen Veröffentlichungen ist das Bulletin der Lehrerinternationale, das sich insbesondere an die eingeborenen Lehrer richtet, eine der gefährlichsten Waffen in der Hand der Verächter der Ordnung. Die Zusammenarbeit zwischen der Polizei des Mutterlandes und der Kolonialpolizei muss also hergestellt werden und sich dringendst in vorbeugendem Sinne auswirken.» Klarer kann man sich wirklich nicht ausdrücken. - es In einigen der demokratischsten Länder, wie Deutschland, steht augenblicklich so, dass die Mitgliedschaft zur I.B.A. für einen Junglehrer etwa dem Verzicht auf jegliche Aussicht auf eine Stelle gleichkommt. In vielen anderen Ländern faschistische Staaten, Lateinamerika, koloniale und halbkoloniale Länder läuft der Anschluss an die I.B.A. und ein Auftreten als Mitglied der I.B.A. auf eine Anwärtschaft auf das Gefängnis hinaus, wenn nicht auf das höchste Opfer, das ein Mensch bringen kann, in Nachfolge unserer Genossen von China, Indochina, Indien usw. Da sieht man, in welcher Umgebung unsere Organisationen arbeiten müssen. Einen neuen Wutanfall bekam die bürgerliche Presse bei den ersten Erfolgen des internationalen revolutionären Wettbewerbs, den die I.B.A. organisiert hat. Der Wettbewerbskontrakt, der zwischen der Departementsgruppe Seine unserer französischen Sektion und sibirischen Organisationen des sowjetistischen Bildungsarbeiterverbandes geschlossen wurde, gab zu verdoppelten Angriffen Anlass( Siehe z. B. Journal de Genève, 1. Mai 1930). Auf allen Stellungen der kapitalistischen Welt unternimmt die Bourgeoisie eine verzweifelte Offensive, um die Leitung der revolutionären Arbeiterbewegung zu brechen und so die revolutionäre Arbeiterschaft zu verwirren. Dabei lässt die Bourgeoisie aller Länder unsere Internationale nicht leer ausgehen. In Australien steht das Bulletin der I.B.A. seit langem unter Zensur, auch heute noch unter der Arbeiterregierung, eine ungeheure Geldstrafe droht dem Empfänger unseres Bulletins. In Uruguay fällt die kapitalistische und reformistische Presse in den Chor der Presse der imperialistischen Grossmächte ein. In Polen widmet der Lehrerverein, der... der Internationalen Vereinigung der Lehrerverbände angeschlossen ist, unserer Arbeit einen Sonderartikel voller Verleumdungen und Denunziationen. Wir haben darauf mit einem Sonderbulletin in polnischer Sprache Ende 1928 geantwortet. DIF. LEHRER- INTERNATIONALE 11 Ganz kürzlich, als die südafrikanische Regierung ein Terrorgesetz gegen die Rede-, Presse- und Vereinsfreiheit verabschiedete, zitierte der Justizminister in erster Linie die I.B.A. als Hilfsorganisation der Kommunistischen Partei und betonte ihre Verbindung mit der antireligiösen Bewegung in der Sowjetunion. Voller Abscheu verwies er auf das Bestehen von drei Gruppen der I.B.A. in Südafrika! Die Verurteilung der verantwortlichen Gruppenleiter der I.B.A. durch die südafrikanische Justiz zu hohen Geldstrafen und Zahlung der Gerichtskosten in Höhe von 80 Pfund Sterling( 1.600 Mark), die gleichzeitigen Auslassungen des Justizministers, dieses guten Dieners des Imperialismus, über die I.B.A., das Werkzeug von Moskau, seine Aufmunterung zum Kampf gegen die I.B.A. in Verbindung mit dem Kampf gegen die Kommunistische Internationale und die U.S.S.R., das ist klar und deutlich die gemeinsame Formel für alle gegen uns gerichteten Angriffe, von wo sie auch ausgehen mögen. - - Für jeden Anhänger unserer Internationale ist der Augenblick gekommen, sich die Frage zu stellen, wohin er als Einzelner geht, wohin ihn seine Gruppe steuert, Unterwerfung unter den zunehmenden Druck des Kapitals oder vorbehaltlosen Eingliederung in die revolutionäre Bewegung der Massen. zur zur Der Augenblick ist gekommen, unverhohlen Stellung zu nehmen. Das erfordert von uns die Verschärfung des sozialen Kampfes, wovon die verschärfte Unterdrückung nur ein wesentlicher Bestandteil ist. Die Entwicklung der Weltkrise Gestützt auf Tatsachen, auf die um sich greifende Streikwelle in Frankreich, die blutigen Berliner Mai- Kämpfe 1929, die Lage in Polen( Lodz), den Konflikt im Ruhrgebiet, die Bombayer Streiks usw., verwies unsere Exekutive im August 1929 auf die Zuspitzung des Klassenkampfes, die zunehmende, deutliche Erschütterung der kapitalistischen Stabilisierung, den revolutionären Aufschwung. Die folgenden Monate haben dieser Analyse recht gegeben. Die Kämpfe der Arbeiterschaft gewannen an Breite, nahmen immer ausgesprochener einen politischen Charakter an, wuchsen über den Landesmasstab hinaus. Die Weltwirtschaftskrise ist reif, und diese Reife hat ein bedeutendes Anwachsen der Arbeitslosigkeit zur Folge( mehr als 10 Millionen sind allein in Deutschland und Amerika arbeitslos). Die Weltwirtschaftskrise setzte mit der Krise in Amerika ein, der New Yorker Börsenkrach( Oktober 1929), der seinerseits eine Rückwirkung der industriellen Krise ist, hat sie noch beschleunigt und die Volkswirtschaft einer ganzen Reihe von Ländern in Mitleidenschaft gezogen. Ausser der Produktionseinschränkung und dem Anwachsen der Arbeitslosigkeit bewirkte diese Krise im wesentlichen eine Verschärfung des Kampfes um neue Absatzgebiete, die Entfaltung einer neuen arbeiterfeindlichen Offensive, die noch brutalere Durchführung der kapitalistischen Rationalisierung, das Verlangen nach noch grösserer Aussaugung der Kolonien. Die Arbeitslosen gehen zur revolutionären Massenbewegung über mehr als eine Million Arbeitslose und Arbeiter demonstrierten allein in den Vereinigten Staaten am 6. März. Fast überall rüsten die Arbeiter in den kolonialen und halbkolonialen Ländern zum allgemeinen Aufstand. In Indien bricht die Revolution aus, in ganzen chinesischen Provinzen mit einigen Dutzend Millionen Einwohnern nimmt die Revolution organisierte Formen an. Unter den gegebenen Bedingungen der Weltkrise beschleunigt sich auch das Tempo der Vorbereitung auf den antiimperialistischen Krieg und das Tempo, der Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion. Der Young- Plan wurde perfekt zwecks endgültiger« Normung» der Lage des Kapitalismus, zwecks Wiederherstellung des durch den Krieg und seine Folgen gestörten Gleichgewichts. In Wahrheit hat der Young- Plan die imperialistischen Gegensätze keineswegs abgeschwächt. Das ersah man zur Genüge aus dem erbitterten Kampf, der zwischen den imperialistischen Mächten auf der Haager Konferenz entbrannte. Die Internationale Reparationsbank, mit deren Hilfe die amerikanische Bourgeoisie den ganzen internationalen Geldmarkt zu leiten hoffte, stellt einen glatten Misserfolg dar. Der Kampf zwischen Amerika und Europa spitzt sich zu, auf Kosten Europas möchten die Vereinigten Staaten die Krise überstehen. Der Young- Plan legt der Arbeiterklasse unerhörte Opfer auf, und die gegen das deutsche Proletariat gerichtete Offensive wird ihre Rückwirkung auch nicht auf das englische, belgische und französische Proletariat verfehlen. Vor allem hat der Young- Plan dazu beigetragen, die internationale Atmo 12 DIE LEHRER- INTERNATIONALE sphäre um die U.S.S.R. noch schwüler zu gestalten. Die Provokationen der Sowjetunion, die in letzter Zeit ganz systematisch in Form einer gross angelegten internationalen Kampagne erfolgten, haben einen nie dagewesenen Grad erreicht. Die Londoner Flottenkonferenz hat ergeben, dass man sich« nicht einmal über das unmittelbar zu erreichende Ziel einig» war. Sie scheiterte auf der ganzen Linie. Diese unglaubliche Zuspitzung aller nationalen und internationalen Gegensätze übt eine direkte, harte Wirkung auf die Schule aus. Wir werden uns in diesem Bericht auf nur einige Beispiele beschränken müssen. SCHULSTREIK IN DEUTSCHLAND Die streikenden Neuköllner Schüler demonstrieren trotz sprungbereiter Polizei Die Schule und die Krise Wenn das deutsche Proletariat grausam von den Auswirkungen des YoungPlans getroffen wird, so wird auch die deutsche Schule, besonders die Volksschule und die Volksschullehrerschaft, hart in Mitleidenschaft gezogen. Im Bulletin der I.B.A. haben wir bereits berichtet, wie brutal die Volksschule durch den Kapitalismus zerschlagen wird. Und von der höheren Schule wird die bedürftige Jugend durch die Streichung von Stipendien und Zuwendungen in Zukunft ausgeschlossen. Die preussischen stellenlosen Junglehrer scheinen zu dauernder Stellenlosigkeit verurteilt: nach der letzten Statistik( 15. November 1929) beträgt ihre Zahl noch 25.146! In Berlin erwog man die Aufhebung von 455 Klassen und die sofortige Entlassung von 387 Junglehrern, sowie die Nichtbesetzung von 120 vorgesehenen Stellen. In Thüringen, wo die Sparmassnahmen zur Kürzung der Anfangsgehälter führten, wird gemäss ministeriellem Beschluss die Studiendauer für Lehramts DIE LEHRER- INTERNATIONALE 13 studenten nicht mehr drei Jahre, sondern nur noch zwei Jahre betragen. Das Pädagogische Institut wird nur noch eine beschränkte Zahl Studierender aufnehmen. Thüringen spart mehr als 2 Millionen Mark im Unterrichtswesen ein, gewährt aber 1.120.000 Mark Sonderzuschuss der katholischen Kirche, der Spenderin des in Krisenzeiten so notwendigen Opiums. In Hessen werden aus Sparsamkeitsrücksichten die Pädagogischen Institute Darmstadt und Mainz zusammengelegt, 250 Junglehrer werden zwei Jahre lang vollständig aus dem Schuldienst ausgeschaltet. In Sachsen veranlasste die neue Finanzlage die Regierung, in den Ausführungen zum Haushaltsvoranschlag für 1930 anzukündigen, dass die jungen GEGEN DIE SPARDIKTATUR JUHDA Schüler und Schülerinnen verkünden auf Plakaten den Grund für den Streik: Protest gegen die Sparmassnahmen der Stadtverwaltung Lehrer in Zukunft eine einjährige Probezeit ablegen müssten, die nur zu einer Vergütung berechtige, d.h. sie werden ungefähr nur die Hälfte des ihnen sonst zustehenden Gehalts bekommen. In Mecklenburg entliess man eine ganze Reihe junger Hilfslehrer. Der Young- Plan bedeutet für Deutschland den Verfall der Volksschule. Hand in Hand mit diesem allgemeinen Verfall geht die immer grössere Beeinträchtigung der Gesundheit der Volksschüler, der Rückschritt der Hygiene in der Volksschule im allgemeinen. Nicht genug mit der Erhöhung der Klassenfrequenz, der Entlassung von Lehrern, der Farce von den unentgeltlichen Lernmitteln und Schulbüchern, geht man in Berlin noch dazu über, die schulärztliche Fürsorge abzubauen( Streichung der Spezialärzte), die Zahl der Schulpflegerinnen zu beschränken, das orthopädische Turnen abzuschaffen, die Schulspeisung zu reduzieren, die Zuschüsse für Schulausflüge herabzusetzen( von den bereits lächerlichen 80 Pfennig pro Jahr und Schüler auf 20 Pfennig), den Preis der in 14 DIE LEHRER- INTERNATIONALE den Schulen verabfolgten Milch zu erhöhen, das Budget der Ferienkolonien zu kürzen( gegenüber dem Vorjahre werden ein Drittel weniger Kinder verschickt). Als Protest gegen diese Sparmassnahmen beschlossen die Eltern der Schüler der 15., 16., 31. und 32. Gemeindeschule in Neukölln( Berlin) fast einstimmig den Schulstreik. Die Streikleitung umfasste ausser den Vertretern der Elternschaft je einen Schüler als Vertreter seiner Schule. Am 2. April demonstrierten die Streikenden vor der Schule; von 700 Schülern der 15. und 16. Gemeindeschule Ein halbes beteiligten sich 633 am Streik und 75% der beiden anderen Schulen. Dutzend weiterer Schulen schloss sich in der Folge teilweise der Streikbewegung SCHULSTREIKDEMONSTRATION Arbeitere Hern Unterstützt den Schulstreik in Neukölln Sind DieArt Gom Die Schüler erkämpfen sich ihr Recht auf die Strasse an. Demonstrationen und Versammlungen lösten einander ab. Die Polizei schlug mit dem Gummiknüppel auf die Schüler ein, nahm Verhaftungen vor und trieb die Streikenden mit Gewalt wieder in die Schule. Die Eltern haben je 25 Mark Polizeistrafe erhalten bezw. Haft und wurden mit dem Entzug der Elternrechte bedroht. Auf diese Weise würgte man den Streik am 8. April ab. Seine Bedeutung als erste Massenoffensive gegen die Spardiktatur ist jedoch nicht zu unterschätzen. Im« amerikanischen Paradies» folgt ein Lehrerstreik auf den anderen. Als erste Wirkung der allgemeinen Krise sah sich die Stadt Chicago genötigt, die Zahlung der Lehrergehälter einzustellen. Die Kinder der Arbeitslosen fordern freie Schulspeisung unter Aufsicht der Arbeitslosenräte, freie Kleidung und freie Beförderung zur Schule und nach Hause für alle Kinder mit arbeitslosen Vätern. Am 6. März traten mehr als 2.000 New Yorker Kinder in den Schulstreik und demonstrierten vor den Schulgebäuden unter obigen Losungen. Ueber 500.000 DIE LEHRER- INTERNATIONALE 15 Kinder leiden gegenwärtig durch die Arbeitslosigkeit in New York. Viele Kinder haben auf den Schulbesuch verzichten müssen, viele andere gehen mit leerem Magen zur Schule. Die Behörden haben die Kinderdemonstranten vom 6. März vom Schulbesuch ausgeschlossen. 130 Polizisten waren am 6. März beauftragt worden, unter den Demonstranten alle Schüler festzustellen. Sie verhafteten 55 Schüler. Das Unterrichtsministerium hat sogar selbst zugegeben, dass es aufs engste mit der Kriminalpolizei zusammengearbeitet hat. In Verfolg der kapitalistischen Krise setzt in allen Ländern die Spardiktatur ein, wenn auch nicht immer im gleichen Tempo. Mit allen Mitteln: Verweiblichung des Lehrberufs, Erhöhung der Klassenfrequenz, Erhöhung der Pflichtstundenzahl der Lehrer, Hinausschieben der Altersgrenze für die Pensionsberechtigung, wälzt man auf die Schule und die Lehrer die Folgen der Krise des Kapitalismus ab. 55. In Frankreich will man die Pensionsberechtigung der Lehrer vom Lebensjahr auf das 60. Lebensjahr verschieben, in Bayern und Thüringen wird die Altersgrenze nicht mehr 65 sondern 68 Jahre betragen, usw. Zu den wirtschaftlich und politisch unterjochten Ländern, auf die die imperialistischen Mächte die zerstörenden Auswirkungen der Krise abwälzen wollen, gehören in erster Linie die Kolonien, die Schutzgebiete und Mandatsländer. Ein schlagendes Beispiel dafür ist die Lage im Libanon. Emil Eddé, der Präsident der« republikanischen» Regierung, die der französische Imperialismus im Libanon aufrichtete, erliess vor einigen Wochen auf Antrag seines Imperialismus die Losung zu Sparmassnahmen. Natürlich kommen die Sparmassnahmen nicht für das Justiz- oder Gefängniswesen, auch nicht für die Gendarmen und Jägertruppen im Libanon in Frage. Sie treffen hauptsächlich das Volkshygienebudget mit einem Abstrich von 2.800.000 Franken und das Budget für öffentliches Unterrichtswesen mit einem Abstrich in ungefähr derselben Höhe! II.- Gegen den Imperialismus und seine Maske. Gegen die militärische. Erziehung und die pazifistische Seuche Für die Verteidigung der Sowjetunion Die militärische Erziehung Die Verschärfung der internationalen Gegensätze bewirkt nicht nur erhöhte Kriegsvorbereitungen, sondern auch eine verstärkt militärische Erziehung der Jugend. Die körperliche und ideologische militärische Vorbereitung ist zu einem Hauptbestandteil der Schularbeit geworden, und zwar erfahrungsgemäss in allen Ländern. Sie wurde nicht nur den Schülern vom Kapitalismus auferlegt, sondern auch den Lehrern und angehenden Lehrern( Seminaristen und Lehramtsstudenten). In unserer Presse haben wir diesbezüglich ganz bezeichnende Informationen gebracht aus England und Polen, Deutschland und Irland, Frankreich, Amerika und Rumänien, Ungarn und der Türkei. Selbst die Hochschulbildung und die wissenschaftliche Forschung sind auf die Kriegsvorbereitung eingestellt. In den Rahmen der militärische Befähigung bezweckenden Körperkultur und der technischen Kriegsübungen gehört natürlich auch der äussere militärische Anstrich( die Lehrer verlangen von den Schülern den militärischen Gruss). Weigern sich die Eltern, ihre Kinder die Nationalhymne als Hausaufgabe auswendig lernen zu lassen, dann werden sie zu Geldstrafe verurteilt( Sachsen) oder sogar der elterlichen Gewalt beraubt( Vereinigte Staaten). Der militärische Geist macht ganz sichere Fortschritte in den rückständigen Lehrerkreisen: in den Ant 16 DIE LEHRER- INTERNATIONALE worten 3.000 amerikanischer Lehrer auf einen Fragebogen des Professor Manly H. Harper erklärten sich 81% bereit, unter jeder Bedingung die Nationalfahne zu stützen,< aus welchen Gründen man sie auch entfalten möge». Ein sehr wirksames Mittel zur Anwerbung und Militarisierung der Jugend stellt die bürgerliche Jugendbewegung der Pfadfinderrichtung dar. 50.000 künfatige Soldaten des Kapitalismus aus 70 bürgerlichen Ländern waren am Weltjamboree in Birkenhead( England) beteiligt, das anlässlich des 21jährigen Jubiläums der Boy- Scout- Bewegung veranstaltet wurde als Vorübung zu« guter Haltung und gutem Dienst», und das alles umrahmt von religiösen Zeremonien und... pazifistischen Moralpredigten.com UNTER DEM« PAZIFISTEN» MAC DONALD Mit geschultertem Gewehr, in voller Kriegsausrüstung rücken die Etonschüler zu militärischen Uebungen aus. Sie marschieren im Takt nach der Dudelsackmusik der schottischen Hochländer. In keinem Lande wird die Militarisierung der Jugend aber in solchem Grade betrieben wie im faschistischen Italien mit seinen Balillaorganisationen, die nach amtlichen faschistischen Angaben 1928 über 800.000 Kinder umfassten. Im Jahre 1929 nahmen in Italien 225.000 Schüler an insgesamt 4.750 Sonderkursen der militärischen Vorbereitung teil. Im französischen Juni- Juli Bulletin 1929 haben wir laut die Stimme erhoben gegen die Militarisierung der Jugend; anlässlich des Internationalen Kampftages am Ersten August richtete das Generalsekretariat einen Aufruf an alle Bildungsarbeiter, welchen Aufruf die Exekutive ratifiziert hat. Unablässig haben wir die pazifistische Komödie aufgedeckt, die die Politiker der Bourgeoisie bei Kundgebungen wie die Unterzeichnung des Kellogg- Paktes oder auch die Abrüstungskonferenzen spielen, und für die sie die Schule zu Stützungsaktionen zwingen. DIE LEHRER- INTERNATIONALE 17 nigais. Das Opium des Pazifismus: besondere Agenturen A In engem Zusammenhang mit der militärischen Erziehung steht die pazifistische Verseuchung der Jugend, die um die Völkerbundspropaganda rotiert, d.h. im wesentlichen eine stark sowjetfeindliche Tendenz hat. Die X. Völkerbundversammlung stand, wie das Bulletin der I.B.A. unterstrichen hat, unter dem Zeichen der Beeinflussung der Jugend durch den bürgerlichen Pazifismus. Das Jahr 1929 bedeutet einen entschiedenen Wendepunkt in der Organisierung der diesbezüglichen politischen Arbeit der Schule Genf gibt regelmässig Veröffentlichungen für die Lehrer heraus; der Sachverständigenausschuss für Erziehungsfragen wird nochmals 1930 tagen; für 1931 ist eine Welterziehungskonferenz in Aussicht genommen nach dem Muster der Weltwirtschaftskonferenz. Allein in England hat die Völkerbundsgesellschaft bereits 1.500 Schülergruppen gebildet; sie erfasst mit ihrer Propaganda 200.000 Kinder; 20.000 Exemplare der Broschüre« Die Lehrerschaft und der Weltfriede» wurden verteilt. Eine besonders eifrige Tätigkeit wird diesbezüglich in den Kolonien entfaltet. In Indien wurde z.B. ein entsprechendes Schulbuch herausgegeben, die pädagogischen Zeitschriften bringen lange Artikel. Insbesondere hat die Präsidentschaft Madras beschlossen, das Belegmaterial über den Völkerbund allen Schulleitern auf dem Amtswege zugehen zu lassen, Filmvorführungen und Vorträge zu organisieren, die Völkerbundskunde als Prüfungsfach an den Lehrerbildungsanstalten einzuführen! з Die bürgerlichen Regierungen zwingen die Schule zur Verbreitung der verhängnisvollsten Illusionen unter dem Deckmantel der« Arbeit an der Völkerversöhnung, dem Weltfrieden». Der Bericht über die« Notwendigkeit eines Wiederaufbaus der Schule», der auf dem V. Internationalen Kongress für Erneuerung der Erziehung in Helsingör( 1929) erstattet wurde, preist folgende < praktische Mittel» an:« Kinderaustausch, Lesebücher, eine Art internationaler Bibel, internationale Kinderkorrespondenz, kollektive Friedensbotschaften, sozialer Dienst an der Schule»!! Als ob solche Mittel, als ob die Herausgabe besonderer Schulbücher, die Veranstaltung besonderer Schülerkundgebungen, die bekanntlich schon vor dem Weltkrieg weit verbreitet waren( besonders in Amerika) etwa heute zu besseren Ergebnissen führen könnten als damals! Eines Tages wird es den heutigen pazifistischen Kongressen genau so gehen wie der Internationalen Lehrerkonferenz, die im Haag am... 1. September 1914 stattfinden sollte. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle internationalen Tagungen aufzuzählen, die 1929 zur pazifistischen Erziehung der Jugend veranstaltet wurden: Internationaler Kongress der Ferienkolonien und Freiluftbewegung( Pau, 4.- 6. April; Delegierte aus neun Ländern); Unterrichtskommission des Internationalen Komitees für Geschichtswissenschaft( Venedig, 6.- 9. Mai); Internationale Konferenz für Jugendaustausch( Kopenhagen, 9.- 11. Juni); Dritter Internationaler Theaterkongress( Barcelona, 23.- 26. Juni: will alljährlich eine Weltfeier für die Jugend und den Frieden organisieren); V. Kongress der Ciamac, der bürgerlichen pazifistischen Frontkämpferinternationale( Warschau, 4.- 6. August: Aufruf an die Jugend, Forderung pazifistischer Schulbücher, usw.); Internationaler Kongress der Handelsschulen( Amsterdam, 2.- 5. September: 700 Delegierte aus 33 Ländern, die ihrerseits den internationalen Austausch aufziehen wollen); usw., usw... Besondere Aufmerksamkeit erfordert aber das Treiben der drei Lehrerinternationalen, die von der Bourgeoisie ausdrücklich zur pazifistischen Täuschungsaktion geschaffen wurden. Der Bericht unseres Sekretariats zur Sitzung der Exekutive im Dezember 1928 entwarf ein charakteristisches Bild vom Berliner Kongress der Internationalen Vereinigung der Lehrerverbände( I.V.), der im April desselben Jahres stattgefunden hatte: Vertagung der Frage der weltlichen Schule, frommer < Wunsch>> betreffend den Unterricht jedes Volkes in seiner eignen Muttersprache, Totschweigen der Kriegsgefahren und der Unterdrückung, Solidaritätserklärung mit der kapitalistischen Propaganda für den Völkerbund. Im Frühjahr 1929 tagte die I.V. in Bellinzona: im August desselben Jahres bewertete unsere Exekutive diesen Kongress und unterstrich die Ohnmacht der darauf gepriesenen Mittel zur Sicherung des Friedens und andererseits die Doppelzüngigkeit der angeschlossenen Sektionen der I.V., die im Landesmasstabe eine nationalistische Politik betreiben. 18 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Der Prager Kongress Zum dritten Male tagte die I.V vom 26. bis 28. April d.J. in Prag in. Beisein der Delegierten des Völkerbundssekretariats, des Internationalen Arbeitsamts, des Internationalen Erziehungsbüros, der tschechoslowakischen Ministerien und sonstiger durchaus bürgerlicher Einrichtungen., Vom Bericht des Sekretärs Dumas ist zu erwähnen, dass darin die Notwendigkeit einer Stärkung des Apparats der I.V. durch ständige Mitarbeiter hervorgehoben und zum Schluss die Arbeitsgemeinschaft der Landessektionen der I.V. mit den betreffenden kapitalistischen Regierungen proklamiert wird, eine in Zukunft absolut notwendige Massnahme. Bei der Diskussion eines Hauptthemas« Die Organisation des Schulwesens> wagte es der Obmann des Deutschen Lehrerbundes im tschechoslowakischen Staate, die Frage der nationalen Minderheiten anzuschneiden und für sie< Kulturautonomie» zu fordern, aber die Versammlung beschränkte sich auf einen nochmaligen Wunsch und Vertagung der seit 1928 ungelösten Frage bis zum Stockholmer Kongress im Jahre 1931. Die chauvinistische Haltung der Delegation des reformistischen französischen Syndicat National die von ihren Verpflichtungen gegenüber dem Imperialismus ( elsass- lothringische Frage) ganz durchdrungen war hat viel zu dieser schimpflichen Ausflucht beigetragen. Natürlich befasste sich der Kongress auch mit den pazifistischen Lehrbüchern und dem Schüleraustausch. Er beschloss,« allen Regierungen»( Mussolini, Horthy, Liaptscheff eingeschlossen)« zwecks Förderung der Ziele des Völkerbundes» einen platonischen Antrag zugunsten des Schiedsgerichts zu unterbreiten, der die« Mobilisierung der öffentlichen« bürgerlichen» Meinung durch überparteiliches Vorgehen» bezweckt. Die Prager proletarischen Massen haben bei den Kundgebungen der I.V. eine eisige Reserve beobachtet. Die deutsche pädagogische Presse gibt zu, dass die öffentliche Kundgebung am Sonnabend Abend kein Interesse erweckt hat. Mit dieser glatten Absage seitens der proletarischen Bevölkerung haben wir die richtige Einschätzung der antiproletarischen Rolle der Internationalen Vereinigung. ** Der Weltverband der Erziehungsvereine( Internationale von San Franzisko) hielt Ende Juli 1929 seinen Kongress in Genf ab. Als Organ des amerikanischen Imperialismus wollte diese Internationale durch den Genfer Kongress den Einfluss des amerikanischen Imperialismus in den europäischen Ländern stärken. Die Kampfkomödie gegen den Krieg, die sich in Genf abspielte, ist durch unsere Genfer Vertreter ganz richtig als eine« unbeschreibliche Heuchelei» gekennzeichnet worden. Ein ganz provokatorisches Manöver leistete sich die Leitung der San Franziskoer Internationale in bezug auf die Bildungsarbeiter der Sowjetunion, die sie zum Kongress eingeladen hatte, denen sie aber danach das Wort verweigerte. Im August 1929 hat unsere Exekutive ein solches Vorgehen und die beteiligten Personen gebührend bewertet. Wir kommen nun zum Internationalen Büro der Lehrer an höheren Schulen ( Bureau International de l'Enseignement Secondaire). Sein Bukarester Kongress im Jahre 1928 stand buchstäblich im Solde des rumänischen Faschismus, des blutigen Verfolgers der fortschrittlichen Arbeiterbewegung und auch der Elite der Kopfarbeiter( Viktor Aradi, Geza Simo, Zukermann, usw...), was den Kongress jedoch nicht hinderte, nach besten Kräften für den Völkerbund zu arbeiten. 1929 liess es sich der Haager Kongress angelegen sein, die pazifistische Illusion über die guten Eigenschaften der Genfer Einrichtung dieses Deckmantels der intensiven Kriegsvorbereitungen zu verstärken. 1930 wird das Büro eine Neuauflage der« Völkerversöhnung» auf dem Brüsseler Kongress vorführen. Aufgabe der belgischen Gruppe der I.B.A. ist es, an Ort und Stelle das faschistische Täuschungsmanöver des Internationalen Büros aufzudecken. Auf dem Kongress der französischen Akademiker, der im April d.J. tagte, wurde ein Flugblatt verteilt, ein Aufruf an die Kollegen zum Widerstand gegen die Auslieferung an den Kapitalismus, die nur zum Kampf gegen die Sowjetunion und gegen den Sozialismus betrieben wird. DIE LEHRER- INTERNATIONALE narazilo na gantie nodone re noituszeg teh tim data noslozenie moin Die Antisowjetkampagne 19 An vielen Orten wurde die Schule bereits in die neuerliche Hetzkampagne zum Kriege gegen die Sowjetunion hineingezogen. Besondere Gebete richten sich in gewissen englischen Schulen gegen das Martyrium der Gläubigen. Genau so geht man in Oesterreich vor. Die Presse berichtet sogar, dass die Schülerinnen einer Mädchenschule ein Theaterstück über die« Christenverfolgung in Russland» aufführen mussten. In den Wiener Hauptschulen, also in der« Roten Stadt Wien», kam es vor, dass Geschichtslehrer sich allwöchentlich bemühten, ihre proletarischen Schüler durch sowjetfeindliche Legenden zu terrorisieren. Dieselbe Hetze wird an den schwedischen Schulen betrieben. Am Luleaer Seminar z.B. liess die Seminarleitung auf eigene Kosten einen Pfaffen zu einem Vortrag über die« Religionsverfolgungen in Russland» kommen. Uebrigens wirkte sein ganzes Auftreten lächerlich und nur ein einziger Seminarist meldete sich zum Eintritt in den christlichen Verein, der am Seminar gegründet werden sollte, und den alle anderen Seminaristen instinktiv sabotierten. Gleichzeitig bringt die« neutrale» pädagogische Presse in gesteigertem Masse Lügenmeldungen über die U.S.S.R., um die Lehrer besser auf die Antisowjetkampagne einzustellen. Die Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung hat zu diesem Zweck eine Sonderrubrik eingeführt, die im März, April und Mai 1930 gewissenhaft gefüllt wurde. Die neutralen Lehrervereine treten bei jeder sich bietenden Gelegenheit für den internationalen Schüleraustausch als gute Friedensgarantie ein. Als aber am 13. Juni 1929 dem Hamburger Lehrerverein ein Antrag zugunsten des Lehrerund Schüleraustauschs mit der Sowjetunion vorgelegt wurde, antwortete der Sitzungsleiter ganz einfach mit... den üblichen rituellen Worten über Völkererziehung und Völkerversöhnung. Diese verschärfte Hetzkampagne gegen das Land, das den Sozialismus aufbaut, legt unserer Internationale und allen angeschlossenen Gruppen die höchsten Pflichten auf. Wir wissen, dass die Sowjetunion die grössten Schwierigkeiten überwindet und neuen Siegen entgegenmarschiert: in fast doppeltem Umfange ist die Industrie vergesellschaftet, aus dem Grosshandel ist das Privatkapital ganz ausgeschaltet, ein gewaltiger sozialistischer Sektor wurde in die Landwirtschaft getrieben, wo vor zwei bis drei Jahren die Sowjetgüter und Kollektivwirtschaften noch begrenzte Oasen bildeten, und der sozialistische Sektor der Landwirtschaft wird schon in diesem Jahre über die Hälfte des Handelsgetreides liefern. Solche Fortschritte erzielte die U.S.S.R. in 2 1/2 Jahren. Der Fünfjahresplan nimmt einen so guten Verlauf, dass schon die Losung von seiner Durchführung in vier Jahren aufgenommen wurde. Die Epoche des sozialistischen Aufbaus der Wirtschaft ist aber auch eine Epoche intensiven Aufbaus der neuen Kultur. Und der Bildungsarbeiterverband spielt bei dem gewaltigen Vormarsch im gegenwärtigen Abschnitt eine ganz hervorragende Rolle. Im August 1929 nahm unsere Exekutive von einem Bericht über diese Tätigkeit des Verbandes Kenntnis; denn unsere Sowjetsektion wollte unsere Internationale zum Richter machen über die Lösungen, die sie zu den Fragen des sozialistischen Aufbaus erstrebt. Darauf hat unser Exekutivkomitee einstimmig die Tätigkeit der Sowjetsektion gebilligt und alle Lehrer zur« Verteidigung des Landes, das den Sozialismus aufbaut» aufgerufen. Da nun der siegreiche Vormarsch der U.S.S.R. auf dem Wege des Sozialismus den Weltkapitalismus allmonatlich seinem sicheren Untergange immer näher bringt, mobilisiert die Bourgeoisie alle Kräfte und geht zu einer neuen Kampagne von bisher ungeahnter Heftigkeit über. Der Angriff auf die U.S.S.R. wird fieberhaft vorbereitet. Und wiederum nahm das Generalsekretariat auf der Februarsitzung 1930 energisch dagegen Stellung. -10 Ein erneuter Schritt in der Hetzkampagne erfolgte im letzen Mai, als die Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale im Sinne des Aufrufs des Papstes und der Wünsche der ganzen Bourgeoisie einen besonderen Aufruf an die 20 DIE LEHRER- INTERNATIONALE « Arbeiter Russlands» richtete, in dem angeblich zur Rettung der proletarischen Revolution die Lügen der Weissgardisten wiederholt und die Vorbereitungen der Imperialisten für den Interventionskrieg legitimiert werden. Der VI. Kongress der I.B.A. wird zur Aufgabe haben, sich mit dem gesamten revolutionären Proletariat für die Verteidigung der Sowjetunion einzusetzen. III.- Gegen den Faschismus, für die internationale Solidarität Ein Sonderbericht wird dem Kongress im Namen der italienischen Sektion der I.B.A. über die Lage der faschistischen Schule und die Lehrerbewegung in Italien unterbreitet werden. Wir erinnern darum nur an die Hauptabschnitte unseres Kampfes gegen den Faschismus und den weissen Terror seit 1928. Der Berliner Antifaschistenkongress bb brut office Unser Kampf fand einen besonders konzentrierten Ausdruck anlässlich des Antifaschistenkongresses, der am 9. und 10. März 1929 in Berlin tagte. Das Sekretariat sandte zu diesem Kongress als offiziellen Vertreter unserer Internationale die Sekretärin unserer deutschen Gruppe. Der Kongress wurde zu einer Kundgebung von ganz ausserordentlicher Bedeutung. Die I.B.A. hat mit dazu beigetragen, dass der Standpunkt, der antifaschistische Kampf und der revolutionäre proletarische Kampf sei eins, zur allgemeinen Direktive erhoben wurde. Ein schriftlicher Bericht über« Schule und Lehrer( insbesondere Volksschullehrer) im faschistischen Italien» wurde dem Kongress durch unsere Delegierte vorgelegt. Die diesbezüglichen Massnahmen des Sekretariats hat unser Exekutivkomitee im August 1929 ratifiziert. -ul olb 12 min matlong Klassensolidarität sensi son bas Unsere Organisation hat ihre internationalen Solidaritätspflichten in der Berichtsperiode nicht vernachlässigt. Im Dezember 1928 erhob die Exekutive energisch Protest gegen das Terrorregime, dass der Schule, der Lehrerschaft und den Lehramtsstudenten Chiles durch die Diktaturherrschaft auferlegt wurde. Die Kampf- und Solidaritätskasse der I.B.A. bewilligte 200 Pesos( 100 Dollar) zur Unterstützung der verfolgten chilenischen Lehrer. Im August 1929 protestierte die Exekutive gegen den beabsichtigten Mord der 15 Streikenden von Gastonia und rief alle Lehrer und Kopfarbeiter zum gemeinsamen Protest auf. Im selben Jahre wurde die Sowjetsektion ermächtigt, ihren Beitrag an die Solidaritätskasse zum Nutzen der verfolgten Lehrer an der Ostchinabahn direkt zu verwenden, da sie kein Gehalt mehr bekamen, entlassen und von den chinesischen Militaristen ins Gefängnis geworfen wurden. Das Bulletin der I.B.A. hat der ganzen Welt zur Kenntnis gebracht, wie sehr die Sowjetlehrer der Mandschurei verfolgt wurden und welchen Heldenmut sie dabei bezeugten. Im Februar 1930 erhob das Sekretariat auf seiner Sitzung entrüstet Protest gegen den Mord Roberto Celis, des Sekretärs der Roten Hilfe in Mexiko, und rief den lateinamerikanischen Lehrerkongress auf, sich diesem Protest anzuschliessen. Das Sekretariat hat andererseits seine Sympathie für die Zeitung Humanité und das französische revolutionäre Proletariat bekundet, das einer schweren Offensive seitens der Regierung ausgesetzt ist. Die Verschärfung des Klassenkampfes macht es uns zur unerlässlichen Pflicht, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel und Wege zugunsten der internationalen Solidarität in erhöhtem Masse auszunutzen, sei es durch Veröffentlichungen, durch finanzielle Unterstützung oder sonstige Massnahmen.notage DIE LEHRER- INTERNATIONALE 21 Ausena tab of tomato( mozzoidozayme tiloja door mo IV. Für die Einheit auf revolutionärer Klassenkampfbasis, A gegen die Spaltung ghde auxildaslode 6 s Das Sekretariat und das Exekutivkomitee haben eine ganze Reihe von Massnahmen zur Verteidigung der Klasseneinheit unternommen, wovon wir das Wesentliche in diesem Abschnitt zusammenfassen. Dagegen behandeln wir nicht den Kampf gegen die Spaltung in Belgien, da er schon weiter oben auseinandergesetzt ist. Auf der Exekutive im Dezember 1928 Wie gesagt begrüsste die Exekutive in voller Solidarität den Schritt des norwegischen und finnischen Gewerkschaftsbundes zugunsten der Einheit. Sie billigte aber auch die Aktion des Sekretariats anlässlich des Kongresses des französischen Syndicat National in Rennes( Aufruf an die Mitglieder des S. N. zur Vereinigung auf Basis des konsequenten Klassenkampfes), sowie unsere Zusammenarbeit mit der Departementsgruppe Obersavoyen des Syndicat National. Das Exekutivkomitee nahm die Vorschläge auf Austausch von Belegmaterial mit dem Kinderbüro der Kommunistischen Jugendinternationale an, wandte sich gleichzeitig jedoch zum selben Zweck an das Sekretariat der Sozialistischen Arbeiterinternationale und stimmte ferner einem analogen Vorschlag der Amsterdamer Transportarbeiter- Internationale zu. Keine Antwort ging bisher vom Sekretariat der Sozialistischen Jugendinternationale auf das Schreiben unseres Sekretariats vom 11. Februar 1929 ein, das im französischen Bulletin der I.B.A. vom März 1929, Seite 15, veröffentlicht wurde. Schliesslich erklärte sich die Exekutive bereit, mit der Frontkämpferinternationale Beziehungen anzuknüpfen, die neben der mit uns verbundenen Berliner Internationale ehemaliger Frontkämpfer besteht. Obwohl unser Sekretariat dieser anderen Internationale unmittelbar darauf schriftliche Vorschläge machte, blieb auch dieses unser Schreiben unbeantwortet. All diese Tatsachen beweisen wieder einmal, dass solche Organisationen jeden gemeinsamen Schritt mit Klassenkampforganisationen fürchten, und dass wir unsererseits die Pflicht haben, unseren Kampf für die Einheit in der Richtung einer Einheitsfront von unten her zu verfolgen. fankaw Die Tätigkeit des I. B. L. 112 suis testir dom Das Internationale Berufssekretariat der Lehrer( I.B.L.) hat sich bekanntlich zusammen mit dem Amsterdamer Internationalen Gewerkschaftsbund mit der Frage befasst, die Amsterdamer Lehrerorganisationen um jeden Preis zum Anschluss an das I.B.L. zu bringen( oder vielmehr zum Anschluss zu zwingen), und hat deinzufolge auch den Austritt der belgischen Sektion aus der I.B.A. erzwungen. In der Praxis hat das I.B.L. nun, wie zu erwarten war, eine Haltung angenommen, die dem Beschluss des Wiener Generalrats, dem Antrag Clément zufolge die Frage der Beziehungen zur I.B.A. offen zu lassen, ganz entgegengesetzt ist. Weil wir den sozialistischen Lehrern Belgiens in bezug auf die Machenschaften und den Druck seitens des I.B.L. und des Amsterdamer I.G.B. die Wahrheit gesagt haben, will man im Bericht des Büros des I.B.L. vom August 1929 die Schuld auf uns abwälzen. Das Büro des I.B.L. erklärt, dass unsere Wege heute« getrennt sind und auseinanderlaufen». In der Tat, unserer Meinung nach ist es soweit gekommen, dass der Weg des I.B.L. jetzt direkt zur Unterwerfung der sozialistischen Lehrer unter den Einfluss der Bourgeoisie führt, während unser proletarischer Kampf nach wie vor in ein und derselben Richtung verläuft. 22 22 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Einen Beweis für diese unsere Ansicht liefert u.a. das Verhalten des Büros des I.B.L. im Hinblick auf die heuchlerische Wiener Entschliessung( die belgische Zentrale war damals dem I.B.L, noch nicht angeschlossen), derzufolge der Austritt des holländischen Bond und des französischen Syndicat National aus der Internationalen Vereinigung der Lehrerverbände gewünscht wurde. Wie das Büro des I.B.L. nämlich in seinem Bericht selbst zugibt, hat es absolut nichts zur Durchführung dieser Entschliessung unternommen. Bereits im Dezember 1928 definierte unsere Exekutive diese pflichtvergessene Haltung der Amsterdamer Internationale in bezug auf den Gewerkschaftsgedanken ganz richtig. Die Komödie wurde dann im August 1929 auf der Brüsseler Sitzung des Generalrats fortgesetzt. Mit stumpfer Waffe griffen die deutschen und österreichischen Delegierten das Syndicat National wegen seines Verbleibens in der neutralen Internationale an, da letztere sich allen bisherigen Erklärungen zum Trotz nicht nur mit Pädagogik und Pazifismus befasse, sondern auch mit beruflichen Fragen. Nun, Posthumus, der Sekretär des I.B.L., drückte seine Forderung durch,« den Franzosen zu trauen und... über die neutrale Internationale zu schweigen». Was aber das Schweigen anbetrifft, so ist daraus eine aktive Propaganda zugunsten der bürgerlichen Internationale geworden: sie geht von den leitenden Kreisen des I.B.L. aus und trägt vor allem in Belgien gute Früchte. So ist es dazu gekommen, dass der Anschluss reformistischer Lehrer gewerkschaften an eine offen bürgerliche Internationale die offizielle Weihe erhalten hat, und den eigentlichen Sinn der ganzen Sache erkennt man klar und deutlich aus dem Bestreben, zur selben Zeit den Anschluss von belgischen Einzelmitgliedern an die I.B.A. unmöglich zu machen. 91b Genau so wie die Internationale Vereinigung befasst sich das I.B.L. mit friedensfördernden internationalen Schulbüchern. Genau so wie die I.V. unterstützt es nach besten Kräften den Bluff der bürgerlichen Einheitsschule( wenn sie nämlich nicht glatter Bluff ist, dient sie als Deckmantel für die Rationalisierung des Unterrichts, von der wir weiter unten sprechen): 1929 verwarf das I.B.L. auf seinem Kongress den konsequenten Klassenkampf um Schule und Jugend, verwarf es eine prinzipielle Opposition gegen die bürgerliche Schule als solche und bezeichnete diese prinzipielle Opposition als« resignierte Mutlosigkeit voll törichter Verachtung für jeglichen Reformversuch>: Das I.B.L. behauptet, dass« jeder( wir unterstreichen) Fortschritt im( natürlich kapitalistischen) Unterricht die Emanzipation des Proletariats beschleunigt»! Folglich kommt das I.B.L. zu Grundsätzen, die in allen Punkten mit den Grundsätzen der Internationalen Vereinigung übereinstimmen( bis in die kleinsten Einzelheiten: Teilung des Volksschulunterrichts in zwei Stufen, die eine für Schüler bis zu elf Jahren, die andere von elf Jahren aufwärts). Das I.B.L. ist eben eine Agentur zyr indirekten Unterjochung der ausserhalb der I.V. bestehenden Lehrerorganisationen unter den Einfluss der Bourgeoisie und die bürgerliche Ideologie. Seit 1928 verfolgt das I.B.L. rückhaltlos die allgemeine Taktik des Amsterdamer I.G.B., die Taktik der Arbeiterspaltung und Einheitsfront mit der Bourgeoisie. Wie unsere Exekutive im August 1929 darlegte, ist der Kampf für die Gewerkschaftseinheit zugleich ein Kampf gegen die antiproletarische Spalterleitung der Amsterdamer Lehrerinternationale. Es ist äusserst bezeichnend, dass sich im Amsterdamer Lager- abgesehen von den Lehrergewerkschaften, die an unsere Organisation angeschlossen sind auch nicht eine Stimme gegen die in Belgien begangene Spaltung erhoben hat. Getreu der Stellungnahme unserer Exekutive vom August 1929 hat das Sekretariat darauf Wert gelegt, in unserem Begrüssungsschreiben an den Allindischen Gewerkschaftskongress vom Dezember 1929 vor der Amsterdamer Spaltungspolitik zu warnen, und hat es auch die Einladung an die I.B.A. zum kommenden Kongress der Amsterdamer Internationalen Transportarbeiter- Föderation abgelehnt. habiben ig DIE LEHRER- INTERNATIONALE 23 V.- Probleme der Kolonien, Halbkolonien und nationalen Minderheiten Die I. B. A. und Lateinamerika Ein Sonderbericht wird dem Kongress über die Fragen vorgelegt werden, die unter diesen Abschnitt fallen. Darum beschränken wir uns im vorliegenden Bericht auf einen kurzen Ueberblick über die diesbezügliche Arbeit der I. B. A. Unser Kongress fällt zeitlich in die Festlichkeiten zur hundertjährigen Unterjochung Algeriens, dem Auftakt zur französischen Kolonisation während der zweiten grossen Entwicklungsphase, der imperialistischen Phase. Der Kongress tagt andererseits in einem Augenblick, wo die indische Revolution mächtige Proportionen annimmt und die Erhebung in den meisten kolonialen und halbkolonialen Ländern um sich greift. ***** Die San Franziskoer Internationale und die Kolonien Zur Niederhaltung des Aufstandes in den Kolonien bedient sich die Bourgeoisie auch des grösstmöglichen Einflusses der Internationale von San Franzisko. In erster Linie wird natürlich eine erhöhte Beeinflussung der indischen Lehrer erstrebt. In diesem Sinne wollte die San Franziskoer Internationale Anfang Dezember 1929 in Kalkutta einen Panasiatischen Kongress abhalten. Als Gegenaktion gegen die beabsichtigte Tagung liess das Sekretariat im letzten Vierteljahr 1929 ein Sonderbulletin drucken und in Asien verteilen( Englisches Bulletin, Neue Ausgabe, Nr. 3). Das Bulletin, das die Internationale von San Franzisko an den Pranger stellte, enthielt auch je einen Aufruf in arabischer, hindostanischer, annamitischer( quôc ngû), chinesischer und japanischer Sprache. ***** Im letzten Augenblick erfuhr das Sekretariat, dass die Kalkuttaer Konferenz vertagt sei und später stattfinden werde, vielleicht in Benares. Sie wird ein langes Programm zu bewältigen haben und mit einer Ausstellung verbunden sein, unter dem Patronat des Maharadscha von Benares. Besonders seit der Augustsitzung 1929 unserer Exekutive widmeten wir in allen Ausgaben unseres Bulletins den Kolonial- und Minderheitsfragen grosse Aufmerksamkeit. So brachten wir u. a. eine gut belegte, anklagende Artikelreihe über die Schulverhältnisse in Algerien und den Atlasländern, sowie eine eingehende Studie über Indien. Wir haben die Stimme erhoben für die aufständischen Kollegen in Indochina und Haiti. Wir haben aus unserer Presse eine gute antiimperialistische Kampfwaffe gemacht. Zur Kolonialfrage sprach auch ein Sekretär der I.B.A. am 7. März in Berlin auf einem öffentlichen Vortragsabend, der von der Ortsgruppe der I.B.A. und der Arbeitsgemeinschaft für marxistische Pädagogik veranstaltet worden war. Besonders richteten wir unser Augenmerk auf die lateinamerikanischen Länder im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Zweiten Konvents der Lateinamerikanischen Lehrerinternationale( I.M.A.), der in der zweiten Hälfte des Monats Februar in Montevideo stattfand. Der Kongress in Montevideo Der zweite Kongress der I.M.A. hat ergeben, dass es mit dieser Lehrerinternationale als antiimperialistische Kampforganisation unweigerlich zu Ende ist. Darüber hinaus ist sie trotz aller grossen Reden, bei ihrem ganzen wissenschaftlichen Anstrich und den Erklärungen für die Neutralität im Klassenkampfe - $ 24 DIE LEHRER- INTERNATIONALE -in den Dienst des Imperialismus getreten, dem ihre Verdunkelungsideologie natürlich nur zu statten kommen kann. Der Kongress lag voll und ganz in der Hand von Amtspersonen, hohen Unterrichtsbeamten, Vertretern der bürgerlichen Regierungen. Die proletarischen Lehrer kamen nur durch ein Minderheit zum Wort, und diese Minderheit auf dem Kongress, diese klassenbewusste Minderheit, ist lediglich der Arbeit der uruguanischen Lehrergewerkschaft, der Sektion der I.B.A., zu verdanken. Die Delegierten Am besten waren Uruguay und Argentinien vertreten. Aus Uruguay waren viele Vertreter der Regierungseinrichtungen, der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Organisationen zugegen. Es gab auch viele Gäste, alle reaktionär. Eine Ausnahme darunter bildete nur die Delegation des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes( mit dem Sitz in Montevideo), der zum Kongress auf Drängen unserer uruguanischen Sektion eingeladen worden war. Uruguay war ausserdem durch Seminardirektoren, Delegierte des Ministeriums, Professoren, Schulinspektoren und Schulleiter vertreten.( dis Die starke argentinische Delegation bestand zum grössten Teil aus christlichen Anarchisten, reinen Anarchisten und anderen Vertretern des Anarchismus. Aus Paraguay war eine offen bürgerliche Delegation erschienen, da Paraguay unter der Diktatur des Tyrannen Gugguari steht, der die meisten revolutionären Lehrer verbannt oder eingekerkert hat. Brasilien hatte als Beobachter eine aristokratische Gruppe abgesandt, teils besonders eingeladene Persönlichkeiten, teils Vertreter des« Landesverbandes der pädagogischen Vereinigungen». Dieser Verband wurde im August 1929 gegründet. Vorsitzender ist der reaktionäre Senator José Augusto Becera de Medeiros, stellvertretende Vorsitzende sind zwei Abgeordnete. Diese Regierungsdelegation erntete den wärmsten Beifall bei den Leitern der I.M.A., und Rio de Janeiro wurde als Tagungsort des Dritten Konvents festgesetzt. Der einzige direkte Vertreter Zentralamerikas war Miguel Morazan, der Unterrichtsminister von Honduras. Salvadors Mandat vertrat Barcos, ein Mitglied des Rates der I.M.A., ein« romantischer» Exrevolutionär, der nach seinen eigenen Worten zu einem Revolutionär des« Aufbaus» geworden ist, als Dank für den Schulinspektorposten, mit dem ihn die Regierung Irigoyen bedachte. Der Vertreter Boliviens befasste sich in Montevideo ausschliesslich mit den diplomatischen Interessen seiner Regierung, er beehrte den Kongress nicht mit seiner Anwesenheit. Die« pädagogischen Fragen Die Tätigkeitsberichte der Sekretäre Godoy und Casanueva bestanden in einer blossen Aufzählung von Einzelheiten. Im Anschluss daran schlug die Kongressmehrheit die Gründung einer Universität für Amerikanische Kultur mit folgendem Ziel vor:<< Schaffung einer Kultur in den Ländern Amerikas und Vereinfachung der Sprache; Vereinigung aller Kopfarbeiter unseres Kontinents durch gegenseitige Kenntnisnahme und Vermittlung der nationalen Werte; Einstellung des amerikanischen Büchermarktes auf Veröffentlichung, Verkauf und Austausch der nationalen Bücher und Zeitschriften», usw... Auf einer Vollsitzung brachte die Minderheit ein Korreferat, in dem insbesondere gesagt wurde:« Ihr wollt für eine Handvoll Privilegierter ein Kulturinstitut schaffen, aber wir halten Euch vor Augen, dass es Millionen von Analphabeten auf unserem Kontinent gibt, und für diese Millionen wollen wir: getragen von den Kindern der Arbeiter- und Bauernklasse die Schule der neuen proletarischen Erziehung gründen, die von den Klassengewerkschaften, den Bauernbünden, den Arbeiter- und Bauernblocks unterhalten und von revolutionären Lehrern geleitet u wird, die stellenlos sind oder von der reaktionären Regierung verjagt wurden( Thesen der Minderheit zu Punkt XI der Tagesordnung,§ 7); Arbeiter- und Bauernuniversitäten zur klassenbewussten Erziehung der Erwachse nen schaffen»( Ebenda,§ 8). DIE LEHRER- INTERNATIONALE 25 Auch zu dem Punkt der Tagesordnung« Die privilegierten Minderheiten im Unterrichtswesen; Notwendigkeit der Abschaffung der vorzeitigen Kinderarbeit» unterbreitete der revolutionäre Flügel dem Kongress einen Bericht, in dem gleich zu Anfang kategorisch festgestellt wird, dass« das Vorhandensein privilegierter Minderheiten im Unterrichtswesen auf die Klassenspaltung im kapitalistischen Staat zurückzuführen» ist, und in dem zusammenfassend programmatische unmittelbare Forderungen gestellt werden. Die Kommission nahm dieses Programm an unter Streichung des letzten Punktes, der lautete:« Diese Forderungen können nur auf dem Wege der gemeinsamen Arbeit der Lehrerorganisationen und Arbeiter- und Bauernschaft eines jeden Landes durchgeführt werDa der Kongress nichts Stichhaltiges gegen die These unserer Genossen vorbringen konnte, half er sich durch... Vertagung der Frage bis zum Dritten Konvent aus der Verlegenheit.. den». Zum« Problem des künftigen Lebensberufs» erstattete Professor Estable einen hochtrabenden Bericht mit der Schlussfolgerung:« Es ist ein Verbrechen an der Persönlichkeit, den Menschen zu einer Arbeit zu zwingen, zu der er nicht berufen ist; das ist genau so ein Verbrechen wie eine Zwangsheirat ohne Liebe»( sic). Die uruguanische Lehrergewerkschaft rief den Kongress kräftig in die Wirklichkeit zurück und zeigte ihm, dass es für den Kapitalismus unmöglich in Frage kommen kann, ernsthaft an das Problem heranzugehen; denn ihm wird durch die Klasseninteressen diktiert, dass die Söhne des Proletariats zu<< unterjochten Industrie- und Landarbeitern berufen» sind, seine eigenen Söhne aber zu« erlesenen Führern>>. Damit befand sich die Kongressmehrheit wiederum in einer Sackgasse, und wiederum griff sie zur Vertagung bis zum Dritten Konvent. Das gleiche Schicksal hatte die Studie über die« Lage des Lehrers>> und die < Verfolgung der Lehrer». - • Ueber den Imperialismus Zum Punkte der Tagesordnung« Wachsen des Imperialismus und der Diktatur>> also dem ausschlaggebenden Punkte für die Einstellung der I.M.A. entspann sich in der II. Kommission eine sehr lebhafte Debatte. Nur ein Bericht dazu lag vor, der Bericht unserer uruguanischen Sektion. Er stellte Lateinamerika als Schauplatz des Kampfes zwischen dem Yankeeimperialismus und dem britischen Imperialismus dar und forderte u. a. als praktische Massnahme den Anschluss der I.M.A. und ihrer Sektionen an die Liga gegen Imperialismus. Nach den Interventionen der vereinten bürgerlichen und anarchistischen Elemente wurden diese Forderungen ausgeschaltet. Professor Nicolai erklärte, dass« in Einzelfällen, wie im Falle des Riff, das Vordringen des Imperialismus eine fortschrittliche Rolle» spiele. Auch der Anarchist Gaston Leval vertrat diesen Standpunkt und sprach von einer Lösung des Fragenkomplexes Imperialismus durch« Kultur, technische Konstruktion und ehrliche Politik», zu deren Achtung und Nutzanwendung die Imperialisten gezwungen werden müssten! Zum Schluss nahm die Mehrheit eine nichtssagende Entschliessung an. Genau so grundverschieden war die Auffassung beim Thema« Schule und Lehrer vor der Einigung der amerikanischen Völker: Mittel zur Förderung des Friedens, der Solidarität und Gerechtigkeit». Die Minderheit erklärte: jede Schule in der Klassengesellchaft hat einen Klasseninhalt; die Krisen des Kapitalismus führen unausbleiblich zum Krieg; Schulpazifismus dient genau so wie die Abrüstungskonferenzen usw. lediglich als Deckmantel für die fieberhafte Vorbereitung des imperialistischen Krieges oder für die Aufrichtung der Antisowjetfront; die Einigung der lateinamerikanischen Völker ist zur Zeit der bürgerlichen Regierungen unmöglich, da die Imperialismen sie zu ihrem imperialistischen Nutzen in Zwistigkeiten verwickeln, wie es mit Bolivien und Paraguay geschehen ist; diese Einigung kann nur unter der Arbeiter- und Bauernregierung erfolgen.. Die Mehrheit verlor sich in Einzelheiten: Liebe, Schiedsgericht, die Schule als Erlöser, pädagogische Wanderfahrten, und dergleichen. 26 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Die I. M. A. und das Proletariat Kurz, der Zweite Konvent hat dem lateinamerikanischen Proletariat gezeigt ,. dass die I.M.A. sein sicherer Gegner geworden ist. Die kleinbürgerliche Leitung der I.M.A. kann zwar nicht umhin, die Existenz des Klassenkampfes zuzugeben doch hält sie es für« dogmatisch» und« sektenhaft», wenn man die verschiedenen gegebenen Probleme unter einem solchen Gesichtswinkel betrachtet. Den Die I.M.A. ist keineswegs auf dem Klassenkampfgedanken aufgebaut. lateinamerikanischen Bildungsarbeitern erwächst daraus die Pflicht, sich in klassenbewussten Gewerkschaften zusammenzuschliessen, mit unserer Sektion Uruguay in Fühlung zu treten und sich unserer Internationale anzuschliessen. VI. Die Arbeit unter den Lehramtsstudenten und Junglehrern Schutz der ausgebeutetsten Kategorien Für die Junglehrer Dem Kongress wird ein Sonderbericht über die« Lehrerbildung» vorgelegt werden. Das Thema des Berichts ist aber umfassender als der Titel. Darunter fällt ausser der eigentlichen Lehrerbildung alles, was z. B. auf die Anfangsgehälter, die Stellenlosigkeit usw. bezug hat. Obwohl nun diese ganze Frage eigentlich seit Jahren im Brennpunkt unserer gesamten Tätigkeit gestanden hat, können wir an dieser Stelle darüber recht schnell hinweggehen; denn sie wird ja separat ausführlich behandelt. Schon auf dem V. Kongress wurde ein Bericht über die Lage der Junglehrer erstattet. Er wurde vom Kongress angenommen und dem Exekutivkomitee zwecks Ratifizierung endgültiger Schlussfolgerungen überwiesen. Dieser Be richt war das Ergebnis der Arbeiten unserer Junglehrerkommission, deren Gründung im Dezember 1927 von der Exekutive beschlossen worden war, er war also das Kollektivwerk von etwa zwei Dutzend Genossen verschiedener Länder. Er wurde im deutschen Bulletin vom Juli 1928 veröffentlicht. Auch in dem Leipziger Kongressbericht über« Die Fragen der Schulpolitik und der Lehrerbewegung» befasste sich ein Abschnitt insbesondere mit dem « Junglehrerelend»( vergl. Oktober- Bulletin 1928). Auf Grund dieser ganzen Arbeit nahm unser Exekutivkomitee im Dezember 1928 ein Junglehrerprogramm an, während damals noch keine andere Lehrerinternationale daran gedacht hatte, diese Frage zum allerwenigsten auf die Tagesordnung zu setzen( Siehe Unsere Programmforderungen im März- Bulletin 1929). Ziemlich regelmässig brachten die Bulletins der I.B.A. eine« Junglehrertribüne>> oder« Junglehrerrubrik». Parallel dazu erfolgte die organisatorische Arbeit. Der Allgemeine Verein der Lehramtsstudenten Frankreichs( U.G.E.E.) hatte auf seinem Kongress vom 17. Mai 1928 dem Vorschlag unseres Generalsekretärs zufolge beschlossen, der I.B.A. einen brüderlichen Delegierten beizuordnen. Im Dezember 1928 nahm unsere Exekutive einstimmig einen Antrag an, demzufolge es statthaft ist, dass Klassenkampforganisationen von Lehramtsstudenten, die die Statuten der I.B.A. anerkennen, sich ihr als sympathisierende Organisationen anschliessen», und zwar vor allem« im Hinblick auf eine stärkere Verbindung der Lehramtsstudenten mit der Lehrerbewegung des proletarischen Klassenkampfes». Die Exekutive beschloss ferner, dass solche Organisationen einen DIE LEHRER- INTERNATIONALE 27 Beitrag an die Solidaritätskasse der I.B.A. abführen sollten. Gestützt auf obigen Beschluss erklärte der III. Kongress des U.G.E.E. am 19. Mai 1929 geschlossen den Beitritt zur I.B.A. mit nur zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Im August 1929, als unsere Exekutive aus dem Seminaristenstreik von Quimper die Lehre zog, nahm sie andererseits vom Beitritt des U.G.E.E. Akt. Ferner unterstrich sie die Notwendigkeit, die Organisation der Lehramtsstudenten aller Länder zu verfolgen und ein Internationales Büro zu gründen. In diesem Sinne wurde auch auf der Sekretariatssitzung im Februar d.J. wiederum die Schaffung einer Internationalen Hauptstelle für die Lehramtsstudenten befürwortet. Auf dieser Sitzung befasste sich das Sekretariat ebenfalls mit der Frage der zu bildenden Kaders der Lehramtsstudentenbewegung und überprüfte die Mittel und Wege für einen entschiedenen Zusammenschluss der« vorgewerkschaftlichen>> Bewegung der Lehramtsstudenten und der Gewerkschaftsbewegung der Lehrer. Im März d.J. richtete das Sekretariat einen diesbezüglichen Brief an die Leitung des U.G.E.E. Auch mit den französischen Junglehrergruppen unterhielt unsere Internationale immer engere Beziehungen. Hervorzuheben ist eine Entschliessung ihres Kongresses 1929, worin sie von der Arbeit der I.B.A. für die Junglehrer ausgehen, die« tiefe Verbundenheit» der Junglehrergruppen mit der I.B.A. zum Ausdruck bringen und sich schliesslich für« die aktive Zusammenarbeit der Sekretäre ihres Zentralkomitees mit der I.B.A.» erklären, usw. Anlässlich des 6. März 1930 richtete das Sekretariat einen Aufruf an die stellenlosen Junglehrer aller Länder. Für die Lehrerinnen Wir müssen offen zugeben, dass unsere Arbeit für die Lehrerinnen, für die übermässig ausgebeuteten weiblichen Lehrkräfte nicht in demselben Masse fortgeschritten ist wie unsere Arbeit für die Junglehrer, dass wir bisher für die Lehrerinnen lange nicht genug getan haben. Unser VI. Kongress wird jedoch ein Wendepunkt in dieser Beziehung sein. Ein Hauptgrund für die Unzulänglichkeit dieser Arbeit war die schlechte Organisation, es fehlte die dauernd hierfür verantwortliche Kraft. Der anfangs Verantwortliche schloss seine Arbeit mit einem Vorbericht auf der Sitzung der Exekutive vom Dezember 1928 ab, und die Fortsetzung des in grossen Zügen entworfenen Werkes wurde dem Generalsekretariat überlassen. Im August 1929 konnte unsere Exekutive demnach nur einen unvollständigen( wenn auch reich belegten und aufschlussreichen) Bericht zur Kenntnis nehmen. Auf jeden Fall macht der schnelle Uebergang des Lehrberufs in die Hände der Frau in einer ganzen Reihe von Ländern eine Erscheinung der kapitalistischen Rationalisierung die Lage und Bewegung der Lehrerinnen zu einem ganz besonders dringenden Problem. * ** Zu allen Zeiten haben die schwächsten Gruppen der Lehrerschaft, die Junglehrer und die Lehrerinnen, unter dem Druck der Bourgeoisie am schwersten zu leiden gehabt. Die Weltkrise des Kapitalismus und die Rationalisierung der Schule haben einen verschärften Angriff auf sie zur Folge. Die Losung unseres Leipziger Kongresses gilt heute noch entschiedener als 1928: der Kampf für die Verbesserung der materiellen Lage der Lehrerschaft fällt unter die Hauptaufgaben der I.B.A. Vor unserem V. Kongress stellte der betreffende Berichterstatter auf Grund des Studiums der materiellen Lage der Lehrer in 28 Ländern fest, dass sie in 21 Ländern schlecht und nur in 7 Ländern zufriedenstellend sei, und unter diesen 7 Ländern standen an erster Stelle die Vereinigten Staaten. Wie wir gezeigt haben, wirkte sich die Krise inzwischen ganz unheilvoll im amerikanischen Unterrichtswesen aus! Angesichts der Verschlimmerung des Loses der Lehrer haben wir unser Augenmerk immer mehr auf ihre Forderungen zu lenken, die wir leiten, richten und auf eine höhere Stufe heben müssen. 28 DIE LEHRER- INTERNATIONALE VII.- Die kapitalistische Rationalisierung der Schule Der Kampf um das proletarische Kind Die kapitalistische Rationalisierung und das proletarische Kind Laufend bedienen sich unsere Sektionen und Gruppen des Ausdrucks « Rationalisierung der Schule», um zwei anscheinend unterschiedliche Erscheinungen zu bezeichnen: einmal eine Reorganisation, die im Grunde eine Sparmassnahme ist, und dann eine Anpassung des Unterrichtssystems an die rationalisierte Produktion oder noch allgemeiner an die neue Wirtschaftslage. Wer der Sache aber auf den Grund geht, erkennt, dass diese beiden Erscheinungen in Wirklichkeit ineinander aufgehen. Uebrigens ist vor dem Studium dieser Erscheinungen auf eine andere elementare Seite des Rationalisierungsproblems, soweit es die Jugend betrifft, kurz einzugehen, nämlich auf die direkten Auswirkungen der Rationalisierung für die proletarischen Kinder. Kapitalistische Rationalisierung ist erhöhte Anspannung der kindlichen Arbeitskräfte, vermehrte Ausbeutung des proletarischen Kindes; denn erstens vereinfacht die Rationalisierung den technischen Gang der Arbeit, und zweitens läuft sie auf die systematische Verwendung billigster Arbeitskräfte hinaus. Als die New Yorker Schüler am 6. März d. J. mit den Arbeitslosen demonstrierten, nahmen sie in ihr Programm auch den Kampf gegen die zunehmende Einbeziehung der Kinder in den Arbeitsprozess auf, und so fügten sie zu ihren anderen Losungen hinzu:« Strengstes Arbeitsverbot für Kinder unter 16 Jahren! Staatliche Unterstützung für alle noch arbeitenden Kinder!» In der chinesischen Textilindustrie ist es mehrfach vorgekommen, dass man Maschinen mit speziell für die Kinderarbeit berechneten Abmessungen einführte. Schulreorganisation und Sparmassnahmen Am systematischsten gestaltete sich die« Reorganisation» der Schule in England. Sie geht bis auf den berühmten Hadow- Bericht vom Dezember 1926 zurück, der seinerzeit den fortschrittlichen Pädagogen vor Freuden das Herz schwellte, meinte der Bericht doch in vollem Ernst, dass es an der Zeit wäre, allen Kindern höhere Schulbildung angedeihen zu lassen! Der Hadow- Bericht schlug die Reorganisation der Volksschule vor: bis zum 11. Lebensjahre sollten die Kinder nach wie vor die Elementarschule besuchen und dann zu anderen Schulgattungen übergehen, um dort eine von der Volksschule unterschiedliche Ausbildung zu erhalten. Wie ging es nun in der Praxis zu? Die Reorganisation entpuppte sich bald als eine Art Rationalisierung. Ohne sich weiter um die höhere Schulbildung für alle zu kümmern, bezweckten die lokalen Reorganisationspläne ganz einfach sofortige oder künftige Ersparnisse. Zweitens führt die Reorganisation zu einer sorgfältigen Gruppierung der Arbeiterkinder im Sinne der Unternehmer, sodass die Zukunft dieser Kinder schon von ihrem 11. Lebensjahre ab ein für alle Mal festgelegt ist. Drittens kann man auf diese Weise auch die Lehrerschaft noch besser in Einzelkategorien einteilen, mit besonderen Bedingungen und Gehältern für jede Kategorie. Letzten Endes wird durch die Umgruppierung der Schüler, die Ueberweisung der über 11 Jahre alten Schüler, die sich früher auf die gewöhnlichen Volksschulklassen verteilten, an eine Sonderschule(« senior school»), ein Ueberschuss an Lehrkräften verursacht, und aus der sich ergebenden Stellenlosigkeit folgt wieder die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der weiter amtierenden Lehrer. Auch für die Kinder ergibt sich aus der Rationalisierung eine Verschlechterung der Schulverhältnisse. Bei dem neuen System kommt es vor, dass DIE LEHRER- INTERNATIONALE 29 Die der Schüler 4 engl. Meilen( ca. 6.500 km) von der Schule entfernt wohnt. Eltern haben gegen die Rationalisierung in vielen Orten gekämpft, wie in East Ham, Tylorstown, Lanarkshire, Bradford, von London bis hinein nach Schottland und Wales. Noch ganz kürzlich, im März 1930, nahm unsere englische Sektion den Kampf wieder in Leyton auf und gründete dort mit den Eltern der Schüler ein Aktionskomitee. Der lokale Lehrerverein ist der Ansicht, dass die unternommene Reorganisation die durchschnittliche Klassenfrequenz 1934 auf 51,6 für die Senior School und 61 für die Junior School bringen wird. zur Auch in den Vereinigten Staaten ging man schon in gewissen Landdistrikten « Zusammenlegung» von Schulen über. Wo die Dorfschulen durch Kantonschulen ersetzt wurden, sind viele Lehrer brotlos geworden und zur recht aussichtslosen Stellensuche verurteilt. Der Unterricht passt sich der Entwicklung des Kapitalismus an Ergebnisse in Deutschland Ueber die Anpassung der Schule an die rationalisierte Industrie liegen uns aus Deutschland recht genaue Belege vor( 1). Das gesamte Turnen wird zu einer Vorbereitung auf die neuen Formen der Industriearbeit. Grossen Wert legt man auf die Ausbildung der Arme und Hände. Hinzu kommt Zeichnen mit zwei Händen, Handfertigkeitsunterricht, vermehrter Physik- und Chemieunterricht usw... In allen Schulen wurde die Reichsunfallverhütungswoche in grossem Masstabe organisiert, damit die Schüler sehen, wie der Arbeiter einen Unfall in der Fabrik, und vor allem in der rationalisierten Fabrik vermeiden kann. Es ist klar, dass eine solche Schule den Kapitalisten die Auswahl der fähigsten Arbeitskräfte erleichtert. Die Schülerbogen verfolgen die Schüler vom Eintreten in die Schule, eigentlich dann durch ihr ganzes Leben. Auf dem Bogen stehen nicht nur die vom Schüler erzielten Resultate, sondern auch Anmerkungen über sein Betragen und seine politische Festlegung oder Einstellung. Auch die Berufsberatung im letzten Schuljahr und die Eignungsprüfungen verhelfen den Kapitalisten zur Heranziehung der geeigneten Arbeitskräfte. Pläne in Frankreich Eine ähnliche Entwicklung haben wir in Frankreich und in den anderen kapitalistischen Ländern. Vor nicht langer Zeit( 2) befasste sich E. Glay, der Sekretär des französischen Syndicat National, in einem bemerkenswerten Artikel mit dem Plan der Unterrichtskommission der Kammer zur« Reorganisation des Volksschulunterrichts». In einem Augenblick, wo die kapitalistische und kapitalistenfreundliche Presse die Oeffentlichkeit mit Artikeln über den demagogischen Bluff von dem« unentgeltlichen höheren Schulunterricht» in Atem hielt, zögerte dieser reformistische Führer der Lehrerschaft durchaus nicht, die Reorganisation der Volksschule, die« in verhüllterer Form, aber nicht ohne Ausdauer» verfolgt werde, als ein« mindestens ebenso wichtiges Problem» hinzustellen. Die Unterrichtskommission der Kammer ist unter Einschluss der Vertreter der Geistlichkeit und der äussersten Rechten einstimmig für die Verlängerung der Schulpflicht bis zum 14. Lebensjahre, zu welchem Zweck eine dritte besondere Stufe für alle die 13 und 14jährigen Arbeiter- und Bauernkinder einzurichten sei, die nicht für den Uebergang zur höheren Schule in Frage kommen. Wie soll nun diese dritte Volksschulstufe aussehen? Sie soll, wie man sagt, ein Anreiz zum Berufsleben sein und auf Grund eines Abkommens zwischen der ministeriellen Leitung des technischen Unterrichtswesens und der des Volksschulwesens organisiert werden. Der Sinn dieser Massnahme ist durchsichtig, trotz aller Umschweife und rednerischen Behutsamkeit, deren sich Glay befleissigt der Leiter der reformistischen Lehrer gewerkschaft bereitet die ( 1) Das Proletarische Kind, März 1930. ( 2) L'Œuvre, 30. März 1930. 30 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Lehrerkreise auf die Anpassung der französischen Schule bisher hinter der Wirtschaftsentwicklung zurückgeblieben war Erfordernisse der Industrie vor. die besonders an die neuen Körperliche, auch geistige Anpassung des proletarischen Kindes zwecks < Festigung der Einrichtungen» der bürgerlichen Republik, zwccks< Förderung ihrer Entwicklung»,« ihrer Stabilisierung im Frieden», wie sich ein massgebendes reformistisches Organ deutlich genug ausdrückt( 1). Dieses Werk, meint man, ist mit Kindern im Alter von 6 bis 13 oder 14 Jahren nicht völlig durchzuführen. Dennoch ist es dringend nötig.« Unsere Demokratie macht eine soziale, politische, wirtschaftliche und ideologische Krise durch, die von uns allen, von Generation zu Generation, eine konstruktive, geduldige(!), anhaltende Kraftanstrengung erfordert. Kühner entwickelte Länder in unserer Nachbarschaft sind fest entschlossen, siegreich zu kämpfen, die Jugend den neuen Erfordernissen entsprechend auszubilden...» Schlussfolgerung: mit der Verlängerung der Volksschulpflicht ist es nicht genug getan, hinzukommen muss ein nachschulpflichtiger Unterricht, als Uebergang von der« Schule zur Kaserne>> mit Körperkultur, technischer und bürgerkundlicher Unterweisung». sk sk Schält man aus Vorhergehendem das Wesentliche heraus, dann kommt man zu folgender Formel für die internationale Schulreform, die heute im Gange ist: durch Zusammenlegung von Schulklassen, Erhöhung der Klassenfrequenz, Abbau des Lehrkörpers, Massenverwendung billiger pädagogischer( weiblicher) Arbeitskräfte usw. richtet die Bourgeoisie überall ein Sparregime auf; gleichzeitig strebt die herrschende Klasse nach der Anpassung des gesamten Unterrichtswesens an die Bedürfnisse der rationalisierten Industrie, allgemein gesprochen an die gegenwärtige Etappe der< Entwicklung>> des Kapitalismus, um so eine bessere wirtschaftliche und politische Vorbereitung der Kinder der werktätigen Schichten der Gesellschaft zu erreichen. Mit einem Wort kann man sagen, dass die Bourgeoisie sich heute, in der Zeit des Zusammenbruchs der kapitalistischen Stabilisierung notgedrungen bemüht, ihre Schule so ERTRAGREICH UND WOHLFEIL wie nur irgend möglich aufzuziehen. Der Kapitalismus« unterrichtet» die breiten Massen immer weniger, er will sie immer mehr unterjochen. Der Klerikalismus im Dienste der bürgerlichen Schulpolitik Der Klerikalismus wird für diese Schulpolitik der Bourgeoisie zu einem immer wertvolleren Werkzeug. Dem Papst erschien der Augenblick gekommen für eine neue Enzyklika über die Erziehung der Jugend( 19. Dezember 1929). Er wirft darin die Frage auf, wem das Recht auf die Erziehung zusteht. Und er antwortet:« Der( bürgerlichen) Familie, dem( kapitalistischen) Staat und der Kirche», wobei der Kirche natürlich der Vorrang gesichert wird. Nachdem nun die Frage des Vorrangs geklärt ist, führt der Papst bezeichnenderweise aus:« Je mehr die weltliche Macht ihre Tätigkeit der Tätigkeit der geistlichen Macht zu koordinieren versteht, je mehr sie sie fördert und unterstützt, desto besser trägt sie auch zur Erhaltung des Staates bei. Denn indem sich der geistliche Vorsteher bemüht, gute Christen zu erziehen, bildet er ganz logischerweise auch gute Bürger heran... voll loyaler Ergebenheit für die eingesetzte Obrigkeit, gleich viel in welcher legitimen(?) Regierungsform.» Das ist mehr als deutlich. Die Kirche steht also voll und ganz dem Kapitalismus in seinem Kampfe um das proletarische Kind zur Verfügung. Die bürgerlichen Regierungen nehmen alle das Anerbieten des Papstes und der höchsten Würdenträger anderer Glaubensbekenntnisse mit Feuereifer an. Die Schule wird immer mehr verklerikalisiert. Da wir an dieser Stelle nur kurze Stichproben geben können, wollen wir vor allem auf die Lage in Belgien eingehen. ( 1) Information Sociale vom 9. Februar 1930. DIE LEHRER- INTERNATIONALE Belgien ein charakteristisches Beispiel 31 Die belgische Bourgeoisie hat in einem bestimmten Stadium ihrer Entwicklung eine in religiöser Beziehung angeblich« neutrale» öffentliche Schule geschaffen. Das hinderte sie aber durchaus nicht, dem katholischen Schulwesen auch weiterhin die grössten Vorrechte einzuräumen. Und heute ist die katholische Schule im Begriff, das Uebergewicht zu bekommen. Man kann sagen, dass die katholischen Privatschulen ganz systematisch von der Behörde bevorzugt werden. Es lohnt sich, den Haupttriebfedern dieses etwas komplizierten Mechanismus nachzugehen. Beginnen wir mit der Besetzung von Lehrerstellen: Für einen Posten im öffentlichen Schulwesen kann sich jeder Lehrer melden, der im Besitz eines rechtsgültigen Zeugnisses ist ganz gleich, ob auf einer öffentlichen oder auf einer« freien»( katholischen Privat-) Anstalt erworben. Den katholischen Schulen wird dagegen bei der Auswahl der Lehrkräfte ganz freie Hand gelassen. So werden Lehrer mit dem Abgangszeugnis von einer öffentlichen Lehrerbildungsanstalt aus der katholischen Schule systematisch ausgeschlossen. Unschwer sieht man, welch grosser Vorteil dem Klerikalismus daraus erwächst, dass sich die katholischen Lehrerseminare ungehemmt entwickeln können. Weitere Vorteile im Gegensatz zu den öffentlichen Schulen sind die katholischen Privatschulen ermächtigt, einen bestimmten Prozentsatz nichtdiplomierter Lehrer anzustellen, unter den Bewerbern ohne Einspruchsmöglichkeit ihre Auswahl zu treffen, die Lehrer ohne weitere Garantien zu entlassen, eine eigentliche Schulaufsicht in der Praxis zu umgehen, usw... Und dabei gewährt der Staat ihnen noch eine beträchtliche, positive Unterstützung. 1930 beläuft sich das Budget für Kunst und Wissenschaft auf 1.100 Millionen, wovon 385 Millionen auf das<< freie» Unterrichtswesen entfallen ( Volksschulen, Lehrerseminare, Katholische Universität zu Löwen). Hinzu kommen die Subsidien, die im Etat Wirtschaft und Arbeit, Justiz, Landwirtschaft und Staatsschuld( Pensionen für katholische Privatschullehrer) ausgeworfen sind. Man halte sich nur vor Augen, dass die Gesamtsumme der Grundsteuereingänge in Höhe von 405 Millionen hinter den staatlichen Zuwendungen für die katholischen Privatschulen zurückbleibt! Die halbe Milliarde, die den Kirchenschulen zufliesst, stellt ein Neuntel der gesamten Verwaltungsbudgets dar, wenn man das Budget der Staatsschuld beiseite lässt. In 45 Jahren( 1881-1927) hat sich die Zahl der Lehrer an öffentlichen Schulen beinahe verdoppelt. Die Zahl der katholischen Privatschullehrer stieg aber auf das 742fache( sic). Von je 100 Befähigungszeugnissen für Lehrer und Lehrerinnen wurden auf den katholischen Privatseminaren 55,2 im Jahre 1850 erworben, aber 83,3 im Jahre 1927. Die Subsidien für das katholische Hochschulwesen, die vor dem Kriege ausfielen, betrugen 1922 eine Million, 1925 2 Millionen, 1927 2,5 Millionen, 1928 5 Millionen. Für das Jahr 1930 belaufen sie sich mindestens auf 10 Millionen.. Da die Verordnungen über das technische Schulwesen sehr rückständig sind, gibt es keine Norm für die diesbezüglichen staatlichen Subsidien. 1928 erhielten die katholischen Schulen 39 Millionen, die öffentlichen Schulen dagegen 12 Millionen. 1930 werden die Subsidien eine beträchtliche Erhöhung erfahren. Die anderen Länder In Frankreich erlebte man nach der Gesetzesnovelle über die Ordensgesellschaften, dass das Terrain sondiert wurde im Hinblick auf die erneute Ermächtigung der Geistlichen zur Erteilung des Religionsunterrichts in der Schule selbst. In Elsass- Lothringen wirkt sich das Konkordat noch in vollem Umfange aus. Die Leiter der reformistischen Lehrergewerkschaft fordern nicht etwa die Verweltlichung der elsässischen Schule, sondern lediglich« ein gemischtes System nach dem Ermessen der Gemeinde»( 1). ( 1) Cahiers des Droits de l'Homme, 10. Mai 1930. 32 DIE LEHRER- INTERNATIONALE In Deutschland konnte der Klerikalismus seine Positionen erheblich stärken. Bekanntlich wurde das Konkordat am 5. Juli 1929 im Preussischen Landtag verabschiedet. Analysiert haben wir es bereits im Bericht zur Sitzung unseres Exekutivkomitees im August 1929. Nach einer katholischen Quelle zahlte Preussen an die katholische Kirche pro Kopf Einwohner 0,96 Mark im Jahre 1914 und 1.64 Mark im Jahre 1929( Bayern zahlt 3,95 Mark). Das( katholische) Zentrum droht, aus der Koalition auszutreten, und zwingt so die Sozialdemokratie zur Ausarbeitung eines Schulgesetzes, das die preussische Volksschule mit Haut und Haaren dem Klerikalismus ausliefere. Die wenigen weltlichen Schulen duldet man, weil man die Verteilung ihrer Schüler auf andere Schulen für gefährlich hält. Im Vergleich zum Vorkriegsstande wuchs in Deutschland die Zahl der Bruderorden um 105%, der Schwesterorden um 35,5%, ihr Mitgliederstand erhöhte sich um 83% bezw. 47%. In Württemberg nahm der Landtag Mitte des vorigen Jahres einen Antrag des Bauernbundes an, demzufolge alle Schulen den Kindern eine einfache, aber zuverlässige Erziehung im Sinne einer religiösen und moralischen Lebensanschauung zuteil werden lassen sollen. Dieser Antrag zielte darauf ab, anlässlich des nächsten Schulgesetzes das gesamte Schulleben mit klerikalem Geiste zu erfüllen. Die kürzliche Tagung der Preussischen Generalsynode( 1930) sprach sich in einer Entschliessung gegen die Anstellung dissidentischer Lehrkräfte an den evangelischen Schulen aus. Und in Oldenburg bestätigte der Landtagsausschuss am 21. Februar die Zwangspensionierung einer Lehrerin, die aus der Kirche ausgetreten war. Selbst der deutschen Reichsverfassung widerspricht jedoch die Entlassung aus religiösen Gründen! In England entfaltete insbesondere die katholische Kirche in der letzten Zeit eine grossangelegte Offensive. Aber auch die anglikanische Geistlichkeit verdoppelte ihre Anstrengungen, um die öffentlichen Schulen in ihre Hand zu bekommen. Sie hat sogar gefordert, dass der in den Schulen erteilte Religionsunterricht in bestimmten Abständen durch die Geistlichen inspiziert werde. In den kolonialen Ländern greift die Verklerikalisierung der Jugend ganz mächtig um sich. Wir verweisen auf den besonderen Bericht über die Kolonien. « Religiöser» Sozialismus Syndikalismus« voller Elastizität» An der religiösen Vergiftung der proletarischen Jugend machen sich gewisse leitende Kreise der Arbeiter- und Lehrerbewegung mitschuldig. Der sozialdemokratische preussische Kultusminister Grimme ist ein<< religiöser Sozialist>>. Er lässt sich keine Gelegenheit entgehen, um als echter Gläubiger<< den Sinn des Daseins» zu erörtern und tief zu beklagen, dass man am < Rande des Leugnens geistiger Werte>> angelangt sei. Ja, als Minister betrachtet er es als seine Pflicht, im Geiste« seiner eigenen Weltanschauung zu wirken»( Landtagssitzung vom 31. März 1930). In Belgien haben wir eine kürzliche Entschliessung der sozialdemokratischen Partei zur Frage der Subsidien für die katholischen Schulen; diese Entschliessung ersetzt einfach eine offene Kapitulationspolitik durch eine Politik der Ausflüchte, da letztere für die Einschläferung der Wachsamkeit der sozialistischen Arbeiter und Lehrer geeigneter ist. Der ausserordentliche Kongress des englischen Lehrervereins, der am 31. Dezember 1929 zum Protest gegen die versuchten Uebergriffe des Klerus auf dem Gebiete des öffentlichen Unterrichtswesens zusammengetreten war, zögerte nicht einen Augenblick davor, den Abänderungsantrag Giles abzulehnen, der die Weltlichkeit der öffentlichen Schulen forderte. Sind die Führer der Labour Party übrigens nicht fast durchweg eifrige Kirchgänger? Predigen sie nicht bei allen möglichen Anlässen den friedlichen Uebergang der kapitalistischen Hölle zum Reiche Gottes auf Erden? Das alles ist zur Genüge bekannt. Jeder weiss, dass sie ihre meisten Zitate... der Bibel entlehnen! Die Haltung des englischen Lehrervereins entspricht also durchaus der Linie der englischen Arbeiterregierung. Die Internationale Vereinigung der Lehrerverbände hat in der Praxis dauernd DIE LEHRER- INTERNATIONALE 33 zur Umklammerung der Schule durch die Religion in kaum verhüllter Weise beigetragen. Auf dem zweiten Kongress( Bellinzona, April 1929) lehnte die I.V. den Vlasakschen Antrag zugunsten der weltlichen Schule ab, weil er nicht < elastisch genug ist, und ohne weitere Bedenken pries sie die Gemeinschaftsschule an. Die Amsterdamer Führer, die sonst, auch in Frankreich, mit grossem Wortschwall die bürgerliche« weltliche» Schule verteidigen und gern die Verbandsmitglieder um sie vom Klassenkampf abzulenken in einen antiklerikalen Phrasenkampf hineinziehen, diese Führer zeigten sich auf dem Bellinzonaer Kongress in ihrer wahren Gestalt. - - Der dritte Kongress der I.V. wurde am 22. April 1930 in Prag eröffnet. Ein Delegierter des französischen Syndicat National, Lapierre, bemühte sich, die unvorsichtige Haltung der französischen Delegation auf dem Bellinzonaer Kongress nach Möglichkeit zu korrigieren. Er strich den« weltlichen Charakter der französischen Schule» heraus und machte daraus eine internationale Losung, immerhin... unter Beschränkung auf die« katholischen Länder»! Dumas, der Generalsekretär der I.V., setzte das wahre Wesen der französischen Schule auseinander und wies nach, dass in Frankreich die weltliche Schule nur dadurch gekennzeichnet werde, dass sie auf Religionsunterricht verzichte, im übrigen aber der Kirche freie Hand lasse. Er wandte sich scharf gegen« die Behauptung ( der Klerikalen), die französische öffentliche Schule wolle den religiösen Glauben durch die weltliche Philosophie ersetzen»!! « Erziehung zur Autorität>> Die Mitarbeit des Klerikalismus ist auch unerlässlich zwecks Förderung der << Erziehung zur Autorität», wie sich die internationale Bourgeoisie ganz offen ausdrückt. Der Entwurf zur Aenderung des Polizeistrafgesetzes, den die bayrische Regierung dem Landtag Anfang 1930 vorlegte, enthält z.B. einen Artikel 58a, der die Untergrabung der Schulautorität verhindern soll. Er bestimmt, dass< mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft wird, wer vorsätzlich 1. Schulpflichtige gegen die Schule oder die Lehrer aufhetzt oder 2. die Achtung Schulpflichtiger vor der Schule oder den Lehrern untergräbt oder 3. der Erziehungsarbeit der Schule an den Schulpflichtigen in sonstiger Weise entgegenarbeitet». Diese noch etwas verschwommenen Ausdrücke sprechen eine klarere Sprache, wenn man sich analoge Aeusserungen vor Augen hält. Am 31. März 1930 äusserte sich der sozialdemokratische Minister Grimme im Preussischen Landtag über die Grenzen der Toleranz( als ob je von Toleranz hätte die Rede sein können!) denjenigen gegenüber,« die das Fundament unterhöhlen wollen, auf dem die Ausübung der Tugend der Toleranz allein möglich ist, den demokratischen Staat»( sic).« Wir brauchen eine Jugend, die sich in unserem Zeitalter der Knopflochgesinnung gegen die Seuche des KlischeeDenkens bewusst immunisiert. Wir brauchen eine Jugend, der es zwar selbstverständlich ist, dass sie auch in den Fragen des staatlichen Lebens im ernsten Ringen zur Klarheit des Urteils kommt, der es aber sogar staatsdienlicher erscheint, wenn sie sich mit französischen und englischen Vokabeln plagt, als dass sie jongliert mit einer unverstandenen parteipolitischen Vokabulatur.» Ein anderer Sozialdemokrat, König, der Vizepräsident des Provinzialschulkollegiums von Berlin und Brandenburg richtete im April d.J. an die ihm nachgeordneten Schulbehörden eine Verfügung gegen die politische Verhetzung der Jugend. Darin heisst es« Die Schule hat die ihr anvertraute Jugend auch zur inneren Achtung vor der demokratisch- republikanischen Form des Staatès und vor seinen verantwortlichen Leitern zu erziehen... In besonderen Konferenzen wird jede Schule festzustellen haben, wie sie in den einzelnen Fächern oder Arbeitsgemeinschaften die Jugend zur Klarheit des politischen Urteils führt». Ein enges Zusammenarbeiten mit den Eltern wird für erforderlich gehalten. Sollten alle Bemühungen erfolglos bleiben, weil andere von aussen her einwirkende Gegenkräfte stärker sind, so wird man auch« vor strengen Massnahmen nicht zurückschrecken dürfen; die Schule muss dies den Schülern und Erziehungsberechtigten deutlich zum Bewusstsein bringen». Jede Schule wird angewiesen, in der Zeit vom 24. April bis zum 20. Mai d. J. auf einer besonderen Konferenz zu erwägen, wie im einzelnen der politischen Verhetzung mit allen Mitteln erzieherischer Beeinflussung entgegengetreten werden kann... Ein ausführlicher Bericht über diese Konferenz ist dem Provinzial- Schulkollegium 34 DIE LEHRER- INTERNATIONALE bis zum 31. Mai d. J. einzureichen. Im laufenden Sommerhalbjahr sind die Eltern auf Elternversammlungen gebührend über die ganze Frage zu unterrichten, usw... Wir fragen, braucht man heute noch nach Italien zu gehen, um Anschauungsunterricht in Schulfaschismus zu bekommen? Auch der Deutsche Lehrerverein ist sehr besorgt um die« Erziehung zur Autorität>>. Im Zeitungsdienst des D.L.V. vom 15. 1. 1930 wird davon ausgegangen, dass die Schule die Jugend nicht mehr genügend zur Autorität erziehe,« d.h. dass die Ehrfurcht der Jugend vor Eltern, Lehrern, Geistlichen, Lehrherrn und Erwachsenen überhaupt immer mehr schwinde»( wir unterstreichen). Und an den Vorträgen, die das Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster zur Pflege des Autoritätsgedankens» abhalten liess, wird lediglich das Fehlen praktischer Hinweise bedauert. Der Lehrer wird geknechtet In dem oben zitierten Erlass des Provinzialschulkollegiums Berlin- Brandenburg gegen die Verhetzung der Jugend heisst es andererseits, dass die Schule ihrer Aufgabe nur gerecht werden kann,« wenn ihre Lehrer innerlich selbst auf dem Boden unseres Staates stehen, ihm dienen, und wenn sie im Unterricht und persönlichen Verkehr aus solcher Ueberzeugung heraus auf die Schüler einwirken». Und die offizielle Lehrerpresse ergeht sich in langen Erörterungen über die« Treupflicht», eine der bedeutungsvollsten Grundlagen des« Beamtenrechts». Die« Treupflicht» verpflichte jeden einzelnen Beamten,<< seine volle Arbeitskraft, ja seine ganze Persönlichkeit in den Dienst des Staates zu stellen»; das Verhältnis des Beamten zum Staate sei nicht lediglich als Arbeitsverhältnis zu werten; auch im ausserdienstlichen und öffentlichen Leben werde der Staat von seinen Beamten die Einstellung verlangen müssen, die sein Lebensinteresse erfordert. Natürlich wäre der Beamte nicht vollständig vom politischen Leben auszuschliessen, man müsste ihm wenigstens das aktive und passive Wahlrecht lassen. So drückt sich wörtlich W. Flügel, der berühmte Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes aus, dem der Deutsche Lehrerverein angeschlossen ist. In Frankreich treten dieselben faschistischen Tendenzen ohne merklichen Unterschied in der Form zu Tage. Hier haben wir es mit der Theorie von ten « Staatsintellektuellen>> zu tun. Auch in den Vereinigten Staaten macht man die Lehrer zu Spitzeln. Am 5. März ging den New Yorker Volksschullehrern nachstehendes Rundschreiben zu, in dem sich die Unterrichtsleitung, wie man sieht, noch scheut, die von den Lehrern verlangte Arbeit beim rechten Namen zu nennen. Im Rundschreiben steht:< Aus besonderen Gründen wünschen wir, dass morgen möglichst viele Schüler zur Schule kommen. Zu diesem Zwecke haben Sie Ihr Möglichstes zu tun, um dem morgigen Unterricht eine besonders gewichtige und anziehende Note zu geben. Halten Sie Sonderkurse ab, machen Sie die Kinder darauf aufmerksam. Die Anwesenheitsliste ist dem Schulleiter um 8 Uhr 30 und 13 Uhr 30 vorzulegen.» Die Betonung der Machtbefugnisse des Schulleiters, wie sie in einer ganzen Reihe von Ländern zu beobachten ist und wir sie im Bericht des Sekretariats zur Sitzung unserer Exekutive im August 1929 treffend gekennzeichnet haben, dient nur zur Faschisierung der Schule und muss mit äusserster Energie bekämpft werden. Parallel dazu ist zu beobachten, dass die Anstellung der Lehrer in Ländern, wo sie bisher der Schulbehörde überlassen war, immer mehr zu einem Vorrecht der rein politischen Gewalt wird. Am 4. Dezember 1929 gab die ungarische Presse bekannt, dass auf Grund eines neuen Ministerialerlasses in Zukunft nur der Minister berechtigt sei, die feste Anstellung der Budapester Lehrer vorzunehmen. Man fürchtet nämlich, dass die Budapester Stadtverwaltung trotz allem einige sozialistische Lehrer anstellen könne! Aehnliche Fälle haben wir in vielen anderen Ländern. DIE LEHRER- INTERNATIONALE by VIII.- Unsere Presse und Veröffentlichungen 35 bar vanafanina) ni pizsley Das Bulletin Das viersprachige Monatsbulletin bildet für die I.B.A. eine mächtige Waffe. Entgegen gewissen Stimmen, die danach trachteten, die Wirkung dieser unserer Waffe zu schwächen, beschloss unser Leipziger Kongress und die Exekutive, sie noch treffsicherer zu machen. Wir glauben, dass es gelungen ist. uns in grossem Masse In technischer Beziehung wurde das französische Bulletin anziehender gemacht. Ueberwacht wurde auch die stilistische Vervollkommnung der fremdsprachigen Ausgaben, die in ihrer Aufmachung den besonderen Wünschen der betreffenden Gruppen angepasst wurden. - - Wenn auch die vier gedruckten Bulletins und spanisch im Hauptinhalt übereinstimmen, die gleichen grundlegenden französisch, englisch, deutsch Artikel haben, so bringt doch jede Ausgabe in reichem Masse Belege und Mitteilungen, die besonders für die betreffende Sprachgruppe von Interesse sind. Diese auch auf den Inhalt ausgedehnte Anpassung der Bulletins erfordert von der Redaktion eine recht umfangreiche Arbeit. In diesem Zusammenhang erklärt sich auch die Herausgabe von Sondernummern des Bulletins für den Dresdner, Chicagoer, Kalkuttaer, Montevideoer Kongress usw. Die Redaktion konnte sich einer guten Mitarbeit erfreuen. Besonders erwähnen wir den Pädagogischen Esperanto- Weltdienst( T.E.P.S.) des französischen Genossen Boubou, der uns in kluger und ergebener Weise unterstützte. Als Ganzes gesehen, ist das Bulletin sich selbst treu geblieben, es ist der präzise Niederschlag der eigentlichen Tätigkeit der Internationale. Das Bulletin konnte in den letzten zwei Jahren Artikel und Mitteilungen aus einer ganzen Reihe von Ländern bringen, weil die Tätigkeit der Internationale sich auf alle diese Länder ausdehnt. In gewissen Fällen gelang es ihm, die Lehrer zu mobilisieren, sie für die revolutionären Kämpfe der Arbeiterklasse zu gewinnen. Wir müssen aber sagen, dass es noch nicht eine Massenbewegung ausgelöst hat. es Jedenfalls wurde die I.B.A. in vielen Fällen durch die verantwortlichen Stellen der angeschlossenen Sektionen und Gruppen nicht besser unterrichtet, als vor dem V. Kongress geschah. Wenn auch verschiedene Sektionen und Gruppen( in erster Linie die U.S.S.R., sowie England, Deutschland, Vereinigte Staaten, Uruguay, Belgien seit einigen Monaten und sogar Südafrika bezw. Griechenland usw.) regelmässig der internationalen Hauptstelle Material senden, so sind doch wichtige angeschlossene Gruppen zu verzeichnen, deren Leitung der I.B.A. trotz der Beschlüsse unserer Kongresse und Exekutivsitzungen noch keine Artikel oder Presseinformationen zugehen liess. Wir wissen, dass das Material, das unser Bulletin bringt, von den Informationsdiensten und auch von der bürgerlichen Presse« geschätzt» wird. Das will aber nicht besagen, dass wir verschiedene Lücken übersehen; wir müssen sie vielmehr blosslegen, damit der Kongress dafür Abhilfe schaffen kann: 1) Eine Rubrik in unserem Bulletin war absolut unzulänglich, nämlich die Rubrik Arbeiterbewegung». Heute, wo angesichts der Verschärfung des Klassenkampfes selbst in unseren eigenen Reihen Tendenzen zur Lockerung der Bande mit der revolutionären Arbeiterbewegung zu Tage treten, ist es mehr denn je nötig, den Mitgliedern der I.B.A. in jeder Nummer des Bulletins vor Augen zu halten, dass die Bildungsarbeiter einen wesentlichen Bestandteil der roten Weltarmee der Arbeit bilden.ing the stab affen 2) Die Ausgabe in französischer Sprache der offiziellen Sprache des Sekretariats ausgenommen, ist zu bemerken, dass die Bulletins, insbesondere 36 DIE LEHRER- INTERNATIONALE das spanische Bulletin, in nur ungenügenden Zeitabständen erschienen. Wir sind der Meinung, dass diesem Umstande unbedingt abzuhelfen ist, dass alle vier Ausgaben des gedruckten Bulletins ganz regelmässig erscheinen müssen, und zwar im Hinblick auf unseren weltumfassenden Einfluss und die hohe Bedeutung der uns in Uebersee zufallenden Aufgaben( englisches und spanisches Bulletin). 3) Die vervielfältigten Bulletins in anderen Sprachen( polnisch, rumänisch, ungarisch, skandinavisch usw.) wurden recht vernachlässigt, was wir offen zugeben müssen. 4) Das Pressebulletin erschien ziemlich regelmässig in französischer und deutscher Sprache, unregelmässig auf spanisch, nur zweimal auf englisch. Die drei ersten Ausgaben sind ganz unerlässlich. Sie werden in der Praxis in reichem Masse ausgenutzt. Genossen aus abgelegenen Gebirgsgegenden, z.B. in Griechenland und Lateinamerika, fordern das Pressebulletin als Ergänzung des gedruckten Bulletins an. Es muss so regelmässig wie möglich erscheinen, vor allem in französischer und spanischer Sprache. Die Finanzschwierigkeiten waren im Grunde für eine gewisse Unregelmässigkeit in der Presse ausschlaggebend übrigens war diese Unregelmässigkeit schon bei weitem weniger ausgeprägt als vor dem V. Kongress. Eine andere Gefahr ist aber diesbezüglich heraufbeschworen worden durch die im Generalsekretariat vorgenommene äusserste Personaleinschränkung. In Wahrheit müsste sich im Sekretariat ein Genosse ganz ausschliesslich mit dieser Arbeit befassen, wenn wir das regelmässige Erscheinen unserer unerlässlichen Presseorgane sicherstellen wollen. « Proletarische Pädagogik» in fünf Sprachen abst Die Sammlung der Thesen, Referate und Debatten unserer Leipziger Pädagogischen Tagung( 10.- 12. April 1928) wurde von uns unter dem Titel< Proletarische Pädagogik» veröffentlicht. Die französische und die russische Ausgabe dieses Werkes wurden zuerst verlegt. Bald darauf folgte die deutsche Ausgabe. Und am Die spanische Uebersetzung war Ende Januar 1930 fertig gedruckt. 28. März d.J. kündigte uns unsere japanische Sektion das Erscheinen des Werkes in japanischer Sprache an. Gemessen am Absatz und an dem ihm gezollten Interesse, können wir sagen, dass dieses Buch von allen unseren Veröffentlichungen den grössten Erfolg gehabt hat. Es ist auch ein Markstein für die wahre Internationalisierung unserer Propagandaarbeit, oder besser für ihre Ausdehnung im Weltmasstabe. Die pädagogische Presse und die Arbeiterpresse, insbesondere in Deutschland, haben unserem Werke eine sehr lobende Kritik gespendet, und selbst unsere Gegner, wenn sie auch ganz begreifliche prinzipielle Vorbehalte machten. Es ist klar, dass die fundamentale Bedeutung des Buches, sein kategorischer Bruch mit der gesamten bisherigen pädagogischen Literatur der kapitalistischen Länder ( was die Hauptthesen und-referate anbetrifft, sowie die allgemeine Orientierung der Debatten) von allen deutlich empfunden wurde, und das ist das Wesentliche. 500 Wir hoffen, mit diesem Buche einem jeden, der sich mit der Erziehung des proletarischen Kindes befasst, auch praktische Hinweise gegeben zu haben. Im Organ des Waisenheims der französischen Sektion der Internationalen Arbeiterhilfe« Avenir Social>> vom August 1929 findet man einen Bericht der Heimleiterin mit einer ganz treffenden Bewertung unserer Leipziger Tagung an Hand der« Proletarischen Pädagogik».« Diese Tagung, schreibt die Genossin, bedeutet neben den vielen anderen Veranstaltungen bürgerlichen Charakters auch nach Verlauf eines Jahres noch ein Manifest der neuen Erziehungsform, die Hand in Hand mit der politischen Organisierung der Jugend marschiert, im Kampfe gegen die alten verbrauchten, leblosen Formen der kapitalistischen Schule und des kapitalistischen Staates.» Können wir nicht nach solchem Urteil sagen, dass das Ziel erreicht wurde? Inzwischen wurde, wie gesagt, die spanische Ausgabe des Buches veröffentlicht. Der Sekretär unserer spanischen Sektion, schreibt dazu:<< Die spanischen Leser der Proletarischen Pädagogik haben ihr viel Lob gespendet. Das DIE LEHRER- INTERNATIONALE 37 darin enthaltene Material und die Schlussfolgerungen habe ich für Artikel und Vorträge verwertet. Ein Artikel, den Kollege Noguera über das Buch für<< La Voz» geschrieben hatte, wurde durch die Regierungszeńsur verboten. Sidonio Pintado hat eine Buchbesprechung in« La Libertad» gebracht. Ein anderer Kollege, Pablo de A. Coblos, schrieb darüber in einer segovischen Zeitschrift...>> Letzterer hebt hervor, dass das Buch für die Lehrer der spanischen Länder von ganz besonderem Interesse ist, da sie im allgemeinen in verschwommenen Betrachtungen aufgehen,« die sie nicht zum Verstehen einer grossen Wahrheit führen: die Unmöglichkeit, eine wahre Pädagogik aufzubauen, ohne sie soziologisch zu untermauern... In Wirklichkeit kommt auch die beste pädagogische Technik dem Arbeiterkinde in allen( kapitalistischen) Ländern nur wenig zustatten. Das wissen wir spanischen Lehrer genau so wie die Kollegen im Auslande... In den kapitalistischen Ländern gibt es zwei Arten von Pädagogik eine Pädagogik für die zu Befehlshabern bestimmten Kinder, und eine andere Pädagogik für die Kinder, die im Gehorsam verharren sollen. In der U.S.S.R. gibt es nur eine Pädagogik..., die eines schnellen Fortschritts und baldigen Sieges gewiss ist>. : In Lateinamerika ist das Buch von nicht weniger grossem Nutzen und findet dort nicht schlechtere Aufnahme. Wir greifen aus einem Dutzend diesbezüglicher Briefe das Urteil eines peruanischen Genossen heraus, der uns unter dem 11. April d. J. schreibt:« Wir haben die Pedagogia Proletaria mit grosser Begeisterung empfangen. Nicht mal einen Tag habe ich die Exemplare zu behalten brauchen. In wenigen Augenblicken wurden mir die 30 Stück aus den Händen gerissen... Ich bitte Euch, Genossen, mir 40 weitere Exemplare zu schicken... Ich sende Euch 15 Dollar für die verkauften 30 Stück». Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Proletarische Pädagogik von den Bildungsarbeitern einer ganzen Reihe von Ländern mit Interesse gelesen wird. IX. Von einem Kongress zum andern In den beiden verflossenen Jahren konnten wir bei dem verschärften Angriff der Reaktion eine organische Konsolidierung der I.B.A. und ihren erweiterten Einfluss feststellen. Die früheren Beschlüsse betreffend unser Vordringen im Orient und in Lateinamerika sind auch weiterhin befolgt worden. Der V. Kongress hat den Anschluss einer chinesischen Sektion( Hupe) und einer uruguanischen Sektion ratifiziert. Und unser VI. Kongress wird das letzte Wort zu sprechen haben zum Anschluss der japanischen Sektion, die unsere Exekutive schon begrüssen konnte, und zum Anschluss der mexikanischen Sektion( Michoacan). Die ausführenden Organe der I.B.A. haben in den letzten zwei Jahren gewisse Schritte unternommen, die zwecks grösserer innerer Kohäsion unserer Internationale erforderlich waren. In Europa verloren wir die belgische Sektion, jedoch beweist die Hartnäkkigkeit, mit der sich die Urheber der Spaltung dem Einzelanschluss an die I.B.A. widersetzen, dass die I.B.A. mit den Bildungsarbeitern Belgiens nach wie vor fest verbunden ist. Auf der anderen Seite organisierten wir die Lehramtsstudenten. Engere Bande wurden geknüpft mit den Gruppen, die am weitesten abliegen oder unter ausserordentlich schwierigen Bedingungen arbeiten. Dem Beschluss der Exekutive vom August 1929 zufolge, wurde ein Delegierter zur schottischen Sektion entsandt. Der Besuch fand an der Wende des vorigen Jahres statt und batte Erfolg. Die Verbundenheit dieser Sektion mit der I.B.A. wurde erneut bestätigt. Trotz jahrelangen unerbittlichen weissen Terrors stehen die Kader der portu 38 DIE LEHRER- INTERNATIONALE giesischen Sektion uns treu zur Seite. Die spanische Sektion ist in voller Reorganisation begriffen, sie meldet einen ständigen Mitgliederzuwachs und setzte ihre Generalversammlung auf den 22. Juni d. J. und die folgenden Tage im Madrider Volkshaus fest, um insbesondere die internationalen Beziehungen und den kommenden Kongress der I.B.A. zu besprechen, aber auch die Verbindung mit den spanischen Arbeiterorganisationen und die Mitarbeit an den allgemeinen Zielen der organisierten Arbeiterklasse. Mit den Kaders der illegalen italienischen Sektion wurde ein direkter Kontakt wiederhergestellt und gewahrt. Die englische Sektion, die zufolge der Spaltung durch reformiştische Elemente zahlenmässig geschwächt wurde, hat es verstanden, energisch an den Wiederaufbau heranzugehen. Trotz einiger Schwächen auf diesem oder jenem Arbeitsgebiet hat ihr letzter Kongress die Reife der Organisation, ihre Kampffähigkeit und ausserordentliche Verbundenheit mit der I.B.A. bewiesen. Die englische Sektion hat einen Schritt vorwärts gemacht zur unabhängigen Leitung des Kampfes der Lehrer gegen die Rationalisierung der Schule, gegen den Klerikalismus, gegen den vermehrten Autoritätsgedanken in der Schule, gegen den Imperialismus und den bürgerlichen Pazifismus. Die englische Sektion hat sich von allen kleinbürgerlichen Ueberbleibseln freigemacht und steht jetzt in aller Klarheit als Bestandteil der revolutionären Arbeiterbewegung da. Die luxemburgische Sektion ist der I.B.A. treu geblieben. Im übrigen konnte die Frage der engeren Verknüpfung, der praktischen Arbeitskontakte zwischen dieser Sektion und der Internationale nicht immer völlig gelöst werden. Die französische Sektion hat in zunehmendem Masse unter den Bedingungen einer einschneidenden Differenzierung im Schosse der Arbeiterbewegung selbst gearbeitet. Die reformistische Gewerkschaftszentrale ist nicht nur endgültig in den Dienst der Unternehmer und des kapitalistischen Staates getreten, sie hat auch alle Kräfte aufgeboten, um die Lehrerschaft in ihren Reihen zu organisieren, und es ist ihr gelungen, die Mehrheit der Bildungsarbeiter aller Unterrichtsgrade in einem einzigen Verband mit 90.000 Mitgliedern zusammenzufassen. Parallel dazu ging ein immer verschärfter Druck der Bourgeoisie auf Schule und Lehrer. Alle diese Bedingungen bewirkten auch im Schosse der französischen Sektion der I.B.A. eine Differenzierung. Nicht in allen Punkten und nicht immer gemäss den Beschlüssen der I.B.A. konnte sie die sich ergebenden Probleme lösen: Kampf für die materielle Lage der Lehrer, Kampf für die Junglehrer und Lehramtsstudenten, Kampf gegen die verschärfte autoritative Schulleitung, Kampf gegen die Unterdrückung, Kampf gegen die schärfere Hervorkehrung des Klasseninhalts des Unterrichts, gegen die Militarisierung, den Klerikalismus, die Beschlagnahme des proletarischen Kindes durch die Bourgeoisie usw... Nicht immer konnte sie der Unzufriedenheit der Lehrer die erforderlichen organisatorischen Formen und angemessenen Ausdrucksmöglichkeiten geben. Die deutsche Gruppe hat in bezug auf die Stärkung der inneren Organisation bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Trotzdem sie gegenwärtig unter äusserst schwierigen Bedingungen arbeitet, unter dem vereinten Druck des Verwaltungsterrors und einer geschickten Politik der Verbürgerlichung eines ganzen Teils der Lehrerschaft, ist es ihr sogar gelungen, in diesem Jahr ihre erste Landeskonferenz abzuhalten und auf die Bemühungen der Bourgeoisie und ihrer Verbündeten um die Eroberung des proletarischen Kindes zu antworten. österreichischen I.B.A.- Mitglieder wurden der deutschen Gruppe angegliedert und scheinen zur Arbeit entschlossen zu sein. Die Die belgische Gruppe, die vor 6 Monaten aufgezogen wurde, hat sich dank ihrer Tätigkeit in die vorderste Reihe unserer europäischen Gruppen von Einzelmitgliedern geschwungen. In Dänemark hatten wir einen weniger guten Stützpunkt zufolge der Krankheit des verantwortlichen Genossen. In Norwegen wird die Arbeit, wenn auch langsam, fortgesetzt. In Schweden nahm die I.B.A.- Propaganda seit Anfang dieses Jahres einen grossen Aufschwung, dank der Mitarbeit einer Gruppe junger enthusiastischer Genossen. Ausser den skandinavischen Ländern unterhalten die Balkanländer mit der I.B.A. die besten Beziehungen, trotz des dort wütenden Terrors; unsere jugoslawi DIE LEHRER- INTERNATIONALE 39 schen und bulgarischen Genossen kämpfen unermüdlich weiter, die Kader der griechischen Gruppe setzen ihre ausgezeichnete Arbeit fort, mit Rumänien wurden kürzlich wieder feste Bande geknüpft. Die angelsächsischen Ueberseeländer können in vielen Punkten mit dem kapitalistischen Europa verglichen werden. In Kanada fand unsere Arbeit nur schwachen Widerhall, trotzdem wir im Sommer 1929 versucht haben, im Staate Alberta eine Gruppe aufzuziehen. Dagegen erwarben wir in Australien eine gute Aktionsbasis. Unsere Gruppe in den Vereinigten Staaten arbeitet unter sehr ungünstigen Bedingungen, doch hielt sie mit der Internationale einen ausgezeichneten Kontakt aufrecht und organisierte sorgfältig die Arbeit; anlässlich des Kongresses des unitarischen Gewerkschaftsbundes( Cleveland, 31. August bis 2. September 1929) wurde eine Lehrerkonferenz abgehalten und darauf eine Entschliessung zur Organisierung der Bildungsarbeiter angenommen. Wir halten eine Landeskonferenz dieser Gruppe in absehbarer Zeit für notwendig. In Asien die chinesische Sektion besteht legal nicht mehr. In Indochina haben wir die Arbeit nicht vernachlässigt. Offen müssen wir zugeben, dass wir auf den Philippinen und auch in Indien nur eine schwache Basis haben. Dagegen hat sich unsere neue japanische Sektion sehr gut bewährt, ungeachtet der äusserst schwierigen politischen Verhältnisse. In Afrika: von der südafrikanischen Gruppe der I.B.A., die Anfang 1929 durch Negerlehrer gebildet wurde, gilt das soeben Gesagte. Die südafrikanische Bourgeoisie wollte letztens dieser Gruppe, die eine ganz aussergewöhnliche Tätigkeit für die I.B.A. entfaltet, einen harten Schlag versetzen. Die verantwortlichen Genossen befinden sich jetzt im Elend, doch bleiben sie unseren Zielen treu. In den Atlasländern und in Französisch- Ostafrika hielten wir unsere Verbindungen aufrecht. Um Lateinamerika bemühten sich das Sekretariat und das Exekutivkomitee in ganz besonderem Masse, und sie haben auch entsprechende Ergebnisse erzielt. Die Sektion Uruguay hat eine rege Tätigkeit entfaltet und sich unseren Zielen und Methoden vollkommen angepasst. Eine neue Sektion bittet in Mexiko um Aufnahme. Und in einer ganzen Reihe von Ländern verbreiten begeisterte Gruppen unsere Ideologie und arbeiten nach unserer Aktionsbasis. Die unsäglich ausgebeuteten Lehrer Lateinamerikas wandten sich mehrfach an die I.B.A., um von ihr Direktiven für die Arbeit einzuholen. Die aktivsten Gruppen haben wir in Peru, Ecuador und Honduras. In gut organisierter Verbindung stehen wir mit Bolivien, San Salvador usw. Die von der I.B.A. in Lateinamerika geleistete Arbeit ist als unbestreitbarer Propagandaerfolg zu verbuchen. Sicherlich sind die Lehrergruppen, die sich mit dem Proletariat verbunden fühlen, noch nicht sehr zahlreich. Und um das Erwachen des Klassenbewusstseins der Bildungsarbeiter zu hindern, wurden unter grossen Kosten mächtige internationale Organisationen geschaffen und entwickelt, die unserer Klassenlosung:« Proletarier aller Länder vereinigt Euch!» die kleinbürgerliche Losung Lehrer der Welt vereinigt Euch!» entgegensetzen, welche Devise ganz offen auf den Bulletins der Internationalen Vereinigung der Lehrerverbände prangt. Trotz allem können wir feststellen, dass hauptsächlich in den kolonialen und halbkolonialen Ländern immer grössere Kreise der Lehrerschaft an eine ernste Analyse ihrer Lage herangehen. In dem Masse, in dem gewisse Gruppen den wahren Sinn ihrer Lage erfassen, machen sie mit der kleinbürgerlichen Ideologie Schluss, beginnen sie mit dem Kampf des revolutionären Proletariats zu sympathisieren und treten sie mit der Gewerkschaftsbewegung in Fühlung. Und so erleben wir, dass alle die Lehrer zur I.B.A. kommen oder sich ihr nähern, die sich dem Kampfe weihen zur Zerstörung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und zum Aufbau einer Gesellschaft, in der es keinen Unterschied mehr geben wird zwischen Hand- und Kopfarbeit und keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, obgleich wir zugeben müssen, dass unsere Organisationsgruppen zahlenmässig noch nicht sehr entwickelt sind angesichts der Verfolgung durch die Bourgeoisie. Aus diesen Entwicklungsperspektiven erwächst unserer Internationale eine hohe Verantwortung. Sie muss die Fehler ihrer Arbeit blosslegen und dringendst dafür Abhilfe schaffen. In der Zeit von 1928 bis 1930 waren hauptsächlich vier Fehler festzustellen. 40 DIE LEHRER- INTERNATIONALE Zuerst zählt dazu die Schwäche des Kampfes für die unmittelbaren Forderungen der Lehrerschaft. Wir müssen beschliessen, diese Arbeit entschieden auszubauen. Die in der Verteidigung der Lehrerinnen beobachteten Lücken müssen z.B. auf jeden Fall aufgefüllt werden. Wir müssen lernen, die unmittelbaren Forderungen der Massen in enge Beziehung zum Klassenkampf für das Endziel zu bringen, die richtigen Losungen für die ausschlaggebenden Kategorien und für die Masse zu finden, sie in den revolutionären Klassenkampf hineinzuziehen. Das setzt eine ungeheure Arbeit in bezug auf die Belegsammlung UND ORGANISATION voraus, wozu dem Sekretariat die Möglichkeit gegeben werden muss. Zweitens sind noch Anstrengungen zu machen, um die revolutionären Lehrer wahrhaft in die lebendige Bewegung des manuellen Proletariats einzugliedern, Da insbesondere die damit aus der Verbundenheit eine Verschmelzung wird. Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie entschlossen auf« kulturellem» Gebiete wie auch auf den anderen Gebieten kämpft, da die Arbeiterklasse ihre erziehliche und kulturelle Klassenarbeit ausbaut, müssen die Glieder unserer Organisation und unseres Berufes der Arbeiterklasse zu Hilfe kommen. Bringen wir die Stimmen der« Linken> zum Schweigen, die diese Arbeit für unnötig halten. Auch die Losung« Beteiligt Euch an der Kulturarbeit der Gewerkschaften!» ist eindringlich aufzunehmen und durchzuführen. - Hinzu kommt drittens die Notwendigkeit, für ein regelmässiges Erscheinen unserer Presse zu sorgen, wie bereits im vorhergehenden Abschnitt unseres Berichts betont. Schliesslich zeigten sich in der Berichtsperiode Tendenzen zur Auflockerung der inneren Bande der I.B.A., Anwandlungen gegen die internationale Disziplin. Der Kongress muss diesen Versuchen unerbittlich entgegentreten. Den kommenden äusserst harten Schlachten müssen wir in noch kompakteren gedrängten Reihen entgegenmarschieren. Bayrische Regierung hetzt Lehrerin zu Tode Bei Drucklegung erfahren wir von einer unerhörten kulturreaktionären Schandtat der bayrischen Regierung, der unsere Genossin Elisabeth Maldaque, Lehrerin an der Von der Tannschule in Regensburg, zum Opfer gefallen ist. Elisabeth Maldaque, die 17 Jahre lang zur vollsten Zufriedenheit der Eltern und Behörden und ohne jegliche Beanstandung im Schuldienst tätig war, wurde ganz plötzlich, ohne vorherige amtliche Verwarnung zum 1. Juli d. J. fristlos entlassen, zwei Monate vor ihrer schulrechtlichen unwiderruflichen Anstellung. Die Entlassung erfolgte auf willkürlich zusammengestellter Tagebucheinträge der bayrischen Polizei, aus denen das bayrische Kultusministerium « kommunistische Umtriebe>> folgerte. Grund E. M.hat sofort auf dem Rechtswege Berufung eingelegt und mit allen Kräften gegen diese nichtswürdige Polizeischikane angekämpft. Sie ist schuldlos. Spontan nahmen auch alle Eltern ihrer Schüler und ihre Kollegen ohne Unterschied der Parteirichtung für sie Stellung. Die Kollegen selbst waren aufs äusserste überrascht, hatten sie doch bisher nichts von den« kommunistischen Umtrieben» unserer Genossin zu verspüren bekommen. Klar und sachlich setzte E. M. auf einer Elternversammlung ihren Fall auseinander, und einstimmig nahm die Versammlung eine Resolution an, in der die volle Rehabilitierung von E. M. als Lehrperson der Von der Tannschule gefordert wurde. « 9 Zahlreiche Zuschriften gingen unserer Genossin von den Eltern zu als Belege Ich für ihre Eingabe an die Regierung. In einer Zuschrift heisst es: erkläre, dass ich auf dem Boden christlicher Weltanschauung stehe, politisch rechts eingestellt und seit Jahren in Ausschüssen grösserer heisiger vaterlänIch habe somit das discher Verbände im vaterländischen Interesse tätig bin. grösste Interesse daran, dass mein Kind ebenfalls in diesem Sinne erzogen wird... Ich habe an der Lehrmethode von Frl. M. nicht das Geringste auszusetzen und an meinem Kinde niemals etwas wahrnehmen können, was darauf schliessen DIE LEHRER- INTERNATIONALE 41 liesse, dass das Kind in der Schule in kommunistischem Sinne aufgeklärt oder beeinflusst wird... Ich zweifle nicht daran, dass die Haltlosigkeit der Verdächtigungen erwiesen wird und wir dann Frl. M. wieder als Klassenlehrerin unserer Kinder begrüssen können. Ich wünsche dies nicht nur im Interesse der Kinder selbst, sondern ganz besonders auch im Interesse von Wahrheit und Gerechtigkeit>. Der Regierung kam es aber weniger auf Wahrheit und Gerechtigkeit an als auf den Triumph der faschistischen Willkür. Sie hielt sich ausschliesslich an den Polizeibericht und weigerte sich im übrigen auf Grund einer Verordnung aus dem Jahre 1825, für die erfolgte Massregelung irgendwelche Gründe anzugeben. E. M. wurde auch nicht ermächtigt, in die Polizeiakten einzusehen. Was hat sich unsere Genossin nun zu schulden kommen lassen? Die soziale Bewegung lag ihr am Herzen. Sie besuchte Wahlversammlungen aller Richtungen, las die Presse von links nach rechts, vertiefte sich in politische Literatur und erkannte die schreiende Ungerechtigkeit unserer Gesellschaftsordnung. Sie machte sich auch mit der kommunistischen Bewegung bekannt, ging in Freidenkerversammlungen, sang mit Symphatisierenden auf Zusammenkünften die« Internationale» usw. Sie wollte an einer Studienreise zur Leningrader Pädagogischen Ausstellung teilnehmen. Seit einiger Zeit hatte E. M. den Besuch einer thüringer Lehrerin, einer Freundin aus ihrer Studienzeit, die wegen Sparmassnahmen aus dem Schuldienst entlassen worden war. Weil diese Lehrerin auf einer Gerichtsverhandlung mit dem Angeklagten, einem Kommunisten, gesprochen hatte, wurde bei ihr und Elisabeth Maldaque eine Haussuchung vorgenommen! Dabei fand man zwar keinerlei Belastungsmaterial, nur etwas marxistische Literatur und Zeitungen. Man stellte auch fest, dass E. M. Mitglied linksgerichteter, wenn auch nicht parteipolitischer Organisationen sei: Arbeiterabstinentenverband, Internationale der Bildungsarbeiter, Freier Turn- und Sportverein, Bund der Freunde der Sowjetunion. Das alles sind im schwarzen Bayern staatsgefährliche Verbrechen. Zwölf Tage lang kämpfte E. M. gegen die unbeschreibliche kulturreaktionäre Hetze, dann brach sie mit ihren Nerven zusammen. Erste Anzeichen machten sich bei einer Besprechung mit ihrem Rechtsanwalt bemerkbar. Bald darauf glaubte sie sich von Mördern und Spionen umgeben, was eigentlich der Wirklichkeit entsprach( Spitzelapparat, den eigenen Vater einbegriffen). Aus dem Krankenhaus wurde sie auf Wunsch nach einem Tage entlassen. Weil sie aber vor der breiten Oeffentlichkeit ihr Recht verteidigte und die bayrische Kulturreaktion aufzeigte, musste sie im Interesse der heutigen Machthaber von der Bildfläche verschwinden. Dieses beispiellose Vorgehen der Regierung unterstützte der mit religiösem Fanatismus behaftete Vater. Als unsere Genossin einen zweiten Anfall bekam, liess er die< anders denkende» Tochter durch den Amtsarzt in die Irrenanstalt bringen. Mit Gewalt wurde sie von sechs Wärtern abgeschleppt, von allen Freunden und der Presse abgeschlossen und auf diese unerhörte Weise kalt gestellt. Aber auch in der Anstalt war sie fest entschlossen, für ihr Recht zu kämpfen. Nach wie vor protestierte sie energisch gegen ein etwaiges<< Gnadengesuch um Pension», das ihr Vater über ihren Kopf hinweg im Landtag vorbringen liess. Durch dieses Gnadengesuch sollte der Fall ohne allzu grosses Aufsehen aus der Welt geschafft werden, zu diesem Zwecke musste E. M. aber in der Anstalt festgehalten werden. Am 9. Tage ihrer Einlieferung in die Anstalt erklärte der Anstaltsarzt, dass « geistig keine Bedenken bestünden, die Zerrüttung sei erfolgt durch Uebermüdung und Aufregung und könne in einigen Wochen behoben sein. Der körperliche Zustand dagegen sei ernst, sie habe über 40 Grad Fieber und müsse künstlich ernährt werden>. Einen anderen Arzt zur Untersuchung in der Anstalt zuzuziehen, weigerte sich der klerikal unterjochte Vater. Inzwischen ist E. M. in der Anstalt gestorben! Der ganze Fall ist eine beispiellose Vergewaltigung und verfolgte den alleinigen Zweck, einen Menschen, der für die revolutionäre Idee kämpfte, der kirchlichen Reaktion in die Arme zu liefern und beiseite zu schaffen, weil er unbequem war. Elisabeth Maldaque ist im Klassenkampfe gefallen. Aber ihr Andenken wird allen Mitgliedern der I.B.A., den deutschen Mitgliedern insbesondere, ein unauslöschlicher Ansporn zur revolutionären Aktion sein. Le Gérant: L. VERNOCHET. LA COOTYPOGRAPHIE SOCIETE OUVRIERE D'IMPRIMERIE11, R. DE METZ, COURBEVOIE 78308 Centimetres Inches 7 10 11 12 13 14 15 16 17 Grayscale 0 1 2 3 3 4 4 5 5 6 6 100% 7 7 8 8 50% 19 C Y M Sachverständigen- Zubehör.de 9 9 10 10 11 12 13 14 11 18% 0% 2 5 7 10 11 12 13 14 15 16 17 Centimetres Inches 5 Color chart Sachverständigen- Zubehör.de Blue Cyan Green Yellow Red Magenta White # C9C9FF # 0000FF # C0E5FC # 009FFF # 759675 # 008B00 # FFFFC7 # FFFF00 # FFC9C9 # FF0000 # FFC9FF # FF00FF #FFFFFF Grey Black # 9D9E9E # D9DADA # 5B5B5B # 000000