30 2 2283 Dic Internationale Union der Holzarbeiter Tätigkeitsbericht über die Jahre 1922 bis 1925 1925 Protokoll des VI. ordentlichen Kongresses, abgehalten in Brüssel im Juli 1925 Referate und ein Anhang NMIS 76 Die Internationale Union der Holzarbeiter. Tätigkeitsbericht über die Jahre 1922 bis 1925. Protokoll des VI. ordentlichen Kongresses, abgehalten in Brüssel im Juli 1925. Referate und ein Anhang. 1925 dodrolldia Bibliothek der Friedrich- Ebert- Stiftung X 2283 Seite 7 17 42** Inhaltsangabe. Geschichtliche Darstellung der Entwicklung der Internationalen Union der Holzarbeiter.... Tätigkeitsbericht über die Jahre 1922 bis 1925.... Finanzieller Bericht Bericht über den VI. Ordentlichen Internationalen Holzarbeiterkongress, Brüssel, Juli 1925 Verzeichnis der Delegierten Tagesordnung mit eingereichten Anträgen. Kongressbericht 43 45 46 49 80 44448 Rednerliste Referat über ,, Aufgaben und Organisationsform der internationalen Gewerkschaftsbewegung" Bericht über die Fusionsfrage Anhang: 83 105 Satzungen der Internationalen Union der Holzarbeiter 109 Beschlüsse des VI. Ordentlichen Kongresses Adressenverzeichnis der Holzarbeiterorganisationen.. 117 115 Geschichtliche Darstellung der Entwicklung der Internationalen Union der Holzarbeiter seit dem Jahre 1891 bis zum 1. Januar 1922. Mit den ersten Versuchen, eine internationale Organisation der Holzarbeiter zu gründen, ist es nicht so leicht gegangen. Es schien allerdings, dass das nötige Bedürfnis nach internationalem Zusammenschluss vorhanden war, doch angesichts der Tatsache, dass die nationalen Organisationen nicht in genügendem Masse konsolidiert waren, war zu Beginn die Schaffung eines permanenten internationalen Verbandes nicht möglich. Im Juni 1891 richtete die belgische Holzarbeitervereinigung Der 1. Internat. Kongress, einen Aufruf an die Gewerkschaften der Holzarbeiter aller Brüssel 1891. Länder, worin diese ersucht werden, an einem vom 15. bis 17. August 1891 in Brüssel abzuhaltenden Internationalen Holzarbeiterkongress teilzunehmen. Dieser Kongress, dem 25 Delegierte aus zehn Ländern beiwohnten, kann als Erster Internationaler Kongress betrachtet werden. Er beschloss die Organisie- Errichtung eines rung eines internationalen Informationsdienstes über Streiks, dienstes. Lohnverhältnisse und Arbeitsbedingungen. Ausserdem wurde der Beschluss gefasst, im Jahre 1893 in Zürich einen zweiten Kongress abzuhalten. François Sas in Brüssel wurde zum Internationalen Sekretär ernannt. Über die Entwicklung in den Jahren 1891 bis 1893 ist nicht viel zu berichten. Auf dem Züricher Kongress des Jahres 1893 waren acht Länder mit 33 Delegierten vertreten. Die Beschlüsse von Brüssel wurden erneuert. Das Sekretariat wurde nach Stuttgart verlegt und Karl Kloss zum Sekretär ernannt. Es wurden auch noch eine Anzahl, den weiteren Ausbau der Internationale betreffende Beschlüsse gefasst. Der neue Sekretär leistete grosse Arbeit, um in der Tat eine allen Ansprüchen gewachsene internationale Organisation zu schaffen. Informations= Der 2. Internat Kongress, Zürich 1893. Die Mitarbeit der verschiedenen Länder liess jedoch sehr Erschlaffung. viel zu wünschen übrig. Da sich für einen, im Jahre 1896 in Amsterdam geplanten Internationalen Kongress nur Organisationen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Holland und Österreich anmeldeten, musste Kloss davon absehen, diesen Kongress abzuhalten. Hingegen fand anlässlich des Internationalen Arbeiterkongresses 1896 in London noch einmal eine Internationale Holzarbeiterkonferenz statt. Es nahmen jedoch nur Delegierte aus Deutschland, England, Frankreich und Holland daran teil. Obwohl auf dieser Konferenz noch ein Versuch gemacht wurde, um die Internationale in Erwartung günstigerer Zeiten für die erfolgreiche Abhaltung eines Internationalen Kongresses wenigstens administrativ aufrechtzuerhalten, musste Kloss seine Funktion aufgeben, da die ausländischen Verbände keine Briefe und Berichte mehr einsandten. 7 Neue Nach 1899 entwickelte sich jedoch ein neuer internationaler Anregungen. Verkehr zwischen Dänemark, Deutschland, Österreich und der Der 3. Internat. Kongress, Amsterdam 1904. Schweiz. Im Jahre 1903 richtete der Österreichische Holzarbeiter- Verband ein Gesuch an den Vorstand des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, in welchem dieser aufgefordert wurde, die Initiative zur Abhaltung eines Internationalen Kongresses zu ergreifen, was auch im September 1903 geschah. Inzwischen waren auch der französische und der englische Möbelschreiner- Verband miteinander in Beziehung getreten und hatten den Plan gefasst, im Jahre 1904 in London einen Internationalen Kongress abzuhalten. Die beiden Pläne führten dann zum gemeinschaftlichen Beschluss, im August 1904 in Amsterdam den 3. Internationalen Holzarbeiterkongress zu veranstalten. * Im Jahre 1904 schien es endlich, dass das Terrain für die definitive Gründung einer Holzarbeiterinternationale vorbereitet war. Unsere jetzige Internationale Union wurde damals gegründet, und seit diesem Zeitpunkt hat sie sich weiterentwickelt und konsolidiert. Die grossen Anstrengungen des im Jahre 1904 gewählten Internationalen Sekretärs, Th. Leipart, des gegenwärtigen Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, waren dabei von unschätzbarer Bedeutung. Auf dem Kongress von 1904 waren 24 Delegierte aus elf Ländern anwesend. Diese Abgeordneten vertraten 17 Organisationen und ungefähr 150 000 Mitglieder. Es wurde einstimmig die Gründung einer Internationalen Errichtung der Internat. Union. Union beschlossen. Ferner wurden die Statuten angenommen, welche der Vorstand des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes entworfen hatte. Die Beiträge wurden auf 1 Frank pro 100 Mitglieder und pro Jahr festgesetzt. Zum Sitz des Bundes wurde neuerdings Stuttgart bestimmt. Leipart wurde Sekretär. Der Kongress beschäftigte sich ferner mit der Frage des Übertritts, der gegenseitigen Unterstützung von Mitgliedern im Auslande, mit dem gegenseitigen Abschluss von Kartellverträgen und dem Kampf gegen Streikbrecher. Nach diesem Kongress sind die Organisationen der verschiedenen Länder sukzessive der Internationalen Union beigetreten, so dass im Juni 1906 23 Organisationen mit 169 969 Mitgliedern aus 12 Ländern angeschlossen waren: Deutschland. Österreich. 4 Verbände mit 117 442 Mitgliedern Das Organ. 1 Verband 15 776 " 99 Schweden 1 7 436 99 " Dänemark 7 Verbände 6 152 دو " Grossbritannien 1 Verband 5 871 دو " Ungarn 1 5 208 Schweiz. 2 Verbände 99 99 4 300 " 99 Italien.. 1 Verband 3.000 دو " Frankreich 1 99 99 Belgien 1 2 264 2.000 " " دو " Serbien 1 " 99 400 " Bulgarien 2 120 " " 99 Sofort nach dem Kongress von 1904 begann Leipart mit der Ausgabe von gedruckten Publikationen. Ausser den Mitteilungen des Sekretärs wurden darin auch Berichte über die Lage und die 8 Arbeitsbedingungen der angeschlossenen Verbände und manchmal auch Abhandlungen über Taktik und Organisation der Berufsverbände, über Arbeitszeit usw. aufgenommen. Das Organ erschien anfänglich unter dem Namen ,, Internationale Union" und später als„, Bulletin", und zwar in französischer, deutscher und englischer Sprache. Seit August 1909 erschien es dann auch in schwedischer Sprache. Stuttgart 1907. Im Jahre 1907 trat in Stuttgart der 4. Internationale Holz- Der 4. Internatioarbeiterkongress zusammen. In seinem Bericht an diesen Kon- nale Kongress. gress teilte der Sekretär Leipart mit, dass 26 Verbände aus 16 Ländern der Internationale angeschlossen seien. Seit dem Jahre 1905 hatten sich noch die folgenden Länder angeschlossen: Spanien, Holland, Luxemburg und Rumänien. Die Gesamtzahl der Mitglieder dieser 26 Verbände betrug am 1. Januar 1907 256 044, wovon der Deutsche Holzarbeiter- Verband allein 151 717, das heisst 60 Prozent stellte. Bei der Eröffnung des Kongresses in Stuttgart konnte Leipart mit Recht sagen: Als die Delegierten im Jahre 1891 in Brüssel auseinandergegangen waren, blieb von dem Geschaffenen wenig übrig, der heutige Kongress dagegen kann als die Generalversammlung einer festgefügten Organisation bezeichnet werden. Dieser Kongress zeichnete sich unter anderem durch eine sachliche Besprechung der Taktik der Gewerkschaftsbewegung aus. Den Anlass für diese Auseinandersetzungen lieferten die Zustände in der französischen Gewerkschaftsbewegung und der Generalstreik, der im Jahre 1906 in Paris zugunsten der Einführung des Achtstundentages stattfand. Ferner fand eine lebhafte Diskussion über die bei den Verbänden in Frankreich, Belgien und Holland bestehende Form der losen, föderativen Organisation statt. Angesichts der schwächeren finanziellen Stellung der föderativen Verbände trat man allgemein für die Herbeiführung starker Zentralisation ein, wie sie in Deutschland, Österreich und Skandinavien bestand. Um den Internationalen Bund in die Lage zu versetzen, seine immer grösser werdende Aufgabe in grosszügiger Weise lösen zu können, wurde beschlossen, den Beitrag auf 2 Franken pro 100 Mitglieder und pro Jahr zu erhöhen. Es wurde auch eine Statutenabänderung angenommen, wodurch den angeschlossenen Verbänden zur Pflicht gemacht wurde, Mitglieder ausländischer Organisationen ohne Eintrittsgeld zu übernehmen und ihnen dieselben Rechte zuzugestehen, wie sie die eigenen Mitglieder geniessen. Am 1. Januar 1908 stellte sich die Anzahl der angeschlossenen Verbände auf 35 und die Mitgliederzahl auf 285 692. Es waren zu diesem Zeitpunkt in der Internationale 20 Nationen vertreten. Zu den bereits erwähnten Ländern waren noch gekommen: Bosnien- Herzegowina, Finnland, Kroatien- Slavonien und Norwegen. Bis zum 1. Januar 1909 ging die Mitgliederzahl infolge der bestehenden Wirtschaftskrise auf 275 583 zurück. Am 1. Januar 1910, als die Internationale sich noch aus 35 Verbänden zusammensetzte, die 20 Länder vertraten, betrug die Gesamtmitgliederzahl von 30 dieser Verbände fünf, meist kleinere Organisationen hatten keine Angaben gemacht - 9 271 229, wovon der Deutsche Holzarbeiter- Verband allein mit 151 827 in Betracht kam. Im Zeitraum 1907 bis 1910 gewann der internationale Gedanke an Bedeutung, und die Internationale gewann die Sympathie der Holzarbeiter in immer höherem Masse. Die Fälle, in welchen die Mitwirkung und der Rat der Internationale bei der Lösung von Fragen aller Art nachgesucht wurden, mehrten sich stets. Der 5. Internatio- Im Jahre 1910 hielt die Internationale Union in Kopenhagen nale Kongress. ihren 5. Kongress ab. Er sprach sich dafür aus, dass verKopenhagen 1910. schiedene, in einzelnen Ländern noch bestehende kleine Berufsorganisationen grossen Verbänden angegliedert werden. Ferner befasste er sich mit der Trennung zwischen dem tschechischen und dem österreichischen Verband und mit den Gegensätzen zwischen den zwei Holzarbeiterverbänden in Bulgarien. Anschluss des britischen Verbandes 1914. Es wurde eine Regelung für Agitationen usw. in Grenzgebieten getroffen, die einem Industriegebiet angehören. Der Kongress anerkannte die Zweckmässigkeit einer internationalen Reiselegitimation sowie den grossen Wert von Unterstützungsfonds für Arbeitslose, Kranke usw. Er trat für die Schaffung von solchen Fonds seitens der angeschlossenen Verbände ein. Zum Schluss wurde beschlossen, dass vermittels Fragebogen Aufstellungen über die Anzahl von Berufsgruppen, den Stand der Organisationen sowie über Löhne und Arbeitsdauer in den verschiedenen Ländern gemacht werden sollen. Die fortgesetzten Versuche, die seitens des Internationalen Sekretärs Leipart gemacht wurden, um auch den grossen engHolzarbeiter: lischen Holzarbeiter- Verband und die bei dem amerikanischen Gewerkschaftsbund angeschlossene Brüderschaft der Holzarbeiter in den Vereinigten Staaten zum Anschluss zu bewegen, zeitigten nur beim englischen Holzarbeiter- Verband ein positives Resultat. Im Jahre 1914 schloss sich dieser Bund mit seinen Sektionen in Amerika, Kanada, Neu- Seeland, Australien und Südafrika und mit seinen über 87 000 Mitgliedern an. 1914 wurde auch noch eine der kleineren Organisationen von Holzarbeitern in Nordamerika(" The Timberworkers") Mitglied der Internationalen Union. Auf Grund der Aussprachen auf dem Kopenhagener Kongress von 1910 gab sich Leipart noch fortdauernd Mühe, um den Anschluss kleinerer nationaler Organisationen an grosse Industrieverbände zu fördern. * * * Beim Der 6. Kongress sollte im August 1914 in Wien stattfinden. Kriegsausbruch. Alle Vorbereitungen, nicht nur für den Kongress selbst, sondern auch für den weiteren Ausbau der Internationale, waren bereits getroffen, als der Ausbruch des Krieges alle gemachten Pläne zerstörte. Dass dieser Kongress von grosser Bedeutung werden sollte, ist aus folgenden Punkten der Tagesordnung zu ersehen: Die Bestrebungen zur Verkürzung der täglichen Arbeitszeit. Regelung der internationalen Hilfe bei Streiks und Aussperrungen. Die Durchführung der Gegenseitigkeit betreffs des freien Übertritts der Mitglieder und deren Unterstützung im Ausland. 10 Die internationale Reiselegitimation und Einführung eines einheitlichen Mitgliedsbuches. Erhebungen über die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Holzarbeiter in den verschiedenen Ländern. Die Finanzverhältnisse der Internationalen Union. Die zukünftige Geschäftsführung der Internationalen Union. Die Entwicklung der Internationale von 1904 bis 1914 stellt sich folgendermassen dar: Anzahl Anzahl der Länder der Verbände Anzahl der Mitglieder Kongress 1904 10 Juni 1905.... 12 31. Dezember 1906 16 920 31. 1907 20 " 31. 1908 20 " 31. 1909 20 " 31. 1910 . 20 1323533 17 150 000 169 969 26 256 044 258 692 37 275 583 37 271 229 38 287 326 31. 1911 " 31. 1912 31. 1913 19 Juli 1914 25 2202 37 315 689 41 397 548 42 392 061 47 500 000 In einigen Fällen gewährte die Internationale Union vor dem Kriege gewissen Ländern, die Konflikte auszufechten hatten, finanzielle Hilfe: 1908 an Belgien( Holzarbeiter) 1909", Frankreich( Möbeltischler) 1912 Holland( Möbeltischler) 1912 99 99 Grossbritannien( Möbeltischler) 1913 Finnland( Holzarbeiter) 99 1913, Kroatien( Holzarbeiter) 1914 Finnland( Sägemühlenarbeiter) " 1914, Bulgarien( Holzarbeiter) 2540 Mk. 3435 " 800 99 8000 1500 2500 , 5000 2000 " " دو In den drei letzten Fällen war es der Deutsche HolzarbeiterVerband, der die Hilfeleistung ermöglichte. Den Holzarbeitern Italiens wurden von der Internationale für Propagandazwecke 300 Mark zur Verfügung gestellt. * * Während Dank des ,, Bulletins" brach die, Internationale Union auch während des Krieges, als die internationalen Bande in der des Krieges. Arbeiterbewegung so hoffnungslos zerrissen waren, nicht vollständig zusammen. Während des ganzen Krieges wusste es Leipart, wenn auch manchmal unter grossen Schwierigkeiten, zu ermöglichen, das ,, Bulletin" herauszugeben. Im Jahre 1914 erschienen nach Ausbruch des Krieges noch 4 Nummern, ferner 6 Nummern im Jahre 1915, 8 im Jahre 1916, 6 im Jahre 1917 und 9 im Jahre 1918. Unzweifelhaft ist dadurch ein Bindeglied bestehen geblieben, das bei den meisten andern internationalen Berufssekretariaten nicht vorhanden war. Bei Gelegenheit des Internationalen Gewerkschaftskongresses des Jahres 1917 in Bern trafen sich Vertreter von Holzarbeiterverbänden aus Deutschland, der Schweiz, Ungarn und Holland. Es wurde damals die Lage der Internationalen Union, wenn auch nicht offiziell, besprochen, und zwar vor allem der schlechte Stand der Finanzen. Die erste Zusammenkunft nach dem Kriege, Bern 1917. 11 Der 6. InternatioAls die Gewerkschafts- Internationale nach dem Kriege im Juli 1919 auf dem Amsterdamer Kongress wieder errichtet wurde, hatte man inzwischen auch Massregeln zur vollständigen Wiederaufrichtung der Internationalen Union der Holzarbeiter besprochen. Der Internationale Sekretär, Leipart, ersuchte den Vorstand nale Kongress. des holländischen Möbeltischler- Verbandes, sich mit der OrganiAmsterdam 1919. sierung einer internationalen Holzarbeiterkonferenz zu befassen. Diesem Gesuch wurde entsprochen, und im Dezember 1919 fand in Amsterdam die Konferenz statt. Es waren 27 Delegierte aus 11 Ländern anwesend, die 23 Verbände mit insgesamt 779 850 Mitgliedern vertraten. Obwohl die Anzahl der vertretenen Organisationen nicht so gross war wie vor dem Kriege, war die Zahl der vertretenen Mitglieder doch um 300 000 grösser als diejenige, die für den Wiener Kongress im Jahre 1914 in Betracht gekommen wäre. Die anwesenden Delegierten waren alle vom ernsten Willen beseelt, die Internationale Union in kurzer Zeit auch moralisch kräftiger und einflussreicher zu gestalten, als sie vor dem Kriege gewesen war. Die vertretenen Länder waren: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Holland, Luxemburg. Norwegen, Österreich, Schweden und die Schweiz. Auch Organisationen aus Ungarn, Finnland, Jugoslawien und Bulgarien teilten dem Kongress mit, dass sie sich noch als Mitglieder der Internationalen Union betrachteten, so dass das Werk des Wiederaufbaues der Internationalen Union mit einem Gesamtbestand von ungefähr 800 000 Mitgliedern begonnen werden konnte. Ernennung des Der Amsterdamer Kongress vom Jahre 1919 gab nach einer neuen Sekretärs. langen Diskussion einstimmig seiner Befriedigung über die Art und Weise Ausdruck, wie Leipart als Internationaler Sekretär seine Aufgabe erfüllt hatte. Er beschloss die Verlegung des Sitzes von Berlin nach Amsterdam, und C. Woudenberg, Vorsitzender des holländischen Möbelarbeiter- Verbandes, wurde zum Sekretär ernannt. Das interimistiDer Beitrag wurde auf 15 Gulden für 1000 Mitglieder und pro Jahr festgesetzt. Diese Verfügungen hatten interimistischen Charakter und sollten bis zum nächsten Kongress Geltung haben. Es wurde eine Kommission von fünf Mitgliedern ernannt und mit der Abfassung eines Entwurfs für die neuen Statuten beauftragt. In dieser Kommission sass je ein Delegierter aus Deutschland, Belgien, Dänemark und England. Der Internationale Sekretär fungierte als fünftes Mitglied. Bis zum Wiener Kongress spielte diese Kommission die sche Komitee. Rolle eines interimistischen Exekutivkomitees der Internationalen Union, und zwar deshalb, weil der folgende Internationale Kongress etliche Male verschoben werden musste. Resolutionen. Es wurden noch die folgenden Resolutionen angenommen: 1. Prinzipien- Erklärung. ,, Die Internationale Holzarbeiterkonferenz hat beschlossen, folgende Erklärung in die neuen Statuten aufzunehmen: Der Friede zwischen den Völkern sowie die völlige Befreiung der Arbeiter aller Länder können nur gesichert werden auf Grund der gegenseitigen Verständigung und Einheit der Völker. Diese Einheit muss besiegelt werden durch eine 12 energische Aktion der Arbeiterorganisation aller Länder, um den Militarismus zu beseitigen und die stehenden Heere abzuschaffen. Der Kapitalismus allein hat ein Interesse an der Erhaltung der Armeen und der Flotte. Die Arbeiterklasse der ganzen Welt muss daher mehr als je alle ihre Kräfte einsetzen, um das kapitalistische Regime zu vernichten und eine Gemeinschaft zu errichten, in der die Arbeit als Grundlage der Gesellschaft geachtet und die Ausbeutung der Menschen durch den Menschen verschwunden sein wird. Ausgehend von dieser allgemeinen Erwägung begrüsst es die Konferenz mit grosser Freude, dass in der Internationalen Holzarbeiter- Union die alte Brüderlichkeit wiederhergestellt worden ist. Die Konferenz stellt fest, dass zwischen den Holzarbeitern derjenigen Länder, die der Union angehören, keine Feindschaft und kein Misstrauen mehr besteht. Sie fordert die Organisationen der Holzarbeiter in allen Ländern auf, sich der Internationalen Organisation anzuschliessen, um in einheitlicher Front für die gemeinsamen Interessen zu kämpfen." 2. Blockade gegen Russland. ,, Die Internationale Holzarbeiterkonferenz protestiert mit aller Energie gegen die Blockade Russlands und ruft die nationalen Gruppen auf, im Verein mit den anderen Arbeiterorganisationen ihres Landes alle Kräfte einzusetzen und den nötigen Einfluss auf ihre Regierungen auszuüben, um zu bewirken, dass die Intervention, die ein Attentat auf die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist, unverzüglich eingestellt wird. Sie begrüsst mit Genugtuung die Bestrebungen aller jener Arbeiter, die die kapitalistische Festung bestürmen, um eine soziale Demokratie herbeizuführen, und erklärt, dass auch die Holzarbeiter aller Länder durch ihre Bemühungen, die Sozialisierung der Betriebe durchzusetzen, dazu beitragen werden, die sozialen Gegensätze zu beseitigen und damit den Frieden der Völker herbeizuführen und zu sichern." 3. Die Kriegsgefangenen. ,, Die Internationale Konferenz der Holzarbeiter erklärt, dass die Mitglieder aller von ihr vertretenen Organisationen die Heimsendung aller in Frankreich zurückgehaltenen deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen fordern, und protestiert daher gegen die Zurückbehaltung der Gefangenen." 4. Die Not in Österreich. ,, Die Internationale Konferenz spricht der notleidenden Bevölkerung Österreichs ihre Sympathie und ihr Mitgefühl aus und fordert ihre Mitglieder in allen Ländern auf, alle finanziellen und moralischen Massregeln zu ergreifen, die dazu beitragen können, die Hungersnot in Österreich zu beseitigen." * * * Nach dem Kongress von 1919 erstreckte sich die Tätigkeit der Internationalen Union bereits über ein grosses Gebiet. In der Anschlussfrage wurde mit unterschiedlichem Erfolg mit Italien, Spanien, Rumänien, Lettland, den Vereinigten Staaten, Argentinien und Australien korrespondiert. Zwischen dem amerikanischen Holzarbeiter- Verband und uns fand ein sehr ausführlicher Briefwechsel statt, der aber nicht das gewünschte Resultat zeitigte. Anschlussbestrebungen. 13 Ungarn. Konflikt im englischen Schiff bau 1920. Es gelang dem Sekretariat der Internationalen Union, im Jahre 1920 zugunsten des Ungarischen Holzarbeiter- Verbandes fast 7000 Gulden zusammenzubringen. Das Geld wurde zur Unterstützung von Arbeitslosen und Familien von Verbandsmitgliedern verwendet, die in Gefängnissen und Internierungslagern schmachteten, ferner für den rechtlichen Beistand für verfolgte Mitglieder. Der ungarische Bund war für diese Manifestation internationaler Solidarität sehr dankbar. Sehr grosse Dienste konnte die Internationale Union in diesem Jahre den Holzarbeitern im englischen Schiffbau leisten, die vom 4. Dezember 1920 bis 27. August 1921 mit 20 000 Mitgliedern im Streik standen, um einer grossen Lohnherabsetzung zu begegnen. Mit Erfolg konnte den Versuchen der Unternehmer in Frankreich, Belgien, Holland, Deutschland, Schweden und Norwegen, Streikbrecherarbeit verrichten zu lassen, durch anhaltende Aktionen der Internationalen Union und durch die Solidarität der betreffenden Arbeiter entgegengearbeitet werden. Das ,, Bulletin" erschien weiter, obwohl auf Grund finanzieller Erwägungen einige Einschränkungen gemacht werden mussten. Der Umstand, dass von den 800 000 Mitgliedern nur 260 000 in Ländern mit hohem Valutastand wohnen, war die Ursache, dass die finanzielle Lage der Internationalen Union während längerer Zeit nicht die beste war. Bis 1. Januar 1922 trat noch eine Reihe anderer Organisationen der Internationalen Union bei, so die in Polen, in der Tschechoslowakei und in Italien. 14 Tätigkeitsbericht über die Jahre 1922 bis 1925, vorgelegt dem VI. ordentlichen Internationalen Holzarbeiter- Kongress, abgehalten in Brüssel im Juli 1925. Ueberblick. Die Jahre 1922, 1923 und 1924 haben sich nicht nur für Allgemeiner unsere Internationale Union der Holzarbeiter, sondern für die gesamte Arbeiterbewegung als recht schwierig erwiesen. Schwierig besonders deshalb, weil in allen Ländern gegen Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit erschreckenden Umfanges angekämpft werden musste, während ausserdem tiefgehende politische Verwicklungen internationaler Art überall ernste wirtschaftliche Begleiterscheinungen hervorriefen, von deren Rückwirkungen auch die Holzarbeiter- Verbände sich nicht freizuhalten vermochten. Missverständnis und Unverstand neben absichtlich gepflegtem Völkerhass haben den Wiederaufbau des politisch und wirtschaftlich zerrütteten Europas sowie die gegenseitige Fühlungnahme und Zusammenarbeit der Völker bedeutend erschwert. Zwiespalt und innerer Kampf haben die Arbeiterbewegung geschwächt und in mehreren Ländern die nationale Bewegung sogar zu vernichten gedroht. Verzweiflung und Verlust des Selbstvertrauens haben in verschiedenen Ländern die Masse ganz verfehlte Mittel ergreifen lassen und die Chancen des Extremismus, auf der linken wie auf der rechten Seite, um vieles bessergestellt. Wenn denn auch in den meisten Ländern die Arbeiterbewegung die drohende Gefahr der Vernichtung schliesslich zu überwinden gewusst hat, so ist sie doch keineswegs unbeeinträchtigt aus dem Kampfe herausgekommen. Sicher ist auch, dass sie sich kaum von den furchtbaren Folgen erholt hat. Alle Verbände leiden noch stark unter den Auswirkungen der Krise auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet. Die politischen Gegensätze haben sich nicht gemildert, die wirtschaftliche Krise ist noch nicht vorüber, der Bruderkampf in der nationalen und internationalen Arbeiterbewegung ist noch nicht ausgerungen worden. Wir können jedoch feststellen, dass wenigstens der grösste Teil des Elends nunmehr erlitten worden ist. Trotz abwechselnder Perioden des Auf- und Niederganges ist zweifellos eine merkliche Besserung eingetreten. Wenn wir auch mit Entsetzen feststellen müssen, dass in mehreren Ländern der Imperialismus, als hätte es keinen Weltkrieg gegeben, seine verhängnisvolle Rüstungspolitik unbekümmert weiter treibt und die Menschheit mit noch schrecklicheren Hekatomben bedroht, so blicken wir doch anderseits freudig auf die wachsenden proletarischen Kämpferscharen gegen Krieg und Militarismus, für Weltfrieden und Abrüstung. Haben die Ereignisse der Nachkriegsjahre und insbesondere der Periode 1922 bis 1925 tiefe Rückwirkungen auf die Ent17 wicklung der gesamten internationalen Arbeiterbewegung ausgeübt, so haben sie auch in unserer Internationalen Union der Holzarbeiter ihren Einfluss geltend gemacht. Jeder der angeschlossenen Verbände hat sich in den verflossenen Jahren mit den eigenen Schwierigkeiten herumschlagen müssen. Die Finanzlage unserer Organisationen, die infolge der umfassenden und beharrlichen Arbeitslosigkeit wie der kräftigen Abwehr der unablässigen Angriffe von Unternehmerseite bereits sehr geschwächt war, hat sich infolge der Inflation in einigen Ländern zur völligen finanziellen Zerrüttung verschlimmert. Im allgemeinen können wir jedoch mit Befriedigung feststellen, dass die in unseren Verbänden vorhandenen moralischen Kräfte dem finanziellen Zusammenbruch überlegen waren. Mit Aufbietung aller Kräfte ist es den Vorständen der unserer I. U. angeschlossenen Verbände gelungen, den gewaltigen Schwierigkeiten die Stirn zu bieten und sie in zähem Ringen zu überwinden. Die organisierten Holzarbeiter haben ihre stolzen Organisationen vor der drohenden Vernichtung zu bewahren gewusst, indem sie sich nicht gescheut haben, der Organisation ungeheure Opfer zu bringen. Trotz der Verwirrung und Zerrüttung haben die Holzarbeiter sich angespannt, die konzentrierten Angriffe der Arbeitgeber zurückzuschlagen. Besonders im Kampfe um die Aufrechterhaltung des Achtstundentages haben sie bedeutende Siege erfochten. Die Holzarbeiterorganisationen, die in der Geschichte der Arbeiterbewegung sich eines ausgezeichneten Rufes erfreuen, haben sich auch in der vergangenen Kampfperiode als die bewährten Vortruppen der proletarischen Armee zu behaupten gewusst. Nicht überall ist jedoch der Kampf der Holzarbeiterorganisationen mit dem gleichen Erfolg abgeschlossen worden; nicht alle Organisationen haben die Krise gleich grossartig überstanden. Schliesslich muss festgestellt werden, dass in den vergangenen Jahren ein merklich regerer internationaler Verkehr zu verspüren war. In diesem Zusammenhang wollen wir besonders auf die Tatsache hinweisen, dass die Beteiligung aus-. ländischer Vertreter an den Kongressen der nationalen Verbände eine recht erfreuliche war. k * Das Sekretariat. Finanzlage. Die Einrichtungen und die Tätigkeit des Sekretariats unserer I. U. haben sich in der Berichtsperiode nicht nach Wunsch gestalten können. Auch hier waren Schwierigkeiten finanzieller Art ausschlaggebend. Unsere I. U. erhielt infolge der Inflation nur einen verhältnismässig geringen Teil der Beiträge, mit welchen unter normalen Verhältnissen gerechnet werden kann. Dem Deutschen Holzarbeiter- Verband in erster Linie verdanken wir, dass das Sekretariat der I. U. trotzdem hat funktionieren können, wie es in der Berichtsperiode funktioniert hat. Der Verband hat immer die Drucksachen und einen Teil der Übersetzungen der I. U. besorgt, ohne peinlich genaue Rechnungen auszustellen. Auch der kleine holländische Verband hat dem Sekretariate die Erfüllung seiner Aufgaben sehr erleichtert, indem er die erforderlichen Gelder bereitwillig ausgelegt hat. 18 Einigen anderen Verbänden gebührt ebenfalls ein Wort der Anerkennung und des Dankes. Hatten sich doch verschiedene Organisationen solidarisch erboten, grössere Beiträge an die I. U. zu leisten, als sie satzungsgemäss verpflichtet sind. In der ständigen Hoffnung, dass nunmehr doch bald eine Besserung der allgemeinen Lage eintreten würde, haben wir jedoch geglaubt, diese Angebote zurückweisen zu müssen, damit dem proportionellen Charakter der Beitragsleistung kein Schaden zugefügt würde. Es bedarf wohl keiner näheren Begründung, dass die ungünstige Finanzlage den Sekretär daran gehindert hat, das internationale„ Bulletin" regelmässig herauszubringen. Trotz der selbstlosen Mitwirkung des Deutschen HolzarbeiterVerbandes waren die Übersetzungs- und Druckkosten vielfach zu hoch, so dass nur eine beschränkte Anzahl Nummern erscheinen konnte. Ende 1923 und Anfang 1924 musste wegen verschiedener Umstände die Herausgabe des„, Bulletin" sogar gänzlich unterbleiben. Seit Juli 1924 ist das„ Bulletin" jedoch ziemlich regelmässig erschienen, während die Aussichten, das Erscheinen des ,, Bulletin" auch in der Zukunft zu sichern, ganz bedeutend besser sind. arbeiter- Verbandes. Infolge einer sehr loyalen Schenkung des Deutschen Holz- Schenkung des arbeiter- Verbandes hat unser Exekutivkomitee in seiner im Deutschen HolzOktober 1924 in London abgehaltenen Sitzung beschliessen können, eine wichtige Änderung in der Gestaltung der Bureauarbeiten der I. U. vorzunehmen. Die Ende 1923 von den unserer I. U. angeschlossenen Organisationen zugunsten des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes gesammelten Gelder sind von diesem Verband nach eingeholter Zustimmung der ursprünglichen Geber an das Internationale Sekretariat abgeführt worden. Die Gelder sollen nun dazu verwendet werden, die finanzielle Basis der I. U. zu festigen und einen Fonds zur Bestreitung von fälligen ausserordentlichen Verwaltungsausgaben unserer I. U. zu bilden. Wir hoffen, mithin imstande zu sein, die zum Funktionieren des Sekretariats erforderlichen regelmässigen Ausgaben aus den ordentlichen Jahreseinnahmen bestreiten zu können. Da die Schulden der I. U. nunmehr bezahlt worden sind, können die Zinsen des gebildeten Fonds nebst den Beiträgen der angeschlossenen Organisationen ebenfalls als gewöhnliche Einnahmen betrachtet und zur Bestreitung der Verwaltungskosten verwendet werden. arbeiters. Auf Grund der oben dargelegten Besserung der Finanzlage Einstellung eines der I. U. hat der Internationale Sekretär ab 1. Januar 1925 einen besoldeten Mitbesonderen Angestellten für die I. U. einstellen können, der ausser dem grössten Teil der Übersetzungen auch die übrigen Bureauarbeiten vornimmt. * * Das Exekutivkomitee unserer I. U. setzt sich seit dem Das ExekutivWiener Kongress im Jahre 1922 wie folgt zusammen: Grossbritannien: Skandinavien: Frankreich, Belgien usw.: Deutschland usw.: Mitglieder: A. Gossip M. Petersen F. Tarnow Stellvertreter: A. G. Cameron Nils Linde E. Devlaemynck L. Chiron Joh. Gross C. Woudenberg, Internationaler Sekretär. komitee. 19 Der Ausschuss. Vertretung der I. U. Das Exekutivkomitee ist seit dem Wiener Kongress in den folgenden Orten und Monaten zusammengetreten: Amsterdam: Am 31. August und 1. September 1922 zur Gelegenheit des Besuches einer Delegation des ,, United Brotherhood of Carpenters and Joiners of America".( Vgl. Nr. 5/6 des ,, Bulletin" vom November 1922.) Kassel: Am 21. Juni 1923 zur Gelegenheit des Kongresses des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes.( Vgl. Nr. 5/6 des ,, Bulletin" vom September 1923.) London: Am 13. und 14. Oktober 1924.( Vgl. Nr. 5 des ,, Bulletin" vom November 1924.) * * * Der im Artikel 23 unserer Satzungen genannte Ausschuss setzte sich in der Rechenschaftsperiode aus dem Internationalen Sekretär und den Kollegen J. Spaltman und N. Walop zusammen. Letzterer fungierte als Schatzmeister. Die I. U. war auf den folgenden Kongressen vertreten: 24.- 29. Juli 1922 Kongress des Träarbetareförbund, Stockholm Kongress des Træindustriarbejderforbund i DanWoudenberg 23.- 27. August 1922 mark Tarnow 14.- 16. Oktober 1922 Kongress des Verbandes derHolzarbeiter, Reichenberg Woudenberg Haag Woudenberg 10.- 15. Dezember 1922 Friedenskongress desIGB., Mai 1923 16.- 23. Juni 1923 20.- 23. August 1923 24.- 26. August 1923 Holzarbeiterkongresse in Brod a. S. und Laibach Woudenberg Kongress des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes Woudenberg Kongress d. Norwegischen Holzarbeiter- Verbandes Kongress d. Norwegischen Tarnow und Woudenberg Möbeltischler- Verbandes Woudenberg 9.- 10. November 1923 Konferenz des IGB. mit den Internationalen Berufssekretariaten, Amsterdam 22.- 26. April 1924 3. Mai und folg. Tage Kongress des Finnischen Holzarbeiter- Verbandes Kongress des Verbandes der Holzarbeiter Österreichs, Wien 31. Mai- 2. Juni 1924 Konferenz des IGB. mit 2.- 6. Juni 1924 27.- 29. Juni 1924 den Internationalen Berufssekretariaten, Wien Kongress des IGB., Wien Kongress des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiter- Verbandes, Zürich Spaltman, Tarnow und Woudenberg Tarnow Woudenberg Tarnow und Woudenberg Tarnow und Woudenberg Woudenberg 20 14.- 17. August 1924 Kongress d. Französischen Holzarbeiter- Verbandes, St. Claude 26.- 27. Dezember 1924 Kongress des Ungarländischen HolzarbeiterVerbandes, Budapest * * * Woudenberg Woudenberg In Sachen des„, Bulletin" kann ausser den obenstehenden Das„ Bulletin". allgemeinen Bemerkungen noch mitgeteilt werden, dass im Jahre 1922 drei Doppelnummern, im Jahre 1923 ebenfalls drei Doppelnummern und im Jahre 1924 fünf Einzelnummern erschienen sind. Im Jahre 1925 sind bereits eine Doppelnummer für Januar/ Februar, je eine Einzelnummer für die Monate März, April und Mai und eine Doppelnummer für Juni/ Juli veröffentlicht worden. Leider muss an dieser Stelle wieder festgestellt werden, dass die ungenügende Mitarbeit der Verbandsvorstände einen hemmenden Einfluss ausgeübt hat. Wir brauchen für das ,, Bulletin" in erster Linie kurzgefasste und aktuelle Mitteilungen. Die Vorstände sollen sich nicht damit zufrieden geben, einmal im Jahre einen grösseren Jahresbericht einzusenden, sondern das Sekretariat fortwährend auf dem laufenden der wichtigeren Ereignisse in ihrem Verbandsleben halten. Wir haben einige Male versucht, übersichtliche Zusammenstellungen der Löhne und der Arbeitszeit unserer Berufskollegen in den verschiedenen Ländern zu veröffentlichen. Die Unvollständigkeit der einschlägigen Angaben machte den Wert dieser Veröffentlichungen jedoch sehr relativ. Im Zusammenhang mit den zum besseren Funktionieren des Sekretariats getroffenen Massnahmen hoffen wir, jetzt imstande zu sein, die Bedeutung unserer internationalen Organisation auch in dieser Beziehung zu vergrössern. Häufigere und regelmässigere Mitwirkung der Vorstände der angeschlossenen Verbände wird sich jedoch dabei als unbedingt erforderlich erweisen. Ausser den Mitteilungen des Sekretariats und den Artikeln allgemeinen Charakters erschienen folgende Berichtszahlen über die nachstehenden Länder( 1922 bis Mitte 1925): Amerika 3 Argentinien 1 Australien 2 Balkan 1 Rumänien 4 Frankreich 4 Grossbritannien 6 Russland 1 Holland 4 Schweden 6 Italien 5 Schweiz 3 Jugoslavien 5 Spanien 1 Norwegen 4 Tschechoslowakei 11 Österreich 5 Ungarn 6. Belgien 3 Dänemark 2 Deutschland 18 Finnland 4 Polen 2 * * * bestand. Es erübrigt sich wohl, zu betonen, dass die Schwierigkeiten Mitgliederverschiedenster Art auch auf den Mitgliederbestand der unserer I. U. angeschlossenen Organisationen und folglich auf die Gesamtmitgliederzahl ihre Rückwirkung ausgeübt haben. Fast überall hat die wirtschaftliche Krise, welche in einer Anzahl Organisationen mit einem krisenartigen inneren Kampf zusammentraf, einen Rückgang der Mitgliederzahl bewirkt. Die beigefügte Tabelle möge uns der Obliegenheit entheben, Kommentar zu üben. * * 21 Erweiterungs- Inzwischen hat das Internationale Sekretariat manche Verbestrebungen. suche gemacht, den Wirkungsbereich unserer internationalen Neuer Anschluss. Organisation zu erweitern. Positive Resultate haben wir bis jetzt nicht erzielen können, doch glauben wir annehmen zu dürfen, dass unsere Anstrengungen schliesslich dazu führen werden, dass die bereits hergestellten Verbindungen in mehreren Fällen in definitive Beschlüsse umgesetzt werden können. Der Budapester Verband der Bildhauer, eine kleine Organisation, die sich aus staatsrechtlichen Gründen nicht dem ungarischen Holzarbeiter- Verband anschliessen konnte, beschloss im Jahre 1923, sich unserer I. U. anzugliedern. Amerika. Auch in dieser Rechenschaftsperiode sind ernste Versuche unternommen worden, die grosse amerikanische Bruderschaft der Holzarbeiter( United Brotherhood of Carpenters and Joiners of America) zum Anschluss zu bewegen. Unsere Versuche führten August/ September 1922 zu einer Besprechung unseres Exekutivkomitees mit einer Delegation des amerikanischen Verbandes. Die geführten Besprechungen sind noch nicht von dem Anschluss des Verbandes gekrönt worden. Die amerikanischen Kollegen haben jedoch die freundschaftlichen Beziehungen zu unserer I. U. gepflegt und beschlossen, zu dem bevorstehenden Kongress unserer I. U. eine Delegation zu entsenden. Wir glauben, mit einem baldigen Anschluss unserer amerikanischen Berufskollegen rechnen zu dürfen. Andere Länder. EinheitsIm übrigen haben wir wiederholt versucht, mit unseren Berufskollegen in Lettland, Rumänien, Spanien, Australien und Argentinien Verbindungen herzustellen. Auch mit den Holzarbeiterorganisationen im Memelgebiet, in Westpolen, Brasilien, Kuba, Palästina, Südafrika und Neuseeland haben wir festere Verbindungen herzustellen versucht. In mehreren dieser Länder, so in Lettland, Rumänien, Palästina, Spanien und im Memelgebiet, bemüht sich ebenfalls die zuständige, dem IGB. angegliederte Landeszentrale, den betreffenden HolzarbeiterVerband in unsere Reihen zu bringen. Unsere vereinten Anstrengungen haben jedoch bisher das Endziel höchstens nähergebracht. Wir haben die Absicht, unsere Tätigkeit in der kommenden Periode mit verdoppelter Energie fortzusetzen. Das Exekutivkomitee war schliesslich bestrebt, grössere bestrebungen. Einheit in der Holzarbeiterbewegung der Tschechoslowakei, Polens und Jugoslaviens herbeizuführen. In den einzelnen Berichten über die angeschlossenen Länder werden wir auf diese Bestrebungen, insoweit wir uns nicht auf einen Hinweis auf die im„, Bulletin" erschienenen Mitteilungen beschränken können, eingehend zurückkommen. Organisatorische Schliesslich haben in einigen Ländern organisatorische Umgestaltungen. Umgestaltungen und Zusammenschlüsse die Zusammenstellung der I. U. beeinflusst. In Deutschland schied der Verband der Schiffszimmerer aus der Mitgliedschaft der I. U. aus und schloss sich dem Deutschen Metallarbeiter- Verband an. Auch der Glaser- Verband Deutschlands findet sich nicht mehr in der Liste vor, weil er sich dem Bauarbeiter- Verband angegliedert hat. Der belgische Verband ist mit einer viel geringeren Mitgliederzahl angegeben worden, weil ein Teil der früher durch den alten HolzarbeiterVerband unserer I. U. angeschlossenen Holzarbeiter nach der 22 Fusion mit dem Bauarbeiter- Verband zu diesem gerechnet wird. In Norwegen, Schweden und Finnland hat die Umgestaltung der Holzarbeiterorganisationen nach Industrien, d. h. nach Holzarbeitern und Bauarbeitern, ebenfalls zu einer Änderung der Mitgliederzahlen geführt. In Frankreich haben die früheren Organisationen der einzelnen Holzarbeiterbranchen sich zu einem einheitlichen Verband der Holzarbeiter Frankreichs zusammengeschlossen. In der Schweiz haben sich die früheren Holzarbeiter- und Bauarbeiterorganisationen zu einem allgemeinen Bau- und Holzarbeiter- Verband zusammengeschlossen. Folglich ist nur eine Sektion des schweizerischen Verbandes unserer I. U. angeschlossen. Auf die Mitgliederzahl hat diese Umgestaltung jedoch keinen Einfluss ausgeübt. * * * kommunistisationen. Es wäre zweifellos möglich gewesen, die Zahl der unserer Verhältnis zu den I. U. angeschlossenen Verbände und somit den Gesamt- schen Organimitgliederbestand erheblich heraufzusetzen, wenn einem solchen Bestreben sich nicht besondere Schwierigkeiten in den Weg gestellt hätten. In der vergangenen Rechenschaftsperiode haben sich mehrere Organisationen zur Mitgliedschaft bei der I. U. gemeldet, die jedoch vom Exekutivkomitee auf Grund der bekannten Wiener Beschlüsse zurückgewiesen werden mussten. 66 Holzarbeiter- Verbänden in Russland, Rumänien, Jugoslavien, der Tschechoslowakei und der sogenannten„, unitären" Organisation Frankreichs hat das Exekutivkomitee aus diesen Gründen die Aufnahme verweigern müssen. Diese Verbände konnten oder wollten den in der Wiener Resolution aufgestellten Bedingungen nicht zustimmen, und folglich konnte das Exekutivkomitee nicht den Beschluss fassen, die betreffenden Verbände aufzunehmen. Wir lassen die betreffende Resolution nochmals folgen: Resolution Amsterdam- Moskau. ,, Nach eingehender Beratung des Beschlusses des Exekutivkomitees, demzufolge die vom Allrussischen HolzarbeiterVerband gestellte Anfrage um Zulassung zur Internationalen Union der Holzarbeiter abgelehnt werden soll, und bezüglich der von der sogenannten Roten Gewerkschafts- Internationale und vom Propagandakomitee der Roten Holzarbeiter- Internationale in Moskau gegen den Internationalen Gewerkschaftsbund und gegen die I. U. in Amsterdam geführten Agitation, erklärt sich der Kongress ohne Vorbehalt als Anhänger der Taktik und der Methoden, die vom Internationalen Gewerkschaftsbund in Amsterdam angewendet und verteidigt werden und in den Resolutionen und Beschlüssen der Internationalen Kongresse von Amsterdam( 1919), London( 1920) und Rom ( 1921) zum Ausdruck gebracht worden sind. In Erwägung, dass die von den Anhängern der Roten Gewerkschafts- Internationale in Moskau gegen den Internationalen Gewerkschaftsbund von Amsterdam und seine angeschlossenen Organisationen sowie vom Propagandakomitee der Roten Holzarbeiter- Internationale gegen die Internationale Union der Holzarbeiter verfolgten Kampfmethoden und ihre Annahme, als würde die I. U. im Dienste der Kapitalistenklasse sein, jede organisatorische Verbindung zwischen der Internationale von Amsterdam und der von Moskau unmöglich machen, 23 beschliesst der Kongress, dass an die Internationale Union der Holzarbeiter nur Verbände angeschlossen sein können, die an eine beim Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossene Gewerkschaftszentrale angegliedert und bereit sind, zu erklären, dass sie der Roten Gewerkschafts- Internationale oder dem Propagandakomitee der Roten Holzarbeiter- Internationale in Moskau oder irgendeinem Komitee, das eventuell zu dem gleichen Zweck gegründet würde, keinerlei Unterstützung leisten werden und mit derartigen Instanzen oder Organisationen keinerlei Beziehungen unterhalten werden. Der Kongress ermächtigt das Exekutivkomitee, über Zulassung zur Internationalen Union der Holzarbeiter zu entscheiden und eventuell angeschlossene Verbände, die dieser Resolution zuwiderhandeln, auszuschliessen, unter der Voraussetzung, dass das Exekutivkomitee dem Kongress hierfür verantwortlich ist. Sobald diese Organisationen ihre feindliche Haltung aufgeben, ist zu versuchen, mit ihnen freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen. Der Kongress ermächtigt schliesslich noch das Exekutivkomitee, eine Entscheidung zu treffen, falls es sich um Anfragen wegen Zulassung von Organisationen handelt, die nicht einer dem Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Landeszentrale angehören." * * * Während das Exekutivkomitee der I. U. sich also die konsequente Durchführung der Beschlüsse und Aufträge des Wiener Kongresses zum Ziel gemacht hat, kann dasselbe leider nicht in bezug auf die Vorstände von einigen angeschlossenen Verbänden gesagt werden. Wir denken nicht daran, das Vorgehen dieser Vorstände bösen Absichten zuzuschreiben, aber es soll hier doch festgestellt werden, dass der Stellung und dem Einfluss der I. U. notwendigerweise geschadet worden ist, weil unser Vorgehen nicht immer einheitlich und geschlossen war. Das Exekutivkomitee hat jedoch die Durchführung der Wiener Beschlüsse nicht mit scharfen Massnahmen erzwingen wollen. Es hat mit grosser Langmut geduldet, dass dem mit grosser Stimmenmehrheit in Wien gefassten Beschluss zuwider mit Organisationen, die sich offiziell als erklärte Feinde unserer internationalen Gewerkschaftsbewegung ausgesprochen haben, in verschiedener Weise Verbindung aufrechterhalten wurde. Als damals die Kommunisten sich auf Geheiss der Moskauer Roten Gewerkschafts- Internationale auf die Durchführung ihrer Taktik des Zellenbaues beschränkten, leuchtete es jedem ein, dass diese Taktik auf die Vernichtung unserer Gewerkschaftsbewegung hinzielte. Als hingegen die Zellenbauagitation von der Losung der„ Einheitsfront" ersetzt wurde, ohne dass die Gesinnung der Kommunisten sich in irgendwelcher Hinsicht geändert hatte, mussten einige unserer Genossen schliesslich der Verlockung dieser hinters Licht führenden Losung unterliegen. Man verstand nicht oder wollte nicht verstehen, dass die ,, Einheitsfront" genau wie der Zellenbau die Eroberung und Vernichtung der sogenannten„, reformistischen" Gewerkschaftsbewegung anstrebt. Grosse Verwirrung entstand, als Edo Fimmen, der damalige Sekretär des IGB., den Beschlüssen der Internationalen Gewerkschaftskongresse zuwiderhandelte, Verhandlungen mit Vertretern Moskaus einleitete und sich zu einem Instrument in den Händen dieser Leute herabwürdigen liess. 24 In unserer I. U. wäre infolge des Vorgehens unseres Kollegen Gossip, der in seiner Eigenschaft als Mitglied des Exekutivkomitees unseren Gegnern fortwährend in die Hände gespielt hat und sich genau wie Fimmen zugunsten des Einheitsfrontschwindels hat ausnützen lassen, eine gleiche Verwirrung entstanden, wenn unser Exekutivkomitee nicht immer wieder scharf und eindeutig gegenüber der von Gossip vertretenen Richtung Stellung genommen hätte. Kollege Gossip wird sich unseres Erachtens vor dem Brüsseler Kongress zu rechtfertigen haben, nicht wegen des Umstandes, dass er einer anderen Meinung als die übrigen Mitglieder des Exekutivkomitees war, sondern weil er fortwährend unterlassen hat, den Beschlüssen des Wiener Kongresses Rechnung zu tragen. Unser Exekutivkomitee hat sich bekanntlich in seiner im Oktober 1924 in London abgehaltenen Sitzung von neuem mit der Russenfrage" beschäftigen müssen. Im ,, Bulletin" vom November 1924 wird über diese Sitzung folgendes berichtet: ,, Ein Vorschlag des Kollegen Gossip, alle der I. U. nicht angeschlossenen Holzarbeiter- Verbände zur Teilnahme am Internationalen Kongress von 1925 einzuladen, wurde mit vier gegen eine Stimme verworfen. Ein zweiter Vorschlag Gossips, wonach das Exekutivkomitee auf die Tagesordnung des nächsten Kongresses als besonderen Punkt die Besprechung des Verhältnisses zwischen dem Amsterdamer Internationalen Gewerkschaftsbund und der Moskauer Roten Gewerkschafts- Internationale setzen sollte, wurde bei gleichem Stimmenverhältnis abgelehnt." In dieser Angelegenheit wollen wir schliesslich noch darauf hinweisen, dass das Exekutivkomitee im allgemeinen der Ansicht ist, dass Beschlüsse über das Verhältnis zu den kommunistischen Organisationen nicht in erster Linie in den Berufsinternationalen gefasst werden sollen. Es ist für die Einheitlichkeit und das Prestige unserer internationalen Gewerkschaftsbewegung sehr bedenklich, dass, während der IGB. auf seinen Kongressen den Standpunkt unserer allgemeinen Gewerkschaftsbewegung in dieser Frage darlegt, die einzelnen BerufsInternationalen aus eigenen Stücken und oft von sehr zufälligen Umständen beeinflusst Beschlüsse fassen, die öfters nicht von den Beschlüssen der Kongresse des IGB. gedeckt werden. Die Beschlüsse, welche die Instanzen des IGB. in der letzten Zeit hinsichtlich der Frage unseres Verhältnisses zur Roten Gewerkschafts- Internationale oder wenigstens zur russischen Gewerkschaftsbewegung gefasst haben, befriedigen uns nicht gänzlich und haben jedenfalls keineswegs unsere Bewunderung. In der Aprilnummer dieses Jahres haben wir davon Zeugnis abgelegt. Wir sind immerhin der Meinung, dass in dieser Frage die Richtlinien unserer Taktik in und vom IGB. festgestellt werden müssen. Es erübrigt sich wohl, darauf hinzuweisen, dass jeder von uns sich über die Herstellung grösserer Einheit in der internationalen Arbeiterbewegung aufrichtig freuen würde. Wir werden uns jedoch unzaghaft gegen das Treiben der Einheitsfrontler zur Wehr setzen, weil wir der Meinung sind, dass hier ein Schwindel vor sich geht, der darauf hinzielt, die internationale Gewerkschaftsbewegung zu Zwecken auszunutzen, die nur verhängnisvoll sein können. * * * 25 Verhältnis zum Gewerkschaftsbund. Unsere I. U. hat mit dem IGB. immer sehr enge VerInternationalen bindungen aufrechterhalten und sich mit grossem Interesse an seiner Arbeit beteiligt. Auf den Kongressen des IGB. war die I. U. stets vertreten, während wir auch an den vom IGB. mit den Berufsinternationalen abgehaltenen Konferenzen einen wirksamen Anteil genommen haben. Über die organisatorischen Beziehungen zwischen den Internationalen Berufssekretariaten und dem IGB. ist in der vergangenen Periode wiederholt diskutiert worden. Auf den Internationalen Konferenzen mit dem IGB. ist diese Frage der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung geworden, und allem Anschein nach wird sie sich noch lange als solcher behaupten. Unsere Delegierten haben in den Diskussionen immer den Standpunkt vertreten, dass den Internationalen Berufssekretariaten nur ein ganz bescheidener Platz bei der Lösung von Fragen allgemeiner internationaler Art auf politischem oder ökonomischem Gebiet eingeräumt werden soll. Auf Grund dieser Überzeugung haben wir uns immer dem Bestreben widersetzt, der Vertretung der Berufsinternationalen in der Organisation des IGB. einen besonders einflussreichen Platz zu gewähren. Wir haben jedoch daran mitgearbeitet, einen Kompromiss ausfindig zu machen, auf den sich die Extreme in den vorhandenen Meinungen einigen konnten. Im„, Bulletin" haben wir regelmässig über die in dieser Frage gefassten Beschlüsse berichtet, während der Kollege Tarnow wiederholt nicht nur ein grosses Interesse an der Frage, sondern auch eine ausserordentliche Kenntnis der Materie an den Tag gelegt hat. Auf unserem diesjährigen Kongress wird die Angelegenheit wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden, indem der Kollege Tarnow über die Frage ein Referat erstatten wird. Die sehr wichtige Aktion des IGB. zugunsten der Aufrechterhaltung des Weltfriedens durch die Propaganda der Abrüstung haben wir nach Kräften unterstützt. Im Oktober 1924 haben wir an alle angeschlossenen Organisationen ein Manifest mit Bezug auf den Krieg zwischen Griechenland und der Türkei gerichtet, das in den meisten Fachblättern der unserer I. U. angeschlossenen Organisationen veröffentlicht worden ist. Unsere I. U. war vertreten auf dem Weltfriedenskongress des IGB. im Haag 1922, während wir auch in anderer Hinsicht den IGB. in seinem Kampf gegen Krieg und Militarismus gestützt haben. * * Verhältnis zum Internationalen Arbeitsamt. InformationsAuch mit dem Internationalen Arbeitsamt in Genf hat die I. U. gute Beziehungen unterhalten. Das Amt hat uns mehrere Male mit Material über unsere Arbeit betreffende Fragen versehen. Die übrige Tätigkeit der I. U. bestand in der Einholung und dienst. der Erteilung von Informationen, jedes Mal, wenn solche von den angeschlossenen Organisationen verlangt wurden. Wir haben ausserdem die angeschlossenen Verbände von grossen Arbeitskonflikten in Kenntnis gesetzt und vor dem Zuzug von ausländischen Arbeitern nach den betreffenden Gebieten gewarnt. Wir haben möglichst viel vergleichendes Material über Arbeitsbedingungen bearbeitet und in Exportangelegenheiten, besonders nach England, wiederholt vermittelt. 26 Mehreremal erhielten wir Anfragen um die Mitwirkung der Hilfsaktionen. I. U. zwecks Durchführung einer internationalen Hilfsaktion. Oft haben wir diesen Anfragen keine Folge leisten können. Schwierigkeiten, mit welchen die Verbände infolge der Verhältnisse im eigenen Lande zu kämpfen haben, können nur im Ausnahmefalle mit Hilfe von auswärts überwunden werden. Die Finanzmittel unserer internationalen Organisation sind zu beschränkt, um direkte Unterstützung zu gewähren, und man kann kaum erwarten, dass die I. U. fortwährend Anfragen um Finanzhilfe an die angeschlossenen Verbände richten wird. Zu den Ausnahmen, von denen oben die Rede war, gehörten der drohende Zusammenbruch unserer deutschen Fachorganisationen, als Ende 1923 der Tiefpunkt der Inflation erreicht wurde, und der Riesenkampf der dänischen Arbeiterbewegung gegenüber den verbündeten Unternehmern. Obwohl die Schwierigkeiten, mit welchen unsere deutschen Organisationen zu kämpfen hatten, solch erschreckend grossen Umfanges waren, dass die Ergebnisse einer internationalen Hilfsaktion an sich nicht ausgereicht hätten, den Zustand zu retten, so können wir uns doch freuen über den schönen Beweis internationaler Solidarität, den unsere I. U. damals gegeben hat. In der Aktion standen die dänischen und schwedischen Organisationen an erster Stelle, aber gerade die allgemeine Beteiligung war ein schlagender Beweis der grossen Sympathie mit den deutschen Kameraden und der warmen solidarischen Gesinnung in der ganzen Internationale. Zahlreiche Verbände, welche selbst gar nicht in einer günstigen finanziellen Lage waren, beteiligten sich an der Hilfsaktion. Die deutschen. Kameraden sind sehr getroffen und zufrieden mit diesem Beweis der internationalen Solidarität. Im ,, Bulletin" vom Juli 1924 gaben wir eine Zusammenstellung der eingesammelten Gelder im Gesamtbetrag von etwa 34 000 Hfl. Auch den kämpfenden dänischen Genossen wurde seitens der der I. U. angeschlossenen Verbände grosse Sympathie entgegengebracht. Eine Übersicht der bereitgestellten Gelder können wir in diesem Augenblick noch nicht geben. Schliesslich teilten wir den angeschlossenen Organisationen im Jahre 1922 auf Ersuchen des italienischen HolzarbeiterVerbandes mit, dass er im Zusammenhang mit den zahlreichen Arbeitskonflikten in Italien die moralische und finanzielle Unterstützung der Bruderverbände dringend benötige. Die moralische Hilfe, indem der Streikbrecherei durch ausländische Arbeiter vorgebeugt wurde, ist in allen Ländern gewährt worden. Ausserdem stellten drei Organisationen dem italienischen Verband einen Gesamtbetrag von 17 100 Lire zur Verfügung. Im Jahre 1922 erhielt der Schweizerische HolzarbeiterVerband 25 000 deutsche Mark und 500 holländische Gulden zur Unterstützung seines Kampfes mit den schweizerischen Unternehmern. * k SchlussWir haben hiermit eine kurzgefasste Übersicht der Tätig- betrachtung. keit der I. U. in den letzten drei Jahren gegeben. Sie wird vielleicht nicht allgemein befriedigen, und auch wir geben uns keineswegs zufrieden. Immerhin haben wir im Ausmass der bescheidenen, in unserer I. U. vorhandenen Kräfte gearbeitet an der Konsolidierung und Erweiterung der Organisation, und wir 27 glauben annehmen zu dürfen, dass die Früchte unserer Tätigkeit in der nächsten Periode reifen werden. Es werden sich gewiss Kollegen finden, die durchaus unzufrieden sind mit der Arbeit unserer internationalen Organisation, weil sie der internationalen Berufsorganisation eine weit grössere Aufgabe zudenken, als ihr nach unserer Meinung zufällt. Aber auch diejenigen, welche sich vielleicht zu ernster und tiefer Kritik berechtigt fühlen, haben selbst sehr wenig oder nichts getan, um der Internationale die Erfüllung ihrer jetzigen bescheidenen Aufgabe zu erleichtern. Wir haben schon früher die Gelegenheit dazu benutzt, unsere Auffassung darzulegen, dass im allgemeinen die internationalen Berufsorganisationen sich nicht die Festlegung der Taktik unserer allgemeinen internationalen Gewerkschaftsbewegung in Fragen allgemeiner Art zur Aufgabe machen sollen. Die Leitung in diesen Angelegenheiten soll dem IGB. auch in der Zukunft vorbehalten bleiben, während die Durchführung der Beschlüsse des IGB. in erster Linie Sache der Landeszentralen sein soll. Die internationale Berufsorganisation ist und soll bleiben ein Institut zur Förderung des internationalen Zusammenschlusses und Verkehrs der Berufskollegen im weitesten Sinne des Wortes. Diese Aufgabe soll zweifellos in einem grösseren Ausmass als bisher zur Ausführung gelangen. Möge die Arbeit unserer Berufsinternationale in dieser Hinsicht mit der Mitwirkung aller in absehbarer Zeit zu völliger Entfaltung kommen! C. Woudenberg, Sekretär. 28 Kurze Uebersicht der Lage und Tätigkeit der der I. U. angeschlossenen Organisationen. BELGIEN. Centrale Générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses. Die von diesem Verbande erhaltenen Angaben weisen rege Tätigkeit und bedeutende Leistungen aus. Unsere belgischen Berufskollegen haben ebenfalls grosse, mit der auch hier starken Inflation überwinden. verknüpfte Schwierigkeiten eng Ausserdem musste der Verband gegen eine heftige Reaktion von Unternehmerseite ankämpfen, wobei er ausgezeichnete Erfolge zu erzielen gewusst hat. zu Besonders um die Lohnskala der Geldentwertung anzupassen und den Achtstundentag aufrechtzuerhalten, führen die belgischen Berufskollegen einen unermüdlichen und zähen Kampf. Erfreulicherweise wird dieser Kampf nicht durch grosse Arbeitslosigkeit beeinträchtigt, obgleich auch in Belgien Konjunkturschwankungen sich wiederholt bemerkbar gemacht haben. Bis jetzt ist es dem Verband gelungen, seine im Jahre 1919, nach Kriegsende, eroberte kräftige Stellung zu behaupten. Wenn die auch in Belgien eingeleiteten Bestrebungen zur Stabilisierung des Franks und zur Wiedereinführung der Goldwährung von Erfolg begleitet werden sollten, so wird dies für die Arbeiterklasse Belgiens anfänglich die Gefahr eines wirtschaftlichen Niederganges mit sich bringen. Die Organisation unserer Kollegen ist jedoch auf eine dahingehende Entwicklung gefasst. Mitteilungen über den belgischen Verband sind in den Nummern Januar 1923, September 1923 und Juli 1924 des ,, Bulletin" erschienen. DÄNEMARK. Dansk Træarbejder- Sekretariatet. Diesem Sekretariate sind acht verschiedene Holzarbeiterorganisationen angeschlossen. Die eingelaufenen Mitteilungen stärken die Überzeugung, dass die dänischen Organisationen festkonsolidierte Gewerkschaften bilden, die einen grossen Einfluss in der betreffenden Industrie auszuüben vermögen. In den Berichtsjahren haben die dänischen Kollegen mit beharrlicher und umfangreicher Arbeitslosigkeit zu kämpfen gehabt, aber trotzdem fortwährend eine kräftige Aktion zugunsten der BeiIm behaltung der einst eroberten Stellung führen können. Augenblick, in dem wir unseren Bericht zusammenstellen, sind die dänischen Kollegen in den grossen allgemeinen Kampf ver29 wickelt, über dessen Verlauf und Ende noch keine Mitteilungen gemacht werden können. Auch in diesem Riesenkonflikt erweisen die dänischen Holzarbeiterorganisationen sich als wehrhafte Kampftruppen gegenüber den Unternehmern. Ausser den acht genannten Verbänden sind unserer I. U. noch zwei Holzarbeiterorganisationen( der Korbmacher und der Schiffszimmerer) mit insgesamt etwa 7000 Mitgliedern angeschlossen, die dem Sekretariate nicht angegliedert sind. Schliesslich gibt es in Dänemark noch einige andere Organisationen der Schiffszimmerer und der Hauszimmerer, die weder dem Sekretariate noch der I. U. angehören. Das Dänische Holzarbeiter- Sekretariat bildet einen Teil des Skandinavischen Holzarbeiter- Sekretariats, dem auch die Holzarbeiter- Verbände Norwegens und Schwedens angeschlossen sind. Besonders in bezug auf die gegenseitige Finanzhilfe in Fällen grösserer Arbeitskonflikte leistet dieses Sekretariat treffliche Arbeit. Über Dänemark sind im„, Bulletin" vom Januar 1923 und Oktober 1924 Mitteilungen enthalten. DEUTSCHLAND. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Der Deutsche Holzarbeiter- Verband ist der grösste unserer I. U. angeschlossene Verband und dürfte in moralischer wie in finanzieller Hinsicht nicht nur als Kern, sondern als Träger der I. U. betrachtet werden. Ohne den Deutschen HolzarbeiterVerband würde die I. U. erheblich weniger bedeuten, als es jetzt der Fall ist. Diese grosse und kräftige Organisation hatte sich in den drei Berichtsjahren mit Schwierigkeiten verschiedenster Art herumzuschlagen. Es waren dies Schwierigkeiten, die vielleicht in der ganzen Geschichte der Arbeiterbewegung einzig dastehen und das Weiterbestehen des Verbandes aufs gefährlichste bedroht haben. Die Verwirrung in Deutschland auf politischem Gebiet hat wiederholt Perioden wirtschaftlichen Auf- und Niederganges hervorgerufen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1923 hatte die Geldentwertung sogar derartige Dimensionen angenommen, dass das ganze Wirtschaftsleben Deutschlands mit dem Untergang bedroht wurde. Und während langer Zeit schien es, als würde das stolz emporragende Gebäude der deutschen Gewerkschaftsbewegung elend zusammenbrechen. Während die Lohnaktionen tagaus, tagein geführt werden mussten, ohne dass es möglich war, mit dem Tempo der Geldentwertung gleichen Schritt zu halten, während zehntausende Verbandsmitglieder im Streik standen und kämpfen mussten ohne Finanzhilfe des Verbandes, während die vielen sozialen Einrichtungen des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes eingestellt werden mussten und der ganze Verwaltungsapparat tiefeinschneidende Einschränkungen erleiden musste, hat der Deutsche Holzarbeiter- Verband sich trotzdem zu behaupten gewusst. Wie fest geschmiedet müssen die Gefüge der Organisation sein, die diese Periode ohne dauernde Beeinträchtigungen überstehen konnte. Zur wirtschaftlichen Krise gesellte sich noch, dass der Deutsche Holzarbeiter- Verband von zwei Seiten heftigen und fanatischen Angriffen ausgesetzt war. Während die Unternehmer keine Gelegenheit versäumten, den grossen Einfluss des -30 Verbandes im Wirtschaftsleben womöglich zu brechen, den Achtstundentag abzubauen und die Tarifverträge zu sabotieren, spielten die Kommunisten den Arbeitgebern in die Hände, indem sie fortwährend bestrebt waren, Zwiespalt und Bruderkampf in den Reihen des Verbandes zu entfesseln. Die vereinten Anstrengungen der Kommunisten und Unternehmer waren jedoch vergebens. Vor dem felsenfesten Bollwerk des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes und dem unzaghaften Vertrauen seines Vorstandes sind alle Angriffe schmählich zusammengebrochen. In diesem Augenblick ist der Verband schon dabei, sich schnell von den Folgen der Krise und des Kampfes zu erholen. In den Nummern des ,, Bulletin" vom Juni 1923, September 1923, Januar/ Februar 1925, März 1925 und April 1925 sind Mitteilungen über den deutschen Verband enthalten. Deutscher Sattler-, Tapezierer- und Portefeuiller- Verband. Über diesen Verband ist nach den obenstehenden Ausführungen nicht viel mitzuteilen, da alle obengeschilderten Begebenheiten auch für diese Organisation Geltung haben. Mit grosser Genugtuung können wir feststellen, dass auch die Tapezierersektion des Verbandes ungebrochen aus den Schranken herausgekommen ist und unermüdlich für die Interessen ihrer Mitglieder in die Bresche tritt. Im ,, Bulletin" vom Januar 1923, Juli 1924 und Juni/ Juli 1925 befinden sich nähere Mitteilungen über den Verband. Verband der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter Deutschlands. Auch in bezug auf diesen Verband haben dieselben Ausführungen wie über die anderen deutschen Organisationen Geltung. Auch der Deutsche Böttcher- Verband hat sich als kampffähige Organisation zu behaupten gewusst. Der Verband hat in der Berichtsperiode infolge des Ablebens seines Vorsitzenden Carl Winkelmann( vgl.„ Bulletin" vom November 1924) einen empfindlichen Verlust erlitten. Im ,, Bulletin" vom November 1922 und Juni/ Juli 1925 findet man über diesen Verband noch einige Berichte. FINNLAND. Suomen Puuteollisuustyöväen Liitto. Das Sekretariat der I. U. war sich während langer Zeit nicht über die Bedeutung und Tätigkeit der finnischen Holzarbeiter- Verbände im klaren. Wir hatten jedoch bemerkt, dass die Kommunisten einige Zeit auf die finnische Gewerkschaftsbewegung grossen Einfluss ausgeübt haben, und dass in dieser Periode die Gegner der von Moskau diktierten Methoden sich aus taktischen Gründen abwartend verhielten. Zwischen den Holzarbeitern Finnlands und unserer Internationale bestand nur schwacher direkter Kontakt, doch waren wir bestrebt, die Verbindung mit dem unserer I. U. angeschlossenen finnischen Holzarbeiter- Verband möglichst eng aufrechtzuerhalten. Einige persönliche Besprechungen mit dem Kollegen Heiki Moisio gestatteten, sich ein einigermassen zutreffendes Bild der Zustände und Verhältnisse in Finnland zu bilden. Die finnischen Sägewerksarbeiter, die sich im Oktober 1921, wahrscheinlich auf Initiative der Kommunisten, mit den Verbänden der Transportarbeiter und Fabrikarbeiter zu einem grossen schwerfälligen Verband zusammengeschlossen hatten, 31 hatten sich damals zwar nach den Aufnahmebedingungen der I. U. erkundigt, sich jedoch der I. U. nicht angeschlossen, weil sie sich wahrscheinlich den Beschlüssen des Wiener Kongresses nicht unterordnen konnten. Nachdem unser Kollege Tarnow im Jahre 1924 als Vertreter der I. U. in Finnland gewesen war, erhielten wir mehr und mehr ein Bild der obwaltenden Verhältnisse. Verschiedene in der letzten Zeit eingelaufene Berichte aus Finnland zeigen, dass die finnische Gewerkschaftsbewegung sich allmählich aus den Tatzen Moskaus zu befreien bestrebt ist, und wir glauben daher, die Erwartung aussprechen zu dürfen, dass diese Entwicklung sich auch im Verhältnis der dortigen Holzarbeiterorganisationen zur I. U. abspiegeln wird. Man arbeitet jetzt in Finnland an einem festgeschmiedeten Zusammenschluss der verschiedenen Holzarbeitergruppen. Wir sind jedoch noch nicht imstande, über die Resultate dieser Bestrebungen nähere Mitteilungen zu machen. Berichte über Finnland sind in den Nummern vom März 1922, November 1922, Januar 1923 und August 1924 unseres ,, Bulletin" veröffentlicht worden. FRANKREICH. Fédération des Travailleurs de l'Industrie du Bois. In keinem Lande Westeuropas hat der kommunistische Zellenbau einen dermassen verheerenden Einfluss auf die Gewerkschaftsbewegung ausgeübt, wie es in Frankreich der Fall ist. Die drei Holzarbeiterorganisationen Frankreichs, die anfänglich unserer I. U. angeschlossen waren und um das Jahr 1920 in der Tat über einen ziemlich bedeutenden Einfluss im Betriebsleben verfügten, sind nunmehr zu völlig machtlosen Gruppen zusammengeschrumpft. Diese kleinen Gruppen haben sich damals von der dem Amsterdamer IGB. angeschlossenen Landeszentrale( CGT.) getrennt und sich an der Errichtung einer nach Moskau orientierten Gewerkschaftszentrale( CGTU.) beteiligt. Sie sind daraufhin der Mitgliedschaft bei der I. U. verlustig erklärt worden, während ein mittlerweile neugegründeter, der CGT. angeschlossener Verband, ,, Fédération des Travailleurs de l'Industrie du Bois", vom Internationalen Kongress in Wien 1922 als Mitglied der I. U. bestätigt worden ist. Auch die neue Organisation ist jedoch noch keineswegs eine kräftige, kampffähige Organisation. Wir haben im Jahre 1924 am Kongress dieses Verbandes in St. Claude teilgenommen und über unsere Erfahrungen im ,, Bulletin" vom Januar/ Februar 1925 ausführlich berichtet. Wir wollen uns daher auf einen Hinweis auf die betreffenden Ausführungen beschränken und lediglich wiederholen, dass nach unserer Meinung der französische Holzarbeiter- Verband noch völlig im Anfangsstadium der Gewerkschaftsbewegung steht. Wir haben grösste Zuversicht zur günstigen Entwicklung des Verbandes auch in der nächsten Zukunft, verhehlen uns aber nicht die gewaltigen Schwierigkeiten, die der Verband noch auf allen Gebieten beseitigen muss. In der letzten Zeit macht sich in Frankreich ein Bestreben bemerkbar, die Einheit der„ Unitären" mit der Amsterdamer Gewerkschaftszentrale( CGT.) wiederherzustellen. Sollte dieses Bestreben etwas mehr sein als der gewöhnliche abgeschmackte Einheitsfrontschwindel der Kommunisten, SO 32 werden wir diese Entwicklung selbstverständlich mit grösstem Interesse verfolgen. Eine derartige Entwicklung liesse sich auch erklären. Die harten Erfahrungen müssen auch den sogenannten„, Unitären" doch schliesslich die Einsicht beibringen, dass ihre Taktik fehlgeschlagen ist und immer fehlschlagen wird. Wenn diese Erwartung richtig ist, so werden wir uns über eine Einigung nur freuen können. Mitteilungen über den französischen Verband erschienen im., Bulletin" vom März 1922, Juni 1923 und Januar/ Februar 1925. GROSSBRITANNIEN. Amalgamated Society of Woodworkers. National Amalgamated Furnishing Trades' Association. Wenn man die Tätigkeit der Organisationen unserer Berufskollegen Grossbritanniens verfolgt, so bekommt man den Eindruck, dass dort ruhige, auf jahrelange Erfahrung gestützte Gewerkschaftsarbeit geleistet wird. Und doch haben auch diese Verbände bewegte Jahre hinter sich. Sie haben beide, der eine vielleicht etwas mehr als der andere, mit grosser Arbeitslosigkeit zu kämpfen gehabt. Die für Grossbritannien besonders brennende Frage der internationalen Konkurrenz wurde von den Unternehmern immer in der Weise zu lösen versucht, dass die Löhne fortwährend herabgesetzt werden sollten. Es versteht sich, dass unsere britischen Schwesterorganisationen sich mit Aufbietung aller Kräfte gegen diese Bestrebungen gewehrt haben. In bezug auf den Holzarbeiter- Verband erwähnen wir im besonderen die heftigen und zähen Kämpfe im Schiffsbau, in welchen immer ein grosser Teil der Verbandsmitglieder einbezogen war. Besonders in dieser Branche war der internationale Wettbewerb der Knotenpunkt in jedem Konflikt. Den Rücktritt wegen Krankheit des Kollegen Cameron, Generalsekretärs des Britischen Holzarbeiter- Verbandes, betrachten wir als einen schweren Verlust des betreffenden Verbandes. Wir bedauern den gezwungenen Beschluss des Kollegen Cameron ebenfalls mit Hinsicht auf die internationalen Interessen unserer Berufskollegen.( Vgl. ,, Bulletin" vom Juni/ Juli 1925.) In bezug auf den Verband der Möbeltischler wollen wir besonders hervorheben, dass die Gildenbewegung, die in den Jahren 1920 und 1921 auch in dieser Industrie den im Jahre 1919 in der Bauindustrie gegründeten Gilden nachgebildet wurde, wieder liquidiert werden musste. Im allgemeinen hat der Gildensozialismus, der im Jahre 1919 in die britische Arbeiterbewegung Eingang zu finden bestrebt war, den Erwartungen nicht entsprochen. Schliesslich wollen wir hier kurz auf die kräftigen Versuche der Kommunisten hinweisen, ihren Einfluss auf die internationale Gewerkschaftsbewegung mit der Hilfe der britischen Gewerkschaftsbewegung zu erweitern. Es erübrigt sich, zu betonen, dass diese Bestrebungen auch auf die Organisationen unserer Berufskollegen ihre Rückwirkungen ausgeübt haben. Die Folgen dieser Aktion sind noch nicht absehbar und werden jedenfalls mehr im IGB., als der zentralen internationalen Gewerkschaftsorganisation, als in den einzelnen Berufsinternationalen verankert werden. 33 Die ,, Bulletins" vom März 1922 und September 1923 enthalten Berichte über den britischen Verband der Möbeltischler und die Nummern vom September 1923 und Oktober 1924 über den Britischen Holzarbeiter- Verband. HOLLAND. Algemeene Nederlandsche Bond van Meubelmakers, Behangers en Aanverwante Vakgenooten. Die drei letzten Jahre waren für diesen Verband eine Periode ununterbrochener Krisen, in der eine Arbeitslosigkeit beispiellosen Umfanges die holländischen Berufskollegen heimgesucht hat. Ausserdem hatte die Arbeiterklasse Holland's gegen eine rücksichtslose Reaktion anzukämpfen, welche sich nicht nur auf allgemeinpolitischem Gebiete, sondern auch in bezug auf die wirtschaftlichen Machtverhältnisse in den einzelnen Industrien geltend machte. Wenn man den sehr ungünstigen Verhältnissen Rechnung trägt, so muss festgestellt werden, dass der holländische Verband im allgemeinen seine Stellung zu behaupten gewusst hat. Bedeutende Lohnherabsetzungen konnten nicht vermieden werden, doch überwiegen sie die Senkung der Lebenshaltungskosten nicht. Besonders hinsichtlich der Regelung der Arbeitszeit war der Verband den unablässigen Angriffen der Unternehmer ausgesetzt. Die Arbeitgeber konnten zwar mit Hilfe der gesetzgeberischen Macht die Verlängerung der gesetzlichen 45- Stunden- Woche auf 48 Stunden durchdrücken, doch ihre Versuche, die Arbeitszeit noch weiter heraufzusetzen, sind infolge des kräftigen Widerstandes der Arbeiter fehlgeschlagen. Trotzdem die Arbeitslosenziffern die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Wirtschaftskrise noch nicht verstärken, können wir doch feststellen, dass unser holländischer Verband die Periode der Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nunmehr abgeschlossen hat und sich mit voller Kraft und Zuversicht zur Eroberung neuer Besserungen in der Lage seiner Mitglieder anschickt. Im ,, Bulletin" vom November 1922, Juni 1923, April 1925 und Juni/ Juli 1925 findet man weitere Einzelheiten über den holländischen Verband. ITALIEN. Federazione italiana lavoranti in legno. Der Verband unserer Berufskollegen Italiens hat in den letzten Jahren furchtbare Schläge bekommen. Die ruchlose und grausame Verbrechertätigkeit der Faschisten hat auch dem Italienischen Holzarbeiter- Verband die Erfüllung seiner Aufgaben fast unmöglich gemacht. Die Frage möge dahingestellt bleiben, ob die faschistische Reaktion nicht mehr oder weniger den verfehlten Ansichten eines Teiles der Leitung der italienischen Arbeiterbewegung und folglich der Wachrufung unerfüllbarer Hoffnungen in der Masse zugeschrieben werden soll. Sicher ist, dass auch eine bejahende Antwort auf diese Frage keineswegs eine Entschuldigung für die verbrecherischen Umtriebe der Gewaltbanden Mussolinis sein kann. Die Leitung unseres Italienischen Holzarbeiter- Verbandes stand bereits vor dem faschistischen Gewaltstreich unter ausgesprochen kommunistischem Einfluss und gehört auch heute 34 noch dem oppositionellen Flügel des Italienischen Gewerkschaftsbundes an. Im übrigen müssen wir zugestehen, dass der Italienische Holzarbeiter- Verband die enormen Schwierigkeiten auf seinem Wege energisch bekämpft hat und nach Kräften bestrebt war, bei der Regelung der Arbeitsbedingungen seiner Mitglieder möglichst grossen Einfluss zu behalten. Die Sachlage verhinderte den Verband natürlich daran, sehr grosse Erfolge zu erzielen, aber wir haben doch einige Male mit Genugtuung feststellen können, dass der Verband teilweise Erfolge zu erzielen gewusst hatte. Auch die letzten vom Italienischen Verband eingelaufenen Berichte melden, dass die Behörden noch immer mit sehr scharfen Verfolgungsmassnahmen gegen den Verband einschreiten. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass der unermüdliche Widerstand des Verbandes schliesslich von dauerhaftem Erfolg begleitet sein wird. Im ,, Bulletin" vom November 1922, Januar 1923, August 1924, Januar/ Februar 1925 und März 1925 sind noch weitere Mitteilungen über diesen Verband veröffentlicht worden. JUGOSLAVIEN. Im Jahre 1924 wurde von vier Holzarbeiterorganisationen im neuen jugoslavischen Staat ein Einheitskongress abgehalten. Jeder dieser Verbände vertrat die Holzarbeiter seines früheren Staates oder Zuständigkeitsgebietes. Es waren die Organisation Sloveniens mit dem Sitz in Laibach, Kroatiens und Slavoniens mit dem Sitz in Agram, Bosniens und der Herzegowina mit dem Sitz in Serajewo und Serbiens mit dem Sitz in Belgrad. Im Jahre 1920 hatte man sich schon auf die Punkte eines Zusammenschlusses geeinigt, jedoch hatte ein Mehrheitsbeschluss zugunsten Moskaus die Durchführung des Beschlusses verhindert. Die in organisatorischer Hinsicht bestkonsolidierte Organisation ist der Laibacher Verband, der Holzarbeiter umfasst, die früher dem Österreichischen Holzarbeiter- Verband angehörten. Diese Organisation wollte sich dem Diktat Moskaus nicht unterwerfen und setzte als selbständiger slovenischer Verband ihre Tätigkeit fort. Die Entwicklung der inneren politischen Verhältnisse und die verfehlte Taktik der mit russischem Gelde gestützten Kommunisten verursachten bald einen raschen Rückgang der Mitgliederzahlen der im Jahre 1919 noch so kräftigen Organisationen. Im Jahre 1922 zeigte sich das Bestreben, die verschiedenen Holzarbeiterorganisationen zu einem angeblich neutralen Verband zusammenzufassen. Bald bemerkte man jedoch, dass hier ein neues Manöver der Kommunisten vor sich ging. Der unserer I. U. angeschlossene Laibacher Verband machte anfänglich mit dieser Neutralitätsbewegung mit, während der nach Amsterdam orientierte, der I. U. damals jedoch nicht angeschlossene Agramer Verband sie bekämpfte. Der bosnische Verband mit dem Sitz in Serajewo hat sich in dieser Frage völlig abseits gehalten. Die Kommunisten erklärten, mit ihrem Neutralitätsprinzip weder den Anschluss an Amsterdam noch an Moskau zu bezwecken, suchten aber um Aufnahme in die I. U. nach. 35 Im Jahre 1923 haben wir uns über die Lage ins klare gesetzt, indem wir dem Kongress in Laibach der sogenannten ... Neutralen" und dem Kongress in Brod der Agramer Organisation beiwohnten. Wir haben dabei den Standpunkt vertreten, dass gemäss den Bestimmungen des bekannten Wiener Beschlusses nur solche Organisationen in die I. U. aufgenommen werden können, die einer dem IGB. angeschlossenen Landeszentrale angegliedert sind. Auf dem Kongress in Brod wurde anscheinend einige Annäherung zwischen den verschiedenen in der jugoslavischen Holzarbeiterbewegung vorhandenen Richtungen erreicht. Diese Annäherung erwies sich jedoch später als illusorisch. In der späteren Korrespondenz mit dem Laibacher Verband hat der Internationale Sekretär diesem Verband im Namen des Exekutivkomitees sogar mitteilen müssen, dass ein dauerndes Zusammenarbeiten mit den hinter der Maske angeblicher Neutralität versteckten Kommunisten unvereinbar sei mit der Mitgliedschaft bei der I. U. Die Taktik der Kommunisten kann nunmehr als misslungen betrachtet werden. Der Laibacher Verband hat seine Selbständigkeit unbeeinträchtigt zu wahren gewusst, hat überdies die Verbindungen mit dem„, neutralen" Verband gelöst und bereits mit dem unserer I. U. ebenfalls angeschlossenen Agramer Verband Fühlungnahme erstrebt. Diese Entwicklung der Verhältnisse in der jugoslavischen Holzarbeiterbewegung lässt erhoffen, dass auch in diesem Lande die Einheit der nach Amsterdam orientierten Verbände in kürzester Frist eine Tatsache werden wird. Infolge des Ausscheidens des slovenischen Verbandes ist der„ ,, neutrale" Verband in Laibach praktisch ohne Sang und Klang eingegangen. Es ist zu bedauern, dass die Agramer Organisation damals nicht über eine anständige Leitung verfügte. Dem Vorstand des dem IGB. angeschlossenen Gewerkschaftsbundes verdanken wir regelmässige und sehr nützliche Mitwirkung. Auf Grund der zur Verfügung stehenden Angaben können wir die kommenden Begebenheiten in Jugoslavien mit Zuversicht abwarten. In den verschiedenen Teilen des Landes sind ausgezeichnete Kerne vorhanden, welche alle den Standpunkt des IGB. restlos unterschreiben. Der Zusammenschluss dieser Kerne zu einem kampffähigen zentralisierten Verband wird den Weg zur allumfassenden nationalen Organisation unserer jugoslavischen Berufskollegen ebnen. Soweit wir haben feststellen können, sind solche Kerne besonders in Slovenien, Kroatien, Bosnien und Vojvodina anwesend. Im„ Bulletin" vom September 1922, November 1922, Juni 1923, September 1923 und Juni/ Juli 1925 sind Berichte über Jugoslavien veröffentlicht worden. LUXEMBURG. Industrieverband der Bau- und Holzarbeiter des Grossherzogtums Luxemburg. Über den kleinen Verband, der in diesem Lande der I. U. angeschlossen ist, sind keine besonderen Bemerkungen zu machen. Bekanntlich leisten unsere dortigen, mit den Bauarbeitern in einem Verbande vereinigten Berufskollegen regelmässige und erspriessliche Gewerkschaftsarbeit. Den allgemeinen internationalen Problemen bringen sie im allgemeinen das gebührende Interesse entgegen. 36 NORWEGEN. Allem Anschein nach hatte unter dem sehr starken Einfluss der damaligen Verhältnisse in der norwegischen Arbeiterpartei die Gesamtgewerkschaftsbewegung Norwegens sich nach dem Kriege nach Moskau orientiert. Der Norwegische Gewerkschaftsbund schied im Jahre 1922 aus dem IGB. aus, ohne sich jedoch der Moskauer Roten Gewerkschaftsinternationale anzugliedern. Diesem halbschlächtigen Standpunkt verdankt man vielleicht, dass einer Spaltung in den eigenen Kreisen vorgebeugt wurde. In der letzten Zeit rückt die Mehrheit der politischen Partei wieder von Moskau ab, und folglich wird auch in der Gewerkschaftsbewegung das Drängen auf Wiederanschluss an die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale stärker. Die drei unserer I. U. angeschlossenen norwegischen Holzarbeiterverbände sind trotz der Abspaltung ihres Gewerkschaftsbundes vom IGB. auch weiterhin als Mitglieder der I. U. anerkannt worden. Norsk Træindustriarbeiderforbundet. Dieser Verband wurde im Jahre 1923 in einen Bauarbeiterverband umgeändert, indem die im Baubetrieb beschäftigten Holzarbeiter sich mit den anderen Bauarbeitergruppen zusammengeschlossen haben. Ein kleiner Teil der Mitglieder des früheren Holzarbeiter- Verbandes wurde dem Möbeltischler- Verband zugewiesen. Der Bauarbeiter- Verband hat für die Sektion der Holzarbeiter die Mitgliedschaft bei der I. U. aufrechterhalten. Auf dem im Jahre 1923 abgehaltenen Reorganisationskongress bekamen wir den Eindruck, dass die Anhänger Moskaus und die Amsterdams einen heftigen Kampf um die Leitung führten. Der vom Verband im Jahre 1922 zum Wiener Kongress entsandte Vertreter wurde nicht als Vorstandsmitglied wiedergewählt. Man legte ihm insbesondere zur Last, dass er in Wien für den bekannten Wiener Beschluss gestimmt hatte. An seiner Stelle wurde der damalige Vizevorsitzende des Norwegischen Gewerkschaftsbundes gewählt, der als ausgesprochener Kommunist bekannt ist. Norsk Møbelindustriarbeiderforbundet. Infolge der Wirtschaftskrise ist die Mitgliederzahl dieses Verbandes sehr zurückgegangen. Die Leitung hat sich in zahlreichen Aktionen als sehr einsichtsvoll und vernünftig erwiesen, und es kann mithin festgestellt werden, dass, trotz des Mitgliederrückganges, leidlich gute Erfolge erzielt worden sind. Die Leitung des Verbandes hat sich in der Frage Amsterdam- Moskau zwar immer eindeutig zugunsten Moskaus ausgesprochen, die Amsterdamer Richtung jedoch niemals fanatisch und rücksichtslos bekämpft. Die Beziehungen zur I. U. waren immer sehr kameradschaftlich. Norsk Sag-, Tomt- og Høvleriarbeiderforbundet. In der Berichtsperiode war dieser Verband heftigen Angriffen der Arbeitgeber ausgesetzt. Wir haben den Eindruck, dass der Verband der Sägewerksarbeiter sich hinsichtlich der inneren Gegensätze in der Arbeiterbewegung vielmehr abseits verhalten hat, und wir glauben auch, dass er dabei schliesslich am besten weggekommen ist. 37 Mittels des Skandinavischen Holzarbeiter- Sekretariats haben die unserer I. U. angeschlossenen norwegischen Holzarbeiterverbände immer in prächtiger Kameradschaft mit den Holzarbeitern Dänemarks und Schwedens zusammengearbeitet. Im ,, Bulletin" vom Juni 1923 erschienen einige Mitteilungen über den Möbeltischler- und den damaligen Holzarbeiter- Verband; in der Nummer vom September 1923 ein weiterer Bericht über den Holzarbeiter- Verband und im April 1925 ein allgemeiner Bericht über die norwegische Gewerkschaftsbewegung. ÖSTERREICH. Verband der Holzarbeiter Österreichs. Dank zäher Ausdauer und unerschütterlicher Zuversicht hat der Verband der Holzarbeiter Österreichs sich wieder einigermassen von den tiefeinschneidenden Folgen der gewaltigen Krise der Jahre 1919 bis 1922 erholt. In dieser Periode, und auch jetzt noch, erwies es sich als äusserst schwierig, den Bestrebungen der Arbeitgeber, den Arbeitern die Lasten der wirtschaftlichen Zerrüttung aufzubürden, Einhalt zu bieten. diesem Kampf hat der Verband sich jedoch trotz der ungeheuren In Schwierigkeiten verschiedenster Art mit grossem Erfolg zu behaupten gewusst. Die österreichischen Kollegen haben jedoch die Folgen der vergangenen Schreckensperiode noch keineswegs völlig überwunden. Die finanzielle Katastrophe vom Jahre 1924 hat einen neuen wirtschaftlichen Zusammenbruch verursacht, unter dessen Begleiterscheinungen die Arbeiter in erster Linie leiden. Die Arbeitslosigkeit hat wieder einen erschreckend wuchtigen Aufschwung genommen. Mitteilungen über Österreich erschienen in unserem ,, Bulletin" vom Januar 1923, August 1924, Januar/ Februar 1925, März 1925 und Juni/ Juli 1925. POLEN. Zwiazek robotnikow przemyslu drzewnego w Polsce. Von der Organisation unserer Berufskollegen Polens erhalten wir nur spärliche Mitteilungen. Die einzig wichtige Begebenheit in diesem Lande war unseres Wissens die Tatsache, dass die Warschauer Organisation, die mit geringer Mitgliederzahl unter kommunistischer Leitung stand, sich mit dem der I. U. angeschlossenen Krakauer Verband vereinigt hat. Dem zentralen Verband hat sich ebenfalls eine kleine jüdische Holzarbeiterorganisation angeschlossen. Im übrigen wissen wir nur, dass die Inflation auch in diesem Lande der Arbeiterklasse fast unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg gestellt hat. In Westpolen besteht noch eine allgemeine Organisation der Arbeiter, die früher dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund mit seinen Einzelverbänden angehörten. Diesem Allgemeinen Verband der freien Gewerkschaften Westpolens ist ebenfalls eine Holzarbeitergruppe angeschlossen, die sich, gemäss den eingeholten Informationen, dem Polnischen Holzarbeiter- Verband deswegen nicht angeschlossen hat, weil die tiefen Organisationsunterschiede der Erreichung dieses Endziels vorläufig noch hemmend in den Weg treten. Im„, Bulletin" vom Juni 1923 und März 1925 sind kurze Mitteilungen über den Polnischen Holzarbeiter- Verband veröffentlicht worden. 38 SCHWEDEN. Svenska Träindustriarbetareförbundet. Svenska Byggnadsträarbetareförbundet. Gemäss einem im Jahre 1922 gefassten Kongressbeschluss teilte sich der frühere Holzarbeiter- Verband am 1. Januar 1923. Der eine Teil, der die Holzarbeiter in den Baubetrieben umfasste, bildete einen Bauholzarbeiter- Verband, während der andere Teil als Holzindustriearbeiterverband seine Tätigkeit fortsetzte. Beide Organisationen sind der I. U. angeschlossen. Über ihre Tätigkeit sind keine besonderen Bemerkungen zu machen. Als festkonsolidierte Kampforganisationen leisten sie zugunsten ihrer Verbandsmitglieder äusserst wertvolle Arbeit. Svenska Sägverksarbetareförbundet. Der Verband der Sägewerksarbeiter Schwedens bearbeitet ein sehr grosses Tätigkeitsgebiet. Die Gewerkschaftsarbeit dieses Verbandes gestaltet sich daher recht schwierig. Der Verband führte einen fast unablässigen Kampf mit den Arbeitgebern und erzielte dabei ausgezeichnete Erfolge. Sein Wirkungsbereich hat sich in den letzten drei Jahren sehr bedeutend erweitert. Auch die schwedischen Holzarbeiterorganisationen nehmen einen wirksamen Anteil an der Tätigkeit des Skandinavischen Holzarbeiter- Sekretariates und bringen der I. U. immer grosses Interesse entgegen. Die ,, Bulletins" vom November 1922, Januar 1923, Juni 1924, September 1924, Oktober 1924 und April 1925 enthalten Berichte über die schwedischen Verbände. SCHWEIZ. Schweizerischer Bau- und Holzarbeiter- Verband. Am 1. Januar 1923 schlossen die Verbände der schweizerischen Bau- und Holzarbeiter sich zu einem einheitlichen Verband zusammen. Der Mechanismus des neugebildeten Verbandes erwies sich anfänglich ziemlich schwerfällig, doch scheint später eine merkliche Besserung eingetreten zu sein. Der Schweizerische Verband hat sich besonders auch für die Holzarbeitersektion als ein sehr rühriger und kampffähiger Verband erwiesen. Arbeitslosigkeit und Reaktion haben den Verband nicht zu brechen vermocht. Die Periode der Lohnherabsetzungen und anderen Verschlechterungen ist nunmehr überwunden worden, und die Gegenoffensive zur Zurückeroberung der verlorenen Posten hat kräftig eingesetzt. Im Kampfe zugunsten der Beibehaltung des Achtstundentages hat der Verband sich im allgemeinen recht gut gewehrt. In bezug auf die inneren Verhältnisse in unserer Internationale wollen wir noch auf den sonderbaren Umstand hinweisen, dass, während die Leitung des Schweizerischen Verbandes im eigenen Kreise scharf und unzweideutig gegen die Bestrebungen der von den Moskauer Direktiven geleiteten Kommunisten Stellung genommen, dieselbe Leitung sich im internationalen Rahmen wiederholt als Vermittler zugunsten der Kommunisten aufgeworfen hat. Letztens hat sie noch etwas derartiges verübt, indem sie im Zusammenhang mit der Einberufung unseres Brüsseler Kongresses die angeschlossenen Organisationen anspornte, zugunsten Moskaus einzuschreiten. Im Bulletin" vom März 1922, September 1922 und September 1924 sind Mitteilungen über die Schweiz veröffentlicht worden. 39 TSCHECHOSLOWAKEI. Verband der Holzarbeiter und Drechsler. Unie Drevodelníků. In diesem Lande hat der alte Nationalitätenkampf auch auf unsere dortige Holzarbeiterbewegung seinen Rückschlag ausgeübt. Der Verband unserer deutschen Berufskollegen, mit dem Sitz in Reichenberg, ist unserer I. U. seit dem Jahre 1920 angeschlossen. Infolgedessen hatte der Verband der tschechischen Holzarbeiter sich anfänglich geweigert, der I. U. beizutreten. Im Jahre 1922 wussten die Kommunisten die Mehrheit in der Leitung des Prager Verbandes an sich zu reissen, worauf die auf dem Standpunkt der Amsterdamer Internationale stehende Minderheit eine neue Organisation gründete. Der kommunistische Verband hat damals ernste Versuche gemacht, Aufnahme in die I. U. zu erlangen, wurde jedoch vom Wiener Kongress abgewiesen. Als später der neugegründete Verband um Aufnahme in die I. U. ansuchte, haben wir versucht, diesen Verband mit dem Reichenberger Verband zu vereinigen. Das Ergebnis unserer Bestrebungen führte zu dem Beschluss des Exekutivkomitees, den Prager Verband zuzulassen. Anfänglich liess die Fühlungnahme und Zusammenarbeit der beiden Verbände vieles zu wünschen übrig. Diese Tatsache soll grösstenteils auf die Gegensätze zwischen den Reichenberger und den Prager Landeszentralen zurückgeführt werden, welche ihrerseits wieder den nationalen politischen Verhältnissen und Einflüssen zugeschrieben werden sollen. Zum Zeitpunkt, als die fortwährend von Moskau befohlenen kommunistischen Umtriebe die Arbeiterbewegung in der Tschechoslowakei der Vernichtung preiszugeben drohten, haben die Vertreter der beiden Landeszentralen schliesslich den Weg zueinander gefunden. Unter der Führung des IGB. scheint die Einheit in der letzten Zeit ausgezeichnete Erfolge aufzuweisen, und wir können mit Freude feststellen, dass die allgemeinen Bestrebungen auch die Holzarbeiterbewegung bereits sehr günstig beeinflusst haben. Es ist dringend notwendig, dass in diesem Lande die Einheit der beiden gleichgesinnten Gruppen nunmehr baldigst zustande kommt, denn die Kommunisten haben der tschechischen Gewerkschaftsbewegung bereits grossen Schaden zugefügt, während der Zwiespalt und die Zersplitterung in der Arbeiterbewegung zahlreiche Arbeiter ins nationalistische oder konfessionelle Lager haben abwandern lassen. Man vergleiche weiter die Mitteilungen im„ Bulletin" vom März 1922, Januar 1923, Juni 1923, September 1923, November 1924, Januar/ Februar 1925, März 1925, Mai 1925 und Juni/ Juli 1925. UNGARN. Magyarországi Famunkazok Szövetsége. Diese Organisation hat unter sehr ungünstigen und schwierigen Umständen ihre Arbeit leisten müssen. Jedesmal, wenn der Verband glaubte, wieder auf die Beine zu kommen, setzte eine neue Krise ein, während die öffentlichen Behörden immer neue Verfolgungsmethoden gegen die Arbeiterklasse ausklügeln, statt den Gewerkschaften die Erfüllung ihrer sozialen Aufgaben nach Kräften zu erleichtern. Die Inflation, die Steigerung der Warenpreise und die Arbeitslosigkeit haben nicht nur dem Holzarbeiter- Verband, sondern der gesamten Gewerkschaftsbewegung Ungarns fast unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg gestellt. 40 Die Organisation unserer Berufskollegen liegt jedoch noch keineswegs zertrümmert darnieder. Trotz der qualvollen vergangenen Periode haben die ungarischen Kollegen das Vertrauen in die Zukunft nicht verloren. Auch in diesem Augenblicke ist die Lage des Verbandes wieder äusserst schwierig, und befürchtet er sogar, seine sozialen Einrichtungen einstellen zu müssen. Wir hoffen inbrünstig, dass auch für unsere ungarischen Kollegen bald der Morgen einer dauerhaften Periode der Konsolidierung und Zusammenraffung aller Kräfte dämmern möge. * ** * Auch der kleine Verband der Budapester Bildhauer hat sich mit einer gewaltigen, anhaltenden Arbeitslosigkeit herumzuschlagen. Die energischen Versuche seines Vorstandes, die arbeitslosen Branchenangehörigen im Auslande unterzubringen, sind infolge der auch in den in Betracht kommenden Ländern herrschenden Arbeitslosigkeit leider nicht von besonderem Erfolg begleitet gewesen. Über Ungarn sind im„ Bulletin" vom März 1922, Januar 1923, Juni 1923, September 1923, Oktober 1924 und März 1925 Berichte veröffentlicht worden. C. Woudenberg, Sekretär. 41 Mitgliederzahl und Anzahl der Verwaltungsstellen der der Internationalen Union der Holzarbeiter angeschlossenen Organisationen am 1. Januar 1922 und 31. Dezember 1922, 1923 und 1924 Land Name der Organisation Mitglieder- Zahl der Mitglieder- Zahl der Mitglieder- Zahl der Mitgliederzahl am 1. Januar 1922 Verwaltungsstellen zahl am 31.Dezember 1922 VerVerwaltungsstellen zahl am 31.Dezember waltungs1923 stellen zahl am 31. Dezember 1924 Bemerkungen Belgien Bulgarien Dänemark... Dansk Træarbejder- Sekretariatet: Børstenbinderforbundet Snedkerforbundet Drejerforbundet. Bødkerforbundet Forgylderforbundet. Træindustriarbejderforbundet Billedskærer- og Dekorationshuggerforbundet Karetmagerforbundet Kurvemagernes Forening. Dansk Skibstømrerforbundet. Deutschland... Deutscher Holzarbeiter- Verband. 388 463 Finnland.. Deutscher Sattler-, Tapeziererund Portefeuiller- Verband.. Verband der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter Deutschlands Zentralverband der Schiffszimmerer. Zentralverband der Glaser Suomen Puutyöntekiyäin Liitto Suomen Centrale Générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses( Sektion der Holzarbeiter) Bulgarischer Holzarbeiter- Verband 41 2501) 110 ca.22 500 105 ca. 20 000 98 20 1322) 150 ** 1501) ** 1501) ** 15 850 - 15 219 15 411 215* 21228 5*| 90 8 908 90 8 900 14 251 14 231 370 769 193. 79 3 578 180 ** 970 - 142 - 22| 12 353 22 8 750 197 77 3 824 79 5 189 ** 967 1222200 5* 1501) 15 793 1) Wovon eine große Zahl Bauholzarbeiter, die später zur BauarbeiterInternationale gerechnet wurden. 2) 1. 11. 24. 1) Letzte Angabe vom Januar 1922. 90 8946 243 380 740 8 205 4 056 197 ** 1026 123 107 ** 31 750 31 644 31 750 1376 434 843 1372 377 025 1280 284 742 13 500* 244 15 833 226 ca. 13 000 200 ca. 10 600 13 500 ** ** 5 048 3.962* 4 249* ** Frankreich -1) -1) Puuteollisuustyöväen Liitto Fédération nationale de l'Ameublement Fédération nationale de l'Industrie du Sciage etc.... 12 333* 11 C00* Fédération des Travailleurs de l'Industrie du Bois ca. 4 000 Im Jahre 1922 ausgeschlossen wegen Abspaltung vom C. G. T. Im Jahre 1922 ausgeschlossen wegen Abspaltung vom C. G. T. ** - 30 3 000 39 4 500 44 5 000 25 263 181 22 449 180 21 819 180 22 820 165 000 1461 150 7381) 1439 140 967 1200 109 7812) 1) Wovon ** ** ** 10 1551) 1) Mitgliederzahl am 14 238 10 155 Am 1. Dez. 1923 zum Deutschen Metallarbeiterverband übergetreten. Am 1. Dez. 1923 zum Deutschen Bauarbeiterverband übergetreten. - - 31. 12. 23. 1) Im April 1924 aufgelöst infolge Neuorganisierung nach Industrieverbänden. Diese beiden Verbände haben sich später zum Unitären Holzarbeiterverband Frankreichs zusammengeschlossen. ** Großbritannien. National Amalgamated Furnishing Holland... Italien Trades' Association. Amalgamated Society of Woodworkers.. Algemeene Nederlandsche Bond van Meubelmakers, Behangers etc.... Federazione in legno 5.806 55 55 5 278 italiana lavoranti 20 000 ** ca.20 000 Jugoslavien... Osrednje drustvo lesnih delavcev in sorodnih strok na slovenskem ozemlju( Laibach).. Verband der Holzarbeiter( Agram) Luxemburg... Luxemburgischer Holzarbeiter- Verband.. Industrie- Verband der Bau- und Holzarbeiter des Großherzogtums Luxemburg( Sektion der Holzarbeiter)... Norsk Sag-, Tomt- og Høvleriarbeiderforbundet. Norwegen.. Norsk Møbelindustriarbeiderforbundet... Træarbeiderforbundet i Norge Norsk Bygningsarbeiderforbundet ( Sektion der Holzarbeiter)... Verband der Holzarbeiter 2 378 - 275* 55 55 4 953 54 ** 3 740 ** 19 2 750 19 1 297 19 ** 568 ** || || - I 4 691 ca. 10 0003) 1 200 215 in Großbritannien und Irland 118 828. 2) Die überseeischen Sektionen sind im Jahre 1923 autonom geworden und der I. U. nicht mehr angeschlossen, Die angegebene Mitgliederzahl bezieht sich auf Großbritannien und Irland. 3) Nach Angaben des Generalsekretärs des Italienischen Gewerkschaftsbundes. 112 350 8 300 6 150 4 184 56 56 3 849 ** 3 787 48 3 738 1 294 38 1 163 38 1205 37 1 300 5 700 ** ** -1) -1) -1) -1) ** ** ** - - 1 883 Oesterreich.. 37.592 162 32 674 150 27 180 124 23 396 Polen.. 10 000 57 7 500 89 9 800 147 12 400 Schweden.... Svenska Sägverksarbetareforbundet 21 500 317 Svenska Träarbetareforbundet 16.000 236 21 481 14 898 354 28 525 391 -1) -1) -1) 32 123 -1) Svenska Träindustriarbetareforbundet... 157 7436 180 8920 Svenska Byggnadsträarbetareforbundet. 105 8732 124 Schweiz... 9.000 237 6.804 -1) -1) -1) 11 212 -1) Zwiazek robotnikow przemyslu drzewnego w Polsce. 1) Im Oktober 1923 aufgelöst wegen Neuorganisierung nach Industrieverbänden. 1) Im November 1923 aufgelöst wegen Neuorganisierung nach Industrieverbänden. 1) Hat sich am 1. Januar 1923 mit dem Bauarbeiterverband zusammengeschlossen. Tschechoslowakei Schweizerischer Holzarbeiter- Verband Schweizerischer Bau- und Holzarbeiter- Verband( Sektion der Holzarbeiter)... Verband der Holzarbeiter und Drechsler( Reichenberg) Unie Drevodelníků( Prag) Magyarországi Famunkazok Szövetsége. Budapesti Szobrászok Szakegylete ( Bildhauer). Ungarn. 42* * Mitgliederzahl am 1. Januar 1921. ** Keine Angaben. - - - 151 6 857 150 7 082 9950 ** 94 - 94 7 037 5 000 ** 80 ** 4130 5544 112 4 783 6104 12 701* ** 13 547 67 11570 ** 10245 - 350 307 856 163 - 822 193 - 729 768 - 623 779 Finanzielle Uebersicht über den Zeitabschnitt 1. Januar 1922 bis 1. April 1925. Einnahmen( in holländischen Gulden). Quelle An Beiträgen Anteil 1922 1923 1924 1925 Kongress- Verschiekosten denes 1922 Insgesamt Finanzielle Uebersicht über den Zeitabschnitt 1. Januar 1922 bis 1. April 1925. Ausgaben( in holländischen Gulden). Spezifikation Belgien: Centrale générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses 343,41 159,40 Bulgarien: Bulgarischer Holzarbeiter- Verband. 4,50 - Dänemark: Dansk Træarbejder- Sekretariat. 230,89 229,41 225,- 225,- Deutschland: Verband der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter Deutschlands - Deutscher Holzarbeiter- Verband 3 105,-*) 53,17 3 158,17 Verlustsaldo per 1. Januar 1922 Hfl. 3 197,885 150,57 131,25 784,63 Uebersetzungskosten. 4 664,81 " Drucksachen und Bureaubedarfsartikel 190,33 " - 4,50 910,30 Kosten der Vertretung der I. U. und der Exekutivkomiteesitzungen. 3 936,14 " Abonnements Kongresskosten 1922 Zuschuss an den bulgarischen Verband, Wien 1922 Inventarkosten. 1 087,92 " 62,05 " 50,- " - Zentralverband der Schiffszimmerer. *) Siehe Abrechnung des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes. 1,-| Porti und Telegramme. || Deutscher Sattler-, Tapezierer- und Portefeuiller- Verband *) Vgl. Abrechnung des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes. !! - 1,- Gehälter Kursdifferenzen Finnland: Suomen Puuteollisuustyöväen Liitto 15,06 15,06 Diverse Kosten dustrie du Bois. Frankreich: Fédération nationale des Travailleurs de l'InGrossbritannien: National Amalgamated Furnishing Trades' Association Amalgamated Society of Woodworkers Holland: Alg. Ned. Bond van Meubelmakers, Behangers en aanverwante Vakgenooten Italien: Federazione Italiana Lavoranti in Legno Jugoslavien: Osrednje drustvo lesnih delavcev in sorodnih strok na slovenskem ozemlju( Laibach) Verband der Holzarbeiter( Agram)... Luxemburg: Industrie- Verband der Bau- und Holzarbeiter des Grossherzogtums Luxemburg. Norwegen: Norsk Sag-, Tomt- og Høvleriarbeiderforbund Norsk Møbelindustriarbeiderforbund. Norsk Træarbeiderforbund Norsk Bygningsarbeiderforbund Oesterreich: Verband der Holzarbeiter 32,33 51,50 75,- 75,- 233,83 Entschädigung des Sekretärs und des Schatzmeisters Entschädigung des holländischen Verbandes Insgesamt Hfl. 754,40 " 1 251,325 " 399,99 250,56 " 82,50 " 900,- " 6 000,- " 22,827,91 383,98 2 387,29 353,85 2 220,- 342,- 1 519,05 355,85 1 635,- 79,80 491,85 1 515,48 8 253,19 Ausgaben. Einnahmen 90,- 76,57 72,63 68,90 17,80 325,90 Hfl. 22 827,91 20 748,94 " Verlustsaldo per 1. April 1925 2 078,97 " 72,30 72,30 || || || || || 12,99 70,35 58,74 - 19,90 18,- 230,30 - 21,- 20,- 2,- 17,67 4,85 47,50 45,- 252,82 92,40 - 26,44 120,- 202,50 345,- Polen: Zwiazek robotnikow przemyslu drzewnego w Polsce Tschechoslowakei: Verband der Holzarbeiter und Drechsler *) Vgl. ebenfalls Abrechnung des Deutsch. Holzarb.- Verb. 75,- 693,94 75,- 243,- 31,- ( Reichenberg). Unie Drevodelníků( Prag). Schweden: Svensk Träindustriarbetareförbund Svensk Sägverksarbetareförbund.. Svensk Byggnadsträarbetareförbund. Schweiz: Schweizerischer Bau- und Holzarbeiter- Verband.. Ungarn: Magyarországi Famunkazok Szövetsége Budapesti Szobrászok Szakegylete Zinsen 344,90 150,- 75,- 1.1 618,90 225,- - 240,- 225,- 120,- 135,- 49,74 314,90 345,- 420,- 465,- 66,75 10,- 3,05 779,74 - 135,- 169,- - 124,90 81,65 93,75 96,20 27,94 1 614,70 304,- 424,44 Ab - - 2,50 4,- 6,50 164,06 - - || 142,08 80,90 Der Deutsche Holzarbeiter- Verband hat den infolge der 1923 veranstalteten Hilfsaktion erhaltenen Gesamtbetrag der Internationalen Union überwiesen. Der Betrag beläuft sich auf Hfl. 28 205,72 Von diesem Betrag wurde der Verlustsaldo der I. U. wettgemacht. Das Defizit belief sich per 1. April 1925 auf. Ebenfalls wurden dem holländischen Verband seine Auslagen für den Kongress 1919 zurückerstattet. Die Forderung belief sich auf.. Hfl. 2 078,97 506,55 " 2 585,52 " Kapitalbestand per 1. April 1925 Hfl. 25 620,20 Davon zugunsten der I. U. angelegt.... Hfl. 22 536,03 Kassabestand per 1. April 1925. 3 084,17 " 25 620,20 " 164,06 *) Abrechnung des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes. Der vom Deutschen Holzarbeiter- Verband im Jahre 1925 erhaltene Betrag setzt sich wie folgt zusammen: Beitrag des Deutschen Holzarb.- Verb. für das Jahr 1924 Mk. Beitrag des Polnischen Holzarb.- Verb. für das Jahr 1924 Beitrag des Deutschen Tapezierer- Verb. für das Jahr 1924 42,- 291,80 8 415,- " " Insgesamt Mk. 8 748,80 Mk. 2.143,- Uebersetzungskosten " 220,- 176,80 " Reisespesen des Vorsitzenden 945,- " Mk. 3 484,80 Mk. 5 264,( Hfl. 3 105,-). Druckkosten des„ Bulletins" Versandkosten Insgesamt Hfl. 4917,39 3 956,63 3 427,43 7 283,52 981,96 181,96 20 748,94 42** Bericht über den VI. ordentlichen Internationalen Holzarbeiterkongress in Brüssel, abgehalten vom 20. bis einschl. 22. Juli 1925 im ,, Maison du Peuple". Belgien Dänemark Verzeichnis der Delegierten. Centrale Générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses de Belgique Dansk TræarbejderSekretariatet Deutschland Deutscher Holzarbeiter- Verband Frankreich Deutscher Sattler-, Tapeziererund Portefeuiller- Verband Fédération des Travailleurs de l'Industrie du Bois W. Hauwaert J. van Santvoort P. Nees G. Blairvacq M. Petersen V. S. Petersen E. Olsen K. Jensen M. Arnsfeld F. Tarnow E. Lehmann K. Jahn E. Lenke H. Scheffler F. Gerhardt L. Chiron C. Loizel Delatour Grossbritannien Holland National Amalg. Furnishing Trades' Association Amalg. Society of Woodworkers Alg. Nederl. Bond van Meubelmakers, Behangers etc. A. G. Tomkins A. Gossip T. Barron F. Wolstencroft J. Spaltman N. Walop Federazione Lavoranti in Legno A. Oberti Italien Norwegen Norsk Sag-, Tomt- og Høvleriarbeiderförbund H. Eriksen Norsk Møbelindustriarbeiderforbund C. Systad Norsk Bygningsarbeiderforbund E. Volan J. Johansen Österreich Verband der Holzarbeiter Polen Schweden Zwiazek robotnikow przemyslu drzewnego w Polsce Sv. Sägverksarbetareförbundet Sv. Träindustriarbetareförbundet Sv. Byggnadsträarbetareförbundet J. Gross J. Mrkwicka B. Jaroszewski A. Svensson O. Karlén N. Linde 45 Schweiz Tschechoslowakei Ungarn Schw. Bau- und HolzarbeiterVerband Verband der Holzarbeiter und Drechsler( Reichenberg) Unie Drevodelnikù( Prag) Magyarországi Famunkazok Szövetsége F. Reichmann A. Tlapak W. Kronansky G. Horowitz A. Propper C. Woudenberg( Holland), Internationaler Sekretär. Folgende Delegierten von Holzarbeiterverbänden nehmen als Gäste am Kongress teil: Amerika Belgien United Brotherhood of Carpenters and Joiners of America Wm. Hutcheson G. Lakey Centrale Générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses de Belgique J. Gauld De Ryckere Thomas Demeyer Deman Marchand Vandevenne Ferner sind als Gäste anwesend: J. W. Brown, Sekretär des IGB. J. J. de Roode, Internationales Arbeitsamt. E. Devlaemynck, Sekretär der belgischen Gewerkschaftskommission und Mitglied des Exekutivkomitees der I. U. Es sind ferner anwesend: Dr. A. Abas, Übersetzer. A. Kocik, Übersetzer. F. Wendel, Übersetzer. H. Blaustein, Übersetzer der polnischen Delegation. Galiazo, Übersetzer der italienischen Delegation. J. Schuil, Angestellter der I. U. * * * Tagesordnung: 1. Eröffnung des Kongresses. 2. Wahl des Bureaus. 3. Mandatsprüfung. 4. Festsetzung der Geschäftsordnung. 5. Besprechung des Berichts des Sekretärs über die Periode April 1922 bis April 1925 und des Berichts des Kassierers. 6. Referat des Kollegen Tarnow über:„ Aufgaben und Organisationsform der internationalen Gewerkschaftsbewegung.' 7. Eingelaufene Anträge. 66 8. Bestimmung des Sitzes der Internationalen Union; Wahl des Sekretärs. 9. Wahl des Exekutivkomitees. 10. Bestimmung des nächsten Kongressortes. 11. Sonstige Angelegenheiten. 46 Eingelaufene Anträge: A. Betreffend die Zulassung nichtangeschlossener Organisationen. 1. Antrag des Britischen" National Amalgamated Furnishing Trades' Association": ,, An alle nichtangeschlossenen Holzarbeiterorganisationen soll eine Einladung zur Teilnahme an unserem Kongress gerichtet werden." 2. Antrag des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiter- Verbandes: ,, Da der Allrussische Holzarbeiter- Verband dem Exekutivkomitee der I. H. U. neuerdings schriftlich sein Aufnahmegesuch unterbreitet hat, soll dieser Verband zum nächsten Internationalen Kongress in Brüssel 1925 eingeladen und zugelassen werden." ( Bemerkung: Die obenstehenden Anträge können als solche selbstverständlich nicht mehr vom Kongress in Behandlung genommen werden. Das Exekutivkomitee unserer I. H. U. hat in seiner im Oktober 1924 in London abgehaltenen Sitzung bekanntlich beschlossen, die kommunistischen Holzarbeiterorganisationen nicht einzuladen.) 3. Antrag des Britischen" National Amalgamated Furnishing Trades' Association": ,, Der Kongress wolle beschliessen, dass angesichts der geänderten Lage und der Wichtigkeit der internationalen gewerkschaftlichen Einheit im Kampfe gegen die verbündeten Weltkapitalisten, die die brennende und aktuelle Frage in allen Ländern geworden ist und aufrichtig vom Britischen Generalrat der Gewerkschaften gefördert wird, es grösster Bedeutung ist, dass die Frage einer geeinigten Holzarbeiter- Internationale aufs neue behandelt wird. von Der Britische Verband der Möbeltischer und Tapezierer ersucht daher, die Frage wieder auf die Tagesordnung zu setzen, damit alle Organisationen, die ihre Absicht bekanntgeben, die gewöhnlichen Satzungen der Internationalen Holzarbeiter- Union zu befolgen, zur Mitgliedschaft bei der I. U. zugelassen werden." 4. Antrag des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiter- Verbandes: ,, Der Allrussische Holzarbeiter- Verband soll in der Internationalen Union der Holzarbeiter zu den gleichen Bedingungen aufgenommen werden wie alle übrigen Verbände." 5. Antrag des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiter- Verbandes: ,, Sofern die Aufnahme des Allrussischen HolzarbeiterVerbandes neuerdings vom Internationalen Kongress abgelehnt wird, soll das Exekutivkomitee der I. H. U. beauftragt werden, zum nächsten Verbandstag des Allrussischen Holzarbeiter- Verbandes eine persönliche Delegation nach Russland zu entsenden, sofern der Allrussische Holzarbeiter- Verband eine solche Einladung ergehen lässt." ( Bemerkung: Vom" Norsk Möbelindustriarbeiderforbund" erhielten wir die Mitteilung, dass sein Kongress vom Jahre 1923 nachdrücklich den Wunsch zum Ausdruck gebracht hat, dass der Allrussische Holzarbeiter- Verband in die I. U. aufgenommen werden solle.) 47 B. Betreffend das Verhältnis der Holzarbeiterverbände zu den Bauarbeiterorganisationen. 6. Antrag des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiter- Verbandes: ,, In allen Ländern, in denen die Verhältnisse ähnlich liegen wie in der Schweiz, dass Holzarbeiter, Zimmerer, Maurer usw. in gleichen, gemischten Betrieben nebeneinander schaffen, ist im Interesse eines besseren Ausbaues der Verbände und zwecks Schaffung gleichmässiger und guter Lohnund Arbeitsbedingungen im Bau- und Holzgewerbe die Fusion der Bau- und Holzarbeiterverbände anzustreben." 7. Antrag des" Svenska Byggnadsträarbetareförbund": ,, Infolge des Umstandes, dass in verschiedenen Ländern die im Baugewerbe beschäftigten Holzarbeiter sich mit den Maurern und anderen Bauarbeitergruppen zu einheitlichen Verbänden zusammengeschlossen haben, die der BauarbeiterInternationale angeschlossen sind, liegen die Verhältnisse so, dass in dieser Weise in zwei verschiedenen Internationalen Bauholzarbeiter organisiert sind. Es ist offensichtlich, dass ein solches Verhältnis ungenügend ist, besonders deshalb, weil der freie Übertritt von der Organisation des einen Landes zur entsprechenden Organisation eines anderen Landes nur vorgesehen ist, wenn beide Verbände derselben Berufsinternationale angehören. Wenn man die denkbare Möglichkeit einer organisatorischen Verschmelzung der beiden betreffenden Berufsinternationalen ausser Betrachtung lässt, erscheint es so, als ob die einzige Möglichkeit, in dieser Frage eine Lösung herbeizuführen, die Vereinbarung eines gemeinsamen Abkommens zwischen den beiden Internationalen sei, das im Eventualfalle den freien Übertritt von Mitgliedern der betreffenden nationalen Verbände vorsieht. Der Schwedische Bauholzarbeiter- Verband beantragt daher, der Kongress wolle beschliessen: Das Exekutivkomitee wird beauftragt, einen diesbezüglichen Antrag auszuarbeiten und im obendargelegten Sinne mit der Bauarbeiter- Internationale eine Vereinbarung zu treffen." 48 Erster Verhandlungstag. Montag, den 20. Juli 1925.- Vormittagssitzung. Eröffnung des Kongresses um 11 Uhr vormittags. Eröffnungsrede Woudenberg( Internationaler Sekretär): Im Namen des des InternatioExekutivkomitees unserer Internationalen Union der Holzarbeiter malen Sekretärs. heisse ich die Delegierten und Gäste auf unserem Kongress herzlich willkommen. Bei der Eröffnung dieser Versammlung gehen meine Gedanken unwillkürlich auf die Zeit zurück, als 1891, ebenfalls in Brüssel, der erste Internationale Holzarbeiterkongress zusammentrat. Jetzt, da wir auf diesem auch für unsere internationale Holzarbeiterbewegung historischen Boden zusammen sind, gilt es zu prüfen, wie weit wir in der vergangenen Periode vorgerückt sind. Und da können wir feststellen, dass in diesem Zeitabschnitt die Arbeiterbewegung sich eine Machtstellung zu schaffen und zu erobern gewusst, und dass auch der internationale Gedanke in der Tiefe wie in der Breite erheblich an Bedeutung gewonnen hat. In dem Bericht, den ich dem Kongress schriftlich unterbreitet habe, habe ich der allgemeinen Lage unserer I. U. und der ihr angeschlossenen Organisationen bereits eine kurzgefasste Betrachtung gewidmet. Ich brauche dieser allgemeinen Übersicht nicht viele nähere Einzelheiten hinzuzufügen. Sowohl die I. U. selber wie auch die angeschlossenen Organisationen haben seit dem Zeitpunkt, an dem wir im Juni 1922 in Wien zusammentraten, unter ausserordentlich schweren Umständen arbeiten müssen. Überall hatte man fortwährend alle Kräfte anzuspannen und zu konzentrieren für den Kampf gegen die wirtschaftliche und politische Reaktion, während die in den Reihen des gewerkschaftlich organisierten Proletariats herrschende Zersplitterung und Spaltung diesen Kampf aufs gefährlichste beeinträchtigte. Die weltumfassende Wirtschaftskrise mit ihren Begleiterscheinungen, wie Arbeitslosigkeit und Inflation, haben die Arbeiter und ihre Organisationen schwer heimgesucht, während die Aussichten auf einen baldigen wirtschaftlichen Wiederaufbau von den Regierungen der einzelnen Länder mit ihrer verhängnisvollen Zollpolitik erheblich geschmälert wurden. Infolge dieser Umstände haben unsere Gewerkschaften trotz der gewaltigen Arbeit, die bewältigt wurde, teils sehr schwere Mitgliederverluste erlitten. Diese Tatsache kommt auch scharf zum Ausdruck, wenn man die Gesamtmitgliederzahlen unserer Internationalen Union der Holzarbeiter in den seit dem Wiener 49 Kongress verflossenen Jahren vergleicht. Wir können jedoch mit Befriedigung feststellen, dass die Schlagkraft und Kampflust unserer Organisationen keineswegs gemindert sind. Die unzähligen Lohnbewegungen und insbesondere der unablässige Kampf, den die Holzarbeiter in den meisten Ländern als Vortruppen der gewerkschaftlichen Armee zugunsten des Achtstundentags geführt haben, legen davon ein schlagendes Zeugnis ab. Der Ausgang der Riesenkonflikte in Dänemark und unmittelbar nachher in Deutschland sind herrliche Zeichen, dass die Organisationen unserer Berufskollegen sich nicht auf die Knie haben zwingen lassen und fast ausnahmslos die unaufhörlichen Angriffe der Unternehmer mit ungebrochener Widerstandskraft zurückzuschlagen vermochten. Den ausgesprochen internationalen Charakter unserer internationalen Organisation haben wir zu unserem Bedauern durch Angliederung aussereuropäischer Organisationen nicht erweitern können. Die betreffenden Versuche unserseits sind auch infolge der komplizierten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse bisher erfolglos geblieben, doch hoffen wir, in der nächsten Berichtsperiode auch in dieser Beziehung Fortschritte verzeichnen zu können. Auf der im Jahre 1891 in Brüssel abgehaltenen ersten internationalen Konferenz der Holzarbeiter war auch eine Vertretung der amerikanischen Holzarbeiter anwesend. Wir freuen uns aufrichtig, dass der Verband unserer nordamerikanischen Berufskollegen auch diesen Kongress durch Entsendung von drei Vertretern beschickt hat, und wir rufen dieser Abordnung ein brüderliches Willkommen zu. Wir wollen hoffen, dass der Anschluss unserer amerikanischen Kollegen eine Frage der nächsten Zeit sein wird. Auf unserem Wiener Kongress haben wir über unser Verhältnis zur Organisation der Berufskollegen Russlands ausführlich diskutiert. Seit diesen im Jahre 1922 geführten Besprechungen haben sich keine Tatsachen ergeben, die unser Exekutivkomitee hätten veranlassen können, nähere Verbindungen mit den russischen Holzarbeitern oder mit den übrigen Anhängern der Moskauer Taktik herzustellen. Unsere Zuversicht in die Zukunft unserer internationalen Organisation ist unerschüttert. Wir hoffen und vertrauen, dass wir durch zähe Arbeit zugunsten der Konsolidierung und Stärkung der Bewegung jedes einzelnen Landes und durch die Herstellung von immer engeren gegenseitigen Verbindungen imstande sein werden, auch unsere Internationale Union zu festigen und auszubauen. Auch die grossen Arbeitermassen blicken zuversichtlich auf unsere Bewegung, und wir können freudig feststellen, dass die Verworrenheit und die Verzweiflung, die die grossen Massen vorübergehend irregeführt hatten, zusehends in der Abnahme begriffen sind. Wir sind zusammengetreten, um die Arbeit unserer internationalen Organisation in den letzten drei Jahren kritisch zu prüfen, den Nutzen aus unseren bisherigen Erfahrungen zu ziehen und schliesslich zu beraten über den Weg, den unsere I. U. in den nächsten Jahren beschreiten soll. Unsere Tagesordnung ist nicht umfangreich, und wir können somit ruhig und sachlich unsere Beschlüsse fassen. 50 In der festen Überzeugung, dass diese Versammlung das ihrige zum Ausbau und zur inneren Stärkung der Internationalen Union beitragen wird, eröffne ich den Kongress. * * * Ich habe noch einige Mitteilungen zu machen. Der Deutsche Böttcher- Verband, der Luxemburger Verband und der Budapester Bildhauer- Verband haben schriftlich mitgeteilt, nicht in der Lage zu sein, den Kongress zu beschicken, ersterer im Zusammenhang mit den noch zu erledigenden Vorarbeiten für den bevorstehenden Böttcher- Kongress, die beiden anderen infolge der schlechten finanziellen Lage. Wir bedauern die Abwesenheit dieser Kollegen sehr, müssen ihren Beschluss jedoch im gewünschten Sinne würdigen. Ausser den Kollegen Hutcheson, Lakey und Gauld vom amerikanischen Holzarbeiter- Verband sind die Genossen Brown vom Internationalen Gewerkschaftsbund und de Roode als Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes anwesend. Der belgische Gewerkschaftsbund wird vom Kollegen Devlaemynck vertreten. * ** * し Woudenberg: Meines Erachtens genügt es, diesmal nur Wahl des zwei Personen für das Präsidium zu bestimmen. Ich schlage Bureaus. die Kollegen Tarnow( Deutschland) und Hauwaert( Belgien) vor.( Angenommen.) Tarnow( Vorsitzender): Ich danke für die mir erwiesene Ehre und möchte meiner Zuversicht Ausdruck geben, dass die Beratungen in voller Kameradschaft stattfinden werden. Wenn auch die Verhandlungen auf einem internationalen Kongress sich meistens etwas schwierig gestalten, so steht doch demgegenüber, dass wir hier alle als geprüfte Gewerkschafter zusammen sind, was als eine Garantie für das Gelingen unserer Beratungen betrachtet werden kann. Bevor wir die Behandlung der Tagesordnung in Angriff nehmen, möchte ich den Gästen unseres Kongresses das Wort verleihen. Devlaemynck( Belgischer Gewerkschaftsbund): Ich schätze Begrüssungsmich glücklich, den Kongress im Namen der belgischen Ge- ansprachen. werkschaftskommission begrüssen zu können. Kollege Mertens ist verhindert, den Kongress selber zu begrüssen, und hat mir daher diese angenehme Aufgabe übertragen. Ich möchte besonders darauf hinweisen, dass Brüssel fortwährend der Schauplatz internationaler Arbeiterkongresse war und ist. Als die Vorkämpfer des erwachenden Proletariats, Karl Marx, Fr. Engels, Victor Considérant, um nur ganz wenige herauszugreifen, aus ihrer Heimat vertrieben wurden, fanden sie in Brüssel einen Punkt der Zusammenkunft. Diese internationale Atmosphäre hat unsere nationale Bewegung aufs kräftigste gefördert. Nach vierzigjährigem, unausgesetztem Kampf und langsamem Aufstieg können wir jetzt auf bedeutende Eroberungen blicken. Politisch bildet das belgische Proletariat eine sehr bedeutende Macht, und wir verweisen nur auf unsere Beteiligung an der jetzigen Regierung. Auch unsere Genossenschaftsbewegung hat prächtige Fortschritte zu verzeichnen. Das Gebäude, in dem Sie heute zusammengetreten sind, gehört den belgischen Arbeitern. Unsere Gewerkschaftsbewegung zählt etwa 600 000 Mitglieder. Zwar sind auch wir etwas zurückgegangen, doch ist die Abnahme viel geringer als in den meisten anderen Ländern. Diese kräftige Stellung ist eine Folge 51 des engen Zusammenarbeitens der verschiedenen Gruppierungen. politisch, gewerkschaftlich und genossenschaftlich, des belgischen Proletariats. Doch müssen auch wir einen harten Kampf gegen die Unternehmer führen. In diesem Augenblick stehen etwa 80 000 Metallarbeiter im Streik, während die Buchdrucker den Generalstreik verhängt haben. Wir blicken der Zukunft mit Zuversicht entgegen, denn die Spaltungstreiber sind hier dermassen in der Minderheit, dass sie unserer Bewegung keinen sonderlichen Schaden zufügen können. Ich spreche die Hoffnung aus, dass dieser Kongress dazu beitragen wird, die wirkliche Einheit der Arbeiterklasse zu fördern und zu festigen, und entbiete dem Kongress nochmals die besten Grüsse und Wünsche des im belgischen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossenen Proletariats. Hauwaert( Belgischer Bau- und Holzarbeiter- Verband): Im Namen der 20 000 in unserem belgischen Verbande organisierten Holzarbeiter heisse ich die Delegierten und Gäste auf diesem Kongress herzlich willkommen. Ich möchte mich auf einen sehr kurzen Heilwunsch beschränken, da Ihre Zeit kostbar ist. Es ist eine grosse Menge Arbeit zu bewältigen, und dazu stehen nur wenige Tage zur Verfügung. Dazu gesellt sich noch, dass unser Verband sich darauf freut, seinen Gästen eine kleine Surprise zu bereiten. Wir haben darum den Kollegen Woudenberg gebeten, uns den Mittwochnachmittag überlassen zu wollen, und er hat zwar gern zugestimmt, doch unter der Bedingung, dass der Zeitaufwand nötigenfalls nachgeholt wird. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, dass die Beratungen dieses Kongresses dazu beitragen werden, die Bande der Brüderschaft und Solidarität zwischen unseren Verbänden zu festigen. Brown( I. G. B.): Im Namen des Internationalen Gewerkschaftsbundes, das heisst im Namen von 16½ Millionen gewerkschaftlich organisierten Arbeitern, entbiete ich Ihrem Kongress meine brüderlichen Grüsse. In meiner Eigenschaft als Sekretär des I. G. B. kann ich über die Tätigkeit der Internationalen Union der Holzarbeiter mitreden, und es ist mir eine Freude, hier festzustellen, dass das Sekretariat der I. U. immer bereitgestanden hat, dem I. G. B. jede gewünschte Auskunft im vollen Ausmass zu geben. Eine internationale Zusammenkunft wie die Ihrige ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, Erfahrungen und Mitteilungen auszutauschen. Dieser Austausch von Informationen wird vielfach nicht auf seinen richtigen Wert eingeschätzt, und doch ist es so dringend notwendig, dass die Arbeiter der verschiedenen Länder immer enger miteinander in unmittelbare Berührung treten, um gegen den auch im internationalen Massstab operierenden Kapitalismus siegreich einzuschreiten. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Bedeutung der Russlandreise der englischen Gewerkschaftsdelegation hinweisen sowie auf die der Ernennung von Sozialattachés, zu welchen Posten meistens prominente Personen aus der Arbeiterbewegung berufen werden. In welchem Massstab der Kapitalismus seine internationale Tätigkeit betreibt, beweisen die verschiedenen Handelsverträge zwischen den früher einander feindlich gegenüberstehenden Mächten, so der kürzlich abgeschlossene Handelsvertrag zwischen Deutschland und 52 Frankreich. Auch sehen wir, wie in China die fremden Kapitalisten und Ausbeuter als Verbündete dem geknechteten chinesischen Volke gegenüberstehen. Diese Vorgänge berühren die organisierten Arbeiter des europäischen und amerikanischen Kontinents in höchstem Grade, denn die Kuliarbeit der Völker des Fernen Ostens bedeutet eine verhängnisvolle Schmutzkonkurrenz für die bessergestellten Arbeiter in den übrigen Ländern. Das vom Genossen Tarnow unterbreitete Referat will eine Antwort auf die Frage geben, wie das Endziel, die Befreiung der Arbeiterklasse der Welt, erreicht werden kann. Es gibt eine Gefahr, die uns zu vernichten imstande ist. Diese Gefahr ist der Zwiespalt, der Bruderkrieg in den eigenen Reihen. Für unsere Arbeit brauchen wir die Einheit, nicht die Einförmigkeit. Lasst uns daher ein offenes Auge behalten für die nationalen Unterschiede und einmütig zusammen arbeiten zur Erreichung des gesteckten Zieles. Der Vorsitzende: Ich spreche den Begrüssungsrednern den aufrichtigen Dank des Kongresses für ihre herzlichen Worte aus. Dem belgischen Bruderverband danken wir für die prächtige Arbeit, die er zugunsten der guten Vorbereitung des Kongresses geleistet hat. Ich teile den Delegierten mit, dass der belgische Verband uns Mittwoch nachmittag zu einer Autorundfahrt in die Umgebung Brüssels einladet. Ich sehe Ihren Gesichtern schon an, dass die Teilnahme eine recht gute sein wird. Vom Kollegen Devlaemynck haben wir vernommen, dass eine grosse Zahl streikender Genossen hier im Lande ist. Wir wissen, dass diese Kämpfe auch international von überragender Bedeutung sind, denn was heute noch national vor sich geht, ist morgen internationales Ereignis. Die wirtschaftlichen Kämpfe zwischen Arbeit und Kapital schlagen immer grössere Wellen. Ich verweise in diesem Zusammenhang nur auf den Grosskampf in Dänemark, die kürzlich beendete Aussperrung in Deutschland, die bevorstehenden Streiks der Bergarbeiter in England und Amerika. Jeder im nationalen Rahmen davongetragene Sieg ist ein Sieg für die gesamte internationale Arbeiterbewegung, jede Niederlage bedeutet jedoch ebensosehr eine Niederlage der internationalen Arbeiterschaft. Ich bitte den Kollegen Devlaemynck, den Streikenden im Lande die besten Wünsche des Kongresses übermitteln zu wollen. * * Wir kommen jetzt zur Mandatsprüfung. Jeder Organisation Mandatsprüfung. sind so viele Mandatskarten zugestellt worden, als sie Delegierte entsendet. Wer keine Karte vorweisen kann, wird die erforderlichen Dokumente seitens seines Verbandes vorlegen müssen. Ich schlage vor, die Mandatprüfungskommission aus drei Vertretern zusammenzusetzen, und zwar aus je einem Delegierten Hollands, Skandinaviens und Frankreichs. Wenn kein Widerspruch erhoben wird, sind die Kollegen Loizet( Frankreich), Spaltman( Holland) und Linde( Skandinavien) als Mitglieder der genannten Kommission gewählt.( Einstimmig beschlossen.) Wir müssen versuchen, morgen abend, spätestens Mittwoch vormittag Schluss zu machen. Wenn es sich als notwendig herausstellen sollte, wird Dienstag abend zu einer Abendsitzung zusammengetreten. Die Sitzung wird auf heute nachmittag, halb drei pünktlich, vertagt. Schluss der ersten Sitzung um 12½ Uhr. 53 Nachmittagssitzung. Eröffnung um 2½ Uhr. Rechenschafts- Der Vorsitzende: Wir kommen jetzt zur Beratung des bericht. schriftlich unterbreiteten Rechenschaftsberichtes. Der Kollege Woudenberg wird dem Bericht einige Worte vorausschicken. Die Redner zum Bericht müssen sich schriftlich anmelden. Ich bitte sie, kurz zu sein und auf die Übersetzungen Rücksicht zu nehmen. Woudenberg( Internationaler Sekretär): Ich habe dem gedruckt vorliegenden Bericht nur wenige Worte hinzuzufügen. Ich nehme an, dass der schriftliche Bericht als Grundlage der Beratungen genügen wird. Ich möchte deshalb nur noch einige Worte sprechen, erstens zur Tabelle der Mitgliederzahlen. Der beträchtliche Rückgang des Mitgliederbestandes rührt hauptsächlich vom Mitgliederverlust des Deutschen HolzarbeiterVerbandes her. Hat dieser doch seit dem Wiener Kongress über 100 000 Mitglieder eingebüsst. Der Deutsche HolzarbeiterVerband hat bekanntlich gewaltige Schwierigkeiten zu überwinden gehabt, und wir können mit Freude feststellen, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Die Mitgliederzahl hat die 300 000 bereits wieder überschritten. In Belgien sind die Bauholzarbeiter infolge einer organisatorischen Umgestaltung zur Bauarbeiter- Internationale übergegangen. In Frankreich hat die Bewegung seit 1922 schwere Verluste erlitten, welche fast gänzlich der ruchlosen Spaltungsarbeit der Kommunisten zuzuschreiben sind. In Italien hat die Überwältigung der Gewerkschaftsbewegung durch die Faschisten der Gewerkschaftsbewegung grossen Schaden zugefügt, und auch die Holzarbeiterbewegung dieses Landes hat sich nicht unbeeinträchtigt erhalten können. Auch Grossbritannien hat einen Rückgang aufzuweisen, besonders infolge der seit 1922 eingetretenen Selbstverwaltung der überseeischen Sektionen des Holzarbeiterverbandes. Wir haben versucht, die betreffenden Sektionen wieder in unsere Reihen zu bringen, doch sind unsere diesbezüglichen Bestrebungen bis jetzt vergebens. In diesem Jahre sind jedoch wieder Besserungen in der Lage festzustellen. Die Verwaltung unserer I. U. hat infolge der finanziellen Gesundung der Organisation eine Besserung erfahren. Wir haben einen besonderen Mitarbeiter einstellen können, so dass in der Zukunft mehr gearbeitet werden kann. Wir hoffen, in dieser Weise die regelmässige Veröffentlichung des ,, Bulletins" zu sichern. Ein erster Beweis der grösseren Möglichkeiten ist der vorliegende Bericht über die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Ländern. Obschon wir in der vergangenen Periode nur einen neuen Anschluss eines kleineren Verbandes zu buchen hatten, können wir doch feststellen, dass wir mit verschiedenen Organisationen sehr freundschaftliche Verbindungen aufrechterhalten, die hoffentlich in der nächsten Zukunft zu einem organisatorischen Anschluss führen werden. Unser Exekutivkomitee hat in der vergangenen Periode vollends in Übereinstimmung mit dem Wiener Beschluss gearbeitet. Wir haben vielleicht Fehler gemacht, doch haben wir getan, was wir zu tun imstande waren. Wir unterwerfen uns Ihrer Kritik und werden Ihre Bemerkungen zu Herzen nehmen, 54 weil wir davon überzeugt sind, dass wir alle nur das Wohl unserer Internationalen Union der Holzarbeiter bezwecken. Reichmann( Schweiz): Der vom Sekretär ausgearbeitete Bericht stellt fleissige Arbeit dar. Der Kollege Woudenberg und das Exekutivkomitee sind trotz der grossen Schwierigkeiten nach Möglichkeit bestrebt gewesen, die I. U. zu festigen und auszubauen. Wenn dieser Ausbau nicht in jeder Hinsicht vor sich gegangen ist, so ist dies nicht der Fehler des Exekutivkomitees, sondern rührt von Umständen her, die wir alle kennen. Es ist da erstens die Finanzfrage. Trotz der vermehrten Einnahmen gibt es noch immer ein Defizit von rund 2000 Gulden. Wir wissen, dass der Rückgang der Mitgliederzahl und die wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Jahre darauf ihren Einfluss ausgeübt haben. Aber auch wenn die kürzlich eingesetzte Zu-. nahme andauert, bleibt die finanzielle Basis der I. U. schwach. Die Schenkung des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes ist keine ordentliche Einnahme. Doch ist es möglich, die Finanzlage so zu gestalten, dass die Arbeit richtig vorgenommen werden kann. Es liegen leider keine Anträge des Exekutivkomitees vor, die Beiträge heraufzusetzen, und doch wären die Verbände sicher gewillt, höhere Beiträge zu leisten. Wir hoffen, dass der Bericht über die Arbeitsbedingungen regelmässig erscheinen wird, und nicht nur einmal in zwei Jahren. Mit Freuden haben wir festgestellt, dass Amerika diesmal auf unserem Kongress vertreten ist. Wir sprechen die aufrichtige Hoffnung aus, dass es nunmehr bald zu einem endgültigen Anschluss kommen möge. Dabei werden die Bemühungen der anwesenden Delegation von ausschlaggebender Bedeutung sein können. Es gibt jedoch noch eine andere Sache. Die Vorwürfe an Gossip über sein Verhalten gegenüber den Russen gelten auch der Schweiz. Es muss den nationalen Verbänden doch zustehen, eine andere Meinung als die Mehrheit des Exekutivkomitees zu haben. Das öffentliche Eintreten zugunsten der Einheit kann nicht als Verbrechen bezeichnet werden. Es kann nicht einmal als kommunistische Propaganda vermerkt werden, denn von den Mitgliedern des Allrussischen HolzarbeiterVerbandes sind nicht mehr als 5 Prozent der Kommunistischen Partei angeschlossen. Sogar der Zentralvorstand ist nicht kommunistisch. Ich bin selber in Moskau gewesen und habe mit den Leuten dort geredet. Ich behalte mir das Recht vor, später bei der Behandlung der Zulassungsfrage auf die Angelegenheit zurückzukommen. Gross( Österreich): Auch der Österreichische HolzarbeiterVerband ist mit der Arbeit des Sekretärs und des Exekutivkomitees einverstanden, und wir geben gern unsere Zustimmung zum Bericht. Für die richtige Durchführung der Aufgaben unserer internationalen Organisation sind freilich erhebliche Finanzmittel unentbehrlich. Vor dem Kriege war der Deutsche Holzarbeiter- Verband immer Helfer in der Not, jetzt war es der holländische Verband, der öfters beträchtliche Auslagen machen musste. In Österreich haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge des Vorgehens der Sanierungsagenten sehr ververschlechtert. Die Arbeitslosigkeit hat wieder einen wuchtigen Aufschwung genommen, und es gibt für die Zukunft keine Hoffnung auf bessere Zeiten. In den letzten drei Monaten hat 55 unser Verband 40 Prozent seiner Einnahmen für die Unterstützung der arbeitslosen Mitglieder verwenden müssen. Vom Staate bekommen wir keine Unterstützung, da die Kontrollkommission alle Kredite zu diesen Zwecken verweigert. Selbstverständlich versuchen die Unternehmer, die bedrängte Lage des Verbandes dazu auszunützen, die sozialen Errungenschaften der letzten Jahre zunichte zu machen. In Österreich haben die Kommunisten auf die Gewerkschaftsbewegung keinen grossen Einfluss auszuüben vermocht, weil wir die Kommunistische Partei niemals haben hochkommen lassen. Die wenigen Erfahrungen, die wir in dieser Beziehung jedoch gemacht haben, drängen uns, die Resolution des Wiener Kongresses genau zu befolgen. Die Absichten der Kommunisten haben keine Änderung in sich erfahren. Auch wir brauchen also unser Verhalten ihnen gegenüber nicht zu ändern. V. S. Petersen( Dänemark): Wenn auf diesem Kongress ein Vertreter Dänemarks das Wort ergreift, so erwartet man wohl ein Wort des Dankes für die prächtige Finanzhilfe, die Ihr den dänischen Kollegen in ihrem Grosskampf habt angedeihen lassen. Den Dank für diesen Beweis der internationalen Solidarität wird jedoch der Kollege Martin Petersen aussprechen. Die skandinavischen Delegationen haben leider feststellen müssen, dass das Kongressmaterial in skandinavischer Sprache fast gänzlich fehlt. Wir wissen nicht, welchen Umständen dies zuzuschreiben ist. Sollte es daher rühren, dass keine Zeit vorhanden war, so geben wir in Erwägung, die Reisen zu den verschiedenen Kongressen der Bruderverbände etwas einzuschränken. Im allgemeinen sind wir mit dem Bericht des Sekretärs einverstanden, so besonders bezüglich des Verhaltens Gossips. Die an Gossip geübte Kritik bedeutet nicht eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern ganz einfach, dass Gossip die Beschlüsse des Wiener Kongresses verletzt hat. Der Wiener Beschluss lässt nicht zu, dass mit den kommunistischen Organisationen Verbindungen aufrechterhalten werden. Jedermann ist verpflichtet, diesen Beschluss einzuhalten, auch wenn er nicht damit einverstanden ist. Mein Verband ist jedenfalls dafür und der Meinung, dass in dem Verhalten gegenüber Moskau keine Änderung eintreten soll. Ich werde nur zugunsten Gossips stimmen, wenn er die Zusicherung gibt, in der Zukunft seine bemängelte Tätigkeit zu unterlassen. Ich möchte ferner gern wissen, wo Reichmann die Mitteilung her hat, dass lediglich 5 Prozent der Mitglieder des russischen Holzarbeiter- Verbandes Kommunisten sind. Ich glaube, dass Reichmann sich vieles hat aufbinden lassen. Wenn die Mitteilung wirklich richtig wäre, so wäre es doch ganz erstaunlich, dass die Russen sich nicht schon längst in der I. U. eingefunden hätten. Schliesslich möchte ich wissen, in wessen Auftrag und zu welchem Zweck Edo Fimmen, der internationale Sekretär der Transportarbeiter, hier anwesend ist. Der Vorsitzende: Ich muss eingestehen, dass ich selber auch nicht bestimmt weiss, weshalb Fimmen hier ist, da er sich dem Kongressbureau nicht vorgestellt hat. Ich nehme jedoch an, dass Fimmen seinen Aufenthalt in Brüssel dazu benutzen möchte, aus den Beratungen dieses Kongresses Erfahrungen und Nutzen zu ziehen. 56 ( Fimmen erklärt, dass er lediglich als interessierter Zuhörer hier sei. Er bedauere, dass man sich über seine Anwesenheit aufgehalten habe, denn er sei der Meinung, dass die internationalen Kongresse öffentlich wären. Auf seiner eigenen Strassenbahnkonferenz waren u. a. Vertreter der Gemeindearbeiter anwesend, ohne dass sich einer über ihre Anwesenheit beschwert habe.) Der Vorsitzende: Petersen möchte nochmals sprechen. Ich glaube jedoch, dass wir mit dieser Angelegenheit unsere Zeit nicht weiter vergeuden sollen. Wenn Fimmen sich bei dem Kongressbureau gemeldet hätte, so wäre er vielleicht sogar noch mit einer Begrüssungsansprache gefeiert worden. Tomkins( Möbelarbeiterverband Grossbritanniens): In der Nummer vom Juni/ Juli 1925 des internationalen„ Bulletins" sowie im Rechenschaftsbericht des Internationalen Sekretärs finden wir Angriffe auf den Generalsekretär unseres Verbandes. Ich frage, mit welchem Recht er angegriffen wurde. Gossip hat nichts getan, was gegen den Wiener Beschluss verstösst, denn unser Verband steht mit dem Internationalen Propagandakomitee der revolutionären Holzarbeiter in keinerlei Verbindung. Es gibt keine einzige Vorschrift, die den Mitgliedern der I. U. untersagt, sich an Kongressen von nichtangeschlossenen Holzarbeiterverbänden zu beteiligen oder in Russland eine Untersuchung anzustellen. Ausserdem ist Gossip nicht als Mitglied des Exekutivkomitees der Internationalen Union, sondern als bevollmächtigter Generalsekretär des britischen Möbelarbeiterverbandes aufgetreten. Dieser Verband ist bestrebt, grössere Einheit herbeizuführen, was doch sicher nicht als Verbrechen bezeichnet werden kann, und hat den Kollegen Gossip beauftragt, jeder Einladung zur Teilnahme an Kongressen der Bruderverbände Folge zu leisten. Wenn dies Verrat ist, so werden wir diesen Verrat weitertreiben, bis die Einheit erreicht worden ist. M. Petersen( Dänemark): Im Namen des dänischen Holzarbeiter sekretariats spreche ich Ihnen unseren warmen Dank für die grosszügige Hilfe aus, die Ihre Organisationen uns während des Grosskampfes haben angedeihen lassen. Ich bitte Sie, unseren Dank ebenfalls Ihren Verbänden übermitteln zu wollen. Über den Gesamtbetrag der eingelaufenen Gelder liegen noch keine genauen Angaben vor, doch stellt der Betrag der dem dänischen Gewerkschaftsbunde zugeführten Gelder sich schätzungsweise auf etwa 4½ Millionen dänische Kronen, wovon die dänischen Holzarbeiterverbände eine halbe Million erhalten haben. Die dänischen Arbeiter selbst haben 2 Millionen aufgebracht. Der geführte Kampf war in erster Linie ein Verteidigungskampf, in dem die finanzielle und moralische Hilfe der ausländischen Kameraden einen wesentlichen Faktor darstellte. Besonders auch das Bewusstsein, dass ihr Ringen in allen proletarischen Kreisen des Auslandes gespanntes Interesse auslöste, hat den dänischen Arbeitern die Kraft gegeben, auszuharren. Die Hilfe war ein schlagender Beweis dafür, dass die internationale Arbeiterbewegung keine Grenzen kennt. Hauwaert( Belgien): Die belgische Delegation gibt ohne Vorbehalt ihre Zustimmung zu dem Bericht des Sekretärs. Wir loben sogar die Arbeit des Sekretärs und des Exekutivkomitees. Sie sind nicht nur handelnd aufgetreten, sondern verblieben dabei völlig im Rahmen des Wiener Beschlusses. 57 Rechenschaftsbericht ( Fortsetzung). Wir bedauern die Abnahme des Mitgliederbestandes, möchten sie jedoch keineswegs auf Rechnung der führenden Personen der I. U. stellen. Es ist hier gesagt worden, dass man die Mitgliederzahl hätte erhöhen können, wenn man bestimmte, ausserhalb der I. U. stehende Organisationen aufgenommen hätte, aber hier in Belgien sind wir der Meinung, dass eine solche Aufnahme keine Stärkung, sondern im Gegenteil eine Schwächung der I. U. bedeutet hätte. Es gibt eine Sache, worüber die belgische Delegation sich nicht ganz im klaren ist. Im Finanzbericht steht nämlich ein Betrag von 6000 Gulden als Entschädigung für den holländischen Verband vermerkt, während ausserdem Zulagen für den Sekretär und den Schatzmeister angeführt worden sind. Anderseits hat man sich gezwungen gesehen, Anfragen um Finanzhilfe in mehreren Fällen abzulehnen. Es muss jedoch eingeräumt werden, dass man in anderen Fällen in geradezu grandioser Weise Hilfe geleistet hat, so 1923 an Deutschland und kürzlich an Dänemark. Wir in Belgien sind der Meinung, dass man im internationalen Kampf gegen den Kapitalismus sich nicht länger mit Gefühlen abfinden kann. Am nächsten Sonntag wird der Kongress des belgischen Gewerkschaftsbundes eröffnet werden, auf dem u. a. die Frage der Schaffung eines zentralen Streikfonds erörtert werden soll. Ich möchte dem Exekutivkomitee unserer Internationalen Union in Erwägung geben, die Frage der Schaffung eines internationalen Streikfonds zu prüfen. Ich möchte es nicht zur Diskussion stellen oder gar zum Antrag machen, sondern nur bitten, die Sache mal in Betracht zu ziehen. Der Vorsitzende: Ich möchte jetzt schon die vom Kollegen V. S. Petersen gemachte Bemerkung, betreffend das Fehlen der skandinavischen Schriftstücke, beantworten. Das Sekretariat der I. U. kann nicht für die Verspätung verantwortlich gemacht werden. Infolge verschiedener Umstände mussten die Übersetzungen in Kopenhagen vorgenommen werden, und infolge der grossen Entfernung und des Mangels an direktem Kontakt sind leider Verspätungen eingetreten. Wir werden jetzt die Sitzung bis auf morgen 9 Uhr vertagen. Schluss der zweiten Sitzung um 6 Uhr. Zweiter Verhandlungstag. Dienstag, den 21. Juli 1925. Vormittagssitzung. - Eröffnung um 9 Uhr. Jahn( Deutscher Holzarbeiter- Verband): Die deutsche Delegation erklärt sich mit dem Bericht des Sekretärs einverstanden. Dem Sekretär gebührt unsere Anerkennung, denn er hat trotz der schwierigen Verhältnisse die internationalen Verbindungen aufrechtzuerhalten und, wo es not tat, die materielle Hilfe für die angeschlossenen Verbände zu organisieren gewusst. Unsere Delegation ist ebenfalls der Meinung, dass der I. U. grössere Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Für die innige Aufrechterhaltung der internationalen Beziehungen ist die monatliche Herausgabe des„ Bulletins" dringend notwendig. Mit Bedauern haben wir gesehen, in welcher Weise der Kollege Gossip, der Mitglied des Exekutivkomitees der Internationalen Union ist, Verbindungen mit den nichtangeschlossenen Organisationen, insbesondere dem russischen Holzarbeiter- Ver58 band, gepflogen hat. Sein Auftreten ist ein Verstoss gegen dem Geist und den Wortlaut des Wiener Beschlusses. Auf dem Wiener Kongress wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen, nur solche Verbände zur Mitgliedschaft bei der I. U. zuzulassen, die keine Verbindungen mit dem„, Internationalen Propagandakomitee der revolutionären Holzarbeiter" aufrechterhalten. Es kann nur ein Spiel mit Worten sein, wenn gesagt wird, die Russen wollten die Satzungen unserer Internationalen Union anerkennen. Wenn diese Erklärung ehrlich gemeint wäre, so hätten sie auch die Beschlüsse unserer Kongresse anerkennen müssen. Das E. K. war durch den Wiener Beschluss gebunden. Trotzdem hat der Kollege Gossip mit Anhängern der Roten Gewerkschafts- Internationale enge Verbindungen aufrechterhalten, obgleich wir wissen, dass es ihr ausgesprochener, in den Satzungen dieser Organisation festgelegter Zweck ist, den IGB. in seiner jetzigen Form zu zerstören und zu zerschlagen und der Kommunistischen Internationale unterzuordnen. Durch sein Verhalten hat Gossip die Spaltungstätigkeit der Kommunisten und die Disziplinlosigkeit gefördert und damit der I. U. einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Man braucht die kommunistische Presse nur aufzuschlagen, um zu sehen, wie Gossip von den Kommunisten gegen unsere Bewegung ausgespielt und ausgenützt wird. Die deutsche Delegation spricht die Erwartung aus, dass dieser Kongress ein Exekutivkomitee ernennen wird, das als Ganzes die Beschlüsse des Kongresses, der höchsten Instanz unserer internationalen Organisation, einhalten wird. Wir glauben auch nicht, dass die ganze britische Delegation das Verhalten Gossips und die Erklärungen Tomkins billigen wird. Bei dieser Gelegenheit muss gesagt werden, dass die deutschen Verbände mit Bedauern und Befremden gesehen haben, wie die britischen Gewerkschaften trotz ihrer Mitgliedschaft bei dem Internationalen Gewerkschaftsbund Verbindungen mit der Roten Gewerkschafts- Internationale aufgenommen haben. Dadurch wird ihr eine Bedeutung verliehen, die sie tatsächlich nicht hat und heute weniger als je besitzt. Auch der Kollege Reichmann hat sich zum Verfechter der kommunistischen Sache gemacht. Wir haben uns sehr gewundert über den Appell, den sein Verband wegen der Einladung und Zulassung nichtangeschlossener Organisationen ausgeschickt hat. Der vom Internationalen Sekretär in seinem Gegenrundschreiben eingenommene Standpunkt, dass die Angelegenheit ordnungsgemäss auf dem Kongress behandelt werden müsse, hat die volle Zustimmung der deutschen Delegation gefunden. Wir können nicht zulassen, dass angeschlossene Organisationen die Aufgabe des Exekutivkomitees zu übernehmen versuchen oder ihm vorgreifen. Keiner von uns wendet sich gegen die Meinungsfreiheit in den Verbänden. Aber wir wenden uns gegen ein unorganisatorisches Vorgehen, das gegen die Gewerkschaftsdisziplin und gegen die Demokratie verstösst. Solange man eine Mehrheit für seine Ansichten nicht gewonnen hat, muss man sich der Mehrheit unterordnen. Wenn in einer Organisation diese fundamentalen demokratischen Prinzipien nicht anerkannt werden, so ist jedes Organisationsleben unmöglich. Die Erklärung Reichmanns, dass nur fünf Prozent der Mitglieder des russischen Holzarbeiter- Verbandes Kommunisten 59 sind, möchte ich anzweifeln. Wir alle wissen doch, und die kommunistische Presse bestätigt es tagein, tagaus, dass die russische Gewerkschaftsbewegung nicht nur die engsten Verbindungen mit der Kommunistischen Partei aufrechterhält, sondern ihr untergeordnet ist. Wir wissen auch, dass man versucht, diese nationale Losung auch im internationalen Rahmen durchzusetzen. Die Kommunistische Partei Deutschlands hat ihre Anhänger in der Gewerkschaftsbewegung bekanntlich wiederholt bei Strafe des Ausschlusses aus der Partei verpflichtet, die politischen Zwecke der KPD. mittels der Gewerkschaften und in ihnen zu fördern. Auf diese Weise versuchen die Kommunisten, die Gewerkschaftsarbeit zur kommunistischpolitischen Treiberei zu verzerren, weil man die Trennung der Arbeiterbewegung in zwei Säulen, in die politische und gewerkschaftliche, nicht anerkennt. Der Wiener Beschluss zeigt klar den Weg, welchen die Russen beschreiten müssen, wenn sie die Mitgliedschaft bei der I. U. erwerben wollen. Es gibt bei uns keine Unterschiede in der Behandlung, keine Ausnahmerechte. Alle haben gleiche Rechte, doch ebenfalls gleiche Verpflichtungen. Als Bedingung für die Zulassung stellen wir die Anerkennung unserer Satzungen und ebenso die Anerkennung der Beschlüsse unserer Kongresse. Für alle, die ehrlichen Willens sind, steht die Tür der I. U. weit offen. Das heisst jedoch zugleich, dass man die frevelhafte Zerstörungsarbeit unterlassen muss; das bedeutet mit anderen Worten, dass man die Verbindungen mit der zur Bekämpfung der I. U. gegründeten Roten Gewerkschafts- Internationale ein für allemal zu lösen hat. Volan( Bauarbeiter- Verband Norwegens): Jeder von uns bedauert die Spaltung in den Reihen der Arbeiterbewegung. Wir sollten uns jedoch davor hüten, nur den anderen die Schuld aufzubürden. Überall, wo es Streit gibt, tragen beide Parteien Schuld. Die Gewerkschaften sind keine Parteiinstitutionen und sollen alle Arbeiter umfassen. Es versteht sich jedoch, dass die Gewerkschaften nach den von der Mehrheit der Mitglieder anerkannten Prinzipien geleitet werden. In Russland haben die Kommunisten die politische Macht, und darum werden die Gewerkschaften auch in Übereinstimmung mit den kommunistischen Grundsätzen geleitet. Es ist trotzdem möglich, dass, wie Reichmann erklärt hat, nur fünf Prozent der Mitglieder tatsächlich der Kommunistischen Partei Russlands angehören, denn es sind bekanntlich mit der Mitgliedschaft bei dieser Partei sehr viele persönliche Opfer verbunden, wodurch der Enthusiasmus für die Mitgliedschaft beträchtlich abgeschwächt wird. Wenn der Wiener Beschluss wirklich in der Weise interpretiert werden soll, dass es den angeschlossenen Verbänden nicht zustehen soll, mit den der RGI. angeschlossenen Verbänden freundschaftliche Verbindungen herzustellen, so ist die Einheit niemals erreichbar und der Wiener Beschluss somit verfehlt. In Norwegen freut man sich über das Vorgehen der Engländer. Die Verbände der Sägewerks- und der Papierarbeiter, die unter sozialdemokratischer Führung stehen, haben sich nichtsdestoweniger zugunsten der Einheitsbestrebungen der Engländer ausgesprochen. Der Standpunkt Woudenbergs ist völlig unmöglich, denn auf diese Weise würde man niemals imstande sein, eine wirkliche Internationale herbeizuführen. Die 60 Forderung auf Anerkennung der Beschlüsse bedeutet, dass die Kommunisten ihre Ansichten ableugnen sollen. So etwas kann man den Russen nicht zumuten. Ich behalte mir das Recht vor, nochmals auf diese Angelegenheit zurückzukommen, wenn der norwegische Antrag betreffs dieser Frage zur Debatte steht. Ich will schliesslich Verwahrung einlegen gegen die Weise, in der Gossip angegriffen worden ist, während er doch nichts getan hat, was über das Zulässige hinausgeht. Gossip( Britischer Möbelarbeiter- Verband): Ich befinde mich hier in einer besonderen Lage. Der Internationale Sekretär und auch andere Kollegen haben mich äusserst scharf angegriffen, und ich habe die Absicht, mich dagegen zu wehren. Ich möchte erst einige Worte sprechen betreffs der Bemerkungen Woudenbergs über den Gildensozialismus in Grossbritannien. Ich will dabei ganz besonders betonen, dass wir uns niemals der Erwartung hingaben, mit der Errichtung vom Gilden ein Heilmittel für das bestehende Produktionssystem ausfindig gemacht zu haben. Sie sind vielmehr als praktische Schulung in der kaufmännischen und technischen Betriebsleitung gedacht gewesen, die in der Arbeiterklasse die Kräfte wachrufen sollte, welche später die Wirtschaftsführung zu übernehmen haben. Es gibt jetzt immer noch zwei Gilden, eine Klaviergilde, die zwei oder drei Klaviere pro Woche produziert, und eine Schreinergilde, die jedoch nur wenige Arbeiter beschäftigt. Diese Leute sind alle in unserem Verbande und werden von den Kapitalisten in jeder Weise behindert und boykottiert. Bevor ich auf die an mir geübte Kritik zu sprechen komme.. möchte ich Sie bitten, mir im Eifer der Rede vielleicht geäusserte weniger richtige Sachen nachsehen zu wollen, denn ich stehe hier als ein Verbrecher vor seinen Richtern. Ich bitte Sie, aufmerksam und geduldig zuzuhören. Ich bin von Richtern in London bereits dreimal verurteilt worden, aber das geschah, weil ich gegen die Interessen der kapitalistischen Klasse gehandelt hatte. Hier liegen die Verhältnisse jedoch anders, hier werde ich angeklagt, weil ich angeblich gegen die Interessen der Arbeiterklasse verstossen habe. Kein einziges Mitglied des Exekutivkomitees ausser Woudenberg hat mir jedoch jemals ein Wort der Kritik gesagt. Woudenberg ist deshalb persönlich verantwortlich für die schmählichen Worte, mit welchen er mich im„ Bulletin" angegriffen hat. Soll ich vielleicht im voraus die Zustimmung Woudenbergs einholen, um nach Paris oder Moskau zu fahren? Das fällt mir doch gar nicht ein. Ich habe in Übereinstimmung mit den mir von meinem Exekutivkomitee gegebenen Instruktionen gehandelt, das heisst in Übereinstimmung mit dem Willen der Gesamtheit der Mitglieder meines Verbandes, und ich freue mich, die Gelegenheit gehabt zu haben, meine Informationen an Ort und Stelle einzuholen. Ich verwahre mich daher gegen die Beschuldigung, der I. U. untreu gewesen zu sein. Jeder Redner hat hier betont, dass er für die Einheit sei. Ich will nicht nur die Einheit, sondern arbeite zugunsten ihrer Herbeiführung. Ist das vielleicht ein Verbrechen? Wir halten mit keiner dem IGB. feindlich gegenüberstehenden Körperschaft organisatorische Verbindungen aufrecht. Ich stehe in meinem Bestreben nicht allein. Von ver61 schiedenen Zahlstellen meines Verbandes kann ich Schreiben vorweisen, die meine ganze Tätigkeit zugunsten der Einheit billigen. Meine Reise nach Moskau habe ich in aller Öffentlichkeit angetreten. Ich richtete ein Schreiben an Devlaemynck und Petersen mit dem Ersuchen, mich zu begleiten. Ich besuchte persönlich den Kollegen Tarnow. Nach meiner Rückkehr habe ich lange mit Tarnow über meine Erfahrungen geredet. Ich habe also nichts verheimlicht. Im„ Bulletin" steht geschrieben:„ Er( Gossip) hat sich nicht einmal vor Äusserungen gehütet, denen zu entnehmen war, dass wir eigentlich die Verbrecher und Verräter an der Arbeiterklasse seien." Woudenberg verschweigt dabei, dass ich den Russen einen Brief schickte, in dem ich sie darauf hinwies, das es zur Erreichung der Einheit dringend notwendig sei, den gegenseitigen Verleumdungen und Beschimpfungen ein Ende zu machen. Aber auch das ,, Bulletin" ist voller verleumderischer Angriffe auf die russischen Kameraden. Dabei wird viel kostbarer Raum vergeudet, welcher besser zu Informationszwecken hätte benutzt werden können. Die Einheit ist ein zu erhabenes Ziel, als dass wir Woudenberg erlauben könnten, sich ihm zu widersetzen. Bezüglich des französischen Verbandes hat Woudenberg gesagt, dass die Organisation niemals ein Interesse an der I. U. genommen habe. Der Sekretär des betreffenden Verbandes hat mir jedoch versichert, dass er dem Kollegen Woudenberg regelmässig ein Exemplar seines Organs zustellt. Der Verband hat seitdem auch wieder um Anschluss nachgesucht, ist jedoch abgewiesen worden. Woudenberg hat auch gesagt, dass ich den internationalen Angelegenheiten nicht das richtige Verständnis entgegenbringe und von den Russen als Werkzeug ausgenützt werde. Ich bin jedoch 40 Jahre in der Gewerkschaftsbewegung als überzeugter Sozialist tätig und habe genau soviel getan wie jeder andere, ohne mich jemals als Werkzeug haben benutzen zu lassen. Wir sind ausserdem schon seit der Gründung der Internationalen Union der Holzarbeiter Mitglied der I. U., und ich war persönlich in Amsterdam zugegen, als 1904 die Internationale endgültig errichtet wurde. Ich bedauere es lebhaft, dass gerade der Kollege Jahn als Wortführer der deutschen Delegation hier das Wort ergriffen hat, um meine Tätigkeit einer scharfen Kritik zu unterziehen, denn er muss dabei vergessen haben, dass im Jahre 1914 beim Kriegsausbruch wir aufstanden und erklärten, dass die Deutschen unsere Feinde nicht sein könnten, dass der einzige Feind der internationale Kapitalismus sei. Glauben Sie es mir, dass eine solche Erklärung kein leichtes ist in Kriegszeiten. Im Jahre 1915 hat unser Verband diese gefährliche Erklärung wiederholt. Damit standen wir in ganz Grossbritannien allein auf weiter Flur. Mein eigener Sohn weigerte sich, die Waffen zu tragen, und wanderte für seine Überzeugung ins Gefängnis. Ich bedauere es deshalb, dass die deutschen Kameraden mich jetzt angreifen. Wenn wir sagen, dass wir die Einheit wollen, so ist es uns Ernst damit. In der geeinigten Internationale, die wir erstreben, soll Raum für verschiedene Ansichten sein. Die von Woudenberg und anderen losgelassenen .62 Erklärungen zuungunsten Russlands sind genau dieselben, die wir tagein, tagaus in der kapitalistischen Presse lesen können. Die Russen haben erklärt, auf Grund unserer Satzungen der I. U. beitreten zu wollen. Das Internationale Propagandakomitee wird aufgelöst, sobald die Russen zur Mitgliedschaft zugelassen worden sind. Mein Exekutivkomitee kann den Kollegen Woudenberg nicht als Diktator in diesen Angelegenheiten anerkennen. Wir erwarten von ihm eine kategorische Mitteilung, mit welcher feindlichen Körperschaft wir nach seiner Meinung verbunden sind. Der IGB. selber versucht jetzt, mit den Russen Verbindungen herzustellen. Der von seinem Wiener Kongress im Jahre 1924 angenommene Beschluss enthält folgenden Passus: ,, Der Kongress empfiehlt dem Bureau, insoweit es möglich sein wird, ohne die Würde des IGB. zu verletzen, seine Bemühungen fortzusetzen, um die Einverleibung der russischen Gewerkschaften auf Grund der Statuten und der Bestimmungen des IGB. in die internationale Gewerkschaftsbewegung herbeizuführen." Wir haben also nichts anderes getan wie der IGB. Wir haben somit auch nichts unternommen, was der Internationalen Union der Holzarbeiter hätte schaden können. Wir weigern uns ganz energisch, auch nur um einen Schritt zurückzugehen. Petersen hat gesagt, dass ich weiter im Exekutivkomitee verbleiben dürfe, wenn ich versprechen würde, brav zu sein. Ich möchte fragen, weshalb ihr mir die Hand geschüttelt habt, als wir uns wieder trafen? Das habt ihr getan, weil ihr erkanntet, dass ich nach meinem Gewissen gehandelt habe. Ich weiss nicht, ob ihr mich oder meinen Verband aus der I. U. auszuschliessen gedenkt. Ich hoffe, dass ihr diese Absicht nicht hegt, denn wir sind bereit, mit euch zusammen zu arbeiten. Wenn ihr uns jedoch unsere Haltung vorschreiben wollt, so verlassen wir besser die I. U. Barron( Holzarbeiter- Verband Grossbritanniens): Ich muss dagegen Verwahrung einlegen, dass zwei Tage von dieser persönlichen Angelegenheit in Anspruch genommen wurden. Die hier geführten Diskussionen weisen einen Mangel an Gefühl für Proportion und Humor auf. Die ganze Angelegenheit ist lediglich eine Frage der Auslegung und, ich möchte fast sagen, der Sprache, indem die Meinungsverschiedenheiten zwischen Gossip und Woudenberg sicher bald verschwinden würden, wenn sie beide die gute schottische Sprache redeten. Es ist ausserordentlich bedauerlich, dass dieser Frage soviel Zeit und Leidenschaft zugewandt wird, denn sie steht in keinem Verhältnis zu der Bedeutung dieser Versammlung. Die in meinem Verband organisierten Arbeiter werden diese Tatsache übel vermerken. Wir müssen bedenken, dass wir uns vor allem rein gewerkschaftlichen Fragen zuwenden müssen. Wenn man das ,, Bulletin" liest, so könnte man fast glauben, dass die I. U. politische Zwecke verfolge. Lasst uns doch vor allem die Phrase los werden! Die ganze Einheitsbewegung wird von der Phrase beherrscht. Das eine Land wird vom anderen angesteckt, und schliesslich sind wir so stolz auf unsere schönen Phrasen, dass wir sie immer und immer wieder in den Mund nehmen müssen. Einheit bedeutet jedoch, dass man geistig und organisch einig ist. Einheit kann niemals lediglich eine 63 Maschinerie sein. Obwohl eine gewisse Meinungsfreiheit natürlich immer vorhanden sein muss, kann die Sache nicht damit erledigt werden, dass man einfach sagt:„, Kommt nur herein, das macht uns nichts." Wesentliche und beharrliche Meinungsunterschiede in der Leitung eines Verbandes wirken lähmend auf das Vorgehen einer Organisation. Gossip hätte weit besser getan, wenn er aus dem E. K. ausgeschieden wäre. Wenn er bei seiner Haltung beharrt, so wird die Lage für ihn sehr unangenehm werden. Die mehr oder weniger heftige Sprache Woudenbergs bedeutet nicht, dass er Gossip als einen Verbrecher betrachtet, sondern lediglich, dass nach seiner Meinung Gossip nicht nach Moskau und Paris hätte reisen dürfen, weil alle Mitglieder des E. K. die Satzungen und Aufträge der Internationalen Union befolgen müssen. Wenn Gossip sagt, er sei als Generalsekretär des britischen Möbelarbeiter- Verbandes( N. A. F. T. A.) nach Russland und Frankreich gefahren, so ist das auch nicht ganz richtig, denn er hat sich als Mitglied des E. K. der I. U. feiern lassen. Wir sind hier jedoch nicht zusammen, um politische Fragen zu lösen, sondern um unsere wirtschaftliche Lage zu bessern. In bezug auf die Stellung des Kollegen Gossip im E. K. möchte ich noch darauf hinweisen, dass Gossip auch nicht der geeignetste Mann für diesen Posten ist. Mein Verband ist fünfmal grösser als der Verband Gossips und ist der Arbeiterpartei und dem Gewerkschaftsbund angeschlossen. Meine Mitglieder bringen den nationalen und internationalen Angelegenheiten weitsichtiges Verständnis entgegen. Die Organisation Gossips ist nicht die einzige, die internationale Sehnsüchte hat. Unser Verband hat vor drei Jahren seinen früheren überseeischen Sektionen in Kanada, Amerika, Südafrika, Australien und Neuseeland die Autonomie gegeben, damit in diesen Ländern die nationale Einheit hergestellt werden könne. Wir bringen den Interessen anderer Nationen also ebenfalls Verständnis entgegen. Dasselbe kann man jedoch nicht von den Einheitspredigern sagen. Dieselben Leute, die im internationalen Massstabe die Einheit befürworten, versuchen die britische Gewerkschaftsbewegung zu spalten, während die Einheit doch im eigenen Hause anfangen sollte. Ich beschwöre Sie nochmals, sich von der Phrase zu befreien. Nehmen Sie doch die Schotten nicht zu ernst. Die Russen können zu den gleichen Bedingungen wie die anderen zugelassen werden, doch sollen sie uns etwas mehr geben als bloss ein Versprechen. Die Mehrheit des E. K. nimmt die Sache wirklich zu ernst. Die Russen müssen noch viel von uns lernen und sind wirklich nichts Besonderes. Unsere eigenen Erfahrungen sind, dass von den britischen Kommunisten höchstens 5 Prozent ahnen, was Kommunismus eigentlich ist. Man soll die Kommunisten nicht höher einschätzen, als sie sind. Der Fehler meiner britischen Kollegen ist, dass sie die Kommunisten als etwas ausserordentlich Wichtiges in den Vordergrund rücken wollen. Schluss der dritten Sitzung um 1 Uhr. 64 Nachmittagssitzung. Eröffnung um 2½ Uhr. Der Vorsitzende: Ich schlage vor, die Redezeit auf 5 Mi- Rechenschaftsnuten festzusetzen, damit wir in nicht zu langer Zeit die bericht Rednerliste erledigen können.( Angenommen.) Horovitz( Ungarn): Die Verhältnisse in Ungarn sind genau so schlecht wie in Österreich. Etwa 50 Prozent der Mitglieder unseres Verbandes sind arbeitslos. Ein grosser Teil der Mitglieder hat infolge der Arbeitslosigkeit auswandern müssen, so dass unsere Mitgliederzahl beträchtlich zurückgegangen ist. Mit den Kommunisten haben wir in den vier Monaten bolschewistischer Überwältigung schmerzliche Erfahrungen gemacht. Das bolschewistische Experiment hat unsere Arbeiterbewegung zugrunde gerichtet, nicht nur durch das eigene Vorgehen, sondern auch infolge des von ihm hervorgerufenen weissen Terrors. Auch auf dem Balkan haben die Kommunisten die Gewerkschaftsbewegung zertrümmert. Auf Grund dieser Erfahrungen betonen wir die Notwendigkeit, strikte an dem Wiener Beschluss und den Amsterdamer Kampfmethoden festzuhalten. Die Einheit ist notwendig, jedoch auf dem Boden Amsterdams. Wir müssen ein Exekutivkomitee einsetzen, das in der Durchführung der Kongressbeschlüsse einig und geschlossen vorgeht. Der Kollege Gossip hat einen grossen Fehler begangen. Wenn er sich der Mehrheit nicht unterordnen will, so kann er dem E. K. nicht länger angehören. Dem Kollegen Woudenberg sprechen wir unser volles Vertrauen aus. Oberti( Italien): Als Vertreter des Italienischen Holzarbeiter- Verbandes bringe ich Ihnen die herzlichen Grüsse meines Verbandes. Bevor ich Ihnen einiges mitteile über die schwere Lage, in der wir uns in Italien befinden, möchte ich feststellen, dass die Atmosphäre auf diesem Kongress eine bessere ist als im Jahre 1922. Der Bericht des Sekretärs zeigt, dass die Einheitsbewegung Fortschritte gemacht hat. Während im Jahre 1922 in Wien nur die italienische Delegation die Einheit vertrat, sehen wir jetzt die schweizerischen, britischen und norwegischen Organisationen die Einheit befürworten. Auf der Tagesordnung stehen ausserdem verschiedene die Einheit befürwortende Anträge. Wir müssen die Einheit vom rein proletarischen Standpunkt betrachten. Einer der Kollegen hat hier gesagt, dass die den im Kampf stehenden Organisationen zu gewährende Finanzhilfe ausgebaut und rationeller gestaltet werden müsse. Wir sind damit einverstanden, glauben jedoch, dass zur erfolgreichen Führung des Kampfes gegen die Unternehmer auch der internationale Zusammenschluss aller Holzarbeiter dringend erforderlich ist. Die Russen in erster Linie haben das Recht, in unsere I. U. aufgenommen zu werden, denn sie haben ein grosses Experiment gegen die Reaktion und das Unternehmertum gemacht. Wir erwarten daher, dass dieser Kongress dem Antrag des schweizerischen Verbandes zustimmen wird. Unser eigener Verband hat in den letzten Jahren besonders kritische Zeiten durchlebt. Die verbrecherische faschistische Reaktion hat unserer Organisation das Funktionieren fast unmöglich gemacht, doch hat sie uns nicht auf die Knie zwingen ( Fortsetzung). 65 können. Die Lage bessert sich wieder, und wir haben im Laufe dieses Jahres verschiedene verlorengegangene Errungenschaften zurückerobern können. In mehreren Städten hat unser Verband von neuem ordentliche Kollektivverträge abschliessen können. Auch der kürzlich wieder eingesetzte Terror hat uns nicht zurückschlagen können. Der I. U. gegenüber haben wir unseren Verpflichtungen nicht immer nachkommen können, doch hoffen wir in der nächsten Zukunft wieder unsere volle Pflicht zu tun. Chiron( Frankreich): Die französische Delegation ist mit Barron der Meinung, dass der Einheitsfrontfrage zuviel Zeit zugewandt wird. Mit der Tätigkeit des Kollegen Woudenberg und des Exekutivkomitees erklären wir uns gern einverstanden. Wir haben nur einen kleinen Tadel anzubringen, und zwar betreffend die späte Erscheinung des Referats Tarnows. Verschiedene Delegierte verwirren die Begriffe Gewerkschaftsarbeit mit Sozialismus und Kommunismus. In Frankreich wahren die Gewerkschaften ausschliesslich die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterklasse und mischen sich nicht in irgendwelchen Parteistreit hinein. Es wäre auch besser über Bolschewismus zu reden, denn was sich heute Kommunisten nennt, hat mit Kommunismus nichts gemein. Was es mit den kommunistischen Einheitsbestrebungen auf sich hat, geht daraus hervor, dass in dem kommunistischen ,, unitären" Holzarbeiterverband Frankreichs nach dreitägigen Verhandlungen eine Spaltung Platz griff, so dass sich jetzt Kommunisten und„ reine“ Gewerkschafter im Rahmen des Verbandes herumschlagen. Linde( Schwedischer Bauholzarbeiter- Verband): Ich will Ihre Zeit nicht in Anspruch nehmen und schliesse mich den Ausführungen des Kollegen Jahn vollständig an. Wie sehr seine Worte zutreffen, geht aus der Tatsache hervor, dass ihnen von keiner Seite widersprochen worden ist. Svensson( Schwedischer Sägereiarbeiter- Verband): Im Gegensatz zu der Ansicht V. S. Petersens, dass der Internationale Sekretär sich in seinen Amtsreisen beschränken solle, bin ich der Meinung, dass solche Reisen unbedingt erforderlich sind. Wenn die Mittel dazu nicht ausreichen, so sollen eben reichlichere Mittel geschaffen werden. Ich erkläre, dass die. Entsendung einer Delegation nach Moskau nicht als ein Verstoss gegen die Interessen der I. U. betrachtet werden kann. Auch ich habe eine Moskaureise gemacht. Es soll den angeschlossenen Verbänden zustehen, solche Delegationen zu entsenden. Ich glaube auch, dass das Sekretariat sich mehr auf Unterstützungsaktionen verlegen soll. Im übrigen bin ich mit der Tätigkeit des Kollegen Woudenberg einverstanden, und danke ich ihm für die geleistete Arbeit. Blairvacq( Belgien): Der Kollege Barron hat hier die Ansicht ausgesprochen, dass man der Einheitsfrage weniger Zeit zuwenden solle. Die belgische Delegation ist jedoch der Meinung, dass die Frage geklärt werden muss. Die belgische Delegation steht der Person Gossips sehr sympathisch gegenüber, kann die von ihm befolgten Wege jedoch nicht mitbeschreiten. Man hat gesagt, dass Gossip als Beauftragter seines Verbandes nach Moskau gereist ist, aber dies ändert nichts an der Tatsache, dass die russische Presse ihn als Mitglied des Exekutivkomitees der I. U. hingestellt hat. In der 66. Wiener Resolution wird nachdrücklich betont, dass mit den der RGI. angeschlossenen Organisationen keine Beziehungen aufrechterhalten werden dürfen. Gossip hat daher gegen die Kongressbeschlüsse verstossen. Es kann mit den Kommunisten auch jetzt keine Einheit geben, denn sie arbeiten noch immer an der Zerstörung unserer Bewegung. Der Vorsitzende. Die Rednerliste ist erschöpft. Der Kollege Woudenberg bekommt das Schlusswort. Woudenberg( Internationaler Sekretär): Reichmann und Schlusswort. andere Delegierte haben eine finanzielle Stärkung der I. U. verlangt. Ich bin mit dieser Ansicht durchaus einverstanden, möchte jedoch betonen, dass die Lage sich im allgemeinen nicht verschlimmert hat. Ich danke Reichmann für seine anerkennenden Worte in bezug auf die Veröffentlichung über die Arbeitsbedingungen und kann ihm mitteilen, dass ich beabsichtige, diese Berichte regelmässig vorzunehmen. Der Antrag Hauwaerts auf Schaffung eines internationalen Streikfonds erfordert jedenfalls ein eingehendes Studium. Dem Kollegen Jahn kann ich die Zusicherung geben, dass infolge der im Bureau getroffenen Massnahmen das„, Bulletin" regelmässig herauskommen wird. Die anderen Bemerkungen, die hier gemacht worden sind, beziehen sich auf die Frage der Einheitsfront. Wenn der Kollege Gossip die Ansicht ausgesprochen hat, dass die Bemerkungen im Rechenschaftsbericht und im„ Bulletin" ausschliesslich persönliche Bemerkungen und Angriffe seitens des Internationalen Sekretärs seien, so muss ich diese Behauptung entschieden zurückweisen. Falsch ist auch die Behauptung Gossips, dass im Exekutivkomitee niemals eine Stimme laut geworden sei, um sein Vorgehen zu tadeln. Tatsache ist, dass das E. K. sich wiederholt mit dem Verhalten Gossips beschäftigt hat, und dass die übrigen Mitglieder des E. K. alle meine Äusserungen unterschreiben. Die von Gossip in der Russenfrage gemachten Anträge sind regelmässig mit vier gegen eine Stimme zurückgewiesen worden. Am letzten Sonntag hat eine Sitzung stattgefunden, in der die Sache jedoch nicht beraten wurde, weil man es als besser erachtete, die Angelegenheit in aller Öffentlichkeit auf dem Kongress weiterzubehandeln. Und auch der Kongress hat sich bereits in unzweideutiger Weise gegen das Vorgehen Gossips ausgesprochen. Volan, Tomkins, Reichmann und Gossip haben gefragt, ob es verbrecherisch sei, sich für die Einheit einzusetzen. Wir hätten jedoch in Wien bestimmt nicht zwei Tage beraten, wenn die Angelegenheit lediglich eine Frage des Wünschens wäre. Die Sache liegt nicht ganz so harmlos. Wir alle setzen uns für die Einheit ein, die Kommunisten haben jedoch ganz entgegengesetzte Nebenabsichten. Die Absichten der Kommunisten haben sich in keinerlei Beziehung geändert, als sie ihre Losung des Zellenbaues durch die Parole der Einheitsfront ersetzten. Die eine wie die andere richtet sich ausschliesslich auf die Zerstörung unserer Bewegung zugunsten gewerkschaftsfremder Zwecke. Sollen wir vielleicht unser Verhalten darum ändern, weil Moskau eine neue betrügerische Parole aufgestellt hat? Gossip hat sich darüber beschwert, dass ich behauptet habe, er sei ein Werkzeug der Moskauer. Ich glaube, dass die Absichten Gossips vollkommen ehrlich sind, und er die wirkliche Einheit der Arbeiterklasse 67 aufrichtig anstrebt. Aber eins kann nur wahr sein, entweder verkennt er die wahren Absichten der Kommunisten und ist somit ein Werkzeug in ihren Händen, oder er ist auf dem laufenden und müsste deshalb selber zu den Einheitsfrontschwindlern gerechnet werden. Seit dem Wiener Kongress haben sich keine Begebenheiten dargestellt, die eine Änderung in der Haltung des E. K. hätten rechtfertigen können. Zwar hat sich das Auftreten der Kommunisten geändert, doch sind ihre Absichten genau dieselben geblieben. Die Statuten der Roten Gewerkschafts- Internationale, der der russische und die dissidenten Holzarbeiter- Verbände angehören, sind noch immer ungeschwächt in Kraft, das heisst, die ihr angeschlossenen Verbände geloben sich noch immer, den Kampf gegen unsere Bewegung in der rücksichtslosesten Weise zu führen. Wie die geistige Einstellung der betreffenden Kommunisten ist, geht aus einem im„, Internationalen Holzarbeiter- Bulletin" vom Juli 1924 veröffentlichten Schreiben hervor, in dem es heisst: ,, Auch unsere Reihen durchlief ob des niederträchtigen Verrats der Amsterdamer, ob ihres schamlosen Willkürregiments der Schrei nach der organisatorischen Trennung von diesen Klassenfeinden." Und was sagt Gossip zu der nachstehenden Liebenswürdigkeit in der August- November- Nummer vom Jahrgang 1924 desselben ,, Bulletins"? ,, Offener, zynischer Verrat ist das Merkmal der internationalen Sozialdemokratie. In der Auslieferung des Proletariats an die Bourgeoisie sind sich Berger, Noske, Macdonald und Kautsky einig." Gibt diese unverschämte Verleumdung des Genossen Macdonald dem Kollegen Gossip nicht einiges zum Nachdenken? Ich will Ihre Zeit nicht zuviel mit dieser leeren Frage in Anspruch nehmen, möchte Ihnen jedoch ein kleines Zitat verlesen, damit man ersehen kann, wie die Kommunisten offen bekunden, niemals ,, die Heirat mit den Reformisten", niemals die Einheit zu wünschen. Bei der feierlichen Eröffnung des dritten Kongresses der Roten Gewerkschafts- Internationale in Moskau am 8. Juli 1924 sagte Bucharin im Namen des fünften Kongresses der Kommunistischen Internationale: ,, Darum ist es durchaus verständlich, dass die Gewerkschaftsfrage auf dem eben beendeten Kongress der Kommunistischen Internationale vom Standpunkt der Eroberung der Massen behandelt wurde, vom Standpunkt der Vernichtung des Einflusses der sozialdemokratischen und gelben Elemente und der Zertrümmerung der gewaltigen Macht, über welche diese gelbe Gewerkschaftsbureaukratie verfügt. Neben wütendem Hass gegenüber den gelben Gewerkschaftsführern müssen wir genügend Mannhaftigkeit, Ausdauer und politische Rechnungsgabe aufbringen, um, ohne vor irgend etwas zurückzuschrecken, jede Möglichkeit auszunützen, die gegenwärtige gelbe Führung zu stürzen und die Gewerkschaften zu erobern." Die„ Prawda" vom 24. Juni 1924 veröffentlichte die folgende Erklärung Sinow jews, des Vorsitzenden der Kommunistischen Internationale: ,, Es hat sich herausgestellt, dass manche linken Genossen von starkem Abscheu gegenüber der Einheitsfronttaktik erfüllt 68 sind. Um sie zu trösten, kann ich nur sagen: Für uns ist die Taktik der Einheitsfront und der Arbeiterregierung lediglich ein Mittel, die Arbeitermassen zu mobilisieren und zu organisieren. Ihnen gefällt dieses Mittel nicht? Gut, ich schlage Ihnen ein , Kompromiss' vor: Sobald Sie die grosse Mehrheit der Werktätigen in Ihrem Lande erobert haben, werden wir Sie unverzüglich von der Befolgung der Einheitsfronttaktik befreien. Wenn Sie auf unserer Seite die Mehrheit in den wichtigsten Schritten des Proletariats haben werden, werden Sie sich erlauben können, weniger zimperlich mit dieser Taktik umzugehen. Aber in den wichtigsten Ländern ist die Lage noch die, dass die Mehrheit nicht auf unserer Seite ist. Wir müssen es verstehen, an die Massen, so wie sie sind, heranzutreten, sie für uns zu gewinnen, sie auf die bolschewistischen Gleise zu bringen, und dann werden wir auch unsere Taktik ändern können." Aus diesen Bekenntnissen kommunistischer Gesinnung die sich lediglich aus den Begriffen„ Taktik“,„ Eroberung" und ..Zertrümmerung" aufbaut geht somit klipp und klar hervor, dass die Kommunisten die„ Einheit" getrosten Mutes über Bord werden würden, wenn sie einmal die Mehrheit hätten. Ähnliche Absichten beleuchtet die in der„ Prawda" vom 23. Juli 1924 veröffentlichte Entschliessung der Kommunistischen Internationale auf ihrem Kongress vom Juni 1924: ,, Die Taktik der Einheitsfront ist nur eine Methode der Agitation und der revolutionären Mobilisation der Massen für eine ganze Periode. Alle Versuche, diese Taktik als eine politische Koalition mit der konterrevolutionären Sozialdemokratie auszulegen, sind ein Opportunismus, der von der Kommunistischen Internationale verworfen wird. Die Einheitsfronttaktik war und bleibt die Taktik des revolutionär- strategischen Manövers des von allen Seiten von Feinden umzingelten kommunistischen Vortrupps im Kampfe gegen die verräterischen Führer der konterrevolutionären Sozialdemokratie und keineswegs eine Taktik des Bundes mit diesen Führern." Ich glaube, mit diesen Zitaten genügend nachgewiesen zu haben, dass, wenn Gossip ein ehrlicher Mensch ist, er nur ein Spielzeug der Kommunisten sein kann. Es ist vor allem sein Fehler, dass er sich als Mitglied des Exekutivkomitees hat feiern lassen. Wie sehr dies zutrifft, geht aus einem Artikel in der Zeitung des ,, unitären" Holzarbeiter- Verbandes Frankreichs hervor: ,, Betonen wir, dass die Anwesenheit Gossips, der auch Mitglied des Exekutivkomitees der Amsterdamer HolzarbeiterInternationale ist, besonders wichtig ist." Verfehlt war auch, dass Gossip uns nach seinen eigenen Erklärungen als Reaktionäre hinstellt, weil wir uns weigern, unsere Bemühungen zugunsten der Einheit in seiner Weise fortzusetzen. Ich verweise nur auf das in der ,, Roten Fahne" erschienene Schreiben Gossips an den unitären Gewerkschaftsbund Frankreichs, in dem es heisst: ,, Ich hoffe, dass ihr nichts unversucht lassen werdet, um diese Einheit herzustellen. Der Arbeiter, der heute nicht gewillt ist, alle seine Kräfte für die Verwirklichung der Gewerkschaftseinheit anzuspannen, macht sich eines Vergehens 69 schuldig, das fast einem Verrat an der internationalen Arbeiterklasse gleichkommt." Mit solchen Äusserungen hat Gossip eine Antithese im E. K. geschaffen, die dem Prestige unserer Internationalen Union grossen Schaden zugefügt hat. Überdies ist er noch Vorstandsmitglied der britischen Sektion der Internationalen ArbeiterHilfe, während doch nachdrücklich nachgewiesen worden ist, dass die I. A. H. rein kommunistisch- politische Zwecke verfolgt. Es gibt trotzdem Leute in unserer Internationale, die meinen, wir müssten die Russen aufnehmen. Da erscheint es mir jedoch angebracht, einmal zu prüfen, welche Erfahrungen diejenigen Berufsinternationalen gemacht haben, die den Russen weniger ablehnend gegenüberstanden oder sie sogar zugelassen hatten. Die Internationale Transportarbeiter- Föderation, die in dieser Angelegenheit die meiste Ausdauer aufbrachte, hat sich seit dem Zeitpunkt, an dem sie die Verhandlungen mit den Russen aufnahm, wiederholt über die Weise, in der die kommunistische Presse die I. T. F. verleumdet, zu beklagen gehabt. Die bekannte Affäre, dass die Entschliessungen der Berliner Transportarbeiter- Konferenz entgegen dem gefassten Beschluss von den Kommunisten veröffentlicht wurden, ist noch in Ihrer Erinnerung. Auch neulich hatte die I. T. F. in ihrem Mitteilungsblatt folgende Feststellung zu machen: ,, Im Blatte der kommunistischen Eisenbahner Frankreichs vom 1. April finden wir einen vom ,, Roten Internationalen Transportarbeiter- Bulletin" übernommenen Artikel, der sich mit den Verhältnissen in der Tschechoslowakei beschäftigt. In diesem Artikel wird die nationalistische Organisation ,, Jednota", die seitens der der I. T. F. angeschlossenen Organisationen heftig bekämpft wird, als eine zur I. T. F. gehörende Gewerkschaft bezeichnet und der I. T. F. für die Äusserungen dieser nationalistischen Organisation, gegen die wir in unseren Publikationen selbst wiederholt Stellung genommen haben, Verantwortlichkeit zugeschrieben. Ähnliche Beweise für die auf der genannten Seite herrschende Unwahrhaftigkeit liessen sich in langer Reihe aufführen." Auch die Lederarbeiter- Internationale hat schmerzliche Erfahrungen machen müssen. In den Mitteilungen vom April 1925 dieser internationalen Vereinigung sieht der Internationale Sekretär sich sogar gezwungen, eine Datumfälschung seitens der Russen aufzudecken und dazu folgenden Kommentar zu schreiben: ,, Im übrigen ist es zwecklos, auf diese abgetane Sache wiederum einzugehen. Aus der umfangreichen Dokumentensammlung und den wortreichen Ergüssen, die Jusefowitsch dem Sekretariate einschickt, geht das eine mit Deutlichkeit hervor: Man zieht den kürzeren, wenn man sich mit den Russen einlässt. Denn die Genossen in Westeuropa halten zuviel auf offenes, ehrliches Verhandeln, die Russen aber sind Meister im Verleumden und im Verdrehen der Tatsachen. Es ist, als seien sie bei den Jesuiten in die Lehre gegangen. Der Zweck heiligt bei ihnen jedes Mittel." Und er fügt noch hinzu: ,, Hinter allen Nachrichten, die von Russland stammen, ist man versucht, erst ein grosses Fragezeichen zu setzen. Die Botschaft hört' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." 70 Die Lebensmittel- Internationale hat sogar die Russen aufgenommen. Aber man hat längst schon wieder seitens des Vorstandes die Frage in Erwägung ziehen müssen, ob eine Zusammenarbeit mit den Russen auch künftighin möglich sein wird. Auch der Schweizerische Bau- und Holzarbeiter- Verband und sein Sekretär Reichmann haben sich für die Sache der„ Einheit" eingesetzt. Er hat sogar einen Antrag zugunsten der Aufnahme der Russen eingereicht. In einem diesbezüglichen Leitartikel im offiziellen Verbandsorgan schreibt der Kollege Reichmann jedoch folgendes: ,, Aber auch die Russen werden einsehen müssen, dass Gewerkschaftsorganisation und Kommunistische Internationale zwei Paar Schuhe sind. Wenn diese Fragen nicht voneinander losgelöst werden, bleiben sie allein auf weiter Flur, und auch die Engländer werden hier mit den übrigen Ländern marschieren." Betrachten wir einmal näher, was Losowsky, der grosse Einheitsfrontapostel, zu dieser Angelegenheit auszuführen hat. In einer am 8. Juli 1924 gehaltenen Rede auf dem 3. Kongress der R. G. I. sagte dieser Herr folgendes: ,, Die Stärke der revolutionären Gewerkschaftsbewegung besteht darin, dass sie durch und durch vom kommunistischen Geist durchdrungen ist, sie besteht darin, dass die Rote Gewerkschafts- Internationale eng mit der Kommunistischen Internationale zusammengeschweisst ist, sie besteht darin, dass die kommunistische Linie, das kommunistische Programm, die Methoden und Arten des Kampfes die unsrigen sind." Was sagt der Kollege Reichmann zu dieser kategorischen Erklärung des obersten Kriegsherrn der Moskauer Armee? Die Verhältnisse liegen jetzt so, dass der schweizerische Verband dasselbe kommunistische Vorgehen im nationalen Rahmen entschieden und mit Recht- ablehnt und im internationalen Massstabe aufs kräftigste unterstützt, ja uns sogar der reaktionären Gesinnung bezichtet, weil wir es bekämpfen. Während die Schweizer also im eigenen Lande dieselbe Haltung einnehmen wie wir in der Internationale, schimpfen sie uns in ordentlicher ,, radikaler" und ,, revolutionärer" Weise ,, Reformisten" und Sozialpatrioten" und arbeiten damit den Kommunisten in die Hände. Dieselben durchaus gerechtfertigten Erwägungen, die die Schweizer dazu führten, ihre Mitglieder vor Herzog und Vogt zu warnen, drängen uns, unsere Mitglieder vor Losowsky und Sinowjew, vor Bucharin und Tomski und letzten Endes auch vor Gossip und Reichmann zu warnen. Ich glaube, dass diese Ausführungen genügen werden, um es jedem, der nicht mit sehenden Augen blind ist, klarzumachen, welche Absichten die Kommunisten hegen. Die Russen können zu uns kommen, wenn sie als ehrliche Freunde und Mitarbeiter mit uns aufmarschieren wollen.. Solange sie uns jedoch mit der weissen Fahne des Friedens und der Verständigung entgegentreten, während sie hinter dem Rücken das Messer verstecken, mit dem sie uns als Schleichmörder anspringen wollen, solange werden sie, wie ich hoffe und vertraue, das Tor gesperrt finden. Der Vorsitzende: Der Kollege Walop, Kassierer der I. U., Kassenbericht wird einige Bemerkungen zum gedruckt vorliegenden Kassenbericht machen. 71 Bericht der Mandatsprüfungskommission. bericht ( Abstimmung). Walop( Kassierer): Es besteht ein kleines Missverständnis in bezug auf die aufgeführten Posten Entschädigungen. Ich möchte darum mitteilen, dass der Kongress vom Jahre 1919 beschlossen hatte, genau wie dies vor dem Krieg üblich war, dem Sekretär und dem Kassierer eine kleine persönliche Zulage in der Höhe von 400 resp. 100 Goldmark zu gewähren. Ausserdem bekam der holländische Verband als Entschädigung für beträchtliche Verwaltungsausgaben 2000 Gulden pro Jahr. Nun, da die I. U. einen eigenen Angestellten hat, kommt diese Entschädigung natürlich in Wegfall. Ich möchte schliesslich darauf hinweisen, dass das Defizit viel geringer ist als bei der vorigen Abrechnung. Spaltmann( Berichterstatter): Im Namen der eingesetzten Mandatsprüfungskommission kann ich Ihnen mitteilen, dass insgesamt 42 Delegierte der angeschlossenen Verbände anwesend sind. Diese Delegierten vertreten insgesamt 21 Organisationen aus 14 verschiedenen Ländern. Nicht vertreten sind ohne Entschuldigung: Finnland, Jugoslavien( Agram) und Bulgarien; mit Entschuldigung: Deutscher Böttcher- Verband, Budapester Bildhauer- Verband, Jugoslavien( Laibach) und Luxemburg. Ausserdem sind folgende Gastdelegierte anwesend: Internationaler Gewerkschaftsbund: J. W. Brown; Internationales Arbeitsamt: J. J. de Roode; amerikanische Bruderschaft der Holzarbeiter: Hutcheson, Lakey und Gauld. Es wird beabsichtigt, morgen in der Vormittagssitzung den Delegierten ein vollständiges Verzeichnis der Anwesenden zu verabreichen. Rechenschafts- Der Vorsitzende: Wir schreiten jetzt zur Abstimmung. Es wird zunächst über den allgemeinen Teil des Rechenschaftsberichts abgestimmt. Darauf werden wir über den zweiten Teil bezüglich der Angelegenheit Gossip namentlich und nach der Mitgliederzahl abstimmen, wobei zugleich darüber entschieden wird, ob die Wiener Resolution in Kraft bleiben soll oder nicht. Der allgemeine Teil des Berichts wird mit allen gegen eine Stimme( Italien) angenommen. Tomkins( Britischer Möbelarbeiter- Verband): Im Namen der Delegation meines Verbandes muss ich gegen die vom Vorsitzenden gegebene Interpretation der Abstimmung über den zweiten Teil Verwahrung einlegen. Der Wiener Beschluss liegt hier gar nicht zur Abstimmung vor. Der Vorsitzende: Es liegt hier offenbar ein Missverständnis vor. Es wird nicht über die Wiener Resolution abgestimmt, sondern über deren Ausführung, und dies gehört an sich zum Bericht, betreffend das Exekutivkomitee. Wir stimmen jetzt über den zweiten Teil ab. Der zweite Teil des Berichts wird mit 39 gegen 15 Stimmen angenommen. Die Delegation des britischen Holzarbeiter- Verbandes( 6 Stimmen) enthält sich der Stimme. Barron( Holzarbeiter- Verband Grossbritanniens): Im Namen meiner Delegation teile ich mit, dass wir uns der Abstimmung enthalten haben, weil wir uns nicht mit der Art derselben einverstanden erklären können. Nach unserer Meinung hätte nur über den Bericht als Ganzes eine Abstimmung vorgenommen werden können. 72 Der Vorsitzende: Das Ergebnis der Abstimmung über beide Teile des Rechenschaftsberichts zeigt, dass der Kongress dem Kollegen Woudenberg seine Zustimmung gibt. In unserer Bewegung sind wir gewohnt, dass jeder seine Aufgabe nach besten Kräften leistet, doch glaube ich im Namen des Kongresses zu sprechen, wenn ich dem Kollegen Woudenberg unseren besten Dank für die geleistete Arbeit übermittle. Der Kongress hat sich mit grosser Mehrheit gegen das Vorgehen Gossips ausgesprochen. Wir sind alle der Meinung, dass der Kollege Gossip ein aufrichtiger Ehrenmann ist und dazu ein tüchtiger Gewerkschafter. Das Ergebnis der Abstimmung haftet ihm keineswegs als ein Makel an, sondern bedeutet lediglich, dass seine Taktik nicht vom Kongress gebilligt werden kann. frage. Wir können jetzt noch einige Anträge erledigen. Der Erledigung der britische Antrag versucht, die Wiener Resolution zu entkräften eingereichten und auszuschalten. Ich bin der Meinung, dass der Kongress sich die ZulassungsAnträge, betr. bereits über diesen Antrag ausgesprochen hat, indem er bei der Abstimmung über den zweiten Teil des Rechenschaftsberichts zugunsten der Beibehaltung des Wiener Beschlusses gestimmt hat. Ich schlage deshalb vor, den Antrag ohne Abstimmung zu erledigen. Tomkins( Britischer Möbelarbeiter- Verband): Ich schlage vor, abzustimmen. Volan( Norwegischer Bauarbeiter- Verband): Ich unterstütze den Antrag Tomkins. Barron( Holzarbeiter- Verband Grossbritanniens): Wir haben eigentlich einen Zusatzantrag einreichen wollen, der darauf hinzielt, dass das Exekutivkomitee beauftragt wird, bis zum nächsten Kongress die Angelegenheit zu studieren und für jeden einzelnen Fall selber eine Entscheidung zu treffen. ( Nachdem der Vorsitzende die Abstimmung über den Antrag Barrons angesagt hat, bitten mehrere Delegierte ums Wort. Es stellt sich sodann heraus, dass man sich über die Bedeutung dieses Antrags nicht im klaren ist. Nachdem der Kollege Barron erklärt hat, bis morgen einen präzisen, schriftlichen Antrag einreichen zu wollen, wird die Sitzung bis auf den folgenden Tag, 8½ Uhr vormittags, vertagt.) Schluss der vierten Sitzung um 7% Uhr. Dritter Verhandlungstag. Mittwoch, den 22. Juli 1925. Eröffnung der Sitzung um 8½ Uhr vormittags. Sympathiekundgebung Der Vorsitzende: Die Delegation des Britischen Möbelarbeiter- Verbandes hat den Wunsch auf Annahme einer Sympathiekundgebung mit den streikenden Genossen in allen Ländern ausgesprochen. Das Bureau schlägt vor, folgender allen Ländern. Kundgebung zuzustimmen: ,, Der vom 20. bis 22. Juli 1925 einschliesslich in Brüssel tagende Internationale Holzarbeiterkongress spricht in Anbetracht der grossen Arbeitskonflikte, die in verschiedenen Ländern bereits ausgebrochen oder in Vorbereitung sind, seine warme Sympathie mit den im Kampfe stehenden Kamaraden aus und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass die Kämpfe von einem vollen Erfolg begleitet sein werden." Der Antrag wird mit allen Stimmen angenommen. mit den Streikenden in 73 Antrag des Der Vorsitzende: Die Delegation des Britischen HolzHolzarbeiter- arbeiter- Verbandes hat jetzt eine in präzisen Worten aufgestellte Resolution eingereicht, die folgenden Wortlaut hat: verbandes Grossbritann., betr. die Zu,, Der Kongress beauftragt das Exekutivkomitee, ohne die lassungsfrage. Prinzipien unserer Bewegung zu verletzen, die Bemühungen fortzusetzen, um die Aufnahme aller Organisationen herbeizuführen, die noch ausserhalb der I. U. stehen und bereit sind, deren Statuten und Beschlüsse anzuerkennen." Die Resolution wird gegen fünf Stimmen angenommen. Der Vorsitzende: Damit sind auch die Anträge des Britischen Möbelarbeiter- Verbandes und des Schweizerischen Bau- und Holzarbeiter- Verbandes erledigt. Es steht jetzt der Antrag des Entsendung Schweizerischen Bau- und Holzarbeiter- Verbandes auf Enteiner Delegat. sendung einer Delegation nach Russland zur Behandlung. Das Exekutivkomitee ist gewillt, diesen Antrag zu übernehmen, mit dem Vorbehalt, dass es dem E. K. überlassen bleibt, über den richtigen Zeitpunkt der Entsendung einer solchen Delegation zu entscheiden. Reichmann bekommt das Wort, um seinen Antrag zu befürworten. nach Russland. VerReichmann( Schweiz): Ich stelle mit Freude fest, dass die Sache der Einheit seit dem Wiener Kongress guten Fortschritt zu verzeichnen gehabt hat. Die Wiener Resolution wurde mit 59 gegen 11 Stimmen angenommen, die Haltung des Exekutivkomitees diesmal jedoch nur mit 39 gegen 15 Stimmen und 6 Enthaltungen gebilligt. Ich bin bereit, die Sache bei der Annahme des schweizerischen Antrages mit dem Zusatzantrag Tarnows ihr Bewenden haben zu lassen, vorausgesetzt, dass die Angelegenheit mit der Annahme dieser Entschliessung nicht ein für allemal abgewürgt und begraben ist. Ich nehme jedoch an, dass der Kollege Tarnow nunmehr eingesehen hat, dass eine persönliche Abordnung nach Russland ihm nicht schaden wird. Ich schlage vor, die Kollegen Tarnow, Woudenberg und Jahn, die bekanntlich alle grosse Kommunistenfresser sind, in die Abordnung zu ernennen. Und ich glaube fest daran, dass nach einer solchen Untersuchungsreise viele Gespenster verschwunden sein werden. Der ergänzte Antrag wird einstimmig angenommen. Der Vorsitzende: Es steht der schweizerische Antrag auf schmelzungs- Verschmelzung der Bau- und Holzarbeiter- Internationalen zur frage. Erörterung. Reichmann bekommt das Wort. Reichmann( Schweiz): Bezüglich des schweizerischen Antrages auf Verschmelzung der Bau- und Holzarbeiter- Internationalen möchte ich nur wenige Worte sprechen. Ich habe wenig Hoffnung angesichts des Ergebnisses der von Woudenberg angestellten Untersuchung, dass dieser Antrag angenommen wird. Ich dränge jedoch auf irgendeine Stellungnahme seitens des Kongresses. Der Vorsitzende: Der Kongress kann unmöglich über die Frage der nationalen Verschmelzung entscheiden, weil diese Angelegenheit ganz und gar zur Kompetenz der angeschlossenen Organisationen gehört. Ich schlage vor, die Resolution den verschiedenen Organisationen zur Prüfung zu überlassen. Reichmann( Schweiz): Ich bin mit dem Vorschlag des Kollegen Tarnow gern einverstanden, schlage jedoch vor, das E. K. zu beauftragen, bis zum nächsten Kongress wieder einen Bericht über die Angelegenheit zu erstatten, damit man daraus ersehen kann, ob es aufwärts oder abwärts geht. 74 Ich schlage deshalb vor, dem vom Kollegen Tarnow eingebrachten Antrag den folgenden Zusatzantrag anzuhängen: ,, Das Exekutivkomitee ist beauftragt, bis zum nächsten Kongress wieder eine Rundfrage unter den angeschlossenen Verbänden zu veranstalten, wie weit diese Fusionsbestrebungen gediehen sind." Der ergänzte Antrag wird einstimmig angenommen. mit der Der Vorsitzende: Wir kommen nunmehr zur Abstimmung Gegenseitigüber die vom schwedischen Verband der Bauholzarbeiter ein- keitsabkommen gebrachte Resolution, betreffend die Vereinbarung eines Gegen- Bauarbeiterseitigkeitsabkommens mit der Bauarbeiter- Internationale. Das internationale. Exekutivkomitee schlägt vor, diesen Antrag zu übernehmen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der Kollege Hauwaert übernimmt den Vorsitz. Der Vorsitzende: Der Kollege Tarnow wird sein gedrucktes Referat über Referat über„, Aufgaben und Organisationsform der internatio-" Aufgaben und nalen Gewerkschaftsbewegung“ mit einigen Worten einleiten. Organisations form der internationalen Tarnow( Deutscher Holzarbeiter- Verband): Ich möchte Gewerkschaftskeine eingehende Aussprache über das Referat veranlassen, denn bewegung". es fehlt uns die dazu erforderliche Zeit, die in Anbetracht der Sprachverschiedenheiten ausserdem dreifach grösser sein müsste als auf nationalen Kongressen. Das Referat ist leider etwas spät erschienen. Ich hoffe jedoch, dass jederman es gelesen und verstanden hat. Es handelt sich um die Organisationsform des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Wir haben 1924 als Vertreter der Internationalen Union der Holzarbeiter am Wiener Kongress des I. G. B. teilgenommen und da die in diesem Referat festgelegten Ansichten auseinandergesetzt. Wir erbitten vom Kongress also die Zustimmung zu unserem dort vertretenen Standpunkt. Bis damals war die Zusammensetzung des I. G. B., gestützt auf die verschiedenen Landeszentralen, durchaus logisch. Es ist jedoch bekanntlich eine neue Strömung eingetreten, die wir bekämpft haben. Woudenberg und ich, als Vertreter der I. U., waren der Ansicht, dass der I. G. B. sich ausschliesslich aus den Landeszentralen und nicht aus den internationalen Berufssekretariaten oder auch nur einer Mischung der beiden Arten von Körperschaften zusammensetzen sollte. Es ist leider keine Zeit mehr vorhanden, eine eingehende Darlegung der in unserer I. U. vorhandenen Ansichten herbeizuführen. Ich möchte jedoch darauf drängen, dass der Kongress sich jedenfalls einigermassen ausspricht, damit das E. K. weiss, wie es sich in dieser Angelegenheit weiterhin zu verhalten hat. Volan( Norwegischer Bauarbeiter- Verband): Gestern hat man eine neue Beschlussfassung hinsichtlich der Zulassung der Russen mit der Begründung abgelehnt, dass kein neuer Beschluss vom I. G. B. vorliege. Jetzt versucht man jedoch, dem I. G. B. eine bestimmte Organisationsform vorzuschreiben. Das ist alles weniger als logisch. Es ist jedenfalls zweckmässig, dass die internationalen Berufsorganisationen grösseren Einfluss auf die Gesamtbewegung geltend machen können, denn Streiks gehen öfters verloren, weil sie ausschliesslich vom nationalen Standpunkt und im nationalen Rahmen durchgeführt werden. Angesichts der zunehmenden internationalen Konzentration des Kapitals ist es jedoch notwendig, auch in der internationalen Gewerkschafts75 Wahl des bewegung das Schwergewicht auf den internationalen Zusammenschluss zu legen. Ich glaube jedoch nicht, dass zu diesem Zweck eine organisatorische Umgestaltung des I. G. B. notwendig ist. Ein Ausbau der internationalen Berufssekretariate würde allerdings den gleichen Zweck erfüllen. Ich werde jedoch gegen das Referat Tarnows stimmen, weil ich der Meinung bin, dass die Durchführung seiner dort ausgesprochenen Ansichten die Arbeiterbewegung um viele Schritte in ihrer Entwicklung zurücksetzen würde. Barron( Holzarbeiter- Verband Grossbritanniens): Wir legen grossen Wert auf die von Tarnow in seinem Referat geleistete Arbeit. Wir glauben jedoch nicht, dass es diesem Kongress möglich sein wird, einen Beschluss in dieser Angelegenheit zu fassen. Persönlich haben wir das Referat zu spät bekommen, um es mit unserem Exekutivkomitee zu beraten. Obwohl wir persönlich vollkommen mit den Ansichten Tarnows übereinstimmen, möchte ich doch vorschlagen, das Referat den angeschlossenen Organisationen zur Beratung zu überweisen. Nachdem es sodann in den verschiedenen Exekutivkomitees eingehend besprochen worden ist, sollen die Antworten dem Exekutivkomitee der Internationalen Union schriftlich unterbreitet werden. Hauwaert( Belgien): Die belgische Delegation erklärt sich vollständig mit dem Vorschlag Barrons einverstanden. Auch wir haben leider die Gelegenheit nicht finden können, uns mit dieser Angelegenheit im Komitee zu beschäftigen. Tarnow( Deutscher Holzarbeiter- Verband): Ich erkläre mich mit dem Vorschlag des Kollegen Barron einverstanden und möchte daher folgendes beantragen: ,, Der Kongress empfiehlt das Referat des Kollegen Tarnow zum eingehenden Studium in allen Ländern. Wenn es notwendig erscheint, soll das Exekutivkomitee für den nächsten Kongress der I. U. Vorbereitungen treffen, damit diese Angelegenheit weiterbehandelt werden kann." Die Resolution wird einstimmig angenommen. Der Kollege Tarnow übernimmt wieder den Vorsitz. Der Vorsitzende: Wir schreiten jetzt zur Wahl des InterInternationalen nationalen Sekretärs und der übrigen Mitglieder des Exekutivkomitees. Sekretärs. uns mit Barron( Holzarbeiter- Verband Grossbritanniens): Im Namen meines Verbandes möchte ich dem Kollegen Woudenberg unseren herzlichen Dank für seine tatkräftigen Bemühungen im Interesse unseres Verbandes übermitteln. Während des grossen und beharrlichen Kampfes in der Schiffbauindustrie hat er grosser Bereitwilligkeit zur Seite gestanden und uns auch weiterhin zu jeder Zeit mit Angaben über die Arbeitsbedingungen auf dem Kontinent versehen, die uns in unserer Aktion zugunsten des Verbots der Verarbeitung von nicht unter Gewerkschaftsbedingungen hergestellten Holzwaren von grösster Bedeutung gewesen sind. Ich schlage vor, den Kollegen Woudenberg als Sekretär der Internationalen Union auf weitere drei Jahre zu bestätigen. Der Kollege Woudenberg wird unter Beifall als Sekretär wiedergewählt. Hauwaert( Belgien): Die belgische Delegation hat mit Freuden gesehen, dass der Kollege Woudenberg einstimmig in seiner Eigenschaft als Internationaler Sekretär wiedergewählt 76 worden ist. Damit ist dem Kollegen Woudenberg zweifellos ein warmes Wort des Dankes ausgesprochen worden. Ich möchte jedoch im Namen der belgischen Delegation vorschlagen, dem Kollegen Woudenberg und auch dem fleissigen Kassierer Walop überdies ein materielles Zeugnis unseres Dankes abzulegen, indem wir die Entschädigungen der beiden Kollegen mindestens verdoppeln. Die bisherigen Entschädigungen sind auf Vorkriegsverhältnisse zugeschnitten, so dass eine ordentliche Erhöhung durchaus gerechtfertigt ist. Ich beantrage, diesen Vorschlag dem E. K. zu überweisen. Der Vorsitzende: Wir legen diesen Vorschlag so aus, dass es dem E. K. überlassen bleibt, selber über eine Erhöhung der Entschädigungen zu entscheiden, wenn die Finanzlage der I. U. solches zulässt. Wahl des Der Vorsitzende: Ich schlage vor, das E. K. wiederum aus je einem Vertreter der skandinavischen, deutschen, französischen Exekutivund englischen Länder zusammenzusetzen. Für die Vertretung der skandinavischen Länder ist Martin Petersen( Dänemark) als Mitglied und Nils Linde( Schweden) als Stellvertreter gemeldet worden. Die Kollegen Petersen und Linde werden einstimmig wiedergewählt. Für die Vertretung der französischen Länder ist der Kollege Hauwaert( Belgien) resp. der Kollege Chiron( Frankreich) gemeldet worden. Der Kollege Devlaemynck, der bisher den Mitgliedsposten innegehabt hat, hat sehr zu unserem Bedauern davon Abstand nehmen müssen, wiederum die Wahl in das E. K. der I. U. anzunehmen, weil er als Sekretär des belgischen Gewerkschaftsbundes beschäftigt ist. Wir bedauern seinen Beschluss sehr, denn wir haben den Kollegen Devlaemynck als einen fleissigen und tüchtigen Mitarbeiter kennengelernt und sprechen ihm für die im Interesse der I. U. erwiesenen Dienste unseren herzlichen Dank aus. Die Kollegen Hauwaert und Chiron werden einstimmig gewählt. Für die Vertretung der deutschen Länder ist der Kollege Tarnow( Deutschland) resp. der Kollege Gross( Österreich) vorgeschlagen worden. Die Kollegen wiedergewählt. Tarnow und Gross werden einstimmig Für die Vertretung der englischen Länder sind die Kollegen Wolstencroft und Gossip gemeldet worden, jedoch beide für den Mitgliedsposten. Wir müssen also abstimmen. Derjenige, der am wenigsten Stimmen erhält, ist sodann als stellvertretendes Mitglied gewählt. Bei der schriftlichen Abstimmung nach der Mitgliederzahl werden 33 Stimmen zugunsten der Kandidatur Wolstencrofts und 22 Stimmen zugunsten der Kandidatur Gossips abgegeben. Drei Enthaltungen. Damit ist das neue Exekutivkomitee aus folgenden Personen zusammengesetzt worden: Deutschland usw. Skandinavien usw. Grossbritannien usw. Frankreich usw. Mitglieder Fr. Tarnow M. Petersen F. Wolstencroft W. Hauwaert Stellvertreter Joh. Gross Nils Linde Alex. Gossip L. Chiron Internationaler Sekretär: C. Woudenberg. komitees. Zusammensetzung d.neuen Exekutivkomitees. 77 Wahl des nächsten Kongressortes. Rede des Vertreters der amerikanischen Bruderschaft. Bezüglich des nächsten Punktes der Tagesordnung wird einstimmig beschlossen, die Wahl des nächsten Kongressortes dem E. K. zu überlassen. Auf Wunsch der Gesamtheit der Delegationen Polens, Ungarns und der Tschechoslowakei verspricht das E. K., Prag in erster Linie in Betracht ziehen zu wollen. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden, die sich auf den für den Nachmittag angesetzten Ausflug beziehen, bekommt der Vertreter der amerikanischen Bruderschaft der Holzarbeiter, der Kollege Wm. L. Hutcheson, das Wort: Hutcheson( Amerika): Wir haben von der Internationalen Union der Holzarbeiter bereits mehrere Briefe über den Anschluss und Angaben über Arbeitsbedingungen usw. erhalten, und die Instanzen unseres Verbandes haben die Angelegenheit eingehend besprochen. Bevor wir jedoch zu einem organisatorischen Anschluss übergehen, möchten wir unsere gegenseitigen Verbindungen einigermassen intimer gestalten. Wir hatten im Jahre 1922 bereits eine Einladung zur Teilnahme am Wiener Kongress erhalten. Wir waren damals leider durch die Abhaltung des amerikanischen Gewerkschaftskongresses daran verhindert, dieser Einladung Folge zu leisten. Im August und September desselben Jahres hat eine Delegation unseres Verbandes Ihrem Exekutivkomitee jedoch einen Besuch abgestattet, den wir noch immer im angenehmsten Andenken haben. Wir haben dem Exekutivkomitee unseres Verbandes damals über unseren Besuch in Europa Bericht erstattet, und das Ergebnis hat das Exekutivkomitee veranlasst, uns mit der Vertretung auf Ihrem jetzigen Kongress zu beauftragen. Wir danken Ihnen für den herzlichen Empfang, den Sie uns haben zuteil werden lassen. Es ist vielleicht im Interesse einer engeren Bekanntschaft, wenn ich hier etwas über die Verhältnisse in Amerika mitteile. Unser Verband besteht zum grössten Teil aus solchen Mitgliedern, die man hier als Bauholzarbeiter bezeichnet. Wir erfassen jedoch auch die anderen Branchen der Holzindustrie. Die Organisationsverhältnisse liegen an sich ganz anders als hier in Europa, denn in Amerika organisieren wir Leute aus aller Herren Länder und mit allen Sprachen. Aus der Eigenart der amerikanischen Verhältnisse folgert auch, dass wir andere Losungen haben als Sie in Europa. Wir machen keinen Unterschied zwischen der Arbeiterklasse und der anderen Klasse. Wir betrachten auch nicht jeden Unternehmer als einen feindlichen Kapitalisten, sondern nur diejenigen, die gegen die Interessen der Arbeiter verstossen. Verschiedene Unternehmer halten ausgezeichnete Verbindungen mit unserem Verband aufrecht, weil sie aus unseren eigenen Reihen hervorgegangen sind. Ein solches Verhältnis besteht in Europa nicht. Bezüglich der Arbeitsbedingungen kann ich Ihnen mitteilen, dass der Beschäftigungsgrad, besonders auf den Bauten, ein recht guter ist. Der durchschnittliche Stundenlohn beträgt im Baugewerbe zwischen 1 und 1,5 Dollar, in den Werkstätten ungefähr 0,75 Dollar. Wir arbeiten 44 Stunden pro Woche, bekommen jedoch für 48 Stunden ausgezahlt. Unser Verband bemüht sich, die Idee der„ Bruderschaft" bei allen Kollegen Eingang finden zu lassen. Alle Menschen sind Brüder und sollen zusammenstehen. Auch wir sind inter78 national veranlagt, denn wir haben Mitglieder in den Vereinigten Staaten, in Kanada und sogar in Mexiko. Die amerikanischen Holzarbeiter bringen deshalb dem Internationalismus und, im engeren Kreis, der Internationalen Union der Holzarbeiter richtiges Verständnis entgegen, und sie sind sicher gewillt, sich der I. U. anzuschliessen, wenn man geneigt wäre, ihnen in Anbetracht ihrer besonderen Lage in bezug auf einige unwesentliche Angelegenheiten entgegenzukommen. Da ich nicht daran zweifle, dass es möglich sein wird, diese Wünsche zu erfüllen, so freue ich mich, Ihnen nicht ein ,, Adieu", sondern ein ,, Auf Wiedersehen" zuzurufen. Der Vorsitzende: Im Namen des Kongresses danke ich dem Kollegen Hutcheson für die brüderlichen Worte, die er hier gesprochen hat. Jedem, der etwas von den internationalen Verbindungen der Arbeiterklasse weiss, ist es bekannt, dass bezüglich des Anschlusses Amerikas an die Arbeiterbewegung Europas einige typische Schwierigkeiten bestehen, die jedoch schnell beseitigt werden können, wenn beide Parteien guten Willens sind. Da hier der gute Wille auf beiden Seiten in gehörigem Ausmass vorhanden ist, so zweifle ich nicht, dass die Vorbedingungen eines baldigen Anschlusses unserer amerikanischen Berufskollegen geschaffen werden. Der Kollege Hutcheson hat über verschiedene Unterschiede in der Struktur und den Ansichten des amerikanischen Verbandes gesprochen. Diese Unterschiede ergeben sich naturgemäss aus der Eigenart unserer Bewegungen. Sie sind jedoch keineswegs so gross, dass sie ein organisatorisches Zusammenarbeiten nicht ermöglichen könnten. Wir werden darum die Beziehungen zum amerikanischen Verband der Holzarbeiter weiterhin pflegen, in der sicheren Erwartung, dass es nunmehr bald zu einem Anschluss kommen wird. In diesem Sinne erwidere ich den Ausdruck des Kollegen Hutcheson ebenso: ,, Nicht Adieu, sondern Auf Wiedersehen!" Internationalen De Roode( Internationales Arbeitsamt): Wenn ich Ihrem Rede des Kongress den besten Dank für die freundliche Einladung und Vertreters des den herzlichen Empfang ausspreche, so sind das nicht leere Arbeitsamtes. Höflichkeitsworte. Wir gedenken immer mit Freude, dass die Holzarbeiter- Internationale eine der ersten Organisationen war, die unserem Amt Hilfe und Zusammenarbeit angedeihen liessen. Diese Hilfe und diese Zusammenarbeit mit den Kreisen der Arbeiterklasse sind für die Entwicklung unseres Amtes unentbehrlich, denn unsere Arbeit, unsere Tätigkeit basiert gänzlich auf der von der Arbeiterklasse gewährten Unterstützung. Die in den verschiedenen Ländern herrschenden Arbeitsbedingungen sind sehr unterschiedlich. Mehrere Verbände gaben sich damals dem Trugschluss hin, dass, als nach dem Kriege günstige Bedingungen erobert wurden, diese eine endgültige Eroberung darstellten, an der nicht gerüttelt werden könnte. Sie glaubten daher, sie brauchten das Internationale Arbeitsamt, sie brauchten die gesetzliche Verankerung der geschaffenen Bedingungen nicht. Als darauf die Weltreaktion einsetzte, fingen diese Arbeiter an, zu verstehen, welche Hilfe das Internationale Arbeitsamt für die Arbeiterklasse darstellt, welche Unterstützung es ihnen im Kampfe zugunsten der Beibehaltung des Achtstundentages, dieses Ecksteins der zu gebärenden neuen Gesellschaft, angedeihen lassen kann. 79 Schluss des Nun sind wir soweit, dass Frankreich kürzlich beschlossen hat, das Achtstundentagabkommen, wenn auch mit einigen Bedingungen, zu ratifizieren. Deutschland macht Anstalten, dasselbe zu tun. Wenn wir erst durch die Machtentfaltung der Arbeiterklasse das Abkommen in allen Parlamenten der Welt durchgesetzt haben, so werden wir eine der Grundlagen für die neue Gesellschaft geschaffen haben. Wie ich schon gesagt habe, basiert unsere Tätigkeit auf der Arbeiterbewegung. Wir sollen Hand in Hand arbeiten. Wenn Ihre Hand stärker wird, so wird auch unsere Stellung im gleichen Massstabe gekräftigt werden. Der Vorsitzende: Wir kommen jetzt zum Schluss dieses Kongresses. Kongresses. Und da muss es mir erstens von der Leber, dass wir wieder einmal zuviel Zeit mit der Behandlung einer Frage verpasst haben, die auf unserem Kongress eigentlich gar nicht mehr hätte aufgeworfen werden dürfen. Es ist hier gesagt worden, dass die Atmosphäre, in der die Debatten stattfanden, eine bessere geworden sei. Ich bin damit einverstanden und spreche die Hoffnung aus, dass auf unserem nächsten Kongress gar nicht mehr über die Angelegenheit gesprochen werden wird. Bei der Berichterstattung an Ihre Instanzen werden Sie sicher nicht unterlassen, auf die Bedeutung unseres Kongresses nicht nur als Verhandlungskongress, sondern auch als Mittel zum festeren Zusammenschluss durch den engeren Verkehr der Delegierten hinzuweisen. In den letzten Jahren haben wir in der gewerkschaftlichen wie in der politischen Arbeiterbewegung mehrere Rückschläge empfunden. Jetzt geht die Kurve jedoch glücklicherweise wieder aufwärts. Die Gewerkschaften sind das notwendigste Brot des Arbeiters. Die Gleichberechtigung aller Menschen ist das erstrebenswerte Endziel. Dieses Ziel kann nicht in wenigen Jahren erreicht werden, doch sollen wir unverzagt und fest zusammengeschlossen aufmarschieren zum neuen Tag. In dieser geschlossenen Kolonne marschieren die Holzarbeiter immer in der Vorhut. So soll es bleiben. Wir müssen arbeiten, damit wir immer stärker werden. Trotz aller Meinungsverschiedenheit war dieser Kongress der Ausdruck von Einigkeit und Kameradschaft. Es lebe die Internationale Union der Holzarbeiter! Der Kongress wird mit einem begeisterten dreifachen Hoch der Delegierten um 1 Uhr nachmittags geschlossen. * * * Rednerliste. Barron Blairvacq 63, 72, 73, 76 Petersen, M. 57 66 Petersen, V. S. 56 Brown 52 Reichmann 55, 74 Chiron 66 De Roode 79 Devlaemynck 51 Spaltman 71 Gossip 61 Svensson 66 Gross 55 Tarnow 51, 53, 54, Hauwaert 52, 57, 75, 76 Horovitz 65 56, 57, 58, 65, 67, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 79, 80 Hutcheson 78 Tomkins .57, 72, 73 Jahn 58 Volan Linde 66 Walop .60, 73, 75 71 Oberti 65. Woudenberg 49, 54, 67 80 Aufgaben und Organisationsform der Internationalen Gewerkschaftsbewegung. Referat von Fritz Tarnow. 81 I. Die kapitalistische Wirtschaft erzeugt mit Naturnotwendigkeit Gegensätze zwischen den Trägern des Kapitals und denen der lebendigen Arbeitskraft. Es ist die natürliche Eigenschaft des Kapitals, aus dem Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel nicht nur Gewinn, sondern möglichst grossen Gewinn zu schlagen. Damit ist untrennbar verbunden die Tendenz, die Arbeitskraft soviel wie möglich auszubeuten. Auch wenn die Arbeiter den Mechanismus des kapitalistischen Systems nicht erkennen, treibt sie doch der natürliche Selbsterhaltungstrieb zur Abwehr gegen die Ausbeutung. So entstehen ganz naturwüchsig in allen Ländern mit kapitalistischer Wirtschaft auf einer gewissen Stufe der Entwicklung gewerkschaftliche Organisationen. Die moderne Gewerkschaftsbewegung ist jedoch dem Stadium der primitiven Abwehr längst entwachsen. Sie begnügt sich nicht mehr damit, die jeweiligen Arbeitsbedingungen möglichst günstig zu gestalten, sondern ist durchdrungen von Erkenntnissen der ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge und Entwicklungsgesetze. Sie weiss, dass die gegenwärtig herrschende Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nicht unveränderlich und endgültig ist, und sie ist fest entschlossen, diese Ordnung so zu ändern, dass die Arbeiter ökonomisch und gesellschaftlich gleichberechtigt mit allen andern Volksschichten sind. Sowohl der Grad dieser Erkenntnis als auch die Beurteilung der Mittel und Methoden, mit denen das kapitalistische System überwunden werden kann, sind in den verschiedenen Ländern bei den Arbeitern nicht einheitlich. Das ist nur natürlich, weil die ökonomische Struktur und die politische, gesellschaftliche und kulturelle Lage nicht in allen Ländern gleich sind. Hiervon hängen aber nicht nur die allgemeinen Auffassungen, sondern auch die Methoden des Kampfes ab. Für das internationale Zusammenarbeiten in der Arbeiterbewegung ist es ausserordentlich wichtig, diese Unterschiede zu erkennen, um sich davor zu bewahren, mit den Augen des eigenen Landes die Bewegungen in den andern Ländern zu beurteilen. Im allgemeinen einheitlich ist die Auffassung, dass das Endziel die Überwindung der kapitalistischen Wirtschaft, die Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und die Herstellung einer sozialistischen Wirtschaft sein muss, in der es keinen Profit und keine Arbeiterausbeutung, noch irgendwelche auf den Besitz begründete Privilegien gibt. Jedoch gehen die Meinungen darüber auseinander, mit welchen Methoden und in welchem Tempo dieses Ziel erreicht werden kann, ins83 besondere, welche Bedeutung dabei der Besitz der politischen Macht haben kann. Daraus ergeben sich wieder zwischen den verschiedenen Ländern unterschiedliche Beziehungen der gewerkschaftlichen zur politischen Arbeiterbewegung. Meist verläuft die Entwicklung so, dass in den Anfängen der Arbeiterbewegung, wenn die ökonomische und politische Alleinherrschaft der Kapitalistenklasse noch unbestritten ist, die Hoffnungen der Arbeiter zuerst und überwiegend auf die politische Befreiung gerichtet sind. In diesem Stadium erscheint es so, als ob die Verwirklichung des Endzieles vornehmlich eine Aufgabe der politischen Bewegung sei, während die Gewerkschaften sich darauf beschränken müssten, bis dahin möglichst günstige Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Die Überwindung der kapitalistischen Wirtschaft wird als eine Aktion betrachtet, die überhaupt erst in Angriff genommen werden kann, wenn zuvor die politische Macht erobert worden, die dann aber auch nicht allzu schwer durchzuführen sei. Das Vordringen der Arbeiterklasse zur politischen Machtstellung ist unverkennbar. In den fortgeschrittenen Ländern gehört die absolut herrschende Stellung der Kapitalistenklasse im Staat der Vergangenheit an; die Grundlagen der Staatsverfassung sind demokratisch geworden, und derjenigen Klasse, die die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert, ist die Anwartschaft auf die politische Macht eröffnet. Wenn trotzdem die Ideen der modernen Arbeiterbewegung den Staatsapparat noch nicht durchdrungen haben, so liegt das nur an der mangelnden Aufklärung der Arbeitermassen, von denen mehr oder weniger grosse Teile immer noch ihren Klassengegnern nachlaufen. Jedoch gibt es auch Länder, wo die Vertreter der sozialistischen Auffassung in den gesetzgebenden Körperschaften bereits einen solch starken Einfluss erlangt haben, dass sie allein oder in Koalition mit anderen Parteien die Regierung übernehmen konnten. Wo die politische Entwicklung bereits so weit fortgeschritten ist, zeigt sich nun aber mit aller Deutlichkeit, dass der Besitz der politischen Macht für die Arbeiter noch nicht die ökonomische Befreiung bedeutet, und dass die kapitalistische Wirtschaftsordnung auch dann nicht plötzlich beseitigt und durch die sozialistische ersetzt werden kann. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass die Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystems nur ein allmählicher Prozess sein kann, in dem nach und nach der Einfluss der Arbeiterklasse auf die Wirtschaftsführung gesteigert wird. Der Besitz der politischen Machtmittel bedeutet nur, dass das Tempo der Entwicklungbeschleunigt werden kann. Indessen ist es notwendig, zu erkennen, dass es nicht erst des Besitzes der gesamten politischen Macht bedarf, um einen Einfluss der Arbeiterklasse auf die Wirtschaft auszuüben. Vielmehr sind die Gewerkschaften bei genügender Stärke in der Lage, durch eine zielbewusste Führung ihrer Aktionen in jedem Stadium der politischen Entwicklung Einfluss auf die Wirtschaft zu erlangen. Die ökonomische Herrschaft des Kapitals äussert sich darin, dass es die alleinige und unbeschränkte Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, die Betriebe und die Wirtschaftsführung besitzt und sich einen grossen Anteil am Arbeitsertrage sichert. Wenn die Gewerkschaften ihre Lohnkämpfe so führen können, dass der Anteil der Arbeiter am Arbeitsertrag nicht nur absolut, 84 sondern auch im Verhältnis zu dem der Kapitalisten steigt, wenn es ihnen weiter gelingt, ein Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im Betrieb zu erkämpfen, so haben sie damit die Alleinherrschaft der Kapitalisten in der Wirtschaft bereits erschüttert. Aus alledem ergibt sich, dass die Arbeiterklasse eines jeden Landes zwar alle Kräfte aufbieten muss, um die politische Macht zu erobern, dass sie aber nicht darauf warten und sich nicht darauf beschränken darf, sondern unablässig bemüht sein muss, im direkten wirtschaftlichen Kampf mit den Machtmitteln der Gewerkschaften die kapitalistische Machtstellung in der Wirtschaft zu verringern. Die Gewerkschaften haben deshalb nicht nur die Aufgabe, jeweils die Arbeitsverhältnisse möglichst günstig zu regeln, sondern sie nehmen darüber hinaus neben der politischen Arbeiterbewegung eine überaus bedeutsame Stellung im Kampf um die Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystems ein. Wie die staatspolitische Alleinherrschaft der Bourgeoisie beseitigt wurde durch das demokratische System in der Politik, so wird auch die Einführung des demokratischen Systems in der Wirtschaft die ökonomische Alleinherrschaft der Kapitalisten beseitigen. Um mit den gewerkschaftlichen Machtmitteln auf diesem Wege vorzudringen, gibt es mannigfache Methoden. Die nächstliegende ist die Erkämpfung des Mitbestimmungsrechts der Arbeiter im Betriebe durch die Entwicklung des Tarifvertragssystems einerseits und des Betriebsrätewesens anderseits. Es muss darauf gedrängt werden, dass die Wirtschaftsführung nicht ausschliesslich als eine private Angelegenheit der Kapitalistenklasse, sondern als solche der Allgemeinheit angesehen und der Staatspolitik mit unterstellt wird. Unter der demokratisch- parlamentarischen Staatsform wird dadurch der Arbeiterklasse der Weg eröffnet, massgebenden Einfluss auf die Wirtschaftsführung zu gewinnen. In einigen fortgeschrittenen Ländern zeigen sich auch schon Anfänge eines besonderen wirtschaftlichen Parlamentarismus. Dies alles liegt in der Richtung zur Demokratisierung der Wirtschaft, die anzustreben eine notwendige Pflicht der Gewerkschaften in allen Ländern ist. Das Verhältnis der gewerkschaftlichen zur politischen Arbeiterbewegung wird in jedem Lande bestimmt durch die geschichtliche Entwicklung der Gesamtarbeiterbewegung, der Staatsform und der ökonomischen Verhältnisse. Da diese in keinem Lande gleichartig sind, sind naturgemäss auch die Verhältnisse der Arbeiterbewegung unterschiedlich. Die Bestimmung darüber muss der Arbeiterklasse eines jeden Landes überlassen bleiben und ist nicht Aufgabe der Internationale. Indem diese aber die Erfahrung jedes Landes allen anderen zugänglich macht, erleichtert sie der Arbeiterklasse eines jeden Landes das Ausfindigmachen der zweckmässigsten Methoden. II. Die gewerkschaftliche Organisationsform hat sich in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich, aber doch zumeist nach gleichartigen Prinzipien entwickelt. Aus vorübergehenden Zusammenschlüssen für einmalige Aktionen haben sich dauernde gewerkschaftliche Verbindungen gebildet. Wo die Organisationen anfangs nur lokalen Charakter hatten, sind sie im Laufe der Zeit zu zentralen Landesorganisationen zusammengefügt worden; kleine Berufsverbände haben sich zu grossen Industrie85 verbänden vereinigt. Wohl in allen Ländern haben sich früher oder später die einzelnen Verbände eine gemeinsame landeszentrale gewerkschaftliche Spitze gegeben, sei es in Form einer Landesorganisation oder eines Landeskomitees. Dieser Konzentration im nationalen Rahmen ist die internationale gefolgt. Unter der geistigen Führung von Karl Marx entstand 1864 die ,, Internationale Arbeiterassociation" als Versuch, die politische und ökonomische Arbeiterbewegung international zu vereinigen. Diese Internationale ging vornehmlich wegen der Schwäche der nationalen Arbeiterbewegung nach weniger als einem Jahrzehnt wieder ein. Im Jahre 1889 wurde durch die Gründung der„, II. Internationale" der Versuch wieder aufgenommen. In jener und der nachfolgenden Zeit stand überall die politische Arbeiterbewegung gegenüber der weniger entwickelten gewerkschaftlichen im Vordergrund; die neue Internationale widmete sich denn auch vorwiegend der Behandlung politischer Fragen und der Organisierung der politischen Arbeiterbewegung. Mit dem Erstarken der Gewerkschaftsbewegung wuchs auch das Bedürfnis nach einer eigenen internationalen Verbindung, zunächst in der Form schriftlichen Verkehrs. Nachdem im Jahre 1901 in Kopenhagen eine unverbindliche Konferenz stattgefunden hatte, wurde im Jahre 1902 in Stuttgart eine internationale Konferenz von Sekretären gewerkschaftlicher Landeszentralen abgehalten, die beschloss, ein dauerndes Internationales Gewerkschaftssekretariat zu errichten. In der Folgezeit wiederholten sich die internationalen Konferenzen der Landessekretäre alle zwei Jahre, auf denen vorwiegend Verwaltungsangelegenheiten besprochen wurden, während Fragen. allgemeiner und theoretischer Natur, auch soweit sie besonders die Gewerkschaften interessierten, den Kongressen der II. Internationale vorbehalten blieben. Die letzte vor dem Kriege stattfindende internationale Konferenz der gewerkschaftlichen Landessekretäre beschloss, das internationale Sekretariat auszubauen und ihm den Namen ,, Internationaler Gewerkschaftsbund" zu geben. Die zahlenmässige Entwicklung der dem Bunde angeschlossenen Gewerkschaften zeigt folgendes Bild: 1904: 14 Landeszentralen mit 2 378 975 Mitgliedern 1905: 14 1906: 14 " 2 849 680 " " دو 99 3 706 425 " 1907: 16 99 4 079.805 1908: 17 وو واو وو 99 4 313 516 " 1909: 20 " 99 5 859 257 " 1910: 20 وو " 6 121 711 99 1911: 19 1912: 19 99 د, 6 900 995 " 99 7 394 461 99 99 Nach Ausbruch des Weltkrieges konnte die Verbindung in der seitherigen Form nicht aufrechterhalten werden. Das Sekretariat des Bundes, dessen Sitz sich in Deutschland befand, errichtete in Amsterdam eine Zweigstelle, die noch einen beschränkten internationalen Verkehr aufrechterhalten konnte. Während des Krieges fanden auch einige internationale Konferenzen statt, an denen jedoch die Vertreter wichtiger am Kriege beteiligter Länder nicht teilnehmen konnten. Bald nach Beendigung des Weltkrieges, im Jahre 1919, wurde in Amsterdam eine internationale Gewerkschaftskonferenz 86 abgehalten, die den Wiederaufbau des Bundes tatkräftig in die Wege leitete. Beschlossen wurde, dass der Sitz des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Amsterdam verbleiben, und dass seine Einrichtungen wesentlich vergrössert werden sollten. An Stelle der früheren Konferenzen der Landessekretäre sollten fortan regelmässig Internationale Gewerkschaftskongresse stattfinden, und es wurden seither solche 1920 in London, 1922 in Rom und 1924 in Wien abgehalten. Nach seiner gegenwärtigen Verfassung setzt sich der Internationale Gewerkschaftsbund aus den gewerkschaftlichen Landeszentralen der einzelnen Länder zusammen, soweit diese die Grundsätze und die Taktik des Internationalen Gewerkschaftsbundes anerkennen. Am Jahresschluss 1923 waren dem Bund 23 Landeszentralen mit 15% Millionen Gewerkschaftsmitgliedern angeschlossen. Neben dieser internationalen Verbindung der gewerkschaftlichen Landeszentralen haben sich schon vor dem Kriege für die verschiedenen Berufe und Industrien internationale Zusammenschlüsse der Gewerkschaften gebildet. Diese zweite Richtung der internationalen Gewerkschaftsorganisation umfasst heute nahezu alle Berufe. Am Ende 1923 zählte man 28 internationale Berufssekretariate mit 14 800 000 Gewerkschaftsmitgliedern in den angeschlossenen Verbänden. Während einerseits dem IGB. Organisationen angeschlossen sind, die einer Berufsinternationale nicht angehören, sind anderseits den Berufsinternationalen auch solche Gewerkschaften angeschlossen, die dem IGB. nicht angehören, weil ihre Landeszentralen dem Bund fernstehen, wie die von Nordamerika und von Norwegen. Von diesen Ausnahmen abgesehen, handelt es sich beim Internationalen Gewerkschaftsbund und den Berufsinternationalen um denselben Kreis von Gewerkschaften. III. Die internationale Gewerkschaftsbewegung ist demnach in zwei Formationen gegliedert: einerseits in der Zusammenfassung der gewerkschaftlichen Landeszentralen im Internationalen Gewerkschaftsbund, anderseits in der Zusammenfassung der einzelnen Gewerkschaften in den Internationalen Berufssekretariaten. Die einzelne nationale Gewerkschaft ist also in der Regel zweifach international organisiert: direkt bei ihrer Berufsinternationale, indirekt durch ihre Landeszentrale beim Internationalen Gewerkschaftsbund. Während sich aus dieser Tatsache für die einzelnen Verbände keinerlei Schwierigkeiten ergeben, ist jedoch die Frage, in welcher organisatorischen Beziehung die Berufsinternationalen zum Internationalen Gewerkschaftsbund stehen sollen, zu einem Problem geworden, das noch nicht völlig geklärt ist. Denkbar sind für die Gesamtbewegung folgende Möglichkeiten der internationalen Organisation: 1. In jedem Lande schliessen sich die Gewerkschaften zu einer Landesorganisation oder Landeszentrale zusammen. Die Landeszentralen schliessen sich zum Internationalen Gewerkschaftsbund zusammen. Daneben verbinden sich die einzelnen Gewerkschaften des gleichen Berufes zu internationalen Berufsorganisationen. Jede internationale Berufsorganisation bildet ein Organisationssystem für sich, ohne direkte organisatorische Eingliederung in den Internationalen Gewerkschaftsbund. 87 2. Die einzelnen nationalen Verbände schliessen sich zu internationalen Berufsorganisationen zusammen. Diese Berufsinternationalen schliessen sich zum Internationalen Gewerkschaftsbund zusammen. Daneben verbinden sich in jedem Lande die Verbände zu einer gewerkschaftlichen Landesorganisation. Diese beschränkt sich auf die Gewerkschaftsfragen ihres Landes und ist dem Internationalen Gewerkschaftsbund organisatorisch nicht eingegliedert. 3. Der Internationale Gewerkschaftsbund wird gemeinschaftlich von den Landeszentralen und den Internationalen Berufssekretariaten gebildet. Die zu 1. bezeichnete Form entspricht derjenigen, die bis zum Wiener Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes ( 1924) bestanden hat. Von Anfang an war die internationale gewerkschaftliche Vereinigung eine Verbindung nur der Landeszentralen. Die internationalen Berufsvereinigungen lebten zwar geistig im Rahmen der durch den Internationalen Gewerkschaftsbund verkörperten gewerkschaftlichen Gesamtbewegung, hatten aber in dessen Organisationssystem keinen besonderen Platz. Allerdings machte sich das Bedürfnis sowohl einer engeren Verbindung der verschiedenen Internationalen Berufssekretariate untereinander, wie zwischen ihnen und der Internationalen Gewerkschaftszentrale schon vor dem Kriege geltend. Deshalb wurden zu der internationalen Konferenz der gewerkschaftlichen Landessekretäre 1913 in Zürich auch die Internationalen Berufssekretäre zur Teilnahme eingeladen. Im Anschluss an diese Konferenz fand auch noch eine besondere Konferenz der Internationalen Berufssekretäre statt, wo im wesentlichen darüber beraten wurde, wie die Geschäfte der Internationalen Berufssekretariate nach möglichst einheitlichen Grundsätzen geführt werden könnten. Auch die weiteren Beziehungen zu den Konferenzen der gewerkschaftlichen Landessekretäre wurden erörtert; jedoch gingen die Meinungen darüber auseinander, ob die Berufssekretäre ständig an diesen Konferenzen teilnehmen sollten. Man hielt die Beteiligung daran wohl für nützlich, wollte sich aber nicht endgültig darauf festlegen. Um zu verstehen, dass die Frage der organisatorischen Eingliederung der Berufssekretariate damals überhaupt nicht von grosser Bedeutung erschien, muss man sich vergegenwärtigen, dass die gesamte internationale Verbindung bis dahin nur einen sehr losen Charakter trug. Anfangs bestand sie nur darin, dass der deutschen Landeszentrale die Aufgabe übertragen wurde, die internationale Verbindung zwischen den Landeszentralen aufrechtzuerhalten. Daneben fanden seit 1901 erst jährlich, später alle zwei Jahre, internationale Konferenzen der Landessekretäre statt. 1903 wurde ein ,, Internationaler Sekretär" ernannt, welche Funktion bis zum Kriege ehrenamtlich von dem Vorsitzenden der deutschen Landeszentrale, Karl Legien, ausgeübt wurde. Als 1913 auf der Konferenz der Landessekretäre beschlossen wurde, der internationalen Verbindung den Namen„, Internationaler Gewerkschaftsbund" zu geben, änderte sich damit nichts an den Einrichtungen. Der seitherige Internationale Sekretär bekam nun die Bezeichnung„ Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes", aber in seiner Person verkörperte sich auch das ganze Präsidium. Auch unter dem neuen Namen hatte der Bund kein besonderes Orga88 nisationsstatut, vielmehr galten nur die Beschlüsse, die nach Bedarf auf den internationalen Konferenzen gefasst wurden. Neben diesen Konferenzen und dem Präsidenten gab es weitere Organisationsinstanzen nicht. Die Beschlüsse, die auf den Konferenzen gefasst wurden, waren allgemeiner Natur und griffen nicht in die selbständige Tätigkeit der angeschlossenen Landesgewerkschaften ein. Die Teilnahme der Internationalen Berufssekretäre an diesen Konferenzen war deshalb für die Gesamtbewegung nur von moralischer, nicht von materieller Bedeutung. Beim Wiederaufbau des Internationalen Gewerkschaftsbundes nach dem Kriege wurde sofort eine festere Organisationsform gewählt. An Stelle der Konferenzen der Landessekretäre wurden Internationale Gewerkschaftskongresse vorgesehen. Für die Aufrechterhaltung der dauernden Verbindung zwischen den Kongressen beschränkte man sich nicht mehr auf einen Sekretär, sondern ausser einem wesentlich vergrösserten Bureau wurden auch ein Vorstand und ein Ausschuss eingesetzt. Der Vorstand besteht aus dem Präsidenten, drei Vizepräsidenten und drei geschäftsführenden Sekretären. Der Ausschuss setzt sich zusammen aus den Mitgliedern des Vorstandes und aus zurzeit elf weiteren Mitgliedern, die auf dem Kongress nach Ländergruppen gewählt werden. Die Einteilung der Ländergruppen wird auf dem Kongress vorgenommen und ist im Statut festgelegt. In diesem Organisationsaufbau waren die Internationalen Berufssekretariate bis zum Wiener Kongress nicht vertreten. Es musste nun aber die Frage auftauchen, ob noch weiterhin die blosse Teilnahme der Internationalen Berufssekretäre an den Kongressen des Internationalen Gewerkschaftsbundes genüge, oder ob nicht vielmehr in der festeren Organisation der Gesamtbewegung auch die Berufsinternationalen eingebaut werden müssten. Die Angelegenheit ist in einer gemeinsamen Sitzung des Vorstandes des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Vertreter der Berufsinternationalen im November 1923 in Amsterdam und in einer weiteren Konferenz der Berufsinternationalen im Juni 1924 in Wien sehr eingehend behandelt worden. Die Amsterdamer Konferenz schloss mit der Annahme folgender provisorischer Beschlüsse, die dem Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes zur Ratifizierung vorgelegt werden sollten: 1. Die Internationalen Berufssekretäre nehmen an den Internationalen Gewerkschaftskongressen als Gäste teil; sie können sich an den Debatten mit beratender Stimme beteiligen. 2. Alle zwei Jahre hält das Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes eine zweitägige Konferenz mit den Internationalen Berufssekretären ab. Die Konferenz findet vor Abhaltung des Zweijahrskongresses des Internationalen Gewerkschaftsbundes statt. Die Konferenz wird hauptsächlich über folgende Materien beraten: a) Auf welche Weise können die Beziehungen mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund gestärkt werden, und welche Veränderungen sind im Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung in den verschiedenen Ländern oder aus anderen Gründen hinsichtlich der organisatorischen Beziehungen vorzunehmen? 89 b) Die Durchführung der Kongressbeschlüsse des Internationalen Gewerkschaftsbundes. c) Auf welche Weise die Presse der Internationalen Berufssekretariate unter Beihilfe oder Mitwirkung des Internationalen Gewerkschaftsbundes verbessert und ausgebaut werden kann. Schwierigkeiten, die in der Periode zwischen den beiden Konferenzen entstehen, sind vom Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu regeln. 3. Die Konferenz wählt eine aus drei Vertretern der Internationalen Berufssekretariate zusammengesetzte Kommission. Diese drei Mitglieder vertreten die Internationalen Berufssekretariate im Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Sie nehmen an den Verhandlungen mit beschliessender Stimme teil. 4. Die Internationalen Berufssekretariate verpflichten sich, in allgemeinen Fragen, die über das Gebiet der besonderen Berufsinteressen hinausgehen, sowie in speziellen, die Interessen der anderen Gewerkschaftsorganisationen betreffenden Fragen ohne vorherige Beratung mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes oder zum mindesten mit dem Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes keine endgültigen Beschlüsse zu fassen. 5. Als Grundsatz gilt, dass einem Internationalen Berufssekretariat nur Organisationen angehören können: a) die ihrer Landeszentrale angeschlossen sind, die ihrerseits dem Internationalen Gewerkschaftsbund geschlossen ist; anb) die in keinerlei Weise einer anderen Internationale angeschlossen sind( z. B. Organisationen des Norwegischen Gewerkschaftsbundes, der keiner der bestehenden Internationalen angehört); c) die einer dem Internationalen Gewerkschaftsbund nicht angeschlossenen Landeszentrale angehören, vorausgesetzt jedoch, dass diese keinen Kampf gegen den Internationalen Gewerkschaftsbund führt( z. B. Organisationen, die der American Federation of Labor angeschlossen sind); d) die nicht ihrer Landeszentrale angeschlossen sind, die ihrerseits einer Gewerkschaftsinternationale angehört, die im Gegensatz zum Internationalen Gewerkschaftsbund steht. Die Wiener Konferenz modifizierte die Stellungnahme um etwas und nahm folgende Entschliessung an: Internationaler Gewerkschaftsbund und Berufssekretariate. 90 Die Konferenz der Internationalen Berufssekretariate vom 31. Mai und 1. Juni 1924 erklärt, dass als einzige Internationale aller Gewerkschaften ausschliesslich der Internationale Gewerkschaftsbund in Amsterdam anerkannt wird. Die Beschlüsse der Konferenz des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Internationalen Berufssekretariate vom 9. und 10. November 1923 werden als organisatorische Richtlinien anerkannt. Sollten Internationale Berufssekretariate in die Notwendigkeit versetzt werden, von diesen Regeln abzuweichen, so sind sie gebeten, sich zuvor mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes oder wenigstens mit einer Konferenz zwischen dem Bureau des Internationalen Ge werkschaftsbundes und den drei Vertretern der Internationalen Berufssekretariate in Verbindung zu setzen. Der Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes selbst bestätigte diese Entschliessung und nahm dazu noch folgende Erklärung an: Die Vertreter der Internationalen Berufssekretariate erklären, dass sie die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund als nötig erachten und deshalb dem Passus: ,, Sollten Internationale Berufssekretariate in die Notwendigkeit versetzt werden, von diesen Regeln abzuweichen, so sind sie gebeten, sich zuvor mit dem Vorstande des Internationalen Gewerkschaftsbundes oder wenigstens mit einer Konferenz zwischen dem Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes und den drei Vertretern der Internationalen Berufssekrteariate in Verbindung zu setzen", im Sinne des Absatzes 4 der Richtlinien für die Internationalen Berufssekretariate zustimmen. ( Absatz 4 lautet wie folgt: Die Internationalen Berufssekretariate verpflichten sich, in allgemeinen Fragen, die über das Gebiet der besonderen Berufsinteressen hinausgehen, sowie in speziellen, die Interessen der anderen Gewerkschaftsorganisationen betreffenden Fragen, ohne vorherige Beratung mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes oder zum mindesten mit dem Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes keine endgültigen Beschlüsse zu fassen.) Entsprechend diesen Beschlüssen wurde das Statut des Internationalen Gewerkschaftsbundes dahingehend erweitert, dass zum Ausschuss auch drei Vertreter von Internationalen Sekretariaten gehören sollen. Gewählt wurden in Wien je ein Vertreter der Bergarbeiter-, Transportarbeiter- und Privatangestellten- Internationale. IV. Man wird leicht erkennen, dass diese Lösung ein Kompromiss ist, was noch deutlicher wird bei Berücksichtigung der Debatten, die dabei geführt wurden. Zwei Auffassungen standen sich gegenüber. Die eine wollte an dem gegenwärtigen Organisationsaufbau, wonach der Internationale Gewerkschaftsbund ausschliesslich eine Zusammenfassung der gewerkschaftlichen Landeszentralen darstellt, nichts geändert wissen. Die zweite wollte, auch wenn sie nicht immer ganz deutlich ausgedrückt wurde, grundsätzlich diesen Zustand völlig beseitigen und einen ganz neuen Aufbau des Internationalen Gewerkschaftsbundes ausschliesslich auf der Basis der Berufsinternationalen in die Wege leiten. Sofern dies nicht sofort erreicht werden konnte, wollte man mindestens die Gleichberechtigung zwischen Landeszentralen und Berufsinternationalen herbeigeführt sehen. Wie man sieht, liegt das Ergebnis weit hinter diesen Wünschen zurück. Die Berufsinternationalen erhalten im Internationalen Gewerkschaftsbund drei Sitze neben 18 durch die Landeszentralen bestimmten. Anderseits ist aber auch der Grundsatz, dass nur die Landeszentralen den Internationalen Gewerkschaftsbund bilden, durchbrochen. Das Ergebnis hat deswegen nach beiden Seiten hin nicht befriedigt, und es ist wahrscheinlich, dass diese Lösung noch nicht endgültig ist. 91 Um die Auffassungen, die hinter der Forderung nach einer Organisationsänderung stehen, richtig erkennen zu können, muss man sie dort verfolgen, wo sie am deutlichsten zum Ausdruck gebracht werden. Das ist zweifellos der Fall bei Edo Fimmen, dem Sekretär der Internationalen TransportarbeiterFöderation, der der hauptsächlichste Wortführer für diejenige Richtung ist, die einen Umbau des Internationalen Gewerkschaftsbundes anstrebt. In einer 1924 veröffentlichten Schrift ,, Vereinigte Staaten Europas oder Europa- A.- G." hat er die Gründe für dieses Verlangen dargelegt. Die Schrift dient zunächst dem Nachweis, dass sich weltwirtschaftlich und weltpolitisch eine ungeheure Konzentration des Kapitals vollzogen hat, so dass heute die Kapitalisten mit Ausschaltung nationaler Gegensätze einen fest geschlossenen internationalen Block bildeten. Dieser Entwicklung seien aber die Arbeiterorganisationen nicht gefolgt. Sie legten immer noch das Schwergewicht auf die nationale Gliederung der Organisationen, und ihre Kämpfe führten sie immer noch fast ausschliesslich im nationalen Rahmen. Dazu sagt Fimmen, ,, dass der im engen nationalen Rahmen geführte Kampf seine Bedeutung immer mehr verliert, unzulänglich wird, zu nutzlosem Verpuffen von Kräften und Energie führt, dass das gemeinsame internationale Vorgehen auch im direkten wirtschaftlichen Kampf unabweisbar wird, und dass sich zu diesem Zweck in erster Linie die Arbeiter industrieweise in internationalen Berufssekretariaten vereinigen und diese wieder in engsten Kontakt unter sich gebracht werden müssen“. Die Entwicklung vom lokalen zum nationalen Kapitalismus, sagt Fimmen, habe die Gewerkschaften gezwungen, von der lokalen zur nationalen Organisation überzugehen. Die Weiterentwicklung vom nationalen zum internationalen Kapitalismus, die bereits vollzogen sei, werde die Gewerkschaften ebenso zwingen, von der nationalen zur internationalen Organisationsform überzugehen. Wie die lokalen Gewerkschaften eine überlebte Organisationsform seien, so würden auch die nationalen Gewerkschaften bald der Vergangenheit angehören. Heute schon sei es so, dass beispielsweise an der deutsch- französischen Grenze ein Kampf der Bergarbeiter oder Metallarbeiter diesseits oder jenseits der Grenze nicht mehr Angelegenheit nur der Arbeiter eines der beiden Länder sei: 92 ,, Das bedeutet ferner, dass in letzter Instanz nicht länger der deutsche Metallarbeiter- Verband oder der französische Metallarbeiter- Verband, nicht mehr der deutsche BergarbeiterVerband oder der französische Berg arbeiter- Verband die Organisationen sind, die über Ausbruch oder Nichtausbruch eines Kampfes und über die Weise, wie dieser zu führen ist, zu entscheiden haben, sondern die höhere Instanz, der beide unterworfen sind: die Internationale der Bergarbeiter. Damit erlangen die Träger dieses internationalen Kampfes, die Internationalen Berufssekretariate, eine immer grösser werdende Bedeutung gegenüber den Landeszentralen, denn wie in der Periode der Ausbreitung des Kapitalismus in nationaler Richtung die Leitung des wirtschaftlichen Kampfes von den örtlichen Gewerkschaften in die Hände der Landesorganisationen überging, so wird- im Interesse der Arbeiterklasse aller Länder in der Kampfperiode, die mit - - dem Weltkrieg und seiner Beendigung begonnen hat, die Leitung aus den Händen der Landesorganisationen in die Hände der Internationalen Berufssekretariate übergehen müssen, und wie in der erstgenannten Periode die Bedeutung der Zusammenfassung örtlicher Organisationen, der lokale Gewerkschaftsbund, gegenüber den Landesgewerkschaften in den Hintergrund trat, so wird auch der Einfluss der Landeszentralen als Zusammenfassung der Gewerkschaften eines bestimmten Landes hinter den Einfluss der Internationalen Berufssekretariate rücken, und das Aufgabengebiet der Landeszentralen wird sich mehr und mehr national auf dieselben Verwaltungsdienste beschränken, die heute lokal die Ortskartelle verrichten." Allerdings erkennt Fimmen, dass die Internationalen Berufssekretariate in ihrer gegenwärtigen Gestalt noch weit davon entfernt sind, eine solche Rolle übernehmen zu können. Sie müssten deshalb die heutige Form aufgeben und sich in internationale Industrieorganisationen umwandeln. Die internationale Entwicklung des Kapitalismus werde zwangsläufig diese Umwandlung herbeiführen. Gibt es aber keine national abgegrenzten Gewerkschaften mehr, so werden auch die gewerkschaftlichen Landeszentralen ihre Bedeutung für die internationale Verbindung verloren haben. Sie werden dann nur noch nationale Gewerkschaftsangelegenheiten zu behandeln haben. Als Fundament für den Internationalen Gewerkschaftsbund werden sie dann aber durch die internationalen Industrieorganisationen ersetzt werden müssen. ,, Das bedeutet zugleich, dass in dieser neuen Periode die Internationalen Berufssekretariate international dasselbe werden tun müssen, was die Landesgewerkschaften national durch den Zusammenschluss in eine Landeszentrale verwirklicht haben, nämlich: sich international zusammenschliessen zu einer Internationalen Gewerkschaftszentrale, mit anderen Worten: die heutige Gewerkschaftszentrale, die aus einer Zusammenfassung der gewerkschaftlichen Landeszentralen besteht, durch eine Internationale der Internationalen Berufssekretariate zu ersetzen. Organisatorisch fällt der heutige Internationale Gewerkschaftsbund aus der Zeit." Fimmen weiss, dass seine Pläne in absehbarer Zeit kaum Aussicht auf Verwirklichung haben. Für eine Übergangszeit würde er sich deshalb auch mit einem Kompromiss abfinden. ,, Das setzt aber voraus," sagt er ,,, dass dann die Internationalen Berufssekretariate mit den nationalen Gewerkschaftszentralen vollkommen gleichgestellt und mit gleichen Rechten ausgestattet werden." Jedoch zieht Fimmen auch schon in Erwägung, statt des Versuchs einer Reform des heutigen Internationalen Gewerkschaftsbundes diesen seinem Schicksal zu überlassen und kurzerhand eine neue Gewerkschaftsinternationale auf der Grundlage der Berufsinternationalen zu errichten: ,, Persönlich meine ich diese Frage, wenigstens im Augenblick, noch verneinend beantworten zu müssen. Eine dritte Gewerkschaftsinternationale neben den beiden bereits bestehenden... würde die schon ausserordentlich grosse Verwirrung noch vermehren. Die Frage, ob früher oder später doch noch eine engere feste und bleibende Zusammenschliessung der Berufssekretariate neben und ausserhalb der bestehenden Gewerkschaftsinternationalen zustande kommen 93 wird, hängt aber nicht zuletzt von der Haltung ab, die diese selbst einnehmen." Das letzte ist eine unverhüllte Drohung gegen den Internationalen Gewerkschaftsbund, die ebenso eigenartig wie unverständlich ist. Die einfachste Logik der Dinge ist doch die: Es sind dieselben Gewerkschaften, aus denen sich sowohl der Internationale Gewerkschaftsbund wie die Berufsinternationalen zusammensetzen; erklärt sich die Mehrheit dieser Verbände für eine Reorganisation im Sinne des Fimmenschen Planes, so werden sie das im Internationalen Gewerkschaftsbund durchsetzen; erklärt sich die Mehrheit dagegen, so kann ein solcher Plan aber auch bei den Berufsinternationalen nicht durchgesetzt werden. Der Plan könnte also höchstens darauf hinauslaufen, dass eine Minderheit vom Internationalen Gewerkschaftsbund sich abspalten würde, um eine neue Internationale zu errichten. Indessen ist es wiederum ganz unwahrscheinlich, dass nur der Organisationsform wegen eine Spaltung des Internationalen Gewerkschaftsbundes eintreten könnte. Warum also die Drohung? Wir beschäftigen uns mit den Ausführungen Fimmens nicht, um mit seiner Person zu polemisieren, sondern nur, um die Grundgedanken der Organisationspläne, wie sie von einer bestimmten Richtung im Internationalen Gewerkschaftsbund propagiert werden, kennenzulernen. Welche Bedeutung haben nun die Argumente, die für den Umbau des Internationalen Gewerkschaftsbundes geltend gemacht werden? Nichts wäre lächerlicher, als die zunehmende Konzentration und Internationalisierung des Kapitals bestreiten zu wollen. Dennoch muss man sich, wenn vom„, internationalen Einheitsinteresse des Kapitals" die Rede ist, vor Übertreibungen hüten. Friedrich Engels hat vor Jahrzehnten einmal seinen Spott ausgegossen über die gedankenlose Phrase von der ,, einen reaktionären Masse der Bourgeoisie", die vielmehr bei aller Klassengemeinschaft doch unter sich zahlreiche Gegensätze aufweise. Nicht anders ist es heute noch mit den Kapitalisten. Sind es nicht die Gegensätze zwischen den Kapitalisten der verschiedenen Nationen, die uns immer wieder vor der Möglichkeit neuer Kriege erzittern lassen? Ist der Imperialismus etwas anderes als ein nationales Kapitalisteninteresse, das sich rücksichtslos gegen die Kapitalisten anderer Nationen richtet? Eine völlige Harmonie zwischen den amerikanischen und den europäischen, zwischen den englischen, deutschen, französischen usw. Kapitalisten existiert ebensowenig, wie die völlige Interesseneinheit zwischen dem industriellen, kommerziellen und finanziellen Kapital irgendeines Landes. Die Klassensolidarität der Kapitalisten hört da auf, wo der Wunsch beginnt, der konkurrierende Klassengenosse möge zur Hölle fahren, und dieser Wunsch ist bei jedem Kapitalisten jederzeit gegen irgendwelche andere Kapitalisten vorhanden. Es lässt sich einwenden, dass solche Gegensätze unter den Kapitalisten wohl vorhanden sind, dass aber national und international die volle Solidarität zwischen ihnen stets vorhanden sei, wenn es sich um einen Kampf gegen die Arbeiter handele. Aber auch diese Auffassung ist nur sehr bedingt richtig. Die Interesseneinheit ist in der Regel vorhanden, wenn es sich um die Behandlung allgemeiner Arbeiterfragen handelt, wie z. B. der sozialen Gesetzgebung. Wo es sich aber um die Regelung 94 der besonderen Arbeitsbedingungen dieser oder jener Arbeitergruppe handelt, ist das Interesse der gesamten Unternehmerklasse durchaus nicht immer einheitlich. Am ehesten mag das Einheitsinteresse noch anzutreffen sein bei der Unternehmerklasse eines und desselben Landes, denn jede Gruppe weiss, dass ein Erfolg der Arbeiter eines Industriezweiges zu ähnlichen Folgerungen für andere Industrien führen kann. Im internationalen Massstabe liegen aber die Dinge vielfach ganz anders. Gerät eine Unternehmergruppe eines Landes durch den gewerkschaftlichen Angriff der Arbeiter in Bedrängnis, so ist das sehr häufig der konkurrierende Unternehmergruppe in den anderen Ländern höchst willkommen. Was in aller Welt sollte etwa die englischen Pianofabrikanten, die sich von der billigen Konkurrenz der deutschen Fabrikate erdrückt fühlen, veranlassen, ihren deutschen Konkurrenten zur Hilfe zu eilen, wenn diese einem Kampf um höhere Löhne ausgesetzt sind? Viel näher liegt die Annahme, dass die englischen Fabrikanten heisse Gebete zum Himmel senden und dessen Segen für den Erfolg der deutschen Arbeiter erflehen. Vor kurzem haben sich die englischen Werftkapitalisten gewaltig darüber erbost, dass ihnen ein grosser Schiffsbauauftrag von den deutschen Werften durch Preisunterbietung vor der Nase weggeschnappt wurde. Glaubt jemand, diese englischen Werftbesitzer würden sich mit ihren deutschen Konkurrenten solidarisch erklären, wenn die deutschen Werftarbeiter den Kampf um höhere Löhne aufnähmen? Bei diesen Betrachtungen wird der Irrtum erkennbar, als ob gewerkschaftliche Kämpfe im nationalen Rahmen erfolglos bleiben müssten und nur noch im internationalen Massstabe siegreich geführt werden könnten. Für die meisten gewerkschaftlichen Kämpfe wäre es in bezug auf den Erfolg gänzlich belanglos, wenn die Arbeiter in den gleichartigen Industrien des Auslandes ihnen zuliebe ebenfalls Streiks entfesseln wollten. Wenn etwa die deutschen Bauarbeiter oder die schwedischen Elektrizitätsarbeiter oder die englischen Buchdrucker in den Ausstand träten, so würden es deren Unternehmer weniger als einen Mückenstich empfinden, wenn die Arbeiter der gleichen Berufe selbst auf der ganzen Welt in einen Solidaritätsstreik eintreten wollten. Gewiss gibt es Fälle, wo solche solidarischen Aktionen im Ausland von Nutzen sein können. Aber diese Fälle sind seltener, als mancher anzunehmen geneigt ist, und vielleicht weniger häufig als diejenigen, bei denen dem bestreikten Kapitalisten nur die Sorge um den Verlust seiner Kundschaft abgenommen wird, wenn gleichzeitig auch die ausländische Konkurrenz mit unter Feuer genommen wird. V. Für den gewerkschaftlichen Kampf, wie er heute üblich ist, treffen die Argumente, mit denen der Umbau der Gewerkschaftsinternationale begründet wird, keineswegs zu. Es ist aber erforderlich zu wissen, dass Fimmen diese Gewerkschaftsarbeit überhaupt nicht sehr hoch einschätzt. Er hält wohl den Kampf um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen immerhin für nicht überflüssig, aber doch für nebensächlich gegenüber den grösseren Zielen, für die die Aktivität der Gewerkschaften mobilisiert werden müsse: ,, Der Lohnkampf, der Kampf um Verbesserung der Bedingungen im allgemeinen ist notwendig und wird es bleiben, 95 um dafür zu sorgen, dass das Lebensniveau der Arbeiter nicht herabgedrückt wird. Es wäre jedoch ein Fehler, für diesen Kampf mehr Aufmerksamkeit und Energie aufzuwenden, als unbedingt erforderlich ist. Eine der wichtigsten Aufgaben des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der ihm angeschlossenen Organisationen ist, den Arbeitern unbedingt deutlich zu machen, dass jedem Lohnkampf und jedem Einzelkampf zur Verbesserung der Lebensbedingungen im derzeitigen kapitalistischen Regime nur ein relativer Wert zukommt und zukommen kann. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, die Arbeiter aller Länder mit der Wahrheit zu durchdringen, dass sie ihre Kraft, ihre finanziellen Mittel, ihre Organisation, ihre wirtschaftliche Macht national und international anzuwenden haben für grosse Aufgaben zur Bekämpfung des Militarismus, Kapitalismus und Imperialismus. - Internationale Organisation und internationaler Kampf sind aber noch ungleich notwendiger, wenn die Arbeiterklasse das höhere Ziel. das in letzter Instanz die Aufgabe der heutigen Gewerkschaftsbewegung ist erreichen will: Zertrümmerung des Kapitalismus, die Weltrevolution und hierdurch die Aufrichtung des Sozialismus." So steht hinter der Forderung nach einem Umbau der gewerkschaftlichen Internationale der Vorschlag einer Weltrevolution durch die Gewerkschaften. Ob für diesen Zweck die Organisationsänderung tatsächlich notwendig oder zweckmässig ist, mag dahingestellt bleiben. Ehe man aber den im Internationalen Gewerkschaftsbund vereinigten Gewerkschaften zumuten kann, die organisatorischen Vorbereitungen für die Weltrevolution zu treffen, müsste doch wohl zunächst die Frage geklärt werden, ob sie denn überhaupt bereit sind, eine solche Aktion zu unternehmen. Es bedarf jedoch keiner eingehenden Untersuchung, um erkennen zu können, dass die überwältigende Mehrheit der Gewerkschaften den Plan einer Weltrevolution für einen phantasievollen Unsinn ansieht. Nicht, als ob sie irgend etwas zu unterlassen geneigt wären, was den baldigen Sturz der kapitalistischen Wirtschaft und die Verwirklichung des Sozialismus herbeizuführen geeignet sein könnte. Sie sind aber der Meinung, dass dem Fortschritt der Arbeiterbewegung und dem ernsthaften Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung nichts gefährlicher ist als die Zermürbung der Kräfte in einer kindlichen Weltrevolutionsspielerei. Es wäre müssig, über diesen Gegenstand an dieser Stelle noch mehr zu sagen. Indessen, selbst wer das Mittel zur endgültigen Befreiung der Arbeiterklasse nur in der Organisierung einer Weltrevolution sieht, wird sich doch der Einsicht nicht verschliessen können, dass man die internationale Arbeiterschaft zuvor für diese Idee gewinnen muss, ehe man von ihr erwarten kann, einer Organisationsänderung für diesen Zweck zuzustimmen. Die Organisationsform muss deshalb ganz losgelöst von dieser Idee und ausschliesslich unter Berücksichtigung derjenigen gewerkschaftlichen Aufgaben, die als solche in der Gewerkschaftsbewegung heute tatsächlich anerkannt werden, betrachtet werden. Dass es für den gewerkschaftlichen Lohnkampf keineswegs erforderlich ist, auf Kämpfe im nationalen Rahmen zu verzichten und ausschliesslich zu solchen im internationalen Rahmen über96 zugehen, ist bereits gesagt. Wie sieht es aber überhaupt mit den Möglichkeiten eines Internationalen Industrieverbandes aus? Es ist richtig, dass die Entwicklung in den einzelnen Ländern von der lokalen zur zentralen Gewerkschaft geführt hat. Wo ein Zentralverband besteht, ist die örtliche Verwaltungsstelle der Selbständigkeit entkleidet und unterliegt in ihrer gesamten Tätigkeit den Anweisungen und der Kontrolle der Zentrale. In den meisten Ländern war diese Entwicklung begleitet von heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der zentralen und denen der dezentralen Organisationsform. Dieser Meinungsstreit ist auch noch keineswegs überall beendet, und in manchen Ländern haben trotz der zentralen Organisation die örtlichen Gewerkschaften noch eine sehr weitgehende Autonomie. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, dass in allen Ländern der Zug der Entwicklung zum Zentralismus führt. Aus der Zwangsläufigkeit, mit der diese Entwicklung sich überall vollzieht, wird gefolgert, dass im weiteren Verlauf ebenso zwangsläufig der Übergang vom nationalen zum internationalen Zentralismus kommen müsste, das heisst die Schaffung von internationalen Industrieverbänden, wobei dann die jetzige nationale Zentralgewerkschaft zur internationalen Zentralorganisation in das gleiche Verhältnis kommen würde wie heute die örtliche Verwaltungsstelle zur Zentrale der nationalen Gewerkschaften. Wer einigermassen mit der gewerkschaftlichen Praxis vertraut ist, wird diese Schlussfolgerung sehr skeptisch betrachten. Selbst wenn man annehmen wollte, dass in absehbarer Zeit die weltwirtschaftliche Einheit ebenso vollkommen sein wird wie gegenwärtig die volkswirtschaftliche Einheit in den einzelnen Ländern eine Annahme, die heute und in absehbarer Zeit offensichtlich den Tatsachen mindestens weit vorauseilt wird man sofort erkennen, dass für die Gewerkschaftsorganisation der Übergang zum internationalen Zentralismus etwas ganz anderes bedeutet als der zum nationalen Zentralismus. Wo örtliche Gewerkschaftsverbände landeszentral vereinigt wurden, lagen sie innerhalb des gleichen Landes, des gleichen Sprachgebietes, der gleichen Volkskultur, der gleichen Stufe der ökonomischen Entwicklung, der gleichen politischen Verfassung, der gleichen Gesetzgebung usw. Man braucht sich aber nur vorzustellen, wie unterschiedlich alle diese Verhältnisse international liegen, und wie unterschiedlich deshalb heute notgedrungen die gewerkschaftlichen Einrichtungen und Methoden sind, um sofort einen Begriff davon zu bekommen, mit welchen ungeheuren Schwierigkeiten eine internationale Einheitsorganisation zu kämpfen hätte. Noch ist die internationale Gewerkschaftsbewegung nicht einmal so weit gekommen, dass auch nur die führenden Gewerkschafter in einem Lande sich einigermassen ausreichende Vorstellungen von den ökonomischen, sozialen, politischen und gesetzlichen Verhältnissen in den anderen Ländern machen könnten. In welch einer grotesken Lage würde sich eine internationale Verbandsleitung befinden, die die praktische Gewerkschaftsarbeit, die Kampftaktik und die Administration für alle Länder leiten oder auch nur kontrollieren müsste! Wollte man im Ernst einen solchen Plan verwirklichen, könnte dabei gar nichts anderes herauskommen als lediglich die Fiktion einer internationalen Zentralleitung, während in 97. Wirklichkeit die einzelnen Landessektionen völlige Autonomie haben würden. Man könnte an den Ausweg denken, diese Autonomie in bezug auf die Administration, die Propagandatätigkeit und schliesslich auch noch für kleinere Lohnkämpfe von vornherein vorzusehen und die Funktionen der internationalen Zentralleitung auf die Organisierung und Führung internationaler oder nationaler Aktionen von grösserer Bedeutung zu beschränken. Indessen würde es, wenn man das wollte, einer grundsätzlichen Änderung des gegenwärtigen Organisationssystems überhaupt nicht bedürfen, sondern es genügte, die Berufsinternationalen entsprechend auszubauen und alle angeschlossenen Landesorganisationen zu verpflichten, einen wesentlich höheren Beitrag an das Internationale Berufssekretariat abzuführen. Wir selber halten nichts von einer solchen Erweiterung des Aufgabengebietes der Internationalen Berufssekretariate, weil wir die Notwendigkeit oder auch nur die Zweckmässigkeit internationaler gewerkschaftlicher Lohnkämpfe im allgemeinen nicht anerkennen können. Wir sind vielmehr der Meinung, dass auch dem internationalen gewerkschaftlichen Gesamtinteresse am besten gedient ist, wenn die Gewerkschaften eines jeden Landes mit eigener finanzieller und moralischer Verantwortlichkeit nach bestem Können in ihrem Lande ihre gewerkschaftliche Pflicht erfüllen. Durch unsere Stellungnahme, von der wir überzeugt sind, dass sie in unserer eigenen Berufsinternationale ziemlich restlos gebilligt wird, brauchen sich aber andere Berufsinternationalen durchaus nicht beeinflussen lassen. Wenn für die eine oder die andere Industrie die Verhältnisse anders liegen, wird niemand den betreffenden Organisationen verwehren können, daraus andere Schlussfolgerungen zu ziehen. Ebensowenig wie der nationale Zentralismus gleichzeitig in allen Ländern gekommen ist, wäre es erforderlich, wenn schon die Entwicklung zu internationalen Industrieverbänden dazu führen müsste, dass diese Verbände gleichzeitig auf der ganzen Linie entstehen. Wenn beispielsweise die Internationale Transportarbeiter- Föderation, deren Sekretär Fimmen ist, zu der Meinung kommen sollte, dass für dieses Gewerbe die Verschmelzung der nationalen Verbände zu einem internationalen Einheitsverband zweckmässig ist, so mögen sie eine solche Umwandlung ruhig vornehmen und sich eine zentrale Leitung und Kassenführung schaffen. Ein solches Beispiel wäre sogar recht nützlich für alle Gewerkschaften, da praktische Erfahrungen in der Regel wertvoller sind als theoretische Überlegungen. Uns will allerdings scheinen, als ob selbst bei den Gewerkschaften, die theoretisch für die neue Organisationsform starke Sympathie äussern, auf eine praktische Nutzanwendung in absehbarer Zeit nicht zu rechnen sein wird. Man kann mit aller Bestimmtheit aussprechen, dass für die Gründung von internationalen Industrieverbänden in absehbarer Zeit nicht eine Spur von Wahrscheinlichkeit vorhanden ist. Diese Feststellung ist entscheidend für die ganze Organisationsfrage, denn man wird sich erinnern, dass der Grundgedanke der vorgeschlagenen Reform darin besteht, dass an Stelle der Landeszentrale die zu schaffenden internationalen Industrieverbände den Unterbau des Internationalen Gewerkschaftsbundes darstellen sollen. Im Gegensatz zu den propagierten internationalen Industrieverbänden sind die Landeszentralen heute eine reale Tatsache, 98 und sie haben sich bisher auch als tragfähige Stützen des Gebäudes des Internationalen Gewerkschaftsbundes bewährt. Niemand wird auf den törichten Gedanken kommen, sie entfernen zu wollen, bevor die neuen Träger da sind. Für die weiteren Betrachtungen müssen deshalb die Berufsinternationalen so genommen werden, wie sie heute tatsächlich vorhanden sind, nicht aber so, wie sie eine kühne Phantasie in einer nebelhaften Zukunft, die ausserhalb der historischen Reichweite liegt, für möglich hält. - Es bliebe dann noch zu untersuchen, inwieweit sich nicht als Ersatz für die Landeszentralen, sondern neben diesen die internationalen Berufssekretariate in ihrer gegenwärtigen Gestalt als Fundament für den Aufbau des Internationalen Gewerkschaftsbundes eignen. Die Beantwortung dieser Frage wird mit davon abhängen, welche Funktionen den verschiedenen Gewerkschaftsformationen, die im Internationalen Gewerkschaftsbund zu vereinigen sind, beigemessen werden. In den einzelnen Ländern, wo die zentralen Einzelgewerkschaften eine allgemeine gewerkschaftliche Landeszentrale errichtet haben, ergibt sich die Verteilung der beiderseitigen Funktionen von selbst. Die Landeszentrale wird alle diejenigen Aufgaben übernehmen, die allgemeiner Natur sind; dazu gehören insbesondere die Sozial- und Wirtschaftspolitik, die Einflussnahme auf die Gesetzgebung und die Parlamente, die Vorbereitung der Wahlen zu Einrichtungen der sozialen Versicherung usw. Innerhalb der Gewerkschaftsbewegung können gewisse Zweige der Verwaltung, der Propaganda und des gewerkschaftlichen Bildungswesens der Zentrale unterstellt werden. Dem Einzelverbande verbleiben neben der unmittelbaren Verwaltung der eigenen Organisation und der speziellen Propaganda unter den Berufsangehörigen vornehmlich die Aufgaben, die mit der direkten Regelung der Arbeitsverhältnisse zusammenhängen. Im internationalen Massstabe fallen dem Internationalen Gewerkschaftsbund genau die gleichen allgemeinen Aufgaben zu, die national von den Landeszentralen zu erledigen sind. Dagegen liegt es auf der Hand, dass die internationalen Berufssekretariate nicht ebenso die gleichen Aufgaben übernehmen können wie in den einzelnen Ländern die Einzelgewerkschaften, weder in bezug auf die Administration noch der Lohnkämpfe. Das Verhältnis der internationalen Berufssekretariate zum Internationalen Gewerkschaftsbund kann deswegen nicht einfach gleichgestellt werden dem Verhältnis der Einzelgewerkschaften zur Landeszentrale. Die Landeszentralen sind die organische Fortsetzung und Ergänzung der Einzelgewerkschaften. Zusammen bilden sie ein völlig geschlossenes nationales Gewerkschaftssystem. Die Bildung des Internationalen Gewerkschaftsbundes aus den Landeszentralen ist die natürliche Fortsetzung und Vollendung zum geschlossenen internationalen Gewerkschaftssystem, das nun von der Basis bis zur Spitze vollkommen durchorganisiert ist. Das einzelne Gewerkschaftsmitglied ist durch seine örtliche Verbandsstelle mit dem Zentralverband, durch diesen mit der Landeszentrale und durch diese mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund organisatorisch verbunden. Die organisatorische Einfügung auch der internationalen Berufssekretariate in den Internationalen Gewerkschaftsbund ist aus diesem Grunde keine zwingende Notwendigkeit, mit der eine Lücke im Organisationssystem ausgefüllt werden müsste. Man 99 Bibliothek der Friedrich- Ebert- Stiftung kann nur darüber reden, ob es zweckmässig wäre. Es handelt sich hier nicht um die moralische Eingliederung, die selbstverständlich ist, sondern um den organisatorischen Aufbau. Die einzelnen Verbände, die im Internationalen Berufssekretariat vereinigt sind, gehören auch ihren Landeszentralen an und sind durch diese beim Internationalen Gewerkschaftsbund vertreten. Um die Verbindung der einzelnen Verbände mit der internationalen Spitze herzustellen, bedarf es also der Eingliederung der internationalen Berufssekretariate nicht. Höchstens könnte geltend gemacht werden, dass die Landeszentralen im Internationalen Gewerkschaftsbund nur die allgemeinen gewerkschaftlichen Interessen vertreten, dass aber ausserdem noch besondere Berufsinteressen auch eine internationale Vertretung erfordern. Aber die Wahrnehmung dieser internationalen Berufsinteressen ist ja gerade die Aufgabe der internationalen Berufssekretariate und nicht diejenige des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Soweit es sich um Berufsfragen handelt, ist international eine höhere Spitze als das Internationale Berufssekretariat nicht denkbar. Wo es sich aber um internationale Gewerkschaftsfragen handelt, die über das spezielle Berufsinteresse hinausgehen, ist ohnedem der Internationale Gewerkschaftsbund zuständig. Nach alledem ist nicht einzusehen, womit die Eingliederung der internationalen Berufssekretariate anders begründet werden könnte als allein durch den Wunsch, eine feste moralische Verbindung mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund herzustellen. Dazu bedarf es aber nicht der organisatorischen Eingliederung, denn die moralische Interesseneinheit ergibt sich von selbst aus der Tatsache, dass die einzelnen Teile der Berufsinternationalen bereits durch ihre Landeszentralen dem Internationalen Gewerkschaftsbund angehören. Sollte es sich nur darum handeln, dass die internationalen Berufssekretariate zum Zweck der Information einen dauernden Platz im Internationalen Gewerkschaftsbund erhalten, so wäre zu prüfen, ob der Informationsdienst des Internationalen Gewerkschaftsbundes besser ausgebaut werden kann. Die Forderung lautet jedoch nicht auf eine informatorische Beteiligung, sondern auf ein entscheidendes Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrecht der Berufssekretariate bei den Instanzen des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Ein solches Recht zu gewähren, erscheint aber weder notwendig noch zweckmässig. Die Zweckmässigkeit müssen wir auch aus dem Grunde verneinen, weil es organisationstechnisch fast unmöglich ist, die Berufsinternationalen mit einer dauernden Vertretung zu beauftragen, die sie tatsächlich im Sinne der ihnen angeschlossenen Verbände auszuüben kaum in der Lage sind. Es entspricht dem demokratischen Wesen der Arbeiterbewegung, dass ihre Beauftragten, wenn sie im Namen der Organisation Entscheidungen treffen, nicht eigenmächtig nach ihrer persönlichen Meinung handeln, sondern den wirklichen Willen ihrer Auftraggeber zum Ausdruck bringen. Wohl ist es nicht in jedem Fall möglich, deren Auffassung vorher einzuholen, jedoch muss die Organisation so konstruiert sein, dass in wichtigen Fällen der Vertreter der Organisation die Möglichkeit hat, die Auffassung seiner Auftraggeber zu ermitteln, bevor er seine Entscheidung trifft. Soweit die entscheidenden Instanzen des Internationalen Gewerkschaftsbundes aus Vertretern der Landeszentralen zu100 sammengesetzt sind, ist dieser Möglichkeit in idealer Weise Rechnung getragen. Die Landeszentralen sind Körperschaften, die regelmässig und in kurzen Zwischenräumen Beratungen abzuhalten pflegen und nach Bedarf sehr schnell zusammentreten können. In ihnen sitzen die Vertreter der einzelnen Gewerkschaften, die in dauernder Fühlung mit den breiten Massen der Gewerkschaftsmitglieder sind. Der von der Landeszentrale in den Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes delegierte Vertreter unterliegt für diese Möglichkeit der dauernden Kontrolle seiner Landeszentrale, die ihn fortlaufend mit Instruktionen für seine Tätigkeit versieht. Auf diese Art ist tatsächlich eine enge und lückenlose Fühlungnahme zwischen allen Stufen der internationalen Gesamtorganisation angefangen von der örtlichen Mitgliedschaft irgendeiner Gewerkschaft bis herauf zum Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes gesichert. - Für die Internationalen Berufssekretariate ist nach Lage der Dinge eine solche enge und dauernde Fühlungnahme überhaupt nicht möglich. Die internationalen Berufskongresse finden nur in langen Zwischenräumen von mehreren Jahren statt und können sich wegen der sprachlichen Schwierigkeiten keinen so intensiven Beratungen hingeben, wie das in den Landeszentralen üblich ist. Ein von der Berufsinternationale in den Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes delegierter Vertreter wäre deshalb in der Regel nur auf seine eigene Verantwortlichkeit angewiesen. Er wäre nur das Sprachrohr seines eigenen Denkens, nicht aber das der Organisationen, die er zu vertreten hat. Ein Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes, zusammengesetzt aus Vertretern der Berufsinternationalen, gliche einem Dach, das in der Luft hängt. Es ist auch nicht zu verkennen, dass offenbar für die Behandlung der Aufgaben, die der Internationale Gewerkschaftsbund zu lösen hat, die sachliche Eignung bei den Landeszentralen in höherem Masse vorhanden sein muss als bei den Berufssekretariaten. Das liegt nicht in dem Wesen der delegierten Persönlichkeiten begründet, sondern in den sachlichen Aufgaben, die zu lösen sind. Das Wesen der Berufsinternationalen besteht ja gerade darin, dass sie nicht die allgemein gewerkschaftlichen, sondern die speziellen Fragen ihres Berufes bearbeiten. Im Gegensatz dazu werden bei den Landeszentralen nicht die einzelnen Berufsfragen, sondern die allgemeinen gewerkschaftlichen Angelegenheiten behandelt. Dies ist aber dieselbe Aufgabe, die im internationalen Massstab dem Internationalen Gewerkschaftsbund zufällt, und darum ist es nur natürlich, dass ihm dafür die Landeszentralen bessere Berater und Mitarbeiter sind, und dass diese sich als Unterbau für den Internationalen Gewerkschaftsbund besser eignen als die Internationalen Berufssekretariate, für die es nur eine Ablenkung von ihrer eigentlichen Aufgabe bedeuten würde, wenn man ihnen auch die Bearbeitung der allgemeinen Gewerkschaftsfragen auferlegen wollte. Wir müssen also zu dem Ergebnis kommen, dass es sich in keiner Weise rechtfertigen liesse, im Organisationssystem des Internationalen Gewerkschaftsbundes die Landeszentralen durch die internationalen Berufssekretariate ersetzen zu wollen oder diese auch nur als gleichberechtigt neben jene setzen zu wollen. Diese Stellungnahme bedeutet keine Herabsetzung der Berufsinternationalen und steht keineswegs im Gegensatz zu 101 unserem unbedingten Wunsch nach einer vollkommenen Solidarität zwischen beiden Formationen der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Die internationalen Berufssekretariate sind selbständige und selbstbeschliessende Organe für die speziellen Fragen, die mit ihrem Beruf zusammenhängen. Sie sind aber nur ausübende, nicht bestimmende Organe für die Gewerkschaftsfragen allgemeiner Art, die zum Aufgabengebiet des Internationalen Gewerkschaftsbundes gehören; sie sind ihrer Natur nach nicht Wurzeln, sondern Äste am Baum der internationalen Gesamtbewegung, nicht Grundmauern, sondern Ausbauten am gemeinsamen Gebäude. Es hiesse nur, die systematische Ordnung und das statische Gleichgewicht im Aufbau der internationalen Gewerkschaftsbewegung stören, wenn man dieses Verhältnis ändern wollte. Die notwendige moralische und auch organisatorische Verbindung zwischen Berufsinternationalen und dem Internationalen Gewerkschaftsbund ist ausreichend dadurch gewährleistet, dass die einzelnen Glieder der Berufsinternationalen als Angehörige ihrer Landeszentralen Bestandteile des Internationalen Gewerkschaftsbundes sind. Es bedarf keiner weiteren organisatorischen Verbindung. Die geistige Verbindung noch inniger zu gestalten, ist aber eine Angelegenheit, die durchaus nicht davon abhängt, dass die Berufsinternationalen eine stimmberechtigte Vertretung im Internationalen Gewerkschaftsbund bekommen. Wir halten deswegen den Beschluss des Wiener Kongresses des Internationalen Gewerkschaftsbundes insoweit für richtig, als er eine grundsätzliche Systemänderung und die gleichberechtigte organisatorische Vertretung der Berufssekretariate neben den Landeszentralen ablehnt. Noch besser aber wäre es nach unserer Meinung gewesen, wenn der Beschluss ganz konsequent geblieben wäre und nicht die Konzession gemacht hätte, den internationalen Berufssekretariaten drei Vertreter im Ausschuss des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu gewähren. Es ist durchaus erforderlich, dass über das organisatorische Verhältnis der Berufsinternationalen zum Internationalen Gewerkschaftsbund vollkommene Klarheit besteht. Entweder werden die Berufsinternationalen als Träger für das Dach des Internationalen Gewerkschaftsbundes anerkannt und dann ist nicht einzusehen, warum sie neben den Landeszentralen eine so bescheidene Rolle spielen sollen. Oder den Berufsinternationalen wird diejenige Rolle in der Gesamtbewegung zuerkannt, wie wir sie vorstehend auseinandergesetzt haben- und dann ist es zweckmässig, dies auch ganz eindeutig zum Ausdruck zu bringen. Für sich allein betrachtet ist die Tatsache, dass der Ausschuss des Internationalen Gewerkschaftsbundes um drei Vertreter erweitert wurde, und dass diese drei Mandate Vertretern von Berufsinternationalen gegeben wurden, gewiss nicht von so grosser Bedeutung, als dass es sich verlohnen würde, darüber viele Worte zu verlieren. Die Beschlüsse im Ausschuss des Internationalen Gewerkschaftsbundes werden durch diese Veränderung sicherlich nicht anders ausfallen. Im Zusammenhang mit dem Gesamtproblem der internationalen Gewerkschaftsorganisation handelt es sich aber doch um eine sehr ernsthafte Angelegenheit, und es erschien uns notwendig, auf diese Zusammenhänge und die Konsequenzen, die sich aus einem Abweichen von der geraden Linie ergeben können, aufmerksam zu machen. 102 - Der Wiener Beschluss ist nicht nur grundsätzlich, sondern auch praktisch bedenklich, denn er hat zwei Arten von Berufsinternationalen geschaffen. Nämlich solche, die einen Vertreter im Internationalen Gewerkschaftsbund besitzen, und die anderen, die dieses Recht nicht haben. Scheinbar bedeutet der Beschluss zwar, dass die Berufsinternationalen in ihrer Gesamtheit die drei Delegierten in den Ausschuss des Internationalen Gewerkschaftsbundes entsenden. Die ,, Gesamtheit der Berufsinternationalen" ist aber nur ein theoretischer Begriff, in Wirklichkeit existiert eine Körperschaft dieses Namens oder dieser Art nicht. Die 28 Berufsinternationalen bilden jede für sich eine selbständige Organisation, zwischen denen es dauernde organisatorische Beziehungen überhaupt nicht gibt. Wenn alle zwei Jahre gelegentlich der internationalen Kongresse auch die Berufssekretäre zu einer Konferenz zusammentreten, ist das selbstverständlich kein Ersatz für eine gemeinsame Organisation, wie sie beispielsweise jede einzelne Landeszentrale darstellt. Von einer Vertretung der vereinigten Berufsinternationalen könnte man nur dann reden, wenn die beauftragten Vertreter auch tatsächlich fortlaufend für ihre Tätigkeit durch Beratungen und Beschlüsse der Gesamtheit informiert werden könnten. Wir hatten schon ausgeführt, dass selbst für die einzelnen Berufsinternationalen diese Voraussetzung fehlt; sie ist noch viel weniger für die Gesamtheit der Berufsinternationalen vorhanden. So kann der Wiener Beschluss praktisch gar nicht anders ausgeführt werden, als dass von den insgesamt 28 Berufsinternationalen drei das Recht bekommen, durch je einen Sitz im Ausschus des Internationalen Gewerkschaftsbundes vertreten zu sein. Diese Mandate können nicht anders ausgeübt werden als auf eigene und persönliche Verantwortlichkeit der Mandatsinhaber. Ein solches Vertretungssystem entspricht aber nicht den Ansprüchen, die an die oberste Spitze der internationalen Gewerkschaftsorganisation gestellt werden müssen. Dazu kommt die Tatsache einer Doppelvertretung der Gewerkschaftsmitglieder bei der beschliessenden Instanz des Internationalen Gewerkschaftsbundes, was zu sehr merkwürdigen Konsequenzen führen kann. Man stelle sich vor, dass in einer wichtigen Frage die stimmberechtigten Vertreter der Berufsinternationalen entgegengesetzter Meinung sind wie diejenigen der Landeszentralen. Beide sollen nicht ihre Person, sondern die hinter ihnen stehenden Gewerkschaftsmitglieder vertreten; nicht nach ihrer persönlichen Auffassung, sondern nach dem Willen der Gewerkschaftsmitglieder, für die sie das Mandat ausüben, sollen sie stimmen. Da sie aber beide letzten Endes dieselben Mitglieder zu vertreten haben, übt offenbar eine der beiden Gruppen das Mandat nicht richtig aus. Jeder hat natürlich die ehrliche Überzeugung, im Sinne der Gewerkschaftsmitglieder zu handeln. Wie soll hier festgestellt werden, wer im Recht ist? Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass die Vertreter der Landeszentralen, die wiederum aus Vertretern der einzelnen Gewerkschaften bestehen, die in dauernder Fühlung mit den Mitgliedermassen leben, eher berechtigt sind, im Namen der Mitglieder zu handeln, als die Vertreter der Berufsinternationalen, die auf eigene Verantwortlichkeit handeln müssen. So kommen wir aus grundsätzlichen und praktischen Erwägungen zu dem Schluss, dass der Wiener Beschluss verfehlt 103 war, und dass es notwendig ist, auf dem nächsten Kongress diesen Beschluss nach folgenden Grundsätzen zu revidieren: 1. Die nach der gegenwärtigen ökonomischen und politischen Situation zweckmässigste Form der gewerkschaftlichen Organisation ist die der national abgegrenzten, zentralen Berufs- oder Industrieverbände, des Zusammenschlusses dieser Verbände zu einer gewerkschaftlichen Landeszentrale und des Zusammenschlusses der Landeszentralen zum Internationalen Gewerkschaftsbund. 2. Neben der regionalen Zusammenfassung der Gewerkschaften nach Ländern und zu einer internationalen Einheit ist die internationale Zusammenfassung der Gewerkschaften des gleichen Berufs oder der gleichen Industrie nicht minder notwendig. 3. Der Internationale Gewerkschaftsbund ist die natürliche Spitze der regional gegliederten Gewerkschaftsbewegung und kann sich nur aufbauen auf den Landeszentralen. Er umfasst gleichwohl die beruflichen Gliederungen, da die einzelnen Berufs- und Industrieverbände von den Landeszentralen erfasst werden. 4. Das Tätigkeitsfeld der Internationalen Berufssekretariate ist beschränkt auf die speziellen Angelegenheiten des betreffenden Berufes und hat da seine Grenze, wo die allgemeinen Gewerkschaftsfragen beginnen, die national in die Kompetenz der Landeszentralen, international in die des Internationalen Gewerkschaftsbundes fallen. Für allgemeine gewerkschaftliche Fragen sind die Berufsinternationalen nicht selbständig, sondern dem Internationalen Gewerkschaftsbund nachgeordnet, nicht beschliessende, sondern ausführende Organe. 5. Es ist weder erforderlich noch zweckmässig, dass die Berufsinternationalen eine direkte Vertretung im Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes besitzen. Für die Mitwirkung bei der Behandlung allgemeiner Gewerkschaftsinteressen durch den Internationalen Gewerkschaftsbund hat jede einzelne Gewerkschaft die Vertretung durch ihre Landeszentrale. Ein doppeltes Vertretersystem widerspricht den Grundsätzen jeder vernünftigen Organisation. 6. Der Wiener Beschluss wird wieder aufgehoben und das Statut des Internationalen Gewerkschaftsbundes dahingehend geändert, dass seine beschliessenden Instanzen nur durch die Landeszentralen zu bilden sind. 104 Bericht über die Erhebung, betr. die Notwendigkeit und Möglichkeit der Herbeiführung eines Zusammenschlusses der Internationalen Berufsorganisationen der Bau- und Holzarbeiter. Dem im Juni 1922 in Wien abgehaltenen Kongress unserer Internationalen Union der Holzarbeiter wurde seitens des belgischen Verbandes der Bau- und Holzarbeiter( Centrale Générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses) ein Vorschlag unterbreitet, der folgenden Wortlaut hat: „ In Erwägung, dass die industrielle Konzentration die verschiedenen Berufe im Holz- und Baugewerbe immer mehr unter die Leitung derselben Arbeitgeber stellt; in Erwägung, dass diese Lage dazu führen muss, dass Organisationen von den in diesen Gewerben beschäftigten Arbeitern dazu gebracht werden, sich miteinander zu verschmelzen, ist die belgische Delegation der Meinung, dass die Verschmelzung der beiden Internationalen die internationale Aktion dieser beiden Gruppen von Arbeitern fördern würde, und spricht den Wunsch aus, dass das internationale Holzarbeiter- Komitee sich mit dem Exekutivkomitee der Bauarbeiter- Internationale in Verbindung setzt, um die Möglichkeit eines Zusammenschlusses der beiden internationalen Organisationen in Erwägung zu ziehen." Gegen diesen Antrag wurden von verschiedenen Seiten Bedenken geäussert, so dass der Kongress beschloss, das Exekutivkomitee der I. U. zu beauftragen, bis zum nächsten internationalen Kongress der I. U. eine Erhebung über die Frage des Zusammenschlusses in die Wege zu leiten und dem Kongress einen Bericht über die Ergebnisse zu erstatten. Im Juli 1923 habe ich sodann diesen Auftrag zur Ausführung gebracht, indem ich an alle unserer I.U. angeschlossenen Organisationen ein Rundschreiben richtete, in dem folgende fünf Fragen aufgestellt wurden: 1. Sind in Ihrem Lande Massnahmen in Vorbereitung oder bereits durchgeführt, die auf eine Verschmelzung der Bauarbeiter- und Holzarbeiterorganisationen abzielen? 2. Wenn eine derartige Verschmelzung in Ihrem Lande bereits durchgeführt wurde, welche Meinung haben Sie nach den bisherigen Erfahrungen hierüber? 3. Falls eine Verschmelzung von Bauarbeiter- und Holzarbeiterorganisationen noch nicht stattfand: Ist Ihr Vorstand der Meinung, dass die Vorbereitungen für eine derartige Verschmelzung dringlich sind? 105 4. Falls Ihr Vorstand die Dringlichkeit verneint, welche Stellung nehmen Sie ein gegenüber eventuellen, von der Gewerkschaftszentrale Ihres Landes ausgehenden diesbezüglichen Versuchen? 5. Welche Auffassung hat Ihr Vorstand im allgemeinen über Wunsch und Möglichkeit einer Verschmelzung der Holzarbeiter- und Bauarbeiter- Internationalen? Ich gebe nachstehend eine gedrängte Darstellung der eingelaufenen Antworten: BELGIEN. Centrale Générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses. Der belgische Verband hat die Verschmelzung im nationalen Rahmen durchgeführt und erklärt sich mit den erzielten Ergebnissen durchaus zufrieden. Der Verband ist der Meinung, dass die Entwicklung der betreffenden Industrien eine derartige Zusammenfassung der Kräfte notwendig macht, damit die Bewegung kampffähiger ist im Kampfe gegen die Arbeitgeber. Der Verband ist daher der Meinung, dass die Verschmelzung auch im internationalen Rahmen in die Wege geleitet werden soll. Die Fusion würde die Ernennung eines festbesoldeten internationalen Sekretärs ermöglichen und somit die Bedeutung und Leistungen der Internationale erheblich heraufsetzen. DÄNEMARK. Træindustriarbejderforbundet. Der dänische Holzindustriearbeiter- Verband kann sich auf Grund der in Dänemark obwaltenden nationalen Verhältnisse eine Verschmelzung nicht vorstellen und teilt übrigens mit, dass auch der betreffende Bauarbeiterverband in keiner Hinsicht eine Verschmelzung in Erwägung zieht. DEUTSCHLAND. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Der Deutsche Holzarbeiter- Verband beantwortet die Fragen 1 bis 3 verneinend. Der Verband teilt mit, dass in Deutschland nicht damit zu rechnen sei, dass von der Gewerkschaftszentrale eine Initiative in der genannten Richtung erfolgen würde, und dass eine derartige Initiative in keinem Falle praktische Erfolge zeitigen könnte. Es gibt zwar in der deutschen Gewerkschaftsbewegung eine Richtung, die eine Umformung der Berufsverbände zu Industrieverbänden anstrebt, doch beziehen diese Pläne sich nicht auf die Verschmelzung der Bau- und Holzarbeiterorganisationen, während auch der Deutsche Baugewerksbund, der sehr stark die Bildung von Industrieorganisationen vertritt, keinen Anspruch erhebt auf Einbeziehung der Betriebe der Holzindustrie, in denen Bauarbeiten ausgeführt werden. Auf Grund der Erwartung, dass auch in der Zukunft die Verschmelzung der beiden deutschen Verbände ganz unwahrscheinlich ist, kommt der Deutsche Holzarbeiter- Verband zu der Auffassung, dass auch die Zusammenlegung der beiden Internationalen nicht zweckmässig ist. Deutscher Sattler-, Tapezierer- und Portefeuiller- Verband. Der deutsche Tapezierer- Verband ist der Meinung, dass die Verschmelzungsfrage in Deutschland nicht spruchreif ist. Im übrigen ist der Verband der Meinung, dass die Verschmelzung 106 im internationalen Rahmen nur dann durchgeführt werden kann, wenn die Fusion sich bereits in den verschiedenen Ländern, d. h. im nationalen Rahmen, durchgesetzt hat. GROSSBRITANNIEN. National Amalgamated Furnishing Trades' Association. Der britische Verband der Möbeltischler hat bereits mehrere Male um Anschluss an die nationale Föderation der verschiedenen Organisationen im Baugewerbe nachgesucht, ist jedoch immer abgewiesen worden. Der Verband ist grundsätzlich der Meinung, dass die Bildung eines einzigen Verbandes der Holzarbeiter, Möbeltischler und Bauarbeiter mit besonderen Sektionen, die jede für sich grosse Selbständigkeit behalten sollen, das erstrebenswerte Endziel ist. Angesichts der Tatsache, dass im eigenen Lande keineswegs eine merklich grössere Konzentration der betreffenden Organisationen vor sich gegangen ist, glaubt der Verband, dass im internationalen Rahmen nicht nach Einheit gestrebt werden soll. Ausserdem hält der Verband die Zeit für einen Zusammenschluss noch keineswegs für reif. HOLLAND. Alg. Ned. Bond van Meubelmakers, Behangers en Aanverwante Vakgenooten. Dieser Verband erklärt sich im nationalen wie im internationalen Rahmen gegen eine Verschmelzung mit den Bauarbeiterorganisationen. NORWEGEN. Norsk Træarbeiderforbundet. Im Zusammenhang mit dem damals vom norwegischen Gewerkschaftsbund gefassten Beschluss, einen Bauindustriearbeiterverband zu bilden, der die Zimmerer, Bautischler, Arbeiter in Holzwarenfabriken usw. umfassen sollte, glaubt dieser Verband daran interessiert zu sein, dass eine Zusammenarbeit zwischen der Holzarbeiter- und Bauarbeiter- Internationale zustande kommt. ( Wir bemerken hierzu, dass der genannte Bauindustriearbeiterverband tatsächlich gegründet wurde, dass diesem Verband jedoch z. B. die Möbeltischler nicht angeschlossen sind.) ÖSTERREICH. Verband der Holzarbeiter Österreichs. In Österreich besteht weder das Bestreben noch das Verlangen, eine Verschmelzung vorzunehmen. Eine eventuelle Verschmelzung der beiden Berufsinternationalen hält der Verband nicht für praktisch, soll jedenfalls völlig von der Entwicklung der Sachlage abhängig gemacht werden. SCHWEDEN. Sv. Sägverksarbetareförbundet. Der Verband der schwedischen Sägewerksarbeiter erklärt, im nationalen Rahmen in keiner Hinsicht an der Herbeiführung einer Verschmelzung interessiert zu sein. Sv. Træarbetareförbundet. Infolge eines Kongressbeschlusses des obengenannten Verbandes sind in Schweden besondere Organisationen für Bauholzarbeiter einerseits und andere Holzarbeiter anderseits errichtet worden, während der frühere Holzarbeiterverband aufgelöst wurde. Die eigentlichen Bauarbeiter sind ebenfalls in 107 besonderen Organisationen zusammengeschlossen. Die Gewerkschaftsbewegung Schwedens richtet sich im allgemeinen mehr nach dem Prinzip der Betriebsorganisation als nach dem der Industrieorganisation. Die Forderung auf Vereinigung der beiden Organisationen wird von diesem Verband nicht unterstützt. TSCHECHOSLOWAKEI. Verband der Holzarbeiter und Drechsler, Sitz Reichenberg. Bei der Gründung des Verbandes beabsichtigte man anfangs, mit dem Bauarbeiterverband eine sehr enge Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Zu diesem Zwecke gaben die zwei Verbände anfänglich ein gemeinsames Fachblatt heraus. Die praktischen Erfahrungen führten jedoch zum Beschluss, die Zusammenarbeit im bisherigen Ausmass einzustellen und getrennte Fachblätter herauszugeben. Jedenfalls wird die nationale Fusion auch in sehr entfernter Zukunft nicht vorgenommen werden. Der Verband bezweifelt sehr ernstlich, ob eine Zusammenlegung der betreffenden Verbände im Interesse der verschiedenen Berufsgenossen sein würde. Unie Drevodelniku, Sitz Prag. Im Jahre 1922 wurde die Bildung eines geeinigten Bau- und Holzarbeiterverbandes von dem Prager Verband abgelehnt. Auf Grund der obwaltenden nationalen Verhältnisse ist der Verband nicht bereit, an der Herbeiführung der Fusion im internationalen Rahmen mitzuwirken. UNGARN. Budapesti Szobrászok Szakegylete. Nach den Mitteilungen des Budapester Bildhauerverbandes wird in Ungarn nichts unternommen, um eine Verschmelzung im genannten Sinne herbeizuführen. Der Verband tritt für die Einheit der beiden Internationalen ein, damit das internationale Solidaritätsgefühl gefördert wird. * * * Von den übrigen Verbänden habe ich keine Antwort erhalten. Das zur Verfügung stehende Material hat das Exekutivkomitee nicht dazu veranlasst, weitere Schritte zu unternehmen, weil es sich herausgestellt hat, dass nur ein geringer Teil der angeschlossenen Organisationen das Zustandekommen einer Fusion für dringend und erwünscht hält. Jedenfalls ist die Zeit für eine Beschlussfassung wenn nicht durchaus verneinend, so doch noch nicht gekommen. Inzwischen hatten auch die Kongresse und Konferenzen der Bauarbeiter- Internationale sich mit der Fusionsfrage beschäftigt. Das Exekutivkomitee der Bauarbeiter- Internationale wurde beauftragt, mit unserem Exekutivkomitee Verhandlungen in die Wege zu leiten. Das Exekutivkomitee unserer I. U. hat jedoch auf Grund der eingelaufenen Antworten geglaubt, diese Besprechungen ablehnen zu müssen, weil sie jedenfalls erfolglos geblieben wären. C. Woudenberg, Sekretär. 108 Anhang I. Statut der Internationalen Union der Holzarbeiter. I. Name. Die Internationale Organisation der Holzarbeiter aller Länder führt den Namen ,, Internationale Union der Holzarbeiter"( I. U.). II. Sitz. Der Sitz der Unionsleitung ist Amsterdam. III. Umfang und Zweck. Die I. U. hat den Zweck, die gewerkschaftlichen Organisationen der Holzarbeiter aller Länder in einem starken internationalen Verbande zusammenzufassen und zu förden, um: a) die ökonomischen und sozialen Interessen aller Holzarbeiter zu wahren und zu fördern; b) die internationale Solidarität der Arbeiterklasse mit allen Kräften zu stärken und, wenn die Umstände es erheischen, jede nationale und internationale Aktion in dem Kampf gegen die Ausbeutung der Arbeit zu unterstützen; c) überall den Kampf zu führen gegen den Imperialismus und Militarismus, damit der Kapitalismus beseitigt und durch die Gemeinwirtschaft ersetzt werde. IV. Diese Zwecke sollen erreicht werden durch: a) Herstellung von Beziehungen zwischen den verschiedenen nationalen Organisationen; b) Unterstützung und Förderung von organisatorischen Bestrebungen in Ländern, wo Organisationen der Holzarbeiter nicht oder nur schwach vertreten sind; c) die Herausgabe eines Organs, das in verschiedenen Sprachen erscheint; d) Bearbeitung und Veröffentlichung von Erhebungen und Berichten, insbesondere über die Lohn- und Arbeitsbedingungen und die soziale Lage der Holzarbeiter in den verschiedenen Ländern; e) die Behinderung des Zuzugs fremder Arbeitskräfte bei Arbeitsstreitigkeiten; f) eventuelle finanzielle Hilfeleistung bei umfangreichen Streiks und Aussperrungen; g) Regelung der Bestimmungen bezüglich des freien Übertritts und der Unterstützung der angeschlossenen Mitglieder; 109 h) enges Zusammenwirken der verschiedenen Landesorganisationen der Holzarbeiter; i) Herbeiführung und regelmässige Unterhaltung der Verbindungen mit dem ,, Internationalen Gewerkschaftsbund" und den internationalen Berufssekretariaten. V. Beitritt. Zum Beitritt in die Union sind berechtigt alle nationalen Organisationen der Holzarbeiter, namentlich die der Möbelmacher, Tischler, Bautischler und Zimmerer, Schiffbauer, Klaviermacher, Stuhlmacher, Polierer, Drechsler, Stockarbeiter, Korbmacher, Korkarbeiter, Bürstenmacher, Stellmacher, Tapezierer, Bildhauer, Böttcher, Glaser usw. VI. Aus einem Lande, in dem eine dem Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossene Landeszentrale besteht, können Organisationen in die I. U. nur aufgenommen werden, wenn sie dieser Landeszentrale angeschlossen sind. In besonderen Fällen kann das Exekutivkomitee Ausnahmen zulassen. VII. Die Aufnahme erfolgt durch das Exekutivkomitee nach schriftlicher Anmeldung und Anerkennung der Statuten und Beschlüsse der I. U. VIII. Wird gegen die Aufnahme einer Organisation Widerspruch erhoben, so kann die Aufnahme verweigert resp. rückgängig gemacht werden. IX. Jede Organisation, welche Mitglied der I. U. geworden ist, behält ihre volle Selbständigkeit, mit Ausnahme derjenigen Verpflichtungen, welche ihr durch das Regulativ und die Kongressbeschlüsse der I. U. auferlegt werden. X. Ausschluss. Der Ausschluss aus der I. U. erfolgt durch Beschluss des Exekutivkomitees oder des Kongresses und kann erfolgen, wenn eine Organisation: a) mit einem Jahresbeitrag im Rückstande ist und denselben trotz Mahnung nicht entrichtet oder b) den Statuten, Beschlüssen oder Interessen der I. U. zuwiderhandelt. XI. Gegen die Entscheidungen des Exekutivkomitees auf Grund der Paragraphen 5 bis 9 ist Berufung auf dem nächsten Internationalen Kongress zulässig. XII. Beitragspflicht. Von den angeschlossenen Organisationen wird zur Bestreitung der notwendigen Ausgaben der I. U. ein Beitrag erhoben, berechnet nach der Mitgliederzahl am Ende des Vorjahres. 110 XIII. Der Beitrag beträgt 15 Gulden pro 1000 Mitglieder und muss alljährlich im Januar, und zwar im voraus bzw. nach dem Eintritt für den Rest des laufenden Jahres entrichtet werden. Organisationen in Ländern mit starker Geldentwertung kann auf Antrag durch Beschluss des Exekutivkomitees gestattet werden, unter Berücksichtigung der Lohnhöhe und der finanziellen Leistungsfähigkeit des betreffenden Verbandes vorübergehend die Beitragsleistung anders zu regeln. Das Exekutivkomitee ist befugt, in besonderen Fällen einen ausserordentlichen Beitrag zu erheben, um ein vorhandenes Defizit zu decken. Über die Einnahmen und Ausgaben wird jährlich ein Kassenbericht veröffentlicht. XIV. Organe der 1. U. Die Organe der I. U. sind: 1. Der Internationale Kongress. 2. Das Exekutivkomitee. 3. Der Ausschuss. XV. Der Internationale Kongress. Die höchste Instanz in der Internationalen Union der Holzarbeiter ist der Internationale Kongress, der mindestens alle drei Jahre stattfinden muss. XVI. Die Einberufung des Kongresses sowie die Veröffentlichung aller Berichte, die Aufstellung der Tagesordnung und alle nötigen Vorbereitungen sind Aufgabe des Exekutivkomitees. Ein Kongress ist einzuberufen, wenn ein diesbezüglicher Antrag von der Mehrheit der angeschlossenen Landesorganisationen unterstützt wird. Die Einberufung erfolgt durch den Sekretär der I. U. XVII. Die Tagesordnung, die Berichte der Organisationen und die Anträge sind den angeschlossenen Organisationen mindestens drei Monate vor Stattfinden des Kongresses zuzusenden. XVIII. Das Stimmenverhältnis regelt sich nach der Zahl der Mitglieder, für welche der letztfällige Beitrag gezahlt wurde, und zwar nach folgender Skala: Für Verbände mit 5000 und weniger Mitgliedern eine Stimme; für Verbände mit mehr als 5000 und weniger als 10 000 Mitgliedern zwei Stimmen; für Verbände mit mehr als 10 000 und weniger als 20 000 Mitgliedern drei Stimmen; für Verbände mit mehr als 20 000 und weniger als 50 000 Mitgliedern vier Stimmen; und weiter für je 50 000 Mitglieder oder einen Bruchteil davon eine Stimme. Jeder angeschlossene Verband darf nur soviel Delegierte senden, wie ihm Stimmen zustehen. Wenn mindestens ein Drittel der auf dem Kongress vertretenen Stimmen einen entsprechenden Antrag unterstützt, muss die Abstimmung nach den Mitgliederzahlen erfolgen. 111 XIX. Die Ausgaben der Delegierten für den Internationalen Kongress sind von der Organisation, welche sie vertreten, zu tragen. XX. Zu den Aufgaben des Internationalen Kongresses gehören u.a.: a) Behandlung der Berichte und Anträge; b) Änderung des Statuts; c) Wahl des Exekutivkomitees und des Sekretärs; d) Festsetzung des Ortes für den nächsten Internationalen Kongress. XXI. Das Exekutivkomitee. Das Exekutivkomitee setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen, die fünf verschiedenen Ländern angehören müssen. Sie werden vom Internationalen Kongress gewählt. Gleichzeitig ernennt der Kongress für jedes dieser Mitglieder ein stellvertretendes Mitglied. XXII. Das Exekutivkomitee kommt mindestens einmal im Jahre zusammen. Es besitzt volle Befugnis des Handelns während der Perioden zwischen den internationalen Kongressen. Das Exekutivkomitee überwacht die Arbeiten des Ausschusses. XXIII. Der Ausschuss. Es wird ein Ausschuss eingesetzt, der aus dem internationalen Sekretär und zwei weiteren Mitgliedern besteht, welche in dem Lande wohnen, wo die I. U. ihren Sitz hat, und die von den der I. U. angeschlossenen Organisationen des betreffenden Landes gewählt werden. Ein Mitglied fungiert als Kassierer. XXIV. Allgemeine Bestimmungen. Jede Organisation ist verpflichtet, dem Sekretär nach Ablauf jedes Jahres sofort einen Bericht über ihre Mitgliederzahl, ihre Einnahmen und Ausgaben, Anzahl und Verlauf der Arbeitsstreitigkeiten usw. einzusenden. Der internationale Sekretär wird zu diesem Zweck bestimmte Formulare zur Verfügung stellen. Eine Zusammenstellung dieser Jahresberichte wird vom Sekretär im Organ der I. U. veröffentlicht. XXV. Wichtige Vorkommnisse in den Organisationen, insbesondere grosse Arbeitsstreitigkeiten, müssen dem internationalen Sekretär möglichst rasch mitgeteilt werden. XXVI. Die Publikationen der I. U. erscheinen in deutscher, französischer, englischer und schwedischer Sprache, in welchen Sprachen auch die Verhandlungen auf dem Kongress geführt werden. Die Korrespondenz des Sekretärs mit den Organisationen ist gleichfalls möglichst in diesen vier Sprachen zu führen. 112 XXVII. Die Mitglieder aller angeschlossenen Organisationen, die im Ausland Arbeit nehmen, werden ohne Eintrittsgeld in die Organisationen des Landes aufgenommen, wenn der Übertritt innerhalb sechs Wochen geschieht und das Mitglied seinen Verpflichtungen gegenüber seiner früheren Organisation nachgekommen ist. Den übergetretenen Mitgliedern werden die Beiträge, die sie an eine andere bei der I. U. angeschlossene Organisation gezahlt haben, auf diese Weise angerechnet, dass eventuelle niedrigere Beiträge auf Grund der Beitragshöhe der betreffenden Organisation umgerechnet, gleich hohe und höhere Beiträge dabei voll angerechnet werden. Im Rahmen dieser Bestimmungen haben die übergetretenen Mitglieder Anspruch auf dieselben Rechte, die für die eigenen Mitglieder bei der gleichen Mitgliedschaftsdauer Geltung haben. Ausnahmefälle werden durch ein besonderes gegenseitiges Übereinkommen zwischen den betreffenden Organisationen geregelt. Vor dem Übertritt hat ein Mitglied, das sich im Ausland befindet, bloss Anspruch auf die Reiseunterstützung, die die betreffende Organisation ihren eigenen Mitgliedern gewährt, und ebenfalls nur unter den für die letzteren geltenden Bedingungen. XXVIII. Diese Statuten treten nach ihrer Annahme auf dem Internationalen Kongress in Kraft. Abänderungen können nur vom Kongress der I. U. vorgenommen werden. 113 AGE Anhang II. Beschlüsse, angenommen vom Internationalen Holzarbeiter- Kongress in Brüssel, Juli 1925. 1. ,, Der vom 20. bis 22. Juli einschliesslich in Brüssel tagende Internationale Holzarbeiterkongress spricht in Anbetracht der grossen Arbeitskonflikte, die in verschiedenen Ländern bereits ausgebrochen oder in Vorbereitung sind, seine warme Sympathie mit den im Kampfe stehenden Kameraden aus und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass diese Kämpfe von einem vollen Erfolg begleitet sein werden." 2.„ Der Kongress empfiehlt das Referat des Kollegen Tarnow zum eingehenden Studium in allen Ländern. Wenn es notwendig erscheint, soll das Exekutivkomitee für den nächsten Kongress der I. U. Vorbereitungen treffen, damit diese Angelegenheit weiter behandelt werden kann." 3. ,, Der vom 20. bis 22. Juli 1925 einschliesslich in Brüssel tagende Internationale Holzarbeiterkongress beschliesst, nachdem er Kenntnis genommen hat von dem vom Internationalen Sekretariat ausgearbeiteten Bericht über die Frage einer eventuellen Verschmelzung der Bau- und Holzarbeiter- Verbände, diese Frage den Kompetenzen der angeschlossenen Verbände zu überlassen. Das Exekutivkomitee ist beauftragt, bis zum nächsten Kongress wieder eine Rundfrage unter den angeschlossenen Verbänden zu veranstalten, wie weit diese Fusionsbestrebungen gediehen sind." 4. ,, Der vom 20. bis 22. Juli 1925 einschliesslich in Brüssel tagende Internationale Holzarbeiterkongress beschliesst in der Erwägung, dass infolge nationaler Organisationsunterschiede in zwei verschiedenen Berufsinternationalen Bauholzarbeiter organisiert sind, und dass die einzige Möglichkeit, in dieser Frage eine Lösung herbeizuführen, die Vereinbarung eines gegenseitigen Abkommens zwischen den beiden betreffenden Internationalen ist, das im Eventualfall den freien Übertritt von Mitgliedern der betreffenden nationalen Verbände vorsieht, das Exekutivkomitee der Internationalen Union der Holzarbeiter zu beauftragen, einen diesbezüglichen Vorschlag auszuarbeiten und im oben dargelegten Sinne mit der BauarbeiterInternationale eine Vereinbarung zu treffen." 115 5. ,, Der Kongress beauftragt das Exekutivkomitee, ohne die Prinzipien unserer Bewegung zu verletzen, die Bemühungen fortzusetzen, um die Aufnahme aller Organisationen herbeizuführen, die noch ausserhalb der I. U. stehen und bereit sind, deren Statuten und Beschlüsse anzuerkennen." 6. ,, Das Exekutivkomitee ist ermächtigt, selber darüber zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für die Entsendung einer Delegation zum Verbandstag des Allrussischen Holzarbeiter- Verbandes, sofern dieser Verband eine solche Einladung ergehen lässt, gekommen ist." monoboiboyit bib.( of lite A 1022012 matto rov sigmoib 116 258 holling Anhang III. H bar 1o1lW modof sub bundro anotariall toda vivienailfodio nomen Liste der Namen und Adressen der Holzarbeiter- Organisationen. ( Die mit einem* bezeichneten Organisationen gehören der I. U. nicht an.) Amerika. United Brotherhood of Carpenters and Joiners, Carpenters' Building, 222, East Michigan Street, Indianopolis, Ind. * International Woodcarvers' Association, 8605-85th Street, Woodhaven, N. Y. Argentinien. * Sindicato Obrero de la Industria del Mueble, Rioja 835, Buenos Aires. Australien. * Federated Furnishing Trade Society of Australasia, Federal Council, Trades' Hall, Melbourne( Victoria). * * Amalgamated Society of Carpenters and Joiners, Mr. A. L. Newberry, N. S. W. Trades' Hall, Sydney. moiliM atzining Ma Belgien. Centrale Générale du Bâtiment, de l'Ameublement et des Industries diverses( Algemeene Centrale van Bouw-, Ameublementwerkers en Gemengde Vakken), 8, Rue Joseph Stevens, Bruxelles. Bulgarien. Bulgarischer Holzarbeiter- Verband, Naroden Dom, Rue Nischka 15, Sophia. oborinaM * Bulgarischer Schreiner- Verband, Sindikalen Dom, Kiril- en Metodenstr. 54, Sophia. Dänemark. Dansk Træarbejder- Sekretariatet, Rømersgade 22, København K. Snedkerforbundet i Danmark, Rømersgade 22, København. Drejerforbundet i Danmark, Colbjørnsensgade 20 St København. Børstenindustriarbejderforbundet i Danmark, Ahornsgade 5 A, København. Bødkerforbundet i Danmark, Aabenraa 33, København L. Forgylderforbundet i Danmark, Arresøgade Nr. 27, III, København N. Træindustriarbejderforbundet i Danmark, Rosenørnsalle 12-4, Kobenhavn V. Billedskærer og Dekorationsbilledhuggerforbundet i Danmark, Gyldenrisvej 6, København, Valby. Dansk Karetmagerforbundet, Thuresensgade 6, København. Kurvemagernes Forening, Sct. Hansgade 15, København. Dansk Skibstømrerforbundet, Dionningholmsvej 58, Svendborg. 117 Deutschland. Deutscher Holzarbeiter- Verband, Am Köllnischen Park 2, Berlin SO 16. Deutscher Sattler-, Tapezierer- und Portefeuiller- Verband, Brückenstrasse 10 B, Berlin SO 16. Verband der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter Deutschlands, An der Weide 21, Bremen. Finnland. Suomen Puuteollisuustyöväen Liitto, Sirkuskatu 5, Helsingfors. Frankreich. Fédération des Travailleurs de l'Industrie du Bois, Bourse du Travail, 3, Rue du Château d'Eau, Paris Xe. * Fédération des Travailleurs du Tonneau, 102, Rue de Charenton, Paris XIIe. * Fédération Unitaire de l'Industrie du Bois et Similaires, 2, Rue Saint Bernard, Faubourg Saint- Antoine, Paris Xe. Grossbritannien. National Amalgamated Furnishing Trades' Association, Bedford Row House, 58, Theobalds Road, London W. C. 1. Amalgamated Society of Woodworkers, 131, Wilmslow Road, Withington, Manchester. * Amalgamated Society of Coopers, 37, Outwoods Street, Burtonon- Trent. * National Association of Coopers, 31, Great Prescott Street, London E. 1. * National Union of Packing Case Makers, Box Makers, Sawyers and Mill Workers, Camperdown House, Half Moon Passage, Aldgate E. 1. * Amalgamated Society of Woodcutting Machinists, 32, Milton Street C. on M., Manchester. Holland. Algemeene Nederlandsche Bond van Meubelmakers, Behangers en Aanverwante Vakgenooten, Alb. Thijmstraat 30, Amsterdam. Italien. Federazione italiana lavoranti in legno, Via Manfredo Fanti 19, Milano. Jugoslavien. Osrednje drustvo lesnih delavcev in sorodnih strok na slovenskem ozemlju, Ilirska ul. 22, Laibach( Ljubljana). Verband der Holzarbeiter, Ilica 55, Agram( Zagreb). Verband der Holzarbeiter Bosniens und der Herzegowina, Social. Radnicki Dom, Sarajewo. Kuba. Federación del Ramo de la Madera, Estevéz 79, Habana. Lettland. * Lettländischer Holzarbeiter- Verband, Dsirnawu eelâ 74 ds. 11, Riga. Luxemburg. Industrie- Verband der Bau- und Holzarbeiter des Grossherzogtums Luxemburg, Wiltheimstrasse, Luxemburg. Memelgebiet. * Holzarbeiter- Verband des Memelgebiets, Hospitalstrasse 4B, Memel. 118 Neuseeland. * Amalgamated Society of Carpenters and Joiners, Mr. J. T. C. Smith, 171, Sutherland Road, Wellington( New Zealand). Norwegen. Norsk Sag-, Tomt- og Høvleriarbeiderforbund, Folkets Hus, Oslo. Norsk Møbelindustriarbeiderforbund, Folkets Hus, Oslo. Norsk Bygningsarbeiderforbund, Folkets Hus, Oslo. Österreich. Verband der Holzarbeiter, Margaretenstrasse 112, Wien V. Polen. Zwiazek robotnikow przemyslu drzewnego w Polsce, ul. Dunajewskiego L 5, Krakau. Rumänien. * Verband der Holz-, Säge- und Forstarbeiter Rumäniens, Arbeiterheim, Czernowitz. * Uniunea Lucratorilor si Mobila in Lemn din Romania, Piata Carolina 2, Cluj. Russland. * Allrussischer Holzarbeiter- Verband, Moskau. Schweden. Svenska Sägverksarbetareförbundet, Smedjegatan 28, Gävle. Svenska Träindustriarbetareförbundet, Upplandsgatan 2, Stockholm C. Svenska Byggnadsträarbetareförbundet, Barnhusgatan 16, Stockholm C. * Svenska Tunnbinderiarbetareförbundet, Kocksgatan 11, Stockholm Sö. Schweiz. Schweizerischer Bau- und Holzarbeiter- Verband, Stauffacherstrasse 60, Zürich. Südafrika. Amalgamated Society of Woodworkers, P. O. Box 1095, Johannesburg. * National Furniture Workers' Industrial Union, P. O. Box 2040, Johannesburg. Tschechoslowakei. Verband der Holzarbeiter und Drechsler, Spitalgasse 35, Reichenberg. Unie Drevodelnikù, Hybernská ul. 7, Praha II. * Verband der Holzarbeiter in der Tschechoslowakischen Republik, Hálkova ul. 1, Praha II. Ungarn. Magyarországi i Famunkazok Szövetsége, Luther Utca 1B, Emelet IV, Budapest 8. Budapesti Szobrászok Szakegylete, Nepszinház Utca 16, Budapest 8. Stand am 1. Januar 1926. 119 2 Centimetres Inches 7 10 11 12 13 14 15 16 17 6 Color chart Sachverständigen- Zubehör.de Blue Cyan Green Yellow Red Magenta Magenta White Grey Black # C9C9FF # 0000FF. # C0E5FC # 009FFF # 759875 # 008800 # FFFFC7 # FFFF00 # FFC9C9 # Ff0000 # FFC9FF # FF00FF #FFFFFF # 9D9E9E # D9DADA # 5B5B5B # 000000 Centimetres Inches 2 5 7 10 11 12 13 14 15 16 17 Grayscale 0 1 2 3 4 5 6 100% C Y M Sachverständigen- Zubehör.de 7 8 9 10 11 12 13 14 50% 18% 0% Druck Verlagsanstalt des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes GmbH. Berlin SO 16, Am Kölln. Park 2