Nr. 6 . Dezember 2012 S pu ta n n kt d Diskussionsimpulse und Konzepte des Landesbüros Hessen der Friedrich-Ebert-Stiftung AUF DEN PUNKT GEBRACHT Niemanden zurücklassen! Für ein Umdenken in der Berufsbildungspolitik Matthias Körner* Der Erwerb einer Berufsqualifikation ist einer der wesentlichsten Zugänge zur individuellen Teilhabe. Darüber hinaus ist die Diskussion um den Ausbildungsmarkt stark durch die Frage gekennzeichnet, welchen Beitrag das duale Berufsbildungssystem bei der Abwendung eines drohenden Fachkräftemangels leisten kann. Beides erfordert, dass endlich auch die Jugendlichen zu einem Abschluss geführt werden, die in den großen Ausbildungsmarktkrisen keine Chance auf einen Ausbildungsplatz hatten. Die Ausbildungssituation erfordert eine Verbesserung und Straffung des Übergangs von der Schule in den Beruf. Dies ist in Hessen überfällig. Das Land droht hier gegenüber anderen reformfreudigeren Bundesländern ins Hintertreffen zu geraten. * Die Ausführungen und Schlussfolgerungen sind vom Autor in eigener Verantwortung vorgenommen worden. Das deutsche duale Ausbildungssystem gilt zu Recht als wesentlicher Beitrag für die im internationalen Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeit und den hohen Ausbildungsstandard weiter Teile der Erwerbsbevölkerung. Wird nach dem„eigentlichen Beruf“ gefragt, dann ist am häufigsten die erste Berufsausbildung gemeint und diese prägt auch häufig das individuelle Selbstverständnis. Kein Bildungsbereich ist so eng mit der Identitätsbildung über Berufe verbunden wie die duale Berufsausbildung. Das Absolvieren einer Berufsausbildung ist nach wie vor der häufigste Zugang zu einem Berufsabschluss. Selbst in den schlimmsten Ausbildungskrisen der neunziger Jahre haben stets um die 60 Prozent der Jahrgänge eine Berufsausbildung im dualen System absolviert. Das bedeutet nichts anderes, als dass deutlich über die Hälfte der Menschen irgendwann in ihrem Leben im klassischen Sinne einen„Beruf erlernen“. In Hessen werden etwa 40.000 Ausbildungsverhältnisse jährlich neu abgeschlossen. Bei einem System dieser Bedeutung und Verbreitung verwundert es nicht, dass Fragen rund um die Berufsbildung stets von teils erbittert geführten Debatten begleitet werden. Zu Recht stand in den letzten beiden Jahrzehnten der fast dauerhafte Ausbildungsplatzmangel im Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund des Rückgangs der Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger verschiebt sich
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Niemanden zurücklassen! : Für ein Umdenken in der Berufsbildungspolitik
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