Angela Borgwardt „Doing European !“ — Wie Hochschulen das europäische Projekt befördern können Ein Beitrag zur Debatte im Vorfeld der Konferenz„Wissenschaft hält Europa zusammen“ Das europäische Projekt muss neu begründet werden. Lange Zeit stand die Idee der europäischen Einigung in den Augen der meisten europäischen Bürger_innen für Frieden, Freiheit und Wohlstand, nun ist sie zunehmend Zweifeln ausgesetzt. In der EU-Politik werden auf wichtige Fragen oft keine gemeinsamen Antworten mehr gefunden, etwa in der Finanzkrise oder bei der Aufnahme von Geflüchteten. In vielen Mitgliedstaaten mehren sich europaskeptische und-feindliche Stimmen, es zeigen sich Tendenzen des Separatismus und Rechtspopulismus. Immer häufiger wird der Ruf nach einer Rückkehr zu nationalen Grenzen laut. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung stellt sich die Frage, wie die Errungenschaften des europäischen Projekts bewahrt und gleichzeitig weiterentwickelt und gestärkt werden können. Welche Rolle kann dabei die Wissenschaft übernehmen, welchen Beitrag können europäische Hochschulen leisten? Das europäische Projekt Im Kern beruht das europäische Projekt darauf, Frieden, Freiheit und Wohlstand durch immer engere Zusammenarbeit der beteiligten Länder zu erreichen. Als Zusammenschluss verschiedener, früher verfeindeter Staaten zeichnet sich die Europäische Union dadurch aus, gemeinsame Interessen wesentlich durch Dialog und Interaktion herauszubilden. Die EU als supranationale Union für Frieden, Wohlstand, Freiheit und Demokratie ist eine einzigartige Einrichtung, die entschieden gegen Anfeindungen verteidigt, aber auch kontinuierlich in kritischer Reflexion weiterentwickelt werden muss – so die Auffassung des Politikwissenschaftlers Claus Leggewie. 1 Angesichts von autokratischen und rechtspopulistischen Tendenzen sollten die europäischen Mitgliedstaaten nicht in Nationalismus zurückfallen, sondern als„Vorreiter internationaler Zusammenarbeit in einer interdependenten Welt“ agieren. 2 Im Zeitalter der Globalisierung müsse Europäisierung und verantwortungsvolles Weltbürgertum verbunden werden: So könnte die europäische Gesellschaft zur Grundlage für ein Modell des Kosmopolitismus werden, in dem vielfältige Kulturen in Frieden und Wohlstand zusammenleben, zugleich aber Verantwortung für die Welt übernehmen und konkrete Initiativen zur Bearbeitung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen umsetzen. Als europäische Wertegemeinschaft sei die EU in der Umsetzung von Freiheit, Gleichheit und Solidarität eine ständige Herausforderung. Künftig solle der Fokus stärker auf eine Handlungsgemeinschaft auf den Grundlagen einer europäischen Gesellschaft gelegt werden, die sich faktisch längst grenzüberschreitend entwickelt habe. Europäisches Weltbürgertum ist in diesem Verständnis nicht eurozentristisch, sondern öffnet sich zu außereuropäischen Ländern – es
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"Doing European!" - Wie Hochschulen das europäische Projekt befördern können : ein Beitrag zur Debatte im Vorfeld der Konferenz "Wissenschaft hält Europa zusammen"
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