Gewappnet für die Zukunft? Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Österreich Maren Beaufort AUF EINEN BLICK Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich wird im europäischen Vergleich mit hohen Reichweiten und Vertrauenswerten verbunden. Um seine starke und demokratiepolitisch relevante Position zu wahren, bedarf es verbesserter rechtlicher Rahmenbedingungen und unternehmerischen wie journalistischen Mutes, sich den veränderten gesellschaftlichen Erwartungen und neuartigen Formen des Mediennutzungsverhaltens zu stellen. Strategisch bedeutet das − neben einer modernisierten Organisationsstruktur zur Wahrung der Unabhängigkeit vor externen Einflüssen − mehrdimensional umgesetzte Vielfalt, die unterschiedliche Vorstellungen demokratischen Zusammenlebens als oberste Programmrichtlinie versteht, und ein neuartiges, kooperatives Denken in transnationalen, plattformisierten Kommunikationsräumen. Die meistgenutzten Marken im österreichischen TV-, Radiound Online-Bereich sind die Informationsangebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Laut Digital News Report 2021 des Reuters-Instituts wählen täglich 62,6% der Befragten die Fernsehnachrichten auf ORF 2(38,2%) und ORF 1(24,4%), 23,8% das Radioprogramm Ö3 und 28,6% die Website orf.at(die Wochenreichweiten liegen höher: ORF 2: 49,3%; ORF 1: 37,2%; Ö3: 37,0%; orf.at: 38,5%). ORF 2 und 1 dominieren wie Ö3 die Informationsnutzung über alle Medientypen hinweg. Im langjährigen Durchschnitt vertrauen rund zwei Drittel der Befragten den Angeboten des ORF, während der Corona-Krise sogar 74%(Gadringer et al. 2021). Keinem anderen Medium wird derart vertraut. Die Reichweiten sind generell bemerkenswert (für 2020: ORF 2: 43,7%; ORF 1: 26,1%; Ö3: 31%) 1 , wobei der nach der Dualisierung des Rundfunkmarktes erwartbare Abwärtstrend schon lange weitgehend gestoppt werden konnte. Das sind Indikatoren für eine starke Position des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie hat historische Gründe, die bis heute die journalistische Arbeit ebenso wie die Reputation des Unternehmens prägen – aber auch seit jeher machtpolitisch motivierte Begehrlichkeiten weckten. Damit der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch in Zukunft seine demokratiepolitisch relevante Position halten kann, bedarf es korrigierter rechtlicher Rahmenbedingungen und unternehmerischen wie journalistischen Mutes, sich den veränderten gesellschaftlichen Erwartungen und neuartigen Formen der Mediennutzung zu stellen. DAS INFORMATIONSMEDIUM: JOURNALISTISCHE UNABHÄNGIGKEIT ALS ERFOLGSGARANTIE Im Jahr 1957 gegründet, wurde die im staatlichen Besitz befindliche„Österreichische Rundfunk Gesellschaft mbH“ ein Jahr später zum alleinigen Anbieter von Radioprogrammen und des seit 1955 existierenden Fernsehversuchsprogramms. Die nach dem Proporzsystem erfolgte Besetzung der leitenden Positionen durch Parteigänger der konservativen Österreichischen Volkspartei(ÖVP) und der Sozialistischen(seit 1991: Sozialdemokratischen) Partei Österreichs(SPÖ) schlug sich jedoch in mangelnder Programmqualität und zunehmender Unzufriedenheit des stark anwachsenden Publikums nieder, die 1966 in einem der erfolgreichsten Volksbegehren der Zweiten Republik gipfelte. Das neue Rundfunkgesetz schuf die Position eines mit weitreichenden Entscheidungsbefugnissen ausgestatteten Generalintendanten, stärkte die Interessen der Bundesländer im 22-köpfigen Aufsichtsrat, etablierte die„Hörer- und Sehervertretung“, legte den Grundstein für drei bundesweite Radio- und zwei Fernsehprogramme und führte zu einer beträchtlichen Erweiterung des Informationsangebots: Das internationale, für den ORF charakteristische, Netz von Korrespondent_innen wurde ausgebaut und die nach dem Vorbild der BBC konzipierte Hauptnachrichtensendung„Zeit im Bild“ 1970 auf beide Gewappnet für die Zukunft? Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Österreich— FES impuls 1
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Gewappnet für die Zukunft? : öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Österreich
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