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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit : wofür steht Deutschland aus Sicht der Wähler_innen?
Entstehung
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Michael Jankowski Zwischen Anspruch und Wirklichkeit Wofür steht Deutschland aus Sicht der Wähler_innen? AUF EINEN BLICK Der Beitrag analysiert basierend auf Umfra­gedaten, für welche Werte Deutschland aus Sicht seiner Bürger_innen derzeit steht und für welche Werte Deutschland stehen sollte. Bei nahezu allen abgefragten Werten zeigt sich, dass die Befragten der Meinung sind, Deutschland sollte diese Werte stärker re­präsentieren, als es derzeit der Fall ist. Die Einschätzungen, für welche Werte Deutschland stärker stehen sollte, variieren jedoch zwischen den Anhänger_innen der verschiedenen Parteien. Bei gesellschaftspolitischen Fragen zeigen sich insgesamt stärkere Unterschiede zwi­schen Wählergruppen als bei wirtschafts­und sozialpolitischen Themen. EINLEITUNG In den vergangenen Jahren haben in Deutschland die Debat­ten über eine zunehmende Intensivierung politischer Konflik­te in der Gesellschaft zugenommen(bspw. Mau et al. 2023; Decker 2024). Politische Differenzen wirken zunehmend un­überwindbar und politische Debatten scheinen weniger kons­truktiv zu verlaufen als in der Vergangenheit so zumindest die Wahrnehmung. Diese Beobachtung geht auch mit einem grundsätzlicheren Wandel der Themen einher, die den politi­schen Diskurs bestimmen(vgl. Kriesi/Hutter 2019). Über lan­ge Zeit waren politische Konflikte durch Meinungsunterschie­de bei wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen geprägt: Soll­te der Staat mehr für die Umverteilung tun? Sollte die Wirt­schaft weniger oder stärker reguliert werden? Wenngleich diese Fragen zwar nicht an Aktualität verloren haben, gewin­nen andere Themen an Bedeutung. Wie sollte die deutsche (und europäische) Migrationspolitik aussehen? Welche Maß­nahmen sollten in der Gleichstellungspolitik getroffen wer­den? Dies sind nur zwei Beispiele für gesellschaftspolitische Fragestellungen, die die Politik der vergangenen Jahre(mit-) geprägt haben. Im Zentrum dieser Debatten stehen grundlegende Fragen, welche Werte Deutschland verkörpert und in Zukunft verkör­pern sollte: Soll die Politik den sozialstaatlichen Charakter des Landes stärker in den Fokus rücken oder vorrangig wirt­schaftliche Entlastungen fördern? Soll Deutschland für eine offene oder eher eine restriktive Migrationspolitik stehen? Diese Diskussionen sind nicht nur eine Momentaufnahme, sondern auch eine Weichenstellung für die Zukunft: Welche Ziele soll das Land verfolgen? Welche Werte sollen bewahrt, welche neu definiert werden? Dabei geht es letztlich auch um die individuelle Ebene. Die Vorstellungen davon, was ein Land ausmacht, werden maßgeblich durch die Erfahrungen, Überzeugungen und Hoffnungen seiner Bürger_innen ge­prägt. Sie bilden die Grundlage für die Art und Weise, wie Menschen ihre Identität als Teil der Gesellschaft und des Lan­des wahrnehmen. Genau hier knüpft der vorliegende Beitrag an. Aus Pers­pektive der Bürger_innen wird untersucht, welche Werte Deutschland derzeit verkörpert und welche es zukünftig re­präsentieren sollte. Ziel der Analyse ist es, die größten Dis­krepanzen zwischen Anspruch(wofür Deutschland stehen sollte) und Wirklichkeit(wofür Deutschland derzeit steht) aus Sicht der Bürger_innen herauszuarbeiten. Gleichzeitig wird geprüft, inwieweit sich diese Einschätzungen zwischen verschiedenen Gruppen der Bevölkerung unterscheiden. Die Untersuchung basiert auf der Annahme, dass politische Prä­ferenzen einen wesentlichen Einfluss darauf haben, wie Bür­ger_innen die aktuellen und zukünftigen Werte Deutschlands wahrnehmen und bewerten. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit FES impuls 1