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Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur : Austausch und Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene
Entstehung
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ganda« ist im Chinesischen weiter gefasst, während er im europäischen und amerikanischen Sprachgebrauch(im Gegensatz zu»Soft Power«) überwiegend negativ konno­tiert ist. Zur Zeit von Li Changchuns Äußerungen war der Ausdruck daher im chinesischen Sprachgebrauch, der sich an eine Öffentlichkeit im Ausland richtete, bereits im Ab­schwung. Er wird in Chinas Außendarstellung kaum noch verwendet, 133 bleibt jedoch im Diskurs des Westens mit den Konfuzius-Instituten verbunden. 134 Joseph S. Nye, geistiger Vater des Soft-Power-Konzepts, wies darauf hin, dass der Begriff im Hinblick auf die Konfuzius­Institute differenziert zu gebrauchen sei:»Konfuzius-Institute sind eine Ressource, die unter Umständen Soft Power hervor­bringen kann, falls sie in den Augen der Zielgruppe attraktiv ist. Genauer gesagt sind Konfuzius-Institute also eher eine potenzielle Soft-Power-Ressource als Soft Power an sich.« 135 In diesem Sinne können die Konfuzius-Institute als Soft­Power-Initiative in Europa und den Vereinigten Staaten zum jetzigen Zeitpunkt durchaus als missglückt angesehen werden. Nicht nur wird die tatsächliche oder vermeintliche Soft Power der Institute zunehmend problematisiert, sie werden auch im Kontext von neuen Ansätzen wie»Sharp Power« und darüber hinaus diskutiert Entwick­lungen, die eine Anziehungskraft konterkarieren. 136 Internationale Kulturdiplomatie Der weitere Kontext von Soft Power ist die Kulturdiplomatie oder, noch weiter gefasst, die öffentliche Diplomatie. Inter­nationale Kulturinstitute sind wichtige Instrumente Auswär­tiger Kulturpolitik eines Landes und»ein sichtbares Symbol für die Bemühungen um ›Soft Power‹« 137 . Der Fokus auf glo­bale Zielsetzungen chinesischer Politik richtet gleichsam ei­nen Scheinwerfer auf die Konfuzius-Institute, der ihren Platz im Ökosystem internationaler Kulturdiplomatie in einem»geokulturellen« 138 Kontext nicht erfasst. Die vergleichende Forschung zur Kulturdiplomatie subsu­miert das Konfuzius-Institut unter die(inter-)nationalen Kul­turinstitute. Unterschiede in Organisation und Finanzierung tun dem keinen Abbruch:»Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und China betreiben allesamt Ein­richtungen, die als traditionelle Hauptstützen der Kulturdip­lomatie angesehen werden können: den British Council, die Alliance française, das Goethe-Institut, das Instituto Cer­vantes und die Konfuzius-Institute. Diese langjährigen und wirksamen Initiativen funktionieren mit einem unterschied­lichen Maß an Vorgaben ihrer Regierungen.[] Jeder dieser Fälle von unterschiedlich ausgeprägter staatlicher Beteili­gung kann als Kulturdiplomatie bezeichnet werden.« 139 Konfuzius-Institute werden aus dieser Perspektive also trotz ihrer vergleichsweise großen Staatsnähe als legitime Instru­mente chinesischer Kulturdiplomatie betrachtet. 140 Wie China gehört auch Deutschland(zumindest bis vor Kur­zem 141 ) zu den wenigen Ländern, die ihre Auswärtige Kultur­politik finanziell großzügig ausstatten. 142 In den Bereichen Kunst, Kultur und Sprache sind die Konfuzius-Institute die herausragenden Instrumente chinesischer Kulturdiplomatie in Deutschland, die zudem das Chinesische Kulturzentrum in Berlin umfasst. Das Chinesische Kulturzentrum und das Goethe-Institut Peking existieren auf Grundlage des deutsch-chinesischen Kulturabkommens von 2005 und be ­trachten einander als Pendants im Status eines nationalen Kulturinstituts. Das Goethe-Institut kooperiert in China zu­dem bei den Goethe-Sprachlernzentren, den Informations­und Lernzentren Deutsch sowie den Deutschen Informati­onsbibliotheken mit chinesischen Partnern(s. Abb. 5, S. 28). Deutschland gehört darüber hinaus zu den Ländern, die das Auslandsschulwesen im Rahmen ihrer Auswärtigen Kulturpolitik strategisch und weitreichend fördern. 143 In China geschieht dies vor allem durch die vom Auswärtigen Amt gegründete PASCH-Initiative(s. Box 3, S. 15). China hat diesen Bereich hingegen erst vor relativ kurzer Zeit ent­deckt und bisher nur minimal mit Fokus auf den Globalen Süden ausgebaut. 144 Akademische Freiheit und Perspektive der Hochschulen Mit der Etablierung eines Konfuzius-Instituts verbanden be­teiligte Hochschulen ursprünglich die Hoffnung auf Einnah­men oder einen gewissen Prestigegewinn bezüglich ihrer 133  Vgl. Bandurski(2022); Lyhne-Gold(2024). 134  Vgl. Zambrin, S. 470, 479. 135  Zitiert in Li(2024), S. 2:»Confucius Institutes are a resource which may or may not produce soft power depending on whether it is attractive in the eyes of the target au­dience. So properly put, CIs are a potential soft power resource rather than soft power per se.«. 136  Vgl. Böge(2020); Li(2024), S. 2, 13; Yang(2023), S. 2. 137  Knudsen(2021a), S. 2. 138  Kluver(2017), S. 390. 139  Goff(2013), S. 427; siehe auch: Knudsen(2021a), S. 4:»Britain, France, Germany, Spain, and China all operate what might be considered traditional mainstays of cultural di­plomacy: the British Council, the Alliance française, the Goethe Institute, the Cervantes Institute, and the Confucian Institutes, respectively. These long-standing and effective ini­tiatives function with varying degrees of input from their governments.[] Each of these instances of varying degrees of state involvement would qualify as cultural diplomacy.« 140  Vgl. Hartig(2016), S. 190–191; Li(2024), S. 11–12. 141  Zu Mittelkürzungen in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik s. Abschnitt»Schulaustausch« sowie Balzer(2023); Goethe-Institut(2024). 142 Vgl. Anheier/ Knudsen/ List(2023), S. 58. 143  Vgl. ebd., S. 6; siehe auch: Knudsen(2021b), S. 3–4. 144  Vgl. ebd., S. 41, 43; siehe auch Zhang(2020). 26 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.