7.15 Sonntagsfrage: kein Rechtsruck Zum Ende des Jahres 2023 wurde das Wahlalter für die Wahl zum Berliner Ab geordnetenhaus auf 16 Jahre abgesenkt(Senat von Berlin 2023). Die Wahlabsicht der Schüler:innen zu erheben ermöglicht daher einen interessanten Einblick in die politische Stimmung unter den befragten Jung- beziehungsweise teilweise zukünftigen Erstwähler:innen. Der Befragungszeitraum lag zudem kurz nach der Wahl zum Europäischen Parlament, bei der ebenfalls erstmals auch Jugendliche ab 16 wahlberechtigt waren. Das Ergebnis stand unter dem Eindruck, dass einer seits viele rechte Parteien, aber auch viele Kleinstparteien Stimmen erhalten hatten. Außerdem trat das Bündnis Sahra Wagenknecht(BSW) zum ersten Mal an. Interessanterweise lassen sich im Antwortverhalten der befragten Berliner Schüler:innen schon weitere Trends ablesen, die sich dann als Ergebnisse bei der Bundestagswahl 2025 manifestierten, welche erst nach dem Befragungszeitraum stattfand: insbesondere ein erhöhtes Wahlinteresse für Die Linke sowie ein nur äußerst geringes Interesse für die FDP, das sich bereits in den Landtagswahlen 2024 abzeichnete. Bei den befragten Berliner Schüler:innen lässt sich kein Rechtsruck beobachten, die Angebote des BSW hingegen scheinen aber in Teilen zu verfangen. Die Wahlabsichten differieren insbesondere entlang des kulturellen Kapitals und der damit häufig zusammenhängenden Schulform beziehungsweise des Bildungsabschlusses Abitur. Die Zustimmungswerte für die Grünen sind besonders hoch bei Befragten des Gymnasiums und mit höherem kulturellen Kapital. Befragte mit Migrationsgeschichte tendieren eher zu CDU und SPD und zum BSW. Die Ergebnisse bestätigen den Trend zur Nivellierung der Wahlergebnisse. Keine der Parteien im Jahrgangsstufen- und Schulformvergleich erhält Zustimmungswerte über 20 %. Angesichts des zudem eher geringen Vertrauens der befragten Schüler:innen in Parteien lässt sich Politiker:innen in Berlin empfehlen, den Kontakt verstärkt zu jungen Menschen zu suchen und eine attraktive politische Bildungsarbeit aufzusetzen. Schule und Politikunterricht können dabei Orte sein, um mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Eine Migrationsgeschichte, vor allem, wenn sie intersektional mit einem geringeren kulturellen Kapital einhergeht, scheint mit der Wahrscheinlichkeit des Nichtwählens in einem engen Zusammenhang zu stehen. Das lässt sich als Auftrag an die Parteien interpretieren, sich noch engagierter um(Jung-)Wähler:innen mit Migrationsgeschichte zu bemühen. 342 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Demokratie macht Schule?! : Politische Bildung und Demokratiebildung an Berliner Schulen 2024/25
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