FES-Analyse Kolumbien: Vor der Quadratur des Kreises? Hans R. Blumenthal Juli 2002 Frustration über das Scheitern des von der Regierung Pastrana begonnenen Friedensprozesses, Verbitterung der Mehrheit der Kolumbianer über die Eskalation der Gewalt durch Guerilla und Paramilitärs, die überwiegend die Ärmsten Kolumbiens trifft, führten im Mai 2002 zur Wahl Alvaro Uribe Velez’ als neuen Staatspräsidenten. Sein Wahlprogramm forderte die Verdoppelung der kolumbianischen Sicherheitskräfte, Polizei und Militär sowie ein hartes Vorgehen gegen die außerstaatlichen Gewaltakteure. Der gewählte Präsident kündigte Bemühungen um eine Vermittlerrolle der UNO für einen Neubeginn der Verhandlungen mit der FARC und der ELN an. Sowohl die Regierung als auch die Guerilla stellen derzeit Forderungen für die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen, die für die jeweils andere Seite inakzeptabel sind. Die vorhersehbare Intensivierung des Konfliktes sehen manche als Bedingung für eine Verhandlungslösung. So sollen die verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte und ihre verbesserte Mobilität den Druck auf die FARC als strategischem Akteur des kolumbianischen Konfliktes erhöhen. Langfristig müssten die FARC einsehen, dass ihnen die militärische Option nicht dienlich sein kann und Verhandlungen als bessere Möglichkeit begreifen. Die dringlichsten Herausforderungen Kolumbiens liegen in der Reaktivierung der Wirtschaft und der Sanierung der Staatsfinanzen. Für die versprochenen Ausgaben zur Stärkung der Streitkräfte und der Polizei werden 2% des BIP benötigt. Zusammen mit Ausgaben im Sozialbereich und Maßnahmen zur Wirtschaftsreaktivierung würde dies eine Steigerung des Haushaltsdefizits auf unhaltbare 10% bedeuten. Uribe plädiert daher für eine Reduktion der Staatsausgaben und mehr Einnahmen u.a. über eine verstärkte Zusammenarbeit mit Weltbank und IWF. Die Antidrogenstrategie der Amerikaner und der kolumbianischen Regierung verfehlt ihr Ziel. Sie richtet sich vornehmlich gegen den Anbau und kriminalisiert Kleinbauern als Drogenhändler, ohne alternative Anbaumöglichkeiten zu bieten. Die weitflächigen Sprühaktionen sind wirkungslos und kontraproduktiv. Coca- und Mohnanbauflächen haben sich weiter vergrößert. Sie stabilisieren die Drogenpreise, unterstützen damit unbeabsichtigt die Interessen der Drogenmafia und bewirken Solidarisierungen der kleinen Drogenbauern mit den Aufständischen als ihren Schutzherrn. Eine produktive Agrarreform sowie eine neue Antidrogenpolitik sind zur Lösung des internen Konfliktes und des Drogenanbauproblems dringend notwendig. Herausgeber und Redaktion: Albrecht Koschützke, Stabsabteilung der Friedrich-Ebert-Stiftung 53170 Bonn, Tel.: 0228-883376, Fax: 883432, eMail: Albrecht.Koschuetzke@fes.de
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