Jerzy Plewa Unterstaatssekretär, Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung und Unterhändler für die EU-Beitrittsverhandlungen, Republik Polen 1.2 Wie sieht der aktuelle Stand des Erweiterungsprozesses im Hinblick auf die Landwirtschaft aus?- Das Beispiel Polen 1.2.1 Die Vorbereitung Polens auf den Beitritt Seit den 90er Jahren bereitet sich Polen auf das große und einzigartige Projekt der Einigung Europas und seine Mitgliedschaft in der Europäischen Union nach 2004 vor. Im landwirtschaftlichen Sektor sind die Verhandlungen wie die notwendigen Anpassungen an die EU-Anforderungen hochkompliziert, sie sind sehr kostenintensiv und sie stellen eine große Herausforderung dar. Wir kämpfen nicht nur mit realen Problemen wie niedrige Einkommen der bäuerlichen Familien oder Verwerfungen in einzelnen Märkten. Wir müssen uns auch gegen Stereotype und falsche Ansichten über die polnische Landwirtschaft zur Wehr setzen, wie sie häufig von Gegnern der Erweiterung gebraucht werden, auf Seiten der EU wie der polnischen Seite. Einige dieser falschen Ansichten haben sogar ihren Weg in die Verhandlungen gefunden, und verzerren und komplizieren diesen ohnehin schon komplexen Prozess. Ein Beispiel ist die immer noch herrschende Ansicht, die Preise für landwirtschaftliche Produkte seien in Polen im Vergleich zur EU sehr niedrig, und das deshalb die Einkommen der Landwirte mit dem Beitritt deutlich steigen werden. Tatsächlich ist es so, dass die Euro-fakturierten Preise für Getreide(Weizen, Roggen, Gerste, Hafer) wie auch die Preise für Schweine- und Hühnerfleisch in Polen viel höher sind als in der EU; nur die Preise für Milch und andere Produkte sind vergleichbar. Dies beruht u.a. auf dem steigenden Wert des Zloty. Nach dem Beitritt wird deshalb das Einkommen der polnischen Bauern deutlich fallen anstatt aufgrund der Preisangleichung zu steigen. Die polnische Agrarwirtschaft hat viele Merkmale traditioneller Landwirtschaft bewahrt. Im Vergleich zur EU setzen wir 10 mal weniger Pflanzenschutzmittel ein als die EU, und drei mal weniger Dünger. Ungefähr 40% der Bauern betreiben eine diversifizierte Produktion, und wir fördern dies, weil es umweltfreundlich ist. 17
Sammelwerk
Wo stehen wir im Erweiterungsprozess? : Das Kapitel Landwirtschaft ; eine Veranstaltung der Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 29. April 2002, Berlin
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