63 akzeptierten Arbeitsteilung koordiniert. 46 Dies liegt nicht nur an den unterschiedlichen Politikoptionen, die nach wie vor den wirtschaftspolitischen Diskurs in Europa bestimmen. Es liegt auch an den institutionellen Grenzen der europäischen Integration: Sie liegen dort, wo nationale Verantwortlichkeiten und nationaler Handlungsbedarf verwischt werden. Aktionen auf Gemeinschaftsebene können dort nicht stattfinden, wo die Subsidiarität eine nationale Vorgehensweise ermöglicht oder gebietet. Der Stabilitätspakt und seine Instrumente bilden in diesem Zusammenhang noch kein ausreichendes Ensemble von Grundsätzen und Verfahren, um die Wirtschaftspolitik in der EuroZone zufriedenstellend zu organisieren. 47 5.2 Wirtschafts- und Finanzpolitik im institutionellen Spannungsfeld Mit dem Beginn der Wirtschafts- und Währungsunion hat sich das institutionelle Gefüge für die Wirtschafts- und Finanzpolitik in Europa deutlich geändert. Die Geld- und Wechselkurspolitik steht als nationales Politikinstrument nicht mehr zur Verfügung, die Wechselkurse der Mitgliedsländer wurden unwiderruflich fixiert, die Geldpolitik ist der Europäischen Zentralbank(EZB) übertragen und damit zentralisiert worden und die Fiskalpolitik der Mitgliedsländer wurde im Hinblick auf Defizite und Verschuldungsentwicklung bindenden Regeln unterworfen. Die Einbindung der neuen EZB in diesen Rahmen basiert zunächst 46 So gibt es z. B. die Forderung, ein zusätzliches"Entscheidungszentrum für die Wirtschaftspolitik" (Prodi) zu schaffen, um der Europäischen Zentralbank als geldpolitischer Behörde einen gleichwertigen und vor allem mit einer Stimme sprechenden Gesprächspartner gegenüberzustellen. Mit einem solchen wirtschaftspolitischen Rat als Gegengewicht zur EZB soll die wirtschafts- und finanzpolitische Repräsentation der Euro-Zone aufgewertet und mit zusätzlichen Kompetenzen auch im Hinblick auf die einheitliche und glaubwürdige Außendarstellung ausgestattet werden. Die Frage ist allerdings, ob eine solche institutionelle Ergänzung eher als Gegenregierung zur Europäischen Zentralbank(wie es etwa in Frankreich betont wird) oder als Teil einer kohärenten Gesamtstrategie formuliert wird. 47 Am Beispiel der offiziellen Kritik an der Haushaltspolitik Irlands mit Bezug auf die Vorgaben der Grundzüge der Wirtschaftspolitik läßt sich die aktuelle Debatte zur Koordinierung der Haushaltsund Wirtschaftspolitik in Euroland nachzeichnen. Irland ist der erste Testfall für die Umsetzung der unterschiedlichen Koordinierungsansprüche. Neben den Problemen von konkurrierenden ökonomischen Analysen(die auch im irischen Fall vorliegen), zeigt sich hier das Konfliktpotential zwischen nationaler Entscheidungsebene und europäischer wirtschaftspolitischer Gesamtstrategie. Die EUKommission hat hierzu eine Mitteilung über die Verstärkung der wirtschaftspolitischen Koordination verabschiedet. Im einzelnen wird eine Erweiterung der Koordinierung mit zusätzlicher Konsultation (Abstimmungen über Strategien und Reaktionen auf externe Schocks) und Expertise(z. B. Gutachten über den Policy-Mix, Verstärkung der statistischen Informationen) vorgesehen, eine stärkere Vorabinformation der EU-Gremien über wirtschaftspolitischen Maßnahmen in den Mitgliedsländern, und Transparenz und Sichtbarkeit(Berichte der Kommission) vorgeschlagen(NZZ 8. 2. 2001 10).
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten