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Transatlantischer Dialog Ausbau der Forschungskooperation zwischen Deutschland/Europa und den USA : eine Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 21. Oktober 2000, Hannover
Entstehung
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12 2. Vom"brain drain" zum"brain gain": Potenziale und Barrieren Die Referenten und Tagungsteilnehmer sehen und bewerten den Stand der transatlantischen Forschungskooperation, im wesentlichen charakterisiert durch eine Einbahnstrasse des Austausches von Wissenschaftlern sowie ei­nen potenziellen Vorsprung von US-Institutionen in Forschung, Entwicklung und Lehre, im Detail durchaus unterschiedlich. Es ziehen sich jedoch be­stimmte Aspekte der Gratwanderung zwischen Kooperation und Wettbewerb ­sowohl in Hinsicht auf Potenziale als auch auf Barrieren- wie ein roter Faden durch die Tagung und werden immer wieder angesprochen. Diese Aspekte sollen im Folgenden genauer beleuchtet werden: 2.1 Angleichung der akademischen Systeme Die verschiedenen Stufen der akademischen Ausbildung in den USA und Deutschland bis zum Erwerb einer Fakultätsposition dauern unterschiedlich lang, sind mit unterschiedlichen Abschlüssen verbunden und daher nicht ohne weiteres gleichzusetzen: Nach dem Diplom arbeiten deutsche Studenten in der Regel drei bis vier Jahre lang teilweise unter erheblichem Druck an der Promotion. Die Be­schränkung der meisten Förderprogramme auf drei Jahre wird von einem Referenten aus den USA als zu kurz kritisiert, um selbständig forschen zu können. Studenten in den USA begännen nach dem Bachelor mit vier bis zu sechs Jahren eigener Forschung. Aus deutscher Sicht hingegen wird häufig die durchschnittliche Dauer bis zur Promotion als zu lang kritisiert, zumal in der Regel erst die Tätigkeit in Post-Doc-Programmen als eigen­ständige Forschung anerkannt wird. Ein Teilnehmer vertritt allerdings in der Diskussion auch den Standpunkt, dass deutsche Absolventen mit dem Ab­schluss Magister Artium oder Diplom häufig sehr viel selbständiger wissen­schaftlich gearbeitet hätten als Studierende aus Frankreich, Großbritannien oder den USA mit einem Master-Abschluss. Er plädiert dafür, kompatibel zu bleiben, ohne diesen Wettbewerbsvorteil aufzugeben. Während sehr viele deutsche Studenten ihre gesamte wissenschaftliche Ausbildung in ein und derselben Universität absolvieren, ist es unter US­amerikanischen Studenten eher üblich, sich verschiedenen Gedanken­schulen auszusetzen. Demzufolge sind sie innerhalb ihrer wissenschaftli­chen Ausbildung erheblich mobiler.