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Die Gewerkschaften in Mittelosteuropa als Akteure im künftigen europäischen Sozialdialog
Entstehung
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Friedrich-Ebert-Stiftung ProjektRegionale Gewerkschaftskooperation für Mittel- und Osteuropa PRZEDSTAWICIELSTWO W POLSCE Warschau Frank Hantke Artikel Die Gewerkschaften in Mittelosteuropa als Akteure im künftigen europäischen Sozialdialog Ausgangsbedingungen Der Weg der Gewerkschaften in den Beitrittsstaaten Betrachtet man das ausgehende Jahrzehnt der 80er Jahre des vergangenen Jahrhun­derts, wird man viele der Gründe für die heutige Verfassung der Gewerkschaftsland­schaft in Mittel- und Osteuropa(MOE) finden. Bis dahin waren die Gewerkschaften der verlängerte Arm und das ausführende Organ der Staatsmacht mit wenigen Ausnah­men. Solidarnosc hatte in Polen schon zu Beginn der 80er Jahre eine Gegenbewegung geschaffen, die ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche schon 10 Jahre später sein sollten. Durchaus auch mit diesem Hintergrund hatten sich von etwa 1988 an auch in anderen Ländern Bewegungen oder Gewerk­schaften gebildet, die sich zunächst dem Kampf gegen die bestehenden Regimes ver­schrieben hatten. So entstanden die sogenannten neuen Gewerkschaften z.B. in Un­garn, Bulgarien oder Litauen. Die meisten von ihnen waren keine originären Gewerk­schaftsorganisationen, hatten aber die betriebliche Ebene zunächst als Ausgangsba­sen. Die sogenannten alten Gewerkschaften hingegen verhielten sich recht unter­schiedlich angesichts der herannahenden Situation. Einige begannen mit eigenen Re­formprozessen, andere verharrten zunächst auf althergebrachten Positionen und stärk­ten den Widerstand gegen die neuen Bewegungen. Hier liegen auch Erklärungen für die z.T. bis heute bestehendenFeindschaften in einer oft stark pluralisierten Gewerk­schaftslandschaft, die nach ´89 aufblühte. Die Ausgangslage war sehr unterschiedlich Somit hatten die heute existierenden Gewerkschaften neue wie alte zum Teil sehr unterschiedliche Ausgangsbasen für die anstehende Transformationszeit. In Ländern wie Estland oder Tschechien gab es keine nennenswerteneue Gewerkschaftsbewe­gung, die bestehenden Gewerkschaften hatten mit der Last der Vergangenheit zu tun und mussten den Arbeitnehmern nun beweisen, dass sie glaubhaft als reformierte Inte­ressenvertretungen in einer sich neu gestaltenden Gesellschaft für den Schutz der Ar­beitnehmer einstehen konnten. Dabei stießen sie naturgemäß auf großes Misstrauen bei den Beschäftigten. Zu eng waren oft die Bindungen an die alte Macht. Anders in Polen, wo die GewerkschaftSolidarnosc quasi das Markenzeichen für den gesell­schaftlichen Umbruch bedeutete. Diese Bewegung hatte zu Umbruchzeiten ca. 2,5 Mio. Mitglieder und zumeist keineKarteileichen, sondern aktive und engagierte Männer und Frauen. Zwar war hier 1984 nach der Verhängung des Kriegsrechtes und dem Verbot aller Gewerkschaften seitens der Partei eine neue Gewerkschaft OPZZ gegründet worden, die im wesentlichen systemkonform weiterarbeitete, aber der BegriffGewerkschaft hatte dennoch in Polen einen guten Klang.