6 All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam (AIADMK) in Tamil Nadu und Trinamool Congress(TC) in West Bengal. Ein wichtiger Bündnispartner der NDA war die in Andhra Pradesh regierende Telugu Desam Party(TDP). Der Verlust der Mehrheit bei der jetzt abgehaltene Wahl geht gleichermaßen auf das Konto der BJP, die ein Viertel ihrer Mandate einbüßte, und ihrer Bündnispartner, von denen die AIADMK völlig leer ausging und TDP und TC jeweils auf weniger als ein Fünftel ihrer bisherigen Stärke reduziert wurden. Statt der im Wahlkampf von der NDA angepeilten und von willfährigen Medien alsbald prognostizierten 300 Sitze plus blieben am Tag der Auszählung gerade 184 übrig – weit weniger als für die absoluten Mehrheit von 272 Sitzen erforderlich. Die Popularität des Premierministers wurde bei der Stimmangabe nicht, wie allgemein erwartet, als Vajpayee-Bonus wirksam, vermutlich hat sie aber Schlimmeres verhindert. Die Gründe für das Scheitern der von der BJP geführten Koalition liegen in einer verfehlten Wahlkampfstrategie, mehr noch aber in einer sich an den Nöten und Bedürfnissen der großen Mehrheit der Bevölkerung desinteressiert zeigenden Politik. Der vorgezogene Wahltermin Im Januar hatte die Parteiführung der BJP gegen den Willen Vajpayees beschlossen, die Wahlen von Oktober auf Ende April vorzuverlegen. Den diskret gestreuten Argumenten, derzeit herrsche eine gute Stimmung für die Regierung und, falls der Monsun schlecht ausfällt, sei Oktober als Wahltermin ungünstig, stand freilich der offensichtliche Nachteil gegenüber, dass die Zeitspanne, in der Vajpayee seine außenpolitischen Erfolge hätte konsolidieren können, unnötig verkürzt wurde. Andererseits war die Distanz von drei Monate für einen allein auf ein Stimmungshoch FES-Analyse: Indien setzenden Wahlkampf wiederum sehr lang. Ein noch früherer Wahltermin Mitte März, der es den BJP-Strategen ermöglicht hätte, die Opposition mit einem Blitzwahlkampf zu überrollen, war am Einspruch der unabhängigen Wahlkommission gescheitert. In Wirklichkeit hatte die umstrittene Entscheidung aber nicht allein mit wahltaktischen Erwägungen zu tun, sondern zeigte sich als Kulminationspunkt einer seit langem erkennbaren Entfremdung des souverän regierenden Premierministers von dem hindu-nationalistischen Establishment der BJP. Dort war man sich zwar bewusst, dass ohne den im Inland populären und international respektierten 79-Jährigen die nächste Wahl nicht zu gewinnen war. Zugleich nahm aber die Frustration über Vajpayees moderate Politik weitab von der Hindutva-Ideologie seiner Partei ständig zu. Mit der Entspannung des Verhältnisses zu Pakistan drohte ein vertrautes und innenpolitisch nützliches Feindbild verloren zu gehen. In der Wirtschaftspolitik erschienen selbst die zögerlichen Reformschritte der Regierung in Sachen Privatisierung und Investitionsförderung als Verrat an dem Hindutva-Leitmotiv „Indien den Hindus“. Und selbst ein Sonderprogramm des Premierministers für den Bau von Autobahnen galt denen als Affront, die der Errichtung von Hindutempeln Vorrang zumaßen. So steckt hinter dem Vorziehen des Wahltermins vermutlich auch das intrigante Kalkül des von Vajpayee in die Kabinettsdisziplin eingebundenen Hardliners Lal K. Advani, nach einem mit der Zugkraft des populären Premierministers errungenen Wahlsieg als dessen Nachfolger die hindu-nationalistischen Prioritäten der BJP durchzusetzen. India Shining Nach der Serie von Wahlniederlagen der BJP im Jahr 2002 hatte die vermögende hindu-nationalis-
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Machtwechsel in Delhi : Hintergrund und Folgen der Wahlen in Indien
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