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Schwach und doch gefürchtet : Gewerkschaften in Afrika
Entstehung
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Schwach und doch gefürchtet: Gewerkschaften in Afrika Hubert René Schillinger Januar 2005 Zusammenfassung Gewerkschaften in Afrika sind schwache Organisationen mit internen Problemen. Im Zangengriff von informeller Ökonomie undneoliberaler Globalisierung werden ih­nen nicht selten Zukunftschancen abgesprochen. Von Trägern des antikolonialen Befreiungskampfes in den 40er und 50er Jahren mutierten die Gewerkschaften nach der Unabhängigkeit zunächst mehrheitlich zu abhängigen Staatsgewerkschaften mit gesichertem Status, Pfründen für die Führung und sicheren Jobs für Mitglieder. Ein erstes unliebsames Erwachen brachte die durch die Schuldenkrise erzwungene wirtschaftliche Liberalisierung der 80er Jahre, welche zu einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen und starken Mitgliederverlusten führte. Erschwerend kam hinzu, dass viele Regierungen im Zuge von Strukturanpassungspolitiken ihre Arbeitsgesetzge­bung zu Lasten der Beschäftigten reformierten und in Arbeitskonflikten häufig einsei­tig Partei zugunsten der Arbeitgeberseite ergriffen. Die anschließende politische Liberalisierung schuf allerdings neue Freiräume, die zu einer Abnabelung einiger Gewerkschaften von allzu großer Staatsnähe oder für den Aufbau neuer, unabhängiger Gewerkschaften genutzt wurden. In einer ganzen Reihe von Ländern wirkten Gewerkschaften bei der Ablösung autokratischer Regime an entscheidender Stelle mit. Anders als in den klassischen Feldern gewerkschaftlicher Interessenvertretung ist der Einfluss der Gewerkschaften in der Politik bis heute bedeutsam geblieben. Ent­sprechend wäre es falsch, die afrikanischen Gewerkschaften als Relikt der Vergan­genheit oder ‚quantité negligeable` abzuschreiben. Die aktuell wieder steigenden Investitionen in Afrika schaffen nach einer langen Durststrecke zudem neue gewerk­schaftliche Organisationspotentiale. Vor allem aber bleiben die Gewerkschaften bis auf weiteres eine der wenigen mobilisierbaren gesellschaftlichen Gruppen mit lan­desweiten Strukturen und sind daher in nicht wenigen afrikanischen Staaten ein poli­tischer Machtfaktor.