Druckschrift 
Wo drückt der Schuh? - Die zehn Hauptprobleme des Deutschen Mittelstands : Expertengespräch, Mittwoch, 4. Dezember 2002 [...] Berlin ; Thesen des Instituts für Wirtschafts- und Politikforschung, IWP, Köln, erstellt im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2002
Entstehung
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These 8 Die Vertriebswege lassen mittelständischen Unter­nehmen wenig Spielraum Problem Käufer- und Abnehmerpräferenzen und die Wahl des Vertriebsweges sind je nach Art des Gutes sehr verschieden. Konsumgüterhersteller sind mit anderen Absatzproblemen konfrontiert als Produktionsgüterhersteller. Während für in­dustrielle Produktionsgüter die wichtigsten Abnehmer andere Industrieunter­nehmen sind, setzen Konsumgüterhersteller ihre Produkte vorwiegend über den Groß- und Einzelhandel ab. Auf der einen Seite haben mittelständische Konsumgüterhersteller in diesem Zusammenhang mit dem Problem zu kämpfen, dass sie sich innerhalb der von großen Abnehmern organisierten Vertriebswege halten bzw. etablieren müssen. Der industrielle Mittelstand ist auf der anderen Seite fast ausschließlich in der Zulieferwirtschaft tätig. Aufgrund der andauernden Umstrukturierungen in der Zulieferindustrie geraten auch hier die mittelständischen Unternehmen immer stärker unter Druck. Erklärungsansatz Im Zuge der Einführung geänderter Produktionskonzepte haben Großunter­nehmen ihre Transaktionskosten mit den Zulieferern reduziert, indem sie hie­rarchische Zulieferketten gebildet haben. Schnittstelle der Großunternehmen zur Zulieferindustrie bilden die vorgelagerten Systemlieferanten, die die Anfor­derungen an Stückzahlen sowie Sortimentsbreite und-tiefe erfüllen. Die Verlagerung der Fertigungstiefe bei den Endproduktherstellern führt zwar zu einem größeren Wertschöpfungsanteil der Zulieferindustrie, hieraus resultiert aber nicht zwangsläufig ein höheres Marktvolumen für Zulieferungen durch mittelständische Unternehmen. Bei den Systemzulieferern, die am stärksten in der Zuliefererkette vom Out­sourcing der Endhersteller profitieren, handelt es sich seinerseits fast aus­schließlich um marktmächtige Großunternehmen, da mittelständische Industrie­unternehmen selten die erforderlichen Losgröße oder Produktionstiefe und -breite aufweisen, um als direkter Partner für Großunternehmen interessant zu sein. Problematisch gestaltet sich in den letzten Jahren auch der mittlerweile auf den unteren Stufen der Zuliefererkette stattfindende Verdrängungs- und Konzentrationsprozess. 18