Druckschrift 
Wo drückt der Schuh? - Die zehn Hauptprobleme des Deutschen Mittelstands : Expertengespräch, Mittwoch, 4. Dezember 2002 [...] Berlin ; Thesen des Instituts für Wirtschafts- und Politikforschung, IWP, Köln, erstellt im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2002
Entstehung
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These 10 Flexible Arbeitszeitsysteme werden nur zögernd vom Mittelstand genutzt Problem Die sich verändernden Rahmenbedingungen sowie der sich verschärfende Wettbewerb erfordern von mittelständischen Unternehmen mehr denn je eine aktive gestalterische Unternehmenspolitik. Der Flexibilisierung der Arbeitszeit kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Die flexible Ges­taltung von Arbeits- und Betriebszeiten ist die Voraussetzung für eine ange­passte Reaktion der Unternehmen auf sich wandelnde Markt- und Kundenan­forderungen. Untersuchungen 29 zeigen, dass die flexible Arbeitszeitgestaltung ein Erfolgsfaktor konstant wachsender Unternehmen ist. Flexible Arbeitszeit­modelle verbessern aber nicht nur die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen auf den Gütermärkten, sondern erhöhen auch ihre Attraktivität auf dem Ar­beitsmarkt, da Arbeitnehmer, u.a. aufgrund sozio-kultureller Veränderungen, ein gestiegenes Interesse an einer flexibleren Arbeitszeitgestaltung haben. Es zeigt sich aber gleichzeitig auch, dass mittelständische Unternehmen bei der Einfüh­rung flexibler Arbeitszeiten ebenso zurückhaltend sind wie bei anderen Formen der Mitarbeiterbeteiligung. Erklärungsansatz Die öffentlich-rechtlichen sowie tarif- und individualrechtlichen Rahmenbedin­gungen einer betrieblichen Arbeitszeitgestaltung lassen auf den ersten Blick keine gravierenden faktischen Barrieren erkennen, die speziell mittelständische Unternehmen bei der Arbeitszeitflexibilisierung behindern. Jedoch stellt sich der gesamte Rechtsrahmen als zu komplex und intransparent dar, was die arbeits­rechtliche Kompetenz besonders kleiner und mittlerer Unternehmen überfordert. So bestehen offene Rechtsfragen beispielsweise nach dem zulässigen Umfang einer Delegation der Arbeitszeitgestaltung von der tariflichen auf die betriebliche Ebene oder nach der sozialversicherungsrechtlichen Absicherung von Arbeit­nehmern, die im Rahmen von flexiblen Arbeitszeitmodellen immer wieder länge­re Zeit nicht arbeiten. Innerbetrieblich existieren einerseits Faktoren, die eine Arbeitszeitflexibilisie­rung in mittelständischen Unternehmen behindern können, wozu z.B. die Über­lastung der Geschäftsführung durch das operative Tagesgeschäft, Informations­29 Dörsam/Stefan: Flexible Arbeitsgestaltung in mittelständischen Unternehmen, 1997 22