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Afghanistan: Rückblick 2005, Ausblick auf 2006
Entstehung
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Gesichtspunkt sehr positiv zu bewerten, da dort zwei Frauen mehr gewählt wurden, als es durch die 25%-Quote gewesen wären. Darüber hinaus befinden sich drei Frauen in Karzais Kabinett und ebenfalls bei Einstel­lungen in öffentliche Ämter ist die Förde­rung von Frauen deutlich in den Fokus ge­rückt. Die Realität in einer immer noch patri­archalischen Gesellschaft Im Vorfeld der Parlamentswahlen ließen sich zwar viele Frauen registrieren, aber die offi­ziell benannte Rate der Beteiligung passt nicht zu den Beobachtungen in den Wahl­lokalen am Wahltag selbst: Hier kam es in vielen Fällen dazu, dass Männer für ihre Frau(en) mitwählten, insbesondere in den konservativen Regionen des Südens und Südostens. Zum einen war dieses auf die noch mangelnde(politische) Bildung von Männern und von Frauen zurückzuführen, denen die Inhalte der neuen Verfassung und die Schritte des politischen Prozesses nicht bekannt waren. Dieses hing aber auch stark mit einem tief verankerten traditionellen Gesellschafts- bzw. Rollenverständnis zu­sammen: Politik ist eine männliche Domäne. Es darf auch nicht vergessen werden, dass in dem traditionell islamisch geprägten Land grundsätzlich Frauen hinter Männern zu­rückstanden und stark auf den häuslichen Bereich beschränkt blieben. Auf der anderen Seite wurden immer mehr politische Frauennetzwerke in Kabul und in Provinzhauptstädten gegründet(und von in­ternationalen Organisationen gefördert). Sie setzten sich für eine aktive politische Partizi­pation ein, kandidierten für die Parlaments­wahlen und wehrten sich dagegen, dass das Wort Demokratie von vielen Männern infla­tionär im Munde geführt wurde, ohne diese in deren eigenen Familien umzusetzen. Medien: Spiegelbild der Demokratisie­rung Unabhängige Medien können nicht nur als aufsteigender Riese in der sich entfaltenden afghanischen Zivilgesellschaft bezeichnet werden, sondern sie spiegeln auch den fort­schreitenden Grad der Demokratisierung und des Meinungspluralismus wieder. Ihre Rolle im Prozess der Friedenskonsolidierung und Konfliktbewältigung ist von äußerster Wichtigkeit. Die Bilanz fällt auch in diesem Bereich nur verhalten optimistisch aus: Der Medienbereich ist geradezu explodiert, wo­bei weiterhin der Schwerpunkt dieser Ent­wicklung in der Hauptstadt Kabul und in ei­nigen Provinzhauptstädten lag. Die Zahl der staatlichen und privaten Zeitungen, Radio­und TV-Programme stieg von Tag zu Tag. Ende des Jahres waren etwa 250 Publikati­onen sowie 42 private Radiostationen und acht TV-Sender beim Ministerium für Infor­mation und Kultur registriert. Des Weiteren strebt der staatliche Sender Radio Television Afghanistan(RTA) eine Umwandlung in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft an, unter der Leitung eines deutsch-afghanischen In­tendanten. Als problematisch ist jedoch die noch man­gelnde Qualität der Berichterstattung anzu­sehen: Es muss weiterhin viel für die Ausbil­dung von Journalisten getan werden, vor al­lem in Hinblick auf deren Unparteilichkeit sowie die Form und Korrektheit der Bericht­erstattung. Außerdem fehlte es vielerorts an stabilen Finanzressourcen. Hauptsächlich von der internationalen Gebergemeinschaft getragen, verpflichteten sich diese nur sel­ten zu einem längerfristigen Engagement. Viele neu gegründete Zeitungen ver­schwanden nach nur kurzer Zeit aufgrund fehlender finanzieller Mittel wieder. Im Ver­gleich zu den Printmedien bedürfen auf­grund der hohen Analphabetenrate Radio­und TV-Produktion verstärkter Aufmerk­samkeit im Entwicklungsprozess: Sie stellen die zentralen Informationsquellen in Afgha­nistan dar. Zu einer staatlichen Zensur kam es nur in Einzelfällen, und vor allem dann, wenn an­geblich religiöse Grundwerte missachtet wurden- so beispielsweise der Fall einer Verurteilung eines Journalisten wegen Blas­phemie zu einer Haftstrafe in diesem Jahr, was große Proteste auslöste. Viel stärker kann eine Form von Selbstzensur beobach­tet werden, da immer wieder Journalisten, die über Themen wie Drogenanbau berich­teten oder sich kritisch zum Islam äußerten, eingeschüchtert wurden. Deswegen wurde über solche oder ähnliche Themen verhält­nismäßig wenig berichtet. 9