Gesichtspunkt sehr positiv zu bewerten, da dort zwei Frauen mehr gewählt wurden, als es durch die 25%-Quote gewesen wären. Darüber hinaus befinden sich drei Frauen in Karzais Kabinett und ebenfalls bei Einstellungen in öffentliche Ämter ist die Förderung von Frauen deutlich in den Fokus gerückt. Die Realität in einer immer noch patriarchalischen Gesellschaft Im Vorfeld der Parlamentswahlen ließen sich zwar viele Frauen registrieren, aber die offiziell benannte Rate der Beteiligung passt nicht zu den Beobachtungen in den Wahllokalen am Wahltag selbst: Hier kam es in vielen Fällen dazu, dass Männer für ihre Frau(en) mitwählten, insbesondere in den konservativen Regionen des Südens und Südostens. Zum einen war dieses auf die noch mangelnde(politische) Bildung von Männern und von Frauen zurückzuführen, denen die Inhalte der neuen Verfassung und die Schritte des politischen Prozesses nicht bekannt waren. Dieses hing aber auch stark mit einem tief verankerten traditionellen Gesellschafts- bzw. Rollenverständnis zusammen: Politik ist eine männliche Domäne. Es darf auch nicht vergessen werden, dass in dem traditionell islamisch geprägten Land grundsätzlich Frauen hinter Männern zurückstanden und stark auf den häuslichen Bereich beschränkt blieben. Auf der anderen Seite wurden immer mehr politische Frauennetzwerke in Kabul und in Provinzhauptstädten gegründet(und von internationalen Organisationen gefördert). Sie setzten sich für eine aktive politische Partizipation ein, kandidierten für die Parlamentswahlen und wehrten sich dagegen, dass das Wort Demokratie von vielen Männern inflationär im Munde geführt wurde, ohne diese in deren eigenen Familien umzusetzen. Medien: Spiegelbild der Demokratisierung Unabhängige Medien können nicht nur als aufsteigender Riese in der sich entfaltenden afghanischen Zivilgesellschaft bezeichnet werden, sondern sie spiegeln auch den fortschreitenden Grad der Demokratisierung und des Meinungspluralismus wieder. Ihre Rolle im Prozess der Friedenskonsolidierung und Konfliktbewältigung ist von äußerster Wichtigkeit. Die Bilanz fällt auch in diesem Bereich nur verhalten optimistisch aus: Der Medienbereich ist geradezu explodiert, wobei weiterhin der Schwerpunkt dieser Entwicklung in der Hauptstadt Kabul und in einigen Provinzhauptstädten lag. Die Zahl der staatlichen und privaten Zeitungen, Radiound TV-Programme stieg von Tag zu Tag. Ende des Jahres waren etwa 250 Publikationen sowie 42 private Radiostationen und acht TV-Sender beim Ministerium für Information und Kultur registriert. Des Weiteren strebt der staatliche Sender Radio Television Afghanistan(RTA) eine Umwandlung in eine öffentlich-rechtliche Körperschaft an, unter der Leitung eines deutsch-afghanischen Intendanten. Als problematisch ist jedoch die noch mangelnde Qualität der Berichterstattung anzusehen: Es muss weiterhin viel für die Ausbildung von Journalisten getan werden, vor allem in Hinblick auf deren Unparteilichkeit sowie die Form und Korrektheit der Berichterstattung. Außerdem fehlte es vielerorts an stabilen Finanzressourcen. Hauptsächlich von der internationalen Gebergemeinschaft getragen, verpflichteten sich diese nur selten zu einem längerfristigen Engagement. Viele neu gegründete Zeitungen verschwanden nach nur kurzer Zeit aufgrund fehlender finanzieller Mittel wieder. Im Vergleich zu den Printmedien bedürfen aufgrund der hohen Analphabetenrate Radiound TV-Produktion verstärkter Aufmerksamkeit im Entwicklungsprozess: Sie stellen die zentralen Informationsquellen in Afghanistan dar. Zu einer staatlichen Zensur kam es nur in Einzelfällen, und vor allem dann, wenn angeblich religiöse Grundwerte missachtet wurden- so beispielsweise der Fall einer Verurteilung eines Journalisten wegen Blasphemie zu einer Haftstrafe in diesem Jahr, was große Proteste auslöste. Viel stärker kann eine Form von Selbstzensur beobachtet werden, da immer wieder Journalisten, die über Themen wie Drogenanbau berichteten oder sich kritisch zum Islam äußerten, eingeschüchtert wurden. Deswegen wurde über solche oder ähnliche Themen verhältnismäßig wenig berichtet. 9
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