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Serbien ohne Montenegro : im Schatten des Kosovo
Entstehung
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14 FES-Analyse: Serbien Fortschritte und Lichtblicke Für Serbien als Kernland des westlichen Balkans sind zwei grundlegende Entwicklungen denkbar. Im besseren Falle wird Serbien durch den Verlust des Kosovos von der Last seiner Vergangenheit befreit und gewinnt auch wirtschaftlich und poli­tisch durch diesen Schritt. Serbien, das ein Jahr­zehnt hindurch fixiert gewesen ist auf eine gewalt­same nach Westen gerichteten Expansion, könnte sich nun gänzlich der inneren Entwicklung wid­men. Insbesondere Belgrad hat durchaus Zukunftspo­tential als urbanes Zentrum Südosteuropas zwischen Athen und Wien. Der Rückstand Serbiens gegenüber seinen Nachbarn ist aufholbar, auch wenn ein grund­sätzliches Hindernis für die Entwicklung der regiona­len Wirtschaft, nämlich die restriktive Visa-Politik der EU, weiterhin besteht. Die Reisemöglichkeiten sollen in Verhandlungen jedoch schrittweise ausgebaut wer­den. Eine völlige Visumsfreiheit für serbische Bürger ist allerdings nicht zu erwarten. Dennoch ist gerade eine Lockerung der Visa-Politik von großer Bedeu­tung. Das betrifft die Exportchancen der Wirtschaft Serbiens(Montenegro produziert kaum Exportwaren), aber es betrifft auch die Mentalität im Lande. Eine deutliche Mehrheit der serbischen Studenten war noch nie im westlichen Ausland. Es ist daher nicht überra­schend, dass das Bild dieser Generation vomWes­ten von Vorurteilen und Fehleinschätzungen durch­setzt ist, da es im Negativen wesentlich geprägt wurde durch die Bomben der NATO auf Jugoslawien 1999. Es liegt auch an der EU, zum Abbau dieser Vorurteile beizutragen. Gelingt dies nicht, könnte das Geschick Serbiens abermals eine Wendung zum Schlimmeren nehmen. Die Serbische Radikale Partei stellt bereits die größte Fraktion im Belgrader Parlament. Kommt es unmittel­bar nach einer Abtrennung des Kosovos zu vorgezo­genen Parlamentswahlen, wird sie wohl nochmals deutlich zulegen können. Gelingt es den Parteien des so genannten demokratischen Blocks in Serbien dann nicht, eine gemeinsame Koalition zur Abwehr der Radikalen zu bilden, stehen Serbien weitere Jahre bevor, die wohl nichtlangweilig im eingangs er­wähnten Sinne Kostunicas sein werden.