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Tariq Ramadan und der Kampf der Kulturen : mit einer Einleitung von Johannes Kandel
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Ralph Ghadban Tariq Ramadan und der Kampf der Kulturen mit einer Einleitung von Johannes Kandel Einleitung zum Text von Ralph Ghadban Tariq Ramadan- Islam-Reformer oder islamistischer Wolf im Schafspelz? von Johannes Kandel Im Herbst letzten Jahres gab es große Aufregung in Frankreich. Tariq Ramadan, musli­mischer Professor für Philosophie an der Universität Genf, hatte einige französische Intel­lektuelle wegen ihrer Unterstützung des Irak-Krieges scharf attackiert. Die Intellektuellen jüdischen Glaubens mutmaßten Antisemitismus und in der Tat zeigte sich, dass Ramadan (und mehr noch sein Bruder Hani Ramadan) auf der schmalen Gratwanderung zwischen Kritik an der Regierung Israels und Antisemitismus ausgeglitten waren. Tariq Ramadan ist zweifellos eine schillernde Figur: geboren 1962 in der Schweiz, wo sein Vater, Said Ra­madan, seit 1954 im Exil leben musste, von der ägyptischen Regierung verfolgt. Sein Großvater väterlicherseits ist der legendäre Gründer der islamistischen Muslim-Bruder­schaft, Hassan al-Banna, der 1949 ermordet wurde. Hassan al-Banna vertrat stets radi­kale anti-zionistische und antisemitische Positionen, von denen sich sein Enkel heute öf­fentlich distanziert. Tariq Ramadan gilt seit Veröffentlichung seiner Bücher"Muslim Sein in Europa" und"Der Islam und der Westen" vor allem in Kreisen muslimischer Intellektueller als Hoffnungsträger und Vermittler zwischen Islam und europäischer Kultur. Er wird als "Islam-Reformer" gefeiert, gleichwohl mehren sich die Stimmen, die ihn eher als"aufge­klärten Euro-Islamisten" bezeichnen, der listig eine dialogische und intellektuell an­sprechende Variante von Islamismus in den Islam-Diskurs einbringen und auf diese Weise die"Islamisierung" Europas durch die Hintertür bezwecke. Schaut man sich seine Bücher genauer an und analysiert- wie Ralph Ghadban-, auf welche islamischen Quellen er sich stützt(und welche er auslässt!), dann erscheint Ramadans"Reformimpuls" in einem ande­ren Licht. Es bleiben viele Fragen offen, z.B. die nach der Akzeptanz des säkularen Staa­tes und dem Begriff von"Säkularität", den Ramadan vertritt. Und es bleibt letztlich unge­klärt, wie sich Ramadan seinen"ganzheitlichen" islamischen Lebensentwurf in einem Eu­ropa der Säkularität, Demokratie und Zivilgesellschaft vorstellt. Dr. Johannes Kandel ist Leiter des Referates Berliner Akademiege­spräche/ Interkultureller Dialog der Friedrich-Ebert-Stiftung. www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 16