Ermittlungen in den sogenannten Goldenberg- und Anglo-Leasing Skandalen sind damit weitgehend zum Erliegen gekommen. Wenn sich dann noch die Mitglieder der Wahlkommission vor allem loyal gegenüber der sie ernennenden Person verhalten, ist es vielleicht nicht verwunderlich, wenn Teile der Bevölkerung ihr vermeintliches Recht in die eigene Hand nehmen oder ihrer Frustration freien Lauf lassen. Bürgertum: Neues Selbstbewusstsein vs. fehlende demokratische Wertebasis Dabei herrscht in Kenia eine weit verbreitete Fixiertheit auf Politik und das Verhalten von Politikern. Die Medien berichten laufend an prominenter Stelle und im Detail von den Ränkespielchen und Versprechen der Angehörigen der Kaste der politischen Führer. Der friedliche Regierungswechsel vor fünf Jahren war trotz allen Vor- und Nachlaufs ein Vorbild demokratischen Gebarens in Afrika. Wer nach positiven Indikatoren für die Entwicklung der Demokratie in Kenia suchte, konnte beim gestärkten Selbstbewusstsein der Wähler fündig werden. Dass bei den jüngsten Parlamentswahlen weit mehr als zwei Drittel der Abgeordneten ihre Sitze verloren haben, deutet darauf hin, dass der traditionell große Respekt für Amts- und Würdenträger schrumpft. Die große Zahl der im neuen Parlament vertretenen Parteien ist zudem Indiz dafür, dass nicht immer blind nach Parteifarbe gewählt, sondern häufig nach individueller Eignung der Kandidaten entschieden wurde. Stärker als je zuvor hatten die Wahlkämpfer das Ohr an der Stimme des Volkes, was man an der enormen Rolle, die Umfragen zugeschrieben wurde, ablesen konnte – ein neues Phänomen in der kenianischen Politik. In den Monaten vor der Wahl schien erstmals in der Geschichte Kenias eine Abwahl des amtierenden Präsidenten möglich, was an sich schon als Erfolg für die Demokratie gewertet werden konnte. Allerdings hat die nun ausgebrochene Krise auch gezeigt, dass die kenianische Gesellschaft noch keine ausreichend stabile demokratische Wertebasis entwickelt hat. Vor dem Hintergrund der Bildung zweier großer Lager und eines knappen Wahlausgangs haben nicht nur die Institutionen sondern auch die Richtpunkte versagt, die individuelles Verhalten steuern. In Abwesenheit eines starken Gemeinwesens und einer unparteiischen Führung greifen Gewalt, Zerstörung und Diskriminierung um sich. Die Grundlagen für die weitere Entwicklung der Demokratie in Kenia sind massiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Selbst vor der privaten Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Institutionen wie Kirchen und Nicht-Regierungsorganisationen hat die ethnisch bedingte Spaltung nicht Halt gemacht. Auch unterhalb der Schwelle gewaltsamer Übergriffe befindet sich die kenianische Gesellschaft in einer fortgesetzten Abwärtsspirale von Anfeindungen zwischen den wesentlichen Volksstämmen. 4. Fazit und Ausblick Die kontroverse Wiederwahl Kibakis hat in Kenia tief sitzende gesellschaftliche Probleme an die Oberfläche treten lassen. Weder die politische Führung oder die demokratischen Strukturen, noch die Wertorientierung einer signifikanten Zahl von BürgerInnen haben ein Abgleiten in Gewaltanwendung und Diskriminierung entlang ethnischer Linien verhindern können. Die Gewaltspirale dreht sich weiter Während vor der Wahl eher die politische und soziale Spaltung des Landes im Vordergrund stand, breitet sich nun deutlich kruder Rassismus aus. Aufgrund der be8
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