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Globale Finanzkrise 2008 und Wirtschaft Russlands
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RUSSLANDS PERSPEKTIVEN 12/2008 12 / 2008 Globale Finanzkrise 2008 und Wirtschaft Russlands Leonid Grigorjew Zusammenfassung: Die globale Finanzkrise bremste das rasante Wirtschaftswachstum Russlands: Im Dezember gab die russische Regierung offiziell zu, dass sich das Land in einer Rezession befindet. Wie wird Russland aus der Krise herauskommen? Dank den hohen Erlösen aus dem Rohstoffexport gelang es dem Land in den letzten Jahren, die Wirtschaft zu stabilisieren, den Staatshaushalt auszugleichen und beachtliche Währungsreserven anzusammeln. Dieser positiven Entwicklung stehen aber zahlreiche ungelöste strukturelle und institutionelle Probleme gegenüber. Der Autor bietet einen Überblick über die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die russische Wirtschaft unter Berücksichtigung der Besonderheiten des russischen Finanzsystems und geht auf die Folgen für den weiteren Verlauf der Modernisierung Russlands ein. Zum Autor: Leonid Grigorjew ist ein führender Wirtschaftsexperte, der Anfang der 90er Jahre als Berater und stellvertretender Wirtschaftsminister an den marktwirtschaftlichen Reformen mitwirkte. Heute leitet er das Institut für Energiewirtschaft und Finanzen ein Forschungszentrum, das sich vorrangig mit Studien zur Modernisierung der russischen Wirtschaft im globalen Kontext beschäftigt. Russland hat in den letzten 20 Jahren eine dreifache Transformation durchgemacht: Die Zusammensetzung des Landes selbst, sein Wirtschaftssystem und sein politisches System haben sich gewandelt. In dieser Zeit legten wir den äußerst schweren Transformationsweg der 90er Jahre zurück, als das BIP des Landes um 43%, die Erdölgewinnung um 40%, die Gasfördermenge um 10% und das Investitionsvolumen um 75% zurückgingen(vgl. Grafik 1). Erst 2007 erreichte das BIP das absolute Niveau von 1989 wieder, die Akkumulationsverluste waren jedoch enorm, ebenso wie das Ausmaß der Auswanderung von Intellektuellen und die verlorene Modernisierungszeit. Eigentlich konnte das Land nur dank der hohen Öleinnahmen 2006 bis 2008 ein ausreichendes Potential akkumulieren, um die Außenschulden zu begleichen, das Finanzsystem zu stabilisieren und zur strategischen Planung übergehen zu können. Die Tatsache, dass die russische Regierung am Anfang der globalen Rezession ein Konzept für langfristige Entwicklung verabschiedet hat, war ein Zeichen für das Ende der Übergangsperiode. Uns sind faktisch ganze zwei Jahrzehnte verloren gegangen, und nun müssen wir uns wieder um eine aufholende Entwicklung bemühen. Praktisch in allen produktiven und sozialen Sektoren braucht das Land umfangreiche Investitionen, es muss komplexe soziale Probleme bewältigen, die sich in den Jahren der Transformation angesammelt haben. 1