Druckschrift 
Die Krise in der Sahelzone
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

DIE KRISE IN DER SAHELZONE Januar 2009 von Dr. Reinhold Plate Friedrich-Ebert-Stiftung Mali Vorbemerkung Die Beziehungen Malis zu den angrenzen­den Nachbarstaaten sind oberflächlich betrachtet freundlich. Die Regionalorganisa­tionen UEMOA(Union Economique et Monétaire Ouestafricaine) und ECOWAS (Economic Community of West African States) trugen wenig zur Verwirklichung ihrer friedensfördernden Ziele bei. Ihr Kon­fliktlösungs- bzw.-verhinderungspotenzial ist allerdings noch nicht erprobt. Nampala Am 20.12.2008 meldete der britische Nach­richtensender BBCKämpfe im Nordwesten Malis. Danach überrannte eineRebellen­gruppe von Tuareg ein Armeelager in der Nähe von Nampala, ein Ort circa 400 km nördlich von Bamako und 60 km südlich der Grenze zu Mauretanien gelegen. Diebe­waffneten Banden operierten mit ungefähr 50 Fahrzeugen. Sie stürmten das Armeela­ger und entwendeten alle Waffen. Laut BBC gab es 15 tote Soldaten, ungezählte Ver­wundete und Geiseln unter den Soldaten. Die Zahl der toten Angreifer war nicht bekannt. Der Angriff von Nampala war der erste schwere Zusammenstoß zwischenmut­maßlichen Tuareg-Rebellen und der mali­schen Armee seit Juli 2008. Bereits vor sechs Monaten führte man zum wiederholten Male Friedensgespräche. Mitte Dezember 2008 forderte Präsident Amadou Toumani Touré die Rebellen auf, die Waffen nieder­zulegen, doch der erneute Friedensversuch scheint gescheitert. Die Regierung Malis bezeichnete die Angrei­fer alsbewaffnete Bande, die zu Drogen­händlern Beziehungen unterhielte. Für den Anschlag erklärte sich die ATNMC, die Tuareg-Allianz Nordmali für den Wandel verantwortlich, die dem Tuareg-Führer Ibrahim Ag Bahanga nahe steht. Der Spre­cher der ATNMC, Hama Ag Sid Ahmed erklärte, dass der Angriff das Ziel gehabt habe, die Regierung Maliszum Dialog zu zwingen. Präsident Touré erklärte Mitte Dezember 2008:Ich bin für die Kriegsführung ausge­bildet, aber ich bevorzuge den Frieden. Die, die Krieg wollen, können sonst wohin ge­hen. Der Präsident rief zur Ruhe und Be­sonnenheit auf und beschwor die nationale Einheit:Niemand kann Mali teilen! Ob es nun neun, 15 oder 20 tote malische Soldaten zu beklagen gab und wie viele verwundet oder verschleppt wurden, ist politisch gesehen zweitrangig. Die Tatsache des Angriffs, der immer wieder gebroche­nen Verträge, der immer neuenRebellen­Fraktionen, die gut bewaffnet zuschlagen sowie dieHilflosigkeit des malischen Militärs verwundern viele Beobachter. Wichtig ist die Tatsache, dass dieRebel­len erstmals vom Boden Mauretaniens aus operieren. Damit rückte die Front von Kidal, das circa 1200 km von Bamako entfernt