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Internationaler Standortwettbewerb : wie kann Deutschland Globalisierungsgewinner bleiben?
Entstehung
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Der Spiegel stellt exemplarisch eine falsche Weltsicht dar. Der internationale Handel wird zum Nullsummenspiel: Die Arbeitskraft der Europäer wird millionenfach entwertet, ihr Wissen abgesaugt. Der Westen muss sich wehren oder er scheitert(Der Spiegel 37/2006: 44). Schemenhaft wird so die Welt von morgen sichtbar. Eine neue Topografie von Macht und Reichtum ist zu erkennen, die für Millionen im Westen wenig Gutes verheißt: Asiens Aufstieg ist ihr Abstieg (Der Spiegel 37/2006: 45). Milliarden Menschen, im Grunde die gesamte arbeitsfähige Bevölkerung aus China, der Sowjetunion, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, der DDR, Jugoslawien und Indien, waren als Wettbewerber auf den Gütermärkten und Teilnehmer auf den Arbeitsmärkten weitestgehend nicht existent. Sie lebten und arbeiteten, aber in einer anderen, uns fremden Galaxie(Der Spiegel 37/2006: 48). Die Integration von Millionen Menschen in Asien geht einher mit der Desintegration von Millionen im Westen(Der Spiegel 37/2006: 54). In Deutschland nimmt die Zahl der Arbeitsplätze ab, weil immer mehr Unternehmen ihre Produktion in das Reich der Mitte verlagern. Und mit der Produktion wandert nun auch die Forschung und Ent­wicklung Richtung China. Was also bleibt uns im Westen?... Eine neue industrielle Revolution vollzieht sich- rund 150 Jahre nach der ersten. Damals, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, stieg England zur ersten und führenden Industrienation der Welt auf. Heu­te ereignet sich in China ähnlich Umwälzendes: China wird zur"Fabrik der Welt", wie es Siemens­Chef Heinrich von Pierer ausdrückt. Immer mehr Güter werden in gigantischen Stückzahlen in China hergestellt und auf dem Weltmarkt verkauft.... Und mit den Industrien verschwinden die Arbeitsplätze. In den alten Industriestaaten geht deshalb die Angst um vor einem"Jobless Growth", wie die Ökonomen sagen. Dort gibt es zwar wieder(höhere) Wachstumsraten, doch die Zahl der Beschäftigten nimmt trotzdem ab. Neue Arbeitsplätze entstehen fast nur in China. 1 . Parallel erscheinen im Stil von Schönheitswettbewerben Standortrankings, die auf einer Skala darstel­len wollen, welche Standorte gerade den Kampf um internationale Unternehmensansiedlungen gewin­nen oder verlieren. Jede historische Orientierung belehrt uns eines Besseren. Sie zeigt:Economies 1 Wolfgang Hirn:Aufbau Ost, Abbau West, in: Manager Magazin, www.manager-magazin.de, 09.03.2005. - 2-