Druckschrift 
Internationaler Standortwettbewerb : wie kann Deutschland Globalisierungsgewinner bleiben?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Das ist eine verzerrte Perspektive, wie allein das rasche Ansteigen der Direktinvestitionen in den Schwellenländern demonstriert. Voraussetzung für höhere soziale Standards wäre es, auf globalen Märkten Unternehmen zu verpflichten, soziale Mindeststandards etwa bei den Arbeitsbedingungen oder Löhnen einzuhalten. Diese Forderung muss jedoch mit den Schwierigkeiten kämpfen, dass in den Aufholländern nicht Millionen, sondern Hunderte von Millionen Erwerbstätige aus der Landwirt­schaft oder informellen Sektoren in die formellen Sektoren hineindrängen und dort zu extrem ungüns­tigen, aber im Vergleich zu vorher weit besseren Bedingungen arbeiten. Im Wettbewerb aus blanker Not werden Löhne herunterkonkurriert. Eine exogene Erhöhung der Sozialstandards würde allerdings dazu führen, dass die Expansion gebremst und weniger Menschen in den Fortschrittsprozess hineinge­zogen würden. 3. Ökologische Nachhaltigkeit fördern Deutschland ist demografisch, fiskalisch und ökologisch nicht nachhaltig. Die ökologische Nachhal­tigkeit kann nur in Kooperation mit anderen Ländern erreicht werden. Eine ökologische Nachhaltig­keit wird preiswerter möglich sein als eine demografische Nachhaltigkeit. Allein die Steigerung der Pflegekosten dürfte in Deutschland höher sein als die Steigerung der Aufwendungen zur Abwehr der Klimakatastrophe. Angesichts der unsicheren Informationen ist eine eindeutige Bestimmung der optimalen Aufwendungen zugunsten ökologischer Nachhaltigkeit nicht möglich. Wir kennen weder den künftigen umweltschonenden technischen Fortschritt noch die Schäden und die Kosten zu ihrer Abwehr hinreichend genau. Alle gegenwärtig formulierten und geforderten Strategien haben den Cha­rakter von besten Setzungen. Dies darf jedoch nicht zum Alibi für Ablehnungen führen. Es wird in den nächsten Jahrzehnten einen ständigen Adjustierungsprozess geben müssen. Gerade die hoch entwi­ckelten Länder sollten sich wegen der hohen Belastungen, die von ihnen ausgehen, sehr offen auf stär­kere Anpassungen einlassen. Hierbei sind die möglichen marktwirtschaftlichen Methoden bei weitem nicht ausgereizt. Nach wie vor dürfte ein weltweiter Handel mit Verschmutzungsrechten nach einer politischen Festlegung tolerabler Emissionen trotz der bisherigen Schwierigkeiten in der Anwen­dung ein günstiges und erfolgversprechendes Instrument sein. Angesichts der extremen nationalen Unterschiede in den die Atmosphäre belastenden Emissionen sind die Unterschiede in der Bereit­schaft, sich auf internationale Abkommen einzulassen, verständlich, aber nicht zu rechtfertigen. Hier­bei bleibt der Hinweis: Langfristig werden die Energieverschwender zu abrupten oder zumindest sehr raschen Anpassungen gezwungen, und die frühzeitig ökologisch angepassten Länder würden dem gegenüber ihre Anpassungslasten zeitlich strecken. Es kann auch sein, dass ein hoher umweltschonen­der technischer Fortschritt dieSpätanpasser belohnt, weil Umweltschutz dann preiswerter wäre. Solche Spekulationen haben einen hohen Sexappeal auf ökonomischen Seminaren, helfen aber der praktischen Politik, die jetzt einen Konsens herbeiführen muss, wenig. Angesichts der rational kaum zu bewältigen Optimierung geht es hier um fundamentale Werte wie internationale Solidarität, Vor­- 23-