verlagern, ist kein Problem. Reits für deutsche Wohnungen aus Luxemburg zu organisieren, ist reine Routine. Die realwirtschaftlichen Schwankungen in den Wachstums- und Beschäftigungsraten haben sich in den letzten Jahrzehnten verringert. Dennoch werden die Kapitalmärkte und ihre Entwicklung als destabilisierend erlebt. Dabei stützt sich die Kritik u.a. auf die Erfahrung der Währungskrisen der asiatischen Länder in den Neunzigerjahren oder die anschließende Krisen Russlands und Argentiniens. Als besonders belastend haben sich jeweils die raschen Abflüsse von kurzfristigem Kapital aus den Risiko-Ländern herausgestellt. Hier werden die Diskussionen über Tobinsteuern oder das argentinische Encache nicht abreißen. Ergebnisse sind unwahrscheinlich. Wichtiger bleibt ein ständiges Einhalten der Regel einer gesunden makroökonomischen Entwicklung, wichtig bleiben solide staatliche Finanzen ohne destabilisierende Wirkung für die eigene Volkswirtschaft und nationale Geldpolitik, die hohe und schwankende Inflationsraten mit entsprechenden Zinsänderungen vermeidet. Die offenen Kapitalmärkte und die Globalisierung verstärken den Zwang, die pragmatischen Regeln ökonomischer Vernunft und ökonomischer Disziplin ständig einzuhalten. Es wird im internationalen Wettbewerb schwerer, Einkommen und Gewinne weit überdurchschnittlich zu belasten, sich hohe Haushaltsdefizite zuzugestehen oder die Lohnbildung von der Nachfragesituation auf den einzelnen Märkten abzukoppeln. Das gilt gerade auch innerhalb der europäischen Währungsunion. Die Bundesrepublik ist in den letzten 60 Jahren gut damit gefahren, diese Fundamentalregeln ökonomischer Disziplin auf den Arbeitsmärkten und in den öffentlichen Haushalten meist einzuhalten. Diese Erfahrungen sollten nicht in Vergessenheit geraten. 7. Staatssektor und Standortentwicklung Die beschleunigte Globalisierung erscheint vielen als eine Entmachtung des Staates. Richtig daran ist, dass internationale Kapitalbewegungen rascher auf kritische Entwicklungen in den öffentlichen Budgets reagieren. Richtig daran ist auch, dass Unternehmensverschmelzungen und Beteiligungen über Grenzen hinweg zunehmen. Allerdings entspricht es einer alten Erfahrung, dass solche Entwicklungen in Schüben verlaufen. In den Sechzigerjahren machte ein Bestseller von Servan Schreiber Furore, der einen Prozess der Kolonisierung Europas durch wachsende US-amerikanische Unternehmenskäufe befürchtete. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass solche z.T. nationalistisch motivierte Krisenfurcht unbegründet ist. Es sind natürliche Extremfälle aufgetreten, bei denen einzelne Großkonzerne kleine nationale Volkswirtschaften dominierten und erheblichen politischen Einfluss ausüben konnten. Eine Krise von Nokia kann leicht zur Finnland-Krise werden. In den Ländern der europäischen Währungsunion sind solche Verhältnisse nicht vorstellbar – abgesehen natürlich davon, dass überall in westlichen Demokratien gut organisierte Unternehmensverbände, aber auch Gewerkschaften und andere Gruppen in einer Lobbykratie politischen Einfluss ausüben. Wache Wähler müssen ihre politischen - 33-
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Internationaler Standortwettbewerb : wie kann Deutschland Globalisierungsgewinner bleiben?
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