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Multilateral und aktiv? : Zur Situation der indonesischen Außenpolitik 2008/2009
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April 2009 Multilateral und Aktiv? ­Zur Situation der Indonesischen Außenpolitik 2008/2009 Marius Müller-Hennig, FES Jakarta, April 2009 Die Außenpolitik Indonesiens stellt sich zunehmend den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Staat mit der viertgrößten Bevölkerung weltweit verfolgt einen pragmatischen Multilateralismus, ist zentraler Akteur in der Regionalorganisation ASEAN und zeigt Bereitschaft, zur Bewältigung globa­ler Herausforderungen beizutragen. Mit der neuen US-Administration und ihrem neuen Asien-Fokus bieten sich für die indonesische Au­ßenpolitik Möglichkeiten, mehr internationale Verantwortung zu übernehmen. Die bilateralen Beziehungen zu Australien haben sich in den letzten Jahren deutlich positiv entwickelt. Dies geht so weit, dass die beiden Regierungschefs im Dezember 2008 zusammen eine Konferenz zum Thema Demokratieförderung in Asien eröffnet haben. Doch genau wie in anderen Politikbereichen der jungen Demokratie gilt leider auch in der Außenpoli­tik, dass vieles von den jeweiligen Führungspersönlichkeiten abhängt. Die konstruktiv-positive Rolle Indonesiens benötigt indes eine dauerhafte Grundlage. Indonesien wird in Fragen der Global Governance eine zunehmend bedeutendere Rolle spielen. Gleichzeitig sind seine verfügbaren Ressourcen aber auf absehbare Zeit begrenzt und notwendiger­weise primär auf die Entwicklung des eigenen Landes fokussiert. Historische Entwicklung der indonesischen Außenpo­litik Indonesien ist in den letzten 10 Jahren durch eine umfas­sende politische Übergangsphase gegangen, in der sich das zuvor autoritär regierte Land zur drittgrößten Demo­kratie der Welt entwickelt hat. Diese Veränderungen sind auch an der Außenpolitik des Landes nicht spurlos vorbei­gegangen. Blickt man weiter zurück, so kann man zwei vorangegangene, deutlich verschiedene Phasen der Au­ßenpolitik unterscheiden. Die erste Phase, von der Unab­hängigkeit Indonesiens bis zur Machtübernahme von Ge­neral Soeharto im Jahr 1965, war gekennzeichnet durch den Anspruchbebas dan aktif(unabhängig und aktiv). In dieser Periode entwickelte sich Indonesien zu einer der treibenden Kräfte hinter der Gründung der Blockfreienbe­wegung. Daran schloss sich die Periode der Neuen Ord­nung(Orde Baru) unter autoritärer Herrschaft von Soe­harto an, in der sich Indonesien vor allem aufgrund der an­tikommunistischen Ausrichtung des Regimes im Kalten Krieg den USA und dem Westen stärker öffnete. Nach dem Ende derOrde Baru und dem Sturz von Soe­harto im Jahr 1998 gingen die internationalen Beziehun­gen Indonesiens durch eine Übergangsphase: Die inner­staatlichen Souveränitätskonflikte(Timor Leste, Aceh, West-Papua) prägten zugleich das Verhältnis zum Rest der Staatengemeinschaft, die gerade im Hinblick auf die Miss­achtung von Menschenrechten vielfach Kritik übte. Und auch wenn diese Übergangsphase noch nicht abgeschlos­sen ist, wie die weiterhin geführten Diskussionen um ver­meintliche separatistische Bestrebungen in Westpapua und Aceh unterstreichen, so zeigt die indonesische Außenpoli­tik doch zunehmend neue Muster. Indonesien scheint mehr und mehr im globalen Zeitalter anzukommen. Aktivi­täten in den Bereichen internationaler Klimaschutz, inter­nationale Demokratieförderung und Bemühungen, Beiträ­ge zur internationalen Krisenbewältigung zu leisten weisen auf eine positive Dynamik in der Außenpolitik Indonesiens hin. Zusammen mit einem pragmatischen Hang zum Multi­lateralismus ergibt dies eine optimistische Perspektive für die indonesische Außenpolitik, die hoffentlich dauerhaft multilateral und aktiv auftritt.