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"Unanständiger Reichtum" : die Tycoons und die serbische Politik
Entstehung
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PERSPEKTIVE| FES BELGRAD » Unanständiger Reichtum « Die Tycoons und die serbische Politik Michael Ehrke August 2010 n Die serbische Wirtschaft wird von den so genannten Tycoons dominiert, von Per­sonen, die unter der Herrschaft Miloševi s und in den Kriegen zum Teil auch dank der Kriege der 1990er Jahre große Vermögen anhäufen konnten. Am Beispiel der serbischen Tycoons stellt sich in besonders drastischer Weise ein Problem, das auch in Ost- und Zentraleuropa präsent ist: die Legitimität von Reichtum in Trans­formationsgesellschaften. n Die Tycoons sind keine Agenten der Re-Industrialisierung des Landes. Sie dominieren in Sektoren, die nicht dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind: im Ein­zelhandel, im Immobiliensektor, in geschützten Teilen des Finanzsektors. Eine ihrer wichtigsten Einkommensquellen sind Importlizenzen für die Produkte ausländischer Unternehmen. Daher sind sie an niedrigen Importpreisen und einem hohen Außen­wert des Dinar interessiert nicht aber an dem notwendigen Übergang zu einem exportorientierten Wachstum. n In der serbischen Öffentlichkeit gilt als sicher, dass die Tycoons alle politischen Par­teien finanzieren und sich damit die politischen Entscheidungen erkaufen, die ihrem Interesse entsprechen. Dennoch scheint die Harmonie zwischen Politik und Tycoons nicht ungetrübt wie Präsident Boris Tadi s Anmerkungen zum»unanständigen Reichtum« zeigen.