RUSSLANDS PERSPEKTIVEN 06/2011 06 / 2011 " Welche Schlüsse zieht die Russische Atomwirtschaft aus Fukushima?" Anton Chlopkow Zusammenfassung: Russland hat große Pläne- in den kommenden 20 Jahren sollen neue 26 Kernreaktoren in Russland und etwa ebenso viele im Ausland gebaut werden. Nach der Tragödie von Fukush ima sollen diese Pläne realistischer und die Projekte sicherer gemacht werden. Die Neubauplä ne in Russland stehen kaum zur Dispositi on, eine Reihe von Projekten könnte jedoch neu b ewertet werden, so z.B. der im Bau befindliche Reaktor vom Tschernobyl-Typ in Kursk, die schwimmenden Reaktoren und der neue Reaktorblock in Armenien. Zum Autor: Anton Chlopkow, Direktor des Zentrums für Energiewirtschaft und Sicherheit, Chefredakteur der Zeitschrift“Yaderny club“. Aktuelle Situation der Atomwirtschaft in Russland Russland hat umfangreiche und ambitionierte Pläne für einen weiteren Ausbau der Kernkraft. Nicht zufällig trägt das entsprechende staatliche Programm den Namen„Atomprojekt Nr. 2 “ in Anlehnung an das sowjetische „ Atomprojekt “ zum Aufbau des atomaren Schutzschildes der UdSSR. Präsident Medwedew hat die Förderung der Kerntechnologien in die Liste der fünf prioritären innovativen Entwicklung sziele Russlands aufgenommen. 2010 verabschiedete die Regierung das föderale Programm“ Kernenergie – Technologien der neuen Generation“ . Bereits im Vorfeld wurde die „ Energiestrategie bis 2030 “ verabschiedet, in der die friedliche Nutzung der Nuklear energie eine Schlüsselrolle spielt. Vom Ausbau der atomaren Energieerzeugung erhofft sich die Regierung einen S chub für die gesamte Wirtschaft. Die staatliche Holding “Rosatom“ wurde beauftragt, nicht nur ihre Kernkraftprojekte innerhalb Russland voranzutreiben, sondern auch die internationale Kooperation auszubauen. Mö gliche Exporte nuklearer Technologien wurden daraufhin bei allen offiziellen Gesprächen der russischen Führung im Ausland angesprochen . Zwischen Januar und August 2010 unterzeichnete die"Rosatom “ am Rande von Besuchen von Präsident Medwedew Vereinbarungen über die Zusammenarbeit mit Argentinien, Armenien, Kasachstan und der Türkei. Pr emierminister Putin unterzeichnete Abkommen mit Venezuela und Indien. Angesichts dieser Pläne ist Russland an einer schnellstmöglichen Überwindung der durch die Havarie von Fukushima hervorgerufenen Krise der Nuklearenergie interessiert. Aus der japanischen Tragödie sollen weit reichende Lehren gezogen werden. 1
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