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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Entstehung
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FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 12 URSACHEN VON WISSENSCHAFTS­LEUGNUNG Psychologisch betrachtet ist Leugnung ein Schutzmecha­nismus, der uns vor einer unliebsamen oder beängstigen­den Realität schützt indem das zugrunde liegende Pro­blem einfach weggeschoben wird. Erklärbar ist Leugnung zudem mit der Angst vor Veränderung. Auch politische Einstellungen sind ein zentraler Faktor: Sowohl für die Klimawandelleugnung als auch im Zusammenhang mit einer Verharmlosung des Coronavirus wird auf die Bedeu­tung rechtspopulistischer bzw. rechtsextremer Einstellun­gen hingewiesen(so etwa von Kulin et al. 2021; Jylhä 2020; Küppers/Reiser 2022). Erklärt wird die Klimawan­delleugnung der Rechtspopulist_innen etwa damit, dass die Bekämpfung des Klimawandels ein von den alltägli­chen Sorgen und Bedürfnissen der Menschen abgekop­peltes Problem der kosmopolitischen Eliten darstelle(vgl. Huber 2020; Lockwood 2018). Eine andere Erklärung be­sagt, dass sich Rechtspopulist_innen aufgrund ihres Na­tionalismus mit einem globalen Problem wie dem Klima­wandel schwertäten, da dieses sich rein nationalen Lö­sungen entziehe und nur durch globale Kooperation zwi­schen den Staaten lösbar sei(vgl. Kulin et al. 2021). Auch gesellschaftliche Gruppen mit ausgeprägten marktlibera­len Ansichten, die staatlichen Interventionen und einer Einschränkung der individuellen Freiheiten kritisch ge­genüberstehen, gehören zu den Skeptiker_innen des Kli­mawandels(vgl. Smith/Mayer 2019). Der Zusammenhang zwischen Coronaleugnung und rechtsextremen Einstel­lungen, wie er unter anderem verstärkt in Sachsen und Thüringen zu beobachten war(vgl. Reiser et al. 2021; Le­ber 2021), wird mit bei Rechtsextremen verbreiteten so­zialdarwinistischen und antisemitischen Einstellungen er­klärt. Allerdings lassen sich zumindest für die frühe Phase der Pandemie auch im äußerst linken Lager er­höhte Zustimmungswerte für coronaskeptische Aussagen erkennen(vgl. Küppers/Reiser 2022). Ein weiteres starkes Indiz für eine wissenschaftsleugnen­de Haltung ist mangelndes Vertrauen in die politischen Institutionen(vgl. Reinemann et al. 2022; Rothmund et al. 2022). Während der Covid-19-Pandemie ließ sich zu­dem ein enger Zusammenhang zwischen fehlendem Ver­trauen in das Robert Koch-Institut und der Verharmlo­sung des Virus beobachten(vgl. Küppers/Reiser 2022). Dieses Misstrauen kann ein Grund sein, warum Menschen den offiziellen Informationen(zum Beispiel seitens der Regierung oder von Wissenschaftler_innen) keinen Glau­ben schenken. Die Leugnung wissenschaftlicher Erkennt­nisse geht häufig mit dem Glauben an Verschwörungs­erzählungen einher(vgl. Lewandowsky et al. 2013). Unterschiedliche Formen von Wissenschaftsleugnung sind zum Teil stark miteinander korreliert. Ein Beispiel ist der Zu­sammenhang zwischen Coronaleugnung und Klimawan­delleugnung. Personen, die in dem einen Themenfeld wis­senschaftliche Erkenntnisse bestreiten, tun dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch im anderen. Dies erscheint nahe­liegend, da leugnende Einstellungen bei beiden Themen mit mangelndem Vertrauen in Wissenschaftler_innen zu­sammenhängen könnten. Zudem kommen in beiden Fällen Maßnahmen zum Einsatz, die die individuellen Freiheiten einschränken oder als Einschränkung der Freiheiten wahr­genommen werden(vgl. Scheitle/Corcoran 2021). Da sowohl den Ursachen für coronabezogene Wissen­schaftsleugnung als auch dem Zusammenhang unter­schiedlicher Formen der Leugnung für den bundesdeut­schen Fall bisher kaum nachgegangen wurde, setzt die nachfolgende Analyse insbesondere an diesen beiden Fragen an. VERSCHWÖRUNGSERZÄHLUNGEN Kurz nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie Ende 2019 machten verschiedene Verschwörungserzählun­gen 17 Schlagzeilen. In ihnen wurde etwa behauptet, Ex­pert_innen würden die Bevölkerung zu ihrem eigenen Vorteil bewusst in die Irre führen, das Coronavirus sei aus einemausländischen Militärlabor entwichen oder die Pandemie sei für die Regierung einVorwand, um die Überwachung der Bürger voranzutreiben(für Beispiele siehe Imhoff/Lamberty 2020). Verschwörungserzählungen lassen sich als Glaube defi­nieren, hinter wichtigen Ereignissen stehe der geheime Plan einer bösartigen und mächtigen Gruppe(vgl. Jolly et al. 2020; Douglas et al. 2019). Nera et al. unterscheiden nach oben( upward) und nach unten gerichtete( down­ward) Verschwörungserzählungen. Erstere gehen von ei­ner Verschwörung einer mächtigen Gruppe(wie etwa CIA, Pharmaindustrie, Regierung) aus und wollen existie­rende Machtstrukturen herausfordern. Letztere nehmen eine Verschwörung einer eigentlich machtlosen Gruppe (häufig gesellschaftliche Minderheiten wie zum Beispiel Muslim_innen oder Migrant_innen) an und möchten den Status quo schützen(vgl. Nera et al. 2021). VERBREITUNG VON VERSCHWÖRUNGS­GLAUBEN IN DEUTSCHLAND Laut der Mitte-Studie 2020/21 war zu Beginn des Jahres 2021 knapp jede_r zehnte Deutsche der Ansicht,gehei­me Mächte seienfür die Coronapandemie verantwort­lich. 17,2 Prozent stimmten der Aussage zu, die Pande­mie werde genutzt, umZwangsimpfungen einzufüh­ren. Jeweils weitere acht Prozent waren sich unsicher, ob die Thesen stimmen, und entschieden sich für die Mittel­kategorie(teils/teils)(vgl. Lamberty/Rees 2021). Der Glaube an unterschiedliche und teils sogar wider­sprüchliche Verschwörungserzählungen ist stark mitein­ander korreliert(vgl. Wood et al. 2012). Wer an eine Ver­schwörungserzählung glaubt, stimmt zumeist auch in anderen Bereichen solchen Erzählungen zu. Dies bestä­tigt sich zum Beispiel in der COSMO-Studie für coronabe­zogene Verschwörungserzählungen. Sie belegt eine star­ke positive Korrelation zwischen der Zustimmung zu den sich widersprechenden Aussagen, Corona sei menschen­17 Nocun und Pia Lamberty(2020) legen dar, warum der BegriffVerschwörungserzählung dem der Verschwörungstheorie vorzuziehen ist: Eine Theorie stellt wissenschaftlich nachprüfbare Annahmen auf, die verworfen werden, wenn sie sich als falsch herausstellen. Verschwörungserzählungen entziehen sich dieser Nachprüfbarkeit. Wer an eine Verschwörungserzählung glaubt, wird trotz zahlloser Gegenbeweise an diesem Glauben festhalten.