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Mehr Umverteilung wagen : politische Einstellungen zu Finanzpolitik, Steuern und Gerechtigkeit
Entstehung
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MEHR UMVERTEILUNG WAGEN 16 Finanzielle Allgemeinbildung Um zu verstehen, wie und warum steuer- und finanzpolitische Forderungen auf Zustimmung oder Ablehnung stoßen, muss neben der skizzierten politischen Stimmung auch berücksich­tigt werden, wie fundiert und umfassend das(Vor-)Wissen sowie Verständnis zu Steuern und Finanzen ist. Die Fokusgrup­pen und die repräsentative Befragung zeigen konsequent, dass die Financial Literacy insgesamt gering ausgeprägt ist und sich daraus zum einen ambivalente Einstellungsmuster, zum ande­ren politische Hürden für steuer- und finanzpolitische Forde­rungen ergeben. Das Wissen zu Vermögen- und Erbschaftsteuer erweist sich als gering In der repräsentativen Befragung wurde nach einer Einschät­zung gefragt, ob Aussagen zu Erbschaften, Vermögen und dies­bezüglichen Steuern wahr oder falsch sind. 66 Prozent halten die Aussage, dass Erwerbsarbeit in Deutschland stärker als Ver­mögen oder Kapital besteuert wird, richtigerweise für korrekt. Zwar hat in der repräsentativen Befragung damit nur rund ein Drittel eine nicht korrekte Einschätzung abgegeben, aber die Fokusgruppenergebnisse lassen darauf schließen, dass einige der 66 Prozent, die richtig lagen, schlicht und ergreifend gut geraten haben. Ein sehr ähnlicher Befund zeigt sich bei der Einschätzung zur ungleichen Verteilung von Erbschaften und Schenkungen. 61 Prozent geben richtigerweise an, dass es wahr ist, dass die reichsten zehn Prozent der Gesellschaft in Deutschland die Hälfte aller Erbschaften und Schenkungen erhalten. In den Fokusgruppen waren die Teilnehmenden durch diesen von der Moderation in die Diskussion gegebenen Fakt jedoch durchaus überrascht, sodass auch hier davon ausgegangen werden kann, dass tatsächliches Wissen um die ungleiche Verteilung in der repräsentativen Befragung durch richtiges Raten noch über­schätzt wird. Konsistent mit den Fokusgruppen ist die Einschätzung zur Ver­mögensteuer. In den Fokusgruppen wusste kaum eine_r der Teilnehmenden, ob es in Deutschland eine Vermögensteuer gibt. Die meisten nahmen dann aber an, dass in Deutschland eine Vermögensteuer erhoben würde. In der repräsentativen Befra­gung bestätigt sich dieser Befund insofern, dass gerade einmal 40 Prozent der Bürger_innen die Aussage, Deutschland habe die höchste Vermögensteuer in Europa, korrekterweise als falsch einstufen. 35 Prozent halten die Aussage fälschlicherweise für richtig und mit 24 Prozent gibt etwa jede_r Vierte offen zu, es nicht zu wissen. Ähnlich verhält es sich mit der ungleichen Besteuerung von Erb­schaften und Schenkungen über dem Freibetrag. Die Fokus­gruppenteilnehmenden waren überrascht, als durch die Mode­ration in die Diskussion gegeben wurde, dass gerade Erbschaften über 20 Millionen Euro derzeit kaum besteuert wer­den. In der repräsentativen Befragung geben nur 38 Prozent Sind die folgenden Aussagen zum Thema Steuern und Finanzen wahr oder falsch? Wenn Sie sich nicht sicher sind, dann sagen Sie das bitte. wahr falsch Erwerbsarbeit wird in Deutschland stärker besteuert als Vermögen und Kapital. Die reichsten 10 Prozent der Gesellschaft in Deutschland erhalten die Hälfte aller Erbschaften und Schenkungen. Deutschland hat die höchste Vermögensteuer in Europa. Erbschaften und Schenkungen über 20 Millionen Euro pro Person werden in Deutschland am höchsten besteuert. Basis: alle Wahlberechtigten; fehlende Werte: keine Angabe. Abbildung 14: Wissensabfrage; Quelle: eigene Darstellung. weiß nicht 15% 18% 16% 22% 35% 40% 24% 31% 38% 31% korrekte Antwort 66% 61%