Ausgabe 04/06 03.05.06 Friedrich-Ebert-Stiftung, Fokus Südafrika BÜRO SÜDAFRIKA Publikation für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Südafrika FOKUS SÜDAFRIKA „And the Oscar goes to…Tsotsi!“ Durchbruch des südafrikanischen Kinos? Das Gangsterdrama„Tsotsi“ ist der erste südafrikanische Film der mit einem Academy Award ausgezeichnet wurde. Nach den dunklen Jahren der Apartheid ist Südafrika zurück auf den Bühnen der internationalen Kulturszene. Die Verleihung des Oscars für den besten fremdsprachigen Film hat am Kap der Guten Hoffnung nicht nur große Euphorie ausgelöst, sondern auch Zuversicht auf mehr Aufmerksamkeit für die Probleme des Landes, positive Effekte für die Filmwirtschaft und Impulse für den Tourismus.„Tsotsi“ läuft am 4. Mai in den deutschen Kinos an und wird garantiert auch hier sein Publikum in den Bann ziehen. „Viva Africa. Viva.“ Gavin Hood „Tsotsi“ bedeutet im Township-Slang Südafrikas„Gangster“ und erzählt die Geschichte eines 19-Jährigen, der sich in der Millionenmetropole Johannesburg durchs Leben schlägt. Seine Existenz ist bestimmt vom täglichen Kampf ums Über-leben, bis der Junge bei einem Autoraub versehentlich einen Säugling entführt und sich sein Leben radikal ändert. Die Mutter stirbt früh an AIDS, der Vater ist ein brutaler Trinker. Im Armutsviertel Kliptown im größten Township Südafrikas Soweto vor den Toren Johannesburgs ist ein Menschenleben nicht viel wert: Mit seinen Freunden Boston(Mothusi Magano), Butcher(Zenzo Ngqobe) und Aap(Kenneth Nkosi) geht Tsotsi(Presley Chweneyagae) im Großstadtdschungel regelmäßig auf Beutezug und schreckt dabei auch vor Mord nicht zurück. Bis er bei einem Autoraub eine junge Frau anschießt und erst zu spät bemerkt, dass in dem gestohlenen Fahrzeug ein Säugling auf der Rückbank liegt. Überraschend nimmt er das Kind mit nach Filmszene: Tsotsi und das Baby www.tsotsi.com Hause und zwingt in seiner Hilflosigkeit seine alleinstehende Nachbarin Miriam(Terry Pheto) den Säugling zu stillen. Die außergewöhnliche Situation bringt den anscheinend völlig verrohten Gangster dazu, über sein Leben nachzudenken und sich mit seiner eigenen, trostlosen Vergangenheit auseinander zu setzen. „Tsotsi“ ist Gangster-Drama und Milieu-Studie in einem. Der Film wirft einen Blick auf die sozialen Brennpunkte der südafrikanischen Townships und zeigt die hässliche Seite eines Landes, das auch zwölf Jahre „And the Oscar goes to…Tsotsi!“ nach Ende der Apartheid noch von eklatanten sozialen Gegensätzen geprägt ist. Unter den Ländern mit einer Einwohnerzahl von über 10 Millionen liegt Südafrika in der Negativ-Hitparade der Ungleichverteilung von Vermögen auf Platz zwei – nur hinter Brasilien. Der Gini-Koeffizient von 0,68 als Maß für die Ungleichverteilung bedeutet, dass die vermögendsten zehn Prozent der Bevölkerung des Landes ein etwa 70fach höheres Konsumniveau genießen als die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung. Großer Reichtum und extreme Armut existieren in Südafrika unmittelbar nebeneinander, oft nur durch eine Schnellstraße oder eine Eisenbahnlinie voneinander getrennt. Gewalt wird für viele Jugendliche zum einzigen Mittel, sich in dieser gnadenlosen Gegenwart das Überleben zu sichern – als Tsotsis, Gangster. Das Durchschnittsalter eines Kriminellen liegt in Südafrika bei unter 18 Jahren. Mehr als die Hälfte der 16 bis 24-Jährigen sind arbeitslos. Damit sind 70 Prozent der Arbeitslosen Jugendliche. Kriminalität und Gewalt stehen in den Großstädten Südafrikas auf der Tagesordnung. Johannesburg ist die Stadt mit der höchsten Mordrate weltweit. In den Jahren 2004/2005 zählte die südafrikanische Polizei 18.793 Morde und 12.434 Autoentführungen, sogenannte Carjackings. Auf 100.000 Einwohner kommen in Johannesburg statistisch gesehen 40 Morde und 26 Autoentführungen. Obwohl Eigentums- und Gewaltdelikte insgesamt zurückgehen, ist die Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden, groß, und die Menschen versuchen sich mit Mauern, Stacheldraht und Alarmanlagen zu schützen. Der Polizeistatistik steht in Südafrika eine Angstrate von mehr als 53 Prozent der Bevölkerung entgegen, die ein Ansteigen der Gewalt empfinden. Während sich 1998 noch 60 Prozent der Südafrikaner in ihrer Wohngegend sicher fühlten, sank die Zahl fünf Jahre später auf nur noch 25 Prozent. Dabei stellen Carjackings lediglich die sechstgrößte Sorge dar. „Tsotsi“ thematisiert diese allgegenwärtige Angst mit erschreckenden unmittelbaren Gewaltausbrüchen. Es ist eine kraftvolle und emotionale Fahrt durch die Welt eines darwinistischen Überlebenskampfes. Eindrucksvoll sind die Leistungen der Schauspieler Presley Chweneyagae und Terry Pheto. Beide sind selbst in Townships aufgewachsen, haben dort ihre 2 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 04/2006 Schauspielkarrieren begonnen und machen den Film zu einer einfühlsamen Charakterstudie. Eine weitere Besonderheit ist die Sprache des Films, die ihm zusätzliche Authentizität verleiht. Statt Englisch wird Tsotsi-Taal(Isicamtho) gesprochen, ein Township-Slang, der sich aus den afrikanischen Sprachen Zulu, Xhosa, Tswana und Sotho sowie Englisch und Afrikaans zusammensetzt. Die Musik zum Film liefern treibende „Kwaito“-Rhythmen, die tief in der urbanen Kultur der südafrikanischen Townships verankert und in Johannesburg weit verbreitet sind. Den Hauptbeitrag leistet Zola, ein Rapper der selbst in Soweto aufgewachsen ist und in Johannesburg lebt. Seine Musik reflektiert die Jugendkultur in den Metropolen und beschäftigt sich mit den Alltagsproblemen der Townshipeinwohner, wie Armut, Gewalt und HIV/ AIDS. Zolas Musik hat ihn in Südafrika zum Star werden lassen und bereichert auch die dichte Atmosphäre des Films. Mit dem„Tsotsi“Soundtrack will er„Kwaito“ auf die globale Musikagenda setzen. Zudem hat der Rapper die Nebenrolle des smarten Gangsterbosses Fela Ndlovu übernommen. Made in South Africa „Tsotsi“ ist einer der wenigen vollständig in Südafrika produzierten Filme. Die Golden-Globe-Nominierung und zahlreiche Publikumspreise rückten ihn schon vor dem Erklimmen des Kino-Olymps der AcademyAwards ins internationale Rampenlicht.„Tsotsi“ ist einer der erfolgreichsten südafrikanischen Filme aller Zeiten und hat bis dato über 8 Millionen Rand(ca. 1 Mio. Euro) in Südafrika eingespielt. So kann schon eine Oscarnominierung einen regelrechten Boom auslösen, wie auch das Beispiel„Die letzten Tage der Sophie Scholl“ in Deutschland zeigt. Der Film von Marc Rothemund schildert das Martyrium der Widerstandskämpferin während des Dritten Reiches und war der härteste Konkurrent„Tsotsis“. Die erste Oscar-Verleihung für das südafrikanische Kino bedeutet auch ein Aufschließen der südafrikanischen Filmindustrie, die nun aus dem Schatten der anderen aufstrebenden Filmnationen wie Brasilien und Mexiko heraustreten kann. Die brasilianische Produktion„City of God“ wurde im Jahr 2003 mit vier Oscarnominierungen geadelt, der mexikanische Beitrag „Amores Perros“ wurde im Jahr 2000 für einen Oscar „And the Oscar goes to…Tsotsi!“ nominiert. Und„Tsotsi“ ist nicht der erste Film vom Kap, dem internationale Anerkennung zu Teil wird. Filme aus dem Kap-Staat erleben gerade eine Renaissance und ernten bei internationalen Festspielen unzählige Preise. Filmplakat Tsotsi www.tsotsi.com Im vergangenen Jahr brachte es bereits„Yesterday“ (2005) von Darrell J. Roodt, in dem die HIV/AIDSProblematik thematisiert wird, zu einer Oscar-Nominierung. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Mutter die entdeckt, dass ihr Mann sie mit dem Virus infiziert hat. Ihre einzige Hoffnung bleibt, noch den ersten Schultag ihrer Tochter zu erleben. Auch„Yesterday“ wurde wie„Tsotsi“ nicht in Englisch, sondern in Zulu gedreht, was bis dato einmalig war. Zudem sorgte „U-Carmen eKhayelitsha“(2005), eine Neuinterpretation des Carmen-Stoffes, für Furore. Der Plot der Oper wurde in den größten Township bei Kapstadt verlegt, die Welt der klassischen Oper und das Leben in dem Armenviertel auf beeindruckende Weise zusammengebracht und der Gesang ins afrikanische Xhosa übersetzt. 3 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 04/2006 Erstaunlich sowohl für„U-Carmen eKhayelitsha“ als auch für„Tsotsi“ ist, dass trotz des Drehens in afrikanischen Sprachen die internationale Aufmerksamkeit für diese Filme groß war. Anscheinend ein ungeahntes Erfolgsrezept, denn auch die Carmen-Adaptation wurde bei den Filmfestspielen in Berlin im vergangenen Jahr mit dem Goldenen Bären belohnt. Filmszene: Tsotsi, der Gangster www.tsotsi.com Das Echo auf Zola Masekos„Drum“ aus dem Jahr 2004 hingegen blieb doch sehr auf Afrika beschränkt. Der Film gewann lediglich bei den gewichtigen panafrikanischen Filmfestspielen Fespaco in Ouagadougou (Burkina Faso).„Drum“ erzählt die Geschichte des Johannesburger Stadtteils Sophiatown und der Boulevardzeitschrift„Drum“ während der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sophiatown wurde in dieser Zeit aus apartheidpolitischen Gründen niedergerissen und seine Einwohner zwangsumgesiedelt. Das Magazin prangerte zum ersten Mal die Lebensbedingungen der schwarzen Bevölkerung unter der Apartheid an und löste eine Welle der Proteste aus. Trotz der Preise für„Drum“ wurde der Film auch in Südafrika verhalten aufgenommen, denn das Drehbuch war von einem Amerikaner verfasst und die Hauptrolle von einem afroamerikanischen „And the Oscar goes to…Tsotsi!“ Schauspieler übernommen worden. Charlize Theron hingegen gilt als„südafrikanischer Exportschlager.“ Die Hollywood-Schauspielerin hat mit ihrem Oscar für die beste weibliche Hauptrolle im letzten Jahr in „Monster“ viel zur Popularität des südafrikanischen Kinos beigetragen.„Tsotsi“ stellt nun einen weiteren Durchbruch dar und bringt hoffentlich auch den bisher spärlichen kommerziellen Erfolg ans Kap. In Südafrika produzierte Werbefilme haben es vorgemacht, sie werden bevorzugt in der Region um Kapstadt abgedreht und sind durchaus konkurrenzfähig. Hier zieht es die Werbefilmemacher wegen der schönen Kulisse, aber auch aus Kostengründen verstärkt hin. Kino im Schatten der Apartheid Die Geschichte des südafrikanischen Films ist eng mit der Geschichte der Apartheid verknüpft. Seit dem Jahr 1916 produzierten die Killarney Studios in Johannesburg Kinofilme, darunter viele Stücke afrikaanischnationalistischer Propaganda, wie beispielsweise„De Voortrekkers,“ der den großen Treck vom Kap in die neuen Siedlungsgebiete im Landesinneren Südafrikas verherrlicht. Auch die von 1913 bis 1980 laufende Wochenschau„African Mirror“ diente als Sprachrohr des Apartheidregimes, das insbesondere seit den 50er Jahren mit den großen Produktionsfirmen kooperierte, um das südafrikanische Kino„rein“ von schwarzen Einflüssen zu halten. Allerdings gelingt dies nur schwer. Im Jahre 1973 porträtierte Ross Devenishs mit „Boesman en Lena“ zum ersten Mal Zwangsumsiedlungen und gewann eine Gold- und eine Silbermedaille beim Filmfestival in den USA. In den folgenden Jahren litten schwarze Filmschaffende zwar immer wieder unter Repressionen. Im Jahr 1974 war„U’Deliwe“ jedoch schon der erste südafrikanische Film bei dem mit Simon M Sabela ein Schwarzer Regie führte. Sabelas zweiter Film„How Long“ konnte hingegen nie fertig gestellt werden, da sein Drehbuchautor Gibson Kente inhaftiert wurde. Durch die Gründung der öffentlich-rechtlichen South African Broadcasting Cooperation(SABC) im Jahr 1975 entstand eine neue Nachfrage nach südafrikanischen Produktionen für ein breites Fernsehpublikum und Andre Pieterses„E’Lollipop“ kam in die Kinos. Im Nachbarland Lesotho und in den Vereinigten Staaten 4 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 04/2006 „And the Oscar goes to…Tsotsi!“ von Amerika gedreht, erzählt der Film die Geschichte einer die Grenzen der Apartheid überwindenden Freundschaft zwischen einem schwarzen und einem weißen Jungen. Zwar wurde der Film in Südafrika verboten, international jedoch fand er große Anerkennung und gilt heute als Klassiker des südafrikanischen Films. Im Jahr 2004 wurde er bei den Filmfestspielen von Cannes nachträglich gewürdigt. Die Blüte unabhängiger Produktionen Ende der 1970er Jahre war vor allem auf ein neues staatliches Förderungssystem zurückzuführen, das Zuschüsse von bis zu 300.000 Rand(ungefähr 40.000 Euro) ermöglichte. Filme, die sich kritisch mit der Apartheid auseinander setzten, wurden dann hauptsächlich im Ausland gezeigt. Die meisten Filmverleihe scheuten vor einer Vorführung zurück. Darrel Rodts landete mit „Place of Weeping“ im Jahr 1986 schließlich einen ersten Durchbruch, er konnte seinen Anti-Apartheid-Film vollständig in Südafrika drehen. Offiziell im Jahre 1994 endete mit der Apartheid auch die Isolation Südafrikas und mehr Filme entstanden, die für ein schwarzes Publikum gedreht und hauptsächlich mit schwarzen Schauspielern besetzt waren. Die Zeiten, in denen die Filmbranche unter den Repressionen des Apartheidsystems gelitten hatte und Filme aus Südafrika international boykottiert wurden, sollten endlich vorbei sein. Südafrika ist zurückgekehrt auf das internationale Filmparkett und bietet genug Stoff für großes Kino. Schuld und Sühne, Gewalt und Vergebung sind zeitlose Themen, die auch ein internationales Publikum ansprechen. Aufschwung durch„Tsotsi“? Trotz der neu gewonnenen Freiheit hatten südafrikanische Filme bis vor kurzem nur bescheidenen Erfolg im eigenen Land und erzielten selten gute Einspielergebnisse an den heimischen Kinokassen. Bei„Drum“ standen einem Budget von 40 Millionen Rand(ungefähr 5,3 Mio. Euro) Einnahmen von 915.000 Rand(ca. 120.000 Euro) gegenüber, so Berechnungen der südafrikanischen Filmverleihe Ster-Kinekor und Nu Metro. Investiert wurde dementsprechend nur zurückhaltend. Südafrika war zwar stets ein Ort, an dem günstig ausländische Filme in der schönen Kulisse des Landes gedreht wurden. Erst allmählich jedoch nutzen auch Einheimische die ausgezeichnete Infrastruktur, insbesondere in den Zentren Kapstadts und Johannesburgs, um Filme für das südafrikanische und internationale Publikum zu drehen. Die ausländischen Kinokassen sollen die schwierige Nachfrage im Inland ausgleichen.„In Zukunft müssen wir aber trotzdem darauf achten, dass lokale Themen sich in den Produktionen wiederfinden,“ so Eddie Mbalo von der South African National Film and Video Foundation(NFVF) in einem BBC-Interview,„die Herauforderung ist jetzt, das Niveau von Tsotsi zu halten.“ Das ist deshalb so wichtig, weil man in Südafrika große Probleme hat, das einheimische schwarze Publikum in die Kinos zu locken. Viele Menschen aus den Townships besuchen nicht die Multiplexkinos in den Einkaufsmalls der Vorstädte und in den Townships selbst fehlen oft die Möglichkeiten zur Filmvorführung. Zu dem können es sich nur schätzungsweise 7 Millionen der insgesamt 40 Millionen Einwohner des Landes überhaupt leisten, ins Kino zu gehen. „Viva Africa. Viva.[…] We may have foreign language films, but our stories are the same as your stories. They’re about the human heart and emotion.“ Gavin Hood, Oskar-Verleihung 2006 www.tsotsi.com 5 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 04/2006 Dass die Filmbranche dennoch Zukunftschancen birgt, ist der südafrikanischen Regierung nicht verborgen geblieben, denn finanziell ist der Film-Boom der jüngsten Vergangenheit hauptsächlich der staatlichen Industrial Development Cooperation(IDC) zu verdanken. Sie begann vor fünf Jahren intensiv die südafrikanische Filmindustrie zu unterstützen und war maßgeblich an der Finanzierung von Filmen wie„Drum“ und„Tsotsi“ beteiligt. Letzterer wurde mit insgesamt 12 Millionen Rand(ungefähr 1,6 Mio. Euro) gefördert. Die Hoffnung, dass der Oscar-Gewinn die Regierung noch stärker auf das wirtschaftliche Potential der Filmbranche aufmerksam macht und zur Kenntnis genommen wird, dass„Tsotsi“ auch auf internationaler Bühne bestehen kann, drückt Jonathan Parkinson, Direktor der Produktionsfirma„Fresh Eye Films“ in einem Interview mit der Tageszeitung„Business Day“ aus.„Ich denke, dieser Film wird das Verständnis der Südafrikaner für ihre eigene Filmwirtschaft deutlich verändern.“ Ein Anfang zumindest ist gemacht. Die IDC hat angekündigt, 177 Millionen Rand(ca. 24 Mio. Euro) zusätzlich in die Filmförderung zu investieren. Insgesamt arbeiten ungefähr 25.000 Menschen in der Film- und Videoindustrie. Die Entstehung neuer Arbeitsplätze ist absehbar- ein Faktor, der für ein Land mit 40 Prozent Arbeitslosigkeit von großem Interesse ist. Auch das Ministerium für Handel und Industrie leistet Finanzierungshilfen für das südafrikanische Kino mit Zuschüssen von bis zu 10 Millionen Rand(ca. 1,3 Mio. Euro). Ausländische Produktionen können ebenfalls mit Zuschüssen von bis zu 15 Prozent ihrer Kosten rechnen, bis zu einem Maximum von 10 Millionen Rand. Eine weitere Finanzierungsquelle des südafrikanischen Films ist die South African National Film and Video Foundation, die auch„Tsotsi“ mit 1 Million Rand(ungefähr 130.000 Euro) gefördert hat. Dabei sind die Interessen zwischen IDC und NFVF unterschiedlich gelagert. Während die IDC klar wirtschaftliche Schwerpunkte im Sinne der Reduzierung von Arbeitslosigkeit, einer Steigerung des Wirtschaftswachstums und der Erhöhung von Auslandsinvestitionen in den Vordergrund stellt, betont die NFVF in ihrer Charta die Rolle der Südafrikaner. Die Menschen sollen sich in den dargestellten Figuren wiederfinden und die Demokratie gefördert werden. Eine andere wichtige Institution im südafrikanischen Filmgeschäft ist das African Co-Production Forum „And the Oscar goes to…Tsotsi!“ (ACF) zur Förderung internationaler Zusammenarbeit. Die Initiative wurde von afrikanischen Filmemachern ins Leben gerufen und soll ihnen eine Plattform bieten, Kollegen aus anderen Regionen des Kontinents zu treffen und den afrikanischen Film als ganzes zu fördern. Filmemachern soll die Möglichkeit zu internationalen Koproduktionen gegeben werden,„Drum“ und„Yesterday“ sind gute Beispiele dafür. „Tsotsi-Tourismus“ Auch der Tourismussektor macht sich große Hoffnungen auf den„Tsotsi-Faktor.“ Obwohl der Film die Stadt Johannesburg nicht von ihrer schönsten Seite zeigt erhofft sich die Metropole positive Effekte für Image und Besucherzahlen. Die Popularität eines international erfolgreichen Films ist kostenlose Werbung. Die Townships sind schon jetzt Touristenziel Nummer eins für die Besucher der Stadt und Soweto gehört zu den Top 10-Zielen Südafrikas.„Tsotsi“ wertet die Armenviertel der Stadt auf und zeichnet ein Bild der Menschen hinter den Schlagzeilen von Mord- und Todschlag. Der Film schafft ein neues Bewusstsein für die Probleme des Landes und verbreitet Aufbruchstimmung. Nach dem Oscartriumph bedankten sich die Stars aus„Tsotsi“ zuerst bei den Einwohnern von Kliptown, die sie begeistert feierten. Der Erfolg„Tsotsis“ ist der bisherige Höhepunkt in einem Prozess einer erwachenden südafrikanischen Filmwirtschaft und Auszeichnung für die Bemühungen der letzten Jahre. Wirtschaftlich hat sich dieses Engagement zwar noch nicht ausgezahlt und langfristig müssen auch die Einspielergebnisse stimmen. Aber„Tsotsi“ kann der Anfang einer Erfolgsgeschichte sein. Der Wandel Südafrikas ist auch im Kino angekommen und wird damit einem großen, internationalen Publikum endlich sichtbar. Das neue südafrikanische Kino kann Klischees durchbrechen, den marginalisierten Menschen Aufmerksamkeit schenken, die Versöhnung fördern und vor allem zur Auseinandersetzung mit dem Erbe der Apartheid anregen. Im Film bringt Tsotsi das entführte Kind am Ende wieder zu seiner Familie zurück und setzt damit ein deutliches Zeichen. Ursprünglich sollte ihn das Kopf und Kragen kosten, doch sehen Sie selber. 6 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 04/2006 Impressum FOKUS SÜDAFRIKA erscheint in loser Reihenfolge und wird von der Friedrich-Ebert-Stiftung Büro Südafrika herausgegeben und redaktionell gestaltet. Im Rahmen ihres Arbeitsschwerpunktes Entwicklungs-zusammenarbeit unterstützt die Friedrich-EbertStiftung von Johannesburg aus den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Transformationsprozess in Südafrika mit dem Ziel, Demokratie und soziale Gerechtigkeit im größten Land des südlichen Afrika zu stärken. Ziel von FES Fokus Südafrika sind aktuelle Hinter-grundberichte und Analysen der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in Südafrika. FOKUS SÜDAFRIKA wird kostenlos herausgegeben. Alle Ausgaben können auf unserer Homepage eingesehen werden: www.fessa.co.za Redaktion: Dr. Werner Rechmann, Christian Bürger V.i.S.d.P.G.: Dr. Werner Rechmann Gestaltung: Andreas Dorner Friedrich-Ebert Stiftung 34 Bompas Road, Dunkeld West Johannesburg, Südafrika P.O.Box 412664, Craighall 2024 Phone:+27(0) 11-341 0270 Fax:+27(0) 11-341 0271 Email: fessa@fessa.co.za M„eAhnr dWtahcehOstsucmarugnodesGteore…chTstiogtksei!i“t? Anzeige Oliver Tambo Luli Callinicos(Ed.) Beyond the Engeli Mountains ISBN –86486-642-9 Cape Town- New Africa Books 2004 , 672 p. Supported by the Friedrich Ebert Foundation- South Africa Office 7 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 04/2006