BÜRO SÜDAFRIKA Friedrich-Ebert-Stiftung, Fokus Südafrika Publikation für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Südafrika FOKUS SÜDAFRIKA Das letzte Jahr der Regierung Mbeki Weiter wie gewohnt oder„business unusual?“ Die diesjährige Rede zur Lage der Nation des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki stand unter dem Titel„Business as unusual.“ Das Staatsoberhaupt verkündete, im letzten Jahr seiner Amtszeit neue Wege gehen zu wollen, um sein Regierungsprojekt zum Abschluss zu bringen. Auf der Agenda stehen die Bekämpfung von Armut und Kriminalität, der Abbau von Arbeitslosigkeit und sozialer Ungleichheit sowie die akute Energiekrise. Dazu müssten auch außergewöhnliche Mittel ergriffen werden, so der Präsident:„Business as unusual“ hieß das in der wohl wichtigsten Rede des Jahres. Dass die südafrikanische Regierung ihr Programm jedoch nicht ganz umkrempeln, sondern an der bisherigen Stabilitätspolitik anknüpfen wird, zeigte die Rede des Finanzministers Trevor Manuel, der gerade den neuen Haushalt vorlegte. Zwar werden die Sozialausgaben erhöht und der staatliche Energiekonzern Eskom vor dem Hintergrund der Energiekrise in Südafrika stärker subventioniert, es bleibt jedoch bei finanzpolitischer Austerität, Inflationsbekämpfung und einem Haushaltsüberschuss. Die Regierung Mbeki hat ihr letztes Jahr begonnen, denn 2009 wird gewählt und innerhalb der Regierungspartei African National Congress(ANC) hat sich ein neuer, eher links gerichteter Vorstand um Jacob Zuma durchgesetzt. Zuma wird aller Wahrscheinlichkeit nach im nächsten Jahr das höchste Staatsamt übernehmen. Ausgabe 01/08 11.03.08 Das letzte Jahr der Regierung Mbeki Licht aus, Scheinwerfer an Während vielerorts in Südafrika zeitweise die Lichter ausgingen und der staatliche Energiekonzern Eskom Bevölkerung und Wirtschaft mitgeteilt hatte, mit nur noch 90 Prozent des bisherigen Stromverbrauchs auskommen zu müssen, gaben Präsident Mbeki und sein Finanzminister Trevor Manuel in demonstrativer Gelassenheit die wichtigsten Weichenstellungen ihrer Regierung für 2008 bekannt. Dabei spiegelten ihre Reden zur Lage der Nation und zum neuen Haushalt auch die akute Energiekrise des aufstrebenden Schwellenlandes wider. Nach mehr als zehn Jahren anhaltenden Wirtschaftswachstums und einer umfassenden Elektrifizierung ganzer Landstriche seit Ende der Apartheid kommt der staatliche Stromversorger Eskom nicht mehr mit der Versorgung nach. Zwar sind die Kapazitätsprobleme schon seit Jahren bekannt, gehandelt wurde jedoch erst jetzt. Die Krise ist also in vollem Gang. Ganze Stadtteile der Metropolen müssen immer häufiger vom Netz genommen werden, weite Teile Johannesburg lagen in diesem Jahr schon mehrfach im Dunkeln. Lampen, elektrische Garagentore, Alarmanlagen und Fernseher der Privathaushalte blieben aus; Maschinen, Fahrstühle und Telefone der Unternehmen wurden abgeschaltet. Und noch schlimmer: die südafrikanischen Minen mussten Ende Januar 2008 für eine Woche komplett ihre Produktion einstellen und können seitdem wegen der Elektrizitätsengpässe nicht in vollem Umfang betrieben werden. Aufgrund der Energiekrise droht ein Schaden im Umfang von ein bis drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes(BIP). Es fehlt an Kraftwerken und einem modernen Stromnetz.„Die Ära, in der wir kostengünstige Energie im Überfluss hatten, ist vorbei,“ so der Präsident. Aufgrund der Versorgungsengpässe ist das gesamte System für Störungen anfällig geworden. Nur eine sofortige Drosselung der Nachfrage könne weitere unvorhergesehenen Ausfälle verhindern, so Mbeki, der mehr Energieeffizienz, neue Subventionen für den Stromversorger Eskom, die Suche nach alternativen Energiequellen und neue Partnerschaften versprach. Die Bevölkerung rief er zum Stromsparen auf:„Wir sind aufgefordert, alle unsere Kräfte zu vereinen und gemeinsam zu handeln, um unser Land auf Kurs zu halten.“ Finanzminister Trevor Manuel wurde bei diesem Thema wesentlich konkreter. Das staatliche Elektrizitätsunternehmen Eskom will er mit zusätzlichen 60 Milliarden Rand(ZAR) in den kommenden fünf Jahren unterstützen. Dabei bezeichnete er die Finanzspritze als langfristige Investition. Die ersten 20 Millionen Rand sollen bis April aus Rücklagen der Regierung zur Verfügung gestellt werden. Die Verbraucher erwartet zudem eine neue Elektrizitätssteuer. Zwei Cent pro Kilowattstunde Strom aus nichterneuerbaren Energien und 11 Cent auf jeden Liter Benzin und Diesel sollen ab April erhoben werden. Die dadurch entstehenden Kosten sollen die Südafrikaner durch ein Zehntel weniger Konsum kompensieren, so die Pläne des bislang beliebten Finanzministers. Manuel bat bei der Bevölkerung um Verständnis für die neue Abgabe:„Wir wissen, dass die Einführung einer neuen Steuer nicht gerade populär ist. Jedoch haben wir diese Maßnahme getroffen, weil wir hoffen, dass die Menschen die Steuer umgehen werden. Haushalte und Unternehmen, die ihren Konsum um 10 Prozent oder mehr reduzieren, werden keine Erhöhung ihrer monatlichen Kosten verzeichnen.“ Manuel ging sogar auf konkrete Vorschläge aus der Bevölkerung ein, die ihn unter anderem aufforderten, Solarkocher und Energiesparlampen zu fördern sowie in Regierungsgebäuden häufiger das Licht abzuschalten.„In zehn Jahren wird unser Wirtschaftswachstum auf anderen Prinzipien und Technologien aufbauen können, auf anderen Energiesystemen und Transportmodi als wir es heute gewohnt sind,“ so der Finanzminister. Insgesamt betonten Präsident Mbeki und Finanzminister Manuel, das„Schiff Südafrika“ für die Herausforderungen der Zukunft„auf Kurs“ gebracht zu haben und diesen konsequent zu halten. Die Ziele für das letzte Regierungsjahr Mbeki betonte die zügige, effiziente und effektive Umsetzung der Vorhaben seiner Regierung in ihrem letzten Amtsjahr, also vor den vierten demokratischen Wahlen in Südafrika 2009. Zu seinen Prioritäten zählte er die Bekämpfung der Armut, die Lösung des Kriminalitätsproblems und administrative Reformen. Unter dem Titel„Apex Priorities“ kündigte Mbeki 24 Maßnahmen auf nationaler, bundesstaatlicher und lokaler Ebene an, um das Leben aller Südafrikanerinnen und Südafrikaner sichtbar zu verbessern. Dabei nannte er erstens die Beschleunigung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung, zweitens den Ausbau der Infrastruktur, drittens Verbesserungen in der informellen Wirtschaft und bei 2 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 03/2007 Das letzte Jahr der Regierung Mbeki der Armutsbekämpfung, viertens mehr Anstrengungen im Bildungs- und Gesundheitssektor, fünftens die Umgestaltung des Justizapparates, die Verbesserung der Verwaltungskapazitäten und schließlich die Stärkung der inner-afrikanischen und Süd-Süd-Zusammenarbeit. Mbeki leugnete dabei nicht, dass seit seiner Wiederwahl im Jahr 2004 noch Einiges an Arbeit unerledigt sei und sprach auch die Sorgen der Bevölkerung an. Der Präsident konstatierte einen Anstieg der Preise für Lebensmittel und Benzin sowie der allgemeinen Zinssätze.„Ich bin mir der Befürchtungen vieler Menschen in unserer Gesellschaft bewusst,“ so Mbeki,„aber die neuen Herausforderungen sind auch eine Chance!“ Dabei erwähnte er auch, welche Vorbildfunktion Südafrika für den gesamten afrikanischen Kontinent hat und wie genau der Entwicklungsweg Südafrikas aus dem Ausland verfolgt würde. Das Ministerium von Trevor Manuel errechnete, dass die Kosten für Lebensmittel im vergangenen Jahr um zehn Prozent gestiegen sind. Allein der Preis einer 12,5kg-Packung Maismehl, eines der südafrikanischen Grundnahrungsmittel, ist von 37 Rand auf 49 Rand gestiegen. Durch erhöhte Nachfrage im In- und Ausland, aber auch Wetterschwankungen sind die Preise für Mais, Weizen, Sojabohnen und Reis sprunghaft gestiegen, die Verteuerung von Baumaterial wie Zement und Treibstoffen wie Benzin hat den Inflationsdruck erhöht. Im Dezember letzten Jahres lag der Preisverfall bei 8,6 Prozent, im Jahresdurchschnitt bei 6,5 Prozent und damit über dem Zielkorridor von 3 bis 6 Prozent.„Vor allem die arme Bevölkerung wird hart getroffen,“ so der Finanzminister. Zum Ende des Jahres erwartet er jedoch eine Einhegung auf die angepeilten 5 Prozent und bis zum Jahr 2009 auf 4,9 Prozent.„Denn eine höhere Inflation widerspricht unserer Regierung, deren Ziel ist, Armut zu bekämpfen,“ so Manuel. Mbeki und Manuel betonten, dass die makroökonomische Ausgangslage Südafrikas stabil, der wirtschaftpolitische Rahmen intakt sei. Präsident Mbeki kündigte die Implementierung des lange ersehnten industriepolitischen Aktionsplanes an, für den 2,3 Milliarden Rand vorgesehen sind und der darüber hinaus 5 Milliarden Rand an Steueranreizen für neue Initiativen in den kommenden drei Jahren vorsieht. Für den Bergbausektor, den Einzelhandel und Kleinunternehmen kündigte der Präsident ähnliche Aktionspläne an.„Auf makroökonomischer Ebene werden wir den eingeschlagenen finanzpolitischen Kurs fortsetzen, also Wirtschaftswachstum und Entwicklung fördern, um unsere externe Verwundbarkeit zu reduzieren,“ so Mbeki. Präsident und Finanzminister betonten, dass das Weltwirtschaftsklima aufgrund der Krise in den Vereinigten Staaten von Amerika rauer geworden sei und die hohen Rohstoffpreise ihrer Exportwirtschaft zwar gut täten, jedoch die Lebenshaltungskosten der eigenen Bevölkerung stiegen. Die Außenhandelsbilanz liegt noch immer bei einem Minus von 143 Milliarden Rand. Ein Defizit von schätzungsweise 3 Milliarden Rand pro Wochen muss Südafrika durch Kredite aus dem Ausland finanzieren. „Langfristiges Wachstum bedarf also der Ausweitung der Exporte und dem Erhöhen der Sparquote,“ so der Finanzminister,„die Hürden auf dem Weg zu mehr Exportwachstum sind die Knappheit gut ausgebildeter Fachkräfte, Einschränkungen beim Transportwesen, hohe Telekommunikationskosten und hohe Zölle auf Importe von verarbeiteten Produkten und Kapital.“ Auch im neuen Haushalt ist trotz steigender Ausgaben ein Überschuss für die kommenden drei Jahre vorgesehen, um sich für härtere Zeiten zu rüsten. Manuel lehnte ein Defizit entgegen zahlreicher Forderungen ab, die Ausgaben würde allerdings um 115,6 Milliarden Rand ausgeweitet. Dabei wich der Finanzminister insgesamt weder von seiner Linie finanzpolitischer Disziplin noch von der Bekämpfung der Inflation ab – allen Forderungen der ANC-Allianzpartner Congress of South African Trade Unions(COSATU) und South African Communist Party(SACP) zum Trotz. Armutsbekämpfung Die Bekämpfung der in Südafrika weit verbreiteten Armut – noch immer lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung in Armut – spielte in beiden Reden eine zentrale Rolle. Präsident Mbeki benannte seine Strategie„Business unusual,“ um die Wende zu einer zügigen, effizienten und effektiven Umsetzung seiner Versprechen zum Ausdruck zu bringen. In der bislang wenig erfolgreichen Armutsbekämpfung soll es nicht bloß„wie gewohnt“ weitergehen. „Die Regierung beabsichtigt in diesem Jahr, die Anstrengungen bei der Identifizierung bedürftiger Haushalte und Einzelpersonen zu intensivieren, um ihr Leid auch wirklich zu mindern,“ so Mbeki. Der Präsident forderte, alle Regierungsinstitutionen im„Krieg gegen die Armut“ zusammenzubringen und nannte auch hier klare Prioritäten: erstens die Beschleunigung der Landreform. Der Erwerb 3 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 01/2008 Das letzte Jahr der Regierung Mbeki von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, Kleinkredite und andere Möglichkeiten der Unterstützung sollen verbessert werden. Zweitens werden die Sozialversicherungssysteme ausgeweitet, Kinder- und Alte besser unterstützt. Drittens sollen Kleinunternehmen besser gefördert und die Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden. Viertens bleibt die Regierung bei ihrem Ziel, bis 2014 alle Südafrikanerinnen und Südafrikaner mit Zugang zu fließendem Wasser, sanitären Einrichtungen und Strom zu versorgen. Fünftens soll die Umsetzung des Nationalen Plans zur Bekämpfung von HIV/AIDS beschleunigt und sechstens die Kriminalitätsbekämpfung intensiviert werden. Finanzminister Manuel Trevor lobte die Regierungspolitik:„Das anhaltende Wachstum der Wirtschaft seit 1999 hat uns ermöglicht, unsere öffentlichen Ausgaben in allen Bereichen auszuweiten. Wir haben die Investitionen in den Bau von Häusern, die Trinkwasserversorgung, die Bereitstellung von Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Wohlfahrt und sozialer Absicherung, in Polizei und Gerichte erhöht. Die Regierungsmaschinerie ist gestärkt worden und Südafrika leistet einen immer größeren Teil für Entwicklung und Frieden auf dem afrikanischen Kontinent.“ Manuel ergänzte die Regierungsvorhaben Mbekis in seiner Haushaltsrede um konkrete Zahlen. Um mehr als 7 Milliarden Rand soll der Steuerzahler, insbesondere die unteren und mittleren Einkommensklassen, erleichtert werden. Der Wirtschaft, insbesondere Kleinunternehmen, wurde eine Vereinfachung des Steuersystems und eine Senkung der Unternehmenssteuer um ein Prozent versprochen. Derzeit prüft das Finanzministerium die Einführung von Lohnzuschüssen zur Schaffung von Arbeitsplätzen nach britischem Vorbild; die Ausweitung von langfristigen Praktikumsmöglichkeiten wird angepeilt. Zudem kündigte Präsident Mbeki an, die Überprüfung des Nationalen Plans zur Entwicklung von Humanressourcen( National Human Ressource Development Strategy) in diesem Jahr abzuschließen und in einem gemeinsamen Team aus Regierung, Wissenschaft, Wirtschafts- und Arbeitnehmervertretern die Bemühungen der Initiative on Priority Skills Acquisition(JIPSA) zu intensivieren. Die sozialen Sicherungssysteme sollen im kommenden Jahr ausgeweitet werden. Im April wird die Sozialhilfe für Alte, Behinderte und Kinder erhöht, mehr als 12,4 Millionen Menschen werden dann vom Staat unterstützt, die Ausgaben auf 75,3 Milliarden Rand erhöht. Der Eintritt männlicher Arbeitnehmer in die Rente wird auf 63 Jahre gesenkt, bis 2010 soll das Renteneintrittsalter von Männern – wie bei Frauen – bei 60 Jahren liegen. In den kommenden Wochen ist geplant, das dass südafrikanische Statistische Bundesamt( StatisticsSA) erstmals eine offizielle Armutsdefinition herausgibt. Das Kindergeld wird um ein Jahr auf 15 Jahre verlängert, jedoch werden erstmals Bedingungen geprüft, wie der regelmäßige Schulbesuch und kontinuierliche Gesundheitskontrollen. Die südafrikanischen Schulen können mit mehr als 18 Milliarden Rand bei der Erneuerung ihrer Ausstattung in den nächsten drei Jahren rechnen. Die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Mahlzeiten soll um 30 Prozent erhöht werden.„Bei unserem Kampf gegen Armut und für Chancengerechtigkeit ist Bildung die beste Waffe,“ so der Finanzminister,„der Bau von Schulen, früher Schuleintritt, die Ausstattung mit Büchern und die gute Entlohnung unserer Lehrerinnen und Lehrer genießen oberste Priorität.“ Und auch das Programm zur Erwachsenenbildung soll noch in diesem Jahr mit der Alphabetisierung von 300.000 Südafrikanerinnen und Südafrikanern beginnen. Im Gesundheitsbereich ist die Anzahl der Angestellten in den letzten vier Jahren um fast 40.000 gestiegen, bis zum Jahr 2010 sollen weitere 25.000 Posten geschaffen werden. Finanzminister Manuel kündigte an, die Nationale Strategie zur Bekämpfung von HIV/AIDS und Tuberkulose mit zusätzlichen Mitteln auszustatten. Präsident Mbeki berichtete von der kontroversen Sitzung des Parlamentes im vergangenen Jahr, als es um die hohe Kriminalitätsrate und das unerträgliche Gewaltniveau des Landes ging:„Wir alle sind sehr betroffen, nicht nur darüber, dass die Kriminalität bei uns so weit verbreitet ist, sondern auch, dass es den Anschein hat, die Lage würde sich zum Schlechteren entwickeln, gerade bei Morden.“ Er kündigte die Etablierung eines neuen, modernen Justizsystems an. Neue Koordinations- und Managementstrukturen sollen das Problem endlich in den Griff bekommen. Finanzminister Manuel versprach den Einsatz modernster Technologien in mehr als 466 Gerichtshöfen. Insgesamt belaufen sich die neuen Mittel auf mehr als 10 Milliarden Rand, darunter für die Aufstockung der Polizei um 200.000 Mann bis zum Jahr 2010/2011. Zusätzlich sollen neue Staatsanwälte, Richter und Magistrate eingestellt, 40 neue Polizeistationen eingerichtet und mehr als 18.000 zusätzliche Gefängnisplätze geschaffen werden. 4 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 01/2008 Das letzte Jahr der Regierung Mbeki Südafrika in der Welt In der Außenpolitik betonte Finanzminister Trevor Manuel, dass Südafrika mittlerweile zu einem Geberland aufgestiegen sei. Während Präsident Mbeki vor allem die Bedeutung der Demokratischen Republik Kongo(DRC) für die Entwicklung des Kontinents betonte, wies Manuel darauf hin, dass Südafrika für unterschiedliche Entwicklungs- und Finanzinstitutionen Mittel bereitstelle, darunter 1,3 Milliarden Rand für den African Renaissance Fund, 272 Millionen Rand für die International Development Association der Weltbank und den African Development Fund und 7 Milliarden Rand für die Development Bank of Southern Africa. Darüber hinaus, so betonten beide, engagiere sich Südafrika in Friedensoperationen.„In Kenia, dem Tschad, Burundi, dem sudanesischen Darfur, der Westsahara, der Elfenbeinküste, Somalia, auf den Komoren und in der Zentralafrikanischen Republik engagiert sich Südafrika bei den Bemühungen um Frieden und Stabilität,“ so Präsident Mbeki,„und auch im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen werden wir unsere Pflichten erfüllen.“ Mit Blick auf Simbabwe hingegen beließ es Mbeki dabei, den Simbabwern für die Wahlen am 29. März Glück zu wünschen. Mehr, als zwischen Regierung und Oppositionen zu vermitteln, versprach er nicht. Innenpolitischer Kontext Die Reden Präsident Mbekis und Finanzminister Manuels standen auch im Kontext des Machtwechsels in der Regierungspartei African National Congress (ANC), in dem sich der umstrittene Jacob Zuma und sein Lager im Dezember 2007 durchsetzen konnten. Dadurch sind erstmals seit der Machtübernahme des ANC 1994 zwei politische Machtzentren in Südafrika entstanden – in der Regierung unter Mbeki und im ANC unter Führung Jacob Zumas. Mbeki erwähnte die neue innenpolitische Lage mit keinem Wort und ließ nicht erkennen, ob sich zwischen Regierung und Parteiführung bis zu den Wahlen ein kooperatives oder konfrontatives Verhältnis entwickeln wird. Nichtsdestotrotz trägt der von der Regierung vorgelegte Haushaltsentwurf dem neuen ANC-Vorstand und den Beschlüssen des ANC-Parteitags in Polokwane in Dezember 2007 mit der Fokussierung auf Armutsbekämpfung Rechnung. Im Gegensatz zu Mbeki, der 2009 aus seinem Amt ausscheiden muss, ist Finanzminister Manuels politisches Schicksal noch offen. Jacob Zuma, der ehemalige Vize-Präsident des Landes und neue ANC-Vorsitzende, saß als Gast in den Zuschauerrängen des Parlamentes. Er lobte die Vorhaben Manuels und sieht die Ausweitung der Sozialausgaben, insbesondere bei Bildung und Gesundheit, voll auf seiner Linie. Kritischen Fragen zu einem möglichen Kurswechsel begegnet Zuma stets mit der Auffassung, die Politik der Regierungspartei werde nicht von einer Person allein gemacht. Im August wird das gegen ihn laufende Korruptionsverfahren wieder aufgenommen, das seiner Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2009 entgegenstehen könnte. Insgesamt ernteten Mbekis und Manuels Rede bei der neuen Führungsriege des ANC, aber auch den Oppositionsparteien und der Wirtschaftsgemeinde Lob. Die Tageszeitungen berichteten übereinstimmend, dass Manuel„mit seiner Haushaltsrede genau die richtigen Töne traf“(Cape Argus). Der Applaus reichte von den Jungen Kommunisten hin zur Oppositionspartei Democratic Alliance(DA). Nur der Gewerkschaftsdachverband COSATU kritisierte das Regierungsprogramm. Es sei„nicht radikal“ genug und zu wenig auf Armutsbekämpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgerichtet. International stießen beide Reden auf gemischte Reaktionen. Während Mbeki und Manuel für ihre Stabilitätspolitik und Haushaltsdisziplin gelobt wurden, fiel die südafrikanische Währung kurz nach Veröffentlichung des diesjährigen Haushaltes auf ein 16-MonatsTief gegenüber dem US-Dollar. Dies könnte sowohl mit der Verunsicherung von Investoren hinsichtlich der Energiekrise in Südafrika als auch damit zusammenhängen, dass Finanzminister Manuel die weitgehende Aufhebung von Wechselkurskontrollen für institutionelle Investoren ankündigte, so dass Kapital aus Südafrika abfloss. Und auch die Fußballwelt konnte sich noch nicht wirklich überzeugen lassen, dass Südafrika für die Weltmeisterschaft 2010 wirklich gerüstet ist. Bei der Nationalelf war am deutlichsten zu beobachten, dass ein „wie gewohnt weiter“ nicht ausreichen wird. Schließlich schneidet sie in Testspielen noch immer schlecht ab. Aber vielleicht meinte Präsident Mbeki auch gerade sie, als er von„business unusual“ sprach. 5 Friedrich-Ebert-Stiftung, FOKUS SÜDAFRIKA 01/2008 Das letzte Jahr der Regierung Mbeki Impressum FOKUS SÜDAFRIKA erscheint in loser Reihenfolge und wird von der Friedrich-Ebert-Stiftung Büro Südafrika herausgegeben und redaktionell gestaltet. Im Rahmen ihres Arbeitsschwerpunktes Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die Friedrich-EbertStiftung von Johannesburg aus den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Transformationsprozess in Südafrika mit dem Ziel, Demokratie und soziale Gerechtigkeit im größten Land des südlichen Afrika zu stärken. Ziel von FES Fokus Südafrika sind aktuelle Hintergrundberichte und Analysen der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in Südafrika. FOKUS SÜDAFRIKA wird kostenlos herausgegeben. Alle Ausgaben können auf unserer Homepage eingesehen werden: www.fes.org.za. 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