Syrien Aktuell Pressespiegel Februar 2009 1. Entspannung im Verhältnis zu den USA Die von offizieller Seite immer wieder geäußerten Hoffnungen auf eine Verbesserung der Beziehungen Syriens zu den USA sehen sich durch mehrere Besuche von USKongressdelegationen in Damaskus bestätigt, die großen Niederschlag in den Medien fanden. Über die Entsendung eines amerikanischen Botschafters nach Damaskus wird spekuliert, man erwartet, dass dies bis zum Sommer 2009 geschehen wird(al-Watan 01.02.2009). Ein wichtiger Schritt in Richtung Dialog und eine Vorbedingung für eine Normalisierung der Beziehungen mit Syrien, so der Stellvertretende Ministerpräsident für Wirtschaftsfragen Abdallah al-Dardari, sei jedoch eine Aufhebung der amerikanischen Sanktionen gegen Syrien(al-Watan 04.02.2009). Diese werden bisher nur in einem Punkt durchbrochen: Das syrische Transportministerium erhält eine offizielle Genehmigung des amerikanischen Handelsministeriums für den Import von Flugzeugteilen. Syrien darf für die staatliche Fluglinie„Syrian Arab Airlines“ wieder moderne Teile des Flugzeugbauers Boeing importieren. Wegen der US-Sanktionen konnten zuvor die syrischen Passagierflugzeuge nicht modernisiert werden(al-Baath 08.02.2009). Dialog, Interessen, gegenseitiger Respekt „Der Syrienbesuch der US-Kongressdelegation gibt Hoffnung, dass sich die syrisch-amerikanischen Beziehungen wieder normalisieren. Syrien hat schon immer einen Dialog gefordert. Präsident Assad hat der US-Kongressdelegation erläutert, Syrien suche einen konstruktiven und respektvollen Dialog im gemeinsamen Interesse. Syrien wolle gute Beziehungen mit den Vereinigten Staaten aufbauen, um dazu beizutragen, Stabilität und Sicherheit in der Region zu schaffen. Allem Anschein nach will auch die neue US-Verwaltung unter Präsident Obama ihren Nahostkurs ändern. Der ehemalige US-Präsident Bush hat seine Politik im Interesse Israels geführt und dazu beigetragen, die Region zu destabilisieren. Der Leiter der US-Kongressdelegation Adam Smith hat bereits angekündigt, dass die Vereinigten Staaten eine Kooperation mit Syrien suchen und dass Syrien eine bedeutende Rolle in der Region einnehme. Außerdem wurde über eine neue US-Botschaft in Damaskus gesprochen. Die syrische Hand bleibt ausgestreckt für eine Kooperation.“ Ahmad Dawa, al-Thawra 02.02.2009 Syria confident of US detente “Recommended steps would be: Start a gradual three stage program to lift the Syrian Accountability Act. (…) Remove Syria from the State Department list of states that sponsor terrorism.(…) Send an ambassador to Syria to fill a post that has been vacant since 2005. Unlike what most people believe, this cannot be done by Obama or Clinton alone; it needs the Senate which has to date not named a potential ambassador, nor has it suggested any potential candidates. Help Syria deal with the 1.5 million Iraqi refugees in Syria’s territory, and publicly acknowledge Syria’s cooperation with refugees and the security situation in Iraq, mainly border security.(…) Support Syria’s application to the World Trade Organization.(…) As for Syria, it can: Reopen the American Culture Centre and the American school that were shut down after a US air raid on a Syrian town on the Syrian-Iraqi border last October. Use its considerable influence with Hamas to bring an end to the fissure Syrien Aktuell 2 Pressespiegel Februar 2009 in the Palestinian Territories between the Islamic group and the West-backed Fatah party of President Mahmud Abbas. It has already done a good job at channelling messages back and forth between Hamas and the Europeans. Take part in talks with Iran over its nuclear issue after the upcoming Iranian presidential elections next summer. Continue to support the political process in Iraq, through Iraqi Prime Minister Nuri al-Malki who has managed in recent months to restore a certain degree of normalcy to Iraq.(…) Syrians want to be seen as problem-solvers rather than problem-seekers. They want to show the world – mainly the US – that just as they can deliver on Palestine, they can deliver in Iraq and Lebanon. Syria has said these words in every possible language, and it will continue to show the West that it can deliver in the Middle East.” Sami Moubayed, Syria Comment 21.02.2009 (www.joshualandis.com) 2. Dreißig Jahre syrisch-iranische Beziehungen Die syrisch-iranische Allianz besteht seit der iranischen Revolution von 1979. Nach dem Sturz des Schah-Regimes, gegen das in Syrien große ideologische Vorbehalte gehegt worden waren, begründeten gemeinsame geostrategische Interessen das enge Verhältnis. Anlässlich des Jubiläums der islamischen Revolution betonte der iranische Botschafter in Damaskus, Ahmad al-Masawi, die engen Beziehungen zwischen Iran und Syrien und erklärte, beide Länder seien darauf bedacht, die Zusammenarbeit in allen Bereichen zu festigen. Seit dreißig Jahren unterstütze der Iran die Rechte der Araber, insbesondere die der Palästinenser, sowie die Rückgabe der 1967 besetzten Golanhöhen(Teshreen 08.02.2009). Iran und Syrien haben 14 gemeinsame Wirtschafts- und Handelsabkommen unterzeichnet, und der iranische Handelsaustausch mit Syrien beläuft sich zurzeit auf 1,5 Milliarden US-Dollar(al-Thawra 08.02.2009). Weitere Kooperationen sind in Vorbereitung: Das syrische Kabinett akzeptiert den Vorschlag der syrischen Zentralbank zur Gründung einer gemeinsamen syrisch-iranischen Kommerzbank mit einem Startkapital in der Höhe von 1,5 Milliarden Syrischen Pfund(32,5 Millionen USD). Sitz der syrisch-iranischen Bank soll Damaskus sein(alWatan 25.02.2009). Der Iran ist eine große Unterstützung für die Araber „Seit der islamischen Revolution im Iran 1979 unterstützt der Iran die Araber, insbesondere die Palästinenser. Damals, zu Zeiten des Schahs, war der Iran Amerika treu. Der Iran spionierte damals die arabischen Staaten aus und versorgte Israel mit Erdöl. Doch in den vergangenen dreißig Jahren hat sich viel geändert. Der Iran hat mit den Vereinigten Staaten gebrochen und sich den Arabern zugewendet. Damaskus und Teheran haben strategische Beziehungen aufgebaut. Israel und westliche Kräfte versuchen jedoch, den Iran und die arabischen Staaten auseinander zu bringen, indem sie versuchen, die Araber davon zu überzeugen, dass nicht Israel sondern der Iran eine Bedrohung darstelle. Doch Fakt ist, dass der Iran eine große Unterstützung für die arabischen Staaten ist, über wissenschaftliche und technische Kapazitäten verfügt, sich für die arabischen Staaten einsetzt und den palästinensischen Widerstand unterstützt.“ Muhammad al-Khudr, al-Baath 11.02.2009 Syria and Iran: The Middle East’s Most Enduring Alliance „The Syrian-Iranian alliance began as a purely defensive one and for two decades it proved to be extremely useful to the two countries. Having been established on solid geo-strategic foundations, it was not shaken by the power transfer in Syria in 2000. On the contrary, Syrian-Iranian relations developed into a fully fledged alliance following the fall of Saddam Hussein’s regime in Baghdad, signifying Syria’s realisation of Iran’s growing weight in the Middle East. The US military presence in Iraq gave Syria one more reason to get closer to Tehran in Syrien Aktuell Pressespiegel Februar 2009 3 order to abort American attempts to destabilise Syria.(…) For the past few years, Western powers have used every possible means to convince Syria to abandon its regional ally. It did not work and it is unlikely to work. As long as the two countries find themselves under pressure from the same source, their alliance will remain strong as it ever was.” Marwan Kabalan, Syria Today Februar 2009 3. Syrische NGOs klagen gegen Ministerium Auch wenn die Anzahl der Nichtregierungsorganisationen in Syrien in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, sind diese in ihren Aktivitäten oft stark eingeschränkt. Die autoritäre Haltung des Ministeriums für Soziale Angelegenheiten und Arbeit, dem alle NGOs formal unterstehen, erregt jedoch zunehmend Protest. So reicht die„Nationale Menschenrechtsorganisation in Syrien“ Klage gegen das Ministerium ein, da dieses abgelehnt hat, der Organisation eine Lizenz zu erteilen. Die Sitzung im Verwaltungsgericht Damaskus ist auf den 14. April 2009 verschoben worden(al-Watan 26.02.2009). Diesem Prozess geht die erfolgreiche Klage einer Aleppiner NGO gegen ihre Schließung durch das Ministerium voraus, welche von der NGO-Szene als Durchbruch und Anlass zu Hoffnung auf einen veränderten Umgang mit zivilgesellschaftlichen Organisationen gefeiert wurde: The Court Reverses the Decision of the Minister of Work „The Minister of Work and Social Affairs has gotten used to dealing with members of local organizations as she deals with her own ministry: no one has the right to object to her decrees and decisions in dissolving or suspending these various organizations. There are many examples of this behaviour where organizations which have had a long history in social and charitable work have been shut down. It turns out that she will have to ponder the issue a bit longer next time before arbitrarily taking decisions that destroy these organizations. They often receive the order to close down without being given any acceptable justification!‘Necessary for the common good’ is all they get as an explanation for her decisions! A civil court in Aleppo took the decision to reverse the Minister‘s suspension of an Islamic charitable organization for orphans without naming reasons. The decision is the first of its kind in Syria and hopefully will not be the last.(…) There was an open infringement of Law 93 of 1958 on the part of the Minister. First of all, she did not list the violations of the organization and did not give them appropriate warning, nor did she mention these in the official newspaper or give them a trial period to call for elections. This represents a violation of half of the law and so her decision was reversed. This has paved the way for other organizations which have gone through similar experiences without even reaching the courts! This represents a turning point in the history of the Syrian judicial system and may restore trust between citizens and the system. It will hopefully push other organizations to seek legal protection against actions of this kind and will force the Minister to rethink her behaviour towards these organizations. The law should be the judge in the relationship between the Minister and the organizations and should be used to resolve any disagreements between the two sides.“ Yahya Alous, al-Thara 25.11.2008 (www.thara-sy.com) Ansprechpartnerin: Ingrid Roß, Tel: 030 26 935-7413, E-Mail: Ingrid.Ross@fes.de Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Entwicklungszusammenarbeit, Referat Naher/Mittlerer Osten& Nordafrika, Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin Sie finden die Presseschau Syrien zum Herunterladen sowie Informationen zur Arbeit der FES in der Region auf http://www.fes.de/nahost.