Syrien Aktuell Pressespiegel März 2009 1. Syrien und Libanon: Sondertribunal in Den Haag und Botschaftseröffnungen Vier Jahre nach der Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri hat das Haager Sondertribunal formell seine Arbeit aufgenommen. Das Tribunal soll die Hintergründe des Mordes ans Tageslicht bringen, der den politischen Umsturz im Libanon mitsamt dem Rückzug der langjährigen syrischen Besatzertruppen zur Folge hatte. Der kanadische Chefankläger Daniel Bellemare erklärte bei der Eröffnungszeremonie am 1. März, er wolle den Libanon in Kürze um die Auslieferung von vier prosyrischen Generälen bitten. In den staatlichen syrischen Medien blieb der Prozessbeginn weitgehend unerwähnt; allein die private, Tageszeitung„al-Watan“ berichtete darüber und stellte die Unabhängigkeit des Gerichtes in Frage. Ebenso berichtete im Fernsehen nur der private Sender„al-Dunya TV“ über das Ereignis und beschrieb die„Kampagne der Allianz des 14. März, politische eingefärbte Informationen über die Arbeit des Tribunals zu verbreiten“. Weiterhin wurde erwähnt, die Hizbullah habe an den libanesischen Richter Sakr Sakr appelliert, dem politischen Druck zu widerstehen und die vier Generäle freizulassen, da ihre Verhaftung illegal sei. Der Bericht schloss mit der Aussage, Chefankläger Daniel Bellamare habe betont, das Tribunal handele nicht aus Rache und sei keinem politischen Druck unterworfen(al-Dunya TV 01.03.2009). In einem Gespräch mit der libanesischen Tageszeitung„al-Safir“ hatte sich Präsident Assad zuvor zur Ermordung alHariris geäußert und erklärt, man habe sich Syrien als Zielscheibe ausgesucht. Das internationale Tribunal sei eine Angelegenheit der Libanesen. Syrien unterstütze den libanesischen Präsidenten Suleiman und respektiere seine Vertreter(al-Watan 25.03.2009). Breiten Niederschlag in den Medien fand hingegen die Tatsache, dass Syrien und Libanon als Zeichen der zunehmenden Normalisierung ihrer diplomatischen Beziehungen ihre jeweils erste Botschaft im Nachbarland eröffnet haben – sechzig Jahre nachdem die Länder ihre Unabhängigkeit erlangt haben. Die libanesische Regierung nahm ihre Botschaft in Damaskus am 15. März in Betrieb. Als Botschafter wurde Michel Khoury ernannt, welcher sein Amt Mitte April antreten wird(al-Watan 15.03.2009). Die syrische Botschaft in Beirut war bereits im Dezember letzten Jahres eröffnet worden, die Ernennung eines Botschafters stand jedoch noch aus. Am 24. März nahm der libanesische Präsident Michel Suleiman die diplomatische Akkreditierung von Ali Abdulkarim Ali an. Dieser ist seit 2004 syrischer Botschafter in Kuwait. Davor war er Direktor des staatlichen Fernsehund Rundfunkanstalt und Generaldirektor der offiziellen Nachrichtenagentur SANA(al-Watan 25.03.2009). Alle syrischen Medien berichteten ausführlich über den Antrittsbesuch des stellvertretenden syrischen Außenministers Faisal Mekdad beim libanesischen Chargé d’affaires Rami Murtada. Mekdad habe seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Eröffnung der Botschaften zu einer Intensivierung der Beziehungen beider Länder führen werde. Syrien sei darauf bedacht, sein Verhältnis zum Libanon zu festigen, und niemand dürfe sich in die syrisch-libanesischen Beziehungen einmischen. Des Weiteren erklärte Mekdad, man habe sich mit dem libanesischen Präsidenten Michel Suleiman während seines Syrienbesuches im August 2008 darauf geeinigt, die gemeinsame Grenze von Norden bis Süden festzulegen (Syria Satellite News/ Teshreen/ al-Thawra/ al-Baath/ al-Watan 17.03.2009). Zwei Tage später wurde der libanesische Präsident Michel Suleiman mit den Worten zitiert, Damaskus erkenne die Shebaa-Farmen als libanesisches Gebiet an(al-Watan 19.03.2009). Syrien Aktuell 2 Pressespiegel März 2009 Eröffnungssitzung des internationalen Tribunals in Den Haag „Wird das internationale Tribunal in der Lage sein, sich über Fragen des Geldes und der internationalen Einmischung zu erheben? Wird es über der eindeutigen Verfälschung seines Zieles stehen, die den Verdacht auf Personen gelenkt hat, die nichts mit der Ermordung Rafik al-Hariris zu tun haben? Fragen, die in den kommenden Tages durch das Verhalten des internationalen Tribunals beantwortet werden.“ Alwan Amin al-Drin, al-Watan 01.03.2009 2. Amerikanisches Sprachzentrum in Damaskus wiedereröffnet Als Reaktion auf den US-Angriff auf das Dorf Al-Sukkariya in der Region Abu Kamal an der irakischen Grenze hatte die syrische Regierung das amerikanische Sprachinstitut, die amerikanische Schule und das Kulturzentrum vor vier Monaten schließen lassen. Laut Informationen der US-Botschaft in Damaskus genehmigte die syrische Regierung der US-Botschaft jetzt die Wiedereröffnung des amerikanischen Sprachinstitutes in Damaskus. Bezüglich der Wiedereröffnung der amerikanischen Schule und des Kulturzentrums gibt es noch keine Entscheidung(alWatan 29.03.2009). American Language Centre re-opens “The American Language Centre in Damascus is reopening. It was closed in November, after the US attack on Syrian soil, near the Iraqi border. The Cultural Centre and school were also shut. All but the school are set to re-open. Some people mistakenly think they cater to Americans; in fact the people who use the Language Centre, school and Cultural Centre are mainly Syrians. The American School in Malki is known to be one of the country’s best educational establishments, and the only losers are Syria’s teenagers.” Sasa, Syria News Wire(www.newsfromsyria.com) 29.03.2009 3. Ein neues Image für Syrien? Das politische Tauwetter und die Erleichterung der Bedingungen für ausländische Investoren geben Anlass zur Hoffnung, dass der syrische Tourismussektor die Krise der letzten Jahre überwinden werde. Tatsächlich nimmt die Zahl der ausländischen Besucher wieder zu, und eine Vielzahl von neuen Hotels warten darauf, diese aufzunehmen. Auch soll die Erweiterung und Modernisierung des Flughafens von Damaskus in zwei Monaten abgeschlossen sein. Laut Informationen der staatlichen syrischen Zivilfluggesellschaft wurde die Kapazität von 1,5 Millionen Passagieren jährlich auf 3,5 Millionen ausgebaut. Außerdem sei der Bau einer neuen Passagierhalle geplant, damit der Flughafen in Zukunft über eine jährliche Kapazität von 5 Millionen Passagieren verfüge(alBaath 09.03.2009). Trotzdem ist die touristische Infrastruktur in Syrien nach wie vor mangelhaft. Als das größte Problem erscheinen jedoch das negative Bild des Landes im Ausland und das Fehlen einer wirksamen Werbekampagne für Syrien als touristisches Reiseziel. Turning sightseeing into an industry „Although the tourism industry has been increasing over the past few years, Syria remains untapped as the perception of the country, particularly in the Western world, remains mostly negative. The tourism industry is a significant component of the Syrian economy and its importance to the economy will continue to increase in the years ahead. According to the Ministry of Tourism, in 2008 tourism grew 15% from 2007, provides 13% of job opportunities, and constitutes 14.5% of the country’s GDP. (…) However, there are several internal and external challenges standing in the way of maximizing the potential of Syria’s tourism industry. It is apparent that the government is working on addressing some Syrien Aktuell Pressespiegel März 2009 3 of these challenges by easing investment laws for foreign investors, working to restore historical sites, and improving infrastructure, but much more needs to be done. Syria must continue to streamline its investment procedures for both local and foreign investors. Also, it must increase investments in infrastructure to improve water and electrical efficiency, roads and signs, and add hotels and restaurants to areas that are home to its most significant historical sites. Syria should also make tourism a more professional industry, regulated by high standards and spurred by tourism schools that license and train multi-lingual tour guides.(…) Syria’s tourism industry will surely grow, the question is how quickly and in what form. It is a country that has the potential to overtake Jordan and perhaps even compete with Egypt in terms of its attractiveness to travellers, and is conveniently located in the heart of the Middle East. However, significant political and economic challenges lie ahead. Making smart decisions and appropriate changes can allow Syria’s tourism industry to reach the next level and become a stronger pillar of the country’s economic structure.“ Farooq Mitha, Forward Magazine März 2009 Syria on Their Minds: The Re-Positioning Battle “A cursory glance at numerous ads in the private sector would reveal that Syria is full of marketeers, in the modern sense of the word, working in a business environment that utilises the full scope of the principles of marketing communications. In reality, the discipline is still in its infancy, and it needs to be developed to allow Syria a competitive chance with even the simplest of product ranges, let alone the intangible business of image. On a national level, in the public domain, marketing communication is even more of a sensitive issue, as it puts Syria at a disadvantage in contrast to opponents(and even allies) whose discourse, spin and self-marketing is more sophisticated, reaching more influential parties and the all-important opinion-makers.(…) The urgency facing Syria’s communication needs is itself dangerous, as it opens the door to careless haste when the contrary is needed. Indeed, it will take serious deliberations and strategic planning to go through the necessary process: before we get to nation branding, we need to undo the damage done by years of detrimental coverage and self-exposure. Syria must first and foremost undertake an expert exercise of positioning, or re-positioning.(…) With positioning, one can aim to manipulate perceptions, in the mind of the recipient, through various means, vis-à-vis several reference points. For example, what makes Syria“radical” in the mind of given respondents who find some of its neighbours “moderate”? What makes it“closed” while others are“open”? Or what makes it“rigid” while others are“flexible”? These questions may have an obvious answer to those who already know Syria, but the picture is not so clear for the uninitiated, or the indoctrinated.” Rime Allaf, Syria Today März 2009 Ansprechpartnerin: Ingrid Roß, Tel: 030 26 935-7413, E-Mail: Ingrid.Ross@fes.de Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Entwicklungszusammenarbeit, Referat Naher/Mittlerer Osten& Nordafrika, Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin Sie finden die Presseschau Syrien zum Herunterladen sowie Informationen zur Arbeit der FES in der Region auf http://www.fes.de/nahost.