Pressespiegel September 2010 1. Ende der Krise zwischen Syrien und Irak ist in Sicht Nach mehr als einem Jahr diplomatischer Eiszeit zwischen Syrien und dem Irak bekräftigen beide Regierungen ihren Willen, die Krise zu beenden und in Kürze wieder Bot ‐ schafter in das jeweils andere Land zu entsenden(al ‐ Watan 26.09.2010). Hintergrund der Spannungen waren die Anschuldigungen durch den irakischen Ministerpräsi ‐ denten Nouri al ‐ Malki al ‐ Malki, Syrien stecke hinter den blutigen Explosionen, welche Bagdad im August 2009 erschütterten. Ein Zeichen der syrisch ‐ irakischen Annähe ‐ rung ist in dem Abkommen über den Export irakischen Erdöls und Erdgases über syrische Häfen zu sehen. Neutral Ground ʺ Syria has made it clear it wants a government in Baghdad to be unified around nationalistic principles, not one drawn along sectarian lines.(…) ‘Syria has a direct interest in achieving stability in Iraq because it affects all the countries in the region, including Syria,’ Mustafa Mukdad, editor ‐ in ‐ chief of al ‐ Thawra newspaper, a state ‐ run daily, said.‘We are looking for a united, strong Iraq and we cannot get that without a national coalition government that engages all sects and political groups, without marginalising any group, even the Ba ʹ athists, who are part of Iraqi society.’ Damascus hosts members of parties throughout Iraq ʹ s political spectrum. Political visitors to the country range from the mainstream to pro ‐ Iranian, Shia militants. Loyalists to President Hussein ʹ s Ba ʹ ath Party, which opposes the current government, have set up headquarters in Damascus. (…) There is one important exception to Syria ʹ s otherwise ‐ friendly dealings with various Iraqi factions. Syria ʹ s relations with Maliki soured in August 2009 when the Iraqi premier, just two days after a diplomatic visit to Damascus, blamed Syria for supporting militants who organised a string of bombings in Baghdad. Maliki withdrew Iraq ʹ s ambassador to Damascus, Syria followed suit and the posts remain vacant to this day. Since then, both sides have slowly moved toward a rapprochement. Many Iraqi and Syrian observers expect that, once a new prime minister is chosen, links with Damascus will quickly normalise. News of a new pipeline that will deliver Iranian gas to Syria via Iraq shows business is continuing in any case. ʺ Obaida Hamad, Syria Today, September 2010 Syrien begrüßt ein Abkommen über den Transport irakischen Rohöls „In einem Schritt zur Überwindung früherer Schwie ‐ rigkeiten zwischen der Rechtsstaatskoalition und Syrien empfängt Präsident Bashar al ‐ Assad heute eine hochrangige Delegation der Koalition unter der Führung des irakischen Ministerpräsidenten Nouri al ‐ Malki, dessen Amtszeit abgelaufen ist. Während ‐ dessen begrüßte Syrien – durch eine offizielle Quelle – die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Bagdad und Damaskus, welches den Transfer von irakischem Erdöl und Erdgas an die Mittelmeerküste durch syrisches Territorium ermöglicht. Irakische Quellen erklärten al ‐ Watan gegenüber:(…)‘Die De ‐ legation wird versuchen, die Beziehungen zwischen der Dawa ‐ Partei und Damaskus nach einem Jahr der Unterbrechung(…) zu normalisieren, und versicher ‐ te, die Delegation überbringe der syrischen Führung eine ‚Entschuldigung‘ al ‐ Malkis.‘ Die Quellen beton ‐ ten, die irakische Regierung habe bereits zuvor ver ‐ sucht, ihre Beziehungen zu Damaskus wiederherzu ‐ stellen(…). Sie ergänzten zugleich, dass ‚die Zusage für einen Ausbau der Gaspipeline aus dem Iran nach Syrien durch den Irak durch den irakischen Erdölmi ‐ nister Hussein al ‐ Shahrastani auch zu der Verbesse ‐ rung des Klimas zwischen den beiden Ländern bei ‐ trage‘. Janbulat Shakai, al ‐ Watan 14.09.2010 Syrian Pipelines to Carry Iraqi Oil to the Mediterranean ʺ Syria and Iraq have agreed to build three pipelines that will carry Iraqi crude oil and gas to the Mediter ‐ ranean. According to the minutes of a meeting signed in Damascus on August 25, the two countries will build two oil pipelines with capacities of 1.5 million and 1.25 million barrels per day respectively in addi ‐ tion to a complementary gas pipeline.(…) The pipe ‐ lines will carry oil from fields near Kirkuk in north ‐ ern Iraq and terminate in Banias on the Mediterra ‐ nean Sea. The Syrian government proposed to build the new pipelines alongside the existing ones within the Syrian network. There have been frequent reports in the last years that the two countries were about to agree on the construction of pipelines carrying oil from Iraq through Syria to the Mediterranean. How ‐ ever, political relations between them weigh heavily on their economic and trade links and many analysts doubt much progress can be achieved on the ground for projects of this size. Any pipeline will indeed cost billions of dollars to build.(…) Should the pipeline be built it would reinforce Syria’s bid to play a major role in the transit of goods and energy between the Gulf and the Mediterranean. ʺ The Syria Report 20.09.2010(www.syria ‐ report.com) 2 Pressespiegel September 2010 2. Veränderungen und Kritik an syrischen Schulen Mit Beginn des akademischen Jahres am 19. September besuchen 5,51 Millionen syrische Kinder Schulen und Kindergärten(The Syria Report 20.09.2010). Das syrische Bildungssystem erlebt in diesem Jahr eine grundlegende Veränderung durch die Einführung neuer Lehrpläne, welche analytischem Denken den Vorrang vor Auswendig ‐ lernen einräumen sollen. Für einen Skandal sorgte ein auf der Internetplattform Facebook veröffentlichtes Video, welches die Misshandlung syrischer Schüler zeigte. Ob ‐ wohl der Zugang zu Facebook in Syrien offiziell verboten ist, haben sich jedoch genug Syrer Zugang verschafft, um dieses Medium für eine effiziente Kommunikation zu nut ‐ zen. Neue Lehrpläne betonen die Fähigkeit der Schüler zu forschen, Probleme zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen „Mit den neuen Lehrplänen ist Schulbücher auswen ‐ dig zu lernen nicht länger der Weg zum Erfolg. Das neue Maß ist jetzt die Fähigkeit der Lernenden, mit Problemen umzugehen, sie zu lösen und mit Situati ‐ onen aus dem wahren Leben zu verknüpfen‘, so Vi ‐ zeerziehungsminister Ali al ‐ Hasri. Bei einer Inspekti ‐ on der Fortbildungskurse zu den neuen Lehrplänen in der Provinz Raqqa am Montag, erklärte al ‐ Hasri SANA gegenüber, das Erziehungsministerium messe den neuen Lehrplänen eine extrem große Bedeutung bei. Das Ministerium bildet Lehrer im Umgang mit den neuen Lehrplänen aus, welche auf modernen pädagogischen und wissenschaftlichen Methoden basieren. Er betonte, die neuen Lehrpläne gründeten in einen schülerzentrierten Lernprozess, und der Schwerpunkt läge auf den Aktivitäten des Lernenden innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers. Dies bedürfe einer Entwicklung der Fähigkeiten des Ler ‐ nenden, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu tref ‐ fen, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten, während der Lehrer eine leitenden Rolle für die Lernenden übernehme.“ Fadi Allafi, SANA 14.09.2010 Pressespiegel September 2010 Syrian teachers fired over Facebook beating video ʺ Two Syrian teachers have been fired and banned from working with children after a Facebook group posted a video of them abusing young students. The video shows the two female teachers beating the children on their hands and on the soles of their feet with sticks. Syria ʹ s education ministry opened an investigation into the case after the video caused outrage in the country. The teachers were tracked down to a school in Aleppo in northern Syria and dismissed. During the investigation, it emerged that the pair had already been disciplined in 2004, follow ‐ ing similar complaints about their treatment of chil ‐ dren. In a statement issued on Saturday, Syria ʹ s edu ‐ cation ministry said it was ʹ determined to stop any future cases of child abuse ʹ. The case came to light three weeks ago after a group posted the video on Facebook, appealing to the public to ʹ help us expose the identity of the two teachers who abused our chil ‐ dren ʹ. The children can be seen crying and wincing in pain as the teachers repeatedly strike them on their hands and feet. In one case, a child is made to hold up the legs of a fellow classmate so the teacher can beat him on the soles of his feet. It is unclear who shot the footage, which provides a clear view of the two women. ʺ Syria Today September 2010(www.syria ‐ today.com) Gesellschaftliche und offizielle Bewegung nach Entdeckung eines Videos, das Misshandlungen von Schüler in der Schule zeigt ʺ Dieses Video zeigt die Gewalt, der unsere Kinder hier in Syrien täglich unterworfen sind. Lehrer und Schuldirektoren glauben nicht an einen gewaltfreien Unterricht. Natürlich ist das, was wir in dem Video sehen, eine Ausnahme in dem Sinne, dass es beson ‐ ders brutal ist. 3 Aber Kinder erleiden jeden Tag Beleidigungen, Klap ‐ se auf den Kopf, Schläge mit dem Lineal auf die Hände, oder sie müssen stundenlang stehen bleiben. Diese Formen der Gewalt existieren sowohl in priva ‐ ten als auch staatlichen Schulen. Nur in einigen O ‐ berklasse ‐ Schulen finden wir keine Gewalt, da es sich hier um Kinder wichtiger Personen handelt, die für ein gewisses Maß an Wohlbefinden zahlen. Diese Gewalt schockiert niemanden. In dem Video können wir sehen, dass die beiden Lehrerinnen sich filmen lasssen, weil sie ihr Verhalten für normal halten. Sie tun es nicht heimlich. Auch die Eltern beschweren sich nicht sehr oft. Sie fürchten, ihre Kinder würden bestraft werden, wenn sie sich beschwerten. Sie wis ‐ sen, dass die Lehrer immer zusammenhalten, sobald es ein Problem gibt. Aus diesem Grund denke ich, dass es nicht ausreicht, diese Frauen zu finden und zu bestrafen(…). Das gesamte Schulsystem muss unter die Lupe genommen werden. Wenn der Staat das Problem nicht an den Wurzeln angeht, wird es nie verschwinden. Das Wichtigste ist, die Lehrer über die die Langzeitschäden körperlicher Züchtigungen bei Kindern zu informieren. Das Erziehungsministe ‐ rium sollte zu den Kindern sprechen, die derartige Gewalt in der Schule erfahren haben, vielleicht auch durch Schulbücher. Sie sollten über ihre Rechte auf ‐ geklärt werden. Es muss ihnen gesagt werden, dass der Lehrer da ist, um sie zu erziehen, aber es muss betont werden, dass er oder sie weder Retter noch Henker ist. ʺ Bassam Alkadi, Syrian Women Observatory 5.10.2010 (www.nesasy.org)