4 EBERT Magazin der Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern Podcast FRIEDRICH UNTERWEGS Kinder und Jugendliche im Pandemiegeschehen Besorgniserregende CoronaSchlagzeilen gibt es genug, besonders mit Blick auf Kinder und Jugendliche. Wie drastisch sind die Folgen für Kinder und Jugendliche wirklich und wie viel hat das mit Corona zu tun? Hören Sie rein ! www.fes-mv.de Lieblingsort: DER WALD Der Wald leistet einen unschätzbaren Beitrag zum Klimaschutz und ist zugleich eine wunderbare Quelle der Erholung. Nach einer hektischen Woche im Büro kann ich gut bei einem Waldspaziergang abschalten. Und mit etwas Glück, verlässt man den Wald zu dieser Jahreszeit nicht nur mit einem klaren Kopf, sondern auch mit dem ein oder anderen essbaren Pilz im Gepäck. Impressum Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro Mecklenburg-Vorpommern Verantw.: Frederic Werner Arsenalstr. 8/ 19053 Schwerin 0385 512596/ schwerin@fes.de Comics: Martin Molter vorgestellt … Tamea Köppen Geboren und aufgewachsen bin ich in Röbel an der Müritz. In der Schule zählte der Geschichtsunterricht zu meinen Lieblingsfächern, was dazu führte, dass ich ab der elften Klasse den Leistungskurs»Geschichte und Politische Bildung« belegte. Im Sommer diesen Jahres beendete ich die Schule mit meinem Abitur und mache jetzt mein FSJ im Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Schwerin. Darauf freue ich mich, weil ich sehr gespannt darauf bin, wie vielschichtig die Gestaltung von Demokratie funktioniert. TAMEA KÖPPEN TERMINVORSCHAU Landesweite Tage der politischen Bildung Mecklenburg-Vorpommern Veranstaltungsprogramm: www.tage-politische-bildung-mv.de 15. September –  03. Oktober 2021 Fair einkaufen – aber wie? Lesung und Gespräch mit Frank Herrmann Greifswald, 21. Oktober 2021 von 19.00 bis 20.30 Uhr Schweriner Literaturtage:„Flucht – eine Menschheitsgeschichte“ Lesung und Gespräch mit Andreas Kossert und Asal Dardan Schwerin, 23. Oktober 2021 von 19.00 bis 20.30 Uhr, Schleswig-Holstein-Haus Zur Zukunft der Demokratie Diskussion mit Franz Müntefering Rostock, 26. Oktober 2021 von 18.00 bis 20.00 Uhr, Barock-Saal Fair einkaufen – aber wie? Lesung und Gespräch mit Frank Herrmann Neubrandenburg, 29. Oktober 2021 von 19.00 bis 20.30 Uhr Weitere Veranstaltungen auf fes-mv.de @FES.MV@fesmv@fes_mv FES-mv.de EBERT Das Magazin der Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern 02/21 „Demokratie muss beweglich bleiben“ FES MV im Gespräch mit Claudine Nierth, Bundesvorstandsspecherin „Mehr Demokratie e. V.“ Frau Nierth, wie beschreiben Sie den Zustand unserer Demokratie? CLAUDINE NIERTH: Wir leben in einer der stabilsten Demokratien weltweit – und doch gerät sie ins Wanken, wenn wir sie nicht weiter­entwickeln. Das heißt? Krisen entstehen immer dann, wenn anstehende Entwicklungen sich nicht vollziehen können. Oder anders gesagt: Damit die Demokratie stabil bleibt, muss sie beweglich bleiben. Machen Sie sich Sorgen? Ja, die gesellschaftlichen Spaltungen machen mir Sorgen. Wir müssen jegliches FreundFeind-Denken überwinden und Gegnerschaften auflösen. Stattdessen sollten wir Formate und Räume bilden, in denen sich Anders­ denkende begegnen, einander in die Augen schauen, zuhören und dann gemeinsame Lösungen entwickeln. Haben Sie ein Beispiel? Unsere gelosten Bürgerräte sind nur ein Anfang. Dieser hat aber gezeigt, alle in der Gesellschaft lebenden Perspektiven an einen Tisch zu bekommen und die Gemeinsamk­ eiten herauszuarbeiten, nicht das Trennende. Sehen Sie eine Spaltung zwischen einer informierten Gesellschaft und Menschen, die an Politik gar nicht partizipieren? Guten Tag ! Sie dürfen wählen ! Das ist doch eine gute Nachricht. In unserem Bundesland und auf Bundesebene sind Sie jetzt gefragt. Selten war zuletzt eine Wahl spannender. Wir wählen in Krisenzeiten. Aber eine Wahlbeteiligung allein in vier oder fünf Jahren ist noch keine lebendige Demokratie. Deshalb haben wir uns – neben beiden Wahlen am 26.9. – weitere Beteiligungsformen in Erinnerung gerufen. Also machen Sie Ihr Kreuz am Wahltag, aber behalten Sie Ihre Stimme darüber hinaus ! Weiter greift diese Ausgabe eine Auswahl unserer Arbeit auf. Coronabedingt bleiben Unwägbarkeiten, aber wir sind für Sie da, und politische Bildung bleibt wichtig. Das zeigen auch die Tage der politischen Bildung in MV(15.09. bis 03.10.). Nutzen Sie das vielfältige Angebot, Sie haben die Wahl ! Wir freuen uns auf Sie. Ihr Frederic Werner Leiter des Landesbüros Mecklenburg-Vorpommern 26.09. WÄHLEN gehen ! Geschichten vom Wahlkreuz 2 EBERT Magazin der Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern kommentar Die Bedeutung einer Entscheidung Der 26.9. ist ein Feiertag der Demokratie. Es ist Wahltag, und all das Murren und Meckern über Politik hält kurz inne. Die Bevölkerung ist aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Das Wählen ist für mich ein Festakt der Gleichheit. Wer zuletzt laut getönt hat oder im Stillen weilte, deren Stimmen wiegen gleich schwer. Auch wenn das einige stört. Am Wahltag fügt sich alles neu: jede _r ist aufgefordert, die eigene mitunter bequeme„Themen-Blase“ zu verlassen. Alle Bürger_innen entscheiden, und Facebook- und Youtube- Kommentare, die oft eine verzerrte Wahrnehmung zu gesellschaftlichen Debatten vermitteln, treten in den Hintergrund. Hoffentlich! Wir alle sind gefragt: wer das Wahlrecht ignoriert, ist meiner Meinung nach selber schuld, denn es gibt kaum eine Entschuldigung dafür. Die Wahl allein macht nicht das Wesen der Demokratie aus, Wahltage sind Tage der Mündigkeit für alle, auch wenn sonst Zeit, Lust oder Mut fehlen, sich stärker einzubringen in die politische Gestaltung der Gesellschaft. Wer das Gefühl hat, gefragt zu sein und mitzubestimmen, wird sich bestimmt nicht abwenden. Im Gegenteil, lasst uns die Demokratie, die Politik, unser Zusammenleben bejahen und gestalten! Nehmen wir die Entscheidung demütig an. Und trauen wir uns zu, das Ergebnis unserer aller Selbstbestimmung zu akzeptieren. Treffen wir aber zuvor froh und überlegt unsere Entscheidung. Frederic Werner Leiter des Landesbüros Mecklenburg-Vorpommern … Fortsetzung Interview mit Claudine Nierth: Wer sagt, dass Menschen, die nicht an Politik partizipieren, dümmer oder weniger informiert sind? In unseren gelosten Bürgerräten hatten wir auch Teilnehmende, die sehr informiert und gebildet waren und gerade deshalb sich von der Politik abgewendet haben. Was brächte eine Wahlpflicht? Demokratie ist das Versprechen der größtmöglichen Zufriedenheit aller Menschen, weil alle eingebunden sind. Je weniger Menschen in der Demokratie eingebunden sind, desto größer ist die Unzufriedenheit mit der Demokratie. Es gehört aber auch zur demokra­ tischen Kultur, sich der Stimme enthalten zu können – und das müsste ebenso bei einer Wahlpflicht gewährleistet sein. Ob wir in Deutsch­land eine Wahlpflicht einführen sollten oder nicht, darüber sollten am besten die Bürgerinnen und Bürger selber entscheiden. Wahlen gelten als die Königsdisziplin der Demokratie. Reicht das den meisten Menschen nicht an Mitbestimmung? Als Wählerin kann ich leider nur alle vier Jahre und damit im Leben vielleicht 15-mal auf Bundesebene meine Stimme einbringen. Als Bürgerin und Demokratin fühle ich mich da schon sehr unterfordert. Ich wäre sehr gerne zwischendurch an der einen oder anderen grundsätzlichen Fragestellung in einer Abstimmung beteiligt. Was schlagen Sie vor? Unsere Bundesländer sind für mich das Vorbild: Sie haben starke Parlamente, die wir wählen. Darüber hinaus kann jeder seine Ideen per Volksinitiative einbringen und zur Abstimmung stellen. Und als drittes Element kann die Politik sich jederzeit Bürgerdialoge wie Bürgerräte organisieren, um sich unterstützend Empfehlungen aus der Bevölkerung erarbeiten zu lassen. Diesen demokratischen Dreiklang bräuchten wir auch auf Bundesebene. Wir danken für das Gespräch. Lesen Sie das vollständige Interview auf www.fes-mv.de Claudine Nierth, Jg. 1967, Bundesvorstandssprecherin von„Mehr Demokratie e. V.“ und 2018 erhielt sie für ihr Engagement von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz. Wahlgeschichte(n) online Zur Bundes- und Landtagswahl bietet die FES MV ein attraktives Online-Infoangebot. Lesen und Hören Sie Wahlgeschichte(n) aus den Landkreisen und Städten in MV. Zudem informiert die Reihe „Wussten Sie schon …“ über Wissenswertes rund um dem Reichstag. Und was es mit dem wichtigen wie sensiblen„Wahlkreuz“ auf sich hat, erfahren Sie hier im„Ebert“ und wie auch online auf www. fes-mv.de, FES MV Instagram und Facebook. Magazin der Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern EBERT 3 Beteiligungsformate außerhalb von Wahlen Die Möglichkeiten zur politischen Partizipation außerhalb von Wahlen haben sich weiterentwickelt und bieten neben den klassischen Formen des Engagements, z. B. in Parteien oder Interessenverbänden, immer mehr niedrigschwellige Angebote zur Teilhabe an politischen Prozessen. Auch Formen des Protests wie Demonstrationen oder Mahnwachen bleiben nach wie vor wichtige Mittel zur politischen Beteiligung, ebenfalls der zivile Ungehorsam. So bietet das Format der projektbezogenen Bürgerbeteiligung interessierten Bürger_innen die Möglichkeit, sich direkt und selbstbestimmt in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Politische Partizipation Beispiele für Beteiligungsmöglichkeiten Auch in Bürgerforen, z. B. im Town-Hall-Meeting, können Themen mit direkter Bürger_innen­betei-­ lig­ ung besprochen und entschieden werden. Die Bürgerinitiative bietet eine Plattform, eigene Interessen in den politischen Prozess einfließen zu lassen. Das Mitwirken an sowie die Unterschrift eines Bürgerbegehrens, das dann idealerweise in einen Bürgerentscheid mündet, wird ebenso häufig zur politischen Teilhabe genutzt. Die Digitalisierung ist ebenfalls ein Katalysator für die Partizipation. Nicht nur Online Petitionen erfahren immer mehr Zuspruch, auch die Möglichkeit mit Politiker_innen in den direkten Austausch zu treten, sei es nun über Social Media Kanäle, Onlinetalk-Formate oder ein einfaches Kontakt­ formular, wird immer öfter angeboten und auch genutzt. Ebenfalls können sich Bürger_innen über eigene Grenzen hinaus miteinander vernetzen. Jedoch gibt es bei den digitalen Beteiligungsformen noch immer viel Nachholbedarf. Bundeszentrale für politische Bildung, 2009, www.bpb.de Lizenz: Creative Commons by-nc-nd/3.0/de Gedenkfahrt nach Polen Im August 2021 fuhr die FES MV im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nach Oswiecim, Polen. Beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz wurde mir das erste Mal wirklich bewusst, was hinter all den Opferzahlen steht. Wir betraten einen riesigen Raum, links und rechts gefüllt mit Schuhen ermordeter KZ- Häftlinge – Damenschuhe, Herrenschuhe, Kinderschuhe, aus Holz, aus Leder, für Mädchen und für Jungen. Das war der Moment für mich, in dem mir bewusst wurde, dass jeder Schuh für ein Einzelschicksal steht Deswegen mein deutlicher Appell: Ein solches Grauen darf sich nie wiederholen und dafür muss jeder und jede einstehen ! Jonas Wille, FSJler 2020 / 21 der FES MV