LH LADIES HOURS RUNDBRIEF 1| März 2010 Ein politisches Gesprächsangebot für Frauen in Niedersachsen! Weiblich, politisch, vernetzt sucht… Netzwerken und Gedankenaustausch in entspannter Atmosphäre – dies steht im Mittelpunkt der„Ladies Hours“ – einem neuen Gesprächsangebot von Frauen für Frauen auf Einladung der FriedrichEbert-Stiftung in Niedersachsen. „… und nächstes Mal bringt jede noch eine Freundin mit!“ Mit diesen einladenden Worten beendete Gabriele Lösekrug-Möller MdB den Auftakt zur ersten Runde. Gleichzeitig skizzierte sie damit das große Anliegen der Initiatorinnen: Die Sozialdemokratinnen wollen der frauenpolitischen Diskussion innerhalb und außerhalb der Partei neue Impulse und den vielfältigen Lebensrealitäten der Frauen neue Gesichter geben. Kennenlernen, Positionen austauschen, Gemeinsamkeiten erkennen, gegenseitige Unterstützung organisieren – es gibt viel, was Frauen füreinander tun und voneinander lernen können. Das erste Treffen war allein von der großartigen Beteiligung von Frauen aller Generationen, von jungen Stipendiatinnen bis hin zu den„großen Namen der niedersächsischen Frauenpolitik“ ein Beweis, dass es Interesse an diesem Dialog gibt. Einen Beitrag dazu soll auch der vorliegende Rundbrief sein: Teilhaben, auch wenn der Termin nicht passt, informiert sein und beim nächsten Mal den Faden aufnehmen können, das ist die Hauptaufgabe dieser kleinen Information. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, war gleich zum Auftakt eine interessante Gesprächspartnerin Gast und inhaltliche Impulsgeberin der Runde. Durch ihre langjährige Forschung zur Stellung und Zur Person: Jutta Allmendinger Geboren in Mannheim, studierte Soziologie, Sozialpsychologie, VWL und Statistik, heute Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Sie arbeitete für das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit und dozierte an der Harvard Business School, der LMU München und der Humboldt-Universität Berlin. Jutta Allmendinger war 1999 bis 2002 die erste Frau als Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und ist seit 2007 als Präsidentin des WZB ebenfalls die erste Frau in dieser Position. Sie ist zudem Mitglied in diversen Gremien und ist Mitherausgeberin der „Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung“. Mehr Informationen über Jutta Allmendinger und ihre aktuellen Veröffentlichungen finden Sie im Internet unter: www.wzb.eu/wzb/allmendinger.de.htm#areas zu den Perspektiven von Frauen in der Gesellschaft – angefangen von der frühkindlichen Bildung über die Berufswahl bis hin zu Karrierechancen im Job – hat sie einen vertieften und durch neue Studien zugleich hochaktuellen Einblick in die Lebenswelt der Frauen von heute. Jutta Allmendinger stellte unter dem Titel„Flexibler, länger, öfter. Arbeit aus dem Takt.“ einige Ergebnisse ihrer aktuellen Studien vor. Edelgard Bulmahn MdB begründete in ihrer kurzen Einleitung ins Thema, warum gerade das Thema„Arbeitswelt“ an den Beginn der„Ladies Hours“ gestellt wurde. Ihre These: Trotz unbestrittener Fortschritte in der gesellschaftlichen Entwicklung ist gerade die Situation für Frauen am Erwerbsarbeitsmarkt vielfach besonders unbefriedigend. Die Welt steht den Frauen längst nicht immer offen – trotz ausgezeichneter LADIES HOURS Friedrich-Ebert-Stiftung Niedersachsen RUNDBRIEF 1| März 2010 Equal Pay Day 2010 am 26.3. mit Andrea Nahles Gleichberechtigung auch bei der Bezahlung – das ist das Anliegen des Equal Pay Days, der seit 2008 einmal jährlich darauf hinweist, dass Frauen für gleiche Arbeit oft nicht den selben Lohn erhalten. Hintergrund des dritten Equal Pay Day in Deutschland sind die gravierenden Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland. Der Termin des Aktionstages markiert den Zeitraum, den Frauen in Deutschland über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu kommen. Das ist bei einem gender pay gap von aktuell 23 Prozent der 26. März. In diesem Jahr findet in Hannover eine große Konferenz mit Andrea Nahles MdB statt, nähere Informationen gibt es auf den Seiten der FES Niedersachsen(unter Aktivitäten): www.fes.de/niedersachsen. Qualifikation landen sie nicht mit gleicher Gradlinigkeit in den Führungsetagen wie viele ihrer männlichen Mitbewerber. Stattdessen ziehen sie statistisch den Kürzeren beim Einkommen, tragen die Hauptverantwortung beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie und sind überproportional häufig in prekären Beschäftigungsverhältnissen anzutreffen. Die Ungerechtigkeit ist gerade auf diesem Feld mit Händen greifbar – und gleichzeitig mangelt es an schlüssigen Konzepten für einen Ausweg aus diesem Dilemma. Individuelle Lösungen und Erfolge gibt es immer wieder – aber sozialdemokratischer Anspruch muss es sein, Wege für viele zu öffnen, nicht Schleusen für wenige. „Wie ist die Lage, woran liegt es und was ist zu tun?“ – mit einem„Dreiklang“ von inhaltlichen Bausteinen legte Jutta Allmendinger eine profunde wissenschaftliche Basis für die anschließende Diskussion. Eines der zentralen Ergebnisse war für viele nicht neu – aber sehr wertvoll, vor dem Hintergrund aktueller Forschung und insbesondere der Auseinandersetzung mit der Situation junger Frauen bestätigt zu sehen: Von hoher Bedeutung ist die Präsenz von Frauen auf allen Ebenen, nicht zuletzt um Transparenz zu schaffen und an(Personal-)Entscheidungen beteiligt zu sein. Die Quote bleibt auf diesem Weg ein unverzichtbares Instrument – ohne sie wird Gleichberechtigung nicht zu verwirklichen sein! Die nachfolgende Diskussion, moderiert von MinDir. Birgit Honé, war geprägt von Nachfragen zu den umfassenden Daten und Fakten des Beitrages, der Suche nach Erklärungsmustern und den richtigen Instrumenten auf dem Weg, die Situation der Frauen zu verbessern. Die Zugänge und Analysen waren dabei so unterschiedlich wie die individuellen Hintergründe der Diskutantinnen, was ein eindrucksvolles Bild des Erfahrungsschatzes und des Potenzials dieser Runde zeigt. Und genau darin besteht auch die Herausforderung für künftige Treffen:„Ladies Hours“ in Niedersachsen können und sollen dazu beitragen, aus der reichen Vielfalt der Erfahrungen und Kompetenzen gemeinsame(Frauen-)BilLiteraturtipps: Die Frauenbewegung hat in den letzten Jahrzehnten viel erreicht. Trotzdem ist die feministische Bewegung heute in den meisten Ländern geschwächt, wie Christa Wichterich in der neu erschienenen FES Perspektive „Gender als politisches Projekt: Wie bitte geht‘s zur Geschlechtergerechtigkeit?“ anmerkt. Ein wichtiger Grund ist sicher, dass Fragen der Geschlechtergerechtigkeit zunehmend auf methodische Aspekte verkürzt und somit ihrer politischen Sprengkraft beraubt wurden. Die„FES Perspektive“ von Christa Wichterich und zahlreiche weitere Publikationen zu den Themen Frauen, Gender und Gleichstellung finden Sie unter: http://www.fes.de/gender/publikationen.php Vormerken!!! Nächster Termin„Ladies Hours“ 22. Juni 2010, 18.00 Uhr im Opus One in Hannover mit der Journalistin Tissy Bruns zum Thema: FRAU MACHT POLITIK der für die Zukunft zu entwerfen, damit nach außen zu treten, neue Frauen dafür zu gewinnen und uns gemeinsam bei der Durchsetzung zu stärken. Um das Potenzial der Runde vollständig zur Wirkung zu bringen, werden die „Ladies Hours“ im kommenden Jahr in diesem Sinne um einen weiteren Aspekt ergänzt. Neben dem großen Interesse, durch ausgewiesene Expertinnen inhaltliche Impulse für die politische Debatte und Strategie von und für Frauen in Niedersachsen zu bekommen, wurde von einigen Frauen im Nachgang zur Premiere der„Ladies Hours“ gewünscht, mehr Raum für gegenseitiges Kennenlernen, Austausch(von Visitenkarten und mehr) und praktisches„Netzwerken“ zu gewinnen. Ermutigt durch den erfolgreichen Auftakt und die große Resonanz wird das die gemeinsame Herausforderung für 2010 sein! Insgesamt gute Aussichten für„Ladies Hours“! Impressum: © Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeber: Landesbüro Niedersachsen Theaterstraße 3 30159 Hannover Tel: 0511 357708-30 Fax: 0511 357708-40 E-Mail: niedersachsen@fes.de Redaktion: Dr. Uta M. Biermann Franziska Schröter