LH LADIES HOURS Frau Macht Politik RUNDBRIEF 2| März 2011 Ein politisches Gesprächsangebot für Frauen in Niedersachsen! Neue Frauen(politik) braucht das Land! „Gute Frauenpolitik braucht Leidenschaft, Empathie und einen klaren Blick für die unterschiedlichen Belange der Frauen in unserer Republik.“ Kurz gefasst könnte dies das Plädoyer von Tissy Bruns sein, die Gast der letzten „Ladies Hours“ war und in einer intensiven Debatte, moderiert von Dr. Uta Biermann und Birgit Honé , zuweilen kritisch mit der aktuellen Politik von und für Frauen ins Gericht ging. Nicht zu Unrecht – wie viele der anwesenden Frauen quer über alle Generationen in ihren Beiträgen zum Vortrag von Tissy Bruns zum Thema„Frau Macht Politik“ unterstrichen. Die nüchterne Analyse zeigt: Es braucht neuen Schwung, um sozialdemokratische Konzepte für Gleichstellung, für Familien, für junge Frauen erfolgreich an diese Zielgruppen zu bringen und mit ihnen zu diskutieren. Unbestritten gibt es hier ein großes Potenzial und viele richtige politische Instrumente. Und dennoch haben die konkurrierenden Parteien stetig mehr Zuspruch gefunden und Boden gut gemacht. Ein lebhafter Wechsel zwischen einer klaren Analyse der unterschiedlichen Lebenslagen der Frauen, der Verfasstheit von Politik und Parteien insgesamt und der Suche nach den richtigen Antworten einer fortschrittlichen Politik für Frauen prägte sowohl das einleitende Referat von Tissy Bruns als auch die anschließende Debatte. Die zunehmende Individualisierung der Frauen und die große Vielfalt unterschiedlicher Lebensrealitäten sind eine Chance – wir müssen sie ergreifen Festzustellen ist: Wir begegnen heute viel stärker differenzierten Lebensrealitäten von Frauen als dies früher der Fall war. Dieses Mehr an Individualität und die vielfältigeren Wahl- und Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen sind ein gemeinsamer Erfolg nicht zuletzt sozialdemokratischer Politik für mehr soziale Gerechtigkeit und Bildungschancen für alle. Mit Blick auf die gestiegenen Chancen von Frauen ist dabei an allererster Stelle eine entschlossene Frauenbewegung, getragen auch von Sozialdemokratinnen, zu nennen. Gleichzeitig stellt gerade diese Individualisierung uns und unsere Politik vor neue HerausforderunZur Person: Tissy Bruns Die heutige politische Chefkorrespondentin des Berliner„Tagesspiegel“ wurde in Zeitz geboren und studierte Mathematik und Geschichte auf Lehramt. Sie war für„taz“,„Stern“,„Wochenpost“ und„Die Welt“ als Parlamentskorrespondentin in Bonn tätig, von 2001 bis 2003 leitete sie das Berliner Korrespondentenbüro der Tageszeitung„Die Welt“. Tissy Bruns war zudem von 1999 bis 2003 – als erste Frau in diesem Amt – Vorsitzende der Bundespressekonferenz. 2007 veröffentlichte sie ihr Buch „Republik der Wichtigtuer – Ein Bericht aus Berlin“ und schrieb darin über das Verhältnis von Medien und Politik. Sie lebt heute in Berlin, ist verheiratet und hat einen Sohn. Mehr zu ihren aktuellen Veröffentlichungen finden Sie im Internet unter: http://www.tagesspiegel.de/autoren/Tissy+Bruns LADIES HOURS Friedrich-Ebert-Stiftung Niedersachsen RUNDBRIEF 2| März 2011 Equal Pay Day 2011 am 25.3. mit Edelgard Bulmahn „Fair p(l)ay“ – Spielregeln für die Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt, dies ist das Motto des diesjährigen Equal Pay Day(EPD) in Hannover. Er wird von einem breiten Bündnis, bestehend aus Frauenverbänden,-gruppen, Wirtschaft und Gewerkschaften zum dritten Mal durchgeführt, um über die Ursachen der Entgeltunterschiede aufzuklären. Die Entgeltunterschiede sind auch drei Jahre nach Einführung des Equal Pay Day nicht aufgehoben. Sie stagnieren bei 23%. In Hannover hat sich inzwischen ein Initiativ-Kreis gegründet, dessen Mitglieder diese Konferenz am 25. März 2011 vorbereitet haben. Ziel der Konferenz ist es, Betroffene zu informieren, Unternehmen zu sensibilisieren und eine Öffentlichkeit herzustellen. In diesem Jahr findet die Konferenz in Hannover mit Edelgard Bulmahn MdB statt. Nähere Informationen gibt es auf den Seiten der FES Niedersachsen(unter Aktivitäten): www.fes.de/niedersachsen. gen. Um mit den Frauen, die heute ein verändertes Selbstbewusstsein haben, in einen Dialog zu treten und sie zu beteiligen, braucht Politik Kenntnis ihrer Befindlichkeiten, ihrer sozialen Lage und ihrer Perspektiven. Und diese sind ausgesprochen vielfältig in ihrer Spannbreite: von Akademikertöchtern mit erstklassigen Bildungsabschlüssen bis hin zu jungen Müttern, teilweise ohne Schul- und Berufsabschlüsse. Politik – so die These von Tissy Bruns – hat meist vor allem die erstere Gruppe im Blick und konkurriert um die beste Ansprache dieser Zielgruppe. Aber wer kümmert sich um die anderen? Gute(sozialdemokratische) Frauenpolitik brauche ein soziales Gesicht, so Tissy Bruns ! Eine(glaubwürdige) Frauenpartei braucht weibliche Gesichter Generell kämpft Politik mit einem Verlust an Glaubwürdigkeit. Umfragen zeigen, dass viele Bürgerinnen und Bürger ihren gewählten Vertreterinnen und Vertretern die Lösung der drängenden Probleme schlicht nicht mehr zutrauen. In diesem Klima bestehen besondere Anforderungen an die Einheit zwischen der Programmatik von Politik und den Personen, die sie vertreten. Das heißt: eine Partei kann glaubwürdiger für Chancengleichheit, Aufstiegschancen und die Interessen von Frauen eintreten, wenn sie von Frauen auf allen Ebenen getragen und repräsentiert wird. Nur so gelingt es, den Dialog mit den Frauen aufzunehmen und selbst Frauen für aktive Beteiligung zu gewinnen. Insgesamt gilt: Das Themenspektrum und der Diskussionsbedarf an diesem Abend waren riesig, und es wurde in der Debatte durchaus deutlich, dass auch die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen innerhalb der Runde unterschiedlich waren. Umso wichtiger – so der Tenor am Schluss des Abends – dass wir am Ball bleiben und weiter Literaturtipps: Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist in den letzten Jahrzehnten sowohl in Deutschland als auch in Frankreich gestiegen. Angela Luci erörtert in ihrer internationalen Politikanalyse„Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und Frankreich: Warum es Französinnen besser gelingt, Familie und Beruf zu vereinbaren“, wie Frankreich mit einem stimmigen Gesamtkonzept die Erwerbstätigkeit von Müttern gezielt fördert und was Deutschland von seinem französischen Nachbarn lernen kann. Diese aktuelle Analyse sowie einen WISO Diskurs zum Thema„Gleichstellungspolitik kontrovers: Eine Argumentationshilfe“ und zahlreiche weitere Publikationen zu den Themen Frauen, Gender und Gleichstellung finden Sie unter: http://www.fes.de/gender/publikationen.php Publikationen zum Thema Bildungspolitik finden Sie auf der Seite des Netzwerks Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung unter folgendem Link: http://www.fes.de/studienfoerderung/hochschul-und-bildungspolitik/ Vormerken!!! Nächster Termin„Ladies Hours“ 4. April 2011, 17.30 Uhr im Dormero Hotel Hannover (früher: Maritim Hotel) mit Svenja Schulze MdL Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen zum Thema: Wissenschaf(f)t Karriere Frauen daran arbeiten, dass sozialdemokratische Antworten auch für die Frauen im Land wieder an Bedeutung gewinnen. Denn, so stimmten Tissy Bruns und Edelgard Bulmahn, MdB am Schluss dieses Abends überein: Frauen sind die Zukunft! Da im Laufe der Diskussion mehrfach die Bedeutung von Bildung als wichtiger Schlüssel zu mehr Gleichstellung und sozialer Gerechtigkeit genannt wurde, und die Frage einer zukunftsfähigen Bildungspolitik gerade in Niedersachsen von großer Aktualität ist, wollen wir unsere„Ladies Hours“ mit einem Abend zum Thema Bildung fortsetzen und freuen uns schon jetzt auf eine erneut rege Diskussion. Impressum: © Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeber: Landesbüro Niedersachsen Theaterstraße 3 30159 Hannover Tel: 0511 357708-30 Fax: 0511 357708-40 E-Mail: niedersachsen@fes.de Autorin: Dr. Uta Biermann www.fes.de/niedersachsen Facebook: FES-Niedersachsen Twitter: FES_Nds