LH LADIES HOURS RUNDBRIEF 3| März 2012 Ein politisches Gesprächsangebot für Frauen in Niedersachsen! Wissenschaf(f)t Karriere Frauen Wissen schafft Karriere(frauen), Wissenschaft Karriere(frauen), Wissenschaft und Karrierefrauen – dieses Wortspiel hat es in sich. Gleichstellungsfragen: Für einige ein„alter Hut“, für andere das aktuellste Thema überhaupt. Dass es wichtig und richtig ist, dieses Thema näher zu betrachten, verdeutlichte der Diskussionsabend„Ladies Hours“ der Friedrich-Ebert-Stiftung. Unter der Moderation von der niedersächsischen Landtagsabgeordneten Dr. Gabriele Andretta beleuchteten die Bundesministerin a. D. und Bundestagsabgeordnete Edelgard Bulmahn und die nordrhein-westfälische Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung Svenja Schulze in ihren Vorträgen das Thema„Geschlechtergerechtigkeit“ von verschiedenen Seiten. „Frauen nutzen nicht nur das Wahlrecht selbstverständlich, sie sind Ministerinnen, Regierungschefin und stellen ein Drittel des Deutschen Bundestages.“ Dieses Statement von Edelgard Bulmahn zeigt, dass in Bezug auf Gleichstellungsfragen in den letzten Jahren viel erreicht wurde. Und dennoch, wie sie kritisch hinzufügt, muss man konstatieren:„Je höher die Besoldungsgruppen, desto niedriger ist der Frauenanteil.“ Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt auch Svenja Schulze, die ebenfalls einen deutlichen Aufholbedarf von Frauen bei den universitären Spitzenpositionen aufzeigt:„Wenn wir so weitermachen, brauchen wir noch 50 Jahre, um zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Frauen und Männern zu kommen“, so Svenja Schulze. Positiv konstatieren beide Referentinnen, dass wir heute in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit nicht mehr bei Null anfangen. Es ist heutzutage festzustellen, dass die jungen Frauen in der Schule und an den Universitäten nicht nur aufholen, sondern häufig die jungen Männer sogar überholen: Die Daten des Statistischen Bundesamts im Jahrbuch 2010 belegen für das Jahr 2008, dass mehr Schülerinnen als Schüler die allgemeine Hochschulreife erwerben. Auch der Frauen- und Männeranteil der Studierenden ist im Jahr 2008 ungefähr gleich groß, variiert jedoch zwischen den Studiengängen. Folglich ist in Bezug auf Gleichstellungsfragen viel erreicht worden. Dennoch, so die Ministerin Svenja Schulze und Dr. Gabriele Andretta, scheint gerade Zur Person: Svenja Schulze Svenja Schulze ist seit dem 15. Juli 2010 Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit der Abschaffung der Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen brachte Svenja Schulze eines der politischen Großprojekte der Regierung auf den Weg. Vom 1997 bis 2000 und seit 2004 sitzt sie im Landtag von NordrheinWestfalen. Sie studierte bis 1996 Germanistik und Politikwissenschaften in Bochum, Abschluss Magister. Anschließend war sie als Unternehmensberaterin tätig. Sie war von 1988 bis 1989 Landesschülersprecherin Nordrhein-Westfalen und von 1993 bis 1997 nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Jusos, von 1996 bis 2002 und seit 2006 ist sie Mitglied im nordrhein-westfälischen Landesvorstand ihrer Partei. Außerdem ist Svenja Schulze Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie(IG BCE), im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes„Frauenzeiten“. LADIES HOURS Friedrich-Ebert-Stiftung Niedersachsen RUNDBRIEF 3| März 2012 danach die sogenannte„gläserne Decke“ die Aufstiegschancen von Frauen zu erschweren.„Selbst wenn Professorinnen heute eine Selbstverständlichkeit sind, sind wir von einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an Spitzenpositionen im Wissenschaftssystem noch weit entfernt“, stellt Svenja Schulze heraus. Dies kommt in Bezug auf Anschlussverträge und berufliche Positionen(insbesondere hinsichtlich der Führungspositionen) zum Ausdruck, wie Edelgard Bulmahn an Daten und Fakten veranschaulicht: Zwar habe sich der Anteil der Professorinnen in den letzten zehn Jahren verdoppelt, trotzdem ist er mit 16,3% weiterhin niedrig, bei den W3-Professuren liege er sogar nur bei 9%. Trotzdem ist positiv festzustellen, dass sich der Anteil von Doktorandinnen in den letzten 20 Jahren verdoppelt habe. Im Bereich der Habilitationen liegt der Anteil von Frauen jedoch laut Statistischem Bundesamt(Jahrbuch 2010) nur bei knapp über 20%. Vor diesem Hintergrund konstatieren Edelgard Bulmahn und Svenja Schulze kritisch, dass nur wenigen Frauen der Aufstieg in Führungspositionen gelingt und sie auf mittleren Positionen stehen bleiben. Einig sind sich die Diskussionsteilnehmerinnen darin, dass in Fragen der Geschlechterdifferenz Transparenz und Öffentlichkeit hergestellt werden müssen.„Die Chancen von Frauen im Wissenschafts- und Forschungsbetrieb sind keine Privatsache. Sie betreffen uns alle. Sie sind eine gesamtgesellschaftliche, politische Aufgabe“, wie Edelgard Bulmahn deutlich herausstellt. Da hat sie als Bundesministerin in der rotgrünen Koalition auch angesetzt, indem sie vielfältige Gleichstellungsinitiativen vorangebracht hat. An dieser Stelle hebt sie unter anderem die Exzellenzinitiative hervor, in welcher Frauenförderung ein Qualitätsmerkmal darstellt. Gelobt werden seitens der Diskutantinnen zudem Frauenförderprogramme (z. B. das Professorinnenprogramm), aber auch die„Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft und die von Edelgard Bulmahn eingeführte „Juniorprofessur“. Gefordert wird eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf(z.B. genügend qualitativ hochwertige Betreuungsangebote für Kinder), so wie es andere europäische Länder vormachen.„Symbolische Politik hilft uns nicht weiter. Wir brauchen Zahlen und Instrumente – und die schaffen wir uns!“, bringt Svenja Schulze kritisch auf den Punkt. An dieser Stelle setzt sie in Nordrhein-Westfalen mit dem Gender-Report 2010 an. Die Erhebung von aktuellen Daten und Fakten bietet einen umfassenden Überblick über alle Gleichstellungsmaßnahmen der 68 nordrhein-westfälischen Hochschulen. Dies bringt die Chance, vorhandene Instrumente zu erweitern. Die Sichtweisen der beiden Referentinnen wurden von den Berichten der Teilnehmerinnen ergänzt und gestützt, die Relevanz des Networkings von Frauen als ähnlich hoch eingeschätzt. Das Stichwort„Quote“, als eine mögliche Perspektive, wurde befürwortet. Im Anschluss an das Gespräch wurde bei Vormerken!!! • Equal Pay Day in Hannover „Rolle vorwärts” Wie schaffen wir Gleichstellung in Arbeit und Gesellschaft? 23.3.2012 Fair P(l)ay – neue Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft 19.4.2012 Mannsbilder – Weibsbilder – neue Bilder • Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf 14.4.2012 in Springe in Zusammenarbeit mit dem Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. • Veranstaltung am 15.5.2012 mit Manuela Schwesig stellv. SPD-Vorsitzende und Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales des Landes Mecklenburg-Vorpommern •„Ladies Hours“ am 7.6.2012 in Hannover mit Bascha Mika Publizistin und Autorin in Berlin zu ihrem aktuellen Buch „Die Feigheit der Frauen“ Rollenfallen und Geiselmentalität. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf www.fes.de/niedersachsen einem Imbiss lebhaft weiter diskutiert – so dass das„Frauen-Networking“ auch an diesem Abend in angenehmer Atmosphäre fortgesetzt werden konnte. Aktuelle Literaturtipps: Barbara Stiegler:„Erfolgreiche Geschlechterpolitik“ Ansprüche, Entwicklungen, Ergebnisse. Die neue WISO Expertise mit spannenden Beiträgen zum Thema erfolgreiches geschlechterpolitisches Handeln aus unterschiedlichen Bereichen. Esther Lennert:„Gender und Rechtsextremismusprävention“ Die Konstruktion einer spezifischen dichotomen Geschlechterordnung ist grundlegend für die rechtsextreme„Volksgemeinschaft“ und stellt das Fundament des modernen Rechtsextremismus dar, heißt es in der FES-Expertise. Ulrike Spangenberg:„Geschlechtergerechtigkeit im Steuerrecht?!“ diese Expertise der FES und zahlreiche weitere Publikationen zu den Themen Frauen, Gender und Gleichstellung finden Sie unter: http://www.fes.de/gender/publikationen.php Publikationen zum Thema Bildungspolitik finden Sie auf der Seite des Netzwerks Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung unter folgendem Link: http://www.fes.de/studienfoerderung/hochschul-und-bildungspolitik/ Impressum: © Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeber: Landesbüro Niedersachsen Theaterstraße 3 30159 Hannover Tel: 0511 357708-30 Fax: 0511 357708-40 E-Mail: niedersachsen@fes.de Autorin: Jessica Löser www.fes.de/niedersachsen Facebook: FES-Niedersachsen Twitter: FES_Nds