LH LADIES HOURS RUNDBRIEF 4| Oktober 2012 Ein politisches Gesprächsangebot für Frauen in Niedersachsen! „Die Feigheit der Frauen“ Die Themen Gleichstellung der Frau, Emanzipation und Gleichberechtigung sind alt und werden lange und gerne diskutiert. Völlig aus der öffentlichen Diskussion verschwunden sind jedoch subjektive Faktoren der Emanzipation und der Gleichstellung. Dass wir unseren Blick erweitern und neben den objektiven Strukturen und Rahmenbedingungen auch uns selbst ins Visier nehmen müssen, verdeutlicht die Debatte im Rahmen der„Ladies Hours“ der Friedrich-Ebert-Stiftung. Unter Moderation von Gabriele Lösekrug-Möller, MdB , stellt die Publizistin und ehemalige Chefredakteurin der taz, Bascha Mika, Thesen aus ihrem Buch „Die Feigheit der Frauen“ vor und setzt damit einen Impuls für einen spannenden Diskussionsabend. „Wie gestalten wir als Frauen unser Leben?“ Mit dieser Frage startet Bascha Mika ihren Impulsvortrag und malt zugleich das düstere Bild der weiblichen Realität hierzulande in die Köpfe der Teilnehmerinnen:„Es sieht übel aus! In allen Fragen der Macht, sei es in der Politik, der Wirtschaft oder in privaten Beziehungen, haben Männer noch immer die Oberhand“, so Bascha Mika. Wieso wir Frauen häufig selbstverantwortlich für dieses dunkle Realitätsbild sind, macht die Autorin in der folgenden Stunde auf erfrischend ehrliche und selbstkritische Weise deutlich. Sie geht dabei an die Wurzel, an den Alltag einer jeden Frau. An deren Berufs- und Lebensplanung macht sie an unterschiedlichsten Beispielen und Biographien deutlich, wie Bankkauffrauen, Juristinnen und Chemikerinnen und viele mehr, alle in die gleiche Rollenfalle stürzen. Immer mit der Frage im Hinterkopf, weshalb gerade diese Frauen, die es eigentlich immer anders wollten, am Ende doch in der traditionellen Falle landen. Dabei schließt sie bewusst das Viertel der weiblichen Bevölkerung aus, welches sich diese traditionelle Rolle wünscht. „Heute sagen Frauen: Ich kann das zwar, aber wieso sollte ich mir diesen Stress antun?“, stellt Bascha Mika fest. Die Steine, die wir uns selbst auf den Weg zu mehr Emanzipation und Gleichstellung in der Gesellschaft legen, sind vielfältig: Wir wählen genau die Berufe, die wenig Prestige, Macht und Einkommen bringen, wir scheuen uns vor AusZur Person: Bascha Mika Die Journalistin und Publizistin wurde in der Gemeinde Komprachcice in Oberschlesien geboren und heißt eigentlich Barbara Mika. 1959 zog sie gemeinsam mit ihren Eltern nach Deutschland. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Ethnologie in Bonn und Marburg und arbeitete schon damals als freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Zeitungen. Nach dem Studium machte Sie Journalismus zu ihrem Hauptberuf, wurde 1988 bei der taz fest angestellt und wurde 1994 mit dem Emma-Journalistinnen-Preis ausgezeichnet. Fünf Jahre später übernahm sie für zehn Jahre die Stelle der alleinigen Chefredakteurin der taz. Mit ihrem neusten Buch„Die Feigheit der Frauen: Rollenfallen und Geiselmentalistäten. Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug“, löste Basche Mika eine heftige Debatte aus. LADIES HOURS Friedrich-Ebert-Stiftung Niedersachsen RUNDBRIEF 4| Oktober 2012 Doch trotz der Vielfältigkeit der Meinungen und Redebeiträge der Frauen im Saal wurde deutlich, dass eines alle gemeinsam hatten: Jede von ihnen fand sich irgendwo in Bascha Mikas Buch „Die Feigheit der Frauen“ wieder und ließ selbst im Anschluss des Gesprächs die anderen Teilnehmerinnen an den eigenen Erfahrungen teilhaben. Bei einem Imbiss konnte so lebhaft diskutiert und in angenehmer Atmosphäre genetzwerkt werden. einandersetzungen im Berufsleben, sind harmoniebedürftig, ängstlich und feige. Denn die traditionelle Rolle einzunehmen scheint für die meisten Frauen eine bequeme und risikolose Lösung. Die treibende Kraft für diese Entscheidung sind die Motive der Liebe und der Zuneigung, denen Frauen, laut Bascha Mika , noch immer verfallen sind. Um zukünftig tatsächlich mehr Emanzipation und Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu erreichen, müssen wir dort, wo wir die Wahl und Entscheidungsmacht haben, unseren Anspruch in allen Punkten eine gleichberechtigte Partnerschaft zu führen, durchsetzen. Hilfreich hierbei ist es, sich sein gesamtes Leben einmal von hinten nach vorne zu denken. Bascha Mikas Appell für die Teilnehmerinnen und Anstoß für die anschließende Diskussion lautet sodann:„Wir wollen doch alles! Wir können doch alles! Jetzt müssen wir es auch endlich mal tun!“ In einer Art Fishbowl-Prinzip, bei dem die Teilnehmerinnen aus dem Publikum nacheinander gemeinsam mit Bascha Mika und Gabriele Lösekrug-Möller auf dem Podium diskutieren konnten, fand ein reger Meinungs- und Informationsaustausch statt. Aufgelockert wurde die Debatte durch viele persönliche Anekdoten aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen der Teilnehmerinnen sowie den verschiedensten Themenfeldern, wie beispielsweise Erfahrungen am Arbeitsplatz, aus dem Vorstandbereich, dem medizinischen Bereich, der Familie und der Hochschule. In ihrem Schlusswort hebt auch Gabriele Lösekrug-Möller diesen Punkt hervor, denn gerade die große Mischung an Themen habe zu einem besonders interessanten und dichten Gespräch geführt, welches bei etwa 100 anwesenden Teilnehmerinnen nicht immer selbstverständlich sei. Vormerken!!! • Equal Pay Day in Hannover am 21.3.2013 – Lohnfindung im Gesundheitswesen – viel Dienst, wenig Verdienst. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf www.fes.de/niedersachsen Impressum: © Friedrich-Ebert-Stiftung Herausgeber: Landesbüro Niedersachsen Theaterstraße 3 30159 Hannover Tel: 0511 357708-30 Fax: 0511 357708-40 E-Mail: niedersachsen@fes.de Autorin: Lisa Lehmann Verantwortlich: Petra Wilke www.fes.de/niedersachsen Facebook: FES-Niedersachsen Twitter: FES_Nds Aktuelle Literaturtipps: Frauen-Männer-Gender. Frauenpolitik& Genderpolitik in der Friedrich-Ebert-Stiftung 2010/ 2011. Der neuste Jahresbericht der Friedrich-Ebert-Stiftung ist ein Gesamtaufriss über alle Herausforderungen, die das Thema der Gleichstellung mit sich bringt. http://library.fes.de/pdf-files/frauen/08505.pdf Dr. Irene Becker: Bedarfsgerecht statt pauschal –ein Konzept zur Reform des Kindergeldes. Das Diskussionspapier greift das Thema der Ausgestaltung des Systems der monetären Transfers für Kinder auf und stellt ein Konzept für eine grundlegende Kindergeldreform vor. http://library.fes.de/pdf-files/do/08850.pdf Joachim Wieland: Verfassungsfragen der steuerrechtlichen Behandlung von Kindesexistenzminimum und Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf. Dieses Papier ist ein interessantes Rechtsgutachten, welches prüft, ob die aktuelle Rechtslage es zulässt, dass der Staat die Kosten des Existenzminimums eines Kindes unabhängig vom Einkommen der Eltern ausgleichen darf. http://library.fes.de/pdf-files/do/08842.pdf Die halbe Welt ist weiblich – unser halber Stadtrat 2014 auch? Ein offener Raum für Diskussionen, Austausch und Projektideen rund um das Thema„Frauen in der Kommunalpolitik“. Dieser zusammenfassende Bericht entstammt aus einer Open Space Veranstaltung in München. http://library.fes.de/pdf-files/akademie/bayern/08867-20120329.pdf