03. 2013 AKTUELLES AUS DER PALÄSTINENSISCHEN PRESSE 2 2. 0 3.- 2 8. 0 3. 2 0 1 3 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Friedrich-Ebert-Stiftung, vom 20. bis zum 22. März besuchte US-Präsident Barack Obama Israel und die Palästinensischen Gebiete. Im Vorfeld hatte die US-Administration verlautbaren lassen, der Präsident komme, um zuzuhören und habe keinen amerikanischen Friedensplan im Gepäck. Im Zentrum der Gespräche mit dem israelischen Premierminister Netanjahu standen die Politik gegenüber dem Iran sowie der syrische Bürgerkrieg. Erst an dritter Stelle rangierte der israelisch-palästinensische Konflikt. Inhaltlich näherte sich Obama während seines Aufenthaltes verglichen mit früheren Stellungnahmen den Positionen der israelischen Regierung an. So nahm er Abstand von der Forderung eines erneuten Siedlungsstopps und rief stattdessen zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen auf. Zudem verzichtete er darauf, die Grenzen von 1967 als Grundlage einer friedlichen Lösung des israelischpalästinensischen Konflikts zu nennen. Vor diesem Hintergrund sind palästinensische Kommentatoren skeptisch, was das amerikanische US-Engagement in Nahost betrifft und fürchten einen erneuten langwierigen Prozess ohne klar definierte Rahmenbedingungen, an dessen Ende die Palästinenser mit leeren Händen dastehen. Während Obama das Vertrauen der israelischen Öffentlichkeit durch sein klares Bekenntnis zur„ewigen Allianz“ zwischen Israel und den Vereinigten Staaten gewinnen konnte, hat er in den Augen der meisten Palästinenser weiter an Glaubwürdigkeit verloren. Unterschiedlich wird die Entschuldigung des israelischen Premierministers Netanjahu bei seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan beurteilt. Infolge der Erstürmung Schiffes„Mavi Marmara“ durch israelische Militäreinheiten, bei der neun Aktivisten ums Leben gekommen waren, hatten die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Verbündeten der USA einen Tiefpunkt erreicht. Die„Mavi Marmara“ war im Mai 2010 aus der Türkei aufgebrochenen, um die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Nach Netanjahus Entschuldigung kündigte der türkische Premierminister Verhandlungen über Entschädigungszahlungen für Mitte April an. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre! Ihr Team der FES-Ost-Jerusalem Design: ery foto Seite 1 03. 2013 Warum hat Obama die riert? Sama News, Sonnstag, 24.03.2013, Salah Montaser Araber ignoNoch nie habe ich den amerikanischen Präsidenten Obama so voller Freude gesehen wie an dem Tag, als er am Flughafen Ben Gurion in Israel ankam. Er schüttelte die Hände von mehreren hundert Leuten, sprach angeregt mit ihnen und erklärte dann, dass„Amerikas nationale Sicherheit bedeutet, an der Seite Israels zu stehen. Das stärkt uns und unsere Allianz“. Zweifellos wird Israel durch das besondere Bündnis zu Amerika gestärkt, doch es ist das erste Mal, dass ein amerikanischer Präsident betont, Israel stärke auch Amerika den Rücken. Auch wenn dies schon vorher eine verbreitete Meinung unter den US-Präsidenten war, so wurde diese Tatsache dennoch nie öffentlich artikuliert, um die diplomatischen Beziehungen zu den Arabern nicht zu verletzten. Obama wird als erster schwarzer US-Präsident in einem historischen Kontext des Befreiungskampfs gegen Kolonialismus und Rassismus gesehen. Seine beiden Besuche in der Region allerdings könnten nicht unterschiedlicher sein: Vor vier Jahren kündigte Obama in seiner berühmten Kairo-Rede an, einen Neuanfang mit der muslimischen Welt zu suchen und die Palästinenser in ihrem Recht auf einen eigenen Staat zu unterstützen. Bei seinem letzten Besuch hingegen betonte er einzig und allein das besondere Bündnis zwischen Israel und Amerika und sprach Israel weitere Unterstützung in der Sicherheitsfrage zu. Den Palästinensern gegenüber wiederholte er nur die üblichen Lippenbekenntnisse bezüglich ihres Rechts auf einen eigenen Staat. Die Palästinenser müssten ihr Recht selbst und ohne jeglichen Druck seitens der USA in direkten Verhandlungen mit Israel durchsetzten. Obama ist nicht anders als seine Vorgänger, seine Haltung zu Israel hat sich dementsprechend nicht verändert. Aber die arabische Welt hat sich geändert, angeführt von Ägypten. Doch von dieser Seite hat Amerika nichts zu befürchten. Vor einigen Jahren noch erklärte der Anführer der Muslimbrüder in Ägypten, zehntausende freiwillige Freiheitskämpfer als Unterstützung nach Palästina zu entsenden. Im Kontrast dazu fungierte es vor einigen Monaten als Vermittler zwischen der Hamas und Israel und brachte die Hamas dazu, ihre Position gegenüber Israel zu überdenken. Daraufhin wurde der ägyptische Präsident in der amerikanischen Presse gelobt, und Ägyptens Chance auf Einflussnahme verspielt. Bei seinem Besuch in Ägypten sagte US-Außenminister John Kerry, dass Amerika seitens der Araber nichts zu befürchten habe. Die Situation im Nahen Osten habe sich geändert und Möglichkeiten mit ihr. Was könnte Obama also davon abhalten, seine pro-israelische Einstellung öffentlich zu machen? Der Besuch von Obama… Ein neues Labyrinth! Al-Ayyam Zeitung, Dienstag, 26.03.2013, Hani Al-Masri Das Hauptresultat des Besuchs von Präsident Obama ist ein öffentliches Solidaritätsbekenntnis Amerikas zu Israel und die Zusage weiterer Unterstützung in allen Bereichen ohne jegliche Druckausübung seitens der USA. Obama forderte die israelische Gesellschaft dazu auf, ihr StaatsDesign: ery foto Seite 2 03. 2013 oberhaupt bei der Suche einer friedlichen Lösung des Konflikts zu unterstützen. Gegenüber den Palästinensern allerdings begnügte Obama sich damit, Vorhergegangenes zu wiederholen ohne konkrete politische Zugeständnisse zu machen. Obama nimmt damit eine klare Position nach den Umwälzungen des„arabischen Frühlings“ ein, nämlich die, dass die USA Israel beistehen und nur das akzeptieren werden, was Israel akzeptiert; eine eindeutiges und vollkommen anderes Bild, das Obama in seiner zweiten Amtsperiode zeichnet als in seiner ersten. Es scheint, als ob Obama nur gekommen wäre, um sein großes Engagement für die Palästinenser zu Beginn seiner Präsidentschaft durch noch größere Unterstützung für Israel auszugleichen. Obama macht den Eindruck, als wolle er mit seiner ersten Auslandsreise nach seiner Wiederwahl beweisen, dass ihn weder seine muslimischen Wurzeln noch die frühere Sympathie mit der Sache der Palästinenser zu einem Gegner Israels machen. Seine Reden weisen eine starke Hinwendung zum Zionismus auf, er adoptiert förmlich den israelischen Staatsjargon, dass„Israel im Heiligen Land nach göttlichem Willen und Jahrtausendealter Überlieferung errichtet wurde“, und nicht Ergebnis des Holocaust ist, wie er noch in seiner Kairo-Rede 2009 erklärte. Obamas Rede wurde prompt von dem israelischen Journalisten Gideon Levy kommentiert, der ihm entgegenhält:„Die israelische Besatzung wird nicht wie alle früheren Besatzungs- und Kolonialmächte verschwinden. Nur durch das Vergießen von Blut und die Anwendung von Terror, oder durch Ausübung von Druck seitens eines starken amerikanischen Präsidenten wird Israel nachgeben“. Um die Palästinenser nicht vor den Kopf zu stoßen, plädierte Obama für die Notwendigkeit eines palästinensischen Staates, vergaß jedoch dabei zu erwähnen, in welchen Grenzen, nämlich den Grenzen von 1967, eben dieser souveräne palästinensische Staat existieren soll. Er sprach sich für einen palästinensischen Staat nicht aufgrund des legitimen Rechts auf einen Nationalstaat aus, sondern weil es im Interesse Israel sei, einen souveränen Staat Palästina voranzutreiben aufgrund der zukünftigen demographischen Entwicklung. Ferner forderte Obama die Palästinenser auf, Israel als explizit jüdischen Staat anzuerkennen, was konsequenter Weise einen Verzicht auf das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge in ihre Heimat bedeutet. In Bezug auf die interne palästinensische Spaltung sprach er sich klar gegen eine Versöhnung mit der Hamas aus, denn die Hamas sei nicht fähig, auf Gewalt zu verzichten. Des Weiteren legte er der palästinensischen Führung nahe, Verhandlungen mit Israel ohne Vorbedingungen zu akzeptieren, und rief die arabische Welt auf, die Beziehungen zu Israel zu normalisieren, auch wenn noch kein dauerhafter Frieden etabliert wurde. Er weigerte sich, einen Kranz am Grab von Yassir Arafat nieder zu legen, der das Oslo-Abkommen im Garten des Weißen Hauses unterzeichnete und den Friedensnobelpreis dafür gewann. Dafür ehrte er die Gräben von Theodor Herzl und Yitzhak Rabin mit zwei Kränzen, Rabin war der Partner von Arafat. Darüber hinaus lehnte er es ab, ein Bittschreiben der Tochter eines politischen Gefangen in Israel entgegenzunehmen und traf sich mit nur acht jungen Palästinensern, während er eine Design: ery foto Seite 3 03. 2013 Rede vor tausend jungen israelischen Studenten verschiedener Universitäten hielt. Obama übte konstant direkten und indirekten Druck auf die Palästinenser aus und bemühte sich den sogenannten„Friedensprozess“ wieder zu beleben. Für diese Aufgabe setzte er seinen Außenminister John Kerry ein, der die erforderlichen Anstrengungen auf sich nehmen soll, um die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien auf die Streitpunkte der Grenzen und der Sicherheitsfrage zu konzentrieren. Er verlangte von den Palästinensern, ihren Pflichten nachzugehen, insbesondere im Bezug auf die Sicherheitskoordination sowie die anti-israelische palästinensische Berichterstattungen. Er warnte Abbas davor, den UN-Gang weiter zu forcieren oder vor den Internationalen Strafgerichtshof zu ziehen. Unsere Befürchtung besteht darin, dass Obama und sein Außenminister die chaotischen Umstände infolge des arabischen Frühlings ausnutzen könnten, um zu versuchen, die Palästinenser auf dem Papier mit einem eigenen Staates ruhig zu stellen, der allerdings nach den Vorstellungen Israels geformt ist und de facto keine staatlichen Attribute trägt. Wissen die Palästinenser, was sie erwartet? Werden sie einen Weg aus diesem Labyrinth finden? Wir wissen nämlich gut, was es heißt, bilaterale Verhandlungen unter amerikanischer Schirmherrschaft zu führen. Schlicht und einfach sind wir nach 20 Jahren des Oslo-Prozesses zu einem Desaster gelangt. Daher ist es nicht nur ein großer Fehler, sondern ein Akt psychischer Umnachtung, ja sogar eine Form von Defätismus und Kapitulation, diesen Weg erneut einzuschlagen. Obama: The Jewish Organ Grinder‘s Monkey The Palestinian Information Center, Freitag, 22.03.2013, By Khalid Amayreh It should be amply clear by now that President Obama‘s visit to Occupied Palestine has been a great disappointment, especially for those who had counted on him to revive the moribund peace process between Israel and the Palestinian Authority (PA). Indeed, during his 3-day visit, the lion‘s share of which was devoted to heaping praise on the racist Zionist entity, the American president said very little apart from regurgitating the same old lies, halftruths and platitudes that we had heard ad nauseam from every American President since Truman. Obama showed off his Zionist credentials by praising„Israel‘s enduring vigor.“ However, he utterly ignored the fact that every Jewish settlement, Kibbutz or Moshav was built right on top of a depopulated Arab village or hamlet. His excessive praise of the biggest thieves of history is more than a moral blunder; it is an unforgivable sin bordering on crime. The fact that Obama allowed the Israeli hasbara machine to utilize every moment of his visit to promote and advance the mendacious Zionist narrative underscores a stunning absence of rectitude and moral honesty on his part. He should have pointed out that Israel was a consummation of violence and terror and that Israel triumphed not because of its moral excellence, human pursuit or religious values but rather because it excelled in the utilization of organized terror Design: ery foto Seite 4 03. 2013 and violence against a helpless people, the Palestinians. Needless to say, this happened thanks to unlimited and unrestricted American backing and support of the evil Zionist scheme in Palestine. But one can not give what one doesn‘t have, and Obama, like most or all of his predecessors in the White House, seems to utterly lack the basic moral requirements to qualify for a true leader and statesman. The man has just proven himself to be just another political animal, a petty politician with a hopelessly parochial vision and little or no moral orientation. Obama spoke of the cancerous Jewish colonies in the West Bank and Jerusalem as if they were only a minor obstacle to peace when in fact these ubiquitous settlements constitute the ultimate killer of any remaining hope for any semblance of dignified peace between Jews and Muslims in occupied Palestine. Verbal theatrics To counter-balance, or perhaps blur his infatuation with Zionism, Obama indulged in some flimsy verbal theatrics about peace. He warned that Israel should allow for the establishment of a viable and territorially contiguous Palestinian state, citing the „unfavorable“ demographic realities west of the River Jordan. However his often repeated and reasserted„iron-clad commitment to Israeli military supremacy“ was construed in Israel as a clear green light to fly in the face of his advice since Israel would only receive carrots and more carrots but no sticks regardless of whether it heeded American warnings or demands. Indeed. For many decades, successive US administrations urged Israel to reach a peace settlement with the Palestinians and refrain from expanding settlements in the occupied Palestinian territories. However, the same administrations signaled to Israel that no matter what Israel does or doesn‘t, the Zionist state would still enjoy America‘s unflinching support and backing. In other words, Israel learned not to take America’s warnings and demands seriously as defying the US carried no risks or negative ramifications for Israel. Obama did provoke Palestinians, Arabs and Muslims when he urged them to recognize Israel as a Jewish state. Unfortunately, Obama, like previous American administrations, seems to have swallowed the Jewish hook, line and sinker. It is really hard to imagine that a president who has at his disposal mountains of information about what a„Jewish state“ really means in real terms from the Israeli view point would rather nonchalantly invoke this evil mantra. Didn‘t any of Obama‘s advisers tell him that a Jewish state is merely a euphemism for transforming Israel by way of ethnic cleansing into a pure Talmudic Jewish entity free of Christians, Muslims and others who don‘t adhere to the Jewish faith? In other words, we are taking about a Nazi-like Jewish state of the master race or Chosen people, for the Chosen People and by the Chosen people. I am not making inaccurate statements or indulging in groundless accusations. Even Tzipi Livni, who is considered a peace dove by much of the Western media, believes in the ultimate ethnic cleansing of Israel’s Palestinian citizens. Design: ery foto Seite 5 03. 2013 Didn‘t she say on numerous occasions that if Israel’s Palestinian citizens sought national rights, e.g. human and cultural rights, they would have to leave for the„future Palestinian state?“ If this is not ethnic cleansing, then what is it? Obama spoke about a general formula that would give Israel the security it needs and the Palestinian the dignity they deserve. Well, do the Palestinians, the most tormented and uninterruptedly savaged people under the sun, not need security? Dignity alone is no guarantee against Jewish terror and criminality. After all, Palestinian children, school and college students, villagers, workers as well as ordinary Palestinian women are murdered on a daily basis by the terrorist soldiers of the only true democracy in the Middle East. On the other hand, Israel is a regional superpower. It has a huge nuclear arsenal of hundreds of nuclear weapons along with their delivery systems. And above that, it has America, its president, Congress, and media at her beck and call. So who really needs security and security guarantees Israel or the Palestinians? Another point. Obama said Israel shouldn‘t be expected to negotiate with those dedicated to its destruction, an allusion to the Islamic Liberation Movement, Hamas. Well, to begin with, Hamas is not salivating for negotiations with Israel. Hamas will not recognize the greatest theft in history in order to be invited to the White House or be called moderate. For Hamas and the rest of the Muslim people, Israel is and will always be a criminal thief. Hamas is not fighting Israel because Israel is Jewish, Hamas is fighting Israel because Israel is the Palestinian people‘s murderer and grave digger, and I am not speaking metaphorically. Besides, one would wonder why that Obama is and other western leaders are ignoring the decidedly fascist Israeli parties that are dedicated to the national destruction of the Palestinian people? Some of these parties are part of the Israeli government, such as the Bayt Hayehudi. To conclude, genuine peace is made by great men who pay no attention to petty political considerations; men who have their eyes transfixed on justice, men who don‘t seek complacency at the expense of truth. Unfortunately, it seems Barack Obama is not one of these men. Die Bedeutung der Entschuldigung Israels an die Türkei! Maan News Agency, Montag, 25.03.2013, Dr. Sufian Abu Zaida Ein direktes Ergebnis des Besuchs des US-Präsidenten Barack Obama in der Region ist die telefonische Entschuldigung Netanyahus an seinem türkischen Amtskollegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Die Verschlechterung der israelisch-türkischen Beziehungen begann nach der israelischen Aggression gegen Gaza Ende 2008 und dem Vorfall des Schiffs„Marmara“ im Jahre 2010. Diese Entschuldigung war nicht zufällig, sondern ein Ergebnis anhaltenden Drucks seitens der USA, die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei zu stabilisieren ohne dabei das Ansehen Israels zu verletzen. Ohne Zweifel liegt es im Interesse der USA, die Krise zwischen Israel und der Türkei zu beenden. Die Türkei hat im Zuge Design: ery foto Seite 6 03. 2013 der Umbrüche im Nahen Osten eine entscheidende Rolle eingenommen. Die Wiederaufnahme der israelisch-türkischen Zusammenarbeit in Sicherheits- und Militärangelegenheiten ist von zentralem Interesse für die amerikanische Nahost Politik. Was hat nun die beiden Seiten dazu bewegt, sich wieder zu versöhnen? Hauptgrund der Beilegung des Konflikts ist die Entwicklung der Lage in Syrien, die gleichermaßen eine Bedrohung für Israel und die Türkei darstellt und die sicherheitspolitische Zusammenarbeit notwendig macht. Was Israel aber insbesondere beunruhigt, ist der Abbruch der militärischen Zusammenarbeit bezüglich der Luftsicherheit und das Verbot israelischer Übungsflüge in tür kischem Luftraum. Ebenso traf das türkische Veto gegen die israelische Teilnahme an Nato-Trainingsflügen einen Nerv. Nicht zu vergessen ist ebenso die Auflösung der Zusammenarbeit der Nachrichtendienste. Sicherlich stellt die syrische Frage in diesen Zeiten eine Notwendigkeit für die Zusammenarbeit beider Seiten dar, da die Entwicklungen in Syrien eine Bedrohung für die gesamte Region darstellen. Von zentralem Interesse ist allerdings auch, den Lauf der post-Assad-Ära zu beeinflussen. Für beide Parteien verkörpern der Iran, die Hisbollah im Libanon, einige radikale salafistische Organisationen und die Mög lichkeit eines syrischen Chemiewaffeneinsatzes gleichermaßen eine Bedrohung. Die Spannungen zwischen der Türkei und Israel sind Resultat ihrer entgegengesetzten Positionen bezüglich des Nahost Konflikts, der Blockade Gazas und der Haltung zur Hamas. Die Annäherung der beiden Staaten wird nicht ohne Auswirkung auf die israelisch-palästinensischen Beziehungen und sogar auf die palästinensisch-palästinensischen Beziehungen bleiben. Israel kann nicht mehr ohne weiteres Angriffe auf Gaza durchführen und ist gezwungen, die wirtschaftliche Blockade zu lockern, solange der Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel hält. Andererseits ist die Türkei durch ihre guten Beziehungen mit der Hamas und mit dem Präsidenten Abbas in der Lage, eine Schlüsselrolle im Versöhnungsprozess zwischen der Fatah und der Hamas einzunehmen. Unter diesen Umständen ist es wahrscheinlich, dass die Türkei Ägypten in seiner Vermittlerrolle ersetzt. Was kommt nach der Entschuldigung Israels bei der Türkei? Felesteen News, Donnerstag, 28.03.2013, Hamza Abu Shanab Bevor der US-Präsident Israel verließ, rief er den türkischen Ministerpräsident an und gab den Hörer an den israelischen Premierminister weiter, damit sich dieser bei der Türkei entschuldigte und sich bereit erklärt, die drei türkischen Bedingungen zu akzeptieren: Er sollte sich entschuldigen, die Familien der getöteten Aktivisten entschädigen und die Blockade des Gazastreifens aufheben. Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Türkei stellt den ersten diplomatischen Erfolg Obamas in seiner zweiten Amtszeit dar. Zu der Entschuldigung kam es allerdings erst, nachdem Obama und Netanyahu über alle wichtigen Themen wie den Iran, die Möglichkeit eines syrischen Chemiewaffeneinsatzes und die arabischen Revolutionen ausführlich diskutiert hatten. Es war deutlich zu erkennen, dass alle Forderungen Israels von Obama bewilligt wurden. Design: ery foto Seite 7 03. 2013 Einigkeit herrschte über den Umgang mit der Bedrohung eines iranischen Atomprogramms und die Notwendigkeit, mit allen Mitteln eine atomare Bewaffnung des Irans zu vermeiden, inklusive eines präventiven Militärschlags. Ebenfalls waren sich die beiden Staatsoberhäupter darin einig, eine Bewaffnung islamistischer Gruppierungen in Syrien oder der libanesischen Hisbollah mit unkonventionellen Waffen wie Langstreckenraketen zu verhindern. Mit andern Worten, Obama legitimierte Israel damit eindeutig, sich jeder Zeit in die syrische Krise einzumischen. Letzten Endes wurde vereinbart, dass die USA die israelische Sicherheit im Kontext der Umwälzungen in den arabischen Ländern garantierten, insbesondere bezüglich Ägyptens nach dem Sturz des Mubarak Regimes, das sich als Garant für die Sicherheit Israels in den letzten drei Jahrzehnten etabliert hatte. Das Fortbestehen der Besatzungsmacht Israel basiert auf der Logik der Macht mit dem Ziel, seine Nachbarn durch militärische Übermacht abzuschrecken und kein Anzeichen von Schwäche zu zeigen. Das gegenwärtige politische Klima in der Region veranlasst Israel dazu, seine Feinde durch Säbelrasseln einzuschüchtern. Die Entschuldigung Israels an die Türkei impliziert zweifellos die Möglichkeit eines israelischen Militärschlags. Obama hat es während seines Besuchs geschafft, die PA durch finanzielle Unterstützung ruhig zu stellen und ohne Vorbedingungen an Verhandlungstisch zurückzuholen. Mit der israelischen Entschuldigung ist die Türkei nun neutralisiert, und der Gazastreifen kann somit bis auf weiteres außer Acht gelassen werden. Israel wird das schwächste Glied in der Achse zwischen Syrien, der Hisbollah und Iran ausfindig machen. Das syrische Re gime ist offiziell von seinen arabischen Verbündeten isoliert und wird mit der Realität öffentlicher Unzufriedenheit konfrontiert. Syrien ist nicht in der Lage, einen Angriff Israels auf seine Waffenlager, seien es konventionelle oder unkonventionelle Waffen, zu stoppen, wohingegen Iran in Schwierigkeiten geraten würde, verlöre es Syrien als Verbündeten. In diesem Fall wäre die verbündete libanesische Hisbollah ebenfalls hart getroffen, die sich bereits aktiv in die syrische Krise eingemischt hat und gegen die syrischen Rebellen kämpft. Die Hisbollah kann sich einen Zwei-Fronten-Krieg nicht leisten. Die Möglichkeit eines militärischen Vorgehens Israels gegen eine der genannten Parteien durchführen, bedeutet jedoch nicht, dass es in den nächsten Tagen dazu kommen wird. Israel wird die Lage weiter genau beobachten und auf einen günstigen Moment warten. Israel und die USA bedürfen dieser Einschüchterungstaktiken, um die Region unter Kontrolle zu halten, insbesondere nach dem amerikanische Versagen im Irak und Afghanistan, und aufgrund der neu formierten israelischen Regierung, deren Mitglieder keine große politische Erfahrung aufweisen können. Design: ery foto Seite 8 QUELLEN Al-Ayyam, Ramallah Tageszeitung, der Fatah nahe stehend www.al-ayyam.com Maan News Agency, Bethlehem Internetzeitung, unabhängig und liberal www.maannews.net Sama News, Gaza Internetzeitung, unabhängig www.samanews.com Felesteen Zeitung, Gaza Tageszeitung, der Hamas hend www.felesteen.com nahe stePalestine Information Center, Gaza Internetseite, der Hamas nahe stehend www.palestine-info.co.uk/en/ Zusammengestellt von Dr. Usama Antar, Friedrich-Ebert-Stiftung, Gaza 03. 2013 Design: ery foto Seite 9